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Gruppendiskussionen und Fokusgruppeninterviews

  • Katrin PrinzenEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Gruppendiskussionen sind eine Methode zur Erhebung qualitativer Daten, bei denen ein oder zwei Moderierende das Gespräch mehrerer Freiwilliger im Hinblick auf vorher festgelegte Themen initiieren und lenken. Die Gruppendiskussionen werden per Audio und/oder Video aufgezeichnet und die Inhalte für die Analyse transkribiert. In diesem Beitrag werden (1) Gruppendiskussionen als Methode eingeführt, (2) die Grundelemente der Planung und Durchführung erläutert, (3) ausgewählte politikwissenschaftliche Anwendungen von Gruppendiskussionen aus den Forschungsfeldern der methodologischen Bewertung von Survey-Items, der politischen Einstellungsforschung, sowie der qualitativen Wahlforschung vorgestellt, (4) Stärken sowie Grenzen und Herausforderungen von Gruppendiskussionen aufgezeigt und (5) nach einer Schlussbemerkung (6) kommentierte Literaturempfehlungen gegeben.

Schlüsselwörter

Fokusgruppen Fokusgruppeninterview Focus group interviews Qualitative Forschung Focus groups 

1 Einführung in die Methode der Gruppendiskussion

Die Gruppendiskussion ist eine Methode zur Erhebung qualitativer Daten.1 Sie ist gekennzeichnet durch ein Gespräch unter mehreren Teilnehmenden, das ein oder mehrere Moderierende zum forschungsrelevanten Thema lenken. Dies geschieht mit Moderationstechniken und vorher festgelegten Stimuli, die die Diskussion thematisch eingrenzen sollen. Die Diskussion wird durch Audio- und/oder Videoaufnahmen festgehalten, um den Inhalt später anonymisiert zu transkribieren. Das Transkript kann mit verschiedenen, in der qualitativen Sozialforschung gängigen Methoden ausgewertet werden. In der Literatur findet sich neben der Bezeichnung Gruppendiskussion auch die Bezeichnung des Fokusgruppeninterviews (focus group interview; z. B. Mayerhofer 2009, S. 479). In diesem Kapitel wird der Begriff der Gruppendiskussion verwendet.

Der interaktive Gruppencharakter ist kennzeichnend für die Methode und soll sicherstellen, dass die Teilnehmenden ihren eigenen Sprachstil und inhaltliche Kategorien aus ihrem Lebensalltag nutzen. Eine Gruppendiskussion ist mehr als die gleichzeitige Befragung mehrerer Personen, denn es geht um die Äußerungen im diskursiven sozialen Austausch inklusive deren Veränderbarkeit im Gesprächsverlauf (Lamnek 2005, S. 35). Die Gruppeninteraktion ist ein grundlegender Bestandteil des Erkenntnisinteresses und nicht, wie oft angenommen, ein verzerrender Faktor, der zum Beispiel soziale Erwünschtheit hervorrufe. Es wird argumentiert, dass Menschen sich stets im sozialen Kontext befinden und diese Methode somit realitätsnah sei (Goerres und Prinzen 2014, S. 90). Mögliche Differenzen zu Ergebnissen von beispielsweise Einzelinterviews sprechen nicht für die Ungültigkeit eines der beiden Ergebnisse, sondern zeigen vielmehr, dass Meinungen oder Verhalten abhängig von der Einzel- oder Gruppensituation variieren (Wight 1994; Lamnek 2005, S. 33–34).

Politikwissenschaftliche Fragestellungen beziehen sich meist auf soziale Kontexte: Seien es politische Kommunikation, politische Normen, die Verteilung von Macht, politisches Engagement, Wahlverhalten oder Institutionenvertrauen. Für diese und weitere Forschungsgegenstände bieten sich also Gruppendiskussionen an, weil diese in Bezug auf die soziale Situation realitätsnah sind. In diesem Verständnis unterscheidet sich die Gruppendiskussion von der Gruppenbefragung, die ein qualitatives, nicht-interaktives Interview mehrerer Personen gleichzeitig ist (Mayerhofer 2009, S. 479). Der Vorteil der Gruppenbefragung wird darin gesehen, dass sie zeitökonomischer als die Durchführung von Einzelinterviews ist.

In der Politikwissenschaft werden Gruppendiskussionen im Vergleich zu anderen Methoden bislang selten verwendet. Ein Grund mag dabei die Assoziation zu den Methoden des (politischen) Marketings sein, die teils als „unwissenschaftlich“ gelten. Ein anderer mag die Betrachtung der Gruppendiskussion aus Perspektive der quantitativen Umfrageforschung sein, die Individualdaten an einer systematisch gezogenen Stichprobe auf die Grundgesamtheit bezieht – was Gruppendiskussionen wegen der geringen Fallzahl und Nicht-Standardisierung als die vergleichsweise schlechtere Alternative erscheinen lässt (Stanley 2016, S. 237). Der Wert der Gruppendiskussionen für die Politikwissenschaft liegt aber darin, verstehen zu können, wie eine (bestimmte) soziale Gruppe Bedeutungen politischer Phänomene verbalisiert und aushandelt. Damit können politische Meinungen und politische Verhaltensweisen – wie Wertvorstellungen, Argumentationsweisen, Verhandlungsabläufe, Einstellungen, (Wahl-)Entscheidungen, Legitimität, Institutionenvertrauen oder (kollektive) Identitäten – erforscht werden. In den Diskussionen können politische Phänomene durch die Beobachtung von Äußerungen, Diskussionsverlauf, Konvergenzen und Divergenzen der geäußerten politischen Meinungen und Verhaltensweisen im sozialen Kontext rekonstruiert und erklärt werden (della Porta 2014; Stanley 2016).

In den Sozialwissenschaften lassen sich grundsätzlich zwei methodologische Ansätze von Gruppendiskussionen unterscheiden. Die erste Gruppe von Forschenden versteht Gruppendiskussionen als Erhebung von Individualäußerungen im Gruppenkontext (Pollock 1955), die zweite sogenannte Gruppenmeinungen (Kruse 2015, S. 190). Dem ersten Ansatz liegen die folgenden Annahmen zugrunde:

„1. Meinungen und Einstellungen werden nicht isoliert entwickelt oder wirken isoliert, sie stellen oft nur ein vages oder diffuses Potenzial dar. Sie können 2. Schwankungen unterliegen und widersprüchlich sein. Durch eine erzwungene Diskussion können 3. psychologische Sperren durchbrochen und noch latente Einstellungen offenbart werden. 4. Dem eigentlichen Inhalt von Aussagen, der durch Rationalisierungen bei den Diskutierenden verdeckt wird, kann in der GD [Gruppendiskussion, K. P.] näher gekommen werden.“ (Krüger 1983, S. 93)

Studien dieser Gruppe haben als Forschungsgegenstand beispielsweise individuelle Meinungen und Einstellungen im sozialen Kontext, individuelle Meinungen, Erfahrungen, Gefühle und Einstellungen, die typisch für bestimmter Gruppen sind, gruppenspezifische Verhaltensweisen, konsensuale Meinungen im Kontext von gruppendynamischen Prozessen oder Motivationsstrukturen (Kruse 2015, S. 196). Beispielsweise untersuchen Mau und Sachweh (2014), wie Personen aus der Mittelschicht die politischen Reformen der Renten- und Arbeitslosenunterstützung 2005 in Deutschland, die das tief verankerte sozialstaatliche Grundprinzip des Statuserhalts aufweichen, bewerten und diskutieren.

