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Grundlagen der Medizin und der Wirtschaftswissenschaften

  • Christian ThielscherEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Wirtschaft book series (SRW)

Zusammenfassung

In diesem Kapitel werden die Theorien der Medizin und der Wirtschaftswissenschaften skizziert. Die Leitfragen sind: Wie funktioniert die Medizin als Theorie? Und wie funktionieren die Wirtschaftswissenschaften als Theorien?

Schlüsselwörter

Theorien der Medizin Theorien der Wirtschaftswissenschaften Paradigmen der Wirtschaftswissenschaften Theorien der Ökonomie Paradigmen der Ökonomie 

1 Einleitung

Es gibt wohl wenige Wissenschaften, die sich so stark voneinander unterscheiden wie die Medizin und die Wirtschaftswissenschaften. Zunächst gilt das für ihr Erscheinungsbild: während die Medizin (zumindest ihr somatischer, d. h., auf Krankheiten des Körpers gerichteter Teil) eine in sich ziemlich geschlossene Theorie bildet, bestehen die Wirtschaftswissenschaften (im Plural!) eher aus einem Konglomerat verschiedener Theorien, die untereinander nicht viel verbindet (man denke z. B. an Mikroökonomik und Managementlehre). Mediziner würden sich selten gegenseitig absprechen, theoretisch „richtig“ zu arbeiten, Wirtschaftswissenschaftler tun das sehr wohl (etwa: Wirtschaftssoziologen versus Neoklassiker, s. u.).

Während es für die Medizin ziemlich einfach ist, zu beschreiben, womit sie sich beschäftigt (nämlich mit Gesundheit und Krankheit) und was ihr Ziel ist (Gesundheit zu fördern, Krankheiten zu behandeln), gelingt beides für die Ökonomie nicht so ohne weiteres: Geht es um Knappheit? Oder um Profitabilität? Steuerung von Unternehmen? Und was ist das Ziel? Vollbeschäftigung? Effizienz? Etwas anderes?

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Medizin auf einem ziemlich festen Fundament ruht, nämlich Anatomie und Physiologie, das als solches gut untersucht und verstanden ist, während die neoklassische Theorie (als Beispiel für eine sehr verbreitete Variante der Volkswirtschaftslehre) eher von nicht-empirischen Annahmen ausgeht, nämlich dem Homo-oeconomicus-Modell.

Diese Unterschiede verursachen nicht zuletzt Unterschiede in der Erwartungshaltung der Patienten bzw. Kunden: während ein Patient erwartet, dass der Arzt die „richtige“ Diagnose stellt, geht man bei einer wirtschaftspolitischen Aussage davon aus, dass sie auch davon abhängt, ob der jeweilige Ökonom z. B. für Gewerkschaften oder Arbeitgeber arbeitet.

Im Folgenden werden die Gegenstände „Medizin“ bzw. „Wirtschaftswissenschaften“ kurz erläutert, damit der Leser sich besser darin zurechtfindet.

2 Theorie der Medizin

2.1 Terminologie

Man kann unter „Theorie der Medizin“ zweierlei verstehen: einerseits eine Metatheorie der Medizin, die von außen auf die Medizin schaut und fragt: Wie „funktioniert“ die Medizin? So wird der Begriff hier verwendet (und so ist es auch üblich). Daneben gibt es jede Menge „Theorien (in) der Medizin“, also Theorien zu einzelnen Krankheiten („wie entsteht eine Lungenentzündung?“), Krankheitsursachen („was tun Pneumokokken?“), usw. Zur besseren Unterscheidbarkeit werden diese Theorien im Folgenden als medizinische Lehren bezeichnet.

2.2 Grundlagen

Medizin ist gewissermaßen so „einfach“, dass ihr der Gedanke einer Medizintheorie fremd ist. Tatsächlich wird „Medizintheorie“ überhaupt erst seit wenigen Jahren an medizinischen Fakultäten unterrichtet und führt dort eher ein Schattendasein; wichtiger sind die klinischen Fächer, also Innere Medizin, Chirurgie, usw. „Einfach“ ist Medizin nicht im Sinne der Menge an Informationen, die ein Arzt verarbeitet; nach eigenen Erfahrungen ist die reine Faktendichte in der Medizin sehr viel höher ist als in den Wirtschaftswissenschaften – Mediziner müssen erheblich mehr „pauken“. Zugleich ist es aber einfach, zu sagen, was Medizin soll, was „gut“ ist – wer heilt, hat recht. (Auch wenn dieser Begriff gerne missbraucht wird, nämlich von Leuten, die gar nicht „heilen“, sondern nur herumpfuschen!) Wie auch immer: Patient und Arzt merken im Alltag schnell, ob es besser wird oder nicht bzw. ob es mit einer anderen Therapie noch besser gehen könnte.

Hinzu kommt, dass die Medizin mit ihrer heutigen Orientierung auf Diagnosen einen Schlüssel zum Erfolg als Theorie gefunden hat. Die Lehre von der Fehlsichtigkeit ist z. B. eine gute Lehre, erlaubt sehr treffsichere diagnostische Verfahren und eine zwar prothetische, aber gut tolerierbare Therapie (Brille). Dieses Vorgehen ist schon so selbstverständlich geworden, dass man gar nicht mehr bemerkt, wie gut es funktioniert. Auch das heutige Verständnis von Diabetes mellitus ist einfach „richtig“ (man vergleiche das mit aktuellen Lehren über die Ursachen der Arbeitslosigkeit). Natürlich gibt es nach wie vor unerforschte Fragen, viele unbehandelbare Krankheiten usw. – die Lehre der Medizin ist nicht fertig – aber sie befindet sich doch auf einem ordentlichen Niveau.

Das war nicht immer so. Bis zum 19. Jahrhundert haben Ärzte, weil sie ganz falschen Lehren anhingen, ziemlich viel Schaden angerichtet.

Aretaios von Kappadokien, der im 1. Jahrhundert n. Chr. lebte, galt bis ins vorletzte Jahrhundert als vorbildlich in seiner Darstellung von Krankheitsgeschichten. An seiner Untersuchung der Lungenentzündung kann man sehr schön sehen, wie ein fast richtiges Modell zu vollkommen falschen Empfehlungen führen kann (Kollesch 2005):

„Über Lungenentzündung. Auf Grund der beiden bestimmenden Prinzipien, der Nahrung und der Atemluft, leben die Lebewesen, von ihnen ist die Atmung bei weitem entscheidender; denn wenn jemand den Atem anhält, wird er nicht lange ausreichen, vielmehr stirbt der Mensch sofort. Es gibt unzählige Organe: den Anfang bildet die Nase, als Weg dient die Luftröhre, als Raum die Lunge, der Brustkorb ist schützende Umkleidung und Behälter der Lunge. [Soweit alles richtig.] Aber die übrigen dienen dem Lebewesen lediglich als Werkzeuge; die Lunge dagegen enthält auch die Ursache für die Anziehung; denn den Raum in der Mitte zwischen ihr nimmt ein warmes Organ ein, das Herz, der Ursprung des Lebens und der Atmung; dies vermittelt auch der Lunge das Verlangen nach der Anziehung der kalten Luft; denn es erhitzt sie; das Herz übt aber einen Zug auf sie aus. [Das stimmt nicht ganz: der Zug stammt vom Zwerchfell, den Muskeln des Brustkorbs und der Atemhilfsmuskulatur.] Erstens erstreckt sich, wenn das Herz erkrankt ist, der Aufschub des Todes nicht über einen langen Zeitraum. Wenn aber die Lunge erkrankt ist, und zwar auf Grund einer geringfügigen Ursache, dann lebt der Patient, wenn es ihm auch infolge von Atembeschwerden schlecht geht. [Das ist richtig, aber als Beleg für die Zugfunktion des Herzens nicht geeignet.] …

Dies ist es, was wir als Lungenentzündung bezeichnen: eine Entzündung der Lunge mit akutem Fieber, wenn ein Schweregefühl im Brustkorb damit verbunden ist; sie verläuft ohne Schmerzen, wenn nur die Lunge entzündet ist. Denn auf Grund ihrer Beschaffenheit ist sie ohne Schmerzempfindung; sie ist in ihrer Substanz locker und der Wolle ähnlich; knorpelige Bronchienäste durchziehen sie, und diese sind ohne Schmerzempfindung; Muskeln sind überhaupt nicht vorhanden, und es gibt nur kleine, feine Nerven, die für die Bewegung zuständig sind; ebendies ist die Ursache für das Fehlen einer Schmerzempfindung. Wenn aber außerdem auch eine der umgebenden Häute entzündet ist, mit denen sie an den Brustkorb herankommt, ist auch Schmerz damit verbunden. [Wenn man davon absieht, dass die Bronchien kleine Muskelfasern haben, ist alles ganz richtig beobachtet.]…

Die Behandlung der Lungenentzündung. Die Entzündung der Lunge ist bei denjenigen, bei denen ein nur kurze Zeit dauernder Erstickungsanfall auftritt, ein hochgradig akutes end zeitlich begrenztes Leiden. [Richtig.] Die Heilmittel müssen nun entgegengesetzt sein und eine schnelle Wirkung haben. Man soll sofort die Venen am Ellenbogen durch einen Schnitt öffnen, und zwar besser beide zugleich, rechts und links, als nur aus einer größeren Blut zu entziehen, damit die Ableitung der Flüssigkeiten von jeder der beiden Regionen der Lunge her erfolgt. Doch nicht bis zur Bewußtlosigkeit; denn die Bewußtlosigkeit fördert noch den Erstickungsanfall. Aber auch wenn sie nur noch wenig atmen, muß man sofort anhalten und den Blutstrom unterbrechen. Denn wenn die Ursachen aus dem Blut herrühren, nimmt der Aderlaß die Ursache selbst mit sich fort; und wenn Schleim, Schaum oder irgendeine andere Flüssigkeit als Ursache wirken, machen die Entleerungen der Venen den Raum der Lunge für das Passieren des Atems weiter.“

Wer mit den Schriften des Aretaios Medizin gelernt hat (und das dürften viele Ärzte gewesen sein), hat also Patienten mit Lungenentzündung zur Therapie auch noch Blut entzogen – das wird viele Patienten umgebracht haben! (Als Ökonom fragt man sich, wie viele fast richtige Wirtschaftsmodelle in Wahrheit ebensolchen Schaden anrichten. Ein einfaches Beispiel ist der Zwang, der auf Entwicklungsländer ausgeübt wird, damit sie Zölle abbauen – was Unternehmen dort, die im Wettbewerb nicht mithalten können, ruiniert und zu Hunger führt).

Die Grundlage der antiken medizinischen Theorie kennt man nicht ganz genau. Das Problem ist die schiere Masse an überlieferten Schriften. Allein die letzte Ausgabe Galens füllt 20 Bände in lateinischer und griechischer Sprache – wenn überhaupt einen, so dürfte es nur wenige Menschen geben, die das ganze Werk gelesen haben! – Die meisten Medizinhistoriker sind sich aber einig, dass die „Säftelehre“ eine zentrale Rolle gespielt hat. Demnach bestimmen vier Säfte im Körper über Gesundheit und Krankheit, nämlich gelbe und schwarze Galle, Blut und Schleim. Wenn ihre Zusammensetzung gestört ist, muss man sie durch Diät wieder herstellen. (Die entsprechenden „Säfte“ haben sich übrigens in den Worten Melancholie (schwarze Galle) und Melancholiker, Choleriker (Galle), Phlegmatiker (Schleim) und Sanguiniker (Blut) bis heute gehalten; auch der „Humor“ kommt daher – die richtige Mischung der Säfte, also der humores, machte gesund, später im Sinne von „humorvoll/lustig“).

Heute weiß man, dass diese Theorie vollkommen falsch ist. Das Beispiel zeigt aber auch, dass falsche Theorien durchaus jahrhundertelang eine Wissenschaft beherrschen können. Manche Ökonomen meinen, dass dies auch für wichtige Zweige der Wirtschaftswissenschaften gilt (s. u.).

Der entscheidende Durchbruch für die moderne Medizin kam mit der Fähigkeit, einzelne Krankheiten als solche zu erkennen (zunächst nur am Toten: d. h., man wusste erst hinterher, woran der Patient gestorben war). Insbesondere die Zellularpathologie, also die mikroskopische Untersuchung von Gewebe des Toten ermöglichte, im Nachhinein präzise zu diagnostizieren. Dadurch kam die Medizin in eine Aufwärtsspirale: man konnte Krankheiten voneinander trennen und dann je für sich genau untersuchen. Es bringt wenig, wenn man „Krankheit an sich“ untersucht; es bringt viel, wenn man sich mit „Kurzsichtigkeit“, „Herzfehlern“ etc. beschäftigt. Etwa zu dieser Zeit stellten sich dann auch rasch die Erkenntnisse der Mikrobiologie ein, neue Untersuchungsmethoden wie Röntgen und EKG und Labortests wurden gefunden. Das „Denken in Diagnosen“ ist bis heute typisch für die moderne Medizin.

2.3 Theorie der Medizin: Einzelheiten

In einer früheren Untersuchung wurden einschlägige Monografien zur Theorie der Medizin analysiert, um ihre Eigenschaften näher zu beschreiben. Daraus wird im Folgenden zitiert; die Belege sind dort aufgeführt (Thielscher 2014).

Elemente eines Modells der medizinischen Vorgehensweise sind demnach:
  • Es ist relativ einfach, den Gegenstand und Zweck der Medizin zu benennen und sie damit von anderen Wissenschaften abzugrenzen: es geht um die Erkennung von Krankheiten und ihren Ursachen und um die Förderung von Gesundheit. Ihr Zweck richtet sich auf den je einzelnen Patienten (nicht primär z. B. auf die Gesundheit der Gesamtbevölkerung).

