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German Journal of Exercise and Sport Research

, Volume 47, Issue 4, pp 287–293 | Cite as

Memorandum Sportwissenschaft

  • Kuno Hottenrott
  • Angelika Baldus
  • Klaus-Michael Braumann
  • Ilse Hartmann-Tews
  • Martin Holzweg
  • Detlef Kuhlmann
  • André Seyfarth
  • Bernd Strauß
  • Ralf Sygusch
  • Lutz Vogt
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Memorandum
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Memorandum Sport Science

Vorbemerkungen

Sozialer Wandel und Veränderungen im Wissenschafts- und Hochschulsystem haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu erheblichen Herausforderungen für die Sportwissenschaft geführt. Um diese Herausforderungen anzunehmen und um wissenschaftspolitische Positionen zu entwickeln, haben die nationalen Verbände der Sportwissenschaft und Sportmedizin sowie des organisierten Sports in den vergangenen zwei Jahrzehnten Memoranden verfasst: 1994 das „Memorandum zur Förderung der Sportwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland“ und 2005 das „Memorandum zur Entwicklung der Sportwissenschaft“. Das Spektrum der Sportwissenschaft hat sich seit dem Erscheinen des vorangegangenen Memorandums deutlich verändert. Es hat sich von einem auf Sport und sportliche Aktivitäten fokussierten Tätigkeitsfeld zunehmend auf die gesamte Bandbreite von Sport, Bewegung und körperlicher Aktivität erweitert.

Dieses Memorandum zur Sportwissenschaft richtet sich zum einen an die Hochschulen und soll die hochschulinterne Diskussion um Ressourcen und Profilbildung unseres Fachs unterstützen. Zum anderen richtet es sich an wissenschaftspolitische Entscheidungsträger auf Bundes- und Länderebene sowie an Kommunen. Es soll auf die spezifischen Herausforderungen der interdisziplinär konstituierten Sportwissenschaft in Lehre und Forschung sowie auf die gesellschaftliche Bedeutung von Sport, Bewegung und körperlicher Aktivität aufmerksam machen.

Entwicklung und Bedeutung der Sportwissenschaft

Sport als Kulturgut ist ein sich wandelndes Phänomen unserer Gesellschaft. Damit einher geht die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Betrachtung. Das Aufkommen neuer Sportarten und Bewegungsformen, die Beteiligung breiter Bevölkerungsgruppen jeden Alters, die Erschließung neuer Bewegungsräume und die Einbindung in verschiedene gesellschaftliche Teilbereiche zeugen von der in den letzten Jahrzehnten weiter gestiegenen gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des Sports. Im Zuge dieser Prozesse ist ein erweitertes Sportverständnis entstanden, das Bewegung und körperliche Aktivität außerhalb eines eng definierten Sportkontexts mit einschließt. Dies betrifft zahlreiche Aspekte, wie die Förderung, den Erhalt und die Wiederherstellung von Gesundheit bzw. die Behandlung von Krankheiten durch Sport und Bewegung in verschiedenen Lebensphasen und Lebenswelten. Dies betrifft ebenfalls das Erfordernis von breiter wissenschaftlicher Expertise in allen anderen Bereichen des Sports, wie z. B. im Leistungssport und dem staatlich verantworteten Sportunterricht und Schulsport.

Die Entwicklung der Sportwissenschaft in Deutschland lässt sich bis in das Jahr 1920 zurückverfolgen, als in Berlin die Deutsche Hochschule für Leibesübungen ihren Lehr- und Forschungsbetrieb aufnahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Sportwissenschaft in Ost und West unterschiedlich entwickelt. Mit der Gründung der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) 1950 in Leipzig wurde in der DDR der Grundstein für eine systematische wissenschaftliche Erforschung des Sports und der Körperkultur in staatlicher Lenkung gelegt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde im Jahr 1947 die Sporthochschule Köln (ab 1965 Deutsche Sporthochschule [DSHS]) gegründet. Darüber hinaus hat der damalige Deutsche Sportbund (DSB) seit seiner Gründung im Jahre 1950 als Dachverband des gemeinnützig organisierten Sports die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Sport und der Leibeserziehung und damit die Entwicklung der Sportwissenschaft gefördert.