Die andere Gruppe von Forschenden untersucht sogenannte Gruppenmeinungen, also sozial konstruierte Deutungsmuster oder kollektiv verankerte Orientierungsmuster (Kruse 2015, S. 190). Dieses Verständnis ist insbesondere in der deutschsprachigen Soziologie und Bildungswissenschaft zu finden. Innerhalb dieser Gruppe finden sich verschiedene Definitionen von Gruppenmeinungen (Mangold 1960; Nießen 1977; Bohnsack 1989), auf die nicht im Einzelnen eingegangen werden kann. Der Ansatz nach Bohnsack gilt als der methodologisch am weitesten entwickelte. Er erfasst kollektive Orientierungsmuster, also sozial geteilte Muster von Sinnstiftungen, die Verstehen intuitiv ermöglichen. Diese Muster entstehen aufgrund von gemeinsamen sozialen Erfahrungsräumen, die jede Person abhängig von ihrer Identität bzw. ihren sozialen Rollen und Positionen hat. Bohnsack (1989) führte beispielsweise Gruppendiskussionen mit jugendlichen Cliquen durch, um gemeinsames implizites Wissen zu analysieren, das im Gespräch aktualisiert wird. Das Ergebnis ist eine Typologie biografischer Orientierungen in Jugendgruppen, die sich abhängig von Generation, Milieu und Geschlecht deutlich voneinander unterscheiden.

Gruppendiskussionen werden in der Politikwissenschaft für verschiedene methodologische Zwecke angewendet: (1) Sie dienen der Entwicklung von Items und Fragebögen für standardisierte Umfragen, indem sie explorativ ein breites Spektrum an möglichen Verständnissen, Bedeutungen und Formulierungen der Teilnehmenden eruieren und sammeln (O’Brien 1993). In ähnlicher Weise werden sie genutzt, um bestehende Items aus standardisierten Umfragen zu bewerten. Die Teilnehmenden erläutern und diskutieren beispielsweise ihr Verständnis eines Items und so können die Frschenden dessen Validität bewerten (z. B. Bartle 2003; Goerres und Prinzen 2012a). (2) Wie andere Methoden können Gruppendiskussionen das Datenmaterial für eine eigenständige Studie bieten (z. B. Bruter 2004; Conover et al. 1991). Conover et al. (1991) beispielsweise untersuchen Verständnisse von citizenship, also subjektive Auffassungen von bürgerlichen Rechten, Pflichten und Identitäten. (3) Gruppendiskussionen können auch unerwartete Ergebnisse aus quantitativen Studien beleuchten. Zum Beispiel können kausale Mechanismen als mögliche Erklärung für Regressionskoeffizienten mit unerwartetem Vorzeichen erkannt werden (siehe Goerres und Prinzen 2012b). (4) Gruppendiskussionen können außerdem zur Methodentriangulation eingesetzt werden (Flick 2011). So können sie eine Analyse von ambivalenten Einstellungen ermöglichen, die Personen in standardisierten Umfragen aufgrund der meist geschlossenen und eindimensionalen Items nicht äußern können (Goerres und Prinzen 2012a).

2 Planung und Durchführung von Gruppendiskussionen

In diesem Abschnitt wird auf die Planung und Durchführung von Gruppendiskussionen eingegangen. Diese beinhalten: Sampling, Gruppenzusammensetzung, -größe und -anzahl, Rekrutierungsprobleme, Strukturierung der Diskussion, Leitfaden und Erzählstimuli, Pretest, Aufzeichnung, organisatorische Vorbereitung, Ablauf der Gruppendiskussion, Transkription und Analyse. Manche Schritte sind komplex; deswegen erfolgt an den entsprechenden Stellen ein Verweis auf weiterführende Literatur. Bei der praktischen Ausgestaltung gibt es oft verschiedene Möglichkeiten, die angesprochen werden.

Für das Sampling (siehe den Beitrag von Schnapp und Bock in diesem Band), also die Auswahl der Gruppendiskussionsteilnehmenden, sind gründliche Überlegungen anzustellen, da es die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse entscheidend beeinflusst (Przyborski und Wohlrab-Sahr 2010, S. 173). Qualitative Studien zielen darauf, die Struktur des Forschungsgegenstandes und alle seine Ausprägungen zu analysieren (Przyborski und Wohlrab-Sahr 2010, S. 176). Das Sampling basiert deswegen auf dem Prinzip der maximalen strukturellen Variation (Kruse 2015, S. 242). Demnach ist der Forschungsgegenstand bestmöglich repräsentiert, wenn die Fälle sich im Hinblick auf bestimmte relevante Untersuchungsmerkmale in ihrer Ausprägung jeweils maximal voneinander unterscheiden. Alter, Geschlecht und formelle Bildung sind sehr häufig angewandte strukturierende Merkmale für qualitative Samplings in der Politikwissenschaft, weil sie die soziale und politische Erfahrung von Menschen stark prägen.

Die maximale strukturelle Variation kann mit zwei Strategien realisiert werden: Beim theoretical sampling, das der Grounded Theory Methodologie entstammt (Glaser und Strauss 1979), werden die erhobenen Daten während der Erhebungsphase analysiert. Die Merkmale zur strukturellen Variation des Samples werden dabei sukzessive herausgearbeitet. Die Datenerhebung erfolgt solange bis die Analyse eine theoretische Sättigung aufzeigt (Przyborski und Wohlrab-Sahr 2010, S. 177–178; Marshall 1996, S. 523–524). Die zweite Strategie ist das kriteriengeleitete Sampling, bei dem die Merkmale für das Sampling vor der Erhebung identifiziert werden. Diese Merkmale basieren oft auf den Erkenntnissen quantitativer Studien und/oder theoretischer Überlegungen (Przyborski und Wohlrab-Sahr 2010, S. 178–180; Marshall 1996, S. 523; Kruse 2015, S. 248 f.). Während sich das theoretical sampling bei Forschungsgebieten mit sehr geringem Wissen über mögliche Strukturierungsmerkmale anbietet, kann das kriteriengeleitete Sampling Anwendung finden, wenn genügend theoretische oder empirische Erkenntnisse vorliegen, die die Strukturierung ermöglichen.

Bei der Gruppenzusammensetzung unterscheidet man zum einen natürliche und künstliche, und zum anderen homogene und heterogene Gruppen. Im Fall der natürlichen Gruppen kennen sich die Teilnehmenden bereits vor der Gruppendiskussion und können auf gemeinsame Erfahrungen oder eine gemeinsame Sprache rekurrieren (z. B. aktive Parteimitglieder eines Ortsverbandes). Im Fall der künstlichen Gruppen kennen sich die Teilnehmenden nicht und werden vom Forschenden aufgrund bestimmter forschungsrelevanter Merkmale einer Gruppe zugeordnet (z. B. Erstwählende). Die Gesprächsdynamik unterscheidet sich in der Regel zwischen beiden Gruppenformen. „[Natürliche] Gruppen sind einander vertrauter, explizieren ggf. weniger und diskutieren innerhalb ihrer Rollenstrukturen, während künstliche Gruppen sich zunächst in der Gruppe orientieren müssen, ggf. offener sprechen können und besser von der Moderation gesteuert werden können“ (Mäder 2013, S. 42).