  • Alle Autoren sind, soweit sie sich dazu äußern, darin einig, dass die Medizin eine Handlungswissenschaft ist und als solche normativ: es geht ihr darum, unerwünschte Zustände (die Krankheit) abzuwehren und erwünschte (Gesundheit) herzustellen. Als normative Wissenschaft ist sie auch immer mit ethischen Fragestellungen konfrontiert.

  • Die Medizin bedient sich einer eigenen Fachsprache.

  • Die Medizin nutzt naturwissenschaftliche Erkenntnisse, aber sie allein machen nicht die Medizin aus. Das Auffinden der richtigen Diagnose in schwierigen Fällen, die Einbeziehung der Persönlichkeit bei der Therapieentscheidung und andere Vorgänge sind nur unter Einbeziehung von „humanities“, bzw. Human-, Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften möglich; dies erfordert „intuition“. In der deutschsprachigen Literatur wird dafür auch die Bezeichnung „ärztliche Kunst“ verwendet, obwohl manche Autoren die Diskussion um „science“ vs. „art“ für nicht zielführend halten.

  • Die Vorstellung, dass der Arzt immer „das Ganze sehen“ muss, ist dabei sehr alt und mindestens seit Platon belegt (im Phaidros). Zusätzlich zu ihrer natur- und geisteswissenschaftlichen Orientierung ist die Medizin auch eine angewandte Ingenieurwissenschaft.

  • Medizinisches Handeln hat immer auch eine historische Dimension, d. h., die jeweiligen sozialen, ökonomischen usw. Umstände wirken bei der Auffindung „richtigen“ Handelns mit.

  • Schmerz, und damit verbundene Emotionen, sind häufig der Ausgangspunkt allen medizinischen Handelns. Medizin umfasst also rationale und emotionale Elemente.

  • Ein weiteres, wesentliches Kennzeichen der modernen Medizin ist ihre Orientierung am Analysieren und Verstehen von Krankheiten, d. h., an Diagnosen. Ärzte „denken in Krankheiten“; „Krankheit an sich“ macht für Ärzte keinen Sinn. Dies und die naturwissenschaftliche Analyse von Krankheiten bedingen sich gegenseitig. Es macht z. B. relativ wenig Sinn, „Kachexie“ zu untersuchen (ein Zustand allgemeiner Schwäche, der von vielen verschiedenen Krankheiten hervorgerufen werden kann); hingegen kommt man zu präzisen Ergebnissen, wenn man „Tuberkulose“ untersucht. So schrieben z. B. Roser und Wunderlich 1842 über „die Mängel der heutigen deutschen Medizin und über die Notwendigkeiten einer entschiedenen wissenschaftlichen Richtung in derselben“: „Wie in der Chemie mit der bewußten Analyse die Exaktheit eindrang, so in der Anatomie, in der Pathologie und in allen beobachtenden Wissenschaften, so auch in der medizinischen Beobachtung [ … ]. Nur durch die Analyse wird es in der Medizin möglich, den Werth der Phänomene abzuwägen“. Henle ergänzte 1844: „Der rationelle Arzt [ … ] zerlegt das Krankheitsbild in seine Bestandteile, forscht nach dem Grund jeden Symptoms, um jedes einzeln zu erklären.“

  • Die Medizinethik ist typischerweise auf konkrete Fälle gerichtet, beispielsweise auf schwierige Fragen bei bestimmten Diagnosen (z. B. Organtransplantationen), Lebensumständen (z. B. Sterbehilfe) oder Ausübung des ärztlichen Berufes (Arzt-Patienten-Beziehung), weniger auf abstrakte Fragen (etwa „der Gerechtigkeit“ an sich).

  • Die Medizin wirkt weit in die Deutung sozialer Zustände hinein, z. B. in Form der „Medikalisierung“, d. h., der Deutung von Verhaltensmustern als „krank“ oder „gesund“ (z. B. exzessives Trinken Jugendlicher).

Insgesamt ergibt sich daraus ein Modell, das sich auch in der medizinischen Ausbildung spiegelt, die curricular Erkenntnisschichten aufbaut. Tab. 1 stellt dies übersichtlich dar.
Tab. 1

Erkenntnisschichten der Medizin

Erkenntnisgegenstand

Angewendete wissenschaftliche und andere Methoden

Patienten

Wissenschaften und medizinische Kunst, z. B. Empathie, Intuition; Medizinethik; Philosophie

Psychosoziale und andere Umwelteinflüsse

Natur-, Sozial-, Geisteswissenschaften

Ätiologie und Pathogenese

Angewandte Naturwissenschaften (Pathophysiologie, Mikrobiologie usw.)

Struktur und Funktion des Körpers (Anatomie, Physiologie)

Naturwissenschaften

Auf der ersten (untersten) Ebene werden Struktur und Funktion des menschlichen Körpers mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht (inklusive mathematischer Modelle, die dabei immer der Empirie folgen, nicht umgekehrt); da rauf aufbauend werden Ätiologie und Pathogenese spezifischer Krankheiten analysiert; auf der nächsthöheren Ebene wird der Einfluss der weiteren Umwelt einbezogen. Bei der Anwendung dieses Wissens auf den Patienten schließlich fließt die Persönlichkeit des Patienten mit ein, es spielen also auch interpersonale Fähigkeiten, Einfühlungsvermögen, Berufsethos usw. eine erhebliche Rolle bei der Ausübung des ärztlichen Berufes.

Dieses Modell zeigt sehr deutlich Unterschiede zwischen der Medizin und den Wirtschaftswissenschaften auf:
  • Es gibt in der (somatischen) Medizin ein Modell. Die Wirtschaftswissenschaften verwenden ganz unterschiedliche Modelle.

  • Während die Medizin auf der untersten Ebene mit naturwissenschaftlichen Methoden natürliche Vorgänge empirisch untersucht, geht die neoklassische Ökonomie (als herrschende Lehre der Volkswirtschaft, s. u.) von einem Modell aus, das nicht aus der Empirie, sondern aus Annahmen gewonnen ist, z. B. dem „homo oeconomicus“ oder Annahmen über Informationsflüsse und Marktregeln. Manche Wirtschaftswissenschaftler lehnen es geradezu ab, das Modell an der Realität (etwa dem Verhalten realer Menschen) zu messen, weil sie meinen, damit das Gebiet der Wirtschaftswissenschaften zu verlassen.

3 Theorie der „Wirtschaftswissenschaften“

3.1 Der Gegenstand der „Wirtschaftswissenschaften“

Die Wirtschaftswissenschaften sind durch eine enorme Vielfalt an gedanklichen Ansätzen gekennzeichnet; es macht daher Sinn, von ihnen im Plural zu sprechen – es gibt verschiedene „Wirtschaftswissenschaften“. Darin spiegeln sich die Komplexität des Gegenstandes „Wirtschaft“, unterschiedliche Fragestellungen und historische Entwicklungen:
  • Wirtschaftswissenschaften befassen sich (auch) mit menschlichem Handeln. Das ist aber viel komplexer und schwieriger zu untersuchen als die Funktionsweise eines Muskels, eines Bakteriums o. ä.

  • Es ist außerordentlich schwierig, den Begriff des „Wirtschaftens“ bzw. des „wirtschaftlichen Handelns“ präzise zu fassen. Tatsächlich kann man jeden Gegenstand und jede Handlung neben anderen Aspekten auch unter wirtschaftlichen betrachten: selbst die Verfertigung eines Kunstwerks ist insofern „wirtschaftlich“, als das Werk einen Wert hat; auch zielt jede Handlung auf ein Ergebnis, das eine „wirtschaftliche“ Bedeutung hat; etc.

    Übrigens ist schon die Wortwurzel „wirt“ vieldeutig und kann „Gastfreund“, aber auch „Gastwirt“ bedeuten; die davon abgeleiteten Wörter umfassen Themen wie „Speise“, „bewirten“, „Gastmahl“, „Hauswesen“, „Güterversorgung“ usw.

Im Folgenden werden die Begriffe „Ökonomie“ und „Wirtschaftswissenschaften“ synonym verwendet. Es wird auch nicht zwischen „Ökonomie“ und „Ökonomik“ unterschieden (manche, aber eben nur manche Autoren meinen mit „Ökonomie“ die beschreibende, mit „Ökonomik“ die normative Seite der Wirtschaftswissenschaften).

Verschiedene Autoren haben auf unterschiedliche Weise versucht, den Begriff des „Wirtschaftens“ näher zu bestimmen. Einige schlagen vor, das Knappheits- oder ökonomische Prinzip zur Definition des „Wirtschaftens“ heranzuziehen: da Güter knapp sind, ist es Aufgabe wirtschaftlichen Handelns, mit den gegebenen Ressourcen möglichst viele und/oder möglichst werthaltige Güter zu erzeugen (Wöhe et al. 2016; Wöhe und Döring 2008). Andere Autoren haben dieser Meinung widersprochen: wenn sich Wirtschaftswissenschaft mit knappen Gütern befasse, dann wäre sie die Wissenschaft von allem – da Güter immer und überall knapp sind. Eine Wissenschaft von allem sei aber viel zu weit gefasst (Schneider 1987, siehe auch weiter unten).

Wieder andere Autoren verbinden den Begriff des „wirtschaftlichen Handelns“ mit
  • Fragen der Güterverteilung (z. B. der „gerechten“ Verteilung von Einkommen);

  • der Bewertung von Gütern oder Handlungen;

  • einer bestimmten Art, Dinge zu betrachten (z. B. Wirtschaften als rationales Handeln);

  • Gegenständen des Wirtschaftens (z. B. Geld, Zins, Investition, usw.);

  • Funktionsweisen von Märkten (z. B. zur Entstehung von Preisen);

  • Zielorientierung im allgemeinen oder Profitorientierung als Sonderfall (z. B. Maximierung von Gesundheit der behandelten Patienten oder von Gewinnen);

  • Handlungen, die der Zielerreichung dienen (z. B. Controlling, Management, usw.)

  • Entscheidungsprozessen in Unternehmen oder Volkswirtschaften;

  • usw. Die Liste ist nicht abschließend.

Noch schwieriger wird es, wenn man fragt, was denn die Wirtschaftswissenschaft ausmacht. Denn dazu muss man nicht nur klären, was der Gegenstand dieser Wissenschaft ist, sondern auch, was das „wissenschaftliche“ an der Beschäftigung damit ist.

Außerdem ist bei manchen Themen unklar, ob sie zu den Wirtschaftswissenschaften oder anderen Wissenschaften gehören, z. B. rechtliche Überlegungen zu ökonomischen Vorgängen (Handelsrecht) usw.

Und noch ein weiterer Punkt erschwert die Untersuchung: Theorien über „richtiges“ wirtschaftliches Handeln stehen häufig in der Gefahr, ideologisch missbraucht zu werden (man denke z. B. an die Frage, ob höhere Löhne volkswirtschaftlich „vertretbar“ sind). Dadurch sind die Wirtschaftswissenschaften anfällig für ideologische Desinformation.

Vielleicht kann man so formulieren: Wirtschaftswissenschaften befassen sich mit der finanziellen Bewertung von Gegenständen und Prozessen und damit verbundenen Optimierungsproblemen. Diese Definition ist zugleich umfassend (und enthält z. B. Prozessmanagement ebenso wie Verteilungsfragen), zugleich aber auch einigermaßen spezifisch (und grenzt die Wirtschaftswissenschaften von anderen Wissenschaften ab, die sich nicht primär mit finanziellen Bewertungsfragen beschäftigen).

Im Folgenden werden wichtige wirtschaftliche Untersuchungsgegenstände und -methoden beschrieben. Dadurch erhält der Leser einen Überblick über ihre gängigsten Ansätze und kommt in die Lage, sich in dem Gesamtgebiet zurechtzufinden. Unter einem „Paradigma“ wird hier ein gedankliches Muster verstanden – genauer: eine Fragestellung, die sich auf ein bestimmtes wirtschaftliches Thema bezieht und häufig mit einer bestimmten Untersuchungsmethode verbunden ist.

3.2 Wirtschaftswissenschaftliche Paradigmen im Überblick

Abb. 1 zeigt gängige wirtschaftswissenschaftliche Paradigmen im historischen Überblick. Diese Paradigmen werden im Folgenden anhand von Beispielen knapp skizziert. Hier sind einige Worte der Vorsicht erforderlich: Die Beispiele sind so gewählt, dass sie typische Annahmen und den Umfang des jeweiligen Paradigmas illustrieren. Vollständigkeit oder objektive Auswahl der Beispiele sind weder möglich noch angestrebt. Wenn die Darstellung einigermaßen anschaulich bleiben soll, ist eine gewisse Willkür kaum zu vermeiden; andere Autoren kommen zu anderen, ebenso berechtigten Einteilungen.1 Auch ist zu berücksichtigen, dass die Paradigmen überlappen: eine bestimmte Theorie kann z. B. mehreren Paradigmen angehören. Die Darstellung unterscheidet zunächst nicht zwischen „wissenschaftlichen“ und „nicht wissenschaftlichen“ Autoren, weil sonst die älteren Ansätze nicht angemessen dargestellt werden könnten; sie sind aber wichtig, um die Entstehung des wirtschaftswissenschaftlichen Denkens zu verstehen.
Abb. 1

Paradigmen der Wirtschaftswissenschaften

Der Leser sollte nicht mit dem Ehrgeiz an das Kapitel herangehen, nach der Lektüre die ganze Geschichte der Wirtschaftswissenschaften verstanden zu haben; wenn noch Fragen übrig bleiben, so kann er sich mit dem Gedanken trösten, dass es wahrscheinlich niemanden gibt, der die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften in ihrer gesamten Komplexität von der Antike bis in die Gegenwart vollständig beherrscht.

