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Methodologie soziologischer Ideengeschichte

  • Stephan MoebiusEmail author
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Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Der Beitrag fragt nach der gegenseitigen Bereicherung soziologie- und ideengeschichtlicher Methodologien. Es wird gezeigt, inwiefern die systematische, umfassende Methodologie der Soziologiegeschichte von Lothar Peter eine für die Ideengeschichte ebenfalls fruchtbare, systematische Methodologie darstellt. Denn sie schlägt für bisherige ideengeschichtliche Methoden und Arbeitsweisen sowohl einen systematischen Rahmen als auch soziologisch informierte Untersuchungsebenen vor, die in der ideengeschichtlichen Forschung oftmals nicht konsequent in den Blick gekommen, aber dennoch für eine umfassende Erforschung von Ideen relevant sind. Umgekehrt kann die Soziologiegeschichte von ideengeschichtlichen Methodologien wie etwa der Begriffsgeschichte oder der Konstellationsanalyse lernen und ihr methodologisches Repertoire innerhalb ihrer eigenen Systematik erweitern. Der Beitrag lotet Gemeinsamkeiten und Differenzen sowie mögliche gegenseitige Lernprozesse und Ergänzungen der beiden historiographischen Fachrichtungen erstmalig aus. Ausgehend von der Verknüpfung von Lothar Peters Methodologie mit ideengeschichtlichen Konzepten erarbeitet der Beitrag schließlich einen umfassenden methodologischen Rahmen für soziologiegeschichtliche Forschung.

Schlüsselwörter

Soziologiegeschichte Ideengeschichte Wissenssoziologie Begriffsgeschichte Cambridge School der Ideengeschichte Historische Semantik Metapherngeschichte Diskursgeschichte Feldanalyse Habitus Biographiegeschichte Netzwerkanalyse 

1 Einleitung

Die in meinen Augen umfassendste und systematischste Methodologie soziologiehistorischer Forschung hat Lothar Peter mit seinem Beitrag „Warum und wie betreibt man Soziologiegeschichte“ (2001, 2015, siehe auch Moebius 2004, 2006) vorgelegt, da sie etwa im Vergleich zu anderen methodologischen Überlegungen explizit eine wirkungsgeschichtliche Analyse als eigenständige Untersuchungsebene mit einbezieht. Den zentralen Bestandteil der methodologischen Konzeption Peters bildet die analytische Unterscheidung von drei Hauptdimensionen soziologiegeschichtlicher Forschung.1 Die kognitive, die soziale sowie die diskurs- und wirkungsgeschichtliche Dimension.

Im Folgenden soll gezeigt werden, inwiefern sich Peters soziologiegeschichtliche Methodologie und deren systematische Differenzierung zwischen diesen drei nicht aufeinander reduzierbaren Dimensionen auch für eine Erweiterung bisheriger methodologischer Überlegungen zur Ideengeschichte eignet.2 Und umgekehrt soll die Systematik und der Aufbau der soziologiegeschichtlichen Methodologie mit ideengeschichtlichen Methodologien und Konzepten ergänzt werden. Unter „Methodologie“ sei dabei die Gesamtheit der Regeln verstanden, nach denen die Problemformulierung, die Umsetzung einer Fragestellung in ein Forschungsdesign und die Interpretation der Quellen erfolgt (vgl. Haller 2003, S. 597). „Soziologiegeschichte“ ist diejenige Forschungsrichtung, die den

„geschichtlichen Prozess der Soziologie, ihrer wissenschaftlichen Leistungen, des Handelns ihrer Akteure, der Formen ihrer Institutionalisierung und ihrer gesellschaftlichen Funktionen [untersucht], indem sie sich der Theorien und Methoden bedient, die auch andere spezielle Soziologien verwenden, um ihre jeweiligen Gegenstände zu erforschen. Gleichzeitig erfüllt ‚Soziologiegeschichte‘ eine Querschnittsfunktion insofern, als alle Bereiche der Soziologie eine besondere historische Dimension aufweisen.“ (Peter 2015, S. 115)

Die vorgestellte methodologische Konzeptionalisierung von Lothar Peter vermag im Vergleich zu Ansätzen, die allein die Biografie, das Milieu, die Ideen oder den historisch-politischen Kontext berücksichtigen, ein komplexeres und differenzierteres Bild der Entstehung, der Interaktionen, der gruppenstabilisierenden Prozesse sowie der Produktion und Verwendung von Ideen zu liefern. Dabei kann und muss eine Studie nicht alle Dimensionen in gleicher Weise in extenso behandeln, sondern wird je nach interessierendem Gegenstand ihre eigenen Akzente setzen (müssen), also beispielsweise den Schwerpunkt auf paradigmatische Ideen (also einen Bereich der kognitiven Dimension) oder eher auf die Institutionalisierung von Forschungsverbänden (einen Bereich der zu untersuchenden sozialen Dimensionen) setzen. Andere wiederum interessieren sich vielleicht eher für die Akteure (führende Repräsentanten von Schulen etwa) oder für die gesellschaftlichen Wirkungen von Ideen. In jedem Fall aber sollten für eine hinreichende soziologie- oder ideenhistorische Erforschung auch im Rahmen spezifischer Schwerpunktsetzungen alle Dimensionen eine (wie auch immer gewichtete) Berücksichtigung finden oder zumindest in Erwägung gezogen und ihr Beiseitelassen begründet werden. Kurzum: eine ausschließliche Analyse der Ideen und Begriffe einer Theorie (also bloß die Berücksichtigung der kognitiven Dimension) ohne eine gleichzeitige Analyse der sozialen Trägerschaft oder einer erfolgreichen (oder erfolglosen) Institutionalisierung (soziale Dimension) dieser Ideen ist aus dieser Perspektive nicht ausreichend.

