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Videografie

  • Dorothee GronostayEmail author
  • Sabine Manzel
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Der Beitrag bietet einen Überblick über die Videografie als Forschungsmethode in der Politikwissenschaft und der politikdidaktischen Unterrichtsforschung. Es werden Grundlagen der Erhebung und Auswertung von Videodaten mit qualitativen als auch quantitativen Methoden anhand von Beispielen erläutert. Die Videografie bedarf einer Kombination mit weiteren Auswertungsmethoden (Inhaltsanalyse) und kann in vielfältigen Untersuchungsdesigns Anwendung finden. Anknüpfungspunkte zur Medien-, Kommunikations- und Filmwissenschaft und zur Psychologie werden sichtbar. Neben dem Potenzial der Methode (Perspektivenvielfalt) werden auch Herausforderungen (Datenschutz) diskutiert.

Schlüsselwörter

Videografie Videostudie Forschungsmethode Wahlforschung Politische Bildung 

1 Einleitung1

Videografie kann als Forschungsmethode verstanden werden, bei der Filmmaterial zu wissenschaftlichen Zwecken erhoben und/oder analysiert wird. Videodaten ermöglichen in besonderer Weise, die Komplexität eines ausgewählten Wirklichkeitsausschnitts zu dokumentieren. Dies ergibt sich in erster Linie aus der Kombination von Audio- und Bildinformationen in Verbindung mit der räumlichen Komposition und dem zeitlichen Verlauf der videografierten Szenen. Zudem eignet sie sich aufgrund der Erfassung von Zeitstrukturen auch besonders dazu, den Prozess sozialer Interaktion sowie die damit verbundene Gestik und Mimik der Beteiligten abzubilden. Da sich Politik in der Mediendemokratie auch vermehrt über Filmaufnahmen vermittelt (z. B. TV-Wahlkampfduelle, Wahlwerbespots, Pressekonferenzen) sind hier große Potenziale der Videoanalyse erkennbar. Videografie wird im Folgenden als eine Forschungsmethode verstanden, die Filmmaterial zu wissenschaftlichen Zwecken erhebt und/oder analysiert. Dabei dient das Filmmaterial anders als bei der Methode der Gruppendiskussion (vergleiche den Beitrag von Prinzen in diesem Sammelband) nicht nur der einfachen Verschriftlichung von Gruppenkonversation.

Ein Blick in Handbücher politik- oder sozialwissenschaftlicher Methoden zeigt jedoch: Die Videografie stellt in der politikwissenschaftlichen Forschung weitgehend Neuland dar (Behnke et al. 2010, S. 289). Sie wird nicht in separaten Kapiteln berücksichtigt, sondern allenfalls im Zusammenhang mit anderen Erhebungsmethoden – vor allem als ergänzende Dokumentation von Interviews oder als Spezialform der Beobachtung – thematisiert (Behnke et al. 2006, 2010; Nullmeier et al. 2008; Westle 2009). In der politischen Bildung werden qualitative Videostudien vereinzelt bereits seit den 1990er-Jahren zur Dokumentation und fachdidaktischen Reflexion von Unterrichtsstunden eingesetzt (Gagel und Unger 1992). Im Nachgang der Video-Begleitstudien der internationalen Schulleistungsuntersuchungen wie etwa die „Trends in International Mathematics and Science Study“ (TIMMS) (Hiebert et al. 2003) oder die Studie „Deutsch-Englisch-Schülerleistungen-International“ (DESI) (DESI-Konsortium 2008) sind auch vermehrt Videostudien entstanden, die ein standardisiertes Vorgehen und quantitative Auswertungsmethoden vorsehen (Gautschi et al. 2007; Gronostay 2016, 2018; Krisanthan et al. 2016; Lötscher und Wyss 2013; Manzel und Gronostay 2013; Manzel 2016).

In diesem Beitrag wird ein Überblick über die Videografie als Forschungsmethode gegeben. Hierzu wird sowohl auf die Erhebung und Aufbereitung von Videodaten als auch auf Auswertungsmethoden eingegangen. Um die besonderen Potenziale, aber auch Herausforderungen der Methode zu veranschaulichen, werden zudem Anwendungsbeispiele aus der Politikwissenschaft und der politischen Bildung vorgestellt. Dabei werden Stärken und Schwächen der Methode herausgestellt und in Bezug auf aktuelle Entwicklungen diskutiert.

2 Ansatz der Videografie

Bei der Videografie als Forschungsmethode können zwei Ansätze unterschieden werden: erstens, die der eigenen Datenerhebung und -auswertung, und zweitens, die der Auswertung von bereits bestehendem Videomaterial. Bei der Auswertung von Fremdmaterial ist es besonders wichtig, die Produktionsverfahren im Blick zu haben. Die Leitfrage, wer hat wie und zu welchem Zweck in welchem Kontext das Video produziert, ist transparent zu machen. So unterscheiden sich wissenschaftliche Produktionen von Laienaufnahmen, TV-produktionen und semiprofessionelle Videos (vgl. Tuma et al. 2013, S. 8 ff.). Ähnlich wie bei der Beobachtung kann die Videografie als Erhebungsmethode hinsichtlich der Strukturierung und Standardisierung variieren, von einer stark regelgeleiteten Aufnahme mit Kameraskript bis hin zu einer wenig gelenkten Aufnahme. Durch die Präsenz des technischen Equipments und Personals (die diese bedienen) sowie aus Datenschutz- und Persönlichkeitsgründen wird die Videografie in der Regel als offene Beobachtung durchgeführt (in Abgrenzung zu einer verdeckten Beobachtung).

Die Funktion der Videodaten für die Forschung kann je nach Fragestellung sehr unterschiedlich gestaltet sein. Visuelle Daten werden im ethnografischen Kontext „als Formen der Erhebung und Fixierung von Daten verwendet“ (Behnke et al. 2010, S. 289, Hervorhebung im Original), die oft als Ergänzung zu anderen Textmaterialien zur Interpretation herangezogen werden. In der Politikwissenschaft werden visuelle Daten meist weniger zur Dokumentation von Forschung, als vielmehr zur politikwissenschaftlichen Analyse, etwa im Rahmen der Untersuchung von Entscheidungshandeln, z. B. in politischen Gremien (vgl. Nullmeier et al. 2008) oder Propaganda- und Wahlforschung genutzt (Behnke et al. 2010, S. 289).

Bei (quasi-)experimentellen Forschungsdesigns kann die Videografie auch eine wichtige Kontrollfunktion erfüllen. Entscheidend für die Auswertung solcher Ansätze ist die erfolgreiche Umsetzung der unterschiedlichen Versuchsbedingungen in Kontroll- und Experimentalgruppen. So wird beispielsweise in der empirischen Unterrichtsforschung mittels Videografie von Unterrichtsstunden überprüft, ob Unterrichtsmaterialien im Sinne der Treatmentbedingungen eingesetzt und von den Lernenden entsprechend bearbeitet wurden. So wird der Grad der Umsetzungstreue (alignment) dokumentiert und kann im Nachhinein detailliert nachvollzogen werden. Im Idealfall wird ein Kodiermanual zur Überprüfung des alignments angefertigt, das die jeweiligen Treatmentbedingungen genau spezifiziert. Falls die Treatmentbedingungen in einzelnen Probandengruppen unzureichend umgesetzt wurden, werden diese aus der weiteren Analyse ausgeschlossen. Gegebenenfalls bestehende Unterschiede im Grad der Umsetzungstreue werden bei der Ergebnisinterpretation berücksichtigt.

