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Innovation und Exzellenz: Neue und alte Herausforderungen für das deutsche Wissenschaftssystem

  • Andreas KnieEmail author
  • Dagmar Simon
Living reference work entry
Part of the Springer NachschlageWissen book series

Zusammenfassung

Im Rahmen eines Exzellenzprogramms, der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern, wurden beachtliche institutionelle Neuerungen im deutschen Wissenschaftssystem ermöglicht. Anderseits ist die für Innovationen förderliche Durchlässigkeit zwischen Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Sektoren, insbesondere der Wirtschaft, nicht erreicht worden. Eine entscheidende Begründung liegt in dem vorherrschenden Reputationsregime der Wissenschaft, das auf innerwissenschaftliche Leistungskriterien setzt und durch die Exzellenzinitiative wissenschafts- und forschungspolitisch weiter stabilisiert wurde.

Schlüsselwörter

Wissenschaftssystem Innovation Exzellenz Governance Institutionelle Settings 

1 Einleitung

In den letzten drei Jahrzehnten ist in der deutschen Wissenschaftslandschaft nach einer langen Phase der Stabilität in den sechziger und siebziger bis Anfang der achtziger-Jahre viel in Bewegung geraten. Die Hochschulen haben ihre Ausbildungsformate „europäisiert“ und auf die Bologna-Vorgaben umgestellt, neue Steuerungs- und Koordinationsinstrumente sowie systematisch eingesetzte Bewertungsverfahren wurden entwickelt und die institutionellen Settings der Hochschulen wie der außeruniversitären Forschungseinrichtungen durch horizontale und vertikale Ausdifferenzierungen und neue Kooperationsformate verändert. Die zunehmend in wettbewerblichen Verfahren vergebenen Forschungsmittel und die allgegenwärtigen Evaluationen sind als eine Reaktion auf Veränderungen im Verhältnis von Wissenschaft und Politik bzw. Wissenschaft und Gesellschaft zu verstehen, denn die Begründungspflichten bzw. der Legitimationsbedarf und damit die Berichtspflichten wissenschaftlicher Einrichtungen haben sich deutlich erhöht (Weingart et al. 2007). Die Reformen im deutschen Wissenschaftssystem sind auch Reaktionen auf bereits stattgefundene Entwicklungen in Europa, insbesondere mit Blick auf die Veränderung der Wissenschafts-Governance, die unter dem Begriff „New Public Management“ zusammengefasst werden können (De Boer et al. 2007).

Den wissenschaftspolitischen Diskurs dominieren in den letzten zehn Jahren zwei Großthemen: Innovation und Exzellenz. Dies sind historisch gesehen zwar keine neuen Themen für die Wissenschaftspolitik, aber es lassen sich besondere Akzentsetzungen beobachten, die insbesondere für die institutionellen Settings des Wissenschaftssystems folgenreich sind. In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie weitreichend die Reformen sind und ob sich dadurch die Handlungsfähigkeit der Wissenschaftseinrichtungen, auf neue gesellschaftliche Herausforderungen flexibel und lösungsorientiert zu reagieren, verbessert hat.

Denn die Bewältigung der „Grand Challenges“ wie Klimawandel, Alterung der Gesellschaften, Energiewende oder die Digitalisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen ziehen erhebliche Transformationsprozesse nach sich und erfordern neue wissenschaftliche Herangehensweisen und Methoden, um Veränderungen antizipieren zu können – so jedenfalls lauten Beiträge auch aus der Wissenschaft selbst. Nicht nur von der Wissenschaftspolitik, sondern auch von Wissenschaftler/innen selbst wird eine stärkere inter- und transdisziplinäre Forschung gefordert, die unterschiedliche gesellschaftliche Akteure in den Produktionsprozess wissenschaftlichen Wissens mit einbezieht und (auch) gesellschaftliche Experimentierräume schafft, in denen Wissen erprobt und für die Anwendung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten ‚robust‘ gemacht werden kann. Neben grenzüberschreitenden Konstellationen sind Formen transnationaler Kooperationen für die wissenschaftliche Bewältigung gesellschaftlicher Problemlagen verstärkt notwendig (Lindner et al. 2015), die von globaler Natur sind und nicht allein auf nationaler Ebene bearbeitet werden können. Es geht nicht nur um die Art und Weise der Produktion und Aneignung neuen Wissens, sondern auch um neue Formate, Organisationsformen, Kooperationsbeziehungen, Förder- und Bewertungsinstrumente in transnationalen und nationalen Forschungs- und Innovationssystemen (z. B. das europäische RIF-Project – Research and Innovation Futures 2030; vgl. Lindner et al. 2015).

In einem weiteren Schritt werden in diesem Beitrag (institutionelle) Folgen der deutschen Exzellenzinitiative für das Wissenschaftssystem unter dem Aspekt diskutiert, inwieweit sich Öffnungen für innovationsfördernde flexible Übergänge zwischen Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Sektoren ergeben und welche Rolle das herrschende Reputationssystem in diesem Zusammenhang übernimmt.

2 Umbauarbeiten im deutschen Wissenschaftssystem

Herausgefordert von den „Grand Challenges“ versucht Wissenschaftspolitik auf europäischer Ebene schon seit einiger Zeit neue Wege zu gehen. Gesucht werden eine systemische Perspektive und eine veränderte Governance der Wissenschaft für die Bewältigung eines umfassenden Transformationsprozesses, in dem technische, soziale und gesellschaftliche Fragen gleichzeitig auf der Agenda stehen. Auch Konzepte einer „Responsible Research and Innovation“ (RRI) beispielsweise zielen im europäischen Forschungsraum im Kern darauf ab, Ausrichtung und Auswirkungen von Forschung und Innovation weitgehend mit gesellschaftlichen Bedarfen in Einklang zu bringen und hierfür konzeptionelle Ansätze einer Meta-Governance zu entwickeln (Kuhlmann und Rip 2014). Auch Innovation in diesem Sinne ist eng mit der Frage nach dem Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bzw. einzelnen gesellschaftlichen Akteursgruppen verknüpft und wird in der nationalen, europäischen und transnationalen Wissenschaftspolitik reflektiert. Innovation wird damit nicht auf technisch oder ökonomisch verwertbare Produkte oder Prozesse reduziert. Vielmehr ist damit der Anspruch verbunden, das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft programmatisch bzw. durch Schwerpunktsetzungen und Förderstrategien zu gestalten. Dieser Gestaltungsanspruch von Forschungs- und Innovationspolitik lässt sich insbesondere an Verschiebungen in den Diskursen zur europäischen Forschungsförderung erkennen: von „Science and Society“ (2006) über „Science in Society (ab 2007)“ zu „Science with and for Society“ (2014–2020) (vgl. Torka 2015).

