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Erzählen als Element politischer Kommunikation in Sozialen Medien

  • Georg Weidacher
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Themenbeitrag
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Zusammenfassung

Politisch-propagandistisches Erzählen bietet durch die perspektivierte Organisation von Informationen eine epistemische und evaluative Orientierung in komplexen Situationen und führt zu einer Gruppenbildung aufgrund so etablierter geteilter politischer Mythen. Zur Gestaltung und Verbreitung dieser Erzählungen im Diskurs werden immer mehr die Affordanzen der Sozialen Medien genutzt, wie in diesem Beitrag anhand einer Analyse zweier Beispiele aus dem österreichischen Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 aufgezeigt wird.

Schlüsselwörter

Erzählen Erzählung Kommunikative Praktik Sprache und Politik Soziale Medien Online-Kommunikation Politischer Mythos 

Narrating as an Element of Political Communication in Social Media

Abstract

Narratives in political propaganda organize information from a certain perspective, and by providing an epistemic and evaluative orientation in complex situations lead to the formation of collectivities that share these political myths. For the formulation of these narratives and their spreading in discourse, the affordances of social media are increasingly being made use of, as is shown in this article by means of examples taken from election campaigns for the Austrian presidency in 2016.

Keywords

Narration Narrative Communicative Practices Language and Politics Social Media Online Communication Political Myth 

1 Einleitung

Da die Nutzung vieler Kommunikationsformen im Internet und speziell in den Sozialen Medien mittlerweile zum kommunikativen Alltag – nicht zuletzt auch zu dem in der politischen Domäne – gehört, soll die Praktik des Erzählens auch und neuerdings vor allem in diesem medialen Rahmen ihre Funktion als Mittel der Propaganda erfüllen. Dabei werden die Affordanzen des neuen Mediums, d.h. seine »Ermöglichungen« (Marx/ Weidacher 2014, S. 57)1 genutzt, was Rückwirkungen auf die Ausformung der Praktiken des politisch motivierten Erzählens und die Verbreitung von Erzählungen im politischen Diskurs hat. Im Folgenden werde ich mich zunächst theoretisch mit dem Erzählen im Allgemeinen und im Speziellen in der politischen Online-Kommunikation auseinandersetzen und sodann zwei einschlägige Beispiele aus dem 2016 auch auf verschiedenen Plattformen im Internet intensiv geführten Wahlkampf um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten analysieren.

2 Erzählen in politischer Online-Kommunikation

2.1 Die Funktionen der Praktik des Erzählens

Erzählen kann als eine spezifische Form der Vertextung erfasst werden, die in einem semiotisch codierten Artefakt, d.h. einem Ergebnis absichtlichen Verhaltens, dem gemäß einer kulturellen Codierung ein (komplexes) Signifikat zugewiesen wird, resultiert. Dieses Artefakt kann aufgrund einer ihm im selben kulturellen Rahmen konventionalisiert verliehenen Funktion als ›Instrument‹ genutzt werden (vgl. Posner 1991, S. 46).

Wie alle Texte weisen Erzählungen dementsprechend einen Doppelcharakter auf:2 Texte können grundsätzlich einerseits als sprachlich – oder multimodal – vollzogene komplexe kommunikative Handlungen mit einem jeweils bestimmten pragmatischen Zweck betrachtet werden, andererseits als komplexe Zeichen, die das Resultat eines Formulierungsprozesses sind. Diese beiden Aspekte, die man in der auf Aristoteles (2004, S. 232ff.) zurückgehenden Begrifflichkeit als Praxis bzw. als Poiesis bezeichnen kann, bilden die zwei wesentlich aufeinander bezogenen und de facto untrennbaren Facetten eines jeden Textes bzw. textuellen Handelns.

Als poietisch gestaltete »bleibende Produkte« (vgl. Janich 2014, S. 24) erfüllen Texte ihre pragmatische Funktion in »zerdehnten Sprechsituationen« (Ehlich 1983), sind dort »Sprechhandlungen« im Sinne Bühlers (vgl. 1999, S. 51ff.), die allerdings sein für Sprechhandlungen definitorisches Merkmal der empraktischen Einbindung in einen aktuellen situativen Kontext vermissen lassen, sich dafür aber umso mehr für die Teilnahme an über einen längeren Zeitraum geführten Diskursen eignen.

Was hier allgemein zum Wesen von Texten festgestellt wurde, gilt, sofern man zumindest teilweise von in Gespräche spontan eingesetzten Ad-hoc-Erzählungen absieht, auch für erzählende Texte: Erzählen ist einerseits unter dem Praxis-Aspekt eine »kommunikative Tätigkeit« (Gülich/ Hausendorf 2000, S. 369) in Gestalt einer zerdehnten Sprechhandlung bzw. eines Sprachspiels im Sinne Wittgensteins (vgl. 1984, S. 250), das, da Erzählungen zumeist in komplexere Handlungszusammenhänge eingebettet sind, wiederum Teil eines Sprachspiels ist. So kann Erzählen als kommunikative Praktik im Rahmen eines persuasiven Sprachspiels rhetorisch als ›narratio‹ (vgl. Ottmers 2007, S. 56ff.) funktionalisiert werden, um z.B. eine politische Argumentation in ihrer Überzeugungskraft zu unterstützen. Zugleich ist Erzählen eine »rekonstruktive Tätigkeit« (Gülich/ Hausendorf 2000, S. 369), das heißt, eine spezifische Form textueller Poiesis bzw. der Herstellung eines textuellen Artefakts, bei der ein im Allgemeinen zurückliegendes oder als zurückliegend dargestelltes Ereignis sprachlich oder mithilfe anderer Zeichen rekonstruiert wird. Resultat dieser narrativen Formulierungspraktik ist eine Erzählung als Sprachwerk im Sinne Bühlers (vgl. 1999, S. 53f.).

Dass Erzählungen Ereignisse oder Ereignisfolgen rekonstruieren, darf allerdings nicht so verstanden werden, als handele es sich nur um die simple Versprachlichung von etwas bereits strukturiert Vorgegebenem. Vielmehr bewirkt erst der Prozess der Poiesis eine Ereignisstrukturierung, denn Erzählungen sind als Ergebnisse ihrer Formulierung zu einer sinnvoll geordneten Gestalt wie alle Texte »Konstitutionsformen von Wissen« (Antos 1997), wobei ›Wissen‹ als eine strukturierte Menge miteinander relationierter Informationen zu definieren ist. Die Ausformung des textuell konstituierten Wissens im Zuge der Erzählungsformulierung wird durch das jeweilige »projektive Adressatenkalkül« (Knape 2000, S. 59) bestimmt bzw. durch die in einem weiteren Sinn rhetorisch orientierte Darstellung zum Zweck einer rezeptionsfördernden (vgl. Antos 1997, S. 45) und zugleich rezeptionsorientierenden Kommunikation. Das gewählte Vertextungsmuster der Narration selbst gibt aber schon eine, wenn auch sehr allgemeine und abstrakte Struktur vor, indem sie »[…] die in sich stimmige Einheit der Erzählung auf die Wirklichkeit, von der sie berichtet, [überträgt]« (Llanque 2014, S. 16).

Daraus, dass das Erzählen »[…] die auf die lebensweltliche Sinnbildungsoperation des Thematisierens (Erlebens) zugeordnete Diskursform ist« (Gumbrecht 1980, S. 409) und dieses Erleben unter anderem wesentlich auf einer Einordnung von Ereignissen in einer zeitlichen Abfolge beruht, erklärt sich, dass in der Erzählforschung eine temporale Sequenzierung als zentrales Merkmal der Struktur dieser Diskursform angesehen wird. So bezeichnen Labov/ Waletzky (2006, S. 81) die temporale Sequenz einer Narration als »an important defining property« und Bruner (1991, S. 6) definiert: »A narrative is an account of events occurring over time. It is irreducibly durative.«

Demzufolge selegieren Erzählungen Ereignisse oder Erlebnisse, sequenzieren sie in einer temporalen Ordnung und auferlegen somit dem jeweiligen Ausschnitt der ›Wirklichkeit‹ eine diesen so eigentlich erst kognitiv konstituierende spezifisch narrative Struktur. Diese Vertextung besteht aus textlinguistischer Sicht aus der chronologischen Reihung von Propositionen und Illokutionen, die insgesamt ein komplexes Ereignis repräsentieren (vgl. Heinemann/Heinemann 2002, S. 187), wodurch dieses erst kommunizierbar wird.

