Der Hautarzt

, Volume 57, Issue 11, pp 999–1004

Die Bedeutung der Ernährung und begleitender Faktoren für die Psoriasis

Authors

    • Abteilung Ernährungsphysiologie und Humanernährung, Institut für Lebensmittelwissenschaft, Zentrum Angewandte ChemieUniversität Hannover
Übersicht

DOI: 10.1007/s00105-006-1164-1

Cite this article as:
Wolters, M. Hautarzt (2006) 57: 999. doi:10.1007/s00105-006-1164-1

Zusammenfassung

Psoriasis ist eine T-Lymphozyten-vermittelte Entzündung der Haut, die durch Hyperproliferation und verminderte Differenzierung epidermaler Keratinozyten gekennzeichnet ist. In schweren Fällen kommt es zu einer Beeinträchtigung des Ernährungsstatus, zusätzlich forciert durch Medikamenten-Nährstoff-Interaktionen bei systemischer Therapie. Die Art der Ernährung wie auch einzelne Nahrungsinhaltsstoffe werden als ätiologische und pathogenetische Faktoren diskutiert. Positive Effekte zeigten sich durch Fastenperioden, vegetarische Ernährung oder die erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl. Die Verbesserung resultiert aus einer verminderten Arachidonsäure- bzw. einer erhöhten Eicosapentaensäurezufuhr. Als Konsequenz verändert sich das Eicosanoidprofil und damit die Konzentration der Entzündungsmediatoren. Allerdings konnte nur in einer von 4 randomisierten, kontrollierten Studien mit Omega-3-Fettsäuren ein Nutzen nachgewiesen werden. Einige Patienten weisen eine Glutensensitivität auf und könnten von einer glutenfreien Diät profitieren. Eine Verbesserung der Symptome lässt sich darüber hinaus durch Vitamin D erzielen, welches antiproliferative und immunregulatorische Effekte besitzt.

Schlüsselwörter

PsoriasisErnährungMedikamenten-Nährstoff-InteraktionenOmega-3-FettsäurenGluten

The significance of diet and associated factors in psoriasis

Abstract

Psoriasis is a T cell mediated inflammatory skin disease characterized by hyperproliferation and reduced differentiation of epidermal keratinocytes. In severe cases, the disease can result in an insufficient nutritional status which may even be promoted by nutrient-drug interactions. Both the general diet and single food components have been suggested to play a role in etiology and pathogenesis of psoriasis. Fasting periods, vegetarian diets, and diets rich in omega-3 polyunsaturated fatty acids from fish oil have all been associated with improvement in some studies. The most likely explanation is the reduced amounts of arachidonic acid and the increased eicosapentaenoic acid intake resulting in a modulated eicosanoid profile. However, only one of four controlled studies showed a benefit of omega-3 fatty acids compared to placebo. Some psoriasis patients are gluten-sensitive and may benefit from a gluten free diet. The active form of vitamin D exhibits anti-proliferative and immunoregulatory effects and has been shown to be useful in the treatment of psoriasis.

Keywords

PsoriasisNutritionDrug-nutrient interactionsOmega-3 fatty acidsGluten

In Deutschland leiden etwa 1,5 Mio. Menschen unter Psoriasis [23]. Als Ursache der Erkrankung wird eine genetische Prädisposition im Zusammenhang mit Umweltfaktoren diskutiert. Zwar kommen zahlreiche Behandlungsmethoden zur Anwendung, eine kurative Therapie steht jedoch bis heute aus [21]. Da die Erkrankung selbst sowie die eingesetzten Arzneimittel den Nährstoffstatus beeinträchtigen können und umgekehrt Ernährungsfaktoren das Krankheitsgeschehen beeinflussen, sollten ernährungsphysiologische Aspekte bei Psoriasis stärker berücksichtigt werden.