In Deutschland wie auch zum Teil im europäischen Forschungsraum dominiert neben den Reaktionen auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Diskurs um die ‚Exzellenz‘ von Forschung die wissenschaftspolitische Debatte. Hierzu hat maßgeblich das wettbewerblich organisierte Förderprogramm der „Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder“ für die Hochschulen in Deutschland beigetragen, dem eine Logik der Differenzierung bzw. Stratifizierung der Qualität und Sichtbarkeit von Hochschulen, insbesondere ihrer Forschung, zugrunde liegt (vgl. Flink und Simon 2015). Exzellenz und die hinterlegten Semantiken, wie auch die Förderstrategien und -programme haben europaweit eine bemerkenswerte Karriere gemacht: Man spricht nicht mehr von der „Qualität der Forschung“ sondern von „exzellenter Forschung“ und es werden nationale Förderprogramme aufgelegt, die Differenzierungsstrategien vor allem in der Forschung verfolgen, auch wenn sie institutionell auf die Hochschulen abzielen (Leibfried 2010; Simon et al. 2010). Spitzenforschung soll international sichtbarer und leistungsfähiger werden und sich damit von einem Mittelfeld (von Forschungsleistungen) absetzen. Hierzu passt nahezu idealerweise das in den letzten Jahren verstärkt eingesetzte Bewertungsinstrumentarium der quantitativ ausgerichteten Rankings und Ratings auf unterschiedlichen Ebenen: Personen, Disziplinen und Institutionen. Beachtung finden im Prinzip nur noch diejenigen, die sich an der Spitze befinden (vgl. Simon 2015).

Darüber hinaus trägt die wissenschafts- und innovationspolitische Rhetorik, dass Investitionen in Wissenschaft und Forschung entscheidend für das wirtschaftliche Wachstum und den globalen Wettbewerb seien, Früchte. Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttosozialprodukt in Deutschland wurde auf das Niveau der USA erhöht (OECD 2011) und sowohl beim Innovationsniveau als auch bei der Innovationsdynamik hat sich Deutschland hinter einigen skandinavischen Ländern einen der Spitzenplätze erobert (IUS 2011). Die Forschungspraxis ist darüber hinaus in Deutschland internationaler geworden. Ungeachtet der Problematik, die Leistungsfähigkeit der Wissenschaft an Indikatoren wie der Anzahl an Artikeln in international angesehenen, referierten Zeitschriften oder gar an Patenten zu messen, bleibt es doch bemerkenswert, dass sich die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen seit 1990 – gemessen am Science Citation Index Expanded – verdoppelt hat. Ebenso ist der Anteil der Veröffentlichungen mit internationalen Ko-Autor/innenschaften stark angestiegen (van Leeuwen 2010) und kann als Indikator für die Stärkung internationaler Forschungskooperationen unter Beteiligung deutscher Wissenschaftlern/innen gewertet werden, der unter dem Stichwort ‚Internationalisierung der deutschen Wissenschaft‘ ein wissenschaftspolitisches Desiderat darstellt.

Diese Umbauarbeiten und Internationalisierungsbemühungen rekurrieren auf ein generelles wissenschaftspolitisches Problem in Deutschland: Den Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird eine fehlende Beweglichkeit und mangelnde interinstitutionelle Flexibilität vorgeworfen. Dies betrifft nicht nur die Verwertung wissenschaftlicher Ergebnisse in Form wirtschaftlich ertragfähiger Produkte, also eine unzureichende Durchlässigkeit zwischen dem Wissenschaftssystem und dem ökonomischen Sektor, sondern auch die eingangs zitierten komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen („Great Challenges“), die neue Formen der Wissenserzeugung und der Wissenschafts-Governance erfordern. Die Reaktionen wissenschaftlicher Einrichtungen auf diese Herausforderungen lassen sich auf die Begriffe Profilbildung und Ausdifferenzierung bringen, die als Governance-Instrumente auf Wettbewerb und Kooperation zugleich fokussieren (Hornbostel und Simon 2011; Knie und Simon 2010). Darüber hinaus werden neue Formen der Kooperation zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aber auch zwischen den ‚vier Säulen‘ der Forschungseinrichtungen (Max Planck Gesellschaft, Helmholtz Gemeinschaft, Leibniz Gemeinschaft und Fraunhofer Gesellschaft) als ein probates Mittel gegen Vorwürfe institutioneller Verkrustungen in Anspruch genommen. Dagegen kann mittlerweile auf eine Vielzahl von Formen der Zusammenarbeit verwiesen werden, so bei der Nachwuchsförderung und bei regionalen Kooperationen wie den Innovationsclustern der Fraunhofer Gesellschaft oder bei den großen Projekten zwischen Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten, um Grundlagenkompetenz und anwendungsorientierte Forschungsperspektiven besser zu verknüpfen (GWK 2014). Neben den Kooperationen wird von den Forschungsorganisationen auf die vor allem in der Forschungsfinanzierung eingeführten wettbewerblichen Verfahren als einem weiteren wichtigen Koordinationsmodus der Wissenschaft rekurriert, der die institutionellen ‚Arbeitsteilungen‘ zwischen den außeruniversitären Forschungseinrichtungen relativiert. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass für zukünftige wissenschaftspolitische Weichenstellungen der mögliche Grenzertragsnutzen von wettbewerblichen Verfahren kritisch gesehen werden muss, wenn hierdurch der Ausbau institutioneller Kooperationen eher gefährdet als unterstützt wird. Zu beobachten sind bereits jetzt einerseits Ausdifferenzierungen im institutionellen Gefüge des Wissenschaftssystems, aber auch neue Entdifferenzierungen, weil die einzelnen Einrichtungen gleichermaßen den großen Trendvorgaben folgen.