Weiterhin können homogene oder heterogene Gruppen gebildet werden. In homogenen Gruppen ähneln sich die Teilnehmenden in Merkmalen, die für das Untersuchungsinteresse relevant sind (z. B. Alter, Geschlecht, Erlebnisse) und bieten ein gleichartiges Erfahrungsumfeld (z. B. Interessen, Lebensbedingungen oder Sozialisation). Deswegen lassen sie eine höhere Vertrautheit untereinander und einen offeneren und detaillierteren Austausch erwarten. In heterogenen Gruppen unterscheiden sich die Teilnehmenden hinsichtlich relevanter Merkmale, wodurch dynamischere Prozesse, kontroverse Meinungen sowie gegenseitige Hinterfragungen zu erwarten sind (Flick 2007, S. 252). Beispielsweise hat das Alter große Relevanz in Diskussionen über sozialstaatliche Leistungen für verschiedene Generationen. Während sich in altershomogenen Diskussionen die Gemeinsamkeiten – gleiche Erfahrungen im gleichen Lebensabschnitt – herauskristallisieren, werden in altersheterogenen Diskussionen Kontroversen sichtbar. Teilnehmende werden mit der Perspektive anderer Generationen konfrontiert und können ihre Position relativieren (Goerres und Prinzen 2014).

In der Literatur gibt es unterschiedliche Auffassungen über die optimale Gruppengröße. Die Angaben lauten zum Beispiel drei bis acht (Barbour 2008), sechs bis acht (Morgan 1997, S. 1) oder neun bis zwölf Teilnehmende (Lamnek 2005, S. 110). Wichtiger als die Festlegung einer optimalen Zahl an Teilnehmenden ist es jedoch, die Gruppengröße an das spezifische Forschungsvorhaben anzupassen. Je bekannter und komplexer das Thema ist und je mehr die Teilnehmenden emotional vom Thema betroffen sind, desto kleiner sollte die Gruppe sein. Generell bergen kleine Gruppen die Gefahr, dass die Diskussion schwer in Gang kommt oder Störungen stärker ins Gewicht fallen (wie z. B. Vielredende, Kooperationslosigkeit etc.). Kleine Gruppen haben jedoch den Vorteil, dass einzelne Teilnehmende detaillierter erzählen können und Schweigende sich schwer zurückziehen können. Große Gruppen dagegen können das Problem von parallelen Diskussionen oder häufigen Unterbrechungen haben und sind generell schwieriger auszuwerten. Sie können jedoch aufgrund zahlreicher Sichtweisen im Vergleich zu anderen Methoden sehr vielschichtige Erkenntnisse bringen (Lamnek 2005, S. 110–113).

Ähnlich wie die Gruppengröße hängt auch die zu realisierende Gruppenanzahl stark vom Forschungsvorhaben ab. Pauschal lässt sich sagen, dass so viele Gruppendiskussionen nötig sind, bis die Forschungsfrage beantwortet werden kann. Im Vorfeld sollte die Anzahl der zu realisierenden Gruppendiskussionen nicht festgelegt werden. Somit können mehr Gruppendiskussionen geführt werden, wenn neue, forschungsrelevante Aspekte auftauchen, oder weniger, wenn Saturiertheit erlangt wurde, d. h. keine grundlegend neuen Erkenntnisse mehr auftauchen (Morgan 1988, S. 42). Des Weiteren sollte mit der Heterogenität der zu untersuchenden Population die Anzahl der Subgruppen und somit die Anzahl der durchzuführenden Gruppendiskussionen steigen (Lamnek 2005, Kap. 10.7). Oft findet sich in der Literatur auch der Hinweis, dass mindestens zwei Gruppendiskussionen (pro Subgruppe) durchgeführt werden sollten, damit die Analyse von Differenzen und Ähnlichkeiten möglich ist (Lamnek 2005, S. 117–118; Barbour 2008, S. 59; Kühn und Koschel 2011, S. 85).

Abhängig von der Zielgruppe können Rekrutierungsprobleme auftauchen. Je geringer das Interesse oder die persönliche Betroffenheit in Bezug auf das Thema und je höher der Aufwand der Teilnahme (z. B. bei hoher zeitlicher Auslastung oder weiten Anfahrtswegen) ist, desto geringer dürfte die Teilnahmebereitschaft sein. Die Forschenden können diesen Problemen entgegenwirken, zum Beispiel mit hohen Incentives, mit einem nahe gelegenen Diskussionsort oder einer Online-Diskussion (siehe hierzu z. B. Theobald und Neundorfer 2010). Wenn bei sehr kleinen und schwer erreichbaren Zielgruppen eine Diskussion beispielsweise aufgrund unvereinbarer Terminkalender oder großer geografischer Entfernung nicht realisierbar ist, sind möglicherweise Einzelinterviews vorzuziehen, bei denen die Forschenden sich zum Aufenthaltsort der Teilnehmenden begeben.

Gruppendiskussionen können nach dem Grad ihrer Strukturierung unterteilt werden. Bei der direktiven Moderation sind die Moderierenden sehr präsent, intervenieren oft und nutzen viele Stimuli zur Strukturierung der Diskussion. Bei der nicht-direktiven Moderation stoßen die Moderierenden die Diskussion nur an, die sich im besten Falle selbst entwickelt. Die wenigen Stimuli sind vage und offen und Fragen dienen allenfalls zur Aufrechterhaltung der Diskussion. Zwischen beiden Moderationsformen gibt es jedoch kontinuierliche Abstufungen. In der Praxis kommen meist beide zur Anwendung, da die Erhebung qualitativer Daten einerseits das Forschungsthema abdecken muss und andererseits offen sein soll (Kruse 2015, S. 199–200). Die Moderierenden sollten des Weiteren die Moderationsform dem Diskussionsverlauf anpassen.

Für die Diskussion wird ein Leitfaden2 (siehe auch Kühn und Koschel 2011, Kap. 4.2) entwickelt, der Erzählstimuli, einen Zeitplan und die Aufgabenteilung bei mehreren Moderierenden enthält. Erzählstimuli werden von den Moderierenden eingebracht und sollen die Diskussion zu einem Thema anregen. Sie können beispielsweise einen Problemaufriss, eine Ambivalenz, eine Provokation oder persönliche Betroffenheit darstellen (Lamnek 2005, S. 150–151). Die Stimuli können mit Hilfe von Fragen, Material (wie Video, Bild, Plakat, Zeitungsartikel), Aufgaben oder Statements transportiert werden. Stimuli sollten keine geschlossenen, suggestiven, wertenden, aggressiven Fragen oder Aussagen beinhalten. Auch sollten sie keine unangenehmen Gefühle auslösen, keine Wissensfragen sein, keine für die Zielgruppe ungewohnten Worte (z. B. Fremdworte) enthalten bzw. sich dem Sprachstil der Teilnehmenden angleichen (Kruse 2015).

