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Pflege und Pflegemanagement

  • Birgitt KillersreiterEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Wirtschaft book series (SRW)

Zusammenfassung

Neue Organisationsstrukturen und Finanzierungssysteme in Gesundheitseinrichtungen und die fortlaufenden Änderungen in der Gesundheitsgesetzgebung fordern ein flexibles Personalmanagement und eine ausgewogene professionelle Patientenversorgung. Die größte Herausforderung für das Pflegemanagement ist der Personalmangel bei weiterer Verdichtung der Arbeitsintensität innerhalb der Patientenversorgung. Deshalb sind die kommenden Umstrukturierungen in der Pflegeausbildung und ein neues Personalfinanzierungssystem von besonderer Bedeutung.

Schlüsselwörter

Pflegeverständnis Pflegebedürftigkeit Pflegepersonal Expertenstandards Pflegesysteme Entlassungsmanagement Personalbedarf Ambulante Pflege Pflegeversicherung 

1 Pflege und Pflegequalität

Das Pflegeverständnis unterliegt einem ständigen Wandel. Neben der individuellen Lebenseinstellung der verschiedenen Generationen von Pflegenden, sind veränderte Strukturen und Finanzierungen in Gesundheitseinrichtungen und die Entwürfe und Änderungen der Gesetzgebung maßgeblich daran beteiligt. So wurden das erste, zweite und dritte sogenannte Pflegestärkungsgesetz (2014 bis 2016), das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe (2017), die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Pflegeberufe (2018), und die Personaluntergrenzenverordnung (2018) beschlossen (Bundesgesundheitsministerium 2018).

Die Schweizer Krankenschwester und Ordensschwester Juliane Juchli hat 1994 die Entwicklung der „Pflegekunde“ weg von einem kirchlich-religiös geprägten Berufsverständnis folgendermaßen beschrieben (siehe Tab. 1) (Juchli 1994, S. 15).
Tab. 1

Historische Entwicklung der Pflegeperspektiven

Pflegekunst

bis in die 1950er-Jahre

intuitive, unreflektiert-individuelle Pflege, wenig Eigenbewusstsein, Motivation ist Nächstenliebe, das Helfen

Pflegetechnik

1960er und 1970er-Jahre

Entwicklung von Techniken, Vereinheitlichung von Pflegeabläufen und Methoden, Arzt – und Medizinorientierung, Aufwertung der Behandlungspflege auf Kosten der Grundpflege

Pflegekunde

nach 1980

Bewusstsein zur Eigenständigkeit, Ganzheitlichkeit, Interdisziplinarität, Einführung von Pflegeforschung, Pflegetheorien, Professionalisierung der Pflege hin zu einem akademischen Beruf

Quelle: Eigene Darstellung nach Juliane Juchli

In Anlehnung an die Ottawa-Carta zur Gesundheitsförderung der WHO von 1986 wurde 1988 eine europäische Pflegekonferenz in Wien durchgeführt. Diese führte zur „Wiener Erklärung über das Pflegewesen im Rahmen der europäischen Strategie Gesundheit für alle“ (World Health Organization Europe 1988). Demzufolge sollen möglichst viele Berufsgruppen an Maßnahmen und Aktivitäten an der Erhaltung und Förderung der Gesundheit beteiligt sein. Es ist ein Anliegen der Pflegenden, dass unterschiedliche Gesundheitsniveaus in den europäischen Mitgliedsstaaten überwunden werden müssen. Die Rolle der Ausbildung und Pflege muss überdacht und weiterentwickelt werden. Pflegende sollen dabei in der Planung und Leitung der Gesundheitsdienste dazu beitragen, dass Einzelpersonen, Familien und Gemeinwesen selbstständig die Verantwortung für ihre Gesundheit wahrnehmen können. In der primären Gesundheitsversorgung soll die Pflegepraxis vermehrt ihren Schwerpunkt im Gemeindegesundheitswesen legen und auch die sozialen Aspekte der Gesundheitsbedürfnisse berücksichtigen. Alle diesbezüglichen Maßnahmen werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Der Deutsche Berufsverband für Krankenpflege (DBfK) definiert Pflege folgendermaßen:

„Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.“ (DBfK 2018a)

Pflege obliegen neben der pflegerischen Grundversorgung weitere vielfältige Aufgaben mit dem Schwerpunkt Prävention und Gesundheitserziehung. Pflege ist nach diesem Verständnis eine eigenständige Profession, die im Rahmen der Klientenversorgung mit den verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen in den verschiedenen Settings zusammenarbeitet. Ziel der Pflege ist es, eine ganzheitliche Versorgung der Klienten sicherzustellen, und einen bestmöglichen Gesundheitszustand zu erzielen.

Ökonomisch gesehen sind Gesundheitsleistungen sowohl materielle (Sachgüter wie Arzneimittel und Medizinprodukte), als auch immaterielle Güter wie Dienstleistungen (Arztbesuche, Pflegeleistungen). Dienstleistungen unterliegen wie alle anderen Leistungen im Gesundheitswesen auch einer Qualitätskontrolle. Damit stellt sich die Frage, wie Pflegequalität in Verbindung mit ihren Kernaufgaben zu definieren ist. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, sich zunächst dem Qualitätsbegriff anzunähern. Nach Hensen gibt es eine Vielfalt von Qualitätsbegriffen, die sich an die jeweiligen Anforderungen orientieren.
  • Der absolute Qualitätsbegriff (Transcendent Quality) orientiert sich an der Funktionsweise eines Produktes oder einer Dienstleistung.

  • Der telelogische Qualitätsbegriff (Teleological Quality) beinhaltet, inwieweit ein Produkt oder eine Dienstleistung ihren Zweck erfüllt (z. B. Heilerfolg).

  • Der produktorientierte Qualitätsbegriff (Product-based Quality) beschäftigt sich den Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung selbst.

  • Der herstellungsorientierte Qualitätsbegriff (Manufacturing-based, Personell-based Quality) stellt die Art und Weise, wie ein Produkt hergestellt oder eine Dienstleistung erbracht wird, in Vordergrund.

  • Der kundenorientierte Qualitätsbegriff (User-based Quality) fokussiert die Wahrnehmung der Erfüllung der gestellten Kundenanforderungen.

  • Der wertorientierte Qualitätsbegriff (Value-based Quality) betrachtet den gewonnenen Nutzen im Verhältnis zum Aufwand (Hensen 2016, S. 15).

Nach Blonski wird Pflegequalität wiederum z. B. definiert als „Ausmaß, in dem tatsächliche Pflege mit festgelegten Kriterien für „gute Pflege“ übereinstimmt“5 oder als „Grad der Übereinstimmung zwischen den Zielen des Gesundheitswesens und der wirklich geleisteten Pflege und Qualität der Krankenpflege ist die Übereinstimmung zwischen der wirklich geleisteten Pflege und dem zuvor dafür formulierten Standard und Kriterien“ (Blonski 2009, S. 8).

Qualität in der Pflege ist in Verbindung mit den Kernaufgaben ein Konstrukt und das Ergebnis des Zusammenspiels zwischen verschiedenen Komponenten, die an der Dienstleistungserbringung beteiligt sind, um ein möglichst hohes Outcome zu erzielen. Hierzu zählen sowohl subjektive und objektive Kriterien aus der Perspektive der Leistungsempfänger und der Leistungserbringer, als auch personelle, pflegefachliche, strukturelle, organisatorische, kommunikative und kontextuelle Aspekte (Definition nach Tegtmeier 2014).

Im Zuge des zunehmenden Interesses der Öffentlichkeit an der Pflege und den Ansprüchen von Seiten der Patienten müssen sich Pflegende den Qualitätsanforderungen stellen. Sie sind in der Verantwortung Strukturen (z. B. Personal, Aus- und Weiterbildung), Prozesse (Durchführung von Pflege, Beratung und Unterstützung) und Ergebnisse (Pflegeergebnis, Outcome) zu reflektieren und ggf. zu optimieren. Eine qualitätsorientierte Pflege ist durch Expertenstandards gewährleistet. Expertenstandards werden vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt. Damit in einer Organisation kontinuierlich an der Qualitätssicherung gearbeitet wird, muss eine lösungsorientierte Fehlerkultur als Unternehmenskultur vorherrschen. Konflikte, Fehler, Probleme, Kritik sollten konstruktiv behandelt und bearbeitet werden. In einer hierarchisch strukturierten Einrichtung wie Krankenhäusern und Pflegeheimen stellt dieses Konzept die größte Herausforderung dar. Habermann konnte in einem von 2007 bis 2009 durchgeführten Forschungsprojekt zum Thema Pflegefehler, Fehlerkultur und Fehlermanagement, 1100 von Pflegekräften ausgefüllten Fragebögen auswerten. 77,6 % schätzten ein, dass der Pflegefehler vermeidbar gewesen wäre, 42,5 % waren persönlich sehr betroffen darüber. Fast 80 % besprechen den Fehler mit der Kollegin. Diejenigen, die den Fehler nicht ansprechen tun dies nicht, weil sie Konflikte und Benachteiligungen befürchten (Habermann und Cramer 2010, S. 22, 28).

