, Volume 28, Issue 2, pp 89-152

Meinungsänderung durch eigenes Handeln Die Rückwirkung einstellungskonträrer Agitation

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Zusammenfassung

Zur Klärung der Frage, ob und unter welchen Umständen einstellungskonträre Agitation auf den Agitator zurückwirkt, wurden Gruppen- und Einzelversuche durchgeführt. Als Versuchspersonen dienten insgesamt 409 männliche und weibliche Oberschüler und Studenten. In allen Versuchen mußten die Versuchspersonen Reden erfinden und halten. Die Messung der Meinungsänderung und einiger hypothetischer Variablen wurde mit Fragebogen vorgenommen, zum Teil wurden nach den Versuchen Interviews durchgeführt.

Wir erhielten folgende Hauptergebnisse: Erfinden und Vortragen von Argumenten für einen zudiktierten Standpunkt führen, unabhängig voneinander und von der im Vortrag enthaltenen Argumentation, zu einer Meinungsänderung. Ihre Richtung und ihr Ausmaß sind außerdem abhängig vom Verhältnis der zudiktierten Stellungnahme zu anderen, bereits vorhandenen psychischen Inhalten — starke Verankerung der ursprünglichen Meinung führt zur Meinungsänderung im Gegensinne der Agitation (Bumerang-Effekt) — sowie vom Grad der Willentlichkeit der Handlung: bereits die Entscheidung, einen einstellungskonträren Standpunkt nach außen zu vertreten, kann zu einer Meinungsänderung führen. Das Lernen der Argumente, die Bewertung der eigenen Leistung, des Versuchs und Versuchsleiters sowie Eigenschaften eines Themas für sich erweisen sich nicht als alleinige Bedingungen der Meinungsänderung.

Diese und andere, weniger wichtige Ergebnisse werden diskutiert. Die Theorie der kognitiven Dissonanz wird als beste einheitliche Erklärungsgrundlage der empirischen Befunde angesehen.

Summary

Experiments with groups and single persons were conducted to test the effect of persuasive behaviour on the communicator. 409 male and female high-school and university students served as subjects. In all experiments the subjects had to invent and verbalize speeches contradicting their own opinion. Opinion change and some hypothetical variables were measured by questionnaires, the sessions were partially followed by interviews.

Main results: Inventing or speaking of arguments in favour of an appointed opinion lead, independently of each other and of the informational content of the arguments, to opinion change the direction and magnitude of which are, in addition, dependent on the relation of the argument to previously existent mental contents (if the original opinion is strongly anchored, the persuasive behaviour results in a “boomerang effect”), as well as the degree of volition of the subject's persuasive behaviour. (Already the decision to defend a point of view contrary to one's own may lead to opinion change). Learning of arguments and evaluation of own achievement, of the experiment and the experimenter as well as the qualities of a topic in itself cannot be shown to be the only conditions of opinion change.

These and other, less important results are discussed; the theory of cognitive dissonance is considered the best uniform explanation of these empirical results.

Diese Arbeit wurde von der philosophischen Fakultät der Ludwig Maximilians-Universität in München als Dissertation angenommen.
Die referierten Versuche wurden durch das „Yale Communication and Attitude Change Programme“ und die „Gesellschaftder Freunde der Wirtschaftshochschule Mannheim e.V.“ finanziell gefördert. Der Verfasser dankt den genannten Institutionen für ihre Unterstützung.