Allerdings muss hier angemerkt werden, dass das narrative Vertextungsmuster, wie auch jedes andere, nicht notwendigerweise einen ganzen Text prägt. Es kann auch einem anderen Muster, z.B. dem argumentativen, bzw. der entsprechenden Sinnbildungsoperation im Sinne Gumbrechts untergeordnet und in dessen Struktur eingebettet sein. Interessanter ist jedoch, dass andererseits eine explizite Vertextung nicht vollständig erfolgen muss, sofern es den projektiven Adressaten möglich ist, ausgehend vom kommunizierten Ausschnitt der temporalen Sequenz auf das gesamte narrativ konstituierte Wissen zu schließen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn diese oder mit ihr eng verbundene und auf denselben Wirklichkeitsausschnitt abhebende Erzählungen oder auch anders vertextete Kommunikate bereits kommuniziert wurden und daher als Wissensframes für die Rezipienten kognitiv abrufbar sind.

Beispielsweise haben im österreichischen Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 Norbert Hofer und seine Partei, die FPÖ, die insgesamt argumentative, aber durch Beispielerzählungen gestützte Strategie verfolgt, den Gegenkandidaten, Alexander Van der Bellen, als zu alt für das Amt, wenn nicht gar als senil darzustellen. Eine – im Übrigen falsche3 – Beispielerzählung bestand darin, dass behauptet wurde, Van der Bellen habe vergessen, sich vor einer vom Internet-TV-Sender OE24.TV organisierten Diskussion der beiden Kandidaten richtig zu rasieren, sodass er während des Interviews einen halb abrasierten Oberlippenbart getragen hätte. Diese Beispielerzählung für Van der Bellens angebliche Senilität wurde am 18. November 2016 auf der Facebook-Seite des Parteiobmanns der FPÖ, Heinz Christian Strache, (https://www.facebook.com/HCStrache/photos/a.226243068590.133860.74865038590/10154381476583591/?type=3&theater) in Form eines Fotos des angeblich unzulänglich rasierten Gegenkandidaten gepostet und folgendermaßen von Strache kommentiert: »Nachdenklich! Van der Bellen (gestern auf ö24-tv mit Norbert Hofer) vergisst offensichtlich bereits darauf, die andere Hälfte seines Oberlippenbarts zu rasieren. Siehe Foto. Was vergisst er noch?«.

Das Bild und der Kommentar sind nur ein Ausschnitt aus der temporalen Sequenz der Gesamterzählung, die Van der Bellens Senilität belegen oder zumindest suggerieren sollte. Zumindest einige User-Kommentare signalisieren jedoch, dass die dahinterstehende Intention erkannt und die Aussage der gesamten Erzählung mittels eines Rückgriffs auf einen bereits etablierten Frame ergänzt wurde, wie es z.B. im folgenden User-Kommentar der Fall ist: »Das kann schon passieren in seinen [!] Alter, er sollte sein [!] Lebensabend genießen, solceh [!] Ämter gehören in fähige Hände!«4

Man muss demnach davon ausgehen, dass die Praktik des Erzählens bzw. die Poiesis in Form narrativer Vertextung grundsätzlich, insbesondere aber im Falle von Online-Kommunikation auf drei Ebenen erfolgen kann. Erstens können nur einzelne Abschnitte eines ansonsten und vor allem hinsichtlich seiner Makroproposition nicht erzählenden Textes narrativ vertextet sein, sodass der narrative Diskursmodus – der »Narrative mode«5 (Smith 2003, S. 14) – nur auf der Mesoebene des Textes lokal beschränkt die Vertextung prägt. In solchen Fällen zeigt sich, dass Erzählungen keine kompletten und komplexen Texte sein müssen, sondern sich auf Textteile beschränken können, ja »mikrostrukturelle Narrativität« (Lehmann 2012, S. 169) schon in einem oder zwei Sätzen gegeben sein kann, sofern dies der Inhalt und sprachliche Signale, wie z.B. die Wahl eines erzählenden Tempus, indizieren. »Narratemes«, wie Coste (vgl. 1989, S. 36f.) die minimalen Einheiten des Erzählens nennt, können auch nur aus einer Äußerung bestehen, die ein Ereignis repräsentiert, wobei er ›Ereignis‹ folgendermaßen definiert: »[A]n event is a comparison between two states of a single entity separate in time and differing by at least one feature other than their temporal situation.« (Coste 1989, S. 36) Eine Äußerung wie: »Alexander Van der Bellen wurde 2016 zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt«, in der ein Ereignis im Sinnes Costes sprachlich repräsentiert wird, ist somit als Minimalerzählung zu betrachten, auch wenn es sich nur um den Anfangssatz eines Textes handelte, der z.B. mit der Beschreibung seines jetzigen Lebens als Bundespräsident fortsetzte.

Wenn der narrative Diskursmodus bzw. die mikrostrukturelle Narrativität quantitativ oder als Ausdruck der Hauptintention eines Textes diesen insgesamt dominieren, bestimmt Narrativität den Charakter der Makroebene eines Textes. Erzählen ist in diesem Fall das grundlegende Merkmal eines Textes wie z.B. eines Märchens, einer Kurzgeschichte, eines Erlebnisberichts oder der im Internet veröffentlichten Kurzbiographien der Kandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer.

Besonders interessant für politische Propaganda ist aber das Erzählen auf der dritten Ebene, der des Diskurses. Zwar müssen Erzählungen in Form von einzelnen, zuweilen auch mehreren einander ergänzenden schriftlichen, aber auch mündlichen Texten oder zumindest Textabschnitten geäußert und so in einen Diskurs eingebracht werden, aber, sobald dies gelungen ist, können sie oder auch Anschlusserzählungen mithilfe von Anspielungen oder dem Zitieren nur eines Fragments der jeweiligen Erzählung aufgerufen werden, weil sie als Wissensframes bereits bei einer ausreichenden Anzahl an Diskursteilnehmern gespeichert sind. Ein Beispiel ist die von Gegnern der FPÖ über mehrere, in keinem eruierbaren Einzeltext kohärent zusammengefassten Äußerungen konstruierte Erzählung über den Aufstieg und die geplante Machtübernahme der FPÖ, die das auf ein Image politischer Ungefährlichkeit und Gemäßigtheit abzielende Narrativ des Kandidaten Norbert Hofer konterkarieren sollte. Dabei mussten nicht immer wieder alle – aus Sicht der FPÖ-Gegner – Untaten oder deren problematische Einstellungen verratende Äußerungen erzählt werden. Um auf diese Erzählung bzw. diesen Frame zu verweisen, brauchte im Bundespräsidentschaftswahlkampf z.B. nur mehr der von Hofer in einem Interview getätigte Ausspruch: »Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist« zitiert werden, der quasi zu einem Meme6 im weiteren Sinn geworden war, mit dem das gesamte entsprechende Narrativ assoziiert wurde. Insbesondere durch die Medienlogik des Internets und dessen Affordanzen unterstützt, aber auch durch die ständige Wiederholung dieser Aussage Hofers in den ›alten‹ Medien wurde auf diese Weise eine komplexe Erzählung mittels nur eines Fragments verbreitet, wobei es sich hier noch dazu um ein als besonders signifikant empfundenes bzw. präsentiertes Fragment handelt, das aus Sicht seiner Gegner den Grundtenor der Erzählung über Norbert Hofer und die FPÖ ausdrückt und zugleich bestätigt. Die negative Bewertung der Äußerung wurde so auf die Erzählung und damit auf das Image Hofers und seiner Partei übertragen.

Dieses Beispiel zeigt, dass neben Gerüchten (z.B. über Stars) oder Verschwörungstheorien gerade politische Erzählungen durch die Wiederholung von oft nur kurzen Erzählungsfragmenten, die indexikalisch Kontexte bzw. Frames aufrufen, im – heutzutage vor allem online geführten – Diskurs diffundieren. Ein unübersehbarer Vorteil einer solchen Verbreitung ist im Übrigen, dass durch die Kondensation zu Memes im von mir definierten Sinn quasi die Faktizität der Erzählung implizit vorausgesetzt wird, zu deren Anerkennung die ständige Wiederholung noch beiträgt: Was so häufig wiederholt wird, muss wahr sein.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Politik die Marketing-Strategie des Seedings übernommen hat, die darin besteht, die virale Diffundierung erwünschter Erzählungen absichtlich auszulösen.7

Die erfolgreiche Verbreitung solcher Erzählungen, zumal wenn sie eine der eigenen Position und Ideologie entsprechende Sachverhaltskonstitution (vgl. Gumbrecht 1980, S. 407) kommunizieren, ist ein wichtiges Mittel politischer Propaganda, was vor allem auch an den Möglichkeiten der Funktionalisierung von Erzählungen aufgrund ihrer zum Teil mit anderen Formen der Vertextung geteilten, zum Teil für den narrativen Diskursmodus spezifischen Eigenschaften liegt.