Auswirkungen auf den Ernährungsstatus und Medikamenten-Nährstoff-Interaktionen

Schwere Verlaufsformen der Psoriasis können aufgrund beschleunigter Nährstoffverluste durch Hyperproliferation und Desquamation der epidermalen Schicht mit Nährstoffdefiziten einhergehen. In einer Untersuchung mit 50 hospitalisierten Psoriasispatienten zeigte sich bei 18% eine Verminderung des Gesamtproteins, 16% wiesen erniedrigte Serumalbuminkonzentrationen auf, 38% hatten ein erhöhtes MCV („mean corpuscular volume“), und bei 39% war der Hämatokrit vermindert. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass bei schwerer Psoriasis ein erhöhtes Risiko für Nährstoffdefizite insbesondere für eine unzureichende Protein- und Folatversorgung besteht [24]. Darüber hinaus weisen Psoriasispatienten oftmals einen verschlechterten Antioxidanzienstatus und Anzeichen für erhöhten oxidativen Stress auf. In Untersuchungen waren die Plasma- und Erythrozytenkonzentrationen an Malondialdehyd, einem Marker für die Lipidperoxidation, erhöht und die Plasmakonzentrationen an β-Karotin, α-Tocopherol sowie die Serumselenspiegel erniedrigt. Die erhöhte MDA-Produktion bei Psoriasis resultiert in einer verstärkten Phospholipidperoxidation der Erythrozytenmembran und könnte für die verminderte Membranfluidität beim Fortschreiten der Erkrankung verantwortlich sein [4, 29].

Hinzu kommt, dass Psoriasispatienten häufig chronisch Arzneimittel einnehmen und so Nährstoffdefizite durch Medikamenten-Nährstoff-Interaktionen weiter verschärft werden. Insbesondere eine systemische Therapie ist mit Veränderungen des Ernährungsstatus assoziiert. Darüber hinaus können Ernährungsfaktoren auch die Pharmakokinetik und -dynamik von Arzneimitteln beeinflussen und damit die Wirksamkeit der Therapie beeinträchtigen [29].

Die Tab. 1 gibt eine Übersicht über in der Psoriasistherapie häufig eingesetzte Substanzen und ihre Nebenwirkungen und potenziellen Nährstoffinteraktionen.
Tab. 1

Arzneimittel in der Therapie der Psoriasis mit Nebenwirkungen und möglichen Medikamenten-Nährstoff-Interaktionen [29]

Art der Applikation

Therapeutikum

Nebenwirkungen (Auswahl)

Mögliche Interaktion mit Lebensmittelbestandteilen/Nährstoffen oder dem Ernährungsstatus

Topisch

Kortikosteroide

Tachyphylaxie, Atrophie, Teleangiektasie, adrenale Suppression

Verminderte Glukosetoleranz, Hypokaliämie und Hypomagnesiämie bei Anwendung auf großen Flächen

Vitamin D3 und -Analoga

Hautreizungen

Hyperkalziämie bei Patienten mit Niereninsuffizienz, daher keine Vitamin-D- und/oder Kalziumgabe ohne Überwachung des Serumkalziums

Systemisch

Methotrexat

Übelkeit, Anstieg der Leberenzyme, Lebertoxizität, Knochenmarksdepression

Appetitlosigkeit, Folatmangel, Hyperhomozysteinämie

Ciclosporin

Nierentoxizität

Erhöhte Bioverfügbarkeit bei Einnahme mit Grapefruitsaft, Hypomagnesiämie durch renale Magnesiumverluste

Retinoide

Haarausfall, Nagelverdünnung, Cheilitis, Teratogenität, Hyperlipidämie

Hypervitaminose A, daher keine Vitamin-A-Gabe und kein Verzehr von Leber

Homozystein sollte als Marker zur Beurteilung des Folatstatus bei der Behandlung von Psoriasispatienten mit MTX herangezogen werden