2 Pflege in Deutschland heute

Pflege ist ein außerordentlich personalintensiver Berufszweig. Im Jahre 2016 arbeiteten laut statistischem Bundesamt 1.062.000 Gesundheits- und Krankenpfleger*innen, Hebammen, Geburtshelfer und Rettungssanitäter im deutschen Gesundheitswesen. Eine große Herausforderung in Organisation und Planung stellt die auffallend hohe Zahl der Teilzeitbeschäftigten im Gesundheitswesen dar. 564.000 Gesundheits- und Krankenpfleger*innen, Hebammen, Geburtshelfer und Rettungssanitäter sind in teilzeit- oder geringfügig beschäftigt. Von den 594.000 Altenpfleger*innen im Jahr 2016 arbeiten 365.000 in Teilzeit oder sind geringfügig beschäftigt.

Entsprechend hoch ist auch der Frauenanteil des Gesundheitspersonals mit insgesamt 76 % (Statistisches Bundesamt 2018). Ein Grund für die Zunahme der teilzeitarbeitenden Pflegepersonen ist die zunehmende Belastung im Beruf durch Personalmangel und Arbeitsdichte.

Die Zahl der Pflegeheime erhöhte sich kontinuierlich von 11.029 in 2007 auf 13.596 in 2015. Davon waren 11.164 Pflegeheime mit vollstationärer Dauerpflege. Ambulante Pflegedienste stiegen von 11.529 in 2007 auf 13.323 in 2015 (Statistisches Bundesamt 2018).

2018 waren über 2,8 Millionen Bundesbürger in Deutschland pflegebedürftig. In Abb. 1 wird der kontinuierliche Anstieg der Anzahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland von 1999 bis 2015 deutlich.
Abb. 1

Entwicklung der Pflegebedürftigen in Deutschland. (Quelle: www.gbe-bund.de, eigene Darstellung)

Wurden 2007 noch 22,6 Milliarden Euro für die stationäre/teilstationäre Pflege ausgegeben, waren es 2016 bereits über 30,8 Milliarden Euro. In der ambulanten Pflege stiegen die Ausgaben von 8,8 Milliarden Euro in 2007 auf 18 Milliarden Euro in 2016 (Gesundheitsbericht des Bundes 2018).

Auf Grund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen weiter zunehmen. Immer mehr pflegerische Leistungen müssen bei geringerer Verweildauer im Krankenhaus für mehr Patienten erbracht werden. Dabei erfordern vermehrt chronische Erkrankungen (z. B. Krebserkrankungen, Demenz) zusätzliches Personal, eine gut ausgebaute Gesundheits-Infrastruktur und finanzielle Mittel.

Die Gesamtzahl der Leistungsbezieher der sozialen Pflegeversicherung betrug in 2017 3.301.999 (2.522.066 ambulant, 779.933 stationär) (Bundesministerium für Gesundheit 2018b).

In der neuen Fassung des Sozialgesetzbuches (§ 14 SGB XI) von 2017 wird Pflegebedürftigkeit nun folgendermaßen definiert:

(1) Pflegebedürftig im Sinne des Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

Die körperlichen, kognitiven und psychischen Belastungen sowie die gesundheitlich bedingten Belastungen wurden nun in der neuen Fassung im Sinne von Pflegediagnosen ausführlicher beschrieben. Die detaillierten Beschreibungen sollen dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen bei ihrer Einschätzung der Pflegegrade (früher Pflegestufen) Orientierung bieten. Die Aspekte der Kommunikation, sozialen Teilhabe, allgemeinen Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung von Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz werden nun berücksichtigt und Menschen, die an einer Demenz leiden mit einbezogen. Differenziert werden vom Gesetzgeber pflegefachliche Kriterien in den vorgegebenen sechs Bereichen formuliert:

(2) Maßgeblich für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten sind die in den folgenden sechs Bereichen genannten pflegefachlich begründeten Kriterien:
  1. 1.

    Mobilität: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen;

     
  2. 2.

    kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch;

     
  3. 3.

    Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen;

     
  4. 4.

    Selbstversorgung: Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung parenteral oder über Sonde, Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme bei Kindern bis zu 18 Monaten, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf auslösen;

     
  5. 5.
    Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen:
    1. a)

      in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel,

       
    2. b)

      in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung,

       
    3. c)

      in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern sowie

       
    4. d)

      in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften;

       
     
  6. 6.

    Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, Sichbeschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds.

     
Die Begutachtung erfolgt in sechs Modulen passend zu den in § 14 Absatz 2 aufgelisteten Kategorien Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen und die Gestaltung des Alltaglebens und sozialer Kontakte. Den Kategorien werden pflegefachlich fundierte Einzelpunkte zugeordnet, gewichtet und aus der Summe der Punkte die Schweregrade eingestuft. Insgesamt gibt es 5 Schweregrade:
  • 0: keine Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • 1: geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • 2: erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • 3: schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • 4: schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Mit Einführung der Pflegegrade konnte die Einteilung der Pflegebedürftigkeit in der ambulanten und stationären Pflege differenzierter erfolgen (siehe Tab. 2 und 3). Der überwiegende Teil der begutachteten Pflegefälle wird in der ambulanten Pflege dem Pflegegrad II und in der stationären Pflege dem Pflegegrad III zugeordnet.
Tab. 2

Einteilung der ambulanten Pflegebedürftigkeit von Pflegestufen in Pflegegraden

ambulant

31.12.16

 

ambulant

21.12.17

 
 

absolut

in %

 

absolut

in %

Pflegestufe I

1.274.300

64,5

Pflegegrad I

163.031

6,5

Pflegestufe II

546.027

27,7

Pflegegrad II

1.269.170

50,3

Pflegestufe III

153.870

7,8

Pflegegrad III

695.620

27,6

Härtefälle

3204

2,1

Pflegegrad IV

285.356

11,3

   

Pflegegrad V

108.889

4,3

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit 2018b, eigene Darstellung

Tab. 3

Einteilung der stationären Pflegebedürftigkeit von Pflegestufen in Pflegegraden

stationär

31.12.16

 

stationär

21.12.17

 
 

absolut

in %

 

absolut

in %

Pflegestufe I

338.720

43,7

Pflegegrad I

4125

0,5

Pflegestufe II

290.064

37,4

Pflegegrad II

186.850

23,9

Pflegestufe III

146.220

18,9

Pflegegrad III

240.933

31

Härtefälle

7482

5,1

Pflegegrad IV

224.160

28,7

   

Pflegegrad V

123.865

15,9

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit 2018b, eigene Darstellung

Die verbesserte medizinische und pflegerische Versorgung führt dazu, dass Menschen immer älter werden und zunehmend an verschiedenen chronischen Erkrankungen leiden. Sie leben nicht mehr in Großfamilien sondern vermehrt in Singlehaushalten. Soziale Kontakte sind nur noch eingeschränkt vorhanden. Ein Großteil der pflegebedürftigen Menschen wird ambulant versorgt. Ziel ist es, die Betroffenen so lange wie möglich in der ihnen vertrauten Umgebung zu belassen, und sie aktivierend in den täglichen Aktivtäten zu unterstützen. Menschen mit Demenz müssen eine gesonderte Betreuung erfahren, die viel Einfühlungsvermögen und Professionalität notwendig macht. Die räumliche Ausstattung (Zimmer, Einrichtung, Außenanlagen) sollte sich an den Bedürfnissen der an Demenz erkrankten Personen orientieren. Daraus ergibt sich nicht nur ein enormer Bedarf an Pflegefachkräften, sondern auch an Heimplätzen und alternativen Wohnformen. Damit wird die Diskussion um die Pflegefachkraftquote immer wichtiger. Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz sind die Länder aufgefordert eine einheitliche Bemessung des Personalbedarfs einzuführen.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe – (DBfK) Bundesverband e.V. fordert die geltende Pflegefachkraftquote von 50 % in der stationären Altenpflege zu erhalten und sowohl die Pflegequalität, als auch die Belastung der Pflegefachpersonen zu evaluieren. Eine Absenkung der Pflegefachkraftquote geht mit einer Beeinträchtigung der Versorgungsqualität einher.

