Benzidinprobe

Living reference work entry
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Zusammenfassung

Benzidinprobe

Synonym(e)

Benzidin-Test

Englischer Begriff

Benzidine test

Definition

Test zum Nachweis von okkulten Blutbeimengungen im Stuhl und anderen Körperausscheidungen (z. B. Urin).

Beschreibung

Adler und Adler beschrieben im Jahr 1904 erstmals den Nachweis von Blut in Urin und Stuhl mit Benzidin (4,4′-Diaminobiphenyl, Biphenyl-4,4′-diamin). Benzidin (Molmasse 184,23 g) ist ein farbloses, schwach rötliches Pulver. In der forensischen Chemie diente Benzidin zum Nachweis von Blutspuren: Essigsaure Benzidinlösung mit Wasserstoffperoxid als Sauerstofflieferant ergibt mit Blut durch die Pseudoperoxidase-Aktivität des Hämoglobins (Hämoglobin) eine Blaufärbung (Benzidintest), wie in der Abbildung zu sehen ist:

Das karzinogene Benzidin wurde später durch 3,3′5,5′-Tetramethylbenzidin abgelöst.

Die Benzidinprobe ist heute nicht mehr gebräuchlich. Der Nachweis von makroskopisch nicht sichtbaren, sog. okkulten Blutbeimengungen im Stuhl und anderen Körperausscheidungen (Urin, Magensaft, Liquor) erfolgt im klinisch-chemischen Labor heute mit dem Guajak-Test (gFOBT) (für den Nachweis von okkultem Blut im Stuhl nicht mehr zugelassen) oder mit immunchemischen Tests (iFOBT) (Okkultblut, fäkales).

Die Benzidinprobe ist ein sensitiver Hämoglobinnachweis mit einer unteren Nachweisgrenze von ca. 20 mg Hämoglobin/L Urin (entsprechend ca. 10 Erythrozyten/μL Urin) oder 1 g Hämoglobin/kg Stuhl (entsprechend 10 mL Blut/kg Stuhl).

Falsch positive Reaktionen resultieren aus Beimengungen oxidierender Stoffe und von Myoglobin (Myoglobin im Blut, Myoglobin im Urin) (ebenfalls Peroxidaseaktivität).

Wegen häufig falsch positiver Ergebnisse wird die Benzidinprobe für den Nachweis von okkultem Blut im Stuhl nicht mehr eingesetzt. Als spezifische Kenngrößen stehen die immunchemischen Nachweise von Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex im Stuhl, von Hämoglobin oder Albumin im Stuhl (iFOBT) zur Verfügung.

Literatur

  1. Adler O, Adler R (1904) Hoppe-Seylers. Z Physiol Chem 41:59CrossRefGoogle Scholar
  2. Allison JE, Tekawa IS, Ransom LJ, Adrian AL (1996) A comparison of fecal occult-blood tests for colorectal cancer screening. N Engl J Med 334:155–159CrossRefGoogle Scholar
  3. Makarem A (1974) Hemoglobins, myoglobins and haptoglobins. In: Henry RJ, Cannon DC, Winkelmann JW (Hrsg) Clinical chemistry principles and techniques, 2. Aufl. Harper Row, New YorkGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und PathobiochemieCharité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-KlinikumBerlinDeutschland

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