Die weitere Etablierung der Sportwissenschaft geht auch auf sportliche Ereignisse und sportbezogene Entwicklungen außerhalb der Hochschulen in den 1960er- und 1970er-Jahren zurück. Im Sommer 1972 fanden in München die Olympischen Sommerspiele statt, wodurch die Förderung und sportwissenschaftliche Unterstützung des Leistungssports in Ost und West im zeitlichen Umfeld forciert wurde. In der Bundesrepublik wurde zeitgleich durch zahlreiche Kampagnen (z. B. „Trimm Dich“) des DSB ein Sportverständnis im Sinne von „Sport für alle“ propagiert, wodurch weite Bevölkerungskreise auch außerhalb des Sportvereins für ein regelmäßiges Sporttreiben gewonnen werden sollten. Diese dynamischen Entwicklungsprozesse haben nicht zuletzt dazu beigetragen, dass es zu Neugründungen von Instituten für Sportwissenschaft an den Universitäten einschließlich der Verankerung des Hochschulsports in der Bundesrepublik kam. Die 1970er-Jahre gelten auch mit Umbenennung der „Institute für Leibesübungen“ in „Institute für Sportwissenschaft“ als die Aufbruchphase zur Etablierung der Sportwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Gründung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) im Jahre 1970 hat die Entwicklung der Sportwissenschaft als Forschungsbereich für den Leistungssport auch nachhaltig gefördert. Im Jahre 1976 hat sich in der BRD mit der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) eine Personenvereinigung auf dem Gebiet der Sportwissenschaft mit dem Ziel der Förderung und Weiterentwicklung der Sportwissenschaft gebildet. Die damalige allgemeine Bildungsexpansion führte zu mehr Studierenden, vor allem für ein Lehramtsstudium an den Hochschulen. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen und die wachsende Bedeutung ökonomischer Aspekte des Sports haben den Ausbau und die weitere Etablierung der Sportwissenschaft als akademische Universitätsdisziplin unterstützt und bis heute geprägt. Nach der Wiedervereinigung war es eine Herausforderung, die Sportwissenschaft in Ost und West sowie die unterschiedlichen Systeme der Lehramtsausbildung zusammenzuführen und sie in Lehre und Forschung sowie Fort- und Weiterbildung zu stärken. Die Memoranden zur Entwicklung der Sportwissenschaft aus den Jahren 1994 und 2005 lieferten dabei eine wissenschaftspolitische Orientierung.

Heute ist die Sportwissenschaft an Universitäten ein anerkanntes wissenschaftliches Fach. Hinsichtlich der differenzierten Bearbeitung ihres Gegenstands Sport, Bewegung und körperliche Aktivität hat die Sportwissenschaft eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie zeichnet sich zum einen durch eine enge Verbindung zu den Bezugswissenschaften aus, was sich aus den inhaltlichen und methodischen Bezügen ergibt und entwicklungsgebend ist. Dies betrifft insbesondere die Sportmedizin, die Biomechanik, die Sportpsychologie, die Sportökonomie, die Sportinformatik, die Sportsoziologie, die Sportpublizistik, die Sportpädagogik, die Sportdidaktik, die Sportgeschichte, die Sportphilosophie und das Sportrecht. Zum anderen gibt es in der Sportwissenschaft Teildisziplinen ohne direkte Verbindung zu einer Bezugswissenschaft, wie z. B. die Bewegungs- und Trainingswissenschaft. Aus beiden Ansätzen resultieren Möglichkeiten für Synergien und damit für eine erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teildisziplinen innerhalb, aber auch mit anderen Fächern außerhalb der Sportwissenschaft. Beispielhaft seien genannt: „Sport und Gesundheit“, „Sport und Technik“, „Sport und Medien“ oder „Sport und Raum“.

Sportwissenschaft hat die prinzipielle Aufgabe, die ebenso komplexen wie differenzierten Phänomene von Sport, Bewegung und körperlicher Aktivität wahrzunehmen, zu beschreiben, zu analysieren und zu erklären sowie Orientierungen und Entscheidungshilfen für die Verbesserung der vielfältigen Praxis zu entwickeln. In diesem Zusammenhang steigt nicht nur der Bedarf an gesicherten Erkenntnissen und Wissenstransfer, sondern auch der Bedarf an wissenschaftlich ausgebildeten Fachkräften (z. B. im Sportunterricht, im Leistungs‑, Breiten- und Gesundheitssport). Es ist eine zentrale Aufgabe der Sportwissenschaft, diese Bedarfe zu bedienen.

Die Sportwissenschaft ist heute in Lehre und Forschung an über 60 universitären Standorten sowie Pädagogischen Hochschulen und immer mehr Fachhochschulstandorten in ganz Deutschland vertreten. Mit gegenwärtig ca. 27.800 Studierenden, davon ca. 40 % Lehramtsstudierende (Statistisches Bundesamt, 2017a), ist die Sportwissenschaft nicht nur ein etabliertes, sondern längst auch ein großes Fach, dessen Zuständigkeit mittlerweile deutlich über die traditionelle und nach wie vor wichtige Ausrichtung der Lehrerbildung hinausgeht. Es hat sich eine Vielzahl von Bachelor- und Master-Studiengängen entwickelt, die für außerschulische Berufsfelder qualifizieren und den hohen Stellenwert des Sports und die große Relevanz von Sport, Bewegung und körperlicher Aktivität in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Inzwischen werden auch erste Studiengänge in englischer Sprache angeboten, z. B. um dadurch für einen internationalen Arbeitsmarkt auszubilden, aber auch um Studierende aus anderen Ländern für ein Studium der Sportwissenschaft in Deutschland zu interessieren.