2.1 Videografie als Erhebungsmethode

Werden die zu analysierenden Videoaufnahmen durch die auswertenden Forscher/-innen erhoben, so ist hiermit zum einen ein beträchtlicher Zeit- und Arbeitsaufwand sowie zum anderen das Einarbeiten in die technischen Realisierungsmöglichkeiten (z. B. Stand- oder Funkmikrofone, notwendige Kameraauflösung, geeignete Software zur Weiterbearbeitung der Daten) verbunden. Neben der Videoaufnahme an sich sind hier Maßnahmen zur Vorbereitung, aber vor allem auch zur Nachbereitung der erhobenen Daten zu berücksichtigen. Dem Zusatzaufwand steht jedoch ein je nach Art der Fragestellung entscheidender Vorteil gegenüber: Die Forscher/-innen müssen ihre Forschungsfragen nicht dem vorliegenden Filmmaterial anpassen, sondern können das Filmmaterial mittels Kameraführung, Bildfokus und Tonaufnahmen der jeweils interessierenden Forschungsfrage entsprechend gestalten.

Für politikwissenschaftliche Forschung besteht eine Problematik darin, dass gerade die aus Forschungsinteressen ggfs. besonders interessanten politischen Gesprächsrunden oft unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Von der Videografie weitgehend ausgeschlossen sind beispielweise nicht-öffentliche Ausschüsse, Wahlkampfbüros, Besprechungen zu Wahlkampfauftritten oder Parteitagen (Behnke et al. 2010, S. 278–279). Darüber hinaus bewirkt das Aufstellen von Kameras und das Installieren von Mikrofonen auch eine Distanz zwischen Forscher/-innen und Forschungsfeld, was sich negativ auf das Vertrauensverhältnis zwischen beiden und/oder die Authentizität der videografierten Situation auswirken kann. Die Vorbehalte sind hier auch oft daher so groß, weil Videomaterial zum einen die ganze Person in den Fokus nimmt und zum anderen aufgrund der neuen technischen Entwicklungen in großen Mengen und über viele Jahre aufbewahrt und nahezu kostenfrei vervielfältigt und/oder weitergeleitet werden kann. Im Gegensatz zu handschriftlichen Notizen oder Beobachtungsbögen scheint der Verbreitungsgrad kaum kontrollierbar und der Auflösungsgrad des Dokumentierten sehr hoch. Insofern stellt die Videografie eine Forschungsmethode dar, die gerade aufgrund ihrer für Forschende vorteilhaften Eigenschaften (Replizierbarkeit des Dokumentierten, Mehrfachverwertbarkeit, Kombination von Ton-, Bild- und Bewerbungsdaten) bei den Beforschten Sorgen und Unbehagen verursachen kann.

In der politikdidaktischen Unterrichtsforschung sind standardisierte Videoaufnahmen von Unterricht oder Lehr-Lernprozessen nahezu nicht existent und falls vereinzelt vorhanden – aufgrund datenschutzrechtlicher Bedingungen gerade bei minderjährigen Schüler/-innen – nicht frei zugänglich. Sollen unterrichtliche Lehr-Lernprozesse videobasiert analysiert werden, so muss die/der Forschende sich selbst einen Zugang zum Feld beschaffen. Kann auf kein geeignetes Videomaterial zurückgegriffen werden oder ist dieses nicht zur Beantwortung der Forschungsfrage geeignet, so bietet sich die Erhebung eigenen Videomaterials an.

Abb. 1 gibt einen Überblick über idealtypische Phasen im praktischen Ablauf der standardisierten Videografie, hier mit Fokus auf einer quantitativen Herangehensweise und einer Auswertung der Videodaten mittels Kategoriensystem.
Abb. 1

Idealtypische Phasen im praktischen Ablauf der standardisierten Videografie als Forschungsmethode

2.1.1 Vorteile der Methode

Im Vergleich zu handschriftlichen Notizen oder Protokollierungen von Interviews ermöglichen Videoaufnahmen eine weitaus vollständigere Dokumentation. Videos bieten Zugang zu den kleinen Details in Verhalten, Körpersprache, Interaktionsprozessen, etc. (Heath et al. 2010). Entlang der historischen Entwicklung ausgehend von der Fotografie, des Kinofilms hin zu Videokameras und multimedialen Bildgebungsverfahren hat die Videografie somit einen neuen wichtigen Stellenwert in der sozialwissenschaftlichen Forschung erlangt.

Zwar schafft eine Ton-/Videoaufnahme Distanz zwischen Aufnehmenden und den Aufgenommenen und betont die Künstlichkeit der Situation. Doch dies gilt ebenso für das Mitschreiben während des Gesprächs (Behnke et al. 2010, S. 253). Bei der Beobachtung ist der/die Forscher/-in mit einer Informationsflut konfrontiert, die kaum vollständig in der Situation aufgenommen werden kann. Kognitionspsychologische Theorien gehen davon aus, dass die Verarbeitungsmenge des Arbeitsgedächtnisses begrenzt ist. Drei bis fünf Informationseinheiten (Ayres und Paas 2009) oder optimistischer sieben plus/minus zwei Einheiten (Miller 1956) werden als Richtwert dafür genannt, wie viele Informationen im Arbeitsgedächtnis gleichzeitig verarbeitet werden können. Hinzu kommt, dass diese Informationen innerhalb weniger Sekunden verloren gehen, das heißt vergessen werden, sofern keine Wiederholung erfolgt (Kirschner et al. 2006). Protokolle oder Mitschriften helfen hier nur bedingt weiter, denn der/die Beobachtende kann entsprechend seiner begrenzten Verarbeitungskapazitäten nur einen Teil der Wirklichkeit schnell genug notieren und unterliegt hierbei zudem der Gefahr einer verzerrten Wahrnehmung (Behnke et al. 2010, S. 258). Daher gilt: „Am umfassendsten und objektivsten ist deshalb die Protokollierung auf Bildträgern, die diese Dynamik erfassen: Film- und Videoaufnahmen.“ (Behnke et al. 2010, S. 278).

Videografien ermöglichen zudem das wiederholte Abspielen der interessierenden Szene(n), ggf. mit unterschiedlichen Tonspuren und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Dies erlaubt auch die Überprüfung der Urteilsgenauigkeit. So können mehrere Beurteiler unabhängig voneinander bewerten, in welchem Ausprägungsgrad ein bestimmtes Merkmal vorhanden ist (oder nicht). Die Ergebnisse lassen sich nachher mit Reliabilitätsmaßen der Beurteilerübereinstimmung abgleichen. Zudem können einzelne Videosequenzen zum Beurteilertraining genutzt werden. Diese Formen der Beurteilerschulung sind bei alternativen Beobachtungsverfahren schwer umsetzbar, da die zu beobachtende Situation flüchtig und daher nicht wiederholbar ist.