2.2 Die rhetorischen Funktionen des Erzählens in der politischen Kommunikation

Politisch motivierte Erzählungen werden stets im »utilitarian mode«8 (Ryan 2006, S. 13f.) geäußert, d.h. sie werden für ein übergeordnetes Ziel, z.B. um dem Adressaten etwas zu erklären oder ihn von etwas zu überzeugen, funktionalisiert. Zu welchen kommunikativen Zwecken sie eingesetzt werden können, ergibt sich aus den Grundfunktionen des Erzählens, die sich wiederum aus den Eigenarten dessen, was Vertextung im Allgemeinen bewirkt, und aus der Spezifik des narrativen Vertextungsmusters ableiten lassen.

Da alle Texte, wie wir mit Antos (1997) oben festgestellt haben, Wissen konstituieren, indem im Zuge ihrer Formulierung Informationen selegiert und strukturiert werden, haben auch Erzähltexte eine Ordnungsfunktion, die in der narrativen Organisation, d.h. in einer temporalen Sequenzierung von Ereignissen besteht. Erzählen wirkt dabei zunächst wie ein Filter (vgl. Koschorke 2013, S. 32), der als relevant aufgefasste Ereignissegmente von irrelevanten trennt. Erstere werden sodann in eine Struktur überführt, wobei die wichtigste Relation – neben der temporalen – die kausale in einem weiteren Sinn ist. Dadurch wird der gewählte Weltausschnitt einerseits kommunizierbar und andererseits verstehbar.

Dieses Verstehbarmachen durch Ordnen bildet die Basis für alle weiteren Grundfunktionen des Erzählens, vor allem aber für die Orientierungsfunktion. Erzählungen stellen allgemein in vielen Fällen und speziell in der politischen Kommunikation – meist nicht ganz uneigennützige – Angebote dar, die dem Adressaten dabei helfen sollen, sich in komplexen oder als komplex empfundenen Situationen zurechtzufinden, aber auf eine Art und Weise, die den Intentionen des Textautors entspricht. Zum Beispiel können in einer Erzählung Kausalzusammenhänge aufgezeigt oder auch postuliert werden, die dem Rezipienten eine Situation erklären und sie so durchschaubar machen. Dies und eine der Erklärung häufig immanente Bewertung ermöglichen ihm, sich in dieser Situation zu orientieren und dementsprechend seine Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.

Dadurch, dass das narrative Orientierungsangebot aufgrund der Selektion und Strukturierung des Erzählten unweigerlich vom ideologischen Standpunkt des Erzählenden aus perspektiviert und »ethisch gefärbt« (vgl. Aristoteles 1995, S. 214 bzw. Llanque 2014, S. 17) ist, werden dem Adressaten implizit politische Einstellungen und Werthaltungen vermittelt. Sofern dies gelingt, erfüllt eine Erzählung neben der Orientierungs- zugleich eine Überzeugungsfunktion, insofern als der Adressat allgemein von der Weltsicht des Erzählenden überzeugt wird oder, wenn die Erzählung als rhetorisches Mittel der ›narratio‹ in einem konkreten argumentativ-persuasiven Sprachspiel eingesetzt wird, so orientiert wird, dass er geneigt ist, in der jeweiligen Situation den Intentionen des Erzählenden entsprechend zu handeln.

Eine Erzählung kann in diesem Zusammenhang rhetorisch als ›exemplum‹ (vgl. Ottmers 2007, S. 83ff.) funktionalisiert werden, d.h. als salientes und als exemplarisch präsentiertes Beispiel eine Argumentation stützen. Bei solchen Erzählungen mit Beispielfunktion handelt es sich in der modernen politischen Kommunikation zumeist um metonymische Erzählungen im Sinne Jakobsons9 (vgl. 1979, S. 202), wie z.B. die Erzählung vom nur halb abrasierten Oberlippenbart Van der Bellens als Beispiel für seine angebliche Senilität. Als eher metaphorisch zu interpretierendes Beispiel ist hingegen die im Flüchtlingsdiskurs immer wieder verwendete, der persuasiven Intention entsprechend evaluativ perspektivierte Erzählung von der spätantiken Völkerwanderung zu interpretieren, wenn diese inklusive der in ihr enthaltenen allgemeinen Werthaltungen und konkreten Bewertungen auf die Flüchtlingsbewegungen der Gegenwart projiziert wird.

Wenn das Ordnungs- und das Orientierungsangebot einer Erzählung akzeptiert werden und sich eine ausreichende Anzahl von Adressaten mit ihrer Hilfe überzeugen lässt, entwickelt sie schließlich eine kommunitäre Funktion, indem sie eine Gemeinschaft oder »collectivity« konstituiert oder zumindest deren Zusammenhalt stärkt. »We define as a collectivity any figuration of individuals that share a certain meaningful belonging that provides a basis for action- and orientation-in-common.« (Couldry/ Hepp 2017, S. 168) Eine Erzählung kann insofern die Basis für ein solches »meaningful belonging« bilden, als sie zu geteiltem Wissen, gemeinsamen Werthaltungen und einer »kollektiven Intentionalität in Form von geteilten ›Wir-Einstellungen‹« (Tuomela 2009, S. 534) führt. In diesem Fall und, wenn sie oder eine Menge miteinander verbundener und sich wechselseitig stützender gleichartiger und gleichgerichteter Erzählungen zum zentralen Kristallisationspunkt einer Gemeinschaft werden, kann man mit Sommer (2009, S. 230ff.) von einer »Kollektiverzählung« sprechen. Zu einer solchen ist die immer wieder mit neuen Beispielen angereicherte Erzählung der FPÖ und ihres Kandidaten, Norbert Hofer, geworden, dass die Regierungsparteien, aber auch die Grünen, also die Partei, der Alexander Van der Bellen entstammt, Österreich zugrunde richten. Mit dieser Erzählung setzt sich die FPÖ an die Spitze einer Gemeinschaft mit einer den anderen Parteien gegenüber antagonistischen Werthaltung und einer kollektiven Intentionalität des Protests.

Die hier kurz erläuterten Grundfunktionen der Praktik des Erzählens greifen ineinander über und entfalten ihre Wirkung zumeist gemeinsam. Allerdings kann je nach kommunikativem Rahmen eine dieser Funktionen dominieren, so z.B. die kommunitäre, wenn eine Erzählung für ihre Adressaten keine neuen Informationen und auch keine neue Ordnung der Informationen bietet, sondern hinter ihr die Intention steht, dass sich die adressierte Gemeinschaft in ihrer geteilten Weltsicht bestätigt fühlt und sich damit ihrer Zusammengehörigkeit vergewissern kann.

Allgemein gesprochen liegt diese jeweils unterschiedliche Gewichtung der Grundfunktionen daran, dass, wie oben schon festgestellt wurde, Erzählen stets Teil eines komplexeren Sprachspiels und darüber hinaus einer spezifischen Lebensform ist: »Erzählen ist als sprachliches Handeln integriert in die sonstigen Handlungsbezüge der gesellschaftlichen Aktanten.« (Ehlich 1980, S. 20) Grundsätzlich müssen wir daher, wenn wir auf den Grundfunktionen aufbauende spezifischere Funktionalisierungen des Erzählens im politischen Kontext skizzieren, zwei komplexe Sprachspiele unterscheiden: politische Deliberation und politische Propaganda.10

In politischen Deliberationsprozessen11 dienen Erzählungen der Begründung in die Deliberation eingebrachter Vorschläge sowie der Erläuterung von Werthaltungen und ideologischen Einstellungen bezüglich der diskutierten Thematik. Dabei ist es das prinzipielle Ziel des Erzählens, andere Aktanten im Kommunikationsprozess zu überzeugen.

Im Sprachspiel politischer Propaganda ist das Ziel hingegen, andere zu überreden12, also weniger auf rationale Argumentation als auf stärkere Emotionalisierungen zu setzen. Dafür sind Erzählungen besonders gut geeignet, weil man mit ihnen mittels Selektion und entsprechender Strukturierung manipulativ perspektivierte Weltdarstellungen kommunizieren kann, die soziale Sinnschemata vermitteln (vgl. Tophinke 2009, S. 250), welche künftige Wahrnehmungen der Adressaten speziell auch hinsichtlich einer emotionalen Bewertung vorstrukturieren.