Wie bei jedem Datenerhebungsinstrument sollte vor der Erhebung ein Pretest des Leitfadens durchgeführt werden. Der Leitfaden sollte inklusive dem gegebenenfalls verwendeten Material an mindestens einer Gruppe unter realen Bedingungen getestet werden, wobei insbesondere auf den Zeitplan, die Verständlichkeit und Reihenfolge der Erzählstimuli und den Umgang mit der Aufzeichnungstechnik (siehe unten) geachtet werden sollte. Nach der Probediskussion sollten die Teilnehmenden die Diskussion und die Stimuli bewerten – beispielsweise hinsichtlich der Verständlichkeit oder der Vollständigkeit der Stimuli. Die Moderierenden sollten bei der Gelegenheit den Leitfaden bereits beherrschen. Auch Einzelpersonen der Zielgruppe können die Verständlichkeit der Stimuli beurteilen. Weiterhin bietet sich eine Begutachtung durch weitere Experten des Forschungsthemas bezüglich der Vollständigkeit der Stimuli und Themenbereiche an.

Die Gespräche der Gruppendiskussionen müssen für die spätere Analyse festgehalten werden. Dies kann mit Audio- und/oder Videoaufnahmen geschehen, wobei letztere die Aussagen der Sprechenden einfacher zuordnen lassen (insbesondere, wenn mehrere gleichzeitig sprechen) sowie Emotionen und Gruppenstimmung (in Form von Gestik und Mimik) besser festhalten. Um fehlende Daten beispielsweise aufgrund von Bedienungsfehlern oder technischen Problemen zu vermeiden, empfiehlt sich mehr als eine Aufnahme.

Die organisatorische Vorbereitung umfasst Folgendes: Die Einladung zur Gruppendiskussion sollte einige Wochen im Voraus erfolgen und ihr sollte eine Wegbeschreibung und Zeitplanung beiliegen. Eine Erinnerung ein oder zwei Tage vor der Diskussion kann einem zu großen Ausfall an Teilnehmenden entgegenwirken. Um den Ausfall gering zu halten, wird manchmal eine Überrekrutierung empfohlen (Kühn und Koschel 2011, S. 96). Der Raum sollte inhaltlich möglichst neutral gestaltet sein und die Sitzordnung sollte den Teilnehmenden gegenseitigen Blickkontakt ermöglichen und ihnen Statusgleichheit suggerieren (Lamnek 2005, S. 120). Die Aufzeichnungstechnik sollte vor Diskussionsbeginn einsatzbereit aufgebaut und getestet sein. Den Teilnehmenden können Zettel und Stifte für Notizen sowie Namensschilder zur direkten individuellen Ansprache bereitgestellt werden. Auch Aufwandsentschädigungen (die nach der Diskussion ausgezahlt werden) sowie optional Fragebögen (mit denen zusätzliche Informationen, wie soziodemografische Merkmale, erhoben werden können) sollten bereitgehalten werden. Das Material für die Diskussion (z. B. Flipchart, ausgedruckte Bilder oder Zitate, Technik zum Abspielen eines Videos) muss vollständig bereitstehen. Auch eine von den Teilnehmenden zu unterschreibende Einverständniserklärung zur Verwendung der Daten ist unerlässlich (siehe unten). Erfrischungsgetränke und Snacks können helfen, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Die Teilnehmenden müssen zu Beginn über die Forschung sowie die Verwendung und Anonymisierung der Daten aufgeklärt werden. Ihr Einverständnis dazu sollten sie schriftlich geben. Selbstverständlich sind wie bei jeder Forschung höchste ethische Maßstäbe zu wahren. Dazu gehören beispielsweise eine freiwillige Teilnahme, die Möglichkeit eines Teilnahmeabbruchs zu jederzeit und eine Aufklärung über das Forschungsvorhaben (siehe für den Ethik-Kodex z. B. DVPW 2017).

Für den Ablauf der Diskussion bietet sich folgende Vorgehensweise an: Mögliche Störungen (bspw. durch Dritte) sollten von vornherein ausgeschlossen werden. Die Moderierenden sollten thematisch eingearbeitet sein und den Leitfaden beherrschen. Die Teilnehmenden sollten beim Eintreffen im Diskussionsraum persönlich und freundlich von den Moderierenden begrüßt werden, um eine einladende Stimmung zu generieren. Hier können bereits Getränke und Snacks angeboten werden. Die Teilnehmenden können vor oder nach der Diskussion den eventuell vorhandenen Fragebogen ausfüllen. Zu Beginn der Diskussion wird das Aufzeichnungsgerät eingeschaltet und die Moderierenden erläutern den Ablauf, den zeitlichen Rahmen und die Diskussionsregeln (siehe hierzu: Lamnek 2005, S. 138); zudem sollte erneut auf die Aufzeichnung hingewiesen werden. Eine Vorstellungsrunde ist hilfreich, um Vertrautheit unter den Teilnehmenden zu schaffen. An dieser Stelle sollte auch geklärt werden, ob sich die Teilnehmenden mit Du oder Sie ansprechen möchten. Während der Diskussion sollten die Moderierenden ihre Fragen und Erzählstimuli immer an die gesamte Gruppe richten. Sie können verschiedene Techniken anwenden, wie beispielsweise provokatives Hinterfragen (als Diskussionsanreiz), Zusammenfassung (zur Sicherung des richtigen Verständnisses) oder Implikation des Gesagten (zur Weiterführung der Diskussion). Je nachdem welche Rolle den Moderierenden zugeschrieben wird, sollten sie Vielredende bremsen und Schweigende animieren (zur Rolle der Moderierenden siehe auch: Krueger 1998b; Lamnek 2005, Kap. 11.2; Kühn und Koschel 2011, Kap. 5).

Für die Analyse werden die Audio- oder Videoaufzeichnungen in anonymisierter Form transkribiert (siehe Fuß und Karbach 2014; Dresing und Pehl 2013). Dabei regelt ein Transkriptionsschema die Tiefe bzw. den Umfang der Transkription. Beispielsweise legt es fest, ob nur wörtliche Äußerungen oder auch Gestik und Mimik festgehalten werden, ob Sprechpausen oder nonverbale Äußerungen (wie Seufzen oder Husten) aufgeschrieben werden oder ob dialektische Sprache in Schriftsprache übersetzt wird. Die später anzuwendende Analysemethode und der theoretische Rahmen bestimmen maßgeblich die Transkriptionsregeln. Beispielsweise benötigt eine inhaltsanalytische Studie in der Regel ein weniger detailliertes Transkript als eine hermeneutische Analyse. Für die Transkription stehen verschiedene Software und Hardware (Fußschalter, Aufnahmegeräte) zur Verfügung.3 Als Daumenregel sollte man bei ungeschulten Transkribierenden für eine Stunde Gruppendiskussion mit dem Zeitfaktor acht bis zehn rechnen und bei geschulten Transkribierenden (z. B. Professionelle/Transkriptionsbüros) mit einem Zeitfaktor drei bis fünf.