Aufgrund der großen Disziplinen- und Themenvielfalt kann kaum ein Standort heute noch für sich beanspruchen, die Sportwissenschaft in ihrer ganzen Breite abzubilden und für alle einschlägigen Berufsfelder zu qualifizieren. Jeder Standort sollte neben der grundständigen Lehre im Fach Sportwissenschaft (vgl. Kerncurriculum, 2017) sein spezifisches Profil herausbilden (s. dazu Kap. 3.4). Es ist gleichzeitig gefordert, in Forschung und Lehre Schwerpunkte zu setzen sowie nationale und internationale Beziehungen innerhalb des Fachs, aber auch zu anderen Fächern zu pflegen. Dabei ist entsprechend ihrer Bezugswissenschaften die Heterogenität der sportwissenschaftlichen Teildisziplinen mit ihren unterschiedlichen nationalen und internationalen Bezügen zu berücksichtigen. Die Internationalisierung ist für alle Teildisziplinen – wenn auch mit unterschiedlicher Relevanz – eine wichtige Komponente für die weitere Entwicklung der Sportwissenschaft. Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler sind zunehmend in internationale Arbeitsbeziehungen eingebunden und sind aufgerufen, sich vermehrt in internationalen Bezügen einzubringen.

Die mit dem Bologna-Prozess intendierte europaweite Harmonisierung von Studiengängen und -abschlüssen hat zu differenzierten, breit gefächerten Studienangeboten und Studienabschlüssen geführt. Mit der zunehmenden Bedeutung von Sport, Bewegung und körperlicher Aktivität in unserer Gesellschaft verändern sich auch das Berufsfeld Sport und der Bedarf an ausgebildeten Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern. Ein großes Tätigkeitsfeld der Absolventinnen und Absolventen der Sportwissenschaft sind staatliche Schuleinrichtungen. Weitere Tätigkeitsfelder sind die sportwissenschaftlichen Einrichtungen, der Hochschulsport, die Sportvereine und Sportverbände, die kommunalen Träger, kommerziellen Sportanbieter sowie Einrichtungen des Gesundheitswesens (z. B. ambulante und stationäre Rehabilitation). Je nach Ausrichtung oder Schwerpunktsetzung des sportwissenschaftlichen Studiengangs ergeben sich weitere Tätigkeitsfelder u. a. in den Bereichen Sportjournalismus, Sporttourismus, Sport- und Freizeitindustrie und Sportmanagement.

Aufgaben der Sportwissenschaft an den Hochschulen

Die Aufgaben der Hochschulen sind im Hochschulrahmengesetz (Fassung: April 2007) geregelt und beinhalten die Pflege und Entwicklung der Wissenschaften durch Forschung und Lehre, Studium sowie Weiterbildung. Für die Sportwissenschaft liegt der Kern ihrer Entwicklungsaufgaben auf dem Gegenstand Sport, Bewegung und körperliche Aktivität. Die Wahrnehmung aller Aufgaben in der Sportwissenschaft erfolgt in Kopplung zu den Bezugswissenschaften und zunehmend in einem themenorientierten Zugang mit interdisziplinärer Vernetzung.

Forschung

Die Sportwissenschaft befasst sich im weitesten Sinne mit den individuellen und sozialen Bedingungen, Ausprägungen, Wirkungen und Funktionen von Sport, Bewegung und körperlicher Aktivität. Sportwissenschaftliche Forschung weist eine hohe disziplinäre Binnendifferenzierung auf, die in den vergangenen Jahren neben der strukturellen und personalen Kopplung zu den Bezugswissenschaften auch durch eine zunehmende interdisziplinäre Vernetzung gekennzeichnet ist. Die Sportwissenschaft ist von einer großen methodischen und theoriebezogenen Vielfalt gekennzeichnet, die sie für die Bearbeitung einer Vielzahl von gesellschaftlich relevanten Themen prädestiniert.

Dabei lassen sich drei verschiedene Forschungstypen beschreiben, die jeweils für sich genommen einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung der sportwissenschaftlichen Forschungslandschaft leisten. Erstens die Grundlagenforschung, in der Erkenntnisse als Voraussetzung für weitere Forschung generiert werden, ohne dass unmittelbar der konkrete Verwertungszusammenhang jenseits der Forschung schon intendiert war. Zweitens die Anwendungsforschung, deren Ziel im Lösen von Problemen aus verschiedenen Anwendungsfeldern des Sports und in dem Transfer und der Umsetzung der Ergebnisse und Erkenntnisse in die Sportpraxis oder andere Bereiche der Gesellschaft liegt. Drittens die Praxis- oder Serviceforschung, bei der aktuelle Fragestellungen der Sportpraxis wissenschaftlich bearbeitet, begleitet und Forschungsfragen unmittelbar durch die Anwendung von Erkenntnissen in der Praxis generiert werden.