Videodaten sind durch Multimodalität gekennzeichnet, sie sprechen über auditive und visuelle Informationen mehrere Sinneskanäle an. Zudem sind Audio- und Videodaten zeitlich strukturiert. Abb. 2 veranschaulicht anhand des Beispiels der TV-Polit-Talkshow die Art der aufbereiteten Daten, die analysiert werden können. So treten Redebeiträge oder Gesten beispielsweise sequenziell auf, es lassen sich Abfolgen der Vor-/Nach- oder Gleichzeitigkeit wahrnehmen. Insofern bieten Videoanalysen ein besonders reichhaltiges Material für solche Fragestellungen, die auf Interaktionen und Prozesse (z. B. Entscheidungsprozesse) zielen, und sich nicht allein auf die Produkte oder Ergebnisse dieser Prozesse (z. B. Entscheidungen) beschränken lassen wollen.
Abb. 2

Multimodalität von Videodaten

2.1.2 Herausforderungen der Methode

Angesichts der Komplexität und Multimodalität von Videodaten werden im videografischen Forschungsprozess an zwei zentralen Stellen wesentliche Selektionsentscheidungen getroffen (Dinkelaker 2010, S. 93). In der Erhebungssituation erfolgt durch die Anzahl und Ausrichtung der Kameras und Mikrofone die Auswahl einer bestimmten Perspektive auf die Interaktion. Auch wenn das produzierte Videomaterial später nach Bedarf langsamer/schneller, lauter/leiser und beliebig oft abgespielt werden kann, die ausgewählte Perspektive lässt sich im Nachhinein kaum mehr verändern. Dies gilt nicht nur im Falle einer statischen Kamera (Kamera ist auf einem Stativ platziert und zeichnet einen bestimmten Bildausschnitt auf), sondern auch bei mobiler Kameraführung (Kamerafrau/-mann führt die Kamera mobil mit sich, wechselt nach Bedarf Einstellungen). Denn auch hier werden von der/dem Kamerafrau/-mann Entscheidungen über Kameraperspektive (Vogelperspektive, Froschperspektive etc.), Kamerabewegung (z. B. Schwenks) und Einstellungsgröße (Totale, Halbtotale, Halbnah etc.) getroffen, die im Nachhinein nicht rückgängig zu machen sind.

Um sicherzustellen, dass in der Aufnahmesituation die theoretisch relevanten Ereignisse und Interaktionen angemessen videografiert werden, ist die Verwendung eines Kameraskripts empfehlenswert. Dies enthält praktische Handlungsanweisungen dazu, auf welche Ereignisse und/oder Personen der Fokus der Videoaufnahme zu legen ist und in welchen Einstellungen dies zu erfolgen hat. Dies trägt auch wesentlich zu einer Standardisierung der Aufnahmesituation bei, da Willkürentscheidungen des Filmpersonals in der Aufnahmesituation selbst minimiert werden. Beispiele für solche Kameraskripts im Bereich der Unterrichtsforschung finden sich in Seidel et al. (2005) oder Petko (2006).

Aufgrund der Komplexität des Videomaterials muss zudem ein zweiter Selektionsprozess erfolgen. Die/der Forscher/-in trifft eine Auswahl der für die weitere Analyse relevanten Daten. Sie/Er analysiert zum Beispiel nur einzelne Videosequenzen, fokussiert sich ganz auf die verbalen Daten oder auf das Zusammenspiel von Gestik und Mimik. Im Gegensatz zum ersten Selektionsmoment ist der Zweite jedoch reversibel. Dies eröffnet ein großes Potenzial für Re-Analyse und Zweitverwertungen, sofern die entsprechenden Genehmigungen für die Videografien vorliegen.

Wie bei anderen Forschungsmethoden auch, muss bei der Videografie der Datenschutz berücksichtigt werden. Die Verwendbarkeit der erhobenen Daten richtet sich dabei in erster Linie danach, welche Einwilligungen die videografierten Personen gegeben haben. Die Datenschutzbeauftragten der Universitäten sind kompetente Ansprechpartner/-innen, die bei der Formulierung oder Prüfung solcher Einwilligungsvorlagen weiterhelfen. Eine anonymisierte Erhebung und/oder Auswertung ist meist nicht möglich, da die videografierten Personen in der Regel im Video sichtbar und hörbar sein sollen. Die Aufbewahrung des Videomaterials kann jedoch pseudonymisiert erfolgen. Nur mit Hilfe einer Entblindungsliste, welche die persönlichen Daten sowie die Pseudonyme der videografierten Personen enthält, können die pseudonymisierten Daten mit den Personendaten in Verbindung gebracht werden. Wichtig ist zu klären, welcher Personenkreis Zugang zu Entblindungslisten und Originaldateien haben soll. Hier kann es sinnvoll sein, unterschiedliche Befugnisse im Umgang mit den sensiblen Daten festzulegen: Die Entblindungsliste unterliegt der höchsten datenschutzrechtlichen Stufe und sollte daher besonders geschützt und nur sehr wenigen Personen zugänglich sein. Ein eingeschränkter Personenkreis erhält Zugang zu den Originaldaten (Videos), zum Beispiel um Kodierungen, Ratings oder andere Arten der Datenanalyse vorzunehmen. Die entsprechenden Personen werden über zusätzliche Vereinbarungen dazu verpflichtet, die Dateien vertraulich zu behandeln (z. B. Dateien durch Passwörter zu schützen, Daten nur pseudonymisiert an Dritte weiterzugeben). Datenschutzrechtlich unproblematisch sind in der Regel die pseudonymisierten Analysen und Auswertungen, so dass diese veröffentlicht und/oder an Dritte weitergegeben werden können. Falls hier im Einzelfall doch Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind, kann ggf. die Wahl einer größeren Auswertungseinheit weiterhelfen (z. B. Schulen statt Schulklassen).

Eine weitere Herausforderung bei der Erhebung von Videodaten besteht in dem hohen Zeit- und Arbeitsaufwand inklusive hoher Personal- und Materialkosten. Damit einhergehend ist es in der Regel nicht möglich, größere Fallzahlen und Repräsentativität der Stichprobe zu erlangen. Hier besteht also eine Problematik darin, dass diese kleineren Studien mit wenigen Fällen (z. B. die Videografie von einzelnen Schulstunden oder politischen Diskussionsrunden) keine verallgemeinerbaren Aussagen auf der Ebene der Grundgesamtheit erlauben. Die Auswertung von Videografien kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise erfolgen. Entsprechend gelten hier die jeweiligen Vor- und Nachteile der gewählten Methodik (vergleiche die entsprechenden Beiträge zum Beispiel zur Quantitativen Inhaltsanalyse oder Diskursanalyse in diesem Band).

Schließlich können videografierte Szenen dazu führen, dass die/der Forscher/-in einen „falschen“ Zugang zum Datenmaterial bekommt (Behnke et al. 2010, S. 327). Die Einzigartigkeit (Zeit, Raum, Kontext) der Situation wird beliebig wiederholbar, die „natürliche“ Situation (Tuma et al. 2013, S. 13) möglicherweise verfälscht. Zusätzliche Protokollierungen auffälliger Ereignisse, die aus Basis des Videomaterials allein ggf. nicht nachvollziehbar sind, können hier Abhilfe schaffen.