Wirtschaft und Gerechtigkeit

„Wirtschaften“ hat mit Gütern zu tun und daher auch mit ihrer Verteilung. Solche Verteilungen kann man gerecht oder ungerecht finden. Wahrscheinlich das älteste Paradigma, über das Aufzeichnungen vorliegen, besteht darin, wirtschaftliches Handeln unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit zu betrachten.

Eigentlich müsste an dieser Stelle der Begriff der Gerechtigkeit selbst definiert werden (was nicht einfach ist); aber für die folgende Darstellung reicht es zunächst, „Gerechtigkeit“ ganz im alltäglichen Sinn zu verstehen, also als „angemessenen Ausgleich von Interessen“. „Gerecht“ können dabei Personen sein oder handeln; aber auch Zustände, Rechtsnormen, Spielergebnisse u. v. m. können „gerecht“ oder „ungerecht“ sein.

Dazu heißt es in einer ca. 4000 Jahre alten ägyptischen Schrift:

„Wenn Du jemand in leitender Stellung bist, der für viele zu sorgen hat, dann bemühe dich um lauter Vortrefflichkeit, so dass dein Verhalten ohne Tadel ist. Groß ist die Gerechtigkeit, dauernd und wirksam! Sie ist nicht verwirrt worden seit der Zeit des Osiris, und man bestraft den, der (ihre) Gesetze mißachtet. Der Habgierige betrachtet das (zwar) nicht, und Gemeinheit rafft Schätze zusammen, (aber) nie ist das Unrecht ‚gelandet‘ und hat überdauert. Ist das Ende da, bleibt nur das Recht. … Unterdrücke die Menschen nicht, (denn) Gott straft mit gleichem.“ (aus: Der weise Ptahhotep (entstanden um 2200 v. Chr.), zit. n. Hornung 1996).

Dieses Beispiel zeigt auch, dass die Beschäftigung mit „Wirtschaft“ mehrere Themen gleichzeitig verfolgen kann; zwar steht im Zitat der Gedanke des gerechten wirtschaftlichen Handelns im Vordergrund, aber daneben passt es auch zum Paradigma des wirtschaftlichen Handelns unter religiösen Vorschriften und zum Paradigma des „richtigen Handelns“. – Es werden noch zwei weitere Beispiele kurz skizziert, die für die Diskussion über Wirtschaften unter dem Gesichtspunkt gerechter Verteilung besonders einflussreich waren. Eine geschlossene Darstellung des umfangreichen und schwierigen Themas ergibt sich auf diese Weise nicht; es geht hier nur darum, einen ersten, unvollständigen Eindruck von möglichen alternativen Argumentationsweisen kennenzulernen.

Rund zweitausend Jahre nach Ptahhotep wählt Platon einen anderen Weg, um das Verhältnis von Wirtschaft und Gerechtigkeit (δικαιοσύνη) zu untersuchen, und zwar in seinem Dialog „Politeia“.

Sokrates entwirft darin folgenden Untersuchungsgang:2 da es schwer ist, die Gerechtigkeit eines Menschen zu verstehen, wird zunächst die Gerechtigkeit des Staates untersucht und dann das Ergebnis auf den Menschen übertragen. Im Original liest sich das so:

„Die Untersuchung, die wir beginnen, erfordert ohne Zweifel scharfe, nicht schwache Augen. Da wir keine scharfen Augen haben, wird es das beste sein, wir machen es wie die Kurzsichtigen, denen man kleine Buchstaben aus der Ferne zu lesen vorlegt. Es fällt ihnen ein, dass die Buchstaben anderswo größer und an einer größeren Tafel geschrieben stehen, und sie sind klug genug, zunächst die größeren zu lesen und dann die kleinen mit ihnen zu vergleichen.‘

‚Ganz recht!‘, erwiderte Adeimantos. ‚Aber was hat unsere Untersuchung über Gerechtigkeit damit zu tun?‘

‚Ich will es dir sagen. Die Gerechtigkeit findet sich im einzelnen Menschen; findet sie sich nicht auch im ganzen Staate?‘

‚Jawohl.‘

‚Und ein Staat ist etwas Größeres als ein einzelner Mensch?‘

‚Ja freilich.‘

‚Vielleicht ist auch seine Gerechtigkeit größer und leichter zu erkennen.‘“ (zit. n. Platon 1973).

Um die Dikaiosyne (Gerechtigkeit) des Staates untersuchen zu können, entwirft Sokrates zunächst das Modell eines Staates. Er entsteht, weil kein Mensch für sich alleine sorgen kann. Menschen müssen untereinander Güter tauschen, und um das tun zu können, benötigen sie Kaufleute, Münzen, usw.: eine Wirtschaft.

Im Weiteren überlegt Sokrates, dass Menschen unterschiedlich begabt und daher für unterschiedliche Tätigkeiten geeignet sind: manche sind besonders weise, andere tapfer, wieder andere besonnen. Daher gibt es im Staat drei Stände: Philosophen, Wächter/Krieger und Bauern/Handwerker. Unter Dikaiosyne versteht Sokrates nun, dass jeder im Staat das seine hat und tut (und nicht etwas anderes, dass also z. B. der Kaufmann nicht Wächter wird). Sokrates meint, dass dies analog ist zur der Forderung, jedem das Schuldige zu geben.

Da es nun auch in der Seele des Menschen Eigenschaften gibt, die den Ständen vergleichbar sind, nämlich Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit, besteht die Dikaiosyne des einzelnen Menschen aus dem richtigen Verhältnis dieser drei Eigenschaften.

Außerdem nimmt Sokrates an, dass die Gerechtigkeit Kraft der Seele ist, Ungerechtigkeit aber Unkraft; und dass eine gerechte Seele sich wohlbefindet und glücklich ist (oder macht). Insofern ist die Dikaiosyne für die Seele dieselbe Kraft wie die Sehkraft für die Augen: sie ermöglicht den Augen erst, ihre Funktion, nämlich das Sehen, auszuüben.

Im Ergebnis weicht Sokrates’ Dikaiosyne von dem ab, was man heute unter „Gerechtigkeit“ versteht; Dikaiosyne ist eher etwas wie „Richtigkeit“: das, was dafür sorgt, dass die Seele „richtig funktioniert“.

Sokrates’ bzw. Platons Definition hat in der späteren Fassung „Gerechtigkeit meint, jedem das seine zuzuteilen“ große historische Bedeutung gehabt und wirkt auch heute noch auf die aktuelle wirtschaftspolitische Diskussion.3

Ein drittes Beispiel, wiederum zweitausend Jahre jünger, mithin aus unserer Zeit stammend, und wiederum auf einer anderen Untersuchungsmethode basierend ist die Gerechtigkeitstheorie von J. Rawls. Rawls versteht unter einer Gesellschaft eine „mehr oder weniger selbstgenügsame Vereinigung, die von einer gemeinsamen Gerechtigkeitsvorstellung reguliert wird und darauf ausgerichtet ist, das Wohl ihrer Mitglieder zu vergrößern“ (Rawls 1962). Der Ausdruck der „Vereinigung“ darf nicht darüber hinweg täuschen, dass man einer Gesellschaft nicht freiwillig angehört (Rawls 2006). In dieser Gesellschaft entstehen sowohl gemeinsame Interessen als auch Konflikte: durch Zusammenarbeit kann die Gesellschaft mehr Güter erzeugen, als den jeweils einzelnen Mitgliedern in Summe möglich wäre; andererseits aber entstehen Konflikte bei der Verteilung der Güter. Die Kernfrage ist nun, wie eine gerechte Verteilung der Güter erfolgen könnte. Rawls diskutiert zunächst die utilitaristische Antwort auf diese Frage und lehnt sie ab. Utilitaristen würden es gerecht finden, wenn die Gesamtsumme der Nutzen (des Vorteils) aller Individuen einer Gesellschaft maximiert würde. Anders gesagt: es geht darum, die Nutzensumme zu erhöhen, auch dann, wenn darunter der Vorteil eines einzelnen Individuums sinkt. Dem utilitaristischen Modell zufolge müsste ein Gesellschaftsmitglied einen Nachteil in Kauf nehmen, wenn dadurch ein anderes Gesellschaftsmitglied einen Vorteil hat, der den Nachteil des ersteren überwiegt (wie man die Vor- und Nachteile überhaupt misst, ist ein Problem für sich).

Rawls meint im Gegensatz zur utilitaristischen Theorie, dass jedem Gesellschaftsmitglied eine prinzipielle Unverletzlichkeit zukommt. Daher muss das Gerechtigkeitsprinzip anders konstruiert werden, nämlich als „Gesellschaftsvertrag“, also als (fiktiver) Vertrag, den die Gesellschaftsmitglieder freiwillig untereinander schließen und nach dessen Regeln anschließend verfahren wird (z. B. bei der Güterverteilung). Spezifisch für Rawls ist die weitere Annahme, dass die Gesellschaftsmitglieder diesen Vertrag schließen, ohne ihre spätere Güterausstattung zu kennen: während sie sich auf die Prinzipien festlegen, die später die Güterverteilung regeln, wissen sie nicht, ob sie z. B. ein reicher Fabrikant oder ein armer Schlucker sind.

„Die Vertragstheorie geht davon aus, dass rationale Individuen, die zur Gesellschaft gehören, in einem gemeinsamen Akt wählen müssen, was unter ihnen als gerecht oder ungerecht zu gelten hat. Sie müssen untereinander ein für allemal entscheiden, was ihre Gerechtigkeitsvorstellung sein soll. Diese Entscheidung kann man sich als eine solche vorstellen, die in einer passend definierten Ausgangssituation getroffen wird; eines der bedeutsamen Merkmale dieser Situation besteht darin, dass niemand seine Position in der Gesellschaft kennt, ja noch nicht einmal seine Stellung bei der Verteilung von natürlichen Talenten und Fähigkeiten. Die Gerechtigkeitsprinzipien, an die alle für immer gebunden sind, werden in Abwesenheit dieser Art von spezifischer Information gewählt. Ein Schleier des Nichtwissens bewahrt jeden davor, durch die Unverfügbarkeiten von sozialer Klasse und Vermögen bevorzugt oder benachteiligt zu werden. Daher wird die Wahl nicht von den Verhandlungsproblemen beeinflusst, die im Alltagsleben aus dem Besitz dieses Wissens entstehen“ (Rawls 1962).

In der beschriebenen Situation legen nun die Gesellschaftsmitglieder fest, nach welchen Prinzipien später in der Gesellschaft entschieden wird, also z. B. Güter verteilt werden. Rawls macht plausibel, dass unter dem Schleier des Nichtwissens jeder sich für Prinzipien entscheidet, die die Situation des jeweils am schlechtesten gestellten Gesellschaftsmitglieds maximieren. Man wählt also im Beispiel Prinzipien, die den armen Schlucker auf Kosten des reichen Fabrikanten besser stellen. Sollte sich später herausstellen, dass man der Fabrikant ist, so hat man nicht viel verloren; aber, wenn man der arme Schlucker ist, hat man viel gewonnen. Rawls zeigt dies anhand verschiedener, z. T. entscheidungs- und spieltheoretischer (also „wirtschaftswissenschaftlicher“) Überlegungen.

Da die Gesellschaft außerdem die Gesamtmenge an Gütern optimieren möchte, kommt Rawls zum Ergebnis, dass die Gesellschaft genau zwei Gerechtigkeitsprinzipien wählt:
  1. a)

    „Jede Person hat den gleichen unabdingbaren Anspruch auf ein völlig adäquates System gleicher Grundfreiheiten, das mit demselben System von Freiheiten für alle vereinbar ist.

     
  2. b)

    Soziale und ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die unter Bedingungen fairer Chancengleichheit allen offenstehen; und zweitens müssen sie den am wenigsten begünstigten Angehörigen der Gesellschaft den größten Vorteil bringen (Differenzprinzip).“ (Rawls 2006).

     

Sehr grob vereinfacht könnte man sagen: es gibt in diesem Gesellschaftsvertrag keine Ungleichheit – keinen Geburtsadel, keine Vermögensunterschiede usw. –, es sei denn, dass alle und insbesondere der „Ärmste“ davon profitieren.

Aus Sicht anderer wirtschaftswissenschaftlicher Paradigmen wird zuweilen bezweifelt, ob die Überlegungen Rawls überhaupt zu den Wirtschaftswissenschaften gehören oder zur Rechtsphilosophie, Ethik usw. Manche Autoren, insbesondere Vertreter des neoklassischen Paradigmas (s. u.), neigen zu der Annahme, dass die Suche nach „gerechten“ Preisen, Güterverteilungen usw. prinzipiell nicht Gegenstand der wissenschaftlichen Ökonomie sei. Dazu muss man allerdings entweder bestreiten, dass Fragen der Gerechtigkeit (inkl. der Güterverteilung) mit „Wirtschaft“ zu tun haben oder aber Rawls’ Ausführungen für unwissenschaftlich halten.

Wirtschaften und religiöse Vorschriften

Im Rahmen religiöser Anschauungen und/oder heiliger Schriften finden sich ebenfalls sehr früh Vorschriften, die das Wirtschaftsleben steuern und teils bis heute beeinflussen (freilich mit abnehmender Tendenz).