Die Drittmitteleinnahmen der Hochschulen in der Fächergruppe Sport lagen im Jahr 2015 bei 38,3 Mio. € (Statistisches Bundesamt, 2017b). Wichtige (inter-)nationale Drittmittelgeber für die Sportwissenschaft sind das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Europäische Kommission (EC). Das BISp als nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums des Innern (BMI) fördert mit einem jährlichen Etat von etwa 3,5 Mio. € die Forschung für den deutschen Spitzensport. Darüber hinaus ist die Sportwissenschaft an BMBF-Großprojekten und an verschiedenen EU-Projekten sowie an DFG-Graduiertenkollegs und der Exzellenzinitiative beteiligt. Bisher ist es nicht gelungen, bei der DFG ein eigenes Fachkollegium „Sportwissenschaft“ einzubringen. Die Sportwissenschaft verfolgt dieses Ziel weiter.

Lehre, Studium und Studiengänge

In Deutschland entwickelten sich Sportwissenschaftliche Fakultäten und Institute aus der Lehrerinnen- und Lehrerbildung heraus. Seit den 1980er-Jahren haben sich somit zahlreiche Ausbildungsgänge für Berufsfelder auch jenseits der Schulen etabliert. Sportwissenschaftliche Einrichtungen sind auch für die Bildung des wissenschaftlichen Nachwuchses verantwortlich. So haben in der letzten Dekade ca. 125 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler pro Jahr im Fach Sportwissenschaft promoviert, davon 40 % Frauen (Statistisches Bundesamt, 2017c). Im Jahr 2014 waren 245 Professorinnen und Professoren sowie 25 Juniorprofessorinnen und -professoren in der Sportwissenschaft beschäftigt, elf Habilitationen (6 Männer und 5 Frauen) wurden abgeschlossen (Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs, 2017). Der Anteil der Habilitandinnen lag in den vergangenen zehn Jahren bei ca. 30 %.

Die inhaltliche Ausgestaltung der unterschiedlichen Lehramtsstudiengänge obliegt den einzelnen Bundesländern. Sie ist aber immer mit einem pädagogischen Auftrag für den Schulsport verbunden, körperliche Aktivitäten nachhaltig in den Lebensentwurf von Schülerinnen und Schülern zu integrieren (vgl. Memorandum zum Schulsport, 2009). Das sportwissenschaftliche Lehramtsstudium zielt vor allem auf Lehr- und Vermittlungskompetenzen unter Einbezug von motorischem Können und deren Demonstrationsfähigkeit ab.

Studiengänge sollen entsprechend der Bologna-Empfehlung eine Berufsfeldorientierung aufweisen, die mit Blick auf den Europäischen (EQR) und Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) für lebenslanges Lernen ein angemessenes Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Theorie und anwendungsbezogener (Sport‑)Praxis berücksichtigt. Damit soll arbeitsmarktorientiert ein Höchstmaß an Anbieterqualifikation und Versorgungsqualität sichergestellt werden.

Für die Sportwissenschaft gilt, angesichts der hohen Binnendifferenzierung der sportwissenschaftlichen Studiengänge an einem identitätsstiftenden Kern festzuhalten. Um dies zu erreichen, wurde ein Kerncurriculum für den sportwissenschaftlichen Ein-Fach-Bachelor im außerschulischen Bereich erarbeitet, das vier Kompetenzbereiche herausstellt (vgl. Kerncurriculum, 2017):
  • Sportart- und bewegungsfeldbezogene Kompetenzen im Sinne von sportpraktischen und sportmethodischen Kompetenzen.

  • Fachwissenschaftliche Kompetenzen in den Bereichen Erziehung und Bildung, Kultur und Gesellschaft, Individuum und Handeln, Gesundheit und Prävention, Bewegung und Entwicklung sowie Training und Leistung.

  • Übergreifende Kompetenzen, insbesondere forschungsmethodologische und methodische Kompetenzen sowie Vermittlungs‑, Beratungs‑, Diagnostik- und Evaluationskompetenzen.

  • Schlüsselkompetenzen, d. h. Selbst‑, Sozial‑, Präsentations- und Fachsprachenkompetenzen sowie Kompetenz im Umgang mit Heterogenität.

Welche Gewichtung die Kompetenzfelder erhalten und welche konkreten Inhalte das sportwissenschaftliche Studium aufweist, ist je nach Studiengang und Ausbildungsstandort unterschiedlich und hängt eng mit der personellen und infrastrukturellen Ausstattung zusammen. Berechnungsgrundlage für die Einführung und personelle Ausstattung sportwissenschaftlicher Studiengänge (Deputat/Lehrkapazität) ist der in den Kapazitätsverordnungen (KapVO) der Bundesländer festgelegte Curricularnormwert (CNW). Bei der Berechnung der benötigten Kapazitäten ist die Sonderstellung des Fachs Sport zu berücksichtigen, da in Lehrveranstaltungen der Theorie und Praxis der Sportarten und Bewegungsfelder fachspezifische Relationen zwischen Lehrenden und Lernenden zu beachten sind.