Deshalb ist eine Reform der Personalbemessungsinstrumente, die Erhöhung und Schaffung von Pflegestellen in der Langzeitpflege und eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung unumgänglich. Ziel muss es sein, durch attraktive Arbeitsplätze und angemessene Vergütung Pflegefachpersonen so lange wie möglich im Beruf zu halten.

Der Pflegepersonalnotstand machte eine neue gesetzliche Regelung zur Finanzierung notwendig. 2018 wurde das sogenannte Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG) in einem Referentenentwurf erstmals diskutiert. Demnach sollen ab 2020 die Pflegepersonalkosten der Krankenhäuser von den Fallpauschalen unabhängig vergütet und Ausbildungsvergütungen für das erste Ausbildungsjahr vollständig von den Krankenkassen refinanziert werden. In der Altenpflege erhält jede vollstationäre Pflegeeinrichtung zusätzliches Personal. Dieses Personal ist von der Krankenversicherung finanziert (DBfK 2018a).

3 Berufsfelder

3.1 Pflegeausbildung

Die bisher getrennt geregelten Pflegeausbildungen in der Alten- und Krankenpflegegesetz wurden 2018 in einem neuen Pflegeberufegesetz zusammengeführt. Alle Auszubildenden erhalten zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung. In dieser Ausbildungszeit können sie einen Vertiefungsbereich in der Alten- oder Kinderkrankenpflege während der praktischen Ausbildung wählen und einen fachspezifischen Abschluss erwerben. Gleichzeitig ist es allerdings auch möglich im dritten Ausbildungsjahr die generalistische Ausbildung fortsetzen. Diese Ausbildung wird mit dem Beruf „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ abgeschlossen. Die klassische Ausbildung als Kinderkrankenschwester/-pfleger oder Altenpfleger*in entfällt. Sechs Jahre nach Beginn der neuen Ausbildungen soll überprüft werden, ob für die gesonderten Berufsabschlüsse in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege weiterhin Bedarf besteht. Eine Zwischenprüfung wird nach zwei Dritteln der Ausbildung eingeführt. Damit sollen Kompetenzen für eine Pflegeassistenz oder Pflegehelferausbildung ermittelt werden. Das Bestehen der Prüfung ist allerdings dabei nicht erforderlich. Erstmals wird ein Pflegestudium als Ergänzung zur Ausbildung mit aufgenommen. Die Auszubildenden erhalten eine Ausbildungsvergütung und die Zahlung eines Schulgeldes entfällt. Neufinanzierung der Pflege erfolgt über einen Länderfond. Ein Umlageverfahren sorgt dafür, dass ausbildende und nichtausbildende Einrichtungen sich an der Finanzierung angemessen beteiligen. Dreijährige Umschulungen sind nun durch das Jobcenter möglich und werden durch das Jobcenter finanziert. Die neuen Pflegeausbildungen beginnen im Jahr 2020 (Bundesministerium für Gesundheit 2018a).

Die Ausbildungsvoraussetzungen sind in Deutschland ein Realschulabschluss oder eine gleichwertige abgeschlossene Schulbildung oder ein qualifizierter Hauptschulabschluss mit 10-jähriger Schulbildung oder eine gleichwertige Schulbildung zusammen mit a) einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung mit einer vorgesehenen Ausbildungsdauer von mind. zwei Jahren oder b) einer Erlaubnis als Pflegehelferin oder einer erfolgreich abgeschlossenen landesrechtlich geregelten Ausbildung von mindestens einjähriger Dauer in der Pflegeassistenz. Diese wird auf die Ausbildungszeit angerechnet. Der Zugang zu einem Pflegestudium regelt das jeweilige Bundesland. Gleichwertige Leistungen können auf das Pflegestudium angerechnet werden.

Der theoretische Unterricht (insgesamt 2100 Stunden) findet an staatlich zugelassenen Berufsfachschulen statt, die praktische Ausbildung (insgesamt 2500 Stunden) wird an einem Krankenhaus oder in mehreren Krankenhäusern und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie weiteren an der Ausbildung beteiligten Einrichtungen durchgeführt. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer staatlichen Prüfung, die einen schriftlichen, einen mündlichen und einen praktischen Teil umfasst. Ziel der Ausbildung ist die Entwicklung fachlicher, personaler, sozialer und methodischer Kompetenzen unter Einbeziehung pflegewissenschaftlicher, medizinischer und bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die Ausbildung soll insbesondere dazu befähigen,

„... auf der Grundlage fachlichen Wissens und Könnens sowie auf der Grundlage des allgemein anerkannten Standes pflegewissenschaftlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse die beruflichen Aufgaben zielorientiert, sachgerecht, methodengeleitet und selbstständig zu lösen sowie das Ergebnis zu beurteilen. Während des Unterrichts ist die Entwicklung der zur Ausübung des Pflegeberufs erforderlichen personalen Kompetenz einschließlich der Sozialkompetenz und der Selbstständigkeit zu fördern (Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe 2018).“

Abiturienten haben die Möglichkeit ein duales Studium, d. h. eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege in Kombination mit einem Bachelorabschluss zu absolvieren. Die Fachweiterbildungen zur Intensivpflege oder psychiatrischen Pflege erfolgen zukünftig auch über ein Bachelorstudium. Hinsichtlich der Zugangsvoraussetzungen zur Pflegeausbildung gibt es in Europa gemäß der EU-Richtlinie 2005/36/EG kein einheitliches, sondern zwei parallele Zugangsniveaus. So gelten für die meisten der EU-Staaten als Zugangsvoraussetzung zwölf Jahre allgemeine Schulbildung (Abitur).

Die neue Pflegeberufegesetz wird kontrovers diskutiert. So sind Kinderärzte über die nicht mehr verpflichtend geregelte vollständige Ausbildung zur Kinderkrankenpflege alarmiert. Beispielsweise benötigt die Neu- und Frühgeborenenintensivpflege speziell geschulte und ausgebildete Fachkräfte und keine „Generalisten“.

Berufsfachpflegeschulen bemängeln die zusätzlich eingeführte Zwischenprüfung, die keinerlei Konsequenzen für die Fortführung der Ausbildung hat. Für sie bedeutet die Zwischenprüfung einen finanziellen und organisatorischen Aufwand.

Noch nicht geklärt ist, wie die Finanzierung über Länderfonds umgesetzt wird und wie der finanzielle Ausgleich zwischen den Einrichtungen, die ausbilden, und diejenigen, die nicht ausbilden, stattfinden soll. Die Finanzierung der Pflegestellen erfolgt über die Krankenversicherung. In wie weit sich dies auf die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge auswirken wird ist unklar.

Der Deutsche Berufsverband für Krankenpflege (DBfK) begrüßt die neue Ausbildungsregelung, sieht aber in Bezug zur Altenpflege noch Handlungsbedarf: „Es zeigt sich allerdings beim eigenständigen Berufsabschluss Altenpflegerin/Altenpfleger erneut, dass in der Diskussion nicht primär die Versorgungsbedarfe der Menschen in Deutschland im Fokus stehen, sondern vor allem wirtschaftliche Interessen.“ (DBfK 2018b)

Mit dem entfallenden eigenständigem Fachabschluss Altenpflege erfährt die Ausbildung eine Absenkung des Niveaus und der Kompetenzen. Der DBfK vermutet, ...„dass ein Beruf deutlich unterhalb der Ausbildung zur/zum Pflegefachfrau/mann geschaffen werden soll, der formal noch als Heilberuf gilt und damit auf die Fachkräftequote in der stationären Langzeitpflege angerechnet werden kann ...“ (DbfK 2018b)

3.2 Altenpflegehilfe

Dem drohenden Pflegepersonalmangel, vor allem im Bereich der Altenpflege, soll vorgebeugt, auch durch Landesgestze verschiedener Bundesländer. Die Ausbildung zur Altenpflegehelferin soll die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln, die für eine qualifizierte Betreuung und Pflege alter Menschen in stabilen Pflegesituationen unter Aufsicht einer Pflegefachkraft erforderlich sind. Beendet wird die Ausbildung mit einer staatlichen Abschlussprüfung. Die Berufsbezeichnungen „Staatlich anerkannte Altenpflegehelferin“ und „Staatlich anerkannter Altenpflegehelfer“ dürfen nur Personen führen, denen die Erlaubnis dazu erteilt worden ist.