3 Ausdifferenzierung und Entdifferenzierung des institutionellen Settings

Ausdifferenzierung kann im Hinblick auf die Hochschullandschaft zweierlei bedeuten: auf der vertikalen Ebene den Versuch, sogenannte Elite- oder Spitzenuniversitäten zu etablieren, und auf der horizontalen Ebene Profilbildungsprozesse anzustoßen. Wenn auch die Versuche der Universitäten, eigenständige Profile als Gesamtorganisation herauszubilden, schon länger im Gang sind, wurden die Prozesse auf horizontaler wie vertikaler Ebene maßgeblich durch die Exzellenzinitiative vorangetrieben. Unter dem Motto „freies Malen“ sollten Universitäten animiert werden, Zukunftskonzepte ohne wissenschaftspolitische Vorgaben zu entwickeln. Was wir beobachten sind Profilierungen des Leistungsspektrums, sowohl von Hochschulen als auch von außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich, zumindest auf der semantischen Ebene, als Leitbild oder Leitorientierung darstellen: International sichtbare Spitzenforschung, Wissenstransfer, herausragende Lehrangebote, Weiterbildung, eine international ausgerichtete Nachwuchsförderung, Wissens- und Technologietransfer etc. Wie tief diese Prozesse tatsächlich in die Orientierungen und Strukturen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen eindringen ist fraglich. In der Wissenschafts- und Hochschulforschung wird kontrovers diskutiert, ob Organisationen des Wissenschaftssystems – vor allem Hochschulen – unter dem Einfluss veränderter gesellschaftlicher Erwartungen ihren Charakter als „specific organisations“ verlieren und zu „normalen“ bzw. „kompletten“ Organisationen werden und ob es gelingt, dass Leitungen von Hochschulen in diesem Zusammenhang neue Durchgriffsrechte und -möglichkeiten erhalten, die z. B. eine Profilbildung top-down erlauben und damit den Einfluss von Professionen bzw. Disziplinen und deren Standards zurückdrängen (Musselin 2013; Brunsson und Sahlin-Andersson 2000; Meier 2009; Rogge et al. 2013).

Ungeachtet aller Leitbildentwicklungen und auch Schwerpunktsetzungen an Universitäten und Hochschulen weisen die genannten Untersuchungen aus der Wissenschafts- und Hochschulforschung darauf hin, dass der Einfluss auf die Profilbildungsprozesse an Hochschulen begrenzt ist und als Orientierungsmuster für die Professor/innenschaft im Hinblick auf Themensetzungen oder die Auslobung von Forschungsschwerpunkten wenig oder gar nicht wahrgenommen wird. Profilbildung verengt sich ‚zugespitzt ausgedrückt‘ auf (Grundlagen-)Forschung. Strukturell finden isomorphische Prozesse statt: In der Regel wurden im Zuge der Exzellenzinitiative (interdisziplinäre) Forschungszentren oder -cluster in der Universität als Metastruktur quer zu den Fachbereichen und Fakultäten eingerichtet. Organisatorisch ähneln sie großen Forschungsverbünden, die die disziplinäre Organisation der Universitäten nicht grundlegend verändern, sondern lediglich erweitern (Rogge et al. 2013, Flink et al. 2012). Auffällig ist die eindeutige Ausrichtung auf die Grundlagenforschung, die nicht verwundert, da die überwiegende Mehrzahl der Professoren/innen ihr als Arbeitsbereich die höchste Bedeutung zuschreibt, während dies nur 40 Prozent für die Bereiche Lehre und angewandte Forschung angeben (Brandt et al. 2011).

Eine von der Wissenschaftspolitik erhoffte Profilbildung mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen als Antwort auf die gesellschaftlichen Herausforderungen erscheint somit schwierig zu realisieren. Denn vor dem Hintergrund einer noch verschärften Multireferentialität ihrer Handlungssituation, die die gesamte Palette ihres wissenschaftlichen Spektrums als auch ihre Leistungsdimensionen betreffen, orientieren sich Hochschulen, wenn auch in einem unterschiedlichen Ausmaß, an der herrschenden Reputationsordnung in der Wissenschaft. Es könnte sogar die paradoxe Situation eintreten, dass „aufgrund der vergleichsweise starken Verpflichtung der Universitäten auf besondere Forschungsleistungen durch die Exzellenzinitiative die Intensivierung des politisch gesteuerten forschungsfixierten Quasi-Wettbewerbs zu einer Schwächung der Universitätsorganisation führt, da die Akkumulation organisationaler Reputation der Hochschulen in Deutschland erst noch in den Anfängen steckt“, und die Universitäten die Professor/innen daher für besondere Leistungen ausschließlich in der Währung Reputation belohnen können (Kleimann 2014, S. 256).

Andererseits sind zeitgleich Entdifferenzierungen in der Wissenschaftslandschaft zu konstatieren (vgl. Hohn 2016). Insbesondere sehen sich die Hochschulen der Herausforderung ausgesetzt, die ganze Palette des Leistungsspektrums, also Forschung, Lehre, Nachwuchsförderung, Wissenstransfer, Infrastrukturen etc. anzubieten. In diesem Kontext finden Homogenisierungsprozesse durch die Übernahme anderenorts erfolgreicher Konzepte statt: zum Beispiel nehmen Volluniversitäten, neben Forschung und Lehre, Innovation in ihr Leitbild auf, die ehemaligen Fachhochschulen engagieren sich wesentlich stärker als bislang in der Forschung, Institute der Max-Planck-Gesellschaft heben, neben ihrem Fokus auf Grundlagenforschung, den gesellschaftlichen Nutzen ihrer Forschungsprogramme hervor und die Fraunhofer Gesellschaft reklamiert, neben den zahlreichen Forschungskooperationen mit industriellen Partnern, die Entwicklung neuer Forschungsfelder als eine zentrale Aufgabe und sucht verstärkt Kooperationen mit akademischen Partnern.1 Gerade bei den Hochschulen bewirkt der Versuch, neben ihren grundständigen Aufgaben wie Lehre und Forschung alle möglichen weiteren Aktivitäten anzubieten unter den Bedingungen einer strukturellen Unterfinanzierung genau das Gegenteil dessen, was der Wissenschaftsrat als Vorteil für die Entwicklung der Hochschulen herausgearbeitet hat. Eine Differenzierung, die es den Hochschulen erlaubt, sich flexibel an sich ändernde gesellschaftliche Ansprüche anzupassen und die Möglichkeit wahrzunehmen, sich auf Stärken zu konzentrieren anstatt mit begrenzten Ressourcen alle Aufgaben erfüllen zu wollen (Wissenschaftsrat 2010).

