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Demokratisierung im internationalen Vergleich

pp 251-266

Engendering Democracy: Staatsfeminismus im Zeitalter der Restrukturierung von Staatlichkeit

  • Birgit SauerAffiliated withInstitut für Politikwissenschaft, Universität Wien

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Auszug

Frauenbewegungen haben in den vergangenen dreißig Jahren relativ erfolgreich westliche liberale Demokratien unter einer Frauenperspektive demokratisiert. Die quantitative Repräsentation von Frauen in politischen Entscheidungsgremien stieg kontinuierlich an: Im EU-Europa beispielsweise liegt der Frauenanteil in den nationalen Parlamenten sowie in den nationalen Regierungen im Durchschnitt inzwischen bei etwa 23% (European Commission 2005). Ergebnisse der vergleichenden geschlechtssensiblen Politikfeldforschung haben gezeigt (Mazur 2001; Stetson 2001; Outshoorn 2004; Lovenduski 2005), dass nicht nur die quantitativ-deskriptive Repräsentation von Frauen in Policy-Prozessen erhöht, sondern auch die inhaltlich-substantielle Repräsentation entscheidend im Sinne eines frauenfreundlichen Outputs beeinflusst werden konnte (zum Repräsentationsbegriff vgl. Pitkin 1967). Frauenthemen fanden allmählich Eingang in die politische Agenda (Inglehart/Norris 2003), Frauen- und Gleichstellungspolitik entwickelte sich zu einem eigenen Politikfeld, und Gender Mainstreaming wurde seit der Vierten Weltfrauenkonferenz in Beijing zu einer für den EU-Raum verbindlichen Politikstrategie. Geschlechterdemokratie, so scheint es, war in den letzten drei Dekaden durchaus möglich. Angesichts der Transformation von (National-) Staatlichkeit und Demokratie seit den 1990er Jahren stellt sich die Frage, ob diese frauenfreundliche Entwicklung stabil und nachhaltig ist.