2.2 Analyse von Videodaten

In der Politikwissenschaft kann oft auf bereits vorliegendes Datenmaterial zurückgegriffen werden. Videomaterial liegt in Form von politischen TV-Talkshows, videografierten Parlamentsdebatten, Wahlwerbespots und TV-Duellen von Kanzlerkandidaten vor. Die Freie Universität Berlin etwa betreibt bei der Arbeitsstelle Medienanalyse eine digitale Aufzeichnungsanlage, mit der zeitgleich mehrere Fernsehprogramme aufgenommen, mit Zeitstempel versehen und im mpeg-Format für Forschungszwecke nutzbar gemacht werden können (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Freie Universität Berlin 2017). Darüber hinaus können entsprechende Materialien selbst aufgezeichnet, aus Mediatheken der jeweiligen Sender für bestimmte Zeiträume öffentlich eingesehen oder ggfs. auch zur wissenschaftlichen Verwendung zur Verfügung gestellt werden. Bei der Verwendung vorliegender Filme muss jedoch Quellenkritik betrieben werden, denn auch wenn diese Daten nicht reaktiv sind, werden sie „ja immer von jemanden für jemanden für einen bestimmten Zweck produziert“ (Behnke et al. 2010, S. 285). Der Kontext der „pre-production“ ist in der Analyse einzubeziehen. Mohn (2002) hat sich beispielsweise mit der „Haltung“ (Selektion der Filmausschnitte, Kamerapositionierung etc.) des Filmens beschäftigt.

Videomaterial kann im Rahmen sehr unterschiedlicher Untersuchungsdesigns (von explorativer bis experimentell-hypothesentestender Forschung) und mit diversen Auswertungsmethoden (ethnografisch-offen bis hin zu quantifizierend-hypothesentestend) bearbeitet werden (Ideen zur Umsetzung finden sich in den Praxisbeispielen). Es gibt keinen Konsens über das „methodische Vorgehen bei der Datentranskription und der Datendeutung“. Einen Überblick über die methodischen Schwierigkeiten der Videoauswertung bieten Knoblauch und Schnettler (2006). Grundsätzlich können qualitative und quantitative Auswertungsmethoden unterschieden werden. Bei beiden methodischen Zugängen gilt die Einhaltung entsprechender wissenschaftlicher Gütekriterien (Validität, Reliabilität, Objektivität; siehe auch den Beitrag von Heiss und Matthes in diesem Sammelband).

In der Soziologie ist die Analyse von Interaktionsprozessen eine Kernaufgabe, um soziales Handeln im gesellschaftlichen und interpersonellen Kontext zu verstehen und zu erklären. Die Methodenentwicklung, um Kommunikation und Interaktion zu untersuchen, geht parallel mit den technischen Weiterentwicklungen einher. Der iconic turn etablierte eine visuelle Soziologie (zur visual sociology vgl. Harper 2012), die nicht mehr nur akustische Daten oder Texttranskripte im Fokus hat, sondern neuerdings den Blick auf das Bild und die damit verbundenen Handlungsformen richtet (Tuma et al. 2013, S. 9). Während Tuma und Ko-Autoren die Verbindung der Videoanalyse mit der Ethnografie stark machen, spannt die Bildungswissenschaft einen weiteren methodologischen Rahmen auf. Gerade im Schulkontext gehen Sprache, Mimik, Körper und Handlung eine teilweise habituell geformte Verbindung ein. Diese Verbindung, sog. speech-body-acts, sind jedoch auch in den Interaktionen von Mitgliedern in politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Gremien zu beobachten (Nullmeier et al. 2008, S. 24). Um dies zu analysieren wurde das P-A-C-Schema (proposal, acceptance, confirmation) entwickelt, bei dem der Dreischritt Angebotsakt, Annahmeakt und Bestätigungsakt an das Material angelegt wird (ebd., S. 28). Zum Beispiel wird in einem Gremium von einem Abgeordneten A vorgeschlagen, eine Expertenkommission zum Thema Plastikmüllvermeidung einzurichten. Die übrigen Gremienmitglieder reagieren auf den Vorschlag z. B. reagiert Abgeordneter B mit Kopfnicken oder Abgeordnete C und D mit Aussagen wie „Gute Idee“ oder „Nicht noch eine Kommission“. Erst wenn das gesamte Gremium auf den Vorschlag kollektiv reagiert, gilt er als bestätigt, z. B. kommentiert die Sitzungsleitung: „Hiermit ist die Beschlussvorlage angenommen. Der nächste TOP ist …“. Neben den bekannten sozialwissenschaftlichen Verfahren kann bei der Analyse von Videodaten theoretisch auch auf Ansätze und Methoden der Filmwissenschaft wie top-down-Analyse (Strategien der Materialgestaltung ausgehend von theoretischem Modell), mid-level-Analyse (zirkuläre, sich wechselseitig modifizierenden Analyse der filmischen Formgestaltung, vgl. Keutzer et al. 2014, S. 5) oder bottom-up-Analyse (vom Material ausgehende Klassifizierungen und Theoriebildung), Kommunikationswissenschaft (Gesprächsanalyse, Diskursanalyse), Psychologie und Neurowissenschaft (Wahrnehmung) zurückgegriffen werden. Interdisziplinäre Zugänge können hier je nach Fragestellung sinnvoll sein und sind entsprechend offen zu legen.

2.2.1 Qualitative Auswertung

In der sozialwissenschaftlichen Forschung zählen Interviews, Gruppendiskussionen und (etwas nachrangiger) teilnehmende Beobachtungen zum Standardrepertoire qualitativer Verfahren (siehe auch die Beiträge von Kaiser, Goldberg und Hildebrandt, Prinzen, sowie Birkholz et al. in diesem Band). Visuelle Methoden unterstützen diese Methodenansätze bei der Datenerhebung und Auswertung. So können Interviews oder Gruppendiskussionen parallel gefilmt und die Videodaten im Anschluss transkribiert und mit Bild und Ton ausgewertet werden. Auch die teilnehmende Beobachtung kann durch das Verfahren der standardisierten Videografie ersetzt und hinsichtlich ihrer Objektivität verbessert werden. Bei der qualitativen Auswertung werden häufig rekonstruktive Verfahren der dokumentarischen Methode (z. B. Bohnsack et al. 2013) eingesetzt. Hierfür erfolgt zuerst die Festlegung des Untersuchungsfeldes innerhalb des videografierten Datenmaterials, die Gegenstandskonstruktion und die theoretisch geleitete Stichprobenziehung unter einer forschungsleitenden Annahme und Fragestellung. Die interpretativen Rekonstruktionen streben eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit über eine klar strukturierte Fallbeschreibung, Begründung der Fallauswahl und transparente Schrittfolge bei der Typenbildung sowie eine inhaltliche Sättigung an. Mikroanalysen finden oftmals in Gruppen und Interpretationswerkstätten statt.