Ich werde im Folgenden (unter Punkt 4) die Dimensionen und Unterabschnitte der soziologiegeschichtlichen Methodologie von Lothar Peter genauer erläutern, mit ideengeschichtlichen Konzepten „anreichern“ und so eine umfassende Methodologie soziologiegeschichtlicher Forschung entwerfen. Zuvor sollen jedoch die ideengeschichtlichen Konzepte zur Sprache gebracht werden (Punkt 2), um sie dann der Methodologie zuordnen zu können (Punkt 4). Da die Begriffe Ideengeschichte und intellectual history heute oft synonym verwendet werden, sollen sie in einem Zwischenschritt in knapper Form definitorisch geklärt und differenziert werden (Punkt 3).

Soziologiegeschichte hat es – im Gegensatz zu früheren Vorstellungen von Ideengeschichte – nicht nur mit Ideen im Sinne von Vorstellungen, Wissen, Mentalitäten, Glauben, Meinen (vgl. Stollberg-Rilinger 2010, S. 8) zu tun, auch nicht nur mit Texten, sondern je nach interessierenden Forschungsgegenstand auch mit der Geschichte von Methoden, Forschungsinstrumenten oder institutionalisierten Formen kooperativen Lehrens und Forschens (Schulen). All dies kann jedoch meiner Ansicht nach auch Gegenstand von Ideengeschichte sein, und wenn man aktuelle ideengeschichtliche Forschungen betrachtet – etwa Beiträge der Zeitschrift für Ideengeschichte –, ist das heute auch so. Der Begriff der Ideen wird gegenwärtig in einem sehr viel weiteren Sinne gefasst, so dass etwa auch Diskurse, Bilder, Wissenspraktiken, Emotionen oder – in Nähe zur Intellektuellensoziologie – Intellektuelle bzw. Intellektuellengruppierungen in den Blick kommen; ebenso werden beispielsweise „Mediatoren“ von Ideen untersucht, seien es Zeitschriften, Verlagshäuser oder Buchreihen (vgl. für die Soziologiegeschichte Römer 2015 zur Luchterhand-Reihe „Soziologische Texte“, für die Ideengeschichte etwa Bürger 2012 zur Edition Suhrkamp; Felsch 2012 zum Merve-Verlag, Neuffer 2012 zur Zeitschrift „Alternative“). Gerade weil zwischen Soziologie- und Ideengeschichte also große Überschneidungen bestehen, können sich die Fachrichtungen der Soziologie und der Ideengeschichte gegenseitig ergänzen und verschränken. Die folgenden Überlegungen sollen dazu einladen.