Vielfach werden Psoriasispatienten mit dem Folsäureantagonisten Methotrexat (MTX) in niedrigen Dosierungen behandelt. Aufgrund der Beeinträchtigung des Appetits durch MTX und lebertoxischer Effekte wird die Nährstoffversorgung durch die Einnahme verschlechtert. MTX hemmt kompetitiv das folatabhängige Enzym Dihydrofolatreduktase (DHFR), sodass ein Mangel an aktivem Tetrahydrofolat entsteht. Hierdurch inhibiert MTX auch die dTMP- und Purinsynthese, was in der Folge zu einer gestörten DNA-Synthese führt. Der Abbau von Homozystein erfolgt in Abhängigkeit von Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6, sodass die Homozysteinkonzentration bei unzureichender Versorgung mit diesen Vitaminen ansteigt. Psoriasispatienten, die wöchentliche MTX-Dosierungen von 25 mg erhielten, wiesen höhere Plasmahomozysteinspiegel auf als eine gleichaltrige Kontrollgruppe. Die Aminosäure Homozystein wird im Stoffwechsel aus Methionin gebildet und dient als sensitiver Biomarker für den Folatstatus. Erhöhte Homozysteinkonzentrationen sind mit einem erhöhten Atheroskleroserisiko assoziiert und steigern möglicherweise auch das Demenzrisiko [24, 30]. Homozystein sollte als Marker zur Beurteilung des Folatstatus bei der Behandlung von Psoriasispatienten mit MTX herangezogen werden. Um die Auswirkungen auf den Folatstatus zu reduzieren, werden in der Regel 2- bis 5-mal wöchentlich 5 mg Folsäure verabreicht [28].

Daneben kann auch die Nahrungsaufnahme Einfluss auf die Wirksamkeit von MTX nehmen und dessen Pharmakokinetik zumindest bei Kindern verändern. So zeigte sich bei Patienten mit juveniler rheumatoider Arthritis eine erhöhte Bioverfügbarkeit von MTX, wenn es oral auf leeren Magen eingenommen wurde, während dieser Effekt bei Erwachsenen nicht zu beobachten war. Grundsätzlich sollte berücksichtigt werden, dass Kinder und ältere Menschen ein erhöhtes Risiko für Medikamenten-Nährstoff-Interaktionen aufweisen.

Als weiteres systemisches Therapeutikum kommt bei Psoriasis das Immunsuppressivum Ciclosporin zur Anwendung. Die perorale Bioverfügbarkeit von Ciclosporin erhöht sich Untersuchungen zufolge um mehr als 60%, wenn es zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen wird. Der Effekt basiert auf einer Zerstörung des Zytochrom-P450-Enzyms CYP3A4 in der Darmmukosa durch Inhaltsstoffe des Saftes, sodass der First-Pass-Effekt herabgesetzt wird. Die Interaktion hält bis zu 24 h nach Einnahme des Saftes an und ist auf enthaltene Furanocumarinderivate wie 6’,7’-Dihydroxybergamottin sowie das Flavonoid Naringenin zurückzuführen. Patienten, die mit Ciclosporin behandelt werden, sollten daher keinen Grapefruitsaft zu sich nehmen [11].

Energieaufnahme und Lebensmittelauswahl

Restriktion der Energiezufuhr

Symptome entzündlicher Erkrankungen bessern sich häufig durch Fastenperioden oder Restriktion der Energiezufuhr [19], sodass auch bei Psoriasis eine Verbesserung durch Nahrungsrestriktion postuliert werden kann. Diese Hypothese wird durch Studien an Mäusen unterstützt, bei denen als Folge der Energierestriktion die epidermale Zellproliferationsrate um 45% sank [13]. Auch in einer Studie mit Psoriasis-vulgaris-Patienten ergaben sich positive Effekte: 42 Patienten erhielten eine energiereduzierte Diät, wohingegen 40 Patienten mit üblicher Krankenhauskost versorgt wurden. Nach 4 Wochen zeigte sich in der Gruppe mit energiereduzierter Kost im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Verminderung der Hautsymptome, sodass die Energierestriktion als adjuvanter Faktor in der Prävention und Therapie der moderaten Psoriasis Bedeutung haben könnte [25]. Ähnliche Verbesserungen fanden sich auch bei einigen Patienten, die ein 2-wöchiges modifiziertes Fasten, gefolgt von einer 3-wöchigen Periode mit vegetarischer Kost, durchführten. Für die positiven Effekte können verschiedene Mechanismen verantwortlich sein. Der wichtigste Aspekt ist vermutlich das Fehlen von Arachidonsäure beim Fasten bzw. die Reduktion der Arachidonsäurezufuhr bei vegetarischer Ernährung, die zu einer verminderten Bildung von Leukotrien B4 (LTB4) führt (s. Abschnitt „Omega-3-Fettsäuren“). Während des Fastens ist die Aktivierung von CD4+-T-Zellen reduziert, und die Konzentration antiinflammatorischer Zytokine (IL-4) steigt an [29]. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass die Verringerung des Körpergewichts bei Patienten mit erhöhtem BMI für den beobachteten positiven Effekt verantwortlich ist. Vor dem Hintergrund einer möglichen Kausalität zwischen der Erkrankung und einer Energierestriktion, sollte übergewichtigen und adipösen Patienten zu einer Gewichtsreduktion geraten werden [20]. Kurzfristige Fastenperioden könnten dabei schwere Symptome verbessern.