Ein wesentlicher Faktor für diese propagandistische Wirkung der Ordnungsfunktion von Erzählungen besteht darin, dass durch die Selektion nicht nur Elemente ausgewählt werden, die in die Erzählung einfließen, und durch die strukturierende Formulierung eine evaluativ und emotional perspektivierte Darstellung erfolgt, sondern dass damit andere Elemente und anders gerichtete Perspektivierungen ausgeschlossen werden. Propagandistische Erzählungen sind somit ein sehr effektiver Weg, »[…] of genuinely or apparently contributing to debate, which simultaneously frame[s] the debate in such a way as to exclude the perspective of a targeted group.« (Stanley 2015, S. 129) Dieser Ausschluss kann durch Verschweigen, aber auch durch eine so starke explizite oder – wirkungsvoller – implizite Abwertung der gegnerischen Perspektive, dass sie als völlig unvernünftig und nicht nachvollziehbar erscheint, gelingen. Um dieses für echte politische Deliberation abträgliche, in politischer Propaganda jedoch anvisierte Ziel zu erreichen, genügt zumeist eine einzige Erzählung nicht, wenn es auch eine Art Kernerzählung geben kann. Um diese scharen sich im Allgemeinen weitere gleich gerichtete Erzählungen, die sich gegenseitig stützen und so zu dem führen, was Bruner (1991, S. 18) »narrative accrual« nennt, nämlich zu einem Korpus vernetzter und von einer ideologischen Gemeinschaft geteilter Erzählungen.

»Narrative accrual« kann laut Bruner (vgl. 1991, S. 18f.) eine Kultur oder eine Tradition kreieren. Mit Blick auf politische Propaganda möchte ich aber von einem geteilten, gemeinschaftsbildenden Mythos sprechen, der dadurch konstituiert wird. Ein Mythos ist zunächst eine Erzählung, darüber hinaus aber ein eine einzelne konkrete Erzählung transzendierendes Credo (vgl. Segal 2007, S. 11f.), das sich auch in anderen Erzählungen oder semiotischen Artefakten wie Bildern oder mehr oder weniger verfestigten Äußerungen in Form eines einzelnen Satzes (z.B.: »Flüchtlinge kommen nur zu uns, weil sie unser Sozialsystem ausnutzen wollen.«) manifestieren kann. In Anlehnung an den Mythen-Begriff von Roland Barthes könnte man auch sagen, dass mittels einer narrativen Textur als komplexem Signifikanten eine Erzählung als komplexes Signifikat formuliert wird. Dieses komplexe Zeichen trägt dann das Credo einer Gemeinschaft, d.h. einen Mythos, denn: »[Der Mythos] ist ein sekundäres semiologisches System. Was im ersten System Zeichen ist (das heißt assoziatives Ganzes eines Begriffs und eines Bildes), wird im zweiten einfacher Signifikant.« (Barthes 2010, S. 258)

Mythen und insbesondere politische Mythen wirken aufgrund der Ordnungs- und Orientierungsfunktion, die sie mit allen Erzählungen teilen, retrospektiv sinnstiftend und prospektiv handlungsorientierend, indem sie nicht zuletzt durch die Reduktion von Komplexität und Kontingenz Erklärungen für vorab Unverstandenes und daher Verwirrendes und Beunruhigendes liefern: »A myth is a story that provides an explanation of all the things for which explanations are felt to be necessary.« (Charteris-Black 2005, S. 22) Gegenüber anderen Erzählungen, die Ähnliches leisten, zeichnet Mythen noch aus, dass sie wesentlich für die jeweilige geteilte Weltsicht einer Gemeinschaft sind.

Damit Erzählungen diese mythische Bedeutung für eine Gemeinschaft erlangen, muss ihnen Faktizität zugeschrieben werden. Mythen im hier beschriebenen Sinn dürfen keinesfalls nur als Phantasiegebilde abgewertet werden, wenn auch die alltagssprachliche Verwendung dieses Begriffs ansonsten genau das suggeriert. Zumindest für die Anhänger des jeweiligen Credos handelt es sich bei solchen politischen Mythen aber weder um Lügen noch um fiktionale Texte und auch nicht um täuschend perspektivierte Darstellungen. Vielmehr schreiben sie genauso wie die Autoren und Verbreiter der Erzählungen diesen Faktionalität zu und verorten die erzählten Ereignisse als tatsächlich existent, d.h. als faktive Entitäten in ihrem Wirklichkeitsmodell13. Dabei übersehen sie auch, dass es sich bei Mythen wie bei allen Erzählungen und Erzählkomplexen um poietisch formulierte und damit semiotisch konstituierte Systeme handelt: »Jedes semiologische System ist ein System von Werten, doch der Mythenkonsument versteht die Bedeutung als ein System von Tatsachen. Der Mythos wird als Faktensystem gelesen, während er doch nur ein semiologisches System ist.« (Barthes 2010, S. 280)

Dass politische Gegner oder ideologisch anders Geprägte diese Zuschreibung nicht von vornherein teilen und es ihnen widerstrebt, gegnerische Mythen als faktionale, der Wahrheit entsprechende Erzählungen zu akzeptieren, ist nicht verwunderlich. Immerhin würde das ihren eigenen, anders ausgerichteten Mythen die Glaubwürdigkeit absprechen und ihre eigene Sicht der Dinge unterminieren. Bei Rezipienten, die schon eine mit dem jeweiligen Mythos kompatible und daher leicht korrelierbare kognitive und emotionale Disposition aufweisen, muss dieser rhetorische Widerstand (vgl. Knape 2000, S. 58ff.) nicht überwunden werden, aber auch bei ihnen ist eine Festigung der Faktizitätsannahme vonnöten, zumal sie im Diskurs mit Gegenerzählungen konfrontiert werden könnten, die der jeweiligen Erzählung die ›mythische Wahrheit‹ abzusprechen versuchen.

Es kann jedoch schon prinzipiell nicht davon ausgegangen werden, dass mithilfe der Praktik des Erzählens einfach etwas als Faktum präsentiert werden kann, das dann auch als solches akzeptiert wird, denn: »Fakten existieren nicht aus sich heraus, sondern sind in Form sprachlicher Zeichenketten unmittelbar an Diskursakteure, deren Macht und gesellschaftliche Rolle sowie an das Prestige der Kommunikationsorgane gebunden.« (Felder 2013, S. 15) Autoren und Verbreiter von Mythen müssen daher zunächst über ein Image als vertrauenswürdige Quelle verfügen. Darüber hinaus muss die Erzählung so formuliert sein, dass dieses Image eines vertrauenswürdigen Erzählers nicht (z.B. durch eine unlogische Ordnungsstruktur und eine damit nicht nachvollziehbare Orientierung) konterkariert wird. Nur so können die in einer Erzählung vorkommenden Ereignisse und Gegenstände glaubwürdig als Fakten etabliert werden. Es ist also wesentlich auch eine Frage der in dieser Hinsicht gelungenen Poiesis des Erzähltextes, inwieweit Faktizität sprachlich oder auch anders semiotisch hergestellt und ihre Akzeptanz bei den projektiv kalkulierten Adressaten gefördert wird.

Zur Faktizitätsherstellung kann ein Erzähler unterschiedlichste sprachliche oder auch andere semiotische Mittel heranziehen, es sollten aber generell vier Kriterien erfüllt sein, damit eine vom Autor unterstellte Faktizität, zumal einer mythischen Erzählung, auch akzeptiert wird: eine ausreichende Evidentialität in einem weiteren Sinn, eine adäquate referentielle und ebensolche epistemische Modalität und eine häufig nur implikatierte deontische Modalität.

Evidentialität in einem engeren Sinn ist eine grammatische Kategorie, die in Sprachen, in denen sie grammatisch codiert ist, prototypischerweise mit morphologischen Mitteln ausgedrückt wird und die folgendermaßen definiert werden kann: »Evidentiality is a linguistic category whose primary meaning is source of information. […] this covers the way in which the information was acquired, without necessarily relating to the degree of speaker’s certainty concerning the statement or whether it is true or not.« (Aikhenvald 2004, S. 3) Zumal es Evidentialität als grammatische Kategorie im Deutschen wie in den meisten europäischen Sprachen nicht gibt, die Angabe der Informationsquelle aber für die Glaubwürdigkeit von Aussagen und für die Faktizitätsherstellung von großer Relevanz ist, wird dieser Begriff hier in einem weiteren Sinn verstanden: Er soll alle expliziten und impliziten Formen umfassen, die im Zuge der Formulierung einer Erzählung für den Rezipienten erkennbar machen, was die Quelle der Information, z.B. eine eigene Sinneswahrnehmung oder eine Mitteilung durch eine andere Person, ist und damit auch, wie evident im Sinne von erwiesen, überzeugend und verlässlich die Information ist.