2 Ideengeschichte heute

Was aber wird heute unter Ideengeschichte genau verstanden und welche Konzepte sind dort maßgeblich? Nach Barbara Stollberg-Rilinger (2010, S. 9) ist Ideengeschichte ein Teil der Geschichtswissenschaft, der jedoch auch in anderen Disziplinen zum Tragen komme. Wesentlich sei für Ideengeschichte deshalb, „in welchem anderen disziplinären Rahmen sie jeweils angesiedelt ist“ (Stollberg-Rilinger 2010, S. 9). So existieren die meisten Professuren für Ideengeschichte weniger in der Geschichtswissenschaft selbst, sondern zum Beispiel in der Politikwissenschaft oder in der Philosophie. Gerade in den Politikwissenschaften wird eine Theorieprofessur oft mit Politischer Ideengeschichte verknüpft. In der Soziologie ist das anders und es wäre einen eigenen Aufsatz wert, der Geringschätzung der Historiografie in dieser Disziplin nachzugehen. Im deutschsprachigen Raum gibt es nur (m)eine Professur, die explizit eine Denomination für Soziologische Ideengeschichte hat. Jede Disziplin hat jedoch potenziell einen eigenen ideenhistorischen Fokus auf ihren Gegenstand, beispielsweise die Politikwissenschaft auf politische Ideen, die Soziologie auf soziologische Ideen. Trotz solcher disziplinärer Fokussierungen scheint mir die Methodologie, die ich im vorliegenden Beitrag skizzieren werde, prinzipiell auch auf die Analyse von Ideen oder Institutionalisierungsprozessen anderer Disziplinen oder die Wissenschaftsgeschichte überhaupt anwendbar zu sein. Warum dabei Historikerinnen und Historiker aus den Geschichtswissenschaften im Gegensatz zu Disziplinhistorikern wie etwa Soziologiehistorikern eher oder gar besser in der Lage sein sollen – wie Stollberg-Rilinger (2010, S. 10) schreibt –, die Ideen in den „gesamten lebensweltlichen Kontext einzuordnen und vor diesem Hintergrund zu analysieren“ und somit die Ideen in ihrer historischen „Eigentümlichkeit“ besser als die Disziplinhistorikerinnen zu verstehen, ist nicht unmittelbar einleuchtend und scheint eher eine Art „boundary-work“. Insbesondere mit Blick auf eine historische Betrachtung einer Disziplin wie der Soziologie ist die Behauptung, die Geschichtswissenschaften könnten den sozialen Kontext besser als andere Disziplinen ins Auge fassen, abwegig, da die Soziologie bereits aus ihrem fachlichen Selbstverständnis heraus den sozialen, kulturellen und politischen (Entstehungs- und Verbreitungs-)Kontext von Ideen in der Regel – etwa inspiriert durch Karl Mannheims wissenssoziologische Analysen – mit einbezieht. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die neuere Ideengeschichte zunehmend auch die theoretischen Konzepte soziologischer Autoren wie Max Weber, der als früher Klassiker der Soziologie bereits die zentrale Rolle von Ideen als Weichenstellern hervorhob (vgl. Lepsius 2009, S. 31), Karl Mannheim, Norbert Elias, Jürgen Habermas, Niklas Luhmann oder Pierre Bourdieu rezipiert (vgl. Mahler und Mulsow 2014a).

Wie Andreas Mahler und Martin Mulsow (2014b, S. 10) in ihrer Einleitung zu Texte zur Theorie der Ideengeschichte hervorheben, lasse sich (noch) kein Kanon der Ideengeschichte ausmachen. Sie plädieren jedoch für ein „weites Verständnis“ dessen, was unter Ideengeschichte zu fassen ist. Auch wenn es keinen eindeutigen Kanon gibt, so scheint es doch, wenn man in die Überblicks- und Textbände von Stollberg-Rilinger (2010) sowie Mahler und Mulsow (2014a) schaut, einige Übereinstimmungen darüber zu geben, was heute zur ideengeschichtlichen Forschung gezählt wird.

2.1 History of Ideas – Arthur O. Lovejoy

Unter Ideengeschichte im „engeren“ Sinne verstand man nach dem Zweiten Weltkrieg3 längere Zeit insbesondere das seit den 1930er-Jahren entwickelte Konzept des Philosophen Arthur Oncken Lovejoy, der in seinem Hauptwerk The Great Chain of Being (1936, dt.: 1993) von sedimentierten Denkmotiven und Elementarideen (unit ideas) ausging, die es herauszuarbeiten gilt. Lovejoy, der in den 1940ern an der Johns Hopkins University das Journal of the History of Ideas mitbegründete (vgl. Breckman 2007, 2014, S. 276 ff.; Grafton 2006), hatte die Vision, dass es in einem interdisziplinär angelegtem ideengeschichtlichen Versuch gelänge, − ähnlich wie in der Chemie (Lovejoy 1993, S. 11) – einige universale Elementarideen des gesamten menschlichen Denkens und deren jeweiligen kulturellen Variationen und Konstellationen zu identifizieren. „In Wahrheit ist jedoch die Anzahl der eigenständigen und originellen philosophischen Gedanken oder Motive sehr begrenzt – wie es ja auch von der Zahl der wirklich originellen Witze heißt –, obwohl die elementaren Ideen sicherlich weit zahlreicher sind als die elementaren und originellen Witze.“ (Lovejoy 1993, S. 12)4 Neben Lovejoy, dem man eine Reduktion der Vielfalt des Denkens auf eine kleine Menge von Ideen sowie einen ahistorischen Zugang vorwarf (Stollberg-Rilinger 2010, S. 14), gab es aber noch andere Arten von Ideengeschichte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, wie seit den 1930er-Jahren in Frankreich die französische Epistemologie von Alexandre Koyré, Gaston Bachelard und später Georges Canguilhem (vgl. Moebius 2006, S. 58 ff.; Moebius und Peter 2009; Rheinberger 2007).

2.2 Die Cambridge School der politischen Ideengeschichte

In Folge des lingusitic turn, insbesondere der Sprachphilosophie und John L. Austins Sprechakttheorie, kam es Ende der 1960er-Jahre zur Distanzierung von Lovejoys Ideengeschichte und der Übergang zur breiter angelegten intellectual history zeichnete sich ab (zur Unterscheidung zwischen Ideengeschichte und intellectual history siehe 3.). Es war im angelsächsischen Raum der Ansatz der Cambridge School der politischen Ideengeschichte um Quentin Skinner, John G.A. Pocock und deren Schülern und Kollegen, der eine neue Ära der Ideengeschichte einläutete. Lovejoy hielt man vor, die zu untersuchenden Lehren und Ideen sowie deren Dauer zu hypostasieren (vgl. Skinner 2010, S. 63 ff.), ihre voll entwickelte Form als schon immer gegeben anzusehen und einer Art von Geschichtsschreibung anzuhängen, „die sich fast ausschließlich dem Hinweis auf frühe ‚Vorwegnahmen‘ späterer Lehrsätze und der Würdigung jedes Autors im Hinblick auf seine hellseherischen Fähigkeiten widmet.“ (Skinner 2010, S. 31 f.)