Antioxidanziensupplementierung

Da beim Fasten der Substratumsatz der mitochondrialen Atmungskette vermindert ist, fallen weniger reaktive Sauerstoffspezies als Nebenprodukte der Energiegewinnung an. Dies führt zu einer Verminderung des oxidativen Stresses und könnte eine weitere Ursache für die beobachtete Verbesserung der Hautsymptome bei Energierestriktion sein. Untersuchungen zufolge ist ein verstärkter oxidativer Stress mit einer Verschlechterung des Krankheitsbildes assoziiert [4]. Dies wird durch die Ergebnisse einer italienischen Fall-Kontroll-Studie mit 316 Psoriasispatienten und 366 Kontrollen untermauert. In dieser Untersuchung war das Psoriasisrisiko („odds ratio“) signifikant invers zur Aufnahme von Karotten, Tomaten und frischem Obst sowie der β-Karotin-Zufuhr assoziiert. Für die Zufuhr von grünem Gemüse ergab sich ein entsprechender Trend. Eine erhöhte Aufnahme von Gemüse und Obst könnte bei Psoriasis aufgrund der enthaltenen Antioxidanzien wie Karotinoide, Flavonoide und Vitamin C von Vorteil sein [20]. Allerdings liegen bis heute nur wenige Studien vor, in denen die Auswirkungen einer Antioxidanziensupplementierung auf Psoriasissymptome untersucht wurden. So führte die Verabreichung von Selen oder von Selen kombiniert mit Vitamin E nicht zur Verbesserung der Hautsymptomatik [29].

Alkoholkonsum

Einige Hinweise bestehen außerdem, wonach Psoriasispatienten häufig Alkohol konsumieren. Da hierdurch die Freisetzung von Histamin gefördert wird, könnte Alkoholkonsum zur Verstärkung der Hautsymptome beitragen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zu dem Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Auftreten von Psoriasis deutet auf ein relatives Risiko von 8,01 für Männer hin, wohingegen kein Zusammenhang bei Frauen nachgewiesen werden konnte. Die Autoren kommen zu der Empfehlung, dass Psoriasispatienten, insbesondere in Phasen der Verstärkung der Hautsymptome, vom Alkoholkonsum abgeraten werden sollten [2].