3.3 Arbeitsgebiete nach der Ausbildung

Die Arbeitsmöglichkeiten in der Pflege nach der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sind vielfältig, sodass eine Tätigkeit in vielen Bereichen des Gesundheitswesens möglich ist. Beispielhaft sind hier Krankenhäuser, Einrichtungen der Altenhilfe, ambulante Dienste, Rehabilitationseinrichtungen, Beratungsstellen im Gesundheitswesen oder das Gesundheitsamt zu nennen. Neu hinzu kommen Einsatzgebiete in der Schulgesundheitspflege, im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder in der Familiengesundheitspflege.

In der Altenpflege sind die Einsatzbereiche vorwiegend im Sektor der stationären Altenpflege und der ambulanten Pflege. Jedoch bieten sich auch Einsatzbereiche in geriatrischen Abteilungen von Krankenhäusern oder auf Pflegestationen an.

Zum Einsatz im Leitungsbereich, z. B. einer Stationsleitung oder einer Wohnbereichsleitung, gibt es laut SGB V und SGB XI keine eindeutige Verpflichtung, eine zusätzliche Weiterbildung zu absolvieren oder ein Studium abzuschließen. Eine Weiterqualifizierung für Managementaufgaben wird von diversen Bildungseinrichtungen angeboten. Darüber hinaus gibt es im Pflegeberuf Fachweiterbildungen, welche in besonderem Maße für spezielle Aufgaben qualifizieren.

Hierzu zählen beispielsweise die staatlich anerkannten, jeweils zweijährigen Fachweiterbildungen für Intensivpflege und Anästhesie, für den Funktionsdienst, Geriatrie, Hygiene, Pflegedienstleitung etc. Darüber hinaus besteht mit entsprechenden Zugangsvoraussetzungen für Pflegeberufe die Möglichkeit, an Fachhochschulen und Universitäten zu studieren. Abschlüsse auf der Ebene des Bachelor- und Masterstudiengangs bis hin zur Promotion und Habilitation sind möglich.

Exkurs Familiengesundheitspflege

Die WHO entwickelte 2000 erstmals die Familiengesundheitspflege zur Stärkung der Gesundheit der Bevölkerung. Ziel war es gemeindenahe, bedürfnisorientierte, alltagsnahe und niederschwellige Angebote der Gesundheitssicherung und -versorgung sicher zu stellen. Die Family Health Nurse sollte in verschiedenen Gesundheitssystemen in Europa eingeführt werden; dazu wurden Pilotstudien initiiert. Der DbfK hat an einem Forschungsprojekt zur Untersuchung der Machbarkeit der Familiengesundheitspflege teilgenommen. 2004 bis 2005 wurde in einer vom BMGS geförderten Studie untersucht, ob die Familiengesundheitspflege für das Deutschen Gesundheitswesen kompatibel ist. In einer zweiten Projektphase 2009 sollte das Konzept umgesetzt werden. Unter anderem wurde der Verbleib der Absolventinnen der zweijährigen Weiterbildung zur Familiengesundheitspflegerin untersucht.

Die aus den Ergebnissen ausgearbeiteten Empfehlungen umfassen die Verortung von Familiengesundheitspflege in Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens und die Übernahme eines geriatrischen Assessments. Man ist davon überzeugt, dass Familiengesundheitspfleger*innen Pflegeberatung und Case Management in optimaler Weise anwenden können und die gesundheitliche Versorgung durch Kooperationen mit Kinderarzt und Hausarztpraxen angestrebt werden soll. Dabei ist die Familiengesundheitspflege kein neuer Beruf, sondern die originären Aufgaben der Pflegenden und Hebammen werden um präventive Leistungen und die Umsetzung des familiensystemischen Ansatzes erweitert. Familiengesundheitspfleger*innen beraten in Alltags- und Gesundheitsfragen, befähigen gesunde Lebensstile zu finden, stärken Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, erkennen potenzielle Gesundheitsprobleme, setzen in Absprache Prioritäten in Gesundheitsfragen, ziehen Experten hinzu, sind Verbindungsglied zum Hausarzt, Sozialarbeiter und anderen Gruppen und Lots*innen bei Behördengängen. Sie übernehmen auch Versorgungs- und Pflegeleistungen bei Krankheit, Behinderung und Krisen (Eberl und Schnepp 2008). Der DbfK bietet einen Weiterbildungsstudiengang an. Die derzeitige politische Diskussion lässt erkennen, dass derzeit kein Interesse daran besteht, die Familiengesundheitspflege in das Sozialgesetzbuch aufzunehmen.

4 Pflegemanagement

Pflegemanagement kann in die Bereiche des allgemeinen Managements eingeteilt werden; dazu zählen unter anderem:
  • Organisationslehre

  • Personalführung

  • Finanzierung und Controlling

  • Qualitäts- und Dienstleistungsmanagement

  • Change Management

Pflegemanagement kann aber auch in unterschiedliche Einsatzgebiete eingeteilt werden, wie zum Beispiel:
  • Krankenhaus

  • Pflegeheime

  • Ambulante Pflegedienste

  • Rehabilitationseinrichtungen

  • Einrichtungen für Menschen mit Behinderung

  • Pflegestützpunkte und Pflegeberatung

  • Aus- und Weiterbildung, Studiengänge

  • Spezifische Pflege (z. B. Wundmanagement, Stomaversorgung, Palliativpflege).

Die Unterteilung zeigt die Vielfalt der unterschiedlichen Einsatzgebiete und der hiermit verbundenen speziellen Aufgabenbereiche, in der sich heute und künftig Pflege und Pflegemanagement bewegen. Management in der Pflege heißt somit im Rahmen der unterschiedlichen Aufgabengebiete, planvoll und zielorientiert zu arbeiten. Dazu muss durch das Pflegemanagement die Verbindung zu anderen Berufsgruppen, und damit einhergehend die Koordination und Kooperation in vernetzten Bezugsrahmen organisiert und durchgeführt werden. Somit befasst sich Pflegemanagement zum einen mit verschiedenen Formen der Zusammenarbeit innerhalb der unterschiedlichen Professionen im Gesundheitswesen und zum anderen mit dem Anspruch der Führung der Pflegedienstmitarbeiter in den verschiedenen Pflegeinstitutionen.

4.1 Pflegesysteme und Organisationsformen

Grundsätzlich lassen sich verschiedene Organisationsformen in der Pflege unterscheiden, wie z. B. die Funktions-, Bereichs- und Bezugspflege (Kämmer et al. 2008, S. 117).

Funktionspflege ist eine aufgabenbezogene Arbeitseinteilung. Die Pflegemaßnahmen werden hierbei einzelnen Pflegekräften nach ihrer Kompetenz zugeordnet und routinemäßig bei allen Pflegebedürftigen/Patienten durchgeführt. Kennzeichen sind: starke Defragmentierung des Pflegeprozesses und klare hierarchische Strukturen.

Bereichspflege oder auch Gruppenpflege ist eine schichtbezogene Zuordnung von Pflegekräften zu einer Gruppe von mehreren Bewohnern/Patienten (Menker und Waterboer 2006, S. 40). Die Zuordnung orientiert sich in der Regel an den räumlichen Bedingungen und erfolgt im Rahmen der schichtbezogenen Einsatzplanung.

Bezugspflege ist eine übergreifende, von der Schichteinteilung unabhängige Zuordnung von Pflegekräften zu Bewohnern/Patienten. Die Zuordnung ist über einen längeren Zeitraum gültig und unabhängig von der aktuellen Einsatzplanung. Nach Möglichkeit wird die Bezugszuordnung bei der Einsatzplanung (Bereichspflege) berücksichtigt. Die Bezugspflegekraft ist persönlicher Ansprechpartner, unabhängig von der Einsatzplanung. Sie nimmt den Bewohner/Patienten auf, erhebt den Pflegebedarf, führt die Risikoassessments durch und organisiert die Pflege bzw. führt sie selbst durch. Sie ist verantwortlich für die Pflegeplanung und -dokumentation und ist Ansprechpartner rund um den Bewohner/Patienten.

Sonderformen können sein:
  • Kombination von Bereichspflege und Bezugspflege

  • Einzelpflege (z. B. in der Heimbeatmung)

  • Primary Nursing – eine oder mehrere Bezugspflegepersonen (Primary nurse) sind rund

um die Uhr für Pflege und Betreuung zuständig. Die hiermit verbundene Pflege und

Dokumentation kann an eine Assistenzpflegekraft (Associate Nurse) delegiert werden (Josuks 2008, S. 18).