Die Möglichkeit, bereits vorhandene Potenziale, Besonderheiten, Schwerpunkte und Kompetenzen durch eine entsprechende Profilbildung auszubauen, wird in der Regel nicht genutzt. Im Sinne der Stärkung von Innovationsprozessen werden hier Optionen verschenkt, neben den Kernaufgaben einer Universität beispielsweise den Wissens- und Technologietransfer, unternehmerische Aktivitäten oder eine anwendungsorientierte Forschung zu bedienen und vor allem zu professionalisieren. Das Problem liegt auch hier wiederum im herrschenden Reputationssystem, das der Grundlagenforschung den eindeutigen Vorrang gibt und damit andere Leistungen implizit abwertet. Darüber hinaus bedarf es zusätzlicher Anreize im Sinne von Exzellenzprogrammen für die Lehre oder auch für unternehmerische Hochschulen, die eine ausdifferenzierte Profilbildung tatsächlich unterstützen könnten. Die vorhandenen Förderprogramme, beispielsweise der Ministerien, weisen nicht das Renommee der „Exzellenzliga“ auf und sind deshalb für die Hochschulen und Forschungseinrichtungen weniger attraktiv.

Insgesamt zeigt die Diskussion über Profilbildung, Aus- und Entdifferenzierungen, Wettbewerb und Kooperation, dass ein Systemblick auf die gesamte Wissenschaftslandschaft notwendig ist, um sich darüber verständigen zu können, wie sich aus dem Patchwork-Bild der jüngsten Entwicklungen ein konsistenteres Gesamtbild ergeben und wie eine funktionale Differenzierung in einem modernen Wissenschaftssystem gestaltet werden könnte (vgl. Wissenschaftsrat 2010).

4 Gesellschaftlicher Nutzen und Innovationsfähigkeit

Herausgefordert wird die öffentlich finanzierte Wissenschaft aber nach wie vor durch die Aufgabe, in ihren Ergebnissen stärker auf praktische Anwendungskontexte zu orientieren, dadurch in steigendem Maß zum gesellschaftlichen Nutzen beizutragen und damit auch ihre Innovationsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Für die Stärkung von Innovationsfähigkeit werden von der Wissenschaftspolitik in beträchtlichem Ausmaß neben der institutionellen Förderung weitere Programme aufgelegt, die Kooperationen zwischen akademischen Partnern und privatwirtschaftlichen Unternehmen stärken sollen. Die Wissenschafts- und Innovationspolitik versucht, die Relevanzerzeugung mit unterschiedlichen Instrumentarien – an prominenter Stelle die Hightech-Strategie der Bundesregierung – und Förderformaten für unterschiedliche Kooperationsstrukturen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu forcieren. Als ein sichtbares Zeichen von Innovationsfähigkeit werden von der staatlichen Politik besonders Spin-offs aus akademischen Einrichtungen hofiert. Historisch gesehen sind die innovationspolitischen Interventionsversuche einmal mehr oder weniger intensiv und finden in wellenförmigen Bewegungen statt (Knie et al. 2010). Der Erfolg dieses Förderformats ist jedoch sehr bescheiden geblieben. Die Zahl der Unternehmensausgründungen unmittelbar aus der wissenschaftlichen Arbeit heraus ist in Deutschland schon seit Jahrzehnten gering und erreichte 2015 nicht einmal die Marke von 250 Gründungen. Was dagegen in Deutschland boomt, sind sogenannte Start-ups. Pro Jahr werden rund 1000 solcher Unternehmensgründungen von Akademiker/innen gezählt, die aber unabhängig von einer Forschungsarbeit erfolgen und deren steigende Zahlen daher nicht primär als Erfolg dem Wissenschaftssystem zugeschrieben werden können (KPMG 2014), sondern mehr dem unternehmerischen Geist der jeweiligen Wissenschaftler/innen.

Doch greift ein Innovationsbegriff zu kurz, der ausschließlich auf die Seite der wirtschaftlichen Verwertung rekurriert und nicht auch auf die Frage, inwieweit die Einbeziehung von Praxiskontexten in Forschungsvorhaben nicht auch zur Innovationsfähigkeit der Wissenschaft beitragen kann. In dieser Frage ist man sich in der Wissenschaftsforschung weitestgehend darüber einig, dass sich in den letzten zwanzig Jahren hinsichtlich des gesellschaftlichen Umfelds einiges verändert hat (Matthies et al. 2015): Die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sind zweifelsohne vielfältiger und enger geworden. Die Diagnosen über die Art und Weise sowie die Reichweite des Wandels fallen allerdings sehr unterschiedlich aus. Konstatiert wird eine stärkere Einflussnahme nicht-wissenschaftlicher Akteure (Gibbons et al. 1994; Nowotny et al. 2001), die zu einem neuen Typus von inter- und transdisziplinärem Wissen („socially robust knowledge“) geführt habe und die akademisch disziplinär ausgerichtete Wissenschaft in ihrer Bedeutung zurückdränge. Die bereits in den 1990er-Jahren unter dem Begriff „mode 2“ geführte Debatte ist seit ca. zehn Jahren mit der Perspektive auf die „citizen science“ erweitert worden, wonach Bürger/innen sowohl bei der Produktion als auch bei der Bewertung wissenschaftlichen Wissens zunehmend eine aktive Rolle zugeschrieben wird (Franzen 2015). Konstatiert wird eine engere Kopplung zwischen Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Teilbereichen (Weingart 2001) – von der staatlichen Politik über die Wirtschaft, das Recht, die Öffentlichkeit und die Massenmedien –, der zufolge von einer Gleichzeitigkeit der Vergesellschaftung der Wissenschaft und der Verwissenschaftlichung der Gesellschaft gesprochen werden könne. Veränderte und durchlässigere Grenzen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft werden ebenfalls mit der Diagnose der „blurring of boundaries“ wie auch mit der Entstehung einer „postnormal science“ (Funtowicz und Ravetz 1993) reflektiert oder es wird die Gefahr eines „academic capitalism“ (Slaughter und Rhoades 2004) beschworen und davon ausgegangen, dass sich zunehmend kapitalistische Marktmechanismen im Wissenschaftssystem etablierten, weil eine anwendungs- und verwertungsorientierte Wissenschaft zur dominanten Form der Erkenntnisproduktion werde. Andererseits werden in der Triple Helix-Konstruktion – also einer verstärkten Ko-Produktion von Wissen zwischen akademischen Einrichtungen, Unternehmen und staatlichen Institutionen – Vorteile einer modernen Produktion von Wissenschaft gesehen (Etzkowitz und Leyesdorff 1998) oder eine „co-evolution“ oder „co-production of science“ (Jasanoff 2004). Die Einbeziehung der civil society wird unter dem Begriff der „participatory science“ reflektiert und Arie Rip (1994) prägte den Begriff der „strategic science“, die staatliche Politiken erheblich herausfordere. Wie Grenzen zwischen gesellschaftlichen Teilbereichen und Wissenschaft, Grenzüberschreitungen, Hybridisierungen und neue Grenzziehungen in der Wissenschaftsforschung analysiert werden hat sehr unterschiedliche Konsequenzen und wird entweder als Gefahr für die Profession Wissenschaft (Schimank 2005) oder als Option gesehen: „the social and institutional opportunities where society may enter into a dialogue need fostering“ (Nowotny 2000, S. 222).