Die Cambridge School erforschte hingegen die politische Ideengeschichte nicht in erster Linie im Hinblick darauf, was frühere Autoren uns heute zu sagen oder bereits in ihrer Weisheit vorweggenommen hätten, sondern – vorsichtig gegenüber den eigenen gegenwärtigen Projektionen und Erwartungen auf die Vergangenheit (Skinner 2010, S. 25) –, mit welcher Intention ein Autor einen Text verfasst und welche Rolle dabei seine „mehrdeutigen“ Kontexte und Verwendungsweisen (Skinner 2010, S. 65) und die Erwartungen seines Umfelds spielten. „Kontext“ meint dabei insbesondere „andere Texte, die miteinander einen Gesprächszusammenhang, einen Diskurs (‚discourse‘) bildeten. Ein Text antwortet nicht zuletzt auf andere Texte, bedient sich deren Sprache, rekurriert auf deren Prämissen und Argumente und provoziert seinerseits wiederum neue Texte. Diese Zusammenhänge galt es aufzudecken.“ (Stollberg-Rilinger 2010, S. 21).

Man zog nun vermehrt Archivmaterial heran, nutzte anderes, unveröffentlichtes Material der zu erforschenden Autoren, um die Entstehungsbedingungen zeitgenössischer Ideen genau nachzeichnen zu können (vgl. Mahler und Mulsow 2014b, S. 21) und kam dabei oft zu überraschenden Ergebnissen, wenn etwa gezeigt werden konnte, dass ein klassischer Text mit eigentlich anderen Absichten verfasst wurde, als man ihm bislang zugeschrieben hatte – so etwa Peter Laslett in seiner Studie zu John Lockes Treatises (vgl. Mulsow und Mahler 2010, S. 9). Von Austins Sprechakttheorie ausgehend wurde dessen Erkenntnis genutzt, dass Sprache auch immer soziales Handeln bedeutet, Sprechen ein illokutionärer oder auch ein performativer Akt ist, Aussagen als Performanzen zu werten sind (vgl. Skinner 2010, S. 73), ein Text also nicht nur etwas aussagt, sondern auch etwas tut (Skinner 2010, S. 77), Wirkungen zeitigen will, zum Beispiel etwas befiehlt oder vor etwas warnt (etwa der Satz: Du trinkst viel Alkohol, der nicht nur als reine konstative Aussage gedeutet werden kann). „Die grundlegende Aufgabenstellung, mit der wir uns bei der Textanalyse daher konfrontiert sehen, besteht darin, herauszufinden, was ein Autor zu der Zeit, in der er schrieb, dem Publikum, das er ansprechen wollte, durch das Machen der Äußerung tatsächlich mitzuteilen beabsichtigte.“ (Skinner 2010, S. 81) Wer sagt was, zu welchem Zweck und in welchem intellektuellen Kontext? Es ging Skinner also um die in den Texten/Sprechakten verborgenen Absichten der Autoren und deren intendierte Rezeption ihrer Texte, den intendierten Gebrauch ihrer Ideen, für deren Rekonstruktion

„aber nicht nur die allgemeinen Umstände ihrer Entstehung bekannt sein [müssen], sondern speziell auch die sprachlichen Konventionen, innerhalb deren solche Äußerungsakte erfolgen. Sie bilden den allgemeinsprachlichen Hintergrund, […] das Universum aller möglichen sinnvollen Äußerungen zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Kultur. Das bedeutet in der Praxis, all die weniger bekannten Figuren und Texte um einen großen Autor herum mitzuberücksichtigen, um zu verstehen, welches die generellen Denk- und Sprechweisen waren, die er mit ihnen geteilt hat, und wogegen er sich wandte, wenn er Konventionen brach oder missachtete.“ (Mulsow und Mahler 2010, S. 11)

Aussagen oder Sätze (politischer Theoretiker) waren in den Augen Skinners also politische Taten, beabsichtigte Handlungen in ideologischen Kämpfen.