Ziele eines Pflegesystems sind u. a.,
  • die Kontinuität in der Bewohner-/Patientenversorgung sicherzustellen,

  • die Beziehung zu den Bewohnern/Patienten zu intensivieren,die Zufriedenheit von Bewohnern/Patienten und Mitarbeitern zu erhöhen,

  • die Mitarbeiter entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen und

  • effiziente und effektive Arbeitsabläufe sicherzustellen.

Im Krankenhaus sind die Pflegedienstleitung bzw. -direktion der/die Ärztliche Direktor/in und der/die Verwaltungsdirektor/in für das jeweilige Ressort verantwortlich. Je nach Organisationsstruktur und Rechtsform der Einrichtung ist dem Direktorium eine Geschäftsführung übergeordnet. Ein anderes Modell ist, dass das Direktorium auch die Geschäftsführung in Personalunion innehat.

Der Pflegedienstdirektion sind alle unmittelbar im Pflege- und Funktionsbereich eingesetzten pflegerischen Mitarbeiter/innen nachgeordnet. Je nach Organisationsstruktur der Einrichtung gilt dies auch für weitere Bereiche, wie z. B. den Hauswirtschaftsdienst oder patientennahe Servicebereiche.

Im Krankenhausbereich, in Pflegeeinrichtungen und in vielen Rehabilitationskliniken gehört die Pflege zur größten Berufsgruppe. Pflegemanagement konzentriert sich im Wesentlichen auf vier Ebenen, welche in Abb. 2 dargestellt sind.
Abb. 2

Ebenen des Pflegemanagements

Die Strukturebene beschäftigt sich mit der Aufbauorganisation. Auf der Prozessebene steht die reibungslose Gestaltung der Aufnahme, Diagnostik und Behandlung sowie der pflegerischen Versorgung im Sinne von Effizienz und Effektivität im Vordergrund, um so schnell wie möglich zu diagnostizieren und behandeln, eine frühestmögliche Entlassung innerhalb der mittleren Verweildauergrenze und eine qualitativ hochwertige Versorgung (Ergebnisebene) ohne Komplikationen zu erreichen.

Die Finanzebene ist unter anderem durch die steigenden Kosten in der Gesundheitsbranche gekennzeichnet. Kliniken, Pflegeheime und auch Krankenkassen suchen daher nach neuen Wegen und effizienteren Prozessen. Ausgabenbegrenzung funktioniert aus der Außenperspektive durch Prozessoptimierung in Verbindung mit Personalabbau.

Aus der Innenperspektive betrachtet, kommt es durch den Personalabbau im Pflegedienst zu einer höheren Arbeitsbelastung und es besteht aufgrund fehlender personeller Ressourcen die Gefahr, dass das angestrebte Qualitätsniveau nicht erreicht werden kann bzw. es zu Versorgungsengpässen kommt.

4.2 Aufgaben des Pflegemanagements

Management bedeutet Planung und Organisation unter Berücksichtigung der Beteiligung der in den Betrieben arbeitenden Menschen. Ganz allgemein ist unter Management die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung des Unternehmens zu verstehen (Stadelhofer 2001, S. 15). Organisationsmanagement ist geplantes Handeln zum Erreichen der geplanten Unternehmensziele. Pflegemanagement setzt, wie in anderen Managementbereichen auch, ein systematisches, methodisch fundiertes Vorgehen bei der Planung, Umsetzung und Auswertung von Gestaltungsaufgaben in der Gesundheitsversorgung voraus. Planen, steuern, kontrollieren, entwickeln und verbessern sind Aufgaben des Pflegemanagements (Fließ et al. 2005, S. 399–433). Die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung ist ein zentrales Merkmal des Pflegemanagements. Abb. 3 skizziert beispielhaft allgemeine Aufgaben des Pflegemanagements in Einrichtungen des Gesundheitswesens.
Abb. 3

Aufgaben des Pflegemanagements

Bei diesen beispielhaft aufgeführten Aufgaben- und Kompetenzbereichen kommt es zu einer Mischung aus strategischen und operativen Planungen, sowie zu einer Mischung aus Führungs-, Kontroll- und Entwicklungsaufgaben. Insofern sind zugleich fachliches und betriebswirtschaftliches Können erforderlich. Die zunehmende Ökonomisierung der Arbeitsprozesse bedingt eine wettbewerbsorientierte Wirtschaftsform mit ökonomischen Zielvorgaben. Diesbezüglich ist es eine Herausforderung für das Pflegemanagement, die Aufgaben so zu erfüllen, dass einerseits ökonomischen Anforderungen genügt wird und andererseits die intern und extern definierten Qualitätsanforderungen erreicht werden.

Exkurs

Unter den Bedingungen der Fallpauschalen (DRG-Bedingungen) im Krankenhaus ist Folgendes zu beachten/empfehlenswert:

Eine konsistente, vollständige medizinische und pflegerische Dokumentation ist notwendig, um alle Merkmale der Abrechnung im DRG-System gewährleisten zu können. Alle am Behandlungsprozess Beteiligten müssen hierzu informiert sein. Dabei ist die Relevanz der Nebendiagnosen zu beachten und das Verlegungs- und Entlassungsmanagement soll in jedem Krankenhaus auf die rechtzeitige Entlassung des Patienten innerhalb der mittleren Verweildauer optimiert werden. Um ein strukturiertes Entlassungs- und Überleitungsmanagement sicherzustellen, können Kooperationen mit Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen und Ambulanten Diensten eingegangen werden.

Die Einrichtung einer interdisziplinären Aufnahmestation und die Festlegung eines Behandlungspfades können in der ersten Phase der Behandlung zu einer Zeit- und Ressourcenoptimierung führen. Damit wird das Ziel einer konsequenten Prozessoptimierung unterstützt. Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von Fallmanagern (Case Management), die den Behandlungsverlauf eines Patienten über den gesamten Krankenhausaufenthalt begleiten. Weitere Maßnahmen der Anpassung an die G-DRG-Bedingungen sind die Optimierung der Terminvergabe, die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle, die Optimierung der Diagnostik- und Therapieverfahren und auch der Einsatz von Standards, Leitlinien, Behandlungspfaden im Rahmen der Prozesssteuerung.

4.3 Entlassungsmanagement

Pflegemanagement ist an vielen Prozessen eines Krankenhauses beteiligt. In diesem Zusammenhang kommt dem Pflegemanagement u. a. zur Sicherstellung der Kontinuität der Versorgung von Patienten im Rahmen des Entlassungsmanagements eine besondere Rolle zu.

Die Notwendigkeit einer Verknüpfung der verschiedenen Funktionen im Krankenhaus und die Einleitung der sektorenübergreifenden kontinuierlichen Weiterversorgung durch das Pflegemanagement werden aus dem nachfolgenden Beispiel deutlich.

Fallbeispiel Entlassungsmanagement

Frau Emsig ist seit einigen Tagen im Krankenhaus zur Behandlung ihres entgleisten Blutzuckerstoffwechsels und ihrer offen Beine (Ulcus cruris venosum). Sie war nach einer längeren Zeit der Selbstbehandlung zu Hause zusammengebrochen; ihr 86-jähriger Ehemann hat sie mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus bringen lassen. Nach der Intensivbehandlung ist Frau Emsig im Bereich des Diabetes, des Kreislaufs und der Atmung wieder stabil, jedoch muss das Ulcus cruris weiterbehandelt werden. Die akute medizinische Versorgung im Krankenhaus hatte die lebensrettenden Maßnahmen, die sofortige weitere Diagnostik und Behandlung zum Ziel, sodass die pflegerischen prophylaktischen Maßnahmen in den Hintergrund gerieten. Die Behandlung der Wunden ist begonnen worden und es stellten sich erste Erfolge ein. Am Freitagnachmittag legt der Stationsarzt bei der Visite fest, dass Frau Emsig entlassen werden soll. Da dringend Betten für Notaufnahmen gebraucht werden, soll die Entlassung noch am selben Tag erfolgen. Die examinierte Pflegekraft organisiert die Entlassung, es geht auf 16:00 Uhr zu. Die Kinder der Patientin sind nicht zu erreichen; nur der Ehemann wird telefonisch informiert. Der Krankentransportdienst wird benachrichtigt und für 18:00 Uhr zur Abholung bestellt. Medikamente werden für heute mitgegeben. Die Pflegekraft ist froh, dass die Entlassung so gut geklappt hat. Der Transportdienst des Roten Kreuzes bringt Frau Emsig nach Hause. Nach längerem Klingeln öffnet der Ehemann. Die Sanitäter bringen Frau Emsig in den vierten Stock. Ein Kompressionsverband zur Behandlung des Ulcus cruris wird Herrn Emsig übergeben. Der Dekubitus schmerzt bereits jetzt, aber Frau Emsig will nicht klagen; es waren doch wirklich alle so nett zu ihr! Am Samstag kommt der Sohn und sieht die desolate Situation zu Hause. Er versucht nun einen Hausarzt zu organisieren – ohne Erfolg. Der benachrichtigte Pflegedienst kann ohne ärztliche Anordnung keine abrechenbare Leistung erbringen und weist auf eine mögliche private Kostenübernahme hin. Der Dekubitus schmerzt und riecht jetzt bereits sehr unangenehm. Der Kompressionsverband ist verrutscht und knubbelt sich unterhalb der Wade. Bis Montag sind es noch 2 lange Tage … .

