Archiv für Toxikologie

, Volume 20, Issue 1, pp 12–20 | Cite as

Chronisch-schleichende Quecksilbervergiftung in der zahnärztlichen Praxis

  • S. Preussner
  • H. -P. Klöcking
  • G. Bast
Article

Zusammenfassung

Zwei Fälle von chronisch-schleichender Hg-Intoxikation in der zahnärztlichen Praxis (Zahnarzt und Helferin) werden auf das unvorsichtige Hantieren mit Hg und Kupferamalgam zurückgeführt. Im Vordergrund der geschilderten Beschwerden standen psychische Veränderungen im Sinne des Erethismus mercurialis. Der bei der Untersuchung nachweisbare Tremor mercurialis war in beiden Fällen nicht so deutlich ausgeprägt, daß ein verzerrtes Schriftbild nachgewiesen werden konnte.

Die besondere Gefährdung war durch den bei der Luftuntersuchung im Arbeitsraum festgestellten hohen Gehalt an Hg gegeben, der auf das Verdampfen von metallischem Hg aus den Fußbodenritzen und auf die Kupferamalgamerhitzung im freien Raum zurückgeführt wurde.

Die bei beiden Patienten erhöhte Hg-Ausscheidung im Urin wurde im wesentlichen mit der Methode nachMassmann undSprecher quantitativ über den Zeitraum von 1 1/2 Jahren verfolgt. Unter der Dithioglycerinbehandlung war im Falle des Zahnarztes eine deutliche Steigerung der Hg-Ausscheidung im Harn zu beobachten; bei der Helferin jedoch nicht. Eine Schwefelbadbehandlung führte bei beiden Erkrankten zu einer Ausscheidungssteigerung.

Nach 1 1/2 Jahren liegen bei jetzt einwandfreien Arbeitsplatzbedingungen die Urin-Hg-Werte im Normbereich.