Für die Analyse bieten sich die gängigen Methoden für qualitative Daten an (siehe etwa die Beiträge von Franke und Roos, Schank, Birkholz und Bochmann, oder Wodak in diesem Band). Grundlegend lassen sich zwei Ansätze unterscheiden (Kruse 2015, S. 202–203). Der erste besteht aus thematisch-inhaltsanalytischen Verfahren (z. B. Braun und Clarke 2006; Mayring 2015; Schreier 2012), die Texte im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung systematisch, regelgeleitet und intersubjektiv nachvollziehbar analysieren, interpretieren und auswerten. Ziel der qualitativen Inhaltsanalyse ist mit Hilfe deduktiv und induktiv gebildeter Kategorien (siehe z. B. Hsieh und Shannon 2005) die Daten regelgeleitet zu interpretieren. Der zweite methodische Ansatz besteht aus verschiedenen rekonstruktiven Verfahren. Mit diesen werden die soziale Wirklichkeitskonstruktion, die „Akteure in und mit ihren Handlungen vollziehen“, und die „lebensweltlichen und […] sozialstrukturellen Hintergründe, in denen die Wirklichkeitsrekonstruktion verankert ist“, analysiert (Meuser 2011, S. 140). Analysen beider Verfahren sind meist kategorienbasiert; hierfür empfiehlt sich eine der vielen verfügbaren Softwares (siehe Kuckartz 2010, S. 251–252. für eine Auflistung von Softwares und Entscheidungshilfen).

Wie gezeigt wurde, gibt es bei den einzelnen Schritten der Planung und Durchführung oft verschiedene Möglichkeiten. Welche man schlussendlich umsetzt, entscheidet sich durch das Erkenntnisinteresse und ein gründliches Abwägen der Vor- und Nachteile. Sicherlich spielen in der Forschungspraxis auch finanzielle, personelle oder zeitliche Ressourcen eine Rolle.

3 Ausgewählte politikwissenschaftliche Anwendungen von Gruppendiskussionen

Im Folgenden werden politikwissenschaftliche Anwendungen von Gruppendiskussionen aus den Bereichen der methodologischen Bewertung von Survey-Items, der politischen Einstellungsforschung und der qualitativen Wahlforschung vorgestellt. Alle Studien haben das Verständnis, Individualmeinungen (in Gruppenkontexten) zu untersuchen. Studien, die Gruppenmeinungen untersuchen, sind in der Politikwissenschaft nicht oder selten auszumachen. Hinzu kommt, dass Gruppendiskussionen im Vergleich zu anderen Methoden in der Politikwissenschaft eher selten angewendet werden.

3.1 Methodologische Bewertungen von Survey-Items

Mit Gruppendiskussionen können methodologische Bewertungen und Verbesserungen von Survey-Items vorgenommen werden (z. B. Bartle 2003; Goerres und Prinzen 2012a). Die Studie von Bartle (2003) soll im Folgenden als Beispiel dienen. Bartle explorierte mit Gruppendiskussionen, wie Wahlberechtigte aus Großbritannien Survey-Items zur Messung der Parteiidentifikation verstehen und bezog sich dabei auf ein lang etabliertes Messkonzept aus der Wahlforschung (Converse et al. 1960). Die Fragestellung lautete, wie das theoretische Konstrukt der Parteiidentifikation mit seinen operationalen Indikatoren übereinstimmt, ob und wie Wahlberechtigte die Fragebogenfrage verstehen, und damit, wie sich die Validität des Messinstruments gestaltet. Das Ziel war die Entwicklung eines Items, mit dem die Wahlberechtigten zwischen ihrer langfristigen Parteiidentifikation und ihrer aktuellen politischen Präferenz unterscheiden können.

Eine der drei getesteten Fragen zur Messung der Parteiidentifikation stammte aus der British Election Study (BES) und lautete: „Generally speaking, do you think of yourself as Conservative, Labour, Liberal Democrat, [Nationalist] or what?“ (Bartle 2003, S. 221). Aufgrund der Kritik an der Validität, die in einer Expertendiskussion geäußert wurde, wurde diese Frage verändert und ging wie folgt als zweite zu bewertende Frage in die Gruppendiskussion ein: „Many people think of themselves as being Conservative, Labour, Liberal Democrat (or Nationalist), even if they don’t always support that party. How about you? Generally speaking do you think of yourself as Conservative, Labour, Liberal Democrat (or Nationalist), or don’t you think of yourself as any of these?“ (Bartle 2003, S. 222). Eine dritte Frage entstammte einer paper-and-pencil Beilage der BES aus dem Jahr 1992 und enthielt im Gegensatz zu den anderen Fragen keinen Hinweis auf die Bezeichnung der Parteien: „Many people lean towards a particular party for a long time, although they may occasionally vote for a different party. How about you? Do you in general lean towards a particular party? If so, which?“ (Bartle 2003, S. 223).

Eine Marktforschungsagentur rekrutierte die Teilnehmenden und organisierte und moderierte die Gruppendiskussionen. Es gab drei Gruppen mit jeweils acht bis neun Teilnehmenden. Die Gruppen wurden in Bezug auf das Alter und die Stärke der Parteiidentifikation homogen zusammengesetzt, da diese Merkmale mit einem politischen Bewusstsein und Diskussionswilligkeit einhergehen. Die Diskussionen wurden in drei unterschiedlichen Wahlkreisen im Hinblick auf die Mehrheit verschiedener Parteien, das Profil des Wahlkreisabgeordneten und die „constituency marginality“ (die Differenz des Stimmenanteils der stärksten und zweitstärksten Partei in einem Wahlkreis bei der letzten Wahl) durchgeführt. Die Gruppendiskussionen fanden zeitlich nahe an einer lokalen Wahl statt, da von einer erhöhten Salienz des Politischen zu diesem Zeitpunkt ausgegangen wurde. Nach einer Auflockerungsrunde wurden die drei Fragebogenfragen vorgelesen und die Teilnehmenden sollten aufschreiben, was jede Frage ihrer Meinung nach beabsichtigt und wie sie diese Frage beantworten würden. Die Auswertung erfolgte anhand des Transkripts. Interpretationen wurden zusätzlich mit den Audioaufnahmen abgeglichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die Teilnehmenden ohne und mit schwacher Parteiidentifikation Schwierigkeiten hatten, zwischen langfristiger Bindung (der Parteiidentifikation) und kurzfristigem aktuellen politischen Interesse zu unterscheiden. Die Analyse ergab auch, wie einzelne Phrasen verstanden wurden. Insbesondere das BES-Item wies Probleme auf. Manche Satzteile stifteten Verwirrung im Verständnis, andere wurden im Ton als übermäßig direktiv, zwanghaft und spöttisch bewertet. Dies impliziere, so Bartle, dass das Item aufgrund sozialer Erwünschtheit verzerrend wirken kann und Menschen ohne Parteiidentifikation zu einer falschen Antwort drängen kann. Aufgrund der Ergebnisse schlug Bartle ein neues Item vor, das die erkannten Probleme meidet. Es wird geschlussfolgert, dass Begriffsverständnisse der Wissenschaftler teilweise stark von denen der Wahlberechtigten differieren. Die Gruppendiskussionen boten viele Ideen und Hypothesen für die Generierung eines optimierten Items.

3.2 Politische Einstellungsforschung

In der politischen Einstellungsforschung werden Gruppendiskussionen relativ häufig verwendet (z. B. Taylor-Gooby und Martin 2010; Becker und Hallein-Benze 2012; Goerres und Prinzen 2014; Mau und Sachweh 2014; Hörstermann 2017). Die Studie von Goerres und Prinzen (2014) dient als Anwendungsbeispiel von Gruppendiskussionen in diesem Feld.