Omega-3-Fettsäuren

In Abhängigkeit von der Position der ersten Doppelbindung vom Methylende aus lassen sich 2 Familien mehrfach ungesättigter Fettsäuren unterscheiden. Die essenzielle Fettsäure Linolsäure (18:2 ω-6) gehört zur Omega-6-Familie. Sie findet sich in Samen, wie z. B. Sonnenblumenkernen, und kann zum höher ungesättigten Derivat, der Arachidonsäure (20:4 ω-6), metabolisiert werden. Arachidonsäure findet sich ausschließlich in Lebensmitteln tierischer Herkunft wie Fleisch und Eigelb. Die Fettsäuren α-Linolensäure (18:3ω-3), Eicosapentaensäure (EPA; 20:5 ω-3) und Docosahexaensäure (DHA; 22:6 ω-3) sind die häufigsten Omega-3-Fettsäuren. Während α-Linolensäure in höherer Konzentration in Lein- und Walnussöl enthalten ist, kommen EPA und DHA in Fischöl insbesondere fettreicher Fische vor. Neben ihrer Bedeutung als integrale Bestandteile von Membranphospholipiden fungieren mehrfach ungesättigte Fettsäuren als Vorläufer von Eicosanoiden, die bedeutende Regulatoren bei immunologischen, thrombotischen und inflammatorischen Prozessen sind [29]. Zu den Eicosanoiden gehören Prostaglandine, Thromboxane und Leukotriene. Arachidonsäure kann beispielsweise zu Prostaglandin E2 (PGE2) und Leukotrien B4 (LTB4) umgewandelt werden, während EPA zu PGE3 und LTB5 metabolisiert wird (Abb. 1). Die aus EPA gebildeten Eicosanoide, PGE3 und LTB5, weisen eine geringere inflammatorische Aktivität auf als die aus Arachidonsäure gebildeten Eicosanoide, PGE2 oder LTB4. Daher wirken aus Arachidonsäure gebildete Eicosanoide fördernd auf Entzündungsprozesse, wohingegen solche aus EPA antiinflammatorische Eigenschaften entfalten. Eine Überproduktion von Eicosanoiden aus Arachidonsäure spielt auch bei psoriatischen Läsionen eine Rolle. So wurden in der Haut und in Erythrozytenmembranen von Psoriasispatienten erhöhte Konzentrationen an Arachidonsäure und LTB4 gemessen. Kostformen, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, führen zu einer Verdrängung von Arachidonsäure in den Membranphospholipiden. Zahlreiche Studien belegen, dass die Zufuhr omega-3-fettsäurereicher Fischöle auch bei Psoriasis antiinflammatorische Wirkungen entfaltet [29].
Abb. 1

Metabolismus der Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren mit Eicosanoiden

Studienergebnisse

Obwohl diese Mechanismen gut dokumentiert sind, zeigten Studien, in denen Omega-3-Fettsäuren in der Behandlung von Psoriasis eingesetzt wurden, widersprüchliche Resultate. Viele der Untersuchungen weisen, bedingt durch Limitationen im Studiendesign, ohnehin eine eingeschränkte Aussagekraft auf. So wurden zahlreiche offene Untersuchungen mit Fisch oder Fischölsupplementen durchgeführt, die auf einen Nutzen von Omega-3-Fettsäuren bei Psoriasis hindeuten, was zum Teil vermutlich auf die positive Erwartungshaltung der Patienten zurückzuführen war. In einer Untersuchung wurden die Patienten in einer Vorlaufphase angewiesen, täglich 170 g fettarmen, weißen Fisch zu verzehren. Danach wurden sie in 2 Gruppen randomisiert und erhielten im Cross-over-Design entweder zunächst weiterhin weißen Fisch oder täglich 170 g Fettfisch jeweils über einen Zeitraum von 6 Wochen. Eine leichte signifikante klinische Verbesserung wurde nur in der Gruppe festgestellt, die den Fettfisch verzehrte. In dieser Gruppe stiegen auch die Plasmakonzentrationen an EPA an. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die tägliche Zufuhr omega-3-fettsäurereicher Fische wie Makrele, Sardinen, Lachs und Hering eine nützliche Ergänzung in der Therapie der Psoriasis darstellen könnte [7].

In weiteren nicht kontrollierten Studien zeigten sich signifikante Verbesserungen beispielsweise in Form einer Senkung des Psoriatic Association Scoring Index (PASI) nach mehrwöchiger, täglicher Behandlung mit Omega-3-Fettsäureestern oder Fischöl in Dosierungen von mehreren Gramm [29].