Der Gedanke des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft i. w. S. findet sich insbesondere in den Forschungen zu Innovationsprozessen wieder. In Bezug auf die Innovationsfähigkeit der Wissenschaft geht es vor allem um die institutionellen Settings, Förder-, Anreiz- und Reputationssysteme, die Innovationen erlauben, fördern oder verhindern. Dabei ist zu berücksichtigen, was sich in den Forschungen zur Wissensproduktion und Entstehung neuer ökonomisch verwertbarer Produkte im Kontext gesamtwirtschaftlicher Einflussfaktoren widerspiegelt: dass die Innovationssysteme mit ihren vielfältigen institutionellen und kulturellen Verflechtungen trotz aller Internationalisierungstendenzen in der Wissenschaft nach wie vor weitgehend national geprägt sind. Etwa durch die Institutionen für Bildung, Qualifikation, Finanzierung, Regulierung und Normensetzung, Zulieferungs- und Regionalstrukturen und die entsprechenden Politikfelder (Wirtschafts-, Wettbewerbs, Finanz- und Wissenschaftspolitik) (Grupp und Fornahl 2010, S. 143) oder durch Innovationssysteme, die die institutionellen Strukturen und wissenschaftsorganisatorischen Voraussetzungen für neue Produkte und Verfahren definieren. Sie bestimmen auch die politischen, rechtlichen und ökonomischen Spielregeln, nach denen sich akademische Einrichtungen und Unternehmen zu richten haben, ermöglichen oder verhindern Kooperationen und systemische Übergänge (Canzler et al. 2010), die sich sowohl auf institutionelle als auch auf personelle Wechsel beispielsweise zwischen akademischen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen auswirken. Innovationssysteme betreffen somit sowohl institutionelle Kooperationsformen zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und außerwissenschaftlichen Institutionen als auch Fragen des personellen Austauschs zwischen akademischer Forschung und privatwirtschaftlichen Unternehmen. Zudem bilden sich kulturelle Formate und Leitvorstellungen für Professionsverständnisse und Karriereorientierungen heraus. Dass wissenschaftliche Einrichtungen, also Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, prominente und hoch alimentierte Institutionen nationaler Innovationssysteme darstellen, die eine immer wichtiger werdende Position einnehmen sollten, darüber herrscht weitgehend Einigkeit in der Wissenschafts- und Innovationspolitik. Auch darüber, dass in Deutschland sehr erfolgreich Patente von diesen Einrichtungen generiert werden könnten, herrscht Konsens. Allerdings konnte die wissenschaftliche Produktentwicklung bislang nur in wenigen Fällen Marktreife erreichen (vgl. EFI 2010, 2011, 2015). So ist der Anteil deutscher Produkte in den sogenannten Zukunftsbranchen wie der Biotechnologie, der Informations- und Kommunikationstechnologie, der Digitalwirtschaft oder der Verkehrs- und Energietechnologie sehr gering und steigert sich nicht in einem signifikanten Umfang. Obwohl diese Forschungsbereiche über eine starke institutionelle Stellung verfügen und unter anderem in Förderprogrammen der Hightech-Strategie der Bundesregierung und auch im Rahmen der Exzellenzinitiative präsent sind (vgl. Wentland et al. 2011). Während sich mehr und mehr „science-based“ -Industrien auch in der Digitalwirtschaft etablieren und im Jahr 2015 bereits fünf der zehn wertvollsten Marken aus Ausgründungen oder Startups im Umfeld kalifornischer Universitäten stammten, hat Europa und insbesondere Deutschland hier bislang überhaupt keine Akzente setzen können. Selbst in etablierten Branchen wie dem Maschinen- und Fahrzeugbau drohen den europäischen Unternehmen durch neue Startups aus den USA im Kampf um die führenden Technologien und Einsatzkonzepte neue Konkurrenten zu entstehen. So gilt insbesondere Kalifornien mit seinen sehr flexiblen und kooperativen Arbeitsstrukturen zwischen Industrie und akademischer Forschung als das eigentliche Zukunftsland z. B. der Elektromobilität und nicht etwa Deutschland mit seiner starken Tradition in der Elektrotechnik und dem Straßenfahrzeugbau. Die viel kritisierte ‚Versäulung‘ des Wissenschaftssystems in Deutschland hat dazu geführt, dass im Bereich der Mobilität keinerlei nennenswerte wirtschaftliche Akzente gesetzt werden konnten (Canzler und Knie 2016).