Goerres und Prinzen erforschten Einstellungen zu Generationenbeziehungen im Sozialstaat, die durch intergenerationale Umverteilung entstehen und durch die demografische Alterung ins Ungleichgewicht geraten. Mit Hilfe einer kriteriengeleiteten Fallauswahl rekrutierten sie insgesamt 78 Teilnehmende, die in zwölf Gruppen mit jeweils 4 bis 8 Teilnehmenden eingeteilt wurden. Von den zwölf Gruppen bestanden sechs aus Personen mit niedriger formaler Bildung (maximal Realschulabschluss) und sechs aus Personen mit hoher formaler Bildung (mindestens Abitur). Alle Gruppen wurden bildungshomogen zusammengestellt, da sich Teilnehmende mit niedriger formaler Bildung nicht durch Äußerungen von Personen mit höherer formaler Bildung gehemmt fühlen sollten. Das andere Strukturierungsmerkmal war das Alter. Es gab zwei altersheterogene Gruppen, in denen Perspektiven verschiedener Generationen zusammentrafen. Zehn Gruppen waren altershomogen, wobei alle Altersklassen (sehr jung, jung, mittelalt, alt, sehr alt) abgedeckt wurden. Die Einteilung nach Alter war aus zwei Gründen wichtig: Zum einen bestimmt das Alter die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation und damit zu bestimmten sozialstaatlichen Erfahrungen. Zum anderen legt das Alter die Position im institutionalisierten Lebenslauf (Ausbildung, Erwerbsleben oder Ruhestand) fest und beeinflusst damit das materielle Eigeninteresse an sozialstaatlichen Leistungen.

Die Forschenden vertreten den Ansatz, mit Gruppendiskussionen die von Individuen in Gruppenkontexten geäußerten Meinungen zu erheben. Gruppendiskussionen seien für politische Themen besonders geeignet, da politische Einstellungen oft nicht salient sind, Menschen sich aber in Gesprächen mit anderen über Politik unterhalten. Somit seien Gruppendiskussionen der eigenen Lebenserfahrung am ähnlichsten, können psychologische Hemmnisse überwinden sowie latente und instabile Meinungen erfassen. Moderiert wurden die jeweils 90-minütigen Diskussionen von beiden Forschenden. Die von einer Professionellen transkribierten Gruppendiskussionen wurden mit der thematischen Inhaltsanalyse ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen beispielsweise, dass Einstellungen zur intergenerationalen Umverteilung ambivalent sein können. Junge Teilnehmende äußerten gleichzeitig unterstützende und ablehnende Argumente für das umlagefinanzierte Rentensystem. Somit weisen die Ergebnisse auf eine Stärke gegenüber der quantitativen Umfrageforschung hin, die ambivalente Einstellungen mit den derzeit verwendeten Items nicht erfassen kann. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass sich beim Thema der teuren, sozialstaatlichen Leistungen für alte Menschen die Diskussionsverläufe nach der Alterszusammensetzung der Gruppen unterschieden. Soziale Regeln schienen zu bewirken, eine negative Meinung nicht in Anwesenheit älterer Menschen zu äußern. Die Autoren schlussfolgerten, dass auch die Alterszusammensetzung sozialer Netzwerke im Alltag die Einstellungen zum Sozialstaat beeinflussen kann – ein Aspekt, der bisher in dieser Forschung nicht berücksichtigt wurde.

3.3 Qualitative Wahlforschung

In der Qualitative Election Study of Britain (QESB) wurden qualitative Daten mit Gruppendiskussionen zu den general elections (Unterhauswahlen) im Vereinigten Königreich in den Jahren 2010 und 2015 vor und nach den Wahlen erhoben (QESB o. J.). Somit ermöglichen die Daten eine Längsschnittanalyse über diese Zeitpunkte. Die Daten der QESB werden auf der Webseite (www.qesb.info) und im UK-Datenarchiv anonymisiert und mit einer Metadatenstruktur zur Auffindbarkeit von Informationen für Sekundäranalysen bereitgestellt (Winters und Carvalho 2014; QESB o. J.).

Die Primärforscherinnen Carvalho und Winters (2014) untersuchten in einer Studie mit QESB-Daten, warum die hohen Umfragewerte für die Liberal Democrats vor der Wahl sich nicht im Wahlergebnis der general election 2010 wiederfanden. Mit Gruppendiskussionen erhoben sie Wahrnehmungen sowie kognitive und affektive Aspekte der Wahlentscheidung, wie Werte, Normen und Parteibindungen. Die qualitativen Daten beinhalten Dilemmata der Wahlentscheidung, Parteibindungen, strategisches Wahlverhalten, Normen und Werte sowie Wahrnehmungen der Kandidierenden.

Die Analyse bezieht sich nur auf die Nachwahlerhebung mit 40 Teilnehmenden, von denen 30 ihre Stimme abgaben. Die Rekrutierung erfolgte durch E-Mail-Aufrufe und Schneeballverfahren. Ein Screening nach Alter, Geschlecht und Wahlabsicht stellte sicher (Carvalho und Winters 2014, Fußnote 14), dass alle Merkmalsausprägungen in der Stichprobe zu gleichen Anteilen enthalten waren (Winters und Carvalho 2013, Fußnote 7). Für die Rekrutierung gab es eine Broschüre, die über die Studie und die Gruppendiskussionen (inklusive Datenschutz) informierte. Die Erhebungen fanden in England, Schottland und Wales circa zwei Wochen nach der Wahl statt. Teilnehmende sollten vom Ablauf ihrer Wahlentscheidung berichten (wobei die Angabe der gewählten Partei aus dem ethischen Grund der geheimen Wahl freiwillig war). Die Gruppendiskussionen wurden von den Primärforscherinnen geplant, moderiert und mit Video und Audio aufgezeichnet. Die Teilnehmenden unterschrieben eine Einverständniserklärung zur Verwendung der Daten und bekamen eine Aufwandsentschädigung.

Im ersten Schritt wurden die transkribierten Daten mit einer Narrationsanalyse untersucht. Diese ergründete, wie die Teilnehmenden ihre geschilderte Wahlentscheidung interpretierten. Im zweiten Schritt wurde mit einer Diskursanalyse untersucht, wie die Teilnehmenden ihre Sprache nutzten, um ihre Sichtweise zu verdeutlichen. Die Analyse zeigte, dass zwar viele Teilnehmende vor der Wahl erwogen, die Liberal Democrats zu wählen. Unter diesen waren auch einige mit einer anderen Parteibindung, die sich deswegen im inneren Konflikt befanden und sich letztendlich an der Wahlurne gegen die Liberal Democrats und für „ihre“ Partei entschieden. Die Autorinnen schlussfolgern: Erklärungen von quantitativen Studien oder Experten, dass unentschlossene Wahlberechtigte in standardisierten Umfragen ihre Wahlabsicht nicht mitteilen möchten, greifen zu kurz und das Format quantitativer Erhebungen kann nicht immer die komplexen Wahlentscheidungen einfangen.

4 Stärken und Herausforderungen von Gruppendiskussionen

4.1 Stärken von Gruppendiskussionen allgemein

Als Stärken von Gruppendiskussionen sind generelle Vorteile qualitativer Methoden gegenüber quantitativen Methoden zu nennen. Qualitative Studien können individuelle Sichtweisen und Deutungsmuster direkt erfassen, während quantitative Studien meist auf Korrelationen basieren. Somit können qualitative Studien Kausalketten in Form von zugrunde liegenden Motivationen und Sichtweisen valider erfassen (Goerres und Prinzen 2012b). Qualitative Forschung ist angebracht, wenn in einem Forschungsfeld wenig Wissen und Theorien existieren und kann die Aufmerksamkeit der Forschenden auf bisher vernachlässigte Aspekte lenken.