Ohne ein hinreichendes Pflege- bzw. Entlassungsmanagement ist die medizinische und pflegerische Weiterversorgung von Frau Emsig nicht adäquat sichergestellt. Darüber hinaus führt die Entlassung von Frau Emsig zu Folgekosten der Behandlung. Vermutlich wird sich der Allgemeinzustand von Frau Emsig verschlechtern und die Wundversorgung kann nicht bedarfsorientiert durchgeführt werden. Die Wiederaufnahme oder Neuaufnahme in einem anderen Krankenhaus kann die Folge sein. Bei Wiederaufnahme mit identischer Diagnose wird nun das Krankenhaus die Kosten der Behandlung auf Basis der bereits berechneten DRG übernehmen müssen. Bei Einhaltung der mittleren Grenzverweildauer werden bei der Wiederaufnahme keine weiteren Erlöse fließen.

Im Fallbeispiel kam die Entlassung von Frau Emsig der examinierten Pflegekraft selbst etwas plötzlich vor, sie hatte damit wohl noch nicht gerechnet. Sie muss sich dabei an die Weisung des Arztes halten und organisiert die Entlassung, wie wir weiterhin verfolgt haben, völlig ungenügend vorbereitet und mit schlechtem Erfolg für den Genesungsprozess der Patientin.

Frau Emsig schien zufrieden und auch der Krankentransportdienst hatte keine Probleme gesehen. Alle drei Berufsgruppen, Ärzte, Gesundheits- und Krankenpflege und Rettungsdienst werden unterschiedlich informiert und haben unterschiedliche Zielsetzungen. An diesem Beispiel werden die Aufgaben des Managements besonders deutlich:

Jeder Mitarbeiter handelte bei der Entlassung aus seiner Sicht, es gab einen ärztlichen Auftrag, jeder hat für sich also rational sinnvoll gehandelt. Und dennoch war das Ergebnis nicht optimal. Eine „übergeordnete“ und „überblickende“ Instanz hätte die Schnittstellen zum Wohle des Patienten besser koordinieren müssen. Pflegemanagement greift demzufolge übergeordnet und trotzdem parallel zu den einzelnen Prozessen ein. Bereits bei der Aufnahme ist bekannt, dass eine Entlassung bei dieser gerade aufgenommenen Person stattfinden wird, deren Zeitpunkt allerdings noch unbestimmt ist. Für die Pflegemanagerin ist der Zeitpunkt aber eine Variante, die anhand der Diagnose, der Nebendiagnosen und der geplanten Prozeduren, sowie anhand der bisherigen Erfahrungen ein statistischer Wert ist. Aus diesen Übersichten wird geplantes vorausschauendes Handeln abgeleitet. Auch die Art und Weise bzw. welche Form der Unterstützung notwendig wird, kann frühzeitig erkannt werden. Für die genannten Parameter bei Frau Emsig, inklusive der sozialen Hintergründe, die natürlich am Anfang des Behandlungsprozesses mit erfasst werden müssen, lassen sich der Unterstützungsbedarf und in der Regel der Zeitpunkt der Entlassung rechtzeitig erkennen. Diesbezüglich ist es im Sinne der Patientenorientierung und zur Sicherstellung der poststationären Versorgung erforderlich, ein standardisiertes Verfahren zum Entlassungsmanagement umzusetzen. Eine frühzeitige Vorbereitung muss gemäß dem nationalen Expertenstandard zum Entlassungsmanagement erfolgen. In unserem Fallbeispiel wäre folgendes Vorgehen im Kontext mit dem o. g. Expertenstandard zu empfehlen:

Fallbeispiel Entlassungsmanagement – Fortführung

Im Vorfeld der Entlassung führt die Pflegekraft mit den Patienten unter Einbeziehung der Angehörigen bereits 24 Stunden nach der Aufnahme eine kriteriengeleitete Einschätzung des zu erwartenden poststationären Hilfebedarfs durch und involviert nach Abschluss des Assessments die relevanten Berufsgruppen in die Entlassungsplanung. Ggf. ist hier auch eine Patienten- und Angehörigenschulung bzw. -beratung, -information bezüglich der häuslichen Versorgung und/oder einer möglichen Kurzzeitpflege zu initiieren. Darüber hinaus muss mindestens 24 Stunden vor Entlassung eine strukturierte und systematische Überprüfung des Hilfebedarfs durch die Pflegekraft erfolgen (Dangel 2018, S. 10).

In Verbindung mit der im Expertenstandard festgelegten Verfahrensweise wäre es für Frau Emsig besser gewesen, nicht am Freitagnachmittag entlassen zu werden, sondern unter Einbeziehung verschiedener Professionen in eine Kurzzeitpflege verlegt zu werden.

Über das Case Management im Krankenhaus hätte das Team der Kurzzeitpflege über den Pflege- und Hilfebedarf informiert werden können. In der Kurzzeitpflege wird ein pflegebedürftiger Mensch für einen begrenzten Zeitraum (bis zu 28 Tage) stationär in einem Pflegeheim aufgenommen. Bei Frau Emsig erfolgte bisher keine Einstufung in einen Pflegegrad, sodass erst eine Einstufung durch Frau Emsig oder deren Angehörigen bei der Pflegekasse beantragt werden muss. Nach Einschätzung des Pflegeteams ist eine Einstufung in Pflegegrad 2 sehr wahrscheinlich. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hatte es allerdings nicht geschafft, die Begutachtung im Krankenhaus vorzunehmen.

Im Rahmen des zweiten Pflegestärkungsgesetzt (PSG II) werden Pflegegrade durch einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) in sechs Aktivitätsbereichen begutachtet. Je unselbstständiger ein Antragsteller ist, desto mehr Punkte und einen umso höheren Pflegegrad erhält der Antragsteller. Als Voraussetzung für Pflegegrad 2 gilt: Gutachter müssen zwischen 27 und unter 47,5 Punkte ermitteln, damit Antragsteller Pflegegrad 2 und entsprechende Leistungen aus der Pflegekasse zugesichert bekommen. Verweigert der MDK eine Pflegestufe, ist also die Pflegebedürftigkeit bei Frau Emsig nicht gegeben, muss die Familie die Kosten der Kurzzeitpflege übernehmen.1

4.4 Expertenstandards

Die Qualität in der Pflege unterliegt vielen Einflussfaktoren. Hierzu zählen z. B. die qualitative und quantitative Personalausstattung, die zur Verfügung gestellten Hilfsmittel, die Informations- und Kommunikationsstrukturen und Handlungsanweisungen für die verschiedenen Arbeitsprozesse.

Darüber hinaus dienen die nationalen Expertenstandards des Deutschen Netzwerkes für Qualitätsentwicklung (DNQP) der Sicherstellung einer bestmöglichen Versorgung der Klienten/Bewohner/Patienten. Alle Expertenstandards wurden bisher durch das DNQP entwickelt und herausgegeben. Die Entwicklung der Standards erfolgt durch eine Expertengruppe mit wissenschaftlicher Expertise. Grundlage für die Erarbeitung der Expertenstandards ist ein systematisches Literaturreview und ein Zusammentragen der national und international gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu speziellen Pflegethemen. Die Verabschiedung der Expertenstandards erfolgt im Rahmen einer Konsensus-Konferenz unter Einbeziehung der Fachöffentlichkeit.

Vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege wurden bis 2018 folgende Expertenstandards herausgegeben:
  • Dekubitusprophylaxe in der Pflege

  • Entlassungsmanagement in der Pflege

  • Schmerzmanagement in der Pflege

  • Sturzprophylaxe in der Pflege

  • Förderung der Harnkontinenz in der Pflege

  • Pflege von Menschen mit chronischen Wunden

  • Ernährungsmanagement in der Pflege

  • Förderung der physiologischen Geburt (Hebammenwesen)

  • Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz

  • Erhaltung und Förderung der Mobilität

  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege 2018

Expertenstandards sind gemäß § 113 a SGB XI verpflichtend für Altenpflegeeinrichtungen und Ambulante Pflegedienste. Für das Krankenhaus (SGB V) ist die Verbindlichkeit aus dem § 135a ableitbar: (1) „Die Leistungserbringer sind zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der von ihnen erbrachten Leistungen verpflichtet. Die Leistungen müssen dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen und in der fachlich gebotenen Qualität erbracht werden.