5 Reputation und Innovation

Damit bleibt das deutsche Innovationssystem trotz der skizzierten Verschiebungen und Veränderungen an den akademischen Rändern in der kritischen Diskussion. Mit seiner Wissensordnung, seinen Formen der Arbeitsteilung und Grenzziehungen innerhalb des Wissenschaftssystems sowie zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und schließlich seiner Reputationsordnung haben sich insbesondere die akademischen Institutionen noch nicht wirklich als kooperationsfähig erwiesen. Es wäre jedoch verkürzt, die Frage der Innovationsfähigkeit ausschließlich auf diese Fähigkeit zur Zusammenarbeit und die Übergänge zwischen öffentlich-rechtlichen Einrichtungen und privatwirtschaftlichen Unternehmen zu reduzieren. Auch die Entwicklungen in den Kerninstitutionen der Wissenschaft, den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind davon berührt, geht es doch, wie beschrieben, verstärkt um Profilbildungs- und Ausdifferenzierungsprozesse. Und es geht auch um Formen der Steuerung, Koordination und Bewertung von Wissenschaft im Generellen.

Besonders Luhmann hat bereits Anfang der 1990er-Jahre die Konstruktionsbedingungen der akademischen Forschung beschrieben. Wissenschaft kann demzufolge als gesellschaftliches Funktionssystem verstanden werden, das mit der klassischen Aufgabe beauftragt ist, gültiges Wissen zu generieren. Gültig ist Wissen aber nur dann, wenn es sich im Gegensatz zu allen anderen Teilsystemen nicht durch eine spezifische „Leistung“ für andere Teilsysteme auszeichnet, sondern mit der Codierung „Wahrheit“ gleichsam selbstbezüglich legitimiert (Luhmann 1991). Dies bedeutet jedoch nicht, dass neues Wissen für Akteure anderer Teilsysteme wie der Wirtschaft, der staatlichen Politik, des Rechts oder auch der Medien nicht nützlich sein könnte. Nützlichkeit für andere Teilsysteme ist allerdings eine „Konstruktion des Verwenders“ (Luhmann 1991, S. 638). Wissenschaft konnte sich daher in den letzten Jahrhunderten ohne direkten Leistungsbezug entwickeln und in einem spezifischen Reputationssystem selbstreferenziell ausdifferenzieren. Diese Analyse Luhmann’s kann im Kern so zusammengefasst werden, dass die Wissenschaft selbst entscheidet, was ‚gute‘ Wissenschaft ist. Dies offenbart allerdings auch die Probleme einer gegenseitigen Bezugnahme von Wissenschaft mit anderen Teilsystemen der Gesellschaft, deren Ausprägung sich in den nationalen Wissenschaftssystemen unterschiedlich gestaltet.

Eine wichtige Legitimationsbasis für ein Wissenschaftssystem, das ohne direkten Leistungsbezug auskommt, war bislang das gerne zitierte „Kaskadenmodell“, das der Wissenschaft als Quelle von Erkenntnissen innerhalb des Innovationssystems einen prominenten Platz einräumt. „Ironically, even with the growing acceptance of multi-dimensional innovation systems approaches, the linear model still persists, (…), many innovation policies and instruments are still predicated on linear models of basic research followed by applied research leading to development, production and diffusion and that such models are retained and are active in the cognitive maps of the innovation process used by numerous policy makers“ (Shapira et al. 2010, S. 451). Diesem Modell entsprechend steht an erster Stelle die Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse über die anwendungsorientierte Wissenschaft in den Prototypenbau und schließlich in die Marktvorbereitungsphase münden. Erkenntnisprozesse und Produktentwicklungen verlaufen tatsächlich in unterschiedlichen Formen direkter Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure und Formen der Erkenntnisgewinnung in rekursiven Schleifen und Rückkopplungsprozessen, die wenig mit der Kaskadenvorstellung zu tun haben (Braun-Thürmann 2005). Dennoch orientieren sich sowohl die institutionellen Settings des deutschen Wissenschaftssystems als auch die dominierenden Referenz- und Reputationssysteme an dieser Kaskade. In der Konsequenz werden Grenzziehungen im Wissenschaftssystem zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit ihren jeweiligen Profilen der grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung sowie zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiterhin stabilisiert, obwohl in der Forschungspraxis die Zusammenarbeit zwischen grundlagen- und anwendungsorientierten Forschern/innen bzw. zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen und akademischen Einrichtungen zunimmt.

In diesem vorherrschenden Reputationssystem liegt eines der Grundprobleme für innovationsfördernde Kooperationsstrukturen. In vielen Fachgebieten, beispielsweise in der Bio- oder Nanotechnologie, waren öffentliche Forschungseinrichtungen schon immer auf die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen angewiesen und sind es weiterhin, sei es in einem Auftragsverhältnis oder durch die gemeinsame Nutzung von Labors oder anderen aufwendigen technischen Einrichtungen. Jedoch sind die Anreize für Wissenschaftler/innen aus akademischen Einrichtungen gering, sich in anwendungsorientierter Forschung bzw. in Transferaktivitäten jeglicher Art zu engagieren, wenn sich diese Art wissenschaftlicher Arbeit nicht in den maßgeblichen Belohnungssystemen der akademischen Forschung materialisiert.

Dies betrifft insbesondere die institutionellen Evaluationen wissenschaftlicher Einrichtungen. Zwar berücksichtigen und werten sie Anwendungsorientierungen wie Patente, Lizenzeinnahmen, Ausgründungen, Kooperationsprojekte mit Wirtschaftsunternehmen oder Drittmitteleinwerbungen aus der Wirtschaft in ihren Kriterienkatalogen als Leistungen von Forschungseinrichtungen. In den impliziten Reputationshierarchien stehen sie jedoch, im Vergleich mit Publikationen in hochgerankten internationalen Journals, auf den unteren Rängen. Ein ähnliches Bild bietet sich bei den individuellen Bewertungen von Wissenschaftlern/innen, beispielsweise in Berufungsverfahren. Gepunktet wird mit Publikationen und der Einwerbung von die Reputation fördernden Drittmitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft und weniger mit Patenten oder Firmengründungen. Differenzen zwischen den Disziplinen sind zwar zu berücksichtigen, aber die Unterschiede zwischen den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften sind in dieser Hinsicht weitaus geringer als bislang angenommen. Gerade für jüngere Wissenschaftler/innen ist es nicht besonders attraktiv, einen stärker anwendungsorientierten Weg in der Forschung zu verfolgen, wenn sie die entscheidenden Karriereschritte noch vor sich haben und Kooperationen mit der Wirtschaft sich nicht als Einbahnstraße oder als Exit aus dem Wissenschaftssystem erweisen sollen (Wentland et al. 2012).