Um das Kriterium einer ausreichenden Evidentialität zu erfüllen, können z.B. Bilder als Belege herangezogen werden, wie es beim schon angesprochenen Bild von Alexander Van der Bellen mit dem angeblich nur halb abrasierten Oberlippenbart der Fall war, das die Evidenz für die Erzählung von seiner Senilität liefern sollte. Eine andere Möglichkeit sind ›Zeugenaussagen‹ bzw. generell Mitteilungen von anderen, die einem Ereignis näher standen oder eine genauere Kenntnis davon erworben haben, wie z.B. die Journalisten, die recherchierten, dass Norbert Hofer eine NLP-Ausbildung absolviert und auch selbst Rhetorik-Kurse gegeben hatte. Unter anderem damit wollten sie die Evidenz für die Erzählung liefern, dass der FPÖ-Kandidat manipulativ kommuniziere und sich dadurch im Wahlkampf in eine Spitzenposition vorarbeiten konnte.

Das zweite Kriterium für die Faktizitätsherstellung in einer Erzählung besteht darin, dass ihr sowohl Autor als auch Rezipient eine faktive im Gegensatz zu einer fiktiven Referenz zuschreiben, d.h. einen Bezug auf die ›Wirklichkeit‹ und nicht auf eine fiktive Welt, die nur durch einen fiktionalen Text generiert wird, erfolgt. Die Erzählung muss also eine faktive referentielle Modalität14 aufweisen, um als Wirklichkeitserzählung die entsprechende propagandistische Wirkung zu haben, die mit einem fiktionalen Text nie so zu erreichen ist. So konnte z.B. die Erzählung von Van der Bellens nur halb abrasiertem Oberlippenbart nicht mehr als tatsächlicher Beleg für seine Senilität herangezogen werden, nachdem sie als falsch entlarvt und daraufhin von Heinz Christian Strache mithilfe des Smileys als fiktionaler Scherz abgetan worden war.

Die epistemische Modalität (vgl. dazu Dietrich 1992, S. 49ff.) einer Erzählung bzw. ihrer zentralen Aussagen darf, wenn Faktizität hergestellt werden soll, nicht in dem Sinn relativierend sein, dass der Erzählung nur zugeschrieben wird, eine Vermutung oder eine Hypothese zu sein. Sicher haben auch Aussagen wie: »Van der Bellen ist angeblich/ vermutlich senil/ soll senil sein« eine insinuierende Wirkung in einer Wahlkampagne, aber als faktisch gegeben wird seine Senilität so nicht kommuniziert.

Aufgrund der oben schon angesprochenen perspektivierten Darstellung und ihrer damit einhergehenden ethischen Färbung enthalten Erzählungen gerade im politischen Diskurs oft zusätzlich eine deontische Modalität15. Diese Deontik kann sich in einem expliziten Fazit äußern (z.B.: »Norbert Hofer agiert manipulativ. Wählt ihn daher nicht!«) oder implikatiert werden, so z.B., wenn in Erzählungen das Alter Van der Bellens thematisiert und dabei implikatiert wird, dass man jemanden, der schon so alt ist, nicht wählen sollte.

Die deontische Modalität ist im Gegensatz zu den anderen drei genannten Kriterien nicht im eigentlichen Sinn eine Voraussetzung für die Faktizität einer Erzählung, deren Anerkennung die Deontik zunächst bedarf, da Rezipienten die implikatierte Aufforderung nur nachvollziehen können, wenn sie die erzählten Ereignisse, auf die es zu reagieren gelte, als faktisch in ihrem Wirklichkeitsmodell situieren. Dennoch trägt die deontische Modalität quasi auf einer zweiten Stufe zur Faktizitätsherstellung bei, indem die Akzeptanz der implikatierten Aufforderung die Faktizität des Erzählten noch einmal bestätigt bzw. diese überhaupt nicht mehr zur Disposition stellt, sondern sie präsupponiert. Die Faktizität wird so zu einem »not-at-issue content« (Stanley 2015, S. 136) der propagandistischen Erzählung, was eine wichtige Voraussetzung für deren Aufwertung zu einem politischen Mythos ist.

Der memetische Erfolg16 politischer Mythen, der sich in ihrem Beitrag zur Erlangung der epistemischen und evaluativen Hegemonie in einem Diskurs und zur Bildung und Verfestigung einer einschlägig ideologisch ausgerichteten Diskursgemeinschaft zeigt, beruht zum einen auf der beschriebenen Faktizitätsherstellung der perspektiviert und wertend erzählten Ereignisse, zum anderen auf ihrer kommunikativen Diffundierung im allgemeinen Diskurs bzw. zuweilen auch nur in den Diskursräumen anvisierter Zielgruppen. Beides war schon früher unter Nutzung der ›alten Medien‹ oder schlicht durch das mündliche Ausstreuen von Gerüchten in Face-to-Face-Gesprächen möglich, wird aber durch die ›neuen Medien‹ immens erleichtert. Daher verlagert sich das politische Erzählen auch immer mehr in das Web 2.0 und auf die verschiedenen Plattformen der Sozialen Medien.

2.3 Erzählen unter den Bedingungen Sozialer Medien

Durch die Affordanzen des Mediums Internet sieht sich ein Erzähler, zumal ein politischer Erzähler, mit anderen Möglichkeiten als beim mündlichen Erzählen oder bei herkömmlicher Verschriftlichung, aber auch mit einem anderen »medialen Widerstand« (Knape 2000, S. 62f.) konfrontiert, da das Internet wie jedes Medium des Erzählens ihm bis zu einem gewissen Grad seine ihm immanente mediale Logik aufzwingt.

Je nach Medium und seiner Logik werden andere Arten von Erzählungen (z.B. episodische im Fernsehen) favorisiert, auf unterschiedliche Weisen (z.B. mit statischen Bildern im Comic, mit bewegten in Film und Fernsehen) formuliert und auf einer pragmatischen Ebene zu unterschiedlichen Zwecken (z.B. Festhalten von Erlebnissen in einem Tagebuch nur für sich selbst vs. massenmediale Verbreitung) verwendet (vgl. Ryan 2006, S. 25f.). Diese mediale Prägung der Praktik des Erzählens zeigt sich im Falle des Internets vor allem aufgrund von vier Eigenheiten von Online-Kommunikation bzw. prototypischer Online-Textualität17, wie sie sich bislang im Web 2.0 und in den Sozialen Medien herausgebildet hat.

Die Affordanz der hypertextuellen Verlinkung regt dazu an, Texte in mehrere Module aufzuspalten und diese miteinander zu verlinken. Dadurch sind Hypertexte nicht mehr linear, sondern modular organisiert. Es ist zwar möglich, die Verlinkungen so zu setzen, dass ihr Anklicken nur einen und damit wieder einen linearen Weg durch den Hypertext erlaubt. Eine solche strikte Vorgabe für den Rezipienten zeugt aber nicht davon, dass die medialen Praktiken des Internets adäquat angewandt werden und lässt die Wahrscheinlichkeit einer positiven Akzeptanz des Textes sinken. Damit kann Hypertextualität zunächst für Erzähler auch zu einem Problem werden, da Erzählungen, wie wir oben festgestellt haben, wesentlich durch die temporale, d.h. in einer besonderen Form lineare, Sequenzierung von Ereignissen gekennzeichnet sind. Diese darf durch die Modularisierung nicht gänzlich verloren gehen, weil sich sonst der Sinn der Erzählung nicht mehr erschließen lässt.

Andererseits erlaubt die Hypertextualisierung die direkte Verknüpfung einer Erzählung mit vielen anderen und so besonders effektiv ein »narrative accrual«, das einen politischen Mythos konstituiert. So werden z.B. auf Facebook-Seiten von Politikern oder Parteien Erzählungen ›normaler Bürger‹ oder Online-Zeitungsberichte verlinkt, die zum Aufbau des jeweiligen Mythos beitragen und ihm als – so wird unterstellt – verlässliche Quellen eine gesteigerte Faktizität verleihen. Dass es sich dabei zuweilen auch um manipulative Rekontextualisierungen der verlinkten Erzählungen handeln kann, ist aus propagandistischer Sicht kein Nachteil, sofern die Manipulation nicht entdeckt wird.