4.5 Strukturveränderung im Krankenhaus

Die Gruppe der ärztlichen Mitarbeiter ist von 114.208 in 1994 auf 186.021 in 2017 kontinuierlich gestiegen. Währenddessen erfolgte im Zeitraum 1994 bis 2005 eine Abnahme des pflegerischen Personals von 417.272 in 1994 auf einen von 392.711 in 2005. Der Tiefststand im Jahr 2005 ist das Ergebnis des im Jahr 2003 eingeführten DRG Systems. In Folge kam es zu einem erheblichen Abbau von Krankenhausbetten und Pflegepersonal. 2017 waren wieder 437.648 Pflegende im Krankenhaus beschäftigt. Die Zahl der Krankenhäuser hat sich von 2411 in 1991 auf 1942 2017 verringert. Im gleichen Zeitraum kam es zu einem Bettenabbau von 665.565 in 1991 auf 497.182 in 2017. Die durchschnittliche Verweildauer verringerte sich von 14 Tagen in 1991 auf 7,3 Tagen in 2017. Gleichzeitig stieg die Patientenzahl von 18.224 in 1991 auf 23.553 in 2015 (Statistisches Bundesamt 2018).

Das bedeutet eine erhebliche Zunahme der Fallzahlen und Arbeitsverdichtung durch immer kürzere Liegezeiten. Multimorbidität, medizinischer Fortschritt, höherer Pflegeaufwand bei älteren Menschen sind zusätzliche Gründe für den erhöhten pflegerischen Aufwand. Die Arbeitsverdichtung erklärt sich folgendermaßen: Zu Beginn der der stationären Aufnahme sind die organisatorischen, medizinischen und pflegerischen Anforderungen am höchsten. Nach den ersten aufwendigen Behandlungstagen geht der Aufwand mit Zunahme der Verweildauer deutlich zurück. Wird nun der Patient früher entlassen, kommt ein neuer Patient mit hohem pflegerischen Anfangsaufwand. So wird bei weiterer Verweildauerverkürzung die Arbeitsmenge immer mehr verdichtet. Das hatte zur Folge, dass eine stetige Rationalisierung in der pflegerischen Versorgung in deutschen Krankenhäusern notwendig wurde und die Arbeitsabläufe zunehmend unter ökonomischen Gesichtspunkten gelenkt werden. Die eigentliche pflegerische Grundversorgung tritt immer mehr in den Hintergrund. Obwohl sich insgesamt die Anzahl der Pflegekräfte in den Krankenhäusern wieder erhöht hat, reichen diese aktuell bei weitem nicht aus, um den beschriebenen Anforderungen im Gesundheitsbereich gerecht zu werden. Gerade die Mitte der 2000er-Jahre nicht in ausreichendem Maße erfolgte Ausbildung von Pflegekräften in Zeiten, in denen Krankenhäuser geschlossen und Krankenhausbetten abgebaut wurden, führen jetzt zu einem akuten Pflegekräftemangel.

Die Berechnung der Menge des Pflegepersonals wurde bis 1996 durch die „Regelung über Maßstäbe und Grundsätze für den Personalbedarf in der stationären Krankenpflege (Pflege-Personalregelung)“ gesetzlich geregelt. Die Pflege-Personalregelung (PPR) wurde 1993 eingeführt, um die Leistungen der Pflege transparenter zu machen und eine Berechnungsgrundlage für den Personalbedarf zu haben. Experten gingen damals davon aus, dass sich durch konsequente Anwendung der PPR bundesweit ein Personalmehrbedarf im fünfstelligen Bereich ergeben würde. Als sich abzeichnete, dass die daraus resultierenden Mehrkosten nicht durch die Krankenversicherung gegenfinanziert werden konnten, wurde die Pflege-Personalregelung bereits für 1996 ausgesetzt. Seit Einführung der DRG im Jahre 2003/2004 kommt die Pflege-Personalregelung ohnehin nicht mehr zum Tragen, da die Krankenhausleistungen pauschal vergütet werden. Manche Krankenhäuser verwendeten die PPR jedoch noch als internes Steuerungsinstrument weiter. So wird z. B. der Aufwand der Pflege von verschiedenen Stationen miteinander verglichen und kann somit auch zur internen Steuerung genutzt werden.

In den Jahren 2009–2011 ist ein Sonderprogramm der Bundesregierung über die Krankenkassen finanziert worden – sog. Pflege-Fördermittel, damit wieder mehr Pflegepersonal gerade in den Kliniken eingestellt werden soll. Seit 2012 ist durch die Einführung eines Zusatzentgeltes für hochaufwendige Pflege bei den G-DRG dem Krankenhaus eine Möglichkeit gegeben, die Kosten für besonders aufwendige Pflege bei Patienten gegenüber den Krankenkassen abrechnen zu können. Dadurch kann bei hochaufwendiger Pflege mittels eines Pflegekomplex-Maßnahmen-Scores, der Pflegeaufwand sichtbar gemacht werden.

2017 erhielten die Interessensvertreter von Krankenhäusern und Krankenkassen den Auftrag, Personaluntergrenzen für pflegerische anspruchsvolle Bereiche selbst festzulegen und zu finanzieren. Nach langen Diskussionen konnte keine Einigung erzielt werden. Deshalb legte das Bundesministerium für Gesundheit in einer sogenannte „Ersatzvornahme“ ab 2019 Pflegepersonaluntergrenzen für vier pflegeintensive Krankenhausbereiche selbst fest. In dieser Personaluntergrenzenverordnung ist das Verhältnis zwischen der Patientenzahl und Anzahl der Pflegekräfte festgeschrieben. Es wird zwischen Tag- und Nachtschichten, Wochentagen sowie Tag- und Nachtschicht an Wochenenden und Feiertagen unterschieden. Für zwei Patienten ist in der Regel eine Pflegekraft zuständig. Somit soll eine optimale Patientenversorgung bei Personalmangel gewährleistet werden. Sind keine ausreichenden Fachkräfte vorhanden, dürfen keine Patienten mehr aufgenommen werden. Diese Regelung gilt zunächst für ein Jahr und soll ausschließlich für die vier pflegeintensiven Bereiche Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie gelten. Rothgang et al. beschreibt 2013 in drei Szenarien die Entwicklung von Vollzeitstellen in der ambulanten, stationären und teilstationären Versorgung und rechnet sowohl die Veränderung der Zahl der Pflegebedürftigen, als auch die Zahl des Erwerbspersonenpotenzials mit ein. Die Forschergruppe prognostizierte eine Personallücke (Vollzeit) von bis zu 492.000 Stellen, wenn sich gemessen ab dem Jahr 2009 keinerlei gesundheitspolitische Veränderungen des Status Quo ergeben (Müller et al. 2018, S. 16–20).

4.6 Management der ambulanten Pflege

Die erfreuliche Entwicklung der höheren Lebenserwartung ist verbunden mit dem höheren Risiko einer Pflegebedürftigkeit. 1995 wurde mit dem Sozialgesetzbuch XI die sogenannte Pflegeversicherung in Deutschland eingeführt. Zur Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit werden finanzielle Unterstützungen gewährt.

Eine Weiterentwicklung der Pflegeversicherung trat am 01.07.2013 in Kraft. Durch das Pflegeweiterentwicklungsgesetz sollte die interne und externe Qualitätssicherung im Bereich der Pflegeversicherung grundlegend neu ausgerichtet werden.

2015 wurde das erste Pflegestärkungsgesetz (PSG I) eingeführt. Damit stiegen die Leistungssätze der Pflegekassen für Versicherte mit Demenz und Pflegebedürftige mit den Pflegestufen 0, 1, 2 und 3 um durchschnittlich vier Prozent. Pflegebedürftige bis zu 4000 Euro Zuschuss für die altersgerechte Wohnraumanpassung. Das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wurde 2016 eingeleitet und beinhaltete hatte umfangreiche Reformen. Demenzkranke und dauerhaft psychisch kranke oder geistig behinderte Versicherte erhalten nun auch die gleichen Leistungen wie körperlich Pflegebedürftige. Mit dem neuen Begutachtungsassessment (NBA) wird überprüft, wie selbstständig Versicherte noch sind. Dieses Begutachtungsverfahren hat zum 01.01.2017 das bisherige Gutachten nach der Minutenpflege abgelöst. Gleichzeitig wurden die Pflegestufen durch Pflegegrade abgelöst (siehe Tab. 2 und 3).