Recht alt sind Vorschriften des Alten Testamentes, z. B. im 3. Buch Mose 25, 35–46:

„Verbot des Zinsnehmens

35 Wenn dein Bruder neben dir verarmt und nicht mehr bestehen kann, so sollst du dich seiner annehmen wie eines Fremdlings oder Beisassen, dass er neben dir leben könne; 36 und du sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Aufschlag, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, dass dein Bruder neben dir leben könne. 37 Denn du sollst ihm dein Geld nicht auf Zinsen leihen noch Speise geben gegen Aufschlag. 38 Ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat, um euch das Land Kanaan zu geben und euer Gott zu sein.“

Auch der Koran kennt ein Zinsverbot, z. B. in Sure 2:

„Diejenigen, die Zins verschlingen, werden nicht anders aufstehen als jemand, den der Satan durch Wahnsinn hin und her schlägt. Dies (wird sein), weil sie sagten: „Verkaufen ist das gleiche wie Zinsnehmen.“ Doch hat Allah Verkaufen erlaubt und Zinsnehmen verboten. Zu wem nun eine Ermahnung von seinem Herrn kommt, und der dann aufhört, dem soll gehören, was vergangen ist, und seine Angelegenheit steht bei Allah. Wer aber rückfällig wird, jene sind Insassen des (Höllen)feuers. Ewig werden sie darin bleiben.“

Entsprechend bieten Banken scharia-konforme Kredit- und Finanzierungsinstrumente an, bei denen z. B. der Zins durch ein Disagio ersetzt wird.

Das Neue Testament kennt kein Zinsverbot. Allerdings haben die Kirchenväter ebenfalls das Zinsnehmen verboten, wobei sich Augustinus nicht auf das Neue Testament, sondern auf die Autorität Aristoteles’ beruft, der Zinsen mit dem Argument ablehnte, es sei unnatürlich, wenn sich Geld „von selbst vermehre“ – es sei lediglich als Tauschmittel gedacht. Spätere christliche Autoren weichten das Zinsverbot immer weiter auf, bis es schließlich ganz verschwand.

Wirtschaftslehren als Theorie des „richtigen Verhaltens“; Management

Ein anderes, ebenfalls altes Paradigma der Wirtschaftswissenschaft ist die Theorie vom „richtigen Verhalten“. Dabei wird das Wort „richtig“ hier verstanden im Sinne von „effizient“ bzw. „geeignet, ein bestimmtes, ökonomisch geprägtes Ziel zu erreichen“. Es umfasst insbesondere auch die Idee der richtigen Personal- und Unternehmensführung. – Die Grenze zu anderen Wissenschaften ist nicht immer leicht zu ziehen; denn es kann schwer fallen, das Ziel ökonomisch zu definieren (z. B. bei kirchlichen Krankenhäusern). Bei nicht-monetären Zielen ist man bei einer „Theorie des richtigen Handelns“, und das kann auch eine Theorie des ethisch vertretbaren Handelns, des glückselig machenden Handelns usw. sein.

Ein sehr frühes westeuropäisches Beispiel sind Hesiods „Werke und Tage“, das um 800 v. Chr. entstand. Breiten Raum nehmen darin Anweisungen zum richtigen Führen eines Bauernhofes ein:

„Erst ein Haus, dann eine Frau und den Ochsen zum Pflügen; die Frau sei gekauft, nicht gefreit und soll auch die Ochsen antreiben. Setze alles Gerät im Hause gut instand, sonst mußt du jemand anderen bitten, der Nein sagt, während du dastehst, die günstige Stunde verstreicht und dein Ertrag abnimmt. Nicht verschiebe auf morgen und übermorgen…

Lindert aber die mächtig sengende Sonne schon ihre schweißtreibende Hitze, schickt der machtvolle Zeus Herbstregen und wird es den Menschen viel leichter unter ihrer Haut (denn nun zieht der Sirius nur kurz mehr am Tag übers Haupt der sterblichen Menschen und leuchtet länger zur Nachtzeit), da bleibt mit der Axt geschlagenes Holz am ehesten wurmfrei; da nun fälle das Holz und denke an zeitgerechte Arbeit. Haue einen Mörser, drei Fuß hoch, die Keule drei Ellen lang, sieben Fuß lang aber die Achse; denn nur so stimmen die Maße.“ (Hesiod 2007, S. 5).

Auch klingt bei Hesiod bereits das Problem der Güterknappheit, also des „ökonomischen Prinzips“ an:

„Verborgen halten ja Götter den Menschen die Nahrung. Leicht nämlich erwürbest du sonst an einem Tag so viel, daß es dir sogar übers Jahr hin reichte, und gingest du auch müßig.“ (Hesiod 2007, S. 7).

Das Wort Ökonomie taucht bei Hesiod noch nicht auf, obwohl es gut passen würde. Oἶκος (oikos) bedeutet Haus, Haushaltung, Wirtschaft: nämlich das „Haus“ mitsamt Nebengebäuden und allen Einwohnern inkl. Freien und Sklaven. Ökonomie ist mithin die Lehre vom Wirtschaften; in der Antike zunächst der agrarischen Hauswirtschaft, heute des Betriebes. Zuerst erwähnt wird das Wort bei Pittakos aus Lesbos (ca. 650 v. Chr.-ca. 570 v. Chr.) (Schefold 1994, S. 216), danach begegnet es regelmäßig – bis heute.

Auch bei den römischen Agrarschriftstellern (M. Porcius Cato, 234–149 v. Chr., M. Terentius Varro, 116–27 v. Chr., Lucius Iunius Moderatus Columella, um 1 n. Chr.-um 70 n. Chr.) finden sich ausführliche Beschreibungen über die richtige Verwaltung von landwirtschaftlichen Gütern, mit insgesamt präziserer Beschreibung z. B. des dazugehörigen Personalwesens, etc. als bei Hesiod und bis hin zur ersten in der Literatur auffindbaren Unterscheidung von variablen und Fixkosten reichend (Schneider 2001, S. 109).

Wenn man bedenkt, dass Agrarbetriebe den Standard des antiken Produktionsbetriebs darstellten, und wenn man davon absieht, dass die römischen Autoren noch nicht zwischen agrarischer Ingenieurtechnik und Betriebswirtschaft unterscheiden, ist es gedanklich von Columella zur modernen „Management“-Literatur nicht sehr weit.

Dazu muss man einschränkend anmerken, dass es nicht möglich ist, genau zu sagen, was „Management“-Literatur ist, weil der Begriff des „Managements“ wissenschaftlich nicht präzise zu fassen ist: zu viele unterschiedliche Dinge werden damit bezeichnet, wie die folgenden „Management“-Definitionen belegen (Macharzina 1999) (das Wort selbst geht auf lat. „manus“: die Hand zurück, aus dem über ital. mano zunächst „maneggiare“ wird im Sinne von handhaben, bewerkstelligen, von dem schließlich das Wort „managen“ stammt):
  • „Management is the organ of society specifically charged with making resources productive by planning, motivating, and regulating the activities of persons towards the effective and economical accomplishment of a given task (Drucker).

  • Management is the art of working through other people (Owen).

  • Management ist eine komplexe Aufgabe: Es müssen Analysen durchgeführt, Entscheidungen getroffen, Bewertungen vorgenommen und Kontrollen ausgeübt werden (Ansoff).

  • Management ist die schöpferischste aller Künste, denn sein Medium ist das menschliche Talent selbst (McNamara).

  • Die Unternehmungspolitik umfasst … jene Gesamtheit von Problemen (Aufgaben), die gelöst werden muss, wenn das Verhalten der Gesamtunternehmung bestimmt wird (Rühli).

  • Management kann … definiert werden als die Verarbeitung von Informationen und ihre Verwendung zur zielorientierten Steuerung von Menschen und Prozessen (Wild).

  • Management is the process of planning, organizing, leading, and controlling the efforts of organizational members and the use of other organizational resources in Order to achieve stated organizational goals (Stoner).

  • Unternehmensführung ist … ein auch durch systembezogene Merkmale charakterisiertes Phänomen (Beyer).

  • Management consists of two very basic functions: decision making and influence (Anthony).

  • The essence of management is the creation, adaption, and coping with change (Leontiades).

  • Management ist ein System von Steuerungsaufgaben, die bei der Leistungserstellung und -sicherung in arbeitsteiligen Systemen erbracht werden müssen“ (Steinmann/Schreyögg).

„Management“ kann sich außerdem auf eine Funktion (des Managements) oder eine Institution (das Management) beziehen. Noch weniger präzise ist der landläufige Sprachgebrauch: etwas „managen“ heißt häufig einfach nur „etwas tun, aktiv sein“.

Selbst in diesem sehr wenig präzisen Begriff schwingt häufig die Bedeutung von „richtigem Handeln“ mit, z. B. Management als „zielorientiertes Handeln“, womit es der antiken Lehre vom richtigen Handeln nahekommt.

Selbstverständlich ist die moderne Darstellung des Managements breiter und in mehr Subspezialitäten aufgefächert als die antike: von der Entscheidungstheorie über Prozess-, Personalmanagement usw. bis hin zu und diversen anderen - Managements.

Eine weitere Schwierigkeit der „Management-Literatur“ ist, dass die Zielsetzung von Betrieben und mit ihnen auch das richtige Handeln sehr unterschiedlich sein kann. Gerade der Krankenhaussektor ist ein gutes Beispiel: manche Kliniken sollen vor allem das eingesetzte Kapital vermehren, andere sind ideellen Zielen verpflichtet, wieder andere der regionalen Gesundheitsförderung.

Schließlich ändern sich die Rahmenbedingungen des „Managements“ rasch; man denke an Vertriebsmanagement und Internet, an Fusionswellen, usw. Auf einer derart schwankenden Basis ist es kaum möglich, eindeutige Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Das gilt erst recht branchenübergreifend. Ein Lehrbuch des „Einkaufsmanagements“ kommt über sehr allgemein gehaltene Empfehlungen nicht hinaus, wenn es zugleich den Einkauf eines Spielwarenhändlers, einer Chemiefabrik und eines Nagelstudios behandelt.

Eine letzte Schwierigkeit typischer Managementbücher besteht darin, dass sie Unternehmen (nur) als rationalen Zielbildungs- und Zielerreichungsprozess verstehen. Nun gibt es solche Prozesse; aber jeder, der schon einmal in einem Unternehmen gearbeitet hat, weiß, welche enorme Rolle „politics“, persönliche Empfindlichkeiten, quasi-biologische Rahmenbedingungen und andere nicht-sachbezogene und/oder nicht-rationale Themen spielen. Indem die Managementlehre (meist) auf sozialpsychologische Einsichten verzichtet, erreicht sie keine wirklich vollständige Durchdringung ihres Gegenstandes.

Um es an einem Beispiel zu zeigen: Kommunikation erscheint in typischen BWL-Büchern als Austausch von Informationen; Manager werden angehalten, sich ihre „Infos“ genau zu überlegen und deutlich zu kommunizieren.

Nun besteht Kommunikation aber nicht (nur) aus dem Austausch von Informationen, sondern ist immer schon Handlung und setzt Sinnzusammenhänge voraus, über die ihrerseits die Sprecher sich verständigen. „Mein Nachbar ist ein Fuchs“ bedeutet meist nicht, dass jemand sein Waldhäuschen beschreibt, neben dem ein orangebraunes Raubtier wohnt, sondern, dass der menschliche Nachbar bestimmte Eigenschaften hat, und wird auch so verstanden. „Da ist die Tür“ ist keine Mitteilung, sondern (meist) eine Aufforderung, nämlich, zu gehen.

Genau deshalb wird auch beim Mitarbeitergespräch die Aussage des Chefs: „Ihre Leistungen waren ganz oK“ vom beiden Beteiligten richtig verstanden als „Ihre Leistungen waren gar nicht oK“. Die Verkürzung des Gegenstandes, wie sie in der BWL erfolgt, verstellt also das Verstehen der Kommunikation, statt sie zu erhellen.

Wirtschaft und Staatslehre; öffentliche Finanzen

Das Nachdenken über „Wirtschaft“ kann Bestandteil einer umfassenderen Staatslehre sein. Während der „Manager“ die ökonomischen Rahmenbedingungen als gegeben betrachtet und sein Unternehmen innerhalb dieses Rahmens optimiert, geht es im Folgenden um die Gestaltung von Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln, also eine Wirtschaftsverfassung.

Das ist etwa bei Aristoteles (384–322 v. Chr.) der Fall, der in seiner „Politeia“ Staatsverfassungen untersucht. Um das tun zu können, analysiert er zunächst die Bestandteile des Staates:

„Wie man nämlich auch anderswo das Zusammengesetzte bis zu den nicht mehr zusammengesetzten Teilen zerlegen muß (denn diese sind die kleinsten Teile des Ganzen), so müssen wir auch beim Staate erkennen, woraus er zusammengesetzt ist, und werden besser begreifen, worin sich jene Verhältnisse voneinander unterscheiden und ob sich über jedes einzelne etwas wissenschaftlich Brauchbares feststellen läßt.“ (Aristoteles 2006, S. 47).

Entsprechend untersucht er zunächst Beziehungen zwischen Männern und Frauen, dann das „Haus“ (wobei er o. g. Stelle aus Hesiod zitiert: erst das Haus, dann eine Frau usw.), dann das Dorf und schließlich den Stadtstaat.