Hypertextuell verlinkt werden jedoch nicht nur sprachlich-textuelle Module, sondern z.B. auch Bilder, Videos oder Audio-Dateien, wie sich Internettextualität überhaupt prototypischerweise durch Multimodalität auszeichnet. Die Praktik des Erzählens kann dadurch z.B. an Rezeptionsgewohnheiten angepasst werden, die sich schon im Zuge des Konsums der Angebote des alten Leitmediums Fernsehen entwickelt haben. Darüber hinaus wird aber – ähnlich wie im Falle der Hypertextualität – die Nutzung dieser medialen Affordanz von Seiten der Rezipienten bereits erwartet, wenn nicht eingefordert. Um Erzählungen online erfolgreich zu machen, sollten sie also, soweit möglich, multimodal gestaltet sein, wobei Bilder aber nicht nur zur ›Behübschung‹ einer Erzählung dienen müssen. Sie können, vor allem in Form von Videos, auch selbst eine Erzählung, sogar einen ganzen Mythos in kondensierter Form tragen oder, eingebettet in einen ansonsten sprachlichen Erzähltext, eine ihrer Sequenzen darstellen. Zudem können Bilder gerade in politischen Erzählungen mit umstrittenem Inhalt als Belege für die Faktizität des Erzählten dienen, wie z.B. das Bild Van der Bellens mit dem angeblich nur halb abrasierten Oberlippenbart. Gerade für diesen Zweck ist dieser semiotische Modus besonders geeignet, da er scheinbar direkt die ›Wirklichkeit‹ abbildet.

»Fluidity« (Barton/ Lee 2013, S. 26), also die Verflüssigung von Texten im Internet, resultiert aus der Möglichkeit, Online-Texte ständig und oft auch kollaborativ zu bearbeiten. Dadurch verliert ihre Textur bis zu einem gewissen Grad an Stabilität. Dies äußert sich unter anderem darin, dass Erzählungen auf Facebook-Seiten oder auf anderen Plattformen immer wieder überarbeitet und an neue Umstände angepasst werden können, so z.B., wenn sich herausstellt, dass einzelne Elemente einander widersprechen, inhaltlich nicht gänzlich nachvollziehbar und überzeugend sind oder mit ihnen schlicht offenkundig Unwahres kommuniziert wird. Es kann auch stets etwas hinzugefügt oder gelöscht werden, sodass ein politischer Mythos laufend gestützt und verfestigt, notfalls aber auch in seiner perspektivischen Ausrichtung verändert werden kann.

Prototypische Texte werden von einer Autorinstanz monologisch produziert, wenn sie auch in dem Sinn quasi virtuell dialogisch sind, als sie projektiv auf einen bestimmten Adressatenkreis hin ausgerichtet sind. Dies gilt grundsätzlich auch für die Poiesis narrativer Texte, wenn auch Erzählen im Rahmen von Face-to-Face-Gesprächen eingeschränkt dialogisch verlaufen kann, indem der eigentliche Erzähler durch Zwischenfragen und Feedback der Zuhörer z.B. zum Weitererzählen oder zur Verdeutlichung einzelner Aspekte seiner Erzählung aufgefordert oder zumindest angeregt wird. Darüber hinaus können sich in solchen Situationen auch andere Sprecher als Ko-Erzähler installieren, die durch ihre auf Äußerungen des ursprünglichen Erzählers reagierenden Beiträge der Monologizität der Poiesis der Erzählung entgegenwirken oder diese gänzlich aufheben.18

Viele Plattformen im Internet erlauben aufgrund ihrer Affordanzen ein vergleichbares interaktiv-dialogisches Kommunizieren, Chatrooms und Diskussionsforen verlangen es sogar. Das bedeutet für die Praktik des Erzählens online, dass Erzählungen auch hier zumindest in einem weiteren Sinn dialogisch überarbeitet, ausgebaut und umformuliert werden können, indem z.B. wie in Abb. 1 zu sehen, jemand auf der Facebook-Seite eines Politikers – in diesem Fall Heinz Christian Strache – einen Kommentar zu einem Beitrag postet und damit die Erzählung insofern weiterführt, als der komplexen, mit Beispielen angereicherten Erzählung vom Versagen der Regierung noch das Motiv der böswilligen Absicht hinzugefügt wird.
Abb. 1

User-Kommentar auf der FB-Seite von HC Strache, 14.09.2016 (https://www.facebook.com/HCStrache)

Mittels solcher Kommentare oder ähnlicher dialogischer Reaktionen kann man aber nicht nur den Mythos der einem nahestehenden Partei stützen, man kann auch, sofern das Gepostete nicht zensiert wird, durch negative Kommentierung den politischen Mythos eines Gegners konterkarieren. Dies ist ebenfalls eine Form, wie die Affordanz der Dialogizität in politischer Online-Kommunikation genutzt werden kann.

Während alle vier genannten wesentlichen Eigenschaften prototypischer Online-Kommunikation sich auf die Formulierung und Gestaltung von Erzählungen auswirken, haben Hypertextualität und Dialogizität darüber hinaus auch noch wichtige Funktionen dabei, das im Vergleich zu allen anderen Medien größere Diffusionspotenzial des Internets auszuschöpfen, um memetischen Erfolg zu erringen und z.B. einen politischen Mythos im Diskurs zu etablieren, denn: »›Storytelling‹ implies the shaping of the story as well as the sharing of it with others afterwards.« (Lundby 2008, S. 3)

Dieses Teilen von Erzählungen bzw. von Informationen ganz allgemein ist eine, wenn nicht die grundlegende Praktik des Kommunizierens in den Sozialen Medien19. Ermöglicht wird es abgesehen von den entsprechenden Affordanzen des Internets durch die allen digitalisierten Informationen gemeine perfekte Reproduzierbarkeit, aufgrund derer sich exakte Duplikate an beliebige und beliebig viele Ziele transferieren lassen. Diese »portability« (Golumbia 2014, S. 58) erleichtert auch die Verbreitung von Erzählungen und Erzählungsfragmenten und damit das Erzählen auf der dritten der oben postulierten Ebenen, nämlich auf der des Diskurses.

Eingeschränkt wird dieses Diffusionspotenzial allerdings durch die Herausbildung von »filter bubbles« (Pariser 2012) und Echokammern. Dabei werden von verschiedenen Internet-Plattformen wie Google, Facebook, Twitter, Amazon etc. einem User verstärkt oder gar ausschließlich Informationen angeboten, die seinem auf Basis transparent gemachter Daten erstellten Interessensprofil entsprechen. Dadurch werden aber Informationen, die diesem Profil nicht entsprechen, herausgefiltert und dem Nutzer vorenthalten, sodass er sich, ohne es zu merken, in einer informationellen Filterblase wiederfindet bzw. in einer ›Echokammer‹, in der er nur mehr das hört, was er quasi selbst hineingerufen hat. Dort ist der Nutzer für Erzählungen der gegnerischen Propaganda, aber auch für neutrale oder bestimmte Weltsichten relativierende Informationen kaum mehr erreichbar. Andererseits können so Anhänger der eigenen Ideologie leichter und effektiver in ihrer Haltung bestärkt werden, da sie sich nicht mit Gegenmythen auseinandersetzen müssen. Damit können Erzählungen im Internet zwar zuweilen ihre Funktion, Andersdenkende zu überzeugen, nur mehr eingeschränkt erfüllen, die kommunitäre Funktion hingegen umso besser, wie man auf politischen Facebook-Seiten oder in Diskussionsforen sehen kann, wo sich offenbar alle gleichgesinnten Poster als eine Gemeinschaft mit dem jeweiligen Politiker oder der Partei im Zentrum fühlen. Dass bei ihnen aufgrund des Ausschlusses divergierende Meinungen und Weltanschauungen kommunizierender Erzählungen der Eindruck entsteht, ihre Gemeinschaft würde ohnehin alle, zumindest aber die große Mehrheit der Mitglieder einer Gesellschaft umfassen, ist dabei ein für die Propaganda durchaus wünschenswerter Nebeneffekt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass heutzutage »die Beherrschung des medialen Organons« (Knape 2000, S. 92) Internet für Autoren und Verbreiter politischer Erzählungen unabdingbar ist, um propagandistisch erfolgreich zu sein. Wie dabei vorgegangen wird, soll im folgenden Kapitel anhand zweier Beispielanalysen kurz beschrieben werden, wobei es im einen Fall um eine auch narrativ gestützte Identitätskonstruktion bzw. den andere Sichtweisen korrigierenden Image-Aufbau des Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen geht und im anderen um die Konstitution und Etablierung eines an eine Verschwörungstheorie grenzenden politischen Mythos, der die Anfechtung und daraufhin folgende Wiederholung der Stichwahl zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer perspektiviert erklären sollte.