Diversität unter Studierenden und Lehrenden sowie eine Erhöhung des Anteils internationaler Absolventinnen und Absolventen stellen eine Bereicherung dar (vgl. dvs-Positionspapier „Inklusion und Sportwissenschaft“, 2016). Neben Angeboten zur Integration und Betreuung internationaler Austauschstudierender sind Maßnahmen zur Steigerung der Studierendenmobilität, z. B. im Rahmen europäischer Austauschprogramme (Erasmus) ohne Verlängerung der Studiendauer curricular, zu verankern. Die weitere Einführung internationaler Studiengänge (z. B. in englischer Sprache) ist wünschenswert.

Fort- und Weiterbildung

Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen dienen vor allem dem Wissenstransfer neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Praxis. Die unterschiedliche Schwerpunktsetzung sportwissenschaftlicher Studiengänge erfordert für bestimmte Berufsfelder spezifische Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Für Absolventinnen und Absolventen sportwissenschaftlicher (nicht lehramtsbezogener) Studiengänge sind in Abstimmung mit Dachorganisationen wie dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und/oder Fachverbänden wie dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) ausbildungsbegleitend oder -ergänzend durchgeführte Lehrgänge zur Erlangung spezifischer Anbieterqualifikationen bedeutsam (z. B in der akademischen Ausbildung von Trainerinnen und Trainern), in manchen Tätigkeitsfeldern sogar unentbehrlich.

Die Anerkennung von Ausbildungsinhalten sportwissenschaftlicher Studiengänge durch Berufs‑/Fach- und Dachverbände ist in allen Themenbereichen (z. B. Gesundheit, Prävention und Rehabilitation, Trainer- und ÜL-Lizenzen) mit weitreichenden Optionen zur Erlangung von Anbieterqualifikationen aus Absolventen- und Arbeitsmarktperspektive zu begrüßen.

Die Verankerung von Studieninhalten und die Weiterbildung zur Kompetenzvermittlung in diesen Feldern sind an Hochschulen weiter auszubauen. Fort- und Weiterbildungen für Sportlehrerinnen und -lehrer finden in den Bundesländern bisher überwiegend über Angebote der staatlichen Landesinstitute, über die Landesverbände des Deutschen Sportlehrerverbands und die Landesfachverbände sowie Landessportbünde statt. Einige sportwissenschaftliche Institute und Zentren der Hochschulen bieten bereits Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Sportlehrerinnen und -lehrer an. Ein Ausbau der Angebote der Hochschulen erscheint für die Zukunft sinnvoll.

Struktur und Ausstattung

Sportwissenschaftliche Einrichtungen sind in aller Regel selbstständige Organisationseinheiten innerhalb der Hochschule. „Institut für Sportwissenschaft“ ist dafür eine geläufige Bezeichnung, die viele Standorte verwenden, von der aber manche inzwischen abweichen (z. B. Institut für Bewegungswissenschaft), um beispielsweise inhaltliche Ausrichtungen oder bestimmte Arbeitsschwerpunkte nominell herauszustellen. Um die „Einheit in Vielfalt“ des Faches Sportwissenschaft weiterhin sichtbar zu machen, wird dafür plädiert, auf die Benennung Sportwissenschaft (bzw. „Sport Science or/and Exercise Science“ im Englischen) als Markenkern nicht zu verzichten. Voraussetzung dafür ist, dass das Fach in größerer Breite mit mehreren Disziplinen vertreten ist und sich nicht die gesamte Einrichtung auf spezifische Teildisziplinen spezialisiert.

Einbindung des Fachs innerhalb der Hochschule

Die Mehrzahl der sportwissenschaftlichen Einrichtungen ist innerhalb der Hochschule institutionell gemeinsam mit anderen Fächern zu Fachbereichen oder Fakultäten vereint. Solche strukturellen Bedingungen können einerseits der Interdisziplinarität förderlich sein, aber andererseits auch die Sichtbarkeit der Sportwissenschaft als ein Fach unter vielen anderen innerhalb der Hochschule beeinträchtigen. Insofern ist der weitere Ausbau des Fachs zu eigenständigen „Fakultäten für Sportwissenschaft“ prinzipiell denkbar. Es setzt jedoch eine entsprechende Größe und hinreichende fachspezifische Ausdifferenzierung und umfangreiche (wünschenswerte) Ressourcen für die Sportwissenschaft voraus, die den Anforderungen und Zielvereinbarungen entsprechen müssen, die die jeweiligen Hochschulgesetze der Länder vorgeben.

Die DSHS Köln als Universität und größte sportwissenschaftliche Einrichtung in Deutschland nimmt eine Sonderstellung hinsichtlich Struktur und Ausstattung als Standort ein. Deren Struktur kann für den Ausbau des Fachs Sportwissenschaft an anderen Standorten nur bedingt leitend sein.