Arbeitete Skinner eher an der Rekonstruktion der Absichten und politischen Sprechakte und ihrer sprachlichen Kontexte, so entwickelte Pocock ein Konzept der politischen Sprachen; Sprache wurde hier durchaus im strukturalistischen Sinn nach Ferdinand de Saussure gemeint, wonach einzelne Äußerungen und Sprechakte (parole) immer abhängig von der größeren Struktur und dem System der Sprache (langue) und ihrer jeweiligen Äußerungsregeln sind. Nur wenn man diese Aussagekonventionen herausarbeitet, die den Spielraum der Sprechakte festlegen, lassen sich, so Pococks Ansicht, die Aussagen der Autoren hinreichend verstehen. Sprache wird hier also verstanden als ein

„unausgesprochenes Regelwerk, das aus einem bestimmten Vokabular, aus rhetorischen Konventionen, Argumentationsmustern, aber auch inhaltlichen Vorannahmen, Leitmotiven etc. besteht. […] Bei dem Konzept der politischen Sprachen geht es darum, diese – den Sprechern meist nicht bewussten, nicht explizit thematisierten – Regeln des Sagbaren überhaupt erst einmal sichtbar zu machen und zu untersuchen, inwiefern sie politisches Handeln eröffnen, beeinflussen und einschränken, aber auch, wie diese Regeln selbst sich verändern.“ (Stollberg-Rilinger 2010, S. 22 f.)

Kritisch wurde der Cambridge School entgegen gehalten (vgl. dazu Lottes 1996, S. 40 ff.; Stollberg-Rilinger 2010, S. 23 f.), sie habe mit ihrem Fokus auf Textkonstellationen die gesellschaftlichen und politischen Problemlagen und Handlungskontexte, auf die die politischen Texte reagierten und rückgebunden werden müssten, nicht hinreichend im Blick und sie überschätze oder hypostasiere gar in ahistorisch-strukturalistischer Weise die Beharrungskraft und Unveränderbarkeit der politischen Sprachen, die eben nicht immer von den Akteuren so kohärent und unwidersprüchlich verwendet würden, wie von Pocock angenommen. Anders gelagert war die hermeneutisch (Gadamer) und dekonstruktivistisch (Derrida) informierte Kritik (vgl. dazu Harlan 2010), die sich insbesondere gegen Skinners „Illusion“ richtete, „Texte seien bloß geronnene Intentionalitäten, die darauf warten, später nachvollzogen zu werden.“ (Jay 1988, S. 104). Nach Hans-Georg Gadamer ist es jedoch unmöglich, sich von den irgendwie gearteten Vorverständnissen, mit dem man an den Text geht, zu befreien, ja diese sind sogar wesentlich für das Verstehen (vgl. Harlan 2010, S. 165). Aus dekonstruktivistischer Perspektive – und Derrida hat dies anhand vielfältiger Beispiele dargelegt (vgl. etwa Derrida 2005) – geht die Bedeutungsvielfalt des Textes niemals in der Autorenintention auf. Aber nicht nur ein der Sprache eigentümlicher, nicht vollständig zu kontrollierender sich verselbstständigender Bedeutungsüberschuss ist dafür verantwortlich. In einen Text fließen so viele andere Texte und Bedeutungen ein, an die der Autor vielleicht gar nicht gedacht oder nicht beabsichtigt hat und die vielleicht sogar seiner Argumentation zu wiedersprechen scheinen, ohne dass er es merkt (vgl. Derrida 2005). „Barthes, Derrida, Foucault und andere haben uns schmerzlich klargemacht, welche Wünsche und Erwartungen wir auf unsere Texte projizieren: die Sehnsucht, in ihnen einen wohltuenden Sinn von Verbindlichkeit und Vollkommenheit zu entdecken, eine Vergewisserung an Fülle und Tiefe.“ (Harlan 2010, S. 173) Berühmtheit erlangte insbesondere Roland Barthes’ Rede vom „Tod des Autors“ (2000), der natürlich nicht leugnet, das etwas von jemandem geschrieben wurde, sondern ähnlich wie Gadamer auf die permanente Bedeutungsgenerierung beim Lesen aufmerksam macht: „Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors.“ (Barthes 2000, S. 193) Der Leser ist nicht mehr – und war nie nur –Textkonsument, sondern Textproduzent. Bedeutung konstituiert sich jeweils im Akt des Lesens und Interpretierens neu, was auf eine wirkungsgeschichtliche Untersuchung der Interpretationen, Rezeptionen und Aneignungs- oder Zurückweisungspraktiken von Ideen, Texten oder Theorien verweist – ich komme darauf im Abschnitt zur soziologiehistorischen Methodologie zurück. David Harlan (2010, S. 192 ff.) spricht sich in diesem Sinne für eine von der jeweiligen „Neu-Situierung“ von Ideen ausgehenden Ideengeschichtsschreibung aus, „eine Geschichte der Bedeutung und nicht so sehr eine Geschichte ihrer Herstellung und Übermittlung.“ (Harlan 2010, S. 197).

