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Wem gehört die Heimat?

Beiträge der politischen Psychologie zu einem umstrittenen Phänomen

  • Editors
  • Wilfried Belschner
  • Siegfried Grubitzsch
  • Christian Leszczynski
  • Stefan Müller-Doohm

Part of the Reihe: Politische Psychologie book series (POLPSY, volume 1)

Table of contents

  1. Front Matter
    Pages 1-11
  2. Über die scheinbare Selbstverständlichkeit eines Gegenstandes Wem gehört die Heimat — in Politik und Politischer Psychologie?

  3. Theoretische Perspektiven: Heimat und Politische Psychologie

    1. Front Matter
      Pages 21-21
    2. Ina-Maria Greverus
      Pages 23-39
  4. Geschichtlichkeit und Perspektivität von Heimat: Struktur und Funktion einer Orientierung auf Heimat, der kulturelle Gestaltungsprozeß von Heimat und seine Grenzen

  5. Vom Nationalstaat zum demokratischen Verfassungsstaat: Kollektive Identitätsbildung unter den Bedingungen vielfältiger Lebensformen und universalistischer Prinzipien

  6. Zentraler Sachzwang — regionale Emanzipation und Widerstand: Heimat zwischen politischer Machtsicherung und Autonomie regionaler Lebensgestaltung

About this book

Introduction

1. Die Zeichen von Krieg, Vertreibung und Flucht, die heute unsere Nachrich­ ten aus Osteuropa beherrschen, verleihen dem Thema dieses Bandes eine grauenhafte Aktualität. Das halbe Jahrhundert gepanzerter Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg hatte fast vergessen lassen, welche Gewalt die unter­ drückten Konflikte um Lebensformen und Territorien behalten; wie erbittert sie als Kampf um ethnische oder nationale Identität erlebt und geführt wer­ den. Es ist wie ein Blick in die brutale Vorgeschichte des Heimatphänomens, dessen materielle Dynamik durch den hegemonialen Fortschritt von Industrie und Weltmarkt - für unsere Weltgegend jedenfalls - gebändigt schien. Der säkulare Modemisierungsprozeß zerstört ja mit dem Zwang zu Indu­ strialisierung und Weltmarktanpassung unaufhaltsam und unumkehrbar die traditionalen Grundlagen von regionalen Kulturen, von Gemeinschaftlichkeit und kollektiver Identität; wir sahen und sehen fortgesetzt diesen lebensweltli­ chen Strukturwandel, in dem das Materiale der Heimat untergeht. Den ge­ schichtlichen Individualitäten der Landschaft, der agrarischen, handwerkli­ chen und auch industriellen Arbeitsformen, der Bauformen, der familialen Muster, schließlich der Mentalitäten und Sprachformen wird-im Zuge einer Subsumption unter das Allgemeine des globalen Verwertungsprozesses-ihr Eigensinn genommen. Aber ist es nicht so, daß gerade an diesem Eigenen - Sehnsucht wie Haß stiftend - in unserer Kindheit sich eine psychosoziale Disposition bildete, die unser Wesen durchprägt, in die wir immer schon ver­ setzt sind und die uns nur im nachhinein - in der Bewußtseinsaufgabe, unser Erleben zu reflektieren - zugänglich wird. So ist Heimat das dem Einzelnen zugefügte Eigene, dem er sich affirmativ oder kritisch, getrieben oder sublimierend widmen oder entziehen kann.

Keywords

Gewalt Identität Kindheit Krieg Kultur Lebenswelt Nation Struktur Strukturwandel

Bibliographic information

  • DOI https://doi.org/10.1007/978-3-322-97251-4
  • Copyright Information VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden 1995
  • Publisher Name VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden
  • eBook Packages Springer Book Archive
  • Print ISBN 978-3-322-97252-1
  • Online ISBN 978-3-322-97251-4
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