Weniger Erfolg versprechend waren die Ergebnisse methodisch hochwertiger, randomisierter kontrollierter Studien. Von den 4 durchgeführten Studien zeigte lediglich 1 Untersuchung einen Nutzen der Omega-3-Fettsäuren [2], wohingegen in den anderen 3 Studien keine Verbesserung im Vergleich zur Placebogruppe beobachtet wurde [3, 10, 26]. Das positive Ergebnis ergab sich in einer placebokontrollierten Studie mit Psoriasispatienten, die täglich 3 g Omega-3-Fettsäuren (vorwiegend EPA) aus Fischöl (10 g) einnahmen. In der Behandlungsgruppe kam es nach 8 Wochen zu einer signifikanten Verminderung von Erythem, Schuppung und Juckreiz mit dem Trend einer Reduktion der betroffenen Körperoberfläche, wohingegen keine Veränderung in der Kontrollgruppe (Olivenöl) auftrat [2]. Insgesamt kann die Evidenz für einen Nutzen peroraler Omega-3-Fettsäuregaben bei Psoriasis aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse nur als möglich eingestuft werden.

Im Gegensatz zu den überwiegend negativen Ergebnissen randomisierter, kontrollierter Studien bei peroraler Verabreichung von Omega-3-Fettsäuren konnten positive Effekte auf die akute Entzündung bei parenteraler Gabe nachgewiesen werden [14]. Zwanzig Patienten, die wegen akuter Psoriasis guttata mit mindestens 10% betroffener Körperoberfläche stationär behandelt wurden, zeigten in einer randomisierten Studie nach 10-tägigen täglichen Infusionen mit omega-3-fettsäurereicher Lipidemulsion (4,2 g EPA und DHA) im Vergleich zu konventioneller omega-6-fettsäurereicher Lipidemulsion (EPA+DHA <0,1 g) Verminderungen des Schweregrades. Die Bewertung erfolgte anhand eines Scores (Erythem, Infiltration, Desquamation) sowie durch subjektive Beurteilung der klinischen Manifestation. Bei allen Scoresystemen traten signifikante Verbesserungen zwischen 45 und 76% innerhalb von 10 Tagen auf. Dagegen zeigten sich in der Kontrollgruppe nur moderate Verbesserungen des Scores (um 16–25%, [9]). Der Nutzen von Omega-3-Fettsäureinfusionen (je 4,2 g EPA und DHA) wurde in einer doppelblind durchgeführten, randomisierten Multicenterstudie mit 83 Patienten, die wegen chronischer Plaquepsoriasis stationär behandelt wurden, bestätigt. Nach 14-tägiger Behandlung verminderte sich der PASI-Score in beiden Gruppen signifikant, nach Omega-3-Fettsäuren um 11,2 und in der mit Omega-6-Fettsäuren behandelten Kontrollgruppe um 7,5 [15]. Der schnelle Effekt der peroralen Omega-3-Fettsäuregabe in den aufgeführten Studien zeigt, dass die intravenöse Supplementierung gegenüber der oralen Verabreichung im Hinblick auf eine Verbesserung inflammatorischer Hautläsionen von Vorteil sein könnte. In einer Cochrane-Übersichtsarbeit über die Basisbehandlung der akuten Psoriasis guttata schlussfolgern die Autoren allerdings, dass derzeit keine hinreichende Evidenz für die intravenöse Verabreichung von Omega-3-Fettsäuren als Basistherapie der akuten Psoriasis guttata besteht [6].

Gluten

Das Krankheitsbild der gluteninduzierten Enteropathie (Zöliakie) ist durch eine Unverträglichkeit gegenüber glutenhaltigen Getreidesorten gekennzeichnet. Die Aufnahme von Gluten führt zu charakteristischen Veränderungen an der Schleimhaut des Dünndarms mit Atrophie der Darmzotten, Hypertrophie der Krypten und Ansammlung von intraepithelialen Lymphozyten. Die daraus resultierende Malabsorption tritt bei sensitiven Personen nach Verzehr von Weizen, Roggen, Gerste und in geringerem Ausmaß nach Hafer auf und führt zu Symptomen wie abdominale Distension und Diarrhö, die normalerweise nach Einhalten einer glutenfreien Diät wieder verschwinden. Als toxische Bestandteile wurden Prolamine identifiziert, zu denen Gliadine im Weizen, Secaline im Roggen und Hordeine in Gerste zählen [29].

Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine glutensensitive Enteropathie sich vielfach nur mit geringen oder sogar ohne gastrointestinale Symptome manifestiert und eine Assoziation zwischen dieser latenten Glutensensitivität und Psoriasis besteht. Bei Verdacht auf eine „latente“ Zöliakie können Antikörperuntersuchungen herangezogen werden, um eine Glutensensitivität nachzuweisen. Plasmazellen produzieren IgA und IgG gegen verschiedene Antigene einschließlich Gliadin, Transglutaminase, Endomysium und Reticulin. Als nützlich erwiesen sich in der Diagnostik der Zöliakie insbesondere die Untersuchung von Antikörpern gegen Gliadin (AGA) sowie gegen Gewebstransglutaminase [17]. Gewebstransglutaminase ist offenbar das vorherrschende Autoantigen sowohl im Darm als auch in der Haut von Zöliakiepatienten. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Inzidenz von Psoriasis bei Patienten mit gluteninduzierter Enteropathie erhöht ist. Allerdings sind die vorliegenden Daten widersprüchlich [8]. Eine glutenfreie Diät konnte zum Teil die Schwere der Psoriasis selbst bei solchen Patienten verbessern, bei denen keine gluteninduzierte Enteropathie vorliegt, die aber AGA aufwiesen. AGA finden sich bei Patienten mit Psoriasis häufiger als bei gesunden Personen. So ergab die Messung von Antigliadinantikörpern bei 302 Psoriasispatienten, dass 16% der Patienten IgA-AGA-Serumkonzentrationen oberhalb der 90. Perzentile der Referenzgruppe aufwiesen. Hinzu kommt, dass das Vorhandensein von IgA-AGA häufig mit einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut assoziiert war [17]. Michaelsson et al. untersuchten die Auswirkungen einer 3-monatigen glutenfreien Diät bei 33 AGA-positiven und 6 AGA-negativen Psoriasispatienten [16]. Unter den 30 AGA-positiven Patienten, die die glutenfreie Diät bis zum Ende durchgeführt hatten, zeigte sich eine hochsignifikante Verminderung des mittleren PASI-Wertes. Keine Verbesserung ergab sich bei den AGA-negativen Patienten. Die AGA-Werte verminderten sich unter der glutenfreien Diät bei 82% der Patienten, die eine Verbesserung aufwiesen. Nach der glutenfreien Diät konsumierten die Studienteilnehmer erneut ihre herkömmliche Kost über einen Zeitraum von 3 Monaten. Während dieser Phase verschlechterten sich die Psoriasissymptome bei 18 der 30 AGA-positiven Patienten. Da der histologische Befund der Dünndarmschleimhaut nur bei 19 Patienten auffällig war, können den Studienergebnissen zufolge selbst Psoriasispatienten mit normaler Dünndarmhistologie, die erhöhte AGA-Konzentrationen aufweisen, von einer glutenfreien Diät profitieren.

Psoriasispatienten mit normaler Dünndarmhistologie und erhöhten AGA-Konzentrationen können von einer glutenfreien Diät profitieren

Aufgrund dieser Befunde wurde postuliert, dass Patienten mit latenter Zöliakie vermutlich trotz normaler Dünndarmhistologie eine erhöhte Darmpermeabilität aufweisen, die die Passage kleiner Mengen an Mikroorganismen ermöglicht. Diese könnten als Superantigene fungieren und das Auftreten oder Fortschreiten der Psoriasis bei prädisponierten Personen induzieren (Abb. 2). Dies würde erklären, warum die Symptome durch das Einhalten einer glutenfreien Diät verschwinden oder sich vermindern. Eine andere Erklärungsmöglichkeit der Koinzidenz von gluteninduzierter Enteropathie und Psoriasis könnte im Profil der freigesetzten Zytokine liegen. Bei Psoriasis produzieren die vorherrschenden Th-1-Zellen v. a. Interferon (IFN) γ und Interleukin 2. T-Zellen von Patienten mit gluteninduzierter Enteropathie setzen nach In-vitro-Glutenbelastung ein ähnliches Zytokinprofil frei. Einige Fallberichte deuten darauf hin, dass erhöhte Serumkonzentrationen dieser Zytokine bei prädisponierten Personen bereits ausreichen, um Zöliakie oder Psoriasis auszulösen [5].
Abb. 2