Gestaltung des Fachs in Arbeitsbereiche

Unterhalb der Institutsebene bietet sich je nach Größe und vorhandenen Professuren die Gestaltung des Fachs in interdisziplinäre Einheiten an. Dafür hat sich eine Gliederung nach Arbeitsbereichen/Departments o. Ä. an vielen Standorten in Deutschland bewährt. Arbeitsbereiche gliedern und differenzieren das Fach hinsichtlich der Aufgaben in Lehre und Forschung. Im Kern sollten innerhalb einer sportwissenschaftlichen Einrichtung mindestens vier Arbeitsbereiche personell mit jeweils mindestens einer unbefristeten Professur (W2/W3) besetzt sein bzw. von Professorinnen oder Professoren geleitet werden (s. auch Kap. 3.4).

Die Arbeitsbereiche sind hinsichtlich Forschungs- und Lehrpersonal hinreichend auszustatten. Dies betrifft sowohl befristete Qualifikationsstellen als auch unbefristete Funktionsstellen. Nur hiermit sind Nachwuchsförderung und eine zukunftssichere Weiterentwicklung des Fachs in Forschung und Lehre zu gewährleisten. Gleichzeitig ist es für die Entwicklung des Fachs förderlich, dass die Einrichtungen, die Arbeitsbereiche bzw. die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich dem Wettbewerb um Mittel und Reputation stellen (z. B. bezüglich Drittmitteln, Publikationen). Die interne und externe Evaluation von Forschungs- und Lehrleistungen ist wesentliches Element zur Qualitätsentwicklung.

Je nach Ausrichtung enthalten sportwissenschaftliche Studiengänge einen umfangreichen sportpraktischen Anteil. Dieser betrifft insbesondere die Lehramtsstudiengänge. Hierfür bedarf es eines akademisch ausgebildeten Lehrpersonals (z. B. Lehrkräfte für besondere Aufgaben), das nach Erlangung einer Promotion in Kernbereichen unbefristet beschäftigt ist. Darüber hinaus sind unbefristete Stellen bzw. Stellen mit Tenure-Track-Option für Forschungsaufgaben und -koordination vermehrt einzurichten.

Besonderheit der sportmedizinischen Arbeitsbereiche

Im Spektrum sportwissenschaftlicher Forschungs- und Tätigkeitsfelder hat der Anteil an gesundheitlich ausgerichteten Themen (z. B. den präventiven und therapeutischen Möglichkeiten durch Bewegung) in den vergangenen zehn Jahren weiter zugenommen. Dadurch hat sich eine große Nähe zu klinisch-medizinischen Fächern eröffnet, die der Sport- und Bewegungsmedizin eine besondere Bedeutung innerhalb der Sportwissenschaft zukommen lassen. Das Aufgabenfeld der Sport- bzw. Bewegungsmedizin innerhalb der Sportwissenschaft liegt zum einen in der Ausbildung und Lehre, insbesondere aber in der Forschung. Hierfür werden aufgrund der besonderen Bedingungen spezifische Ressourcen benötigt, mit einem relativ hohen Gerätebedarf als Grundausstattung einer sportmedizinischen Einrichtung.

Aufgrund der zunehmenden klinischen Forschungsfelder (z. B. im Bereich der Bewegungstherapie für Menschen mit bestehenden Erkrankungen) muss eine klinisch angewandte Sportmedizin über Stellen für ärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen. Idealerweise sollten sportmedizinische Professuren auch in den medizinischen Fakultäten z. B. durch Doppelmitgliedschaften verortet werden. Mit dieser strukturellen Verankerung wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit gestärkt. Dementsprechend sollte die akademische Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch Promotions- und Habilitationsmöglichkeiten fakultätsübergreifend ausgebaut werden. Dadurch wird es möglich, über die Medizin Ressourcen bereitzustellen und gleichzeitig einen engen Bezug zur Sportwissenschaft zu erhalten. An Standorten, an denen diese Struktur nicht erreicht werden kann, weil z. B. keine medizinische Fakultät existiert, ist die Sportmedizin als Arbeitsbereich möglichst professoral in der Sportwissenschaft bzw. in der Fakultät einzurichten, der die Sportwissenschaft zugehörig ist.

Ausstattung

Mit der Ausstattung einer sportwissenschaftlichen Einrichtung werden die Voraussetzungen zur Durchführung der Lehre (gegliedert nach Studiengängen) und zur Übernahme von Forschungsleistungen gelegt. Neben Personal und Sachmitteln gelten für das Fach besondere Anforderungen an sportspezifische Räume (z. B. Sporthallen, Sportplätze) für die sportpraktischen Anteile des Studiums sowie für die Forschung und Lehre mithilfe von apparativem Arrangement (z. B. Laboreinrichtungen). Für den Erwerb und die Wartung der notwendigen Ausstattung, insbesondere in den naturwissenschaftlich ausgerichteten Arbeitsbereichen, sind dauerhaft angemessene finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die sportbibliothekarischen Dienstleistungen sollten sich möglichst in Nähe der Räume von sportwissenschaftlicher Lehre und Forschung befinden.