Auch Michel Foucault (2001) sieht die Suche nach der „ursprünglichen“, unverfälschten Botschaft des Autors skeptisch. Er fragt nach der subtilen diskursiven Funktion des Autornamens, also nach der klassifikatorischen Funktion für einen Diskurs, dem dringenden Wunsch, etwas unbedingt einem Autor als wahre Absicht zuschreiben zu wollen: der Autorname „besitzt in Bezug auf andere Diskurse eine bestimmte Rolle: er garantiert ihre Einteilung; mit einem solchen Namen kann man eine gewisse Zahl von Texten zusammenfassen, sie abgrenzen und anderen gegenüberstellen. Außerdem bewirkt er ein In-Beziehung-Setzen der Texte untereinander.“ (Foucault 2001, S. 1014) Ferner wird er benutzt, um dem Diskurs einen gewissen Status (symbolisches Kapital) zu verleihen, wenn man etwa sagt: „das hat Max Weber geschrieben“, so kommt dies in der Soziologie oftmals einer Art unhinterfragten Weihung gleich. Foucault versucht dabei eine andere Sichtweise auf Texte und Diskurse an die Oberfläche zu befördern. Was wäre, wenn man Texte nicht mehr bloß auf den Autor zurückzuführen versuchte: „Man hörte nicht länger die so lange wiederholten Fragen: ‚Wer hat wirklich gesprochen? Ist das auch er und kein anderer? Mit welcher Glaubwürdigkeit, welcher Originalität? Und was hat er aus seinem tiefsten Inneren in seinem Diskurs ausgedrückt?‘ Dafür wird man andere hören: ‚Welche sind die Existenzweisen dieses Diskurses? Von wo aus wurde er gehalten? Wie kann er zirkulieren und wer kann ihn sich aneignen? Welches sind die Plätze, die für verschiedene Subjekte vorgesehen sind? Wer kann diese verschiedenen Subjekt-Funktionen ausfüllen?‘“ (Foucault 2001, S. 1031)5 Ein Autor steht nach Foucault also nie außerhalb des Diskursiven, das er zudem nicht beherrschen und beliebig benutzen kann, um seine Absichten, die ebenfalls nicht einfach aus dem Nichts in den Kopf des Autors gekommen sind, zur Sprache zu bringen. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Annahmen oder die Wünsche nach eindeutig bestimmbaren, machtfreien Bedeutungen, auch historischer Texte, im Ausgang des Poststrukturalismus à la Derrida oder Foucault vielfach in Frage gestellt bzw. dekonstruiert wurden.

2.3 Diskursgeschichte – Michel Foucault

Wenige Jahre früher als die Cambridge School läutete also Michel Foucault mit seiner Diskursanalyse (Les mots et les choses [dt. Die Ordnung der Dinge] erschien 1966, 1969 die methodische Reflektion Lʼarchéologie du savoir [dt. Archäologie des Wissens 1981]) eine neue Kritik an der Ideengeschichte ein (vgl. Foucault 1981, S. 193 ff.) – Kritik an den Annahmen von Authentizität, Kontinuität und den Überschätzungen der Autorschaft. Trotz der Kritik wird sein Ansatz der Diskursanalyse, also der regelmäßigen Verstreuung von Aussagen, der diskursiven Praktiken, die mehr als nur die Wirklichkeit repräsentieren, sondern „systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen“ (Foucault 1981, S. 74), heute ebenfalls zum Repertoire der Ideengeschichte gezählt. Ich werde auf Foucault im Rahmen der soziologiegeschichtlichen Methodologie zurückkommen.

2.4 Mentalitätsgeschichte

Für den französischen Kontext der Ideengeschichte ist neben Foucault noch die im Umkreis der Annales-Schule angesiedelte Geschichte der Mentalitäten zu erwähnen (vgl. Burke 2004, S. 85 ff.), wie sie etwa Philippe Ariès, Jacques Le Goff oder Georges Duby betrieben haben (für einen internationalen Blick auf die Entwicklung der Mentalitätsgeschichte siehe Spode 1999). Die Mentalitätsgeschichte war jedoch bereits seit den 1970er-Jahren zunehmend in Kritik geraten. Es wurde – insbesondere Roger Chartier (2014) war hier wortführend – eine soziologischere, an Émile Durkheim und Marcel Mauss anknüpfende Geschichte kollektiver Repräsentationen eingefordert (vgl. Chartier 1994, S. 336 ff.; 2014, S. 307); denn das Konzept der kollektiven Repräsentation könne besser die Dynamik zwischen der objektiven Ebene der kollektiven Vorstellungen und deren subjektiven Aneignungspraktiken erfassen als das statische Mentalitätskonzept (vgl. Chartier 2014). Von hier war der Weg zur Rezeption der Praxeologie Bourdieus und dessen Habituskonzepts nicht weit. Auch Foucault rückte bei dieser Kritik der Mentalitätsgeschichte erneut in den Blick, ebenfalls Norbert Elias Zivilisation- und Habitustheorie.