Eine Stärke von Gruppendiskussionen wird darin gesehen, dass sie ein vielfältiges Meinungsbild zu einem Thema abbilden können. Die Diskussion bietet viele Stimuli zur Ergänzung oder Widersprechung des Gesagten. Durch die gegenseitige Bezugnahme werden Aussagen revidiert, überdacht und hinterfragt und somit unter Umständen solche Gedanken verbalisiert, die in Interviews nicht ausgesprochen würden (Kitzinger 1995; Bloor et al. 2001). Als weitere Stärke von Gruppendiskussionen ist die Realitätsnähe, also die Ähnlichkeit zu alltäglichen diskursiven sozialen Situationen, zu nennen (Goerres und Prinzen 2014, S. 90). So können zum einen soziale Mechanismen erforscht werden, wie Gruppennormen, kulturelle Werte oder Gruppenprozesse (Kitzinger 1995). Zum anderen können durch die alltagsnahen Stimuli im Gespräch mit anderen Teilnehmenden, die die gleiche Sprache nutzen und ein ähnliches Verständnis haben, valide Erkenntnisse gewonnen werden.

4.2 Stärken von Gruppendiskussionen in der politikwissenschaftlichen Forschung

Goerres und Prinzen (2011, S. 7) nennen drei Vorzüge von Gruppendiskussionen für politikwissenschaftliche Forschung, insbesondere für die politische Einstellungs- und Wahlforschung. Erstens richtet sich Politik meist an bestimmte soziale Gruppen – sei es im Fall des Wahlkampfversprechens, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, einer Rentenreform zur Reduzierung der Altersarmut oder Institutionen wie der Agentur für Arbeit. Die Meinungen, Gefühle, Erwartungen, Erfahrungen und Wahrnehmungen dieser sozialen Gruppen lassen sich mit Gruppendiskussionen erheben. Über verschiedene Gruppendiskussionen hinweg kann die Zusammensetzung der Gruppe variieren, um verschiedene Subgruppen (z. B. „Verlierer“ und „Gewinner“ einer Reform) zu untersuchen.

Zweitens hat laut Goerres und Prinzen (2011) Politik oft eine geringe Salienz im Bewusstsein der „normalen“ Bürgerschaft. Insbesondere politische Themen, die Personen nicht alltäglich betreffen oder die aktuell nicht auf der Medienagenda stehen, dürften vielen Menschen nicht präsent sein. Politische Einstellungen sind oft latent, diffus und vage (Pollock 1955, S. 32). Gruppendiskussionen zeichnen sich gegenüber anderen qualitativen Methoden durch ihre alltagsnahen und natürlichen Gespräche aus (Kühn und Koschel 2011, S. 36). Die Äußerungen der anderen Gruppendiskussionsteilnehmenden bringen vielschichtige Reize hervor, zu latenten, diffusen und vagen eigenen Meinungen, Erfahrungen, Gefühlen und Erwartungen vorzudringen. Die Teilnehmenden verwenden ihren eigenen Sprachstil und ihre eigenen Kategorien, können widersprüchliche Standpunkte diskutieren und spontane Reaktionen zeigen. Auch die für bestimmte gesellschaftliche Gruppen typische Erfahrungen, begriffliche Kategorien und Sprachstile können erleichternd wirken. Somit haben Gruppendiskussionen einen Vorteil gegenüber dem qualitativen (offenen) oder quantitativen (standardisierten) Interview, bei denen zu einem bestimmten Zeitpunkt rasch eine Antwort auf eine bestimmte Frage erwartet wird. Die Aktivierung latenter Meinungen in beiden Interviewformen kann auch durch die vorgegebene Sprache des/der Interviewenden oder des Fragebogens, die vielleicht nicht die soziale Wirklichkeit der Interviewten trifft, erschwert werden (Goerres und Prinzen 2012a, S. 521–522; Goerres und Prinzen 2011, S. 7).

Drittens kann, wie Goerres und Prinzen (2011) argumentieren, die relativ schnelle Durchführbarkeit von Gruppendiskussionen vorteilhaft für politikwissenschaftliche Forschung sein. Es können sehr kurzfristig Gruppen von Individuen zusammengebracht werden, um über ein aktuelles politisches Thema zu sprechen. Insbesondere bei Phänomenen oder Zeiträumen mit schnellen Entwicklungen, wie Wahlkämpfen und Wahlen (siehe zum Wahlkampf-Monitoring Breitenfelder et al. 2004) oder politischen Revolutionen, ist eine zeitnahe Erhebung relevant (Goerres und Prinzen 2011, S. 7). Dabei bezieht sich das Untersuchungsinteresse meist auf Einstellungen und Wahrnehmungen von einmaligen Ereignissen, wie die parlamentarische Verabschiedung eines umstrittenen Gesetzes oder ein einschneidendes Wahlkampfereignis. Diese zeichnen sich im Gegensatz zu politischen Normen (wie die Norm der Wahlbeteiligung), politischen Einstellungen (wie jene zum Sozialstaat) und Verhaltensweisen (wie politische Partizipation) durch eine schnellere Veränderlichkeit aus (Goerres und Prinzen 2012b, S. 420). Die schnelle Durchführbarkeit von Gruppendiskussionen sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass weitere Schritte, insbesondere die Transkription und Analyse, zeitaufwendig sind.

4.3 Herausforderungen und Grenzen von Gruppendiskussionen

Herausforderungen und Grenzen von Gruppendiskussionen lassen sich auf vier Ebenen ausmachen: Individuen, Gruppen, Organisation und Moderation. Auf der Ebene der Individuen wird oft bemängelt, dass eine ausgeglichene Anzahl von Äußerungen der einzelnen Teilnehmenden schwierig zu realisieren sei. In jeder Diskussion ist mit Vielredenden und Schweigenden4 zu rechnen, die eine ungleichmäßige Erfassung von Individualäußerungen bzw. fehlende Äußerungen produzieren. Allerdings können die Moderierenden diesen Prozessen in gewissem Maße entgegenwirken und die Verbalisierung von Meinungen fördern. Gruppendiskussionen sind nicht für eine intensive Untersuchung von Individuen geeignet. Beispielsweise können sie nicht der Erforschung von individuellen Persönlichkeiten oder Biografien dienen, da die individuellen Äußerungen nicht umfassend genug sind (Lamnek 2005, S. 85; Przyborski und Riegler 2010, S. 445). In diesem Fall wäre eine andere Erhebungsmethode vorzuziehen, wie beispielsweise bestimmte Formen des qualitativen Interviews.

Auf der Ebene der Gruppen werden häufig die folgenden Grenzen von Gruppendiskussionen angeführt: Die Äußerungen der Teilnehmenden werden stark durch den Diskussionsverlauf geprägt, was die Daten verschiedener Gruppendiskussionen oft schwer vergleichbar macht (Flick 2007, S. 257). Auch können gruppendynamische Prozesse wirken, wie Konformitätsneigungen oder Meinungspolarisierungen, wodurch die Vielfalt an Meinungen unsichtbar bleibt (Lamnek 2005, S. 87; Kromrey 1986, S. 111). Dieser Kritik lässt sich entgegenhalten, dass jede Methode spezifische Effekte auf die Daten hat. In der Analyse und in der Schlussfolgerung soll der Kontext berücksichtigt werden, was aufgrund der Aufzeichnungen möglich ist. So kann der Einfluss der Methode und des Diskussionsverlaufs berücksichtigt werden (Lamnek 2005, S. 87–88).