Seit Etablierung des Fachs Sportwissenschaft an den Hochschulen in Deutschland hat sich an den meisten Standorten eine gemeinsame Nutzung von Sporträumen und Sachmitteln – zusammen mit dem Hochschulsport als zentrale Einrichtung bzw. eigenständige Betriebseinheit innerhalb der Hochschule bzw. in einer Fakultät oder einem Fachbereich – ergeben. Für die gemeinsame Nutzung von Ressourcen haben sich unterschiedliche Modelle der Organisation und Kooperation etabliert. In beiderseitigem Interesse ist diese nicht zuletzt auch unter dem Aspekt zu optimieren, Synergieeffekte für Lehre und Forschung zu erzielen. An Standorten, wo der Hochschulsport organisatorisch der sportwissenschaftlichen Einrichtung angegliedert ist, ist die jeweilige Profilschärfe zu sichern, um Sichtbarkeit der unterschiedlichen Aufgaben und Leistungen zu gewährleisten. Alle kooperativen Modelle zwischen sportwissenschaftlicher Einrichtung und Hochschulsport tragen auch zur Kostensenkung bei und verstärken die Identitätsbildung von (Hochschul‑)Sport und Sportwissenschaft innerhalb der Hochschule.

Professuren

Das Verhältnis sportwissenschaftlicher Professuren pro Studierende sollte dem bundesdeutschen Durchschnitt anderer universitärer Fächer angepasst werden. Die Mindestausstattung einer sportwissenschaftlichen Einrichtung sollte vier unbefristete Professuren nicht unterschreiten, um die Breite der Sportwissenschaft mit ihrer sozial-, geistes- und naturwissenschaftlichen Ausrichtung in Lehre und Forschung angemessen und ausgewogen abzubilden. Jede W3-Professur sollte mindestens 1,5 Nachwuchsstellen enthalten. In Einrichtungen mit klaren Schwerpunktsetzungen in den Studiengängen können die Professuren zu den Profilierungen hin verschoben werden. An allen Standorten mit Studiengängen, deren Absolvierende ein Lehramt an Schulen anstreben, ist mindestens eine Professur mit sportpädagogischer bzw. sportdidaktischer Ausrichtung unerlässlich. Bei der Besetzung dieser Professur ist darauf zu achten, dass mehrjährige praktische Erfahrungen mit institutionellen Erziehungs- und Bildungsprozessen (z. B. Schulerfahrung) vorliegen.

Im durchschnittlichen Vergleich mit anderen Fächern ist die Sportwissenschaft gegenwärtig professoral stark unterbesetzt. So kommen im bundesweiten Fächerdurchschnitt 66 Studierende auf eine Professur. Im Fach Sportwissenschaft sind es 108 Studierende (Statistisches Bundesamt, 2015, und Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs, 2017). Diese Relation von Studierenden pro Professur gilt es daher langfristig durch Schaffung weiterer unbefristeter Professuren (W2/W3), auch unter dem Genderaspekt für das Fach, deutlich zu verbessern. Seniorprofessuren können Lehre und Forschung bereichern, dürfen aber nicht die Besetzung oder Einrichtung von Planstellen behindern.

Nachwuchsförderung

Nachwuchsförderung ist eine prinzipielle und zentrale Aufgabe zum Erhalt und zum Ausbau des Fachs in der Zukunft. Dies gilt insbesondere für die Gewinnung von mehr Frauen in allen Positionen, vor allem im Bereich der Professuren, die derzeit bei ca. 20 % liegt. Alle Professorinnen und Professoren nehmen eine direkte Verantwortung für die Qualifizierung des sportwissenschaftlichen Nachwuchses wahr. Ferner ist anzustreben, dass jede sportwissenschaftliche Einrichtung gemessen an ihrer Größe auch Juniorprofessuren (bevorzugt als Tenure-Track) verantwortungsvoll einrichtet und sich an der Einwerbung von Drittmitteln beteiligt. Sportwissenschaftliche Einrichtungen können die Nachwuchsförderung durch ein strukturiertes Promotionsstudium mit geeigneten Angeboten wie Graduiertenkollegs, Kolloquien, Workshops und Gastvorträgen unterstützen. Die Fachgesellschaften haben ihrerseits die Nachwuchsförderung durch regelmäßige nationale und internationale Workshops und Akademien zu ergänzen.