Der Fokus der Ethnografie richtet sich bei der Videoanalyse vor allem auf die spezifische „Kultur“ der Akteure mit ihren spezifischen Strukturen, Abhängigkeiten, Gesetzen, Ordnungen, Riten und Handlungen sowie Zeichen, Gesten und Symbolen (vgl. auch Breidenstein et al. 2013). Ziel dieser Methode ist es „to grasp the native’s point of view, his relation to life, to realise his vision of his world“ (Malinowski 1922, S. 25). Videografie bietet die Möglichkeit der Beobachtung über einen längeren Zeitraum, ohne dass die/der Forscher/-in mit der beobachteten Gruppe „verschmilzt“. Mit Hilfe der standardisierten Videodaten kann die/der Forscher/-in die untersuchte Gruppe in ihrer alltäglichen Umgebung kennenlernen, ihre interaktiven Handlungspraxen aus unterschiedlichen Perspektiven nachvollziehen und die gesammelten Informationen nach eigener Durchsicht überprüfen und in den Lebenszusammenhang und die sozialen Milieus ihrer Mitglieder einordnen. „As central as the setting is to Video-Analysis, its pursuit of that setting is located in the tradition of textual, linguistic analysis. Although this tradition is being questioned at the moment by the focus on „multi-modality“, there is no decisive notion of the visual in Video-Analysis“ (Knoblauch und Schnettler 2006, S. 3). Fotografie kann z. B. helfen, durch Synergieeffekte die Grenzen zwischen der Produktion und Analyse von Videodaten aufzulösen (Knoblauch und Schnettler 2006, S. 3). Antworten auf spezifische Probleme sowie einen Überblick über die ethnografische Forschung in verschiedenen thematischen Forschungsfeldern findet man in Handbüchern, beispielsweise von Hobbs und Wright (2006). Pritzlaff (2006) geht auf das spezifische Potenzial der Ethnografie für die Politikwissenschaft ein.

Das Spektrum der Diskursanalyse ist weit ausdifferenziert und bietet zahlreiche Methoden, Videos hinsichtlich Realität vs. Fiktion, Spiel vs. Authentizität, hinsichtlich der Inhalte, textuellen Gestaltung und Narrationsschemata inklusive rhetorischer Stilmittel und der sozialen Beziehung der Gesprächspartner/-innen zu analysieren (Angermuller et al. 2014; siehe auch Wodak in diesem Band).

Filmanalytische Verfahren nehmen die Kamerabewegung und -position (Zoom, Überblendungen, Bildschnitte), die sequenzielle Abfolge und den Zusammenhang von Szenen, Raum, Licht, Geräuschen, Gegenständen und Personen sowie Symbolsystemen in den Blick. Doppelkodierungen der bildhaften Repräsentation über ein visuell-nonverbales System und der sprachlichen Repräsentation über ein verbales System sind aufzudecken (Bortz und Döring 2003, S. 335). Die deutschsprachige Filmwissenschaft steht in der Tradition der Hermeneutik und fasst Videos als mehrschichtige sinnhafte Konstrukte auf, die mit Hilfe eines zirkulären Verfahrens entschlüsselt werden können. „Ausgehend von einer ersten, noch unbefangenen Sichtung des Materials können dabei Besonderheiten, gegebenenfalls auch Verständnisschwierigkeiten der inhaltlichen wie formalen Gestaltung wahrgenommen werden, die in weiteren, gezielten Auseinandersetzungen mit dem Untersuchungsgegenstand genauer herausgearbeitet und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Dabei sollten auch Kontexte einfließen, die Strategien wie auch Ungereimtheiten der Inszenierung erhellen“ (Keutzer et al. 2014, S. 5–6). Gerade die Einbeziehung des Kontexts wie z. B. der Produktionsbedingungen (Pre-Production, Agentur, Regie, sozialer Umgang etc.) ist ein Desiderat, das in der Wahlspotforschung kaum einbezogen wird. Die narrative Analyse und Aufdeckung semantischer Gehalte bietet noch Forschungspotenzial. Zu den inhaltsanalytischen Verfahren zählt auch die Qualitative Inhaltsanalyse (vergleiche Beitrag Hutter in diesem Band), die als typische Methode für die Quantifizierung qualitativer Videodaten in der Unterrichtsforschung im folgenden Kapitel ausführlicher beschrieben wird.

2.2.2 Quantitative Auswertung

In der Unterrichtsforschung haben sich mehr und mehr quantitative Auswertungsverfahren –auch auf Basis der technischen Entwicklung von benutzerfreundlichen Software-Tools (wie z. B. Videograph vom IPN Kiel) – etabliert, die auch in der politikwissenschaftlichen Forschungen Anwendung finden können und deshalb hier detailliert dargestellt werden.

Bei den quantifizierenden Ansätzen der Videoanalyse lassen sich grundsätzlich zwei Beobachtungsverfahren unterscheiden. Niedrig-inferente Kodierungen beziehen sich auf direkt beobachtbare Merkmale mit geringem Interpretationsspielraum, während hoch-inferente Ratings nicht direkt beobachtbare Merkmale mit hohem Interpretationsspielraum zum Gegenstand haben (siehe auch Heiss und Matthes in diesem Band). Inferenz bezieht sich also auf den Grad an Schlussfolgerungen, der zur Beurteilung eines Merkmals notwendig ist (Seidel und Thiel 2017, S. 4). Der Fokus der Betrachtung kann sowohl auf den Individuen (individuelle Merkmale, relationale Merkmale und Kontextmerkmale eines Individuums) als auch auf der Gruppe (aggregative Merkmale und integrale Merkmale) liegen. In der Unterrichtsforschung werden typischerweise die zeitliche Dauer verschiedener Unterrichtssequenzen, die Anzahl von Redebeiträgen der Lehrperson und/oder der Schülerinnen und Schüler oder die Einsatzhäufigkeit von verschiedenen Sozialformen (Einzelarbeit, Gruppenarbeit …) niedrig-inferent kodiert. Hoch-inferente Ratings liegen vor, wenn etwa die Qualität von Lehrer/-innenrückmeldungen zu Schülerbeiträgen oder der fachliche Gehalt des Unterrichtsgesprächs beurteilt werden soll. Beispiele für niedrig inferente Kodierungen sind die Bestimmung der Anzahl und/oder Dauer von Redebeiträgen verschiedener Sprecher/-innen. Ein hoch-inferentes Rating liegt vor, wenn zum Beispiel die Gesprächsatmosphäre einer politischen Talkrunde bewertet werden soll. Zur Beurteilung dieses Merkmals genügt nicht ein einzelner Indikator. Vielmehr müssen theoriegeleitet Indikatoren für verschiedenen Kategorien oder Ausprägungen von Unterrichtsqualität bestimmt und in Form eines Ratermanuals festgeschrieben werden.