Im Rahmen der Untersuchung der Hausverwaltung, also der „Ökonomie“ (die er auch so bezeichnet), entwickelt Aristoteles nicht nur das Zinsverbot, sondern unterscheidet auch zwischen der „natürlichen“ Ökonomie und der „unnatürlichen Chrematistik“. Letztere ist dadurch gekennzeichnet, dass sie prinzipiell unbegrenzt Vermögen anhäufen kann (während bei einem Gutshof die erzielbaren Gewinne nach oben begrenzt sind).

Ein moderneres Beispiel von Staats- und Wirtschaftsverfassungen ist die Diskussion über Marktwirtschaften bzw. zentralverwaltete Wirtschaften, wie sie zur Zeit des Kalten Krieges geführt wurde. So ist auch im Marxschen bzw. marxistischen Denken die Wirtschaft in eine umfassende Gesellschaftslehre eingebettet.

Als einen Spezialfall der Wirtschaftsverfassung kann man die Frage betrachten, wie sich der Staat finanziert. Diese Frage ist alt: schon Xenophon beschäftigte sich in seinen „Poroi“ mit ihr.4

Auch die Kameralistik des 17./18. Jahrhunderts steht in dieser Tradition, denn ihr Zweck bestand darin, die Macht des absolutistischen Staates durch wirtschaftspolitische Maßnahmen zu stärken, und zwar mit dem Ziel, die Schatzkammer (camera, daher Kameralisitk) zu füllen. Diese Maßnahmen wirkten dabei auf die Staatsverfassung zurück. Heute würde man von „Finanzwissenschaft“ sprechen.

Wirtschaft und ökonomische Techniken

Eine Wirtschaftslehre kann sich natürlich auch mit ökonomischen Techniken beschäftigen, also z. B. mit kaufmännischer Buchführung, Rechnungswesen, Investitionsrechnung usw., oder auch volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung, Pensionsberechnungen (Aktuarwissenschaft), usw. Soweit sie sich mit Techniken der Unternehmensführung bzw. des Managements befasst, besteht eine Nähe zum Paradigma richtigen Handelns.

Buchhaltungspflichten sind spätestens in römischer Zeit belegt. Banken mussten ein codex rationum (Rechnungsbuch) führen, das auf Verlangen Beamten vorzulegen war (Weeber 2006, S. 45). Dabei handelte es sich um eine einfache Buchführung; das System der doppelten Buchführung ist zuerst um 1340 in der Finanzverwaltung der Stadt Genua belegt (Schneider 2001, S. 78).

Ein Diskontierungsverfahren (als Beispiel für die Investitionsrechnung) gibt Leibniz 1682 an (Schneider 2001, S. 782).

Insbesondere seit der Etablierung der Betriebswirtschaftslehre an den Handelshochschulen (in Deutschland ab 1898) erfahren betriebswirtschaftliche Techniken einen erheblichen Aufschwung. Große Teile der modernen Betriebswirtschaftslehre bestehen aus solchen Fächern. Die mehr volkswirtschaftlich geprägten Techniken (wie physiokratische Analysen, die meist als Vorläufer der VGR, der volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, angesehen werden) fließen in die VWL ein.

Wirtschaft und die ökonomische „Klassik“

Unter ökonomischer Klassik (auch „klassische politische Ökonomie“ genannt) versteht man einerseits einen Zeitraum und andererseits eine Gruppe von Theorien (Schefold und Carstensen 2002, S. 67). Zeitlich wird die Klassik meist zwischen 1776 und ca. 1870 angesetzt. Demnach beginnt sie mit Erscheinen des Buches „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ von Adam Smith und endet mit dem Aufstieg der neoklassischen (auch „marginalistisch“ genannten) Schule.

Neben Smith werden David Ricardo, James Mill, Robert Malthus u. a. Autoren als Vertreter der „Klassik“ genannt. Manche Wirtschaftswissenschaftler sind der Meinung, dass die Ökonomie als Wissenschaft mit Smith überhaupt erst beginnen, andere sehen das völlig anders (vgl. z. B. Blaug 1971 vs. Schumpeter 1965).

Wie der Name seines Buches sagt, beschäftigt sich Smith mit der Frage, wie Wohlstand in einer Nation entsteht, insbesondere: unter welchen Bedingungen die Wirtschaft insgesamt gut funktioniert. Dabei sind es v. a. drei Themen, die Smith untersucht:
  • Die Arbeitsteilung, die zu einer höheren Produktivität führt. Berühmt ist Smiths’ Beispiel einer Nadelmanufaktur. Wenn ein einzelner Arbeiter bei der Nadelherstellung den Draht zieht, richtet, schrotet, anspitzt usw., dann kann er höchstens 20 Nadeln pro Tag erzeugen. Teilen aber 10 Arbeiter die Tätigkeiten untereinander auf, so dass sich jeder auf einen oder wenige dieser Arbeitsschritte spezialisiert, dann erzeugen sie gemeinsam pro Tag 48.000 Nadeln.

  • Die Größe von Märkten, die mit der Arbeitsteilung wachsen.

  • Die Akkumulation von Kapital (vgl. die Darstellung von Sturn 2008). – Das Wort „Kapital“ ist, nebenbei bemerkt, im wörtlichen Sinn eine Hauptsache, denn das lateinische caput und das deutsche „Haupt“ sind urverwandt. Aus caput „Kopf, Haupt“ und dem Adjektiv capitalis („hauptsächlich“) entwickelt sich eine große Gruppe von Hauptsachen – vom Kapital über den Kapitän, das Kapitell (Säulenkopf) bis zum Kappes (Kohlkopf).

Im Rahmen der Untersuchung des Kapitals entwickelt Smith seine wirkungsmächtige Lehre, der zufolge die Verfolgung des eigenen Interesses zugleich die Wohlfahrt der gesamten Gesellschaft fördert; und dass Kapitalanleger dies besser können als staatliche Einrichtungen. Seine Begründung beruht i. W. darauf, dass die allgemeine Wohlfahrt der Wert aller erzeugten Güter ist und dass jeder einzelne sein Kapital so einsetzt, dass es möglichst viel Wert erzeugt – und daher zugleich die Gesamtsumme aller Werte maximiert. Auch der Begriff der „unsichtbaren Hand“ stammt hierher:

„[Die Verfolgung des Eigennutzes fördert das gesellschaftliche Wohl]

Jeder Mensch ist stets darauf bedacht, die ersprießlichste Anwendung alles Kapitals, über das er zu verfügen hat, ausfindig zu machen. Tatsächlich hat er nur seinen eigenen Vorteil und nicht den der Gesellschaft im Auge; aber natürlich, oder vielmehr notwendigerweise, führt ihn die Erwägung seines eigenen Vorteils gerade dahin, daß er diejenige Kapitalbenutzung vorzieht, die zugleich für die Gesellschaft höchst ersprießlich ist.

Erstens sucht jeder Mensch sein Kapital so nahe als möglich und daher womöglich zur Förderung des einheimischen Gewerbefleißes zu verwenden, vorausgesetzt, daß er dabei den üblichen oder doch nicht viel weniger als den üblichen Kapitalprofit bezieht. (…)

Zweitens sucht natürlich jeder, der sein Kapital zur Unterstützung der heimischen Erwerbstätigkeit verwendet, diese Erwerbstätigkeit so zu leiten, daß ihr Erzeugnis einen möglichst großen Wert erhalte.

Das Erzeugnis der Erwerbstätigkeit ist das, was sie dem Gegenstande oder Stoffe, mit dem sie es zu tun hat, hinzufügt. In dem Maße, als der Wert dieses Erzeugnisses groß oder gering ist, sind es auch die Profite des Unternehmers. Nun wendet man aber sein Kapital nur um des Profites willen auf die Erwerbstätigkeit und man wird es daher stets derjenigen Art zuzuwenden suchen, deren Erzeugnis den größten Wert hoffen läßt, d. h. gegen die größte Menge Geldes oder anderer Güter vertauscht werden zu können verspricht.

Nun ist aber das jährliche Einkommen jeder Gesellschaft immer genau so groß wie der Tauschwert des gesamten Jahreserzeugnisses ihrer Erwerbstätigkeit, oder besser gesagt, es ist dieser Tauschwert selber. Da nun jedermann nach Kräften sucht, sein Kapital in der heimischen Erwerbstätigkeit und diese Erwerbstätigkeit selbst so zu leiten, daß ihr Erzeugnis den größten Wert erhält, so arbeitet auch jeder notwendig dahin, das jährliche Einkommen der Gesellschaft so groß zu machen, als er kann. Allerdings strebt er in der Regel nicht danach, das allgemeine Wohl zu fördern, und weiß auch nicht, um wieviel er es fördert. Indem er die einheimische Erwerbstätigkeit der fremden vorzieht, hat er nur seine eigene Sicherheit im Auge und indem er diese Erwerbstätigkeit so leitet, daß ihr Produkt den größten Wert erhalte, verfolgt er lediglich seinen eigenen Gewinn und wird in diesen wie in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, einen Zweck zu fördern, den er in keiner Weise beabsichtigt hatte. Auch ist es nicht eben ein Unglück für die Gesellschaft, daß dies nicht der Fall war. Verfolgt er sein eigenes Interesse, so fördert er das der Gesellschaft weit wirksamer, als wenn er dieses wirklich zu fördern beabsichtigt. Ich habe niemals gesehen, daß diejenigen viel Gutes bewirkt hätten, die sich den Anschein geben, um des Gemeinwohls willen Handel zu treiben. Es ist dies tatsächlich nur eine Pose, unter Kaufleuten auch nicht sehr häufig, und es bedarf nicht vieler Worte, um sie davon abzubringen.

In welchem Zweig der heimischen Erwerbstätigkeit er sein Kapital anlegen kann, und bei welchem das Erzeugnis den größten Wert zu haben verspricht, das kann offenbar jeder einzelne je nach den Ortsverhältnissen weit besser beurteilen, als es irgendein Staatsmann oder Gesetzgeber für ihn tun könnte. Ein Staatsmann, der sichs einfallen ließe, Privatleuten darüber Vorschriften zu geben, auf welche Weise sie ihre Kapitalien anlegen sollen, würde sich nicht allein eine höchst unnötige Fürsorge aufladen, sondern sich auch eine Autorität anmaßen, die keinem Senate oder Staatsrate, geschweige denn einem einzelnen Manne mit Sicherheit überlassen werden könnte, und die nirgends so gefährlich sein würde, als in der Hand eines Mannes, der töricht und dünkelhaft genug wäre, um sich für fähig zu halten, sie auszuüben.“ (zit. n. Reiß 1990).

Noch deutlicher wird der Gedanke des wohlfahrtsmaximierenden Eigennutzes in der Formulierung:

„Nicht von dem Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse. Wir wenden uns nicht an ihre Humanität, sondern an ihren Egoismus, und sprechen ihnen nie von unseren Bedürfnissen, sondern von ihren Vorteilen.“ (Smith 2009, S. 21).

Der Gedanke des Eigennutzes prägt seit Smith weite Teile des ökonomischen Denkens. – In einem Lehrbuch der Medizinökonomie muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass viele medizinische Leitsätze einen anderen Ansatz verfolgen. „Salus aegroti suprema lex“ – die Gesundung des Kranken ist Richtschnur ärztlichen Handelns. Insoweit Ärzte und andere Heilberufler sich an diese und ähnliche Regeln halten, die man zusammenfassend als Berufsethos bezeichnet, weichen sie von klassischen ökonomischen Paradigmen ab.

Wirtschaft im neoklassischen mikroökonomischen Paradigma

Dem neoklassischen (und dem danach besprochenen makroökonomischen) Paradigma dürfte sich heute die Mehrzahl der volkswirtschaftlichen Ökonomen zurechnen (Neumann 2002).

Mit der Klassik teilt die Neoklassik die Annahme, dass Individuen ihr persönliches Eigeninteresse verfolgen und dass alles wirtschaftliche Verhalten von den Individuen her erklärt wird: „methodologischer Individualismus“. Weil man bei der Untersuchung von einzelnen Wirtschaftssubjekten ausgeht (Haushalten und Unternehmen) und von dort auf größere Untersuchungsgegenstände, z. B. Märkte, schließt, nennt man diesen Ansatz auch „mikroökonomisch“ – im Gegensatz zur Makroökonomie, s. u.

Zentraler Untersuchungsgegenstand der mikroökonomischen Neoklassik sind das Verhalten von Märkten, insbesondere das Vorhandensein von Marktgleichgewichten und die Analyse von Preisen. Einer der Hauptunterschiede zwischen Klassik und Neoklassik ist, dass die Klassiker Marktpreise aus den Produktionskosten herleiten (ganz grob vereinfacht: Produktpreis = Produktionskosten + Gewinn), die Neoklassiker dagegen von der Konsumentenseite (Produktpreis = Zahlungsbereitschaft des Kunden) (Schefold 1986). Insofern führt es in die Irre, wenn man die Neoklassik einfach als logische Fortsetzung der Klassik betrachtet. Gemeinsam ist den meisten Neoklassikern, dass sie versuchen, ökonomische Vorgänge mathematisch zu fassen (das unterscheidet neoklassische Preisanalysen von früheren Vorläufern – auch Aristoteles untersucht z. B. Güterpreise) und naturgesetzliche Vorgänge in der Wirtschaft zu finden.

Ein extrem vereinfachtes Beispiel soll das erläutern.

Angenommen, ein Konsument kann zwischen zwei Gütern wählen. Seine Nutzenfunktion laute:

U(x, y) = x0,5∗ y0,5. (Diese Nutzenfunktion ist im Beispiel einfach vorgegeben.)