Lehrkräfte für sportpraktische Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen in „Theorie und Praxis der Sportarten und Bewegungsfelder“ sind Bestandteil der meisten Studiengänge. Dabei handelt es sich um curricular wiederkehrende Daueraufgaben. Die Lehre ist durch eine ausreichende Anzahl von Dauerstellen mit promovierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abzusichern, die strukturell einer Professur zugeordnet sein sollten. Nebenamtliche Lehrbeauftragte können das Lehrangebot bereichern. Bei ihrer Auswahl ist darauf zu achten, dass ein sportwissenschaftlicher Abschluss vorliegt.

Herausforderungen und Perspektiven

Das Memorandum soll insbesondere eine Orientierung für alle in der Sportwissenschaft tätigen Kolleginnen und Kollegen bieten. Daraus können Strategien für wünschenswerte Entwicklungen des Fachs Sportwissenschaft abgeleitet werden. Weiterhin sollen auf dieser Basis das Anliegen und die Aufgaben der Sportwissenschaft auch außerhalb vertreten und Verbündete für Sport und Sportwissenschaft gewonnen werden, sei es national oder international in Politik und Sportverbänden, sei es auf Länderebene (z. B. gegenüber zuständigen Ministerien) oder innerhalb der eigenen Hochschule, wo es gilt, das Fach immer wieder neu zu positionieren und zu profilieren. Dafür kann das Memorandum eine wertvolle Textbasis sein. Welche konkreten Herausforderungen und Perspektiven sich für das Fach und mit Blick auf die einzelnen Standorte in nächster Zeit ergeben, ist schwer prognostizierbar.

Am Ende dieses Memorandums sollen einige Aspekte erwähnt werden, wo die Sportwissenschaft gefordert ist, mitzudenken, mitzuarbeiten und verantwortungsbewusst mitzuentscheiden.
  • Autonomie des Fachs als akademische Disziplin in Lehre und Forschung sichern: Mit welcher Binnengliederung innerhalb der Hochschule gelingt die Sichtbarkeit des Fachs am besten?

  • Ressourcen der Sportwissenschaft noch mehr für den Wissenstransfer nutzen: die Marke „Sportwissenschaft“ schärfen und in der Öffentlichkeit verankern.

  • Erweiterung der Anzahl und Ausrichtung der Studiengänge zu Sport und Sportwissenschaft an privaten und staatlichen (Fach‑)Hochschulen sowie Berufsakademien im Blick halten: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

  • Unterstützung der (sport-)wissenschaftlichen Fachgesellschaften nutzen: Begleitung bei der Umsetzung des Memorandums, z. B. durch verstärkten wissenschaftspolitischen Diskurs.

  • Internationalisierung: Das Engagement deutscher Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler ist zwar deutlich gestiegen, sollte aber weiter intensiviert werden. Die internationale Visibilität ist in einzelnen Teildisziplinen unterschiedlich ausgeprägt.

  • Entwicklungschancen der deutschen Sportwissenschaft nutzen: die Positionierung der Sportwissenschaft im nationalen und internationalen Wissenschaftswettbewerb stärken, Forschungsausstattungen erweitern, Synergieeffekte in Lehre und Forschung erzielen.

  • Qualitätssicherung: Wie kann die Qualität der sportwissenschaftlichen Ausbildung und des Sportunterrichts nachhaltig sichergestellt werden?

  • Zertifizierung und Anerkennung: Wie können die in Hochschulen, Organisationen und Verbänden erworbenen Kompetenzen gegenseitig Anerkennung finden?

Neben diesen stärker nach innen gerichteten Aufgaben und Perspektiven liegen die Herausforderungen der Sportwissenschaft auch darin, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, wie z. B.
  • bei der Werterziehung und Wertebildung,

  • bei der Förderung von bürgerlichem Engagement und der Vereinskultur,

  • beim Umgang mit dem demografischen Wandel (Alterung der Gesellschaft),

  • bei der Integration (Inklusion) von Geflüchteten und Migranten,

  • bei der sport- und bewegungsgerechten Planung im kommunalen Raum,

  • zum veränderten Bewegungsverhalten und der zunehmenden körperlichen Inaktivität.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, was Sport und Sportwissenschaft zum Zusammenhalt der (globalen) Gesellschaft leisten können.

Notes

Interessenkonflikt

K. Hottenrott, A. Baldus, K.-M. Braumann, I. Hartmann-Tews, M. Holzweg, D. Kuhlmann, A. Seyfarth, B. Strauß, R. Sygusch und L. Vogt geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

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Authors and Affiliations

  • Kuno Hottenrott
    • 1
  • Angelika Baldus
    • 2
  • Klaus-Michael Braumann
    • 3
  • Ilse Hartmann-Tews
    • 1
  • Martin Holzweg
    • 4
  • Detlef Kuhlmann
    • 5
  • André Seyfarth
    • 5
  • Bernd Strauß
    • 6
  • Ralf Sygusch
    • 5
  • Lutz Vogt
    • 1
  1. 1.Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft e. V. (dvs)HamburgDeutschland
  2. 2.Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS)Hürth-EfferenDeutschland
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