Ferner wird die Kodierung zeitlicher Sequenzen (time-sampling) im Gegensatz zu einer Kodierung von Ereignissen (event-sampling) unterschieden. Beim time-sampling wird das Videomaterial in Intervalle (z. B. 10-Sekunden, 1-Minute o. ä.) unterteilt, so dass die Kodierung sich jeweils auf gleich lange Zeiteinheiten bezieht (z. B. kann so die durchschnittliche Anzahl von politischen Fachbegriffen im Unterrichtsgespräch bestimmt werden). Im Gegensatz hierzu wird beim event-sampling jeweils kodiert, wenn ein bestimmtes Ereignis auftritt (z. B. immer wenn ein politischer Fachbegriff genannt wird, wird dieser zusätzlich bezüglich seiner korrekten Verwendung kategorisiert).

Die meisten dieser Beobachtungsverfahren greifen bei der Entwicklung eines Kodier- oder Ratingmanuals zur quantitativen Datenauswertung auf die Systematik der qualitativen Inhaltsanalyse Mayring (2010) zurück. Dabei werden qualitative Daten anschließend quantifiziert, etwa indem Häufigkeiten, Prozentwerte oder Wahrscheinlichkeiten berichtet werden. Die Kategoriensysteme können dabei induktiv, deduktiv oder in einem Wechselspiel aus induktiv-deduktiven Arbeitsschritten entwickelt werden. Vor der eigentlichen Kodierung werden die Analyseeinheiten des videografierten Datenmaterials bestimmt (Kodier-, Kontext- und Auswertungseinheit). Darauf folgen mehrere Analyseschritte mittels des erstellten Kategoriensystems, das wiederholt sowohl an der Theorie als auch am Material überprüft wird. Bei Veränderungen oder Anpassungen des Kategoriensystems erfolgt ein erneuter Materialdurchlauf. Generell lassen sich niedrig-inferente Kodierungen wie z. B. Anzahl der Redebeiträge, zeitliche Länge der Äußerungen oder räumliche Form des Settings anhand eines vordefinierten Kodiermanuals eindeutiger auswerten. Hoch-inferente Ratings wie Bewertungen der inhaltlichen Qualität oder der Emotionalität der Interagierenden hingegen haben einen höheren Interpretationsspielraum und bedürfen häufiger einer Mehrfachschleife bei der Entwicklung eines adäquaten Ratingmanuals für die zu untersuchenden Dimensionen. Bei hoch-inferenten Ratings ist eine gute Beurteilerübereinstimmung geboten, d. h. mehrere unabhängige Rater/-innen müssen anhand des gleichen Ratingmanuals die gleichen Sequenzen auswerten (vgl. zur Problematik des Ratings: Praetorius et al. 2012). Die Werte für Cohen’s Kappa können in Abhängigkeit der Hochinferenz zwischen 0,6 und 0,9 schwanken. „Merkmalsausprägungen können durch regelgeleitete Zuweisung von Zahlen gemessen werden“ (Bortz und Döring 2003, S. 6). Für das Kodieren oder Raten von Transkripten sowie Bildmaterialien eignet sich zum Beispiel die Software MAXQDA, während Videomaterial beispielsweise mit den Programmen Videograf oder Interact analysiert werden kann. Gerade die niedrig-inferenten Merkmale auf der Sichtstrukturebene lassen sich gut quantitativ auswerten, dafür eignen sich je nach Fragestellung gängige Statistikprogramme wie SPSS oder Stata. „Werden Textmerkmale auf Ratingsskalen eingeschätzt, die als intervallskaliert interpretiert werden können, sind Varianzanalysen und Korrelationsanalysen möglich“ (Bortz und Döring 2003, S. 153).

Eine Kombination von Kodierung und Ratings ist möglich und oft sinnvoll (vgl. evaluative Codes der Inhaltsanalyse, siehe auch den Beitrag von Hutter in diesem Band). So erfolgt nach einer Basiskodierung, die bestimmte Analyseeinheiten definiert, anschließend eine qualitative Beurteilung der Analyseeinheiten. In die Erfassung der Sichtstrukturen können die Ergebnisse der Analyse der Tiefenstrukturen eingebettet werden. Allerdings ist dieses methodische Herangehen zur validen Erfassung von Unterrichtsqualität mit einem sehr hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

In der Videografieforschung werden häufig verbale Daten und visuelle Daten kombiniert ausgewertet (Datentriangulation, Denzin 1970). Die Videografien an sich erlauben in der Regel noch keine Rückschlüsse darauf, warum die beobachteten Personen so handeln, wie sie handeln, oder wie ihr Handeln beispielsweise vom Publikum rezipiert wird. Individuelle Merkmale und Einstellungen können über begleitende Befragungen oder post-hoc Interviews erhoben und mit den Videodaten in Beziehung gesetzt werden (Methodentriangulation). Aufgrund der Reichhaltigkeit von Videodaten sind auch Misch-Designs innerhalb von Videoanalyse möglich, zum Beispiel eine Quantifizierung qualitativer Daten (etwa bei Anwendung der Qualitativen Inhaltsanalyse) oder in Form der Qualifizierung quantitativer Daten (Kuckartz 2014).

3 Anwendungsbeispiele

3.1 Anwendungsbeispiel Politikwissenschaft

„Medien bilden Wirklichkeit ab, sind also mimetisch und reproduzierend, erzeugen aber auch ihre eigene Welt“ (Keutzer et al. 2014, S. 3). Kommunikation in und über Politik zeichnet sich durch Mündlichkeit und Diskursivität aus. Die standardisierte Videografie ist hier ein prädestiniertes Mittel, um politische Kommunikationsprozesse zu erfassen und zu erforschen. Gerade mediale TV-Berichterstattungen (z. B. TV-Duelle, Wahlwerbespots) zu Wahlkampfzeiten werden häufig hinsichtlich ihrer Inszenierungstechniken untersucht, da Wahlkämpfe „zu hochgradig inszenierten Kommunikationszusammenhängen“ (Dörner und Schicha 2008, S. 11) verdichtet sind. Dazu vorliegende Audio- und Videodaten bieten ein breites Spektrum zur Analyse zahlreicher inhaltlicher, gestaltungstechnischer oder personaler Fragestellungen an.