3 Beispielanalysen

Der Wahlkampf um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten zog sich praktisch über das ganze Jahr 2016. Der erste Wahlgang erfolgte am 24. April. Am 22. Mai traten die beiden bestplatzierten Kandidaten, Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer, zur Stichwahl an, die Van der Bellen mit 50,3% der gültigen Stimmen gewann. Dieses Ergebnis wurde durch Norbert Hofer bzw. seinen Bevollmächtigten, Heinz Christian Strache, Parteiobmann der FPÖ, angefochten. Der Wahlanfechtung wurde stattgegeben, sodass eine Wiederholung stattfinden musste. Als Termin wurde der 2. Oktober bestimmt. Aufgrund des sogenannten ›Wahlkuvertdesasters‹ – die Kuverts für die Briefwahl entsprachen nicht den Anforderungen – musste der 4. Dezember als neuer Termin für die Wahlwiederholung festgelegt werden, an dem schlussendlich Alexander Van der Bellen zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt wurde.

Der wegen der Verschiebungen sehr lange Wahlkampf wurde von beiden Kandidaten bzw. ihren Unterstützern auch sehr intensiv im Internet geführt. Beide Kandidaten hatten neben einer herkömmlichen Website eigene Profile bzw. Accounts auf Facebook und Instagram, wobei für Norbert Hofer zusätzlich das Facebook-Profil von Heinz Christian Strache von großer propagandistischer Bedeutung war, weil es schon vor dem Wahlkampf, was die Nutzerzahlen betrifft, das erfolgreichste politische Profil in Österreich war. Darüber hinaus nutzte Hofer die YouTube-Kanäle ›FPÖ-TV‹, ›Oesterreichzuerst FPÖ‹ und ›Van der Bellen Verhindern‹, während Van der Bellen einen nach ihm benannten Kanal hatte und zusätzlich den seiner Partei – ›Die Grünen‹ – nutzen konnte. Andere Plattformen, wie z.B. das Whatsapp-Service der FPÖ, scheinen keine größere Rolle gespielt zu haben. Wichtig waren hingegen Postings von Anhängern20 des jeweiligen Kandidaten in diversen Kommentarforen auf Websites von Online-Zeitungen oder auf Facebook, da diese wesentlich zur memetischen Verbreitung von ideologisch perspektivierten Erzählungen beitrugen.

Als Beispiele für politisches Erzählen im Internet soll im Folgenden zunächst ein Aspekt des Image-Aufbaus Alexander Van der Bellens diskutiert werden und dann die Schaffung eines an eine Verschwörungstheorie grenzenden politischen Mythos durch Norbert Hofer und die FPÖ.

3.1 Beispiel I: Identitätskonstruktion im Wahlkampf von Alexander Van der Bellen

Kommunikativ-rhetorisches Handeln im politischen Feld erfordert, dass der handelnde Politiker über politisches Kapital verfügt: »Das politische Kapital ist […] eine Art Prestigekapital, ein symbolisches Kapital, das an die Art und Weise gebunden ist, wie eine Person wahrgenommen wird.« (Bourdieu 2010, S. 108) Es geht also zunächst darum, überhaupt in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, und dann um eine positive Färbung dieser Wahrnehmung. Kern dieses politischen Prestigekapitals ist das Image eines Politikers, worunter ein diskursiv erzeugtes Identitätskonstrukt zu verstehen ist, das auf potenzielle Wähler hin ausgerichtet ist.

Die Rahmenbedingungen moderner Mediengesellschaften erleichtern auf den ersten Blick diesen Aufbau eines positiven Images, da man Informationen leichter, schneller und weiter verbreiten kann. Insbesondere im Internet haben sich dafür die Praktiken showing, presencing und archiving (vgl. Couldry 2012, S. 47ff.) etabliert und immer weiter in ihren jeweiligen Möglichkeiten und Ausformungen ausdifferenziert. Mit showing ist gemeint, dass vieles für eine breite Öffentlichkeit verfügbar gemacht wird, was früher auf einen engeren, häufig den privaten Bereich beschränkt geblieben wäre. Ein kontinuierliches showing über einen längeren Zeitraum hinweg resultiert in der komplexen Praxis des presencings, d.h. einer mehr oder weniger ständigen medialen Präsenz für andere, die – aufgrund der gesteuerten Informationsvergabe nur scheinbar – quasi live das Leben des Präsentierten verfolgen und sich so ein Bild von ihm machen können. Um dieses Image zu verfestigen, bedarf es schließlich des archivings, also der Verwaltung der Medienpräsenz über einen längeren Zeitraum hinweg.

Die Nutzung dieser medialen Kommunikationspraktiken durch Politiker ist allgemein zu einem unerlässlichen Element der Konstruktion einer bei potenziellen Wählern positiv bewerteten Identität und damit eines vorteilhaften Images zu Propagandazwecken geworden. Besonders essentiell ist sie jedoch, wenn es einer Image-Korrektur bedarf, weil z.B. breitere Wählerschichten angesprochen werden sollen.

So wurde Alexander Van der Bellen, wie allen Grünen, von der sich selbst als »soziale Heimatpartei« bezeichnenden FPÖ zumindest unterschwellig vorgeworfen, sie könnten mit dem Begriff ›Heimat‹ nichts anfangen oder sähen Österreich nicht als Heimat an etc., was ihn für konservativere Wählerschichten weniger wählbar machen sollte. Daraufhin setzte Van der Bellen im Wahlkampf gerade auf dieses ansonsten von der FPÖ besetzte Thema, indem er sich auf Wahlplakaten in seiner Tiroler Heimat abbilden ließ und auch in den Sozialen Medien seine Heimatverbundenheit darstellte, wobei er seinen Heimatbegriff auch durch implizite Kontrastierung mit dem der FPÖ konturierte, dennoch aber auf Aspekte (wie z.B. die Alpenlandschaft oder österreichische Trachten) einer weit verbreiteten und eigentlich konservativeren Vorstellung von Österreich als Heimat abhob. Als Rahmen dafür wurde unter anderem das Erzählen seiner Lebensgeschichte herangezogen.

Beispielsweise wurde auf Twitter ein Tweet mit einem Link zu dem Wahlkampfvideo: »Du brauchsch mi und i brauch Di!« auf YouTube gepostet (s. Abb. 2).
Abb. 2

Tweet von A. Van der Bellen, 01.09.2016 (https://twitter.com/vanderbellen)

Im Tweet selbst, deutlicher noch im Text zum YouTube-Video, wird auf die Biographie Van der Bellens verwiesen, der als kleines Kind mit seinen aus dem Baltikum geflüchteten Eltern nach Tirol kam, wo das Kaunertal und die umliegenden Tiroler Berge zu seiner engeren Heimat wurden. Diese hier nur angerissene Erzählung wurde auch auf anderen Plattformen wie Facebook verbreitet, um Van der Bellens Image dahingehend zu rekontextualisieren, dass er nicht mehr als heimatfern, rein städtisch und wenig volksnah wahrgenommen werden sollte. Unterstützt wurde die Konstitution dieses von der Biographie als Kernerzählung transportierten Mythos durch per Video vermittelte Erzählungen über sein Leben im Kaunertal, in denen er zur Festigung des Images Tiroler Dialekt spricht, und über andere Erzählungen, in denen über seinen Wahlkampf (z.B. über Wahlkampfauftritte in Tracht auf ländlichen Volksfesten) berichtet wurde.

Alle diese narrativen Instanziierungen des Mythos von Van der Bellens Heimatverbundenheit, seien sie sprachlich oder anders semiotisch formuliert, sind Beispiele für die medialen Praktiken des showings, in ihrer Fülle des presencings und durch ihr Präsenthalten über einen längeren Zeitraum des archivings. Vor allem durch die Nutzung einer Kombination der Affordanzen der Hypertextualität und der Multimodalität – und durch herkömmliche Wahlkampfmittel wie Plakate – konnte diese perspektivierte und so die Rezipienten bei Akzeptanz zumindest potenziell orientierende Erzählung verbreitet werden und memetisch erfolgreich sein.

3.2 Beispiel II: Bildung eines Mythos im Wahlkampf von Norbert Hofer

Wie oben erwähnt, musste die für den 2. Oktober angesetzte Wiederholung der Stichwahl aufgrund von Problemen mit den Kuverts für die Briefwahlkarten verschoben werden. Obwohl der bei der Herstellung der Kuverts durch eine Privatfirma verwendete schadhafte Klebstoff daran schuld war, wurde von Seiten der FPÖ versucht, die Verantwortung dafür dem für die Durchführung der Wahlen zuständigen, von der ÖVP geführten Innenministerium zuzuweisen. Dieser Vorwurf wurde damit zu einem Baustein im auch durch andere Erzählungen schon seit Jahren von der FPÖ verbreiteten Mythos, dass sie als de facto alleinige Opposition für das Volk gegen die etablierten Parteien ankämpfe, die daher alles versuchten, einen Erfolg der FPÖ zu verhindern. Zu diesem politischen ›Establishment‹ zählte die FPÖ auch die Partei Van der Bellens, also Die Grünen, obwohl diese nicht in der Regierung waren.

