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Rezension zu: Grant, Adam M. (2021). Think Again. The Power of Knowing What You Don’t Know

New York, New York: Viking. 320 Seiten, 18,50 €, ISBN 978-0-593-29874-9

Krisen wie die der Pandemie durchbrechen alte Gewohnheiten und Denkmuster der Menschen. Adam Grant verdeutlich in Think Again, dass derart komplexe Probleme die Relevanz mentaler Offenheit und Flexibilität klar erkennen lassen. Er sieht in der Fähigkeit des flexiblen Denkens einen Ansatz, Ansichten und gewohnte Denk- und Handlungsmuster in Frage zu stellen oder gar bewusst zu verlernen. Im unerschrockenen Ausprobieren sieht Grant die Chance, Wissenslücken mit neuen Erkenntnissen zu füllen, um in einer sich stets verändernden Welt schneller zu agieren. Adam M. Grant ist Professor der Wirtschaftspsychologie an der Wharton School und zählt weltweit zu den Top 10 der Management-Vordenker. In Think Again erörtert er in vier Teilen, wie eigene mentale Flexibilität entwickelt und die Gesellschaft zum flexiblen Denken aktiviert werden kann.

In Teil I führt Grant an, wie eigene Ansichten und Meinungen überdacht werden können.

Grant nutzt die von Phil Tetlock eingeführten Mindset prägenden Rollen (Prediger, Staatsanwalt, Politiker) und zeigt, warum sie die Suche nach der Wahrheit behindern und weshalb die mentale Rolle des Wissenschaftlers die Chance birgt, sie aufzudecken. Weiter erklärt er, warum das Bewusstsein über eigene blinde Flecken relevant ist und worin die Vorteile des Impostor-Syndroms liegen. Er sieht in der „selbstbewussten Bescheidenheit“ (S. 47) den Motor für kritische Reflexion und Fortschritt: Man vertraut den eigenen Fähigkeiten, aber hinterfragt die angewendeten Methoden. Zudem verrät Grant zwei Techniken, die helfen, Fehler als Zeichen des eigenen Fortschritts zu betrachten. Zum Ende wird die Relevanz konstruktiver Konflikte thematisiert, Aufgaben- vom Beziehungskonflikt abgegrenzt, Vorteile des ersteren erläutert und erklärt, warum konfliktfreudige Menschen im Sinne der Aufgabenkonflikte als Treiber des eigenen Fortschritts gelten können.

Teil II fokussiert, wie mentale Offenheit und die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen bei anderen Menschen ausgelöst werden kann. Zu Beginn zeigt Grant auf, wie man Debatten gewinnen kann und stellt Techniken vor, um andere Menschen effektiv in einen Prozess des Hinterfragens zu versetzen. Außerdem beleuchtet Grant, wie Stereotypen und Vorurteile gegenüber Gruppen von Menschen entstehen. Neben der Relevanz direkter Gespräche entdecken die Leser drei hilfreiche Tipps, verinnerlichte Stereotypen und Vorurteile zu reduzieren. Weiter stellt er dar, welche Wirkung aktives Zuhören auf unser Gegenüber und dessen Reflexionsarbeit haben kann und wie Techniken der motivierenden Gesprächsführung dem Gegenüber die eigene Motivation zur Verhaltensänderung näherbringen können.

Wie lebenslanges Lernen in Gemeinschaften verankert werden kann, wird in Teil III thematisiert. Grant zeigt, wie die Komplexitätsdarstellung eines Themas die zu Extremen tendierenden Diskussionen entschärfen und in konstruktive Diskussionen umwandeln kann. Er beschreibt Techniken, die an der Selbstüberschätzung von Gruppen „rütteln“ und sie zum Überdenken anregen. Weiter lotet Grant aus, wie Studierende Kritiker der eigenen Arbeit und des Wissens werden. Dazu führt er inspirierende Beispiele von Lehrkräften auf, die Studierende neue Wege des Denkens erschließen lassen. Schließlich erörtert er, wie Lernkulturen in der Arbeitswelt geschaffen werden und Teams von kollektiven Prozessen des Hinterfragens profitieren können. Für Grant ist die organisationale Lernkultur hierbei eine Grundlage, die Fehler als Wachstumschance erkennt und kluges Ausprobieren fördert. Er zeigt, warum die psychologische Sicherheit in diesem Rahmen wichtig ist und wie sie geschaffen werden kann.

Als Fazit fokussiert Teil IV langfristige Lebens- und Karrierepläne, die laut Grant für verändernde Umstände blind machen und verhindern, sie kritisch zu hinterfragen. Er legt dar, wie kritisches Hinterfragen helfen kann, sich von alten Zielen zu befreien, um ein erfüllteres Lebenskonzept beizubehalten.

Adam Grant fasziniert mit seiner Fähigkeit, Erkenntnisse aus harter wissenschaftlicher Forschung auf eine hoch informative und zugleich unterhaltsame Weise darzulegen. Dies gelingt ihm durch einleitende Geschichten, bildhafte Sprache und einprägsame Beispiele. Seine Grafiken laden zur Selbstreflexion ein und erzeugen „AHA-Effekte“. Vertraute Leser von Adam Grant stoßen auf seine unverkennbaren, aber bereits bekannten Techniken zur Gestaltung rhetorischer Spannungsbögen. Die inhaltliche Einteilung in intra- und interpersonelle sowie kollektive Ebenen erzeugt eine aufeinander aufbauende Erkenntnisreise, die die vielfältigen Anschlussmöglichkeiten des flexiblen Denkens deutlich macht. Think Again schließt mit dreißig spannenden Implikationen ab. Neben einer komprimierten Zusammenfassung aller drei Ebenen dienen sie entwicklungsorientierten Lesern als Erinnerungsstütze, um flexibles Denken zu entwickeln und eigene Entwicklungsfelder ausfindig zu machen.

Think Again gibt wertvolle Impulse mit fundierten Informationen für unterschiedliche (berufliche) Rollen. Es wird deutlich: (Mentaler) Fortschritt kann nur gelingen, wenn wir sensibel für das eigene Unwissen bleiben, eigene Ansichten hinterfragen und uns mit Neugier auf Wissen immer wieder von (hinderlichen) Strukturen ablösen. Dieses Plädoyer beweist Anschlussfähigkeit an die hochaktuellen und komplexen Herausforderungen von Mensch und Organisation.

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Seif el Dahan, C. Rezension zu: Grant, Adam M. (2021). Think Again. The Power of Knowing What You Don’t Know. Gr Interakt Org (2022). https://doi.org/10.1007/s11612-022-00634-9

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