Nimmt man weiter an, dass der Konsument über 100 Geldeinheiten verfügt, die er für den Kauf von Gütern ausgibt und jede Einheit von Gut x 2 Geldeinheiten kostet, jede Einheit von Gut y 1 Geldeinheit, so kann man diese Nebenbedingung schreiben als
$$ 100=2\mathrm{x}+\mathrm{y}\, \iff \mathrm{y}=100\hbox{--} 2\mathrm{x}. $$
Ersetzen von y in der Nutzenfunktion liefert:
$$ \mathrm{U}\left(\mathrm{x}\right)\, =\, {\mathrm{x}}^{0,5\ast }{\left(100\hbox{--} 2\mathrm{x}\right)}^{0,5}. $$

Ableiten nach x (was etwas lästig ist, weil es die Anwendung von Produkt- und Kettenregel erfordert) und nullsetzen ergibt x = 25.

Man kann also mit mathematischer Präzision zeigen, dass der Konsument seinen Nutzen maximiert, indem er genau 25 Einheiten x kauft.

Eine grafische Interpretation dieser Rechnung liefert das Konzept der Indifferenzkurve, auf der weite Teile der Mikroökonomik aufgebaut sind.

Setzt man für den Nutzen einen bestimmten Wert ein, z. B. 35,36, dann kann man die Nutzenfunktion 35,36 = x0,5 * y0,5 nach y auflösen und erhält
$$ \mathrm{y}=1250/\mathrm{x}; $$
man betrachtet also y als Funktion von x. Da entlang des Graphen der Nutzen gleichbleibt, nämlich 35,36, bezeichnet man ihn als Indifferenzkurve. Ebenso kann man die Budgetgerade
$$ \mathrm{y}=100\hbox{--} 2\mathrm{x} $$
einzeichnen und erhält folgendes Bild:

An der Indifferenzkurve erkennt man, dass die Steigung sich verändert. Man muss einem Konsumenten, der wenig x hat, und dem man noch ein weiteres x wegnimmt, mehr Einheiten y geben, damit er denselben Nutzen behält; hat der Konsument hingegen sehr viel x, und nimmt man ihm eine Einheit davon weg, so ist er mit relativ wenig y zufrieden, das er zusätzlich bekommt. Die Tangente an die Indifferenzkurve zeigt – bei marginalen, also sehr kleinen Veränderungen – die „Grenzrate der Substitution“ an: wieviel x der Konsument gegen y tauscht, um bei demselben Nutzen zu bleiben. Weitere Analysen dazu findet man in jedem gängigen Lehrbuch der Mikroökonomie.

Natürlich sind neoklassische Modelle sehr viel differenzierter als dieses Beispielmodell, aber letzteres zeigt doch einige typische neoklassische Eigenschaften:
  • ökonomische Vorgänge werden mathematisch beschrieben und mit mathematischen Methoden gelöst;

  • man kann neoklassische Modelle nicht „lesen“, sondern muss die dahinter liegende Mathematik nachvollziehen, um sie zu verstehen.

Wenn man Modelle mit mehr als einem Konsumenten erstellt, Modelle mit Konsumenten und Produzenten usw., dann kann man weiter berechnen, welche Preise sich im Markt einstellen.

Trifft man in solchen Modellen geeignete Annahmen, dann ergibt sich, dass ein Marktgleichgewicht paretooptimal ist. Ein Paretooptimum ist dadurch gekennzeichnet, dass man keinen Konsumenten besser stellen kann, ohne einen anderen schlechter zu stellen. Vereinfacht gesagt wird im Paretooptimum kein Nutzen verschwendet. Paretoopimalität sagt nichts über „Gerechtigkeit“ aus: wenn ein Konsument im Überfluss lebt und ein anderer hungert, kann dies paretooptimal sein; wollte man z. B. dem Hungernden mehr geben, müsste man dem Reichen ja etwas wegnehmen.

Je nach Autor kann die Modellierung der Nutzenfunktion der Konsumenten unterschiedlich sein. Häufig ist die Annahme des abnehmenden Grenznutzens: je mehr ein Konsument bereits von einem Gut konsumiert, umso weniger zusätzlichen Nutzen bringt eine weitere Einheit des Gutes. Diese Annahme wird auch als „erstes Gossensches Gesetz“ bezeichnet – nach seinem Erstbeschreiber H. H. Gossen (1810–1858).

Weitere Annahmen an das Verhalten der Konsumenten sind typischerweise, dass sie sich
  • rational verhalten,

  • Präferenzen mit bestimmten Eigenschaft aufweisen – z. B. wird häufig angenommen, dass ihre Präferenzen transitiv sind. Das bedeutet, dass ein Konsument, der A besser findet als B und B besser als C, auch A besser findet als C,

  • ihre Entscheidungen unabhängig von anderen Konsumenten treffen (d. h., Konsumenten sind weder neidisch noch altruistisch).

Nimmt man weitere Annahmen über die Eigenschaften der Konsumenten bzw. des Marktes hinzu, insbesondere, dass die Konsumenten über vollständige Information verfügen, d. h., die heutigen und zukünftigen Preise aller Güter und alle ihre Eigenschaften kennen, dann resultiert das Modell des „Homo oeconomicus“.

Die Annahmen darüber, was einen „vollkommenen Markt“ ausmachen, weichen von Autor zu Autor ab (Martiensen 2000, S. 49 f.). Häufig unterstellen neoklassische Analysen, dass die einzelnen Marktteilnehmer kleine Mengen anbieten und kaufen, dass sie den Marktpreis nicht beeinflussen können, dass es keine öffentlichen Güter gibt usw. Leider geben die Autoren nicht immer präzise an, von welchen Annahmen sie genau ausgehen.

Hauptvorteil des neoklassischen Ansatzes, insbesondere in seiner mathematischen Formulierung, ist die ungeheure Präzision der daraus abgeleiteten Aussagen. Neoklassische Analysen sind außerdem häufig mathematisch sehr elegant und beziehen daraus eine wissenschaftliche Anmutung.

Andererseits wurde und wird der neoklassische Ansatz auch heftig kritisiert. Insbesondere werden die neoklassischen Annahmen bezweifelt.

Erstens verhalten sich Konsumenten offensichtlich anders als in typischen neoklassischen Modellen: es ist nicht nur der Konsum von Gütern, den sie anstreben, sondern auch ideelle Werte wie das Wohl der Familie etc.; niemand kennt alle Marktpreise; Verhalten ist häufig inkonsistent (manchmal bevorzugt man salzige Speisen, manchmal süße); usw.

Zweitens unterstellen neoklassische Annahmen häufig, dass Markttransaktionen (z. B. das Handeln von Gütern) kostenlos sind; ohne diese Annahme gilt nicht mehr unbedingt, dass Märkte paretooptimal sind. Auch dies wird heftig kritisiert

„Obwohl das nicht immer ausdrücklich erwähnt wird, nimmt das neoklassische Modell unweigerlich Transaktionskosten von Null an. Auf den ersten Blick mag eine solche Vereinfachung sowohl harmlos als auch analytisch höchst nützlich aussehen. Doch dieser Schein trügt. Die Vorstellung kostenloser Transaktionen hat tief greifende Folgen für die mikroökonomische Theorie und führt zu einem Modell, das nur schwer als in sich schlüssig zu deuten ist. In der dünnen Luft einer Welt ohne Transaktionskosten können Entscheidungssubjekte annahmegemäß gewünschte Informationen augenblicklich und kostenlos erhalten und verarbeiten. Sie sind mit vollkommener Voraussicht begabt und daher in der Lage, vollständige Verträge abzufassen – Verträge, die mit absoluter Genauigkeit kontrolliert und durchgesetzt werden können. Mit anderen Worten: Das neoklassische Denken unterstellt, daß das Wirtschaftsleben in einem bemerkenswert spezialisierten Umfeld, weit entfernt von der Realität stattfindet. Abstraktion kann nützlich sein, aber es besteht guter Grund, den neoklassischen Ansatz als übermäßig abstrakt anzusehen und als ungeeignet für die Behandlung vieler Probleme, die gegenwärtig die Theoretiker und die praktischen Politiker bewegen.“ (Richter und Furubotn 2003).

Beispielsweise gibt es in einem neoklassischen Modell keinen Grund für die Entstehung größerer Unternehmen. In einem solchen Modell könnte jedes „Unternehmen“ von einem einzelnen Mitarbeiter betrieben werden, der ein einziges Gut bearbeitet, und zwar nur einen einzigen Produktionsschritt weit. Alle weiteren Produktionsschritte würden über den Markt vermittelt, der ja annahmegemäß vollkommen ist, d. h., transaktionskostenfrei arbeitet. Genau diese Annahme hat z. B. Coase heftig kritisiert und weiterentwickelt (Coase-Theorem).

Der dritte Ansatzpunkt der Kritik beruht darauf, dass neoklassische Ansätze die meisten Rahmenbedingungen der Wirtschaft als gegeben betrachten: rechtliche Regelungen, Konventionen, Berufsethos usw., also Regeln des wirtschaftlichen Verhaltens, die man zusammenfassend als „Institutionen“ bezeichnet (was vom alltäglichen Institutionenbegriff abweicht!). Typischerweise wird in neoklassischen Modellen nicht eine bestimmte historische Situation eines Wirtschaftssystems beschrieben, sondern ein mathematisches Modell gelöst.

Viertens fällt es typischen neoklassischen Modellen schwer, dynamische Prozesse zu beschreiben. Wenn nämlich Märkte, die neoklassisch zum Gleichgewicht streben, ein solches Gleichgewicht erreicht haben, hört jede Bewegung auf.

Insgesamt weicht das neoklassische Modell also erheblich von der Realität ab. Inwieweit man aus einem solchen Modell Rückschlüsse auf die Realität gewinnen kann, ist heftig umstritten.

Manche Neoklassiker argumentieren, dass der Wert eines Modells nicht in seiner Realitätsnähe, sondern ausschließlich in seiner prognostischen Kraft liege:

„Recently, M. Friedman has vigorously argued that the competitive or any other model should be tested solely by its ability to predict.“ (Arrow 1963, S. 944).

Ob allerdings die Modellaussagen zuverlässig sind oder ob sie nur zufällig einige Zeit mit der Realität übereinstimmen, lässt sich auf diese Weise nicht sagen. Auch kann man streiten, ob die Lösung eines Modells die Lösung einer realen Frage oder eben nur des Modells liefert. Lässt etwa die Lösung des oben angeführten Konsumentenmodells (U(x, y) = …) eine Aussage über reale Konsumenten zu – oder ist sie nicht vielmehr „nur“ die Umformulierung einer Hypothese? Und, falls sie eine Hypothese darstellt: wie kann man sie überprüfen?

Ein anderer Ansatz, das neoklassische Modell zu verteidigen, besteht darin, der Realität die „Schuld“ an der Abweichung zu geben. Als beispielsweise darauf hingewiesen wurde, dass sich Arbeitsmärkte nicht so verhalten, wie vom Modell vorhergesagt, wurde das von Neoklassikern auf Markteingriffe zurückgeführt; würden Gewerkschaften, Regierungen usw. den Preismechanismus richtig arbeiten lassen, dann würde auch die Realität zum „richtigen“, d. h. vor allem: paretooptimalen Ergebnis führen (Rothschild 1981, S. 23).

Insbesondere in der Medizin sind Zweifel berechtigt, ob ein neoklassisches Marktmodell die Realität ausreichend abbildet. So wird in praktisch allen europäischen Staaten der Zugang zu notwendigen medizinischen Gütern als eine Art „Menschenrecht“ gesehen. Daraus folgt, dass der Preis als Rationierungsinstrument außer Kraft gesetzt ist; damit fehlt aber der Dreh- und Angelpunkt der neoklassischen Analyse. In normalen Märkten ist es kein Problem, wenn der Konsument sich ein bestimmtes Gut nicht leisten kann; es ist sogar der Zweck des Marktes. Die medizinische Versorgung funktioniert so nicht (White 1995, S. 24).

Wirtschaft im makroökonomischen Paradigma

Der Zusammenhang zwischen Neoklassik und Makroökonomie ist deswegen schwer zu beschreiben, weil verschiedene Ökonomen ihn unterschiedlich darstellen. Für einige ist die Makroökonomie Teil der Neoklassik und mikroökonomisch fundiert; andere sehen sie im Gegensatz zur Mikroökonomie; wieder andere meinen, dass die Makroökonomie neoklassische und nicht-neoklassische Traditionen habe. Daneben gibt es weitere Formen, auch Mischformen der Darstellung.

Gemeinsam ist den meisten Definitionen der Makroökonomie, dass sie sich mit aggregierten Wirtschaftsdaten befasst, also z. B. die gesamte Nachfrage, die gesamtwirtschaftliche Produktion, die Inflation usw. untersucht. Auch werden entsprechende Datensammlungen meist dazu gezählt, also z. B. die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

Umstritten ist, ob die Makroökonomie keynesianisch ist oder nicht. Falls man dies annimmt, geht sie auf J. M. Keynes, insbesondere seine General Theory of Employment, Interest and Money (1936) zurück, die wesentliche Annahmen der Neoklassik erweitert bzw. ersetzt und daher zu anderen Schlussfolgerungen kommt. Wegen ihrer Komplexität, aber auch, weil sie je nach Autor arg widersprüchlichen dargestellt wird, muss zu den Inhalten der Makroökonomie auf die entsprechende Literatur verwiesen werden.

Die historischen und empirischen Schulen

Es gab in der Vergangenheit eine Reihe von Versuchen, die Schwächen der neoklassischen Theorie zu überwinden.

