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Der Beitrag der Geologie zur Tiefenlagerung hoch radioaktiver Reststoffe

  • Saleem ChaudryEmail author
  • Volker Mintzlaff
  • Joachim Stahlmann
Chapter
Part of the Energie in Naturwissenschaft, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft book series (ENTWG)

Zusammenfassung

Die Entsorgung wärmeentwickelnder radioaktiver Reststoffe ist ein komplexes Problem. Da sich die Erdoberfläche nach geologischen Maßstäben schnell verändert, wird die Tiefenlagerung als mögliche Langzeitlösung angesehen. Geologische Prozesse laufen im Vergleich zu gesellschaftlichen Prozessen langsam ab.

Die wichtigsten Grenzen der Aussagekraft der Geologie liegen im geringen Aufschlussgrad des Gebirges und in den Grenzen des aktualistischen Prinzips. Dazu kommt, dass im Falle eines menschlichen Eingriffs in den Untergrund die natürlichen Verhältnisse gestört werden.

Ein Tiefenlager soll die Radionuklide sicher für einen langen Zeitraum von der Biosphäre isolieren. Daraus erwachsen eine Reihe von Anforderungen: Ein mögliches Wirtsgestein soll nur geringe Durchlässigkeit aufweisen, die Einlagerung radioaktiver Reststoffe soll möglichst keine Schäden im Wirtsgestein verursachen, Hohlräume sollen eigentragfähig sein. Keines der möglichen Wirtsgesteine kann all diese Anforderungen in gleicher Weise gut erfüllen. So kann Steinsalz einen dichten Einschluss der Reststoffe in das Wirtsgestein durch seine Kriechfähigkeit sicherstellen, während Tongesteine durch ihre hohe spezifische Oberfläche Radionuklide bedingt sorbieren können und nur geringen Grundwassertransport zulassen. In kristallinen Hartgesteinen muss dagegen der Einschluss der Radionuklide allein durch (geo-)technische Barrieren sichergestellt werden. Dafür sind Hohlräume in kristallinen Hartgesteinen langzeitstabil, was Konzepte, die eine Rückholbarkeit der Reststoffe vorsehen, erleichtert. Ein Vergleich unterschiedlicher Konzepte in den Wirtsgesteinen ist nicht trivial, vor allem, wenn konkrete Standorte fehlen. Die generelle Gegenüberstellung ist jedoch möglich. Konkrete Nachweise zur Langzeitsicherheit eines Tiefenlagers sind nur standortspezifisch belastbar zu führen.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2016

Authors and Affiliations

  • Saleem Chaudry
    • 1
    Email author
  • Volker Mintzlaff
    • 2
  • Joachim Stahlmann
    • 3
  1. 1.Institut für EndlagerforschungTU ClausthalClausthal-ZellerfeldDeutschland
  2. 2.Institut für Grundbau und BodenmechanikTU BraunschweigBraunschweigDeutschland
  3. 3.Institut für Grundbau und BodenmechanikTU BraunschweigBraunschweigDeutschland

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