Abgesehen von den Herausforderungen auf Individual- und Gruppenebene existieren weiterhin solche im organisatorischen Bereich. So sind manche Zielgruppen äußerst schwer zu rekrutieren (siehe oben). Dies gilt insbesondere für Berufsgruppen mit hohem Einkommen und hoher zeitlicher Auslastung (wie hochrangige in der Politik tätige Menschen), für räumlich weit verstreute und seltene Gruppen (wie politische Eliten), oder für solche, bei denen die Gruppendiskussionsteilnahme einen Verdienstausfall bedeuten kann (wie Selbstständige). Eine weitere organisatorische Herausforderung von Gruppendiskussionen ist der hohe zeitliche Aufwand, der für die Organisation, Transkription und Analyse benötigt wird. Insbesondere, so Flick (2007), bedeutet die Analyse von Gruppendiskussionen deutlich mehr Aufwand als beispielsweise die von Einzelinterviews.

Die letzte zu nennende Herausforderung von Gruppendiskussionen ist, dass den Moderierenden bezüglich des Gelingens der Gruppendiskussion (im Hinblick auf die Datengenerierung für das Forschungsvorhaben) eine wichtige Rolle zukommt. Sie müssen thematische Bezüge leisten, Gruppenprozesse überwachen (z. B. bei Vielredenden, Schweigenden oder Konflikten eingreifen und eine lockere Atmosphäre herstellen), Moderationstechniken beherrschen, mit dem Forschungsthema vertraut sein und die Zeit im Blick behalten. Sie müssen kommunikativ, flexibel und offen sein sowie gut zuhören und thematisch fokussieren können (z. B. Mayerhofer 2009, S. 482).

5 Schlussbemerkung

Die Ausführungen haben deutlich gemacht, wie mit Gruppendiskussionen sozial- und politikwissenschaftliche Themen erforscht werden können. Bei der Planung und Durchführung gibt es verschiedene Möglichkeiten methodologischer, methodischer und organisatorischer Natur. Aus methodologischer Sicht lassen sich mit Gruppendiskussionen entweder individuelle Sichtweisen im sozialen Kontext oder Gruppenmeinungen untersuchen. Methodische Überlegungen betreffen beispielsweise die Bildung des Samples, die Rekrutierung homogener oder heterogener sowie natürlicher oder künstlicher Gruppen oder die Entscheidung für ein Transkriptionsschema. Organisatorische Überlegungen beinhalten unter anderem die Auswahl des Ortes oder die Gestaltung des Raums. Entsprechend dieser drei Kategorien sind gründliche Überlegungen anzustellen, die individuell auf jedes Forschungsprojekt zugeschnitten werden müssen.

Nicht thematisiert wurden spezielle Rahmenbedingungen und Settings von Gruppendiskussionen. Zu nennen sind hier nur kurz mit Literaturverweisen: spezielle Populationen, wie internationale oder interkulturelle Teilnehmende (siehe z. B. Krueger 2009, Kap. 10; Hennink 2007), sensitive Themen (siehe z. B. Farquhar 1999) oder Online-Gruppendiskussionen (siehe z. B. Theobald und Neundorfer 2010). Im folgenden Abschnitt finden sich kommentierte Literaturempfehlungen zu Gruppendiskussionen. Es mag auffallen, dass keine politikwissenschaftliche Monografie darunter ist – trotz einer umfangreichen Recherche war keine zu finden. Auch politikwissenschaftliche Methodenbücher behandeln Gruppendiskussionen nicht mit einer Selbstverständlichkeit, wie dies beispielsweise für standardisierte Umfragen gilt. Dies unterstreicht die eingangs gemachte Feststellung, dass Gruppendiskussionen eine eher selten genutzte Methode in der Politikwissenschaft sind, auch wenn es erfreulicherweise einige aktuelle Studien mit dieser Methode gibt. Dieser Beitrag kann deswegen auch als Motivation für die Durchführung von Gruppendiskussionen gesehen werden, indem er das Potenzial für die politikwissenschaftliche Forschung verdeutlicht hat.

6 Kommentierte Literaturempfehlungen

Ein praxisorientiertes Werk für Studierende, Forschende und Berufstätige von Autoren aus der Berufspraxis (Consulting und Marktforschung) ist Kühn und Koschel (2011). Es bietet ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis und erläutert die praktische Anwendung. Behandelt werden die Planung, Erstellung des Leitfadens, Moderation, Analyse, Gruppendynamiken und Varianten von Gruppendiskussionen. Loos und Schäffer (2001) ist ein praxisorientierter Leitfaden für Gruppendiskussionen. Es werden die historische Entwicklung von Gruppendiskussionen, methodologische Grundlagen sowie die Durchführung und Auswertung thematisiert. Die Autoren verorten ihren Zugang in der praxeologischen Wissenssoziologie und der Dokumentarischen Methode nach Bohnsack. Lamnek (2005) wiederum behandelt die Theorie der Gruppendiskussion sowie die praktische Durchführung. Eine kurze Zusammenfassung jeweils am Kapitelende führt dem Leser die wichtigsten Aspekte vor Augen. Eins der wenigen Methodenbücher aus dem deutschsprachigen Raum, das nicht einem bestimmten methodologischen Ansatz entstammt. Die mehrbändige, englischsprachige Reihe von Morgan und Krueger (1997) umfasst insgesamt fünf praxisorientierte Bücher zu folgenden Themen: „The focus group guidebook“ (Vol. 1), „Planning focus groups“ (Vol. 2), „Developing questions for focus groups“ (Vol. 3), „Moderating focus groups“ (Vol. 4), „Involving community members in focus groups“ (Vol. 5) und „Analysing and reporting focus group results“ (Vol. 6). Die Bücher sind gleichsam an Novizen und Experten gerichtet.

Fußnoten

  1. 1.

    Für ausführliche und konstruktive Kommentare danke ich Jasmin Fitzpatrick als Gutachterin, Achim Goerres und Erik Wenker.

  2. 2.

    Für die Erstellung eines Leitfadens bietet sich beispielsweise das SPSS-Prinzip an, das nach seinen konstituierenden Phasen (Sammeln, Prüfen, Sortieren, Subsumieren von Ideen) benannt ist (Helfferich 2011, S. 161–163).

  3. 3.

    Softwares sind beispielsweise f4transkript (Windows), f5transkript (Mac), Express Scribe oder transcribe. Die (kommerzielle) Seite www.audiotranskription.de kann als Ausgangspunkt für Recherchen zu Fußschaltern und Aufnahmegeräten dienen.

  4. 4.

    Bei Schweigenden sollte man dennoch unterscheiden zwischen solchen, die aus Indifferenz oder Meinungslosigkeit schweigen, und solchen, die trotz vorhandener Meinung diese nicht äußern. Für den ersten Typ bietet die Gruppendiskussion sogar den Vorteil, dass im Gegensatz beispielsweise zum qualitativen oder standarisierten Interview keine Meinung „eingefordert“ wird.

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Authors and Affiliations

  1. 1.HochschulentwicklungHochschule KoblenzKoblenzDeutschland

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