Als Restsymptome der chronisch-schleichenden Hg-Vergiftung bestehen in beiden Fällen unvermindert innere Unrast und Schlaflosigkeit; zudem bei der zahnärztlichen Helferin häufig heftige Kopfschmerzen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Agate, J. N., andM. Buckell: Mercury poisoning from fingerprint photography. Lancet1949 II, 451.Google Scholar
  2. Ahlborg, G., u.A. Ahlmark: Das klinische Bild der Vergiftungen mit Alkylquecksilberverbindungen und das Expositionsrisiko. Nord. Med.41, 503 (1949).Google Scholar
  3. Baader, E. W.: Klinische Grundlagen der 46 meldepflichtigen Berufskrankheiten, 5. Aufl. München u. Berlin: Urban & Schwarzenberg 1960.Google Scholar
  4. Bleuler, M.: Grundsätzliches über psychische Giftschäden am Beispiel einer Quecksilber- und einer Schwefelkohlensoff-Vergiftung. Schweiz. med. Wschr.74, 923 (1944).Google Scholar
  5. Borinski, P.: Sind kleinste Quecksilbermengen gesundheitsschädlich? Dtsch. med. Wschr.57, 1060 (1931 a).Google Scholar
  6. —: Das Vorkommen kleinster Quecksilbermengen im Harn und Faeces. Diagnostische Bewertung und Ursachen. Klin. Wschr.10, 149 (1931 b).Google Scholar
  7. Burgener, P., u.A. Burgener: Erfahrungen über chronische Quecksilbervergiftungen. Schweiz. med. Wschr.82, 204 (1952).Google Scholar
  8. Fleischmann, P.: Zur Frage der Gefährlichkeit kleinster Quecksilbermengen. Dtsch. med. Wschr.54, 304 (1928).Google Scholar
  9. Flury, F., u.F. Zernik: Schädliche Gase, 1. Aufl., S. 232. Berlin: Springer 1931.Google Scholar
  10. Franke, E., u.K. D. Lundgren: Gewerbehygienische Kontrolle bei Herstellung von Alkylquecksilberverbindungen. Arch. Gewerbepath. Gewerbehyg.15, 186 (1956).Google Scholar
  11. Hauschild, F.: Pharmakologie und Grundlagen der Toxikologie, 3. Aufl., S. 313. Leipzig: VEB Georg Thieme 1961.Google Scholar
  12. Jordi, A.: Quecksilbervergiftungen bei Munitionsarbeitern. Schweiz. med. Wschr.77, 621 (1947).Google Scholar
  13. Kettner, H.: Sowjetische MAK-Werte (Maximale Arbeitsplatzkonzentration) für das Jahr 1960. Zbl. Arbeitsmed.11, 63 (1961).Google Scholar
  14. Kobert, R.: Lehrbuch der Intoxikationen, 2. Aufl., S. 332. Stuttgart: Ferdinand Enke 1904.Google Scholar
  15. Koelsch, F.: Handbuch der Berufskrankheiten, 2. Aufl., S. 260. Jena: VEB Gustav Fischer 1959.Google Scholar
  16. Kussmaul, A.: Untersuchungen über den konstitutionellen Mercurialismus, Würzburg: Stahelsche Buch- und Kunsthandlung 1861.Google Scholar
  17. Leschke, E.: Die wichtigsten Vergiftungen. Fortschritte in deren Erkennung und Behandlung. Klinische Lehrkurse der Münch. med. Wschr.1933, 32.Google Scholar
  18. Massmann, W., u.D. Sprecher: Die toxikologische Analyse des Quecksilbers. Arch. Toxikol.16, 264 (1957).Google Scholar
  19. Moeschlin, S.: Klinik und Therapie der Vergiftungen, 3. Aufl. Stuttgart: Georg Thieme 1959.Google Scholar
  20. Neugebauer, W.: Neurologische Krankheitsbilder nach Quecksilbervergiftung. Arch. Toxikol.17, 263 (1959).Google Scholar
  21. Reiselman, S. D.: Einfluß der Quecksilberintoxikation auf die inneren Organe. Arch. Gewerbepath. Gewerbehyg.1, 496 (1930).Google Scholar
  22. Sawitzki, N. N.: Erste Hilfe und Behandlung bei Industrievergiftungen, S. 42. Berlin: VEB Volk u. Gesundheit 1955.Google Scholar
  23. Seifert, P., u.H. Neudert: Zur Frage der gewerblichen Quecksilber-Vergiftung. Zbl. Arbeitsmed.4, 129 (1954).Google Scholar
  24. Shoib, M. O., L. J. Goldwater andM. Sass: A study of mercury exposure. Amer. industr. Hyg. Ass. J.10, 29 (1949).Google Scholar
  25. Stock, A.: Die Gefährlichkeit des Quecksilberdampfes. Z. angew. Chem.39, 461 (1926).Google Scholar
  26. —: Die chronische Quecksilber- und Amalgam Vergiftung. Arch. Gewerbepath. Gewerbehyg.7, 388 (1937).Google Scholar
  27. Teleky, L.: Persistierende, rezidivierende oder wiederholte Bleivergiftungen oder Quecksilbervergiftungen? Arch. Gewerbepath. Gewerbehyg.5, 132 (1934).Google Scholar
  28. —: Gewerbliche Vergiftungen, 1. Aufl., S. 83. Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer 1955.Google Scholar
  29. Vanotti, A.: Über die Beziehungen zwischen lokalen und allgemeinen Schädigungen bei gewerblichen Intoxikationen (an Hand eines Falles von Quecksilbervergiftung). Arch. Gewerbepath. Gewerbehyg.8, 266 (1938).Google Scholar
  30. Weger, A. M.: Veränderungen des Nervensystems bei Arbeitern des Quecksilberbetriebes. Arch. Gewerbepath. Gewerbehyg.1, 522 (1930).Google Scholar
  31. Zangger, Hr.: Erfahrungen über Quecksilbervergiftungen. Arch. Gewebepath. Gewerbehyg.1, 539 (1930).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag 1963

Authors and Affiliations

  • S. Preussner
    • 1
    • 2
  • H. -P. Klöcking
    • 1
    • 2
  • G. Bast
    • 1
    • 2
  1. 1.Medizinischen Klinik der Universität RostockDeutschland
  2. 2.Pharmakologischen Institut der Universität RostockDeutschland

Personalised recommendations