Mit dem Fehlen einer Betrachtung insbesondere der Institutionen setzten sich u. a. die historischen Schulen, z. B. die jüngere historische Schule um G. v. Schmoller (1838–1917) auseinander. Ihrer Meinung nach muss eine Analyse des Wirtschaftens auch verstehen, unter welchen Rahmenbedingungen es sich vollzieht; so wird das wirtschaftliche Geschehen z. B. davon beeinflusst, wie stark die Unternehmerverbände oder die Gewerkschaften sind, usw. Es ist erstaunlich, dass Schmoller und der bereits erwähnte Coase ähnlich argumentieren und dabei ein Bild aus der Medizin verwenden:

„Die alte Volkswirtschaftslehre mit ihrem Untergehen in Preisuntersuchungen und Circulationserscheinungen stellte den Versuch einer volkswirtschaftlichen Säftephysiologie ohne Anatomie des socialen Körpers dar. (Schmoller 1900)“

„Einzuwenden (gegen das, das die meisten Ökonomen getan haben) ist im Wesentlichen, dass die Theorie in der Luft schwebt. Es ist so, als ob man den Blutkreislauf ohne den dazugehörigen Körper erforscht. Unternehmen haben keine Substanz. Märkte bestehen ohne Gesetze.“ (Coase 1984).

Schmoller versuchte, reale Wirtschaftssysteme in ihrer historischen Gestalt zu untersuchen und daraus ökonomische Gesetze abzuleiten. Allerdings gelten seine Versuche heute als gescheitert; zwar konnte er enorm viel Material über verschiedene Wirtschaftssysteme zusammentragen, aber eine einheitliche Zusammenfassung und Auswertung misslang (Winkel 2008, S. 110). Inwieweit die derzeitige Wiederaufnahme (u. a. unter den Stichworten „Institutional Economics“ bzw. „New Economic History“) historischer Untersuchungen in den USA zu einem neuen Paradigma des wirtschaftlichen Denkens führt oder das ältere historische Paradigma wiederbelebt, ist derzeit schwer vorherzusagen.

Bei dem dritten Kritikpunkt am neoklassischen Modell, seiner Verhaltensannahme, zeichnen sich aktuell Untersuchungsrichtungen ab, die unter den Bezeichnungen „Behavioral economics“ o. ä. versuchen, zu einer realitätsnäheren Modellierung wirtschaftlichen Verhaltens zu gelangen. Solche Untersuchungen „schreien“ geradezu nach der Kombination von ökonomischem und medizinischem Wissen, d. h. medizinökonomischer, fakultätsübergreifender Kooperation. Inwieweit sie ein neues Paradigma etablieren, lässt sich momentan kaum einschätzen.

Manche neoklassischen Autoren lehnen aber eine realistische Verhaltensannahme ab, weil solche Untersuchungen nicht mehr Gegenstand der Ökonomie, sondern anderer Wissenschaften seien, z. B. der Psychologie, der Medizin usw. Diesen Autoren zufolge ist die Ökonomie auf das Modell des Homo oeconomicus festgelegt (Erlei et al. 2007).

Schließlich ist der Hinweis wichtig, dass unter „Neuer Institutionenökonomie“ manchmal auch ein ganz anderer Ansatz verstanden wird, nämlich die Anwendung typischer neoklassischer Modelle als analytisches Instrument zur Untersuchung politischer Abläufe. In diesen Fällen wird also nicht das neoklassische Paradigma verbessert, sondern sein Anwendungsfeld verbreitert (Beispiele in Erlei et al. 2007).

BWL und VWL

Quer zur Einteilung der bisher besprochenen Paradigmen verläuft die Einteilung in „Betriebswirtschaftslehre“ und „Volkswirtschaftslehre“, die in Deutschland weit verbreitet, im angelsächsischen Sprachraum aber weitgehend unbekannt ist (Woll 2007). Als Logik der Unterteilung wird häufig angegeben, dass sich die BWL mit Betrieben, die VWL mit der Volkswirtschaft insgesamt beschäftige. Dagegen spricht aber, dass erstens die (neoklassische) VWL mit der Mikroökonomie ebenfalls von einzelnen Wirtschaftssubjekten ausgeht und zweitens auch die BWL ganze Branchen untersucht, weil eine Analyse von Unternehmen ohne Branchenkenntnisse und des weiteren gesamtwirtschaftlichen Umfelds unvollständig ist.

Tatsächlich hat die Unterteilung eher historische Gründe. Während erste kameralwissenschaftliche Lehrstühle bereits im 18. Jahrhundert eingerichtet wurden und sich nationalökonomische Professuren im 19. Jahrhundert in den rechtswissenschaftlichen und philosophischen Fakultäten, später auch in eigenen Fakultäten an den Universitäten etablierten, wurde die BWL bzw. Handelslehre erst ab1898 an Hochschulen unterrichtet, und zwar zunächst an Handelshochschulen, während sich die klassischen Universitäten zurückhielten. Dabei mag eine Rolle gespielt haben, dass die BWL im Verdacht stand, eine bloße „Profitlehre“ zu sein – im Gegensatz zur VWL, die primär Ziele der allgemeinen Wohlfahrt verfolge (Burren 2010, S. 12).

In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass Vertreter der BWL völlig unterschiedlicher Meinung darüber sind, womit sich die BWL überhaupt beschäftigt. Darin entsprechen sie den Wirtschaftswissenschaften insgesamt.

Nach Wöhe – dem Autor der auflagenstärksten Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre – befasst sich die Betriebswirtschaftslehre mit der Anwendung des ökonomischen Prinzips auf Betriebe. Unter Betrieb versteht er eine „planvoll organisierte Wirtschaftseinheit, in der Produktionsfaktoren eingesetzt werden, um Güter und Dienstleistungen herzustellen und abzusetzen“; das ökonomische Prinzip „verlangt, das Verhältnis aus Produktionsergebnis (Output, Ertrag) und Produktionseinsatz (Input, Aufwand) zu optimieren“ (Wöhe und Döring 2008).

Inwieweit das ökonomische Prinzip unterstellt, dass Betriebe ihre langfristigen Gewinne maximieren, lässt Wöhe offen; seiner Ansicht nach seien öffentliche Betriebe, die andere Ziele als die Gewinnmaximierung verfolgen, ebenso wie private Unternehmen Gegenstand der BWL, würden aber in eine spezielle „Betriebswirtschaftslehre für öffentliche Unternehmen“ verlagert. Die Frage ist für weite Bereiche der Medizin besonders relevant, z. B. für Krankenhäuser in öffentlicher und freigemeinnütziger Trägerschaft.

Andere Autoren haben dieses Verständnis von BWL heftig attackiert. So wirft D. Schneider die Frage auf, ob eine Wissenschaft funktioniert, wenn sie überhaupt alle menschlichen Tätigkeiten einschließt, also eine Wissenschaft „von allem“ ist.

„Die Umschreibung des „gestaltenden“ Wirtschaftens als „Verfügen über knappe Mittel zur Bedürfnisbefriedigung“ schließt kaum menschliche Tätigkeiten aus, soweit sie bewußt erfolgen: Daß die stillende Mutter über knappe Mittel zum Zwecke der Bedürfnisbefriedigung disponiert, ist ebensowenig zu bestreiten wie die Tatsache, daß Musizieren und Wettlaufen, Beten und Morden Bedürfnisse befriedigen. Sie verlangen, wenn sie absichtlich (ziel-bewußt) erfolgen, das Verfügen über knappe Mittel. Aus dem Dilemma, daß auf diese Weise alle zielbewußten menschlichen Tätigkeiten zum Wirtschaften gehören und damit Gegenstand der Wirtschaftstheorie wären, kommt man nur heraus durch Einschränkungen auf „wirtschaftlich“ knappe Mittel und Bedürfnisse, und damit stehen wir wieder am Anfang: Was heißt „Wirtschaften“?“ (so z. B. Schneider 1987).

Auch hält er es für verfehlt, Betriebe unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen:

„Wird „Betrieb“ im üblichen Sinne als „Wirtschaftseinheit, die der Erstellung von Gütern und Diensten dient“, bezeichnet, sind damit alle bewußten Arbeiten in Automobilfabriken wie in Pfarrämtern eingeschlossen, weil stets Bedürfnisse befriedigt und knappe Mittel eingesetzt werden. Selbst wenn „Betrieb“ auf eine empirisch genau eingegrenzte Einrichtung beschränkt wird, z. B. auf einen Automobilkonzern, bleibt das Karosseriepressen und Kaffeekochen dann ebenso Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre wie jene Handlung, mit der bei der Inventur der Lagerverwalter die Buchhalterin schwängert.“

Schneider lehnt es wegen der Zirkularität außerdem ab, Ökonomie als das zu definieren, was Ökonomen tun; als Ausweg bietet er an, Wirtschaften als Erzeugung von Einkommenssicherheit zu verstehen – eine Definition, die sich nicht allgemein durchsetzen konnte.

Der Streit, ob die Betriebswirtschaftslehre eine anwendungsorientierte Kunstlehre oder eine reine theoretische Wissenschaft ist, ist ebenfalls 100 Jahre alt und bis heute nicht entschieden (Kornmeier 2007, s. u.). Wahrscheinlich mischen sich in diesem Streit auf komplexe Weise historische Gründe (z. B. die Entstehung von profitorientierten Großunternehmen ab ca. 1800, die eine Wirtschaftslehre erforderten), wissenschaftstheoretische Gründe (z. B. die Logik des wissenschaftlichen Arbeitens), wissenschaftspolitische Themen (z. B. zur Etablierung einer „Profitlehre“) u. a.

Noch umstrittener als der Gegenstand der BWL ist ihre Vorgehensweise, d. h., wie sie ihren Gegenstand untersucht. Bereits 1993 wurden in der BWL folgende Ansätze unterscheiden:
  • Der produktivitätsorientierte Ansatz,

  • der entscheidungsorientierte Ansatz,

  • der systemorientierte Ansatz,

  • der koalitionstheoretische Ansatz,

  • der arbeitsorientierte Ansatz,

  • der verhaltenswissenschaftliche Ansatz,

  • der normativ-ethische Ansatz,

  • der politisch-administrative Ansatz,

  • der EDV -orientierte Ansatz,

  • der „Unsichtbare Hand“-Ansatz,

  • der handlungstheoretische Ansatz.

Diese Ansätze, die jeder für sich Sinn machen – da ja z. B. Unternehmensführung auf Entscheidungen beruht -, wurden meist im Gegensatz zueinander vertreten (Albach 2002). Auffällig ist, dass eine „Managementtheorie“ in der Liste fehlt.

3.3 Die „Wissenschaft“ in den Wirtschaftswissenschaften

Unter „Wissenschaft“ kann man eine Tätigkeit, ein Ergebnis dieser Tätigkeit und eine Institution verstehen (Kornmeier 2007, S. 5).

Die Institution Wirtschaftswissenschaft lässt sich anhand ihrer Bestandteile leicht greifen: sie umfasst die Hochschulen, Forschungseinrichtungen usw., die sich mit wirtschaftlichen, ökonomischen usw. Fragen befassen.

Wirtschaftswissenschaft als systematisches Gewinnen von Erkenntnissen bzw. als Ergebnis dieser Tätigkeit ist inhaltlich schwerer zu präziseren. Schon der Untersuchungsgegenstand ist, wie gesehen, schwer zu definieren. Auch die Zielsetzung der Wirtschaftswissenschaften schwankt je nachdem, in welchem Paradigma man sich bewegt.

Eine abschließende Darstellung würde eine umfassende Diskussion des Wissenschaftsbegriffs voraussetzen, die hier nicht möglich ist; stattdessen muss auf die wissenschaftstheoretische Literatur verwiesen werden. Es sollen aber einige wichtige Fragen skizziert werden.

Zunächst ist umstritten, ob es überhaupt wissenschaftlichen Fortschritt in der Ökonomie gibt; die Gegenthese lautet, dass ökonomische Erkenntnisse keinen Wahrheitswert haben (Helmstädter 2002).

Falls es Fortschritt gibt, so ist unklar, ob er kumulativer, substitutiver oder zirkulärer Natur ist – d. h., ob in der Ökonomie immer weiteres Wissen angehäuft wird, ob neues Wissen altes ersetzt, oder ob ehemals altes Wissen als neues wieder auftaucht (Helmstädter 2002).

Umstritten ist weiterhin, ob die Wirtschaftswissenschaft nur deskriptive oder auch normative Aussagen lehren kann. Max Weber z. B. schreibt über Sozialwissenschaften (zu der nach seiner Einschätzung die Wirtschaftswissenschaften gehörten):

„Eine empirische Wissenschaft vermag niemanden zu lehren, was er soll, sondern nur was er kann und – unter Umständen – was er will.“ (Weber 1991, S. 27).

G. v. Schmoller hingegen vertrat z. B. auch als Wissenschaftler sozialpolitische Forderungen (Winkel 2008, S. 110).

Ein ähnlicher Streit betrifft die Frage, ob die Wirtschaftswissenschaften anwendungsorientiert oder rein theoretisch arbeiten. Soweit es die BWL betrifft, wurde er in den 1920er-Jahre z. B. von Schmalenbach und Rieger geführt, in den 1950er-Jahren von Mellerowicz und Gutenberg (Kornmeier 2007, S. 23).