In dem Band „Politik im Spot-Format“ von Dörner und Schicha (2008) werden Wahlspots von Parteien und Politiker/-innen analysiert. In der Mehrzahl der Beiträge erfüllen die Videodaten im Wesentlichen eine illustrative Funktion. In einigen Beiträgen kommt mit der quantitativen Inhaltsanalyse ein systematisches Analyseverfahren zur Anwendung (z. B. bei Diermann et al. 2008; Kleiner und Nieland 2008; Maurer 2008; Schwender et al. 2008 und Thimm und Hartmann 2008). Thimm und Hartmann (2008, S. 366 ff.) untersuchen beispielsweise inhalts- und sequenzanalytisch die EU-Wahlwerbung der Grünen und legen die Analysekriterien (Kampagnenmittel, Medienwirkung, Amerikanisierung, Motive) explizit offen. Auch Holtz-Bacha und Kaid (1993) und Holtz-Bacha und Lessinger (2015) gehen inhaltsanalytisch vor und erläutern das methodische Verfahren (z. B. Analyse auf der Ebene ganzer Wahlspots sowie auf der Ebene von Sequenzen) sowie auch die gewählte Operationalisierung, d. h. die verwendeten Indikatoren zur Bestimmung der Dynamik der Wahlspots (z. B. Anzahl Schnitte pro Spot, Tempo einer ggfs. vorhandenen Hintergrundmusik). Insgesamt fällt jedoch auf, dass die Auswertungsmethoden und -kriterien oft als bekannt vorausgesetzt werden und nicht separat dargelegt werden, wie dies in der empirischen Bildungsforschung in der Regel erfolgt.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel bieten Jansen et al. (2010). Sie vergleichen die Inszenierung von Angela Merkel und Gerhard Schröder im Wahlkampf 2005 in privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Sendungen. Theoretische Bezüge zu Nachrichtenproduktionsverfahren und Genderstereotypen werden in ein Kategoriensystem zur inhaltsanalytischen Auswertung transformiert: Zum Inhaltsaspekt zählen das thematische Framing und die verbale Aktivität (Redeanteile), zur Personalisierung z. B. die Größe des abgebildeten Kopfes, zum Situationsaspekt der soziale (z. B. Anzahl der Personen im Bild) und räumliche Kontext und zur Darstellung die Kameraeinstellung (z. B. Frosch- vs. Vogelperspektive) (Jansen et al. 2010, S. 37–38). Als Datenbasis für die explorative Studie dienen die Aufzeichnungen der Prime-Time-Nachrichten von ARD und ZDF eines Monats vor der Wahl 2005. Hieraus werden sequenzanalytisch die Szenen kodiert, in denen Merkel und/oder Schröder zu sehen sind. Es handelt sich somit um eine Prozessanalyse, die z. B. mit dem Programm INVAS (Interaktives Videoanalysesystem) durchgeführt wird (Jansen et al. 2010, S. 40). Die kodierten Daten können im Anschluss mit gängigen Statistikprogrammen (z. B. ALM, allgemeines lineares Modell in SPSS) ausgewertet werden. Insgesamt gibt es einige wenige signifikanten Befunde wie die längere politische Berichterstattung mit größerer Kopfabbildung der beiden Kandidaten und aus Froschperspektive bei RTL und es sind eher Tendenzen z. B. sozialer Orientierung Merkels mit mehr Nebenfiguren (Jansen et al. 2010, S. 45) erkennbar, die in weiteren Replikationsstudien zu anderen Wahlterminen (z. B. Bundestagswahl 2017) und mit anderen TV-Sendern überprüft werden müssen. Das Verfahren der Videoanalyse hingegen konnte hinsichtlich der Beurteilerübereinstimmung als reliabel eingestuft werden (Jansen et al. 2010, S. 46).

3.2 Anwendungsbeispiel politische Bildung

Die ersten Anwendungsbeispiele fachdidaktisch motivierter Videoerhebungen sowie Videoauswertungen gehen auf die 1990er-Jahre zurück. Hier wurden einzelne Unterrichtsstunden aufgenommen, um sie so einer tiefergehenden Analyse und fachdidaktischen Reflexion zugänglich zu machen (z. B. Gagel und Unger 1992). Inspiriert durch die Video-Begleitstudien der internationalen Schulleistungsuntersuchungen (z. B. TIMMS 1995, 1999; DESI 2001–2008) sind in der Folge auch immer mehr fachdidaktisch motivierte Videostudien entstanden. In dem Schweizer Projekt „Geschichte und Politik im Unterricht“ (Gautschi et al. 2007) wurden in 60 repräsentativen Schulklassen dreier Kantone jeweils eine Einzel-/Doppelstunde im Fach Geschichte (Sekundarstufe I) standardisiert aufgezeichnet, um Beschreibungswissen zu Lernaktivitäten, Lehrmethoden und Unterrichtsinhalten zu generieren. Zusätzlich wurden Fragebögen (sowie auch Wissenstests für Schüler) eingesetzt, um beispielsweise Zusammenhänge zwischen dem Fachverständnis der Lehrpersonen und deren unterrichtlichen Handeln und Wirkungen untersuchen zu können. In dem Projekt „Klassenrat empirisch“ (Lötscher und Wyss 2013) wird die schulische Alltagspraxis in Klassenratsstunden in zwei Schweizer Kantonen untersucht. Dabei wurden Videografien von Klassenratssitzungen (Jahrgangsstufen 6–9) erstellt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Anhand zusätzlicher Fragebögen konnte auch die Sicht der Lehrer/-innen (z. B. Ziele von Klassenratssitzungen) und Schüler/-innen (z. B. Wahrnehmung und Gefallen der Klassenratssitzungen) einbezogen werden.

Im deutschsprachigen Raum wurde die standardisierte Videografie als innovative Methode der politikdidaktischen Unterrichtsforschung erstmals am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialwissenschaften der Universität Duisburg-Essen eingesetzt. Im Jahr 2012 haben die Autorinnen zunächst eine explorative Videostudie durchgeführt (Cives! School of Civic Education 2017). Ziel war, die Komplexität von Lehr-Lernprozessen im Fachunterricht Politik/Wirtschaft genauer unter die Lupe zu nehmen, typische Muster zu erkennen und die Ergebnisse für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zu nutzen (Manzel und Gronostay 2013). In der Videostudie „Argumentative Lehr-Lernprozesse“ (Gronostay 2016) wurde in zehn Schulklassen (und 50 Unterrichtsstunden) der Jahrgangsstufen 8/9 an Gymnasien in NRW Unterricht zum NPD-Verbotsverfahren in Anlehnung an das Kameraskript der IPN-Videostudie (Petko 2006) aufgezeichnet. Im Folgenden wird anhand von drei Teilstudien aufgezeigt, wie vielfältig die Funktionen von Videografie in der (Unterrichts-)Forschung sind.

Im Rahmen einer Teilstudie (Gronostay 2016) wurde das Videomaterial dazu genutzt, die Qualität mündlicher Argumentationen von Schüler/-innen im Rahmen kontroverser politischer Diskussionen zu erfassen. Hier steht die Prozessdimension von Unterricht im Fokus und wird einer zeit- und situationsunabhängigen fachdidaktischen Analyse zugänglich. Video- und Tondaten erleichtern durch die Aufzeichnung von Mimik, Gestik, Intonation und Redepausen etc. auch die Interpretation von argumentativen Redebeiträgen im Vergleich zu reinen Unterrichtstranskriptionen. Sequenzanalytisch wurde nicht nur die Häufigkeit bestimmter Arten von Sprechakten (z. B. Argument, Einwand), sondern auch die konditionale Wahrscheinlichkeit bestimmter Sprechaktsequenzen untersucht. Neben fünf typischen Argumentationsmustern zeigte sich, dass fast 40 Prozent der Argumente im Diskurs gar nicht weiter aufgegriffen – sondern lediglich durch neue, andere Argumente aufgewogen – wurden; ein Phänomen, das vermutlich ähnlich in politischen Talkshows beobachtet werden könnte.

In einer anderen Teilstudie (Gronostay 2018) wurde die videografierte Diskussionsbeteiligung der Schüler/-innen mit Fragebogendaten in Verbindung gesetzt. So konnte der, u. a. in politikwissenschaftlichen Studien, berichtete Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf das politische Diskussionsverhalten getestet werden. Übereinstimmend mit den Studien von z. B. Gerber et al. (2012) zeigte sich, dass Extraversion und Offenheit für Erfahrungen (vermittelt über die Argumentierfreude) positiv mit der Beteiligung an kontroversen politischen Diskussionen assoziiert sind, während Verträglichkeit und Neurotizismus eher abträglich sind.