2.5 Wissenssoziologie und Sozialgeschichte der Ideen

Zeitgleich mit Foucault und der Cambridge School gewann die Sozialgeschichte (vor allem institutionell) in den 1960er-Jahren in Deutschland an Bedeutung (vgl. Lottes 1996, S. 29 ff.; Stollberg-Rilinger 2010, S. 17 f.) und avancierte zugleich zur stärksten Widersacherin und Anregerin der Ideengeschichte. Vor dem Hintergrund der damaligen Renaissance marxistischer Theorie wurde aus sozialhistorischer Perspektive Kritik daran geübt, dass die Ideengeschichte die gesellschaftlichen Kontexte und deren Herrschaftsmechanismen vernachlässige und die politisch-ökonomischen Interessen sowie den ideologischen Nährboden von Ideen nicht berücksichtige. Auch die Wissenssoziologie von Karl Mannheim (und später auch von Peter L. Berger und Thomas Luckmann), die jegliche Ideen und Wahrheitsansprüche auf die Seinsverbundenheit des menschlichen Denkens zurückführte, gewann in den Sozialwissenschaften immer mehr an Bedeutung. Das regte schließlich zu einer Sozialgeschichte der Ideen an, die den Sinn für den gesellschaftlichen Kontext schärfen wollte, aber oftmals gerade in dieser Hinsicht in ihrer Ausarbeitung Mängel aufwies:

„Ob nun im Vollsinn des damit verbundenen Anspruchs ideologiekritisch oder in einer eher zeitbedingten Weise wissenssoziologisch orientiert – das Experiment einer sozialgeschichtlichen Kontextualisierung der Texte scheiterte letztlich an der Zuordnungsproblematik. Die Trägergruppen von Ideen bzw. Ideenkomplexen wurden eher aus dem Text extrapoliert als rezeptionsgeschichtlich ermittelt. Die sozialgeschichtliche Situation, in der die Texte entstanden oder rezipiert wurden, erschien bestenfalls schemenhaft. Wer erinnerte sich nicht des inflationären und ganz undifferenzierten Gebrauchs der Vokabel ‚bürgerlich‘ bei der Interpretation von Texten des 18. und 19. Jahrhunderts?“ (Lottes 1996, S. 31 f.)

2.6 Historische Semantik – Begriffsgeschichte

Für die dezidiert sozialhistorische Ausrichtung in den Geschichtswissenschaften stand lange Zeit die Bielefelder Schule um Hans-Ulrich Wehler (vgl. Hitzer und Welskopp 2010, zu Soziologie und Sozialgeschichte Ludz 1972). Demgegenüber existierte in Bielefeld jedoch zugleich auch die für die Erneuerung der Ideengeschichte im deutschen Sprachraum weit bedeutsamere Begriffsgeschichte um Reinhart Koselleck.6 Begriffsgeschichte versucht, den „Erfahrungswandel der Menschen zu thematisieren“ und benutzt „die Sprache als Indikator sozialgeschichtlicher Vorgänge“ (Dipper 2011, S. 294). Aus Sicht der Begriffsgeschichte haben Begriffe, die unsere Wirklichkeit strukturieren sowie Erfahrungen und Ideen zur Sprache bringen, eine Geschichte; sie bergen das Potenzial in sich – blickt man beispielsweise auf politische Begriffe wie „Staat“ –, zu wesentlichen Leitbegriffen politischer Gemeinschaften im Kampf um Deutungshoheit zu avancieren (Koselleck 2010a, S. 99); sie sind „Indikatoren für politisch-sozialen Wandel“, die soziale Erfahrungsräume verändern und Erwartungshorizonte eröffnen können (Koselleck 1989a, S. 112).7

Seit Anfang der 1970er-Jahre erschienen die von Otto Brunner, Werner Conze und Koselleck herausgegebenen Geschichtlichen Grundbegriffe (1972–2005).8 Dabei war es explizit nicht die Absicht, Sozial- und Begriffsgeschichte gegeneinander auszuspielen oder historische Prozesse auf symbolische Praktiken und Wortgebräuche zu reduzieren, vielmehr ging es um die gegenseitige Ergänzung von Sozial- und Begriffsgeschichte (Koselleck 2010b, S. 30). Besonderes Augenmerk galt der von den Herausgebern als „Sattelzeit“ bezeichneten Periode zwischen 1750 und 1850, in der ein besonders beschleunigter sozialer, kultureller und politischer (Bedeutungs-)Wandel ausgemacht wurde und in der sich in zunehmenden Maße ein Bewusstsein für historische Kontingenz herausgebildet habe.

Allerdings wurde dem Unterfangen der Geschichtlichen Grundbegriffe vorgeworfen, es bewege sich contra voluntatem auf den Höhenkämmen der traditionellen Ideengeschichte „großer“ Denker und vernachlässige die Alltagsbegriffe und -diskurse.9 Allgemein vermisste man eine historische Behandlung des erfolgreichen Durchsetzungsprozesses von Leitbegriffen sowie eine Einbettung der Leitbegriffe in größere diskursive Kontexte, Wortfelder und zeitgenössische Begriffsvernetzungen, wie dies vorbildlich etwa in Rolf Reichardts Untersuchungen zu den politisch-sozialen Grundbegriffen Frankreichs 1680–1820 vorgemacht würde (vgl. Bödeker 2002a, S. 14 f.); zudem sei in der begriffshistorischen Forschung oftmals die Begriffsauswahl eher rekonstruktiv an der heutigen Sicht denn an den damaligen Diskursen orientiert (Lottes 1996, S. 33 f.). Solche Kritiken stellten das Unterfangen einer historischen Semantik jedoch nicht per se in Frage, sondern präzisierten vielmehr deren Vorgehensweisen. Was jedoch weiterhin unscharf blieb, war die hinter den Begriffsverwendungen stehenden historischen Akteure.