Im Jahr 2009 lebte die Debatte beim „Kölner Ökonomenstreit“ wieder auf – in diesem Fall auf die VWL bezogen:

„‚Wir sind als Universität in erster Linie der Wissenschaft verpflichtet‘, betonte der Kölner Ökonomie-Professor Axel Ockenfels Ende vergangener Woche vor rund 400 Studenten auf einer Podiumsdiskussion der Uni. Es sei ihre Aufgabe, erstklassige Wissenschaftler zu berufen und nicht in erster Linie wirtschaftspolitische Berater, sagte Ockenfels und fügte hinzu: ‚Es kann nicht sein, dass Leute, die mit Forschung schon lange nichts mehr zu tun haben, uns sagen wollen, wer als Professor infrage kommt und wer nicht.‘ (…)

Um die Personalpolitik der Kölner Volkswirte tobt seit Monaten ein heftiger öffentlicher Streit, der eine bundesweite Debatte über die richtige Ausrichtung der VWL ausgelöst hat. Im Kern geht es darum, ob sich das Fach zu sehr vom wirklichen Leben entfernt hat und zu viel Wert auf Theorie und mathematische Methoden legt. In zwei gegensätzlichen öffentlichen Aufrufen haben sich mehr als 270 Ökonomie-Professoren in die Diskussion eingeschaltet: 83 teilen die Kritik, 188 stärken der Fakultät dagegen den Rücken. (…)

Zu den heftigsten Gegnern der Neuausrichtung gehören die emeritierten Kölner Wirtschaftspolitik-Professoren Hans Willgerodt (85) und Christian Watrin (78), aber auch einflussreiche Vertreter aus Unternehmen und Verbänden. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zeige, wie problematisch die rein mathematische Betrachtung ganzer Volkswirtschaften sei, sagte Werner Görg, Vizepräsident der Kölner IHK und Vorstandschef der Gothaer Versicherung, am Freitag auf einer Podiumsdiskussion der Kölner IHK zu dem Thema. Die Welt sei zu komplex, als dass sie sich in formalen Modellen abbilden und analysieren lasse. Nötig sei daher eine ‚Rückbesinnung auf die ordnungspolitische Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre“ – auch und gerade an der Uni Köln.“ (Storbeck 2009).

Wahrscheinlich lässt sich die Frage der Wissenschaftlichkeit für die „Wirtschaftswissenschaften“ insgesamt nicht beantworten, sondern nur jeweils für jedes der oben skizzierten Paradigmen.

3.4 Die Medizinökonomie

Im Folgenden werden die Begriffe „Medizinökonomie“ und „Gesundheitsökonomie“ synonym verwendet, nämlich zur Beschreibung der ökonomischen Analyse der medizinischen Behandlung.

Genauso wenig, wie es „die“ Ökonomie gibt, existiert „die“ Medizinökonomie bzw. „die“ Gesundheitsökonomie. Insofern muss man entlang der medizinökonomischen Paradigmen unterscheiden, also die neoklassische Medizinökonomie, das Medizinmanagement, usw. je für sich betrachten.

Der Beginn der „Gesundheitsökonomie“ im neoklassischen Paradigma wird meist mit K. Arrows Artikel über die Wohlfahrtsökonomie der medizinischen Versorgung angesetzt (Arrow 1963). In diesem Artikel untersucht Arrow, inwiefern sich die Erzeugung medizinischer Güter vom Modell der vollkommenen Konkurrenz unterscheidet. Interessanterweise handelt es sich also im Kern um eine institutionenökonomische Analyse.

Ansonsten besteht wenig Einigkeit, welche weiteren Untersuchungen die Medizinökonomie begründet oder wesentlich vorangebracht haben. Connelly nennt z. B. folgende:

„Earlier activity on medical markets exists, including the publication by Kessel (1958) of a paper on price discrimination in medicine and a 1951 meeting of the American Economic Association on the „Economics of Medical Care“ (Leidl 1988). Fuchs (1996) also traces the early development of health economics to two further threads of economic activity. One of these was Martin Feldstein’s „…pioneering in the application of quantitative methods such as 2-stage least squares, principal component analysis, and linear programming to the estimation of production functions and other important economic aspects of medical care“ (Fuchs 1996, S. 1). The other was the activity at the National Bureau of Economic Research (NBER) in the 1960s and early 1970s, including an NBER Conference on Investment in Human Beings (1962), Mushkin’s (1962) paper on „Health as an Investment“, Becker’s (1964) seminal work on human capital (also see Becker (1965)) and Grossman’s (1972) application and extension of Becker’s (1965) model to health.

Phelps (1995, S. 335), by contrast, has argued that Arrow’s path-breaking start in 1963 was followed by a lacklustre chapter in health economics:

‚Despite Arrow’s rather bold beginning, most early practitioners of health economics began their studies by toiling in the traditional vineyards of economic analysis, using traditional tools and analytical approaches. Actually, very little research of permanence took place during the remainder of the 1960s, so we did not begin to see studies until the early 1970s that had much effect beyond their immediate day.‘

For Phelps (1996), the next milestone in the development of the discipline was Grossman’s 1972 paper.“ (Connelly 2005).

Seit Arrows Artikel sind nicht nur diverse Artikel, sondern auch Monografien zum Thema erschienen, deren Inhalte und Theoriebildungen durchaus nicht einheitlich sind und für deren relative Bedeutung bisher kein Messverfahren existiert. Auch erscheint eine Reihe gesundheitsökonomischer Journals.5 In jeder größeren Volkswirtschaft gibt es eine oder mehrere wissenschaftliche Gesellschaften für Gesundheitsökonomie; in Deutschland sind dies die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie e. V. (2008 gegründet), der Bundesverband Managed Care e. V. (1997 gegründet), die Deutsche Gesellschaft für Public Health (1997 gegründet) u. a.. Insgesamt ist es derzeit nicht möglich, ein strukturiertes Bild der bisherigen neoklassischen internationalen Medizinökonomie zu zeichnen; eine zusammenfassende Darstellung ihrer historischen Entwicklung steht aus.

„Medizinmanagement“ – also die Untersuchung medizinischer Vorgänge unter dem Gesichtspunkt ökonomisch richtigen Handelns – hat eine sehr lange Geschichte, die spätestens in der Antike beginnt. So gibt es nicht nur im hippokratischen Eid Bestandteile, die man heute zum „Personalmanagement“ rechnen würde:

„Ich werde den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleich meinen Eltern achten, ihn an meinem Unterhalt teilnehmen lassen, ihm, wenn er in Not gerät, von dem Meinigen abgeben, seine Nachkommen gleich meinen Brüdern halten und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen ohne Entgelt und Vertrag. Und ich werde an Vorschriften, Vorlesungen und aller übrigen Unterweisung meine Söhne und die meines Lehrers und die vertraglich verpflichteter und nach der ärztlichen Sitte vereidigten Schüler teilnehmen lassen, sonst aber niemanden.“ (zit. n. Diller 1994, S. 8).

Weiters wird in den hippokratischen Schriften die Höhe des Honorars je nach Patient, Behandlung usw. diskutiert (Golder 2007, S. 182 f.).

In den letzten Jahren erschien eine nicht mehr überschaubare Anzahl an Veröffentlichungen zu allen denkbaren „Management“-Themen in der Medizin; auch kaufmännische Techniken wurden für Mediziner aufbereitet, z. B. „Controlling für Mediziner“ usw.

Auch im Paradigma der Ökonomie im Rahmen einer Staatsverfassung taucht die Medizin auf, z. B. bei den Kameralisten (Backhaus o. J.., S. 77 ff.).

Überwiegend institutionenökonomisch ist die Darstellung im ältesten deutschen Lehrbuch, das den Namen „Gesundheitsökonomik“ trug (Herder-Dorneich 1980); es beschäftigte sich v. a. mit ordnungspolitischen Fragen: wie müsste ein Gesundheitssystem aussehen, das bestimmte Zielvorgaben erreicht?

Zum Thema der ökonomischen Gerechtigkeit in der Medizin, das häufig unter dem Stichwort „Ethik in der Medizin“ behandelt wird, sei hier auf entsprechende Übersichtsdarstellungen verwiesen (Wiesing 2008).

Die Vielgestaltigkeit der Medizinökonomie drückt sich auch in den aktuellen Lehrbüchern aus: während einige von typisch neoklassischen Modellierungen ausgehen (Breyer et al. 2005), beschreiben andere den tatsächlichen Zustand eines real existierenden Gesundheitssystems (Hajen 2010).

Eine Besonderheit der Medizinökonomie ist das Thema der Evaluation, insbesondere der Kosten-Nutzen-Betrachtung von Behandlungen, Medikamenten usw. Grund für diese Besonderheit ist, dass der Preismechanismus in der Medizin regelmäßig außer Kraft gesetzt ist. Daher muss auf eine andere Weise rationiert werden, nämlich i. W. durch politische Willensbildung, und dafür benötigen die Entscheider Kosten-Nutzen-Analysen, auf deren Basis sie beurteilen können, welche Behandlungen finanziert werden.

Sehr spezifisch für die Medizinökonomie – im Vergleich zu anderen Zweigen der Wirtschaftswissenschaften – ist außerdem die Bedeutung einzelner Krankheiten. Offensichtlich ist die wirksame Behandlung eines akuten Herzinfarkts ökonomisch anders zu beurteilen als eine Kur (z. B. im Hinblick auf die Rationierung, die Bedeutung der Qualitätsmessung usw.). In vielen medizinökonomischen Fragestellungen ist eine Analyse sinnlos, wenn sie nicht krankheitsspezifisch ist.

Last not least stehen zwar die Patienten im Zentrum der Analyse, tauchen aber in medizinökonomischen Untersuchungen häufig nicht auf; parallel dazu ist auch der Einfluss von Patientenorganisationen auf das Gesundheitssystem begrenzt.

3.5 Der Nutzen der Wirtschaftswissenschaften für die Medizin

Aus der Tatsache, dass die Wirtschaftswissenschaften unscharf definiert, in sich z. T. widersprüchlich und von unterschiedlicher diagnostischer, prognostischer und therapeutischer Kraft sind, kann man nicht schließen, dass ihre Anwendung auf die Medizin nutzlos wäre. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Behandlung von Patienten spielt sich nicht im luftleeren Raum ab, sondern im Rahmen von Organisationen und ihren Prozessen. Letztere beeinflussen die Qualität der Behandlung. Patienten können im Extremfall durchaus an schlechter Organisation sterben; so z. B. im bekannten Fall eines Patienten, dem der falsche Lungenflügel entfernt wurde, weil der mit Arbeit überlastete operierende Arzt dem (versehentlich falschen) OP-Plan vertraute, statt die Patientenakte zu lesen (z. B. Hackenbroich 2002, S. 166 ff.).

Natürlich kann man in diesem Beispiel argumentieren, dass Fehler vermeidbar wären, wenn es mehr Personal gäbe – was ebenfalls eine ökonomische Frage darstellt.

Und die Frage, welche Behandlungen von der Gesellschaft finanziert werden und welche nicht, wirkt ebenfalls unmittelbar auf die Behandlung der jeweils betroffenen Patienten.

Ein weiteres Beispiel: man kann aus einer Institutionenanalyse sofort erkennen, dass das Außerkraftsetzen des Preismechanismus eine Reihe von volkswirtschaftlichen Effekten hat, die sonst schwer zu erklären sind: große Teile des Gesundheitswesens werden ebenso zentral verwaltet wie früher die Wirtschaftssysteme des Ostblocks.

Bis vor wenigen Jahren lernten Ärzte über die Ökonomie der Medizin ausschließlich durch Beobachtung im Alltag. Eine strukturierte Analyse dieser Themen fand hingegen weder im Studium noch während der Ausübung des Arztberufes statt. Medizinische Lehrbücher schweigen sich bis heute über das Thema aus. Dadurch sind Ärzte kaum in der Lage, an der gesundheitsökonomischen Diskussion teilzunehmen; auch können sie keine wirtschaftlichen Techniken einsetzen. Hier besteht dringender Änderungsbedarf, wenn man nicht möchte, dass die medizinische Versorgung ohne ärztliches Wissen umgestaltet wird bzw. dass medizinische Einrichtungen an den Ärzten vorbei gesteuert werden.

Seit 2003 erhalten Medizinstudenten 1,5 Stunden Unterricht in Gesundheitsökonomie (Zeitstunden, nicht Semesterwochenstunden). Das ist zwar angesichts der Bedeutung des Themas lächerlich wenig, aber besser als nichts: zumindest erfahren die Studenten, dass es überhaupt dieses Thema gibt. Etwas mehr Medizinökonomie im Studium würde sicher sehr viel Nutzen stiften. Das gilt auch umgekehrt: viele Ökonomen, die sich mit medizinischer Versorgung befassen, sind über medizinische Themen wenig orientiert.

Fußnoten

  1. 1.

    Schefold z. B. unterscheidet positivistische, relativistische und politische Theorien (Schefold 2009, S. 9 ff.).

  2. 2.

    Genau genommen tut dies der Sokrates, der von Platon geschildert wird – da Sokrates selbst keine eigenen Schriften hinterlassen hat, lässt sich heute kaum noch rekonstruieren, wie sich der historisch echte Sokrates zu den Schilderungen Platons, Xenophons und Aristophanes‘ verhält.

  3. 3.

    So wird z. B. Platons Darstellung als Beleg dafür verwendet, dass es vor der sozialen eine persönliche Gerechtigkeit gebe (Merz 2008).

  4. 4.

    Eine Übersetzung bieten Audring und Brodersen 2008, S. 116 ff.

  5. 5.

    So im „Handelsblatt-Ranking“: http://www.handelsblatt.com/_t=dgtool,id=15,obj=1;singleclip. Zugegriffen am 22.11.2010, 12:00 Uhr.

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