Die Voraussetzungen zum Aufbau und zur Leitung eines ambulanten Pflegedienstes sind im Sozialgesetzbuch XI dargelegt. Dort heißt es u. a., dass nach § 72 ein Versorgungsvertrag zwischen dem Verband der Krankenkassen und dem Pflegedienst geschlossen werden muss. Ebenso muss ein Rahmenvertrag nach § 75 vorhanden sein. Die Vertragspartei des Leistungserbringers verpflichtet sich, ein systematisches Qualitätsmanagement aufzubauen und weiter zu entwickeln und die entwickelten Expertenstandards einzuhalten.

Die Pflegedienstleitung muss neben der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Altenpflegerin eine Zusatzweiterbildung zur Leitung des Pflegedienstes nachweisen.

Nach § 36 SGB XI haben pflegebedürftige Menschen mit Pflegegrade 2 bis 5 bei häuslicher Pflege Anspruch auf Unterstützung oder komplette Übernahme von Körperpflegemaßnahmen, pflegerische Betreuungsmaßnahmen sowie auf Hilfen bei der Haushaltsführung. Unterstützt und gefördert werden sollen
  • Mobilität,

  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten,

  • Verhaltensweisen und Verarbeitung von psychischen Problemlagen,

  • Selbstversorgung,

  • selbstständige Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen und selbstständige Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Pflegerische Betreuungsmaßnahmen umfassen auch Unterstützungsleistungen zur Bewältigung und Gestaltung des alltäglichen Lebens im häuslichen Umfeld, insbesondere bei der Bewältigung psychosozialer Problemlagen oder von Gefährdungen bei der Orientierung, bei der Tagesstrukturierung, bei der Kommunikation, bei der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und bei bedürfnisgerechten Beschäftigungen im Alltag sowie durch Maßnahmen zur kognitiven Aktivierung. Damit wird deutlich, dass den Bedürfnissen der zunehmenden an Demenz erkrankten Menschen Rechnung getragen wird.

4.7 Beispiel der Vergütungsmöglichkeiten für Pflegebedürftige

Die Reform der Pflegeversicherung im Jahr 2017 durch das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) führte zu den in Tab. 4 aufgeführten Vergütungen.
Tab. 4

Vergütungen nach dem zweiten Pflegestärkungsgesetzt (PSG)

 

Häusliche Pflege/Sachleistung (§ 36), Tagespflege (§ 41) SGB XI

2012 in Euro

Pflegegeld nach

§ 37 SGB XI

2017 in Euro

Stationäre Pflege nach § 43 SGB XI 2017 in Euro

Pflegegrad II monatlich

689

316

770

Pflegegrad III monatlich

1298

545

1262

Pflegegrad IV monatlich

1612

728

1775

Pflegegrad V monatlich

1995

901

2005

Der Pflegebedürftige kann entscheiden, ob er selbst Pflegegeld nach § 37 SGB XI bezieht oder ob er sich durch einen ambulanten Pflegedienst entsprechend versorgen lässt und somit Sachleistungen nach § 36 SGB XI in Anspruch nimmt. Hierbei richtet sich die Höhe des Pflegegeldes nach dem Pflegegrad. Weiterhin besteht nach § 43 SGB XI die Möglichkeit der stationären Versorgung des Pflegebedürftigen in einer Senioreneinrichtung oder nach § 41 SGB XI die Unterstützung bei der Tagespflege. Wählen Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 vollstationäre Pflege, erhalten sie einen Zuschuss in Höhe von 125 Euro monatlich.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer Bezuschussung, wenn die familiäre Pflegeunterstützung verhindert ist. Hierzu gibt es einmalig pro Jahr die sog. Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI.

Die Pflegebedürftigen können nicht nur zwischen dem Pflegegeld und der Sachleistung wählen, sondern auch diese Leistungen kombinieren. Lässt sich der Pflegebedürftige durch private Personen betreuen und unterstützen (Familie, Nachbarn, Freunde), unterstützt die Pflegekasse diese Hilfe durch das Pflegegeld. Der Einsatz von Pflegefachkräften, also durch den ambulanten Pflegedienst, wird als Sachleistung bezeichnet.

Der Pflegebedürftige erhält kein Geld, sondern den Gegenwert der fachlich erbrachten Pflege. Krankenhäuser haben in ihrem Versorgungsmanagement den nahtlosen Übergang von der Krankenhausbehandlung in die ambulante Versorgung, zur Rehabilitation oder Pflege zu gewährleisten. Pflegebegleitung und Einführung von Pflegestützpunkten sollen zum Abbau von Schnittstellenproblemen führen, das Pflegemanagement beinhaltet also auch den Ansatz der Beratung.

Im ambulanten Dienst sind die Mitarbeiter/innen weniger Teamarbeiter, sondern mehr einzelverantwortlich. Daraus ergibt sich für die Pflegedienstleitung, die „verantwortliche Pflegefachkraft“ wie sie laut MDS/MDK genannt wird, eine hohe Anleitungs- und Kontrollfunktion.

Als Methode dienen hier der Anleitungs- und Schulungsprozess mittels eines festgelegten Delegationsschemas und die Überprüfung durch die Pflegevisite. Es muss gewährleistet sein, dass
  • die Pflegeplanung individuell auf den Patienten abgestimmt ist,

  • die Pflege nach der Pflegeplanung durchgeführt wird,

  • die Pflege am Patienten fachgerecht und nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen (Expertenstandards) angewandt wird,

  • dem Pflegepersonal Hilfestellung und Sicherheit gegeben wird,

  • die Leistungserbringung unter wirtschaftlichen Bedingungen erbracht wird,

  • individuelle Patienten- und Angehörigenzufriedenheit gewährleistet wird,

  • die Pflegefachkraft bzw. Pflegekraft geschult und angeleitet wird.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz III stellen nach § 115 Abs. 1a SGB XI die Landesverbände der Pflegekasse sicher, dass die Qualität der in den Pflegeeinrichtungen erbrachten Leistungen transparent, nachvollziehbar und vergleichbar veröffentlicht werden. Die Art der Bewertungssystematik wird vom Gesetzgeber offengehalten. Der Medizinische Dienst (MDK) überprüft einmal jährlich in seinem „Erhebungsbogen zur Prüfung der Qualität“ die Struktur- Prozess und Ergebnisqualität der Einrichtung. Die Überprüfung erfolgt in Form einer Checkliste sowie geschlossene Fragen, die mit „ja“, „nein“, „trifft nicht zu“ und „Empfehlung“ beantwortet werden können. Überprüft werden nun auch Leistungserbringer, die mit den Krankenkassen Verträge abgeschlossen haben und Leistungen in der häuslichen Krankenpflege erbringen. Besonders werden hier ärztlich verordnete Leistungen im Rahmen der Behandlungspflege (z. B. Medikamentengabe) oder komplexe Maßnahmen zur speziellen Krankenbeobachtung (Beatmungspflege) überprüft. Die Überprüfungen können auch nach Anforderung außerhalb des Turnus erfolgen (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. 2018, S. 7–12).

Das ursprüngliche Verfahren sah eine Veröffentlichung der Prüfergebnisse in Form von Noten vor. Nachdem dieses Verfahren in Fachkreisen kritisiert wurde, werden die Ergebnisse in Form von Kategorien und den Antworten „ja“, „nein“, „keine Angaben“ „erfüllt“ und „nicht erfüllt“ veröffentlicht.

Fußnoten

  1. 1.

    § 42 SGB XI (2) Der Anspruch auf Kurzzeitpflege ist auf acht Wochen pro Kalenderjahr beschränkt. Die Pflegekasse übernimmt die pflegebedingten Aufwendungen einschließlich der Aufwendungen für Betreuung sowie die Aufwendungen für Leistungen der medizinischen Behandlungspflege bis zu dem Gesamtbetrag von 1 612 Euro

    im Kalenderjahr. Der Leistungsbetrag nach Satz 2 kann um bis zu 1 612 Euro aus noch nicht in Anspruch genommenen Mitteln der Verhinderungspflege nach § 39 Absatz 1 Satz 3 auf insgesamt bis zu 3 224 Euro im

    Kalenderjahr erhöht werden. Der für die Kurzzeitpflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den

    Leistungsbetrag für eine Verhinderungspflege nach § 39 Absatz 1 Satz 3 angerechnet.

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Authors and Affiliations

  1. 1.FOM Hochschule für Oekonomie & ManagementEssenDeutschland

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