2.7 Metapherngeschichte – Metaphorologie

Begriffsgeschichtliche Forschung blieb von den unterschiedlichen Kritiken und produktiven Anregungen, die hier nicht en detail entfaltet werden können (vgl. aber Joas und Vogt 2011; Bödeker 2002a), nicht unberührt und wurde auch in Beziehung zu anderen ideenhistorischen Forschungsansätzen und Vorgehensweisen gesetzt. So wägte man beispielsweise Berührungspunkte und Differenzen zwischen der Begriffsgeschichte und der Ideengeschichte der Cambridge School aus (vgl. Richter 1995). Auch der Weg zur Diskursanalyse war nicht weit, wenn man Begriffsgeschichte ebenfalls als eine Analyse der „Geschichte der Sinnproduktion“ begreift (Bödeker 2002a, S. 14). Eine zusätzliche Erweiterung fand die Begriffsgeschichte in der Metapherngeschichte und Hans Blumenbergs Metaphorologie (vgl. Danneberg 2002); Blumenberg verstand seine Metaphorologie auch in deutlicher Nähe zur Begriffsgeschichte. Begriffe formen sich aus dieser Perspektive erst aus den („absoluten“) Metaphern;10 diese haben nach Blumenberg eine „Geschichte in einem radikaleren Sinn als Begriffe, denn der historische Wandel einer Metapher bringt die Metakinetik geschichtlicher Sinnhorizonte und Sichtweisen selbst zum Vorschein, innerhalb deren Begriffe ihre Modifikationen erfahren. […] [D]ie Metaphorologie sucht an die Substruktur des Denkens heranzukommen, an den Untergrund, die Nährlösung der systematischen Kristallisationen […].“ (Blumenberg 2013, S. 16) Wie immer man das Verhältnis zwischen Metaphern und Begriffen bestimmen mag, die Metapherngeschichte erwies und erweist sich jedenfalls als eine sinnvolle Ergänzung der Begriffsgeschichte.

Im Mittelpunkt der Metapherngeschichte steht die Metapher – wie Blumenberg zeigte – nicht als ornamentale (rhetorische oder poetische) Stilfigur, sondern in ihrer Funktion der Daseinsbewältigung und „in ihrer kreativen Rolle bei der Ordnung und Strukturierung der Welterschließung“ (Bödeker 2002a, S. 24). So schien sich zum Beispiel wohl auch der sich einer unmittelbaren sinnlichen Anschauung entziehende Begriff „Gesellschaft“ für frühere Soziologen am Besten in den Metaphern des Körpers oder des Organismus (vgl. Merz-Benz und Wagner 2007) und heute in Metaphern des Systems oder des Feldes veranschaulichen, Metaphern, die wiederum die spezifische Wahrnehmung sozialer Zusammenhänge mitbestimm(t)en (vgl. Lüdemann 2004). Die Metapher ist aus dieser Sicht nicht bloß ein Hilfsmittel angeblich „reiner“ oder „eindeutiger“ Begriffe, sondern selbst ein historisch wandelbares, konstitutives, diskursives Prinzip unseres Denkens und unserer Wahrnehmung. Insofern geben auch metaphernhistorische Forschungen „Einblicke in die Denkmuster, Grundvorstellungen und Selbstverständlichkeiten der untersuchten Zeit“ (Bödeker 2002a, S. 25).

2.8 Gesellschaftsstruktur und Semantik – Niklas Luhmann

Was das Feld der historischen Semantik anbelangt, zu der man die unterschiedlichen Arten von Begriffsgeschichte (Koselleck, Reichardt, Ritter etc.) rechnen kann, so wird mittlerweile auch die soziologische Ausrichtung Niklas Luhmanns, wie er sie in seinen Studien zu Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie moderner Gesellschaften (1980–1995, 4 Bände) ausgearbeitet hat, zum ideengeschichtlichen Grundrepertoire gezählt (vgl. Mahler und Mulsow 2014a, S. 23 f., 230 ff.).

In Gesellschaftsstruktur und Semantik analysierte Luhmann den historischen Wandel von Begrifflichkeiten wie Kultur, Staat, Individuum oder Natur vor dem Hintergrund seiner evolutions- und systemtheoretischen Soziologie; besondere Berühmtheit erlangte seine 1982 publizierte Studie zur Liebessemantik Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Im Gegensatz zur klassischen Wissenssoziologie geht es in Luhmanns Wissenssoziologie nicht um die Rückführung des Wissens auf soziale Trägerschichten, auch nicht um eine „Ideenkausalität“ im Sinne Max Webers, sondern um „Aussagen über Systemdifferenzierung und Evolution“ (Luhmann 1980, S. 7). Statt wie