Es wurde also quasi eine Verschwörung aller anderen Parteien gegen die FPÖ insinuiert, ein politischer Mythos, der sich vor allem auch über (vorgebliche?) User-Kommentare auf verschiedenen Plattformen im Internet verbreitete.

Ein Beispiel dafür ist der Kommentar von HM Tini (Abb. 3), in dem behauptet wird, die Wahlverschiebung wäre absichtlich verursacht worden, um Norbert Hofer zu schaden, womit in komprimierter Form eine narrativ strukturierte, retrospektiv orientierende Erklärung eines für Österreich ungewöhnlichen Ereignisses samt ideologisch perspektivierter prospektiver Handlungsorientierung (»Wir müssen alle mobilisieren«) kommuniziert wird. Durch die zweimalige Verwendung des deontischen Modalverbs »müssen« wird das diesem politischen Mythos inhärente Moment der Verpflichtung noch zusätzlich explizit formuliert.
Abb. 3

User-Kommentar auf der Facebook-Seite von Norbert Hofer, 16.09.2016 (https://www.facebook.com/norberthofer2016)

Dass in diesem Kommentar im Übrigen die unterstellte Intention hinter der Wahlverschiebung mittels einer entsprechenden sprachlichen Formulierung als Faktum präsentiert wird, ist, wie wir gesehen haben, für einen politischen Mythos wesentlich, zu dem diese Erzählung, die zumeist nur fragmentarisch verbreitet wurde, zumindest bei einem Teil der Hofer- bzw. FPÖ-Anhänger geworden ist. So konnte man noch im Vorfeld der österreichischen Nationalratswahlen 2017 dessen memetischen Erfolg beobachten (Abb. 4):
Abb. 4

Leser-Kommentar in einem Online-Forum der Kronen Zeitung, 20.09.2017 (http://www.krone.at/medien/hofer-sie-wollen-den-nationalstaat-abschaffen-tv-duell-mit-lunacek-story-589467#kommentare)

4 Schluss

Vor dem Hintergrund der andauernden Entwicklungen in der Nutzung immer neuer Möglichkeiten der Online-Kommunikation erfährt die Praktik des propagandistisch motivierten Erzählens stetig Veränderungen. Die Funktionen politischen Erzählens, insbesondere die der Konstitution politischer Mythen, bleiben dabei mehr oder weniger dieselben, aber deren semiotische Gestaltung und ihre Diffundierung werden auf Basis der medialen Affordanzen des Internets adaptiert. Dass dies zu einer Steigerung der Effektivität politischen Erzählens führt, ist die eine Seite. Dass dadurch aber auch das Erfolgspotenzial von Fake-Erzählungen und falschen Mythen wächst, die andere.

Fußnoten

  1. 1.

    Zum Begriff der »Affordanz« vgl. auch von Contzen (2017, S. 319f.), die die Summe der Affordanzen eines Gegenstands als dessen Angebotscharakter an Handlungsmöglichkeiten definiert.

  2. 2.

    Zum Folgenden vgl. Weidacher (2017, S. 152ff.).

  3. 3.

    Nach Angaben des TV-Senders ist der Eindruck des nur halb abrasierten Oberlippenbartes nur aufgrund der schlechten Bildqualität bzw. der Beleuchtung im Studio entstanden, was Strache auch mit einer Ergänzung zu seinem Bildkommentar einräumte: »Ps: Laut Ö24tv liegt es an deren schlechter Bildauflösung! :‑)«. Durch das Emoticon am Ende unterminierte er die Ernsthaftigkeit seiner Einschränkung jedoch wieder.

  4. 4.

    Zitiert nach: https://www.wochenblick.at/uuups-traegt-hier-vdb-halbes-opperlippenbaertchen/. Die orthographischen Fehler wurden beibehalten.

  5. 5.

    Smith nennt in ihrer insgesamt fünf grundlegende Diskursmodi zählenden Kategorisierung auch einen zweiten im weiteren Sinn erzählenden Modus, nämlich den »Report mode«, der sich vom »Narrative mode« dadurch unterscheide, dass er die Ereignisse weniger untereinander relationiere, wie es beim »Narrative mode« der Fall sei, sondern auf die Sprechzeit beziehe (vgl. Smith 2003, S. 30). Diese Unterscheidung, obwohl durchaus nachvollziehbar, wird nicht übernommen, da sie für das Thema dieser Arbeit wenig relevant erscheint bzw. eine eigene Analyse mit einem anderen Ziel erfordern würde.

  6. 6.

    Unter einem Meme verstehe ich hier in Anlehnung an Blackmore (1999) jedwede Art von Information, die durch (zum Teil variierende) Wiederholung oder Nachahmung so oft weitergegeben wird, dass es zu einer viralen Verbreitung kommt, wie es bei der Äußerung Hofers zu beobachten war, die immer wieder zitiert oder z.B. in der Formulierung: »Wir werden uns noch wundern, wenn er die Wahl gewinnt« variiert, aber eben auch dadurch verbreitet wurde.

  7. 7.

    Zum Seeding und verschiedenen Seeding-Strategien im Marketing vgl. Hinz et al. (2011).

  8. 8.

    Der andere Pol dieser von Ryan (2006, S. 13f.) postulierten Dichotomie ist der »autotelic mode«. Mit Erzählungen in diesem Modus wird keine weitere, übergeordnete Kommunikationsintention verfolgt.

  9. 9.

    Eine metonymische Erzählung im Sinne Jakobsons fungiert in einem Diskurs als eine Art narratives Pars pro Toto bzw. als Beispielerzählung, um einen Sachverhalt darzustellen oder ihn zu belegen.

  10. 10.

    Es gibt natürlich noch andere Sprachspiele in der politischen Domäne, z.B. das Erlassen von Gesetzen oder parteiinterne Abstimmungen etc., in denen Erzählen zum Teil auch eine Rolle spielt. Ich beschränke mich hier aber auf die beiden aus meiner Sicht wesentlichsten Sprachspieltypen, die politische Kommunikation im öffentlichen Raum kennzeichnen.

  11. 11.

    Zum Erzählen im Rahmen politischer Deliberation vgl. auch Schaal (2009, S. 219ff.).

  12. 12.

    Zur Unterscheidung zwischen Überreden und Überzeugen vgl. Pasierbsky/ Rezat 2006, S. 11ff.).

  13. 13.

    Zu den Unterscheidungen ›fiktional‹ vs. ›faktional‹ und ›fiktiv‹ vs. ›faktiv‹ vgl. Weidacher (2007, S. 36ff.).

  14. 14.

    Zum Begriff der referentiellen Modalität bzw. der Modalität der referentiellen Ebene vgl. Dietrich (1992, S. 20 u. 27ff.) bzw. Weidacher (2007, S. 133).

  15. 15.

    Der Begriff der deontischen Modalität wird hier auch in einem weiteren Sinn verstanden und nicht nur auf die entsprechende grammatische Kategorie bezogen.

  16. 16.

    Eine semiotisch codierte Information ist memetisch erfolgreich, wenn sie sich als Meme im Sinne Blackmores (1999) durch häufige, wenn auch zum Teil variierende Wiederholung im Diskurs einer Gesellschaft ausbreitet bzw. ›fruchtbar‹ ist.

  17. 17.

    Zu den vier Merkmalen prototypischer Internettexte vgl. Marx/ Weidacher (2014, S. 183ff.).

  18. 18.

    Zu diesen Formen dialogischen Erzählens in Gesprächen vgl. die Beiträge von Hoffmann, Kotthoff und vor allem König/ Oloff in diesem Band.

  19. 19.

    Zur Praktik des ›Sharings‹ vgl. Tienken (2013).

  20. 20.

    Anzumerken ist hier, dass wohl viele dieser Postings nicht echt waren in dem Sinn, dass sie von Mitgliedern der Wahlkampfteams oder beauftragten PR-Agenturen unter Vortäuschung, sie stammten von einfachen Bürgern, gepostet wurden.

Notes

Funding

Open access funding provided by University of Graz.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für GermanistikKarl-Franzens-Universität GrazGrazÖsterreich

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