Aber auch die Kooperation zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie zwischen letzteren wird nicht nur durch neue Formate – wie etwa durch die Zusammenarbeit zwischen Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft – gefördert, sondern auch ganz real entwickelt: durch gemeinsame Forschungsvorhaben, gemeinsame Berufungen von Professor/innen an Hochschulen und Forschungsinstitute oder durch die gemeinsame Nachwuchsförderung in Form einer strukturierten Doktorandenausbildung etc. Interessanterweise hat hier die Exzellenzinitiative neue Kooperationsformen sowie langfristige Allianzen geschaffen (Hohn 2016). Die Fusion der Universität Karlsruhe mit dem Helmholtz Großforschungszentrum zum „Karlsruher Institute of Technology“ (KIT) ist hier zu nennen, JARA als langfristig angelegte Kooperation zwischen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und dem Forschungszentrum Jülich, die Gründung des Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) als „Holdingdach“ für die Charité und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin oder auch die strategische Allianz zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Zentrum für Molekulare Biologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Diese längerfristig angelegten Kooperationsformate mit einer zum Teil gemeinsamen Governance waren zwar kein primäres Ziel der Exzellenzinitiative, aber offensichtlich konnten sich diese Arbeitsteilungen in dem sehr stabilen Institutionengefüge nur in einem Exzellenzprogramm entwickeln. Die Zusammenarbeit funktioniert dann gut, wenn sich die Akteure aus diesen unterschiedlichen institutionellen Kontexten auch hier wieder auf gemeinsame Referenzsysteme beziehen können (Hohn 2016).

Man kann also konstatieren, dass zwar viel Bewegung im deutschen Wissenschaftssystem herrscht. Große Herausforderungen werden angegangen, aber im Kern bleiben die Grundregeln und Reputations- und Referenzsysteme wissenschaftlichen Arbeitens und Publizierens unberührt.

6 Institutionelle Stabilität

Auf der Suche nach Stabilität oder auch Widerstandsfähigkeit gegenüber externen i. w. S. gesellschaftlichen Ansprüchen sind Anleihen aus früheren Analysen der Science and Technology Studies (STS) hilfreich. Beispielsweise hat Richard Whitley das deutsche Wissenschaftssystem beschrieben als ein: „competitive hierarchical system (…) (which) probably occur(s) where there is some state delegation to practitioner elites and competition between universities, but the academic system is quite centralised and hierarchical within them so that disciplinary elites and institute heads can exert considerable control over research agenda and careers“ (Whitley 2003, S. 1026). Gerade im Vergleich zur Organisation von Forschung und Wissenschaft in Großbritannien werden die starke und autonome Stellung der Professor/innenschaft und die sehr begrenzte Steuerungsfähigkeit der staatlichen Politik deutlich. Zudem hat sich so etwas wie eine akademische Elite (Münch 2007) herausgebildet, die entscheidende Positionen beispielsweise in der Forschungsförderung einnimmt. Autonomie bestimmt dabei im hohen Maße die Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems im Vergleich zu anderen Ländern (Buchholz et al. 2009).

Autonomie ist zweifelsohne eine entscheidende Voraussetzung für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit. Sie kann für Innovationsprozesse jedoch dann ein Problem darstellen, wenn die Hüter der Autonomie, die scientific communities, nur wenige Leistungsmerkmale in der sogenannten Spitzenforschung in der Reputationshierarchie anerkennen. Dabei zeigt eine Reihe von Studien über amerikanische und europäische Universitäten, dass sich Kooperationen mit Unternehmen oder die Einwerbung von Drittmitteln aus der Wirtschaft durchaus positiv auf die Reputationsordnung auswirken können. Eine Untersuchung über die Publikationstätigkeit in hochrangigen, referierten Zeitschriften dokumentiert, dass beispielsweise Fakultätsmitglieder, die mit der Wirtschaft direkt kooperieren, mehr Artikel in diesen Journals veröffentlichen als ihre stärker grundlagenorientierten Fachkolleg/innen. Eine Untersuchung der im Science Citation Index geführten Zeitschriften zeigt im Zeitraum von 1981 bis 1994, dass zudem Artikel in Ko-Autorenschaften mit Industrieforscher/innen häufiger zitiert werden als andere (vgl. Larsen 2011, S. 10–12). Auch korreliert die wissenschaftliche Produktivität mit der Zahl von Spin-off-Gründungen und von Patentanmeldungen, wie eine Untersuchung von 170 Universitäten in Europa zeigt (Larsen 2011).

Es geht also um Verständigungsprozesse in den Fachgemeinschaften selbst, wie Innovationen ermöglicht und gefördert werden können und wie eine Ambivalenztoleranz gegenüber unterschiedlichen Leistungen der Wissenschaft erreicht werden kann. Innovation meint nicht nur den Aspekt wie aus Forschungsergebnissen wirtschaftlich verwertbares Wissen generiert werden kann, sondern auch die Frage, wie neue Themen, Fragestellungen etc. für die Wissenschaft entwickelt werden und welche Rolle dabei außerwissenschaftliche Akteure einnehmen können. So zeigt sich einerseits im Rahmen der Exzellenzinitiative – ungeachtet aller aufgelegten erfolgreichen Programme in den Clustern und vor allem in der Doktorandenförderung der Graduate Schools – eine Verengung der Programmatik auf Grundlagenforschung und ähnliche strukturelle Muster ihrer Bearbeitung. Innovationsförderung ist insbesondere durch die notwendigen Grenzüberschreitungen zwischen Wissenschaft und außerwissenschaftlichen Akteuren sehr voraussetzungsvoll. Dass sie durchaus zur Steigerung der Produktivität führen kann, zeigen Beispiele aus Europa und Nordamerika (vgl. Knie und Lengwiler 2008).