Potenzielle Effekte einer latenten Zöliakie

Vitamin D3 and Analoga

Die biologisch aktive Form von Vitamin D, 1,25-Dihydroxy-Vitamin D3 (Calcitriol), entfaltet vielfältige Effekte über den Vitamin-D-Rezeptor (VDR), der auch in den Keratinozyten der Haut nachgewiesen wurde. In vitro hemmt die Zugabe von Calcitriol zu humanen Keratinozyten das Wachstum und führt zu einer beschleunigten Reifung. Aufgrund der beobachteten Wirkungen auf die Zellproliferation und -differenzierung sowie immunregulatorischer Aktivität werden Calcitriol und Analoga zunehmend in der Therapie der Psoriasis eingesetzt [12, 22]. In vielen europäischen Regionen ist aufgrund der geringen Sonneneinwirkung v. a. im Winter ein unzureichender Vitamin-D-Status verbreitet. Insbesondere ältere Menschen leiden häufig unter einem Vitamin-D-Mangel, da sie sich weniger im Freien aufhalten und zudem die Kapazität zur Vitamin-D-Synthese in der Haut mit dem Alter abnimmt [1, 31]. Epidemiologischen Untersuchungen in 11 europäischen Ländern zufolge sind 36% der älteren Männer und 47% der älteren Frauen von einer Vitamin-D-Unterversorgung betroffen [27]. Aufgrund der immunregulatorischen Effekte könnten Psoriasispatienten, die topisch keine Vitamin-D-Analoga verwenden, von einer oralen Vitamin-D-Supplementierung profitieren. Hierzu fehlen jedoch bisher Untersuchungen, sodass die Evidenz für den Nutzen peroraler Vitamin-D-Gaben nur als möglich einzustufen ist. Bei topischer Behandlung ist die Supplementierung aufgrund des Risikos einer Hyperkalziämie kontraindiziert (Tab. 1).

Fazit für die Praxis

In der Ätiologie und Pathogenese der Psoriasis sind die Zusammensetzung der Kost sowie einzelne Lebensmittelbestandteile von Bedeutung. Aufgrund eines erhöhten Nährstoffbedarfs bei schweren Verlaufsformen sind eine Überwachung und ggf. Verbesserung des Ernährungsstatus erforderlich. Zudem sollten Medikamenten-Nährstoff-Interaktionen beachtet werden. Aufgrund der Bedeutung der mehrfach ungesättigten Fettsäuren für den Eicosanoidstoffwechsel könnten eine weitgehend laktovegetarische Ernährung, ergänzt um fettreiche Seefische, sowie eine Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren zu einer Verminderung inflammatorischer Prozesse beitragen. In schweren Fällen erwies sich stationär die parenterale Verabreichung von Omega-3-Fettsäuren als vorteilhaft. Weitere Studien sind erforderlich, um den Zusammenhang zwischen Glutensensitivität und Psoriasis zu untersuchen. Bei Verdacht auf eine latente Zöliakie kann der Nachweis von Antigliadin- oder Gewebstransglutaminase-Antikörpern anzeigen, dass sich die Symptome unter einer glutenfreien Diät evtl. bessern lassen. Da eine Hypovitaminose D weit verbreitet ist, könnten Patienten, die keine topischen Vitamin-D-Analoga verwenden, von einer peroralen Vitamin-D-Supplementierung insbesondere in den Wintermonaten profitieren.

Interessenkonflikt

Keine Angaben

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