Eine weitere Studie berücksichtigt neben dem Engagement in den (Fishbowl)-Diskussionen auch die Emotionalität der Schüler/-innen (Manzel 2016, S. 147). Hinsichtlich der emotionalen Involviertheit zeigt sich in einer Teilauswertung, dass Schüler/-innen in kontroversen Diskussionen deutlich emotionaler agieren als im regulären Plenumsunterricht. Das Ausmaß der Emotionalität variiert in den fünf untersuchten Klassen, aber im Vergleich zum regulären Klassengespräch steigt die Emotionalität bei allen mit der Rollenübernahme (pro/contra) in der Diskussion signifikant an. Die Freude am Argumentieren, aber auch die Unsicherheit bzgl. der eigenen inhaltlichen Äußerungen nimmt deutlich zu.

Die Videografie ermöglicht in diesen Studien einen Einblick in authentische, alltägliche Unterrichtspraxen mit Fokus auf Diskussion und Argumentation im politischen Fachunterricht. Anstelle von Selbstauskünften der Betroffenen (z. B. der Schüler/-innen oder Lehrpersonen) kann ihr Verhalten in situ beobachtet und unter verschiedenen Aspekten standardisiert analysiert werden. Durch die Kombination von Fragebogen- und Videodaten kann beobachtetes Verhalten mit Personenmerkmalen systematisch in Beziehung gesetzt werden. Eine Einschränkung dieser Videostudien besteht jedoch in der Nicht-Repräsentativität der Stichprobe, die keine Verallgemeinerungen auf der Ebene der Grundgesamtheit zulässt.

4 Fazit

Insgesamt betrachtet bietet die Videografie als Forschungsmethode einen deutlichen Mehrwert gegenüber klassischen Beobachtungsverfahren. Audiovisuelle Daten verfügen über den Vorteil der Simultanität, Multidimensionalität und Wiederholbarkeit der aufgenommenen Interaktionen und Prozesse (durch die Möglichkeit, Videomaterial zeit- und ortsunabhängig abspielen zu können). Die Frage der Repräsentation von Wirklichkeit und der Konstruktion sozialer Praxen und Handlungslogiken gilt es unter dem Aspekt der Selektivität von Videoaufzeichnungen durch die Kameraführung und die Intention des Aufnehmenden zu reflektieren. Die visual sociology hat hierzu seit den 1970er-Jahren in Verbindung mit der Ethnografie methodische Zugänge entwickelt (vgl. Harper 2012). Der große Zeitaufwand und die damit verbundenen Kosten (Technik, kompetentes Personal) haben die Videografie aber bisher noch nicht als gängige Methode in der empirischen Wissenschaft etabliert.

Nach Sichtung der bisherigen Video-Analysen in der Politikwissenschaft, überwiegend im Bereich der politischen Kommunikation rund um Wahlkämpfe, scheint die Forschung mit Videografie eher als Auswertungs- und noch nicht so sehr als Erhebungsmethode eingesetzt zu werden. Die empirische Bildungsforschung ist hier in der Standardentwicklung ein paar Schritte weiter, so dass Synergieeffekte über die Disziplingrenzen hinweg nutzbar sind. Gerade der Aufwand der eigenen Erhebung von Videomaterial weckt den Wunsch nach einer Onlineplattform, über die Videos auch in der Forscher-Community geteilt werden können, um den Mehrwert dieser aufwändigen Methode auszuschöpfen. Die Datenschutzproblematiken bei der Erhebung von Videomaterial sind nicht zu vernachlässigen. In der Unterrichtsforschung ist ein aktueller Trend zu staged videos zu beobachten, also szenisch von Schauspieler/-innen nachgespielten typischen Unterrichtszenen. Diese gestellten, aber typischen Szenen dienen gleichzeitig als Vignetten in der Lehrerausbildung und Fortbildung.

Videografie als Forschungszugang, Erhebungs- und Auswertungsmethode ist ein dynamisches Feld. Hier sind permanent neue Entwicklungen im Bereich der Neuen Medien zu beobachten, die ein erhebliches Innovationspotenzial bieten. Gerade Videokreationen (z. B. über musical.ly, youtube oder iMovie) bieten die Chance der unkomplizierten Erhebung, aber gleichzeitig auch neue Analysefelder.

5 Kommentierte Literaturhinweise

In den Sozialwissenschaften sind seit dem sog. „iconic turn“ vermehrt Einführungswerke zur Videografie als Forschungsmethode entstanden. Einen guten Überblick über die Videografie als Methode interpretativer Sozialforschung geben Tuma et al. (2013). Neben der Thematisierung von Spezifika audiovisueller Daten werden auch historische Grundlagen sowie im Speziellen die Interaktionsanalyse behandelt. Dies gilt in ähnlicher Weise für den europäisch-international orientierten Band von Knoblauch und Schnettler (2006). Einen interessanten Fokus auf Entscheidungsprozesse in Gremien nehmen Nullmeier et al. (2008) ein. Neben der Datenerhebung und -transkription bietet der Band auch vertiefte Einblicke in die Analyse von Entscheidungsprozessen sowie Machtkonstellationen in Gremien.

Für Forschungsprojekte der politischen Bildung eignet sich als Einführung in die Videografie der Band von Rauin et al. (2016). Das Herausgeberwerk gibt einen sehr praxisorientierten Überblick (z. B. mit Checklisten zur Datenerhebung, Vergleich von Softwarepaketen) über qualitative wie quantitative Analyseverfahren sowie speziell auch deren Kombinationsmöglichkeiten. Noch praxisnäher und ebenfalls lohnenswert sind die technischen Berichte größerer Videostudien, etwa Seidel et al. (2005). Ein etwas älterer, aber durchaus noch lesenswerter Klassiker zur Einführung in Videostudien ist der englischsprachige Band von Janík und Seidel (2009), in dem auch die Herausforderungen größer angelegter Videostudien thematisiert und an Beispielen veranschaulicht werden. In der qualitativ arbeitenden Erziehungswissenschaft gibt es bereits eine längere Tradition der Videografie als Forschungsmethode. Ein wichtiges Grundlagenwerk, das alle Schritte von der Datenerhebung über die Analyse (im Fokus stehen die vier Methoden Segmentierungs-, Konfigurations-, Sequenz- und Konstellationsanalyse), bis zur Auswertung und Reflexion der Grenzen der Videografie behandelt, bieten Dinkelaker und Herrle (2009). Steht die dokumentarische Analyse von Film- und Videodaten im Vordergrund, werden Interessierte bei Bohnsack et al. (2015) fündig.

Fußnoten

  1. 1.

    Die Autorinnen danken Tanja Pritzlaff-Scheele und Achim Goerres für konstruktive sowie Erik Wenker für sprachliche Hinweise.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Politikwissenschaft/Didaktik der SozialwissenschaftenUniversität Duisburg-EssenEssenDeutschland

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