Wissenschafts- und Innovationspolitik setzt in Deutschland auf Veränderungen der Rahmenbedingungen durch Anreize, Fördermöglichkeiten und Bewertungssysteme. Die entscheidende Stellschraube, die Reputationsordnung der Wissenschaft, kann damit aber nicht tangiert werden. Obwohl also mit Innovation und Exzellenz neue Themen und mit dem „New Public Management“ neue betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente eingeführt wurden, und obwohl die gesamte Hochschulausbildung auf europäische Formate umgestellt wurde und immer mehr Beteiligte und Konkurrenten um die Wahrheitsdeutung und Beratungsleistungen konkurrieren, bleibt die deutsche Wissenschaftslandschaft in ihrem Innersten eine gut ausgestattete selbstreferenzielle Angelegenheit.

Zusammenfassend kann man also feststellen, dass es, zumindest in Deutschland, der akademischen Wissenschaft gelungen ist, mehr öffentliches Geld für das System zu akquirieren ohne dabei den konkreten Leistungsbezug zu verändern. Wissenschaft bleibt damit auch heute noch im Wesentlichen ein Versprechen auf die Zukunft, deren Einlösung für die Gesellschaft erhofft, aber nicht verbindlich gestaltet werden kann.

Die Kehrseite der Medaille dieser starken Autonomie des deutschen Wissenschaftssystems ist eine Art von ‚Politikversagen‘. Denn offenkundig ist es der Wissenschaftspolitik immer noch nicht gelungen, die Deutungshoheit über Themen und Qualitätsstandards der akademischen Wissenschaft so zu relativieren, dass die Durchlässigkeit zu anderen gesellschaftlichen Teilsystemen ‚wie beispielsweise in Großbritannien und den USA‘ größer wird. Was gute Wissenschaft ist und welche Themen mit welchen Methoden bearbeitet werden, wird auch im Zeichen umfassender Evaluationen in Deutschland von der Wissenschaft selbst festgelegt. Sicherlich war die Etablierung von Projekten durch eine ‚Steuerung‘ der Wissenschaft durch staatliche Politik in den 1970er-Jahren keine erfolgreiche Intervention, weil die Eigenheiten wissenschaftlicher Erkenntnisarbeit beinahe fahrlässig ignoriert wurden. Allerdings ist das augenblicklich angewandte Verfahren, über eine Bürokratisierung der Mittelvergabe eine öffentliche Einflussnahme abzusichern, keine wirkliche Alternative um öffentliche Gelder zu konditionieren. Untersuchungen zeigen, dass starke Einflussnahmen über Governance-Instrumente für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit kontraproduktiv wirken können (Öquist und Benner 2012).

Alleine aus wissenschaftsinternen Kriterien heraus wissenschaftliche Leistungsfähigkeit oder gar Exzellenz zu bewerten, kann für eine moderne Gesellschaft nicht ausreichen. In dem Zusammenhang sollte ein Befund für die wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland beunruhigend sein: Die gewerbliche Wirtschaft scheint immer mehr das Interesse an der akademischen Forschung, zumindest als Forschungspartner, zu verlieren. Während die Gesamtausgaben der Wirtschaft für F&E gestiegen sind, profitiert die akademische Forschung davon immer weniger. Obwohl der Drittmittelanteil an den deutschen Hochschulen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen ist, hat die Zahl der Aufträge aus der Wirtschaft in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Der Anteil der gewerblichen Wirtschaft an allen Drittmitteln der Universitäten fiel von knapp 28 Prozent im Jahr 2000 auf 21 Prozent im Jahr 2010. Und die Tendenz ist weiter abnehmend. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Beiträge aus öffentlichen Quellen, insbesondere der DFG sowie der Bundes- und Länderförderung an den Drittmitteln der Universitäten, während die Industrie die finanziellen Mittel in eigene Forschungseinrichtungen bzw. Forschungsverbünde investierte (Stifterverband 2015). Eine Vermutung für die zurückgehende Bedeutung der akademischen Forschungsfinanzierung durch Industrieunternehmen könnte sein, dass sich gewerbliche Interessen und akademische Reputationsordnungen im deutschen Wissenschaftssystem in den letzten Jahren, trotz Exzellenzinitiative und Umbaumaßnahmen, immer weniger miteinander vertragen.

7 Fazit

Die Ergebnisse der Analyse des deutschen Wissenschaftssystems unter dem Aspekt von Innovation und Exzellenz fallen nicht eindeutig aus. Einerseits ist eine Reihe von Veränderungen erkennbar. Es kann durchaus eine stärkere ‚Vergesellschaftung‘ der Forschungspraxis beobachtet werden.

Es sind eine Reihe von Umbaumaßnahmen im institutionellen Setting vorgenommen worden. Die Exzellenzinitiative hat für deutsche Verhältnisse beachtliche institutionelle Veränderungen hervorgerufen, selbst solche, die von vornherein gar nicht intendiert waren wie etwa die neuen Kooperationsformate zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Durch die hohe Reputation der Exzellenzinitiative ist zudem ein Möglichkeitsraum für Neuerungen geschaffen worden, der durch andere Förderformate bzw. durch Programme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nicht in dieser Weise denkbar gewesen wäre.

Auf der anderen Seite dominiert auch weiterhin eine Reputationsordnung, die mehr denn je die Kriterien für eine erfolgreiche akademische Karriere auf die innerwissenschaftlichen Belange konzentriert und damit – wie am Beispiel der zurückgehenden Bedeutung der Industriemittel – inmitten der vordergründigen Vielfalt und Buntheit stabile Abschottungstendenzen erkennen lässt. Das Reformprojekt, mehr (sektorale) Durchlässigkeit zu erlauben und zu fördern, um hiermit auch die Innovationsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems zu stärken, steht noch am Anfang.

Fußnoten

  1. 1.

    Bei allen Profilbildungs- und Differenz erzeugenden Strategien wissenschaftlicher Einrichtungen sind die symbolische und rhetorische Bedeutung sowie Abgrenzungen und Grenzziehungen im Sinne von „boundary work“ (Gieryn 1983) nicht zu unterschätzen, die gerade für die Modi der Forschungsfinanzierung eine erhebliche Bedeutung haben. Wenn man dagegen die Ebene des wissenschaftlichen Arbeitens betrachtet, bestimmen Kooperationen schon seit langem über institutionelle Grenzziehungen hinweg den Forschungsalltag.

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Authors and Affiliations

  1. 1.InnoZ – Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel GmbHBerlinDeutschland
  2. 2.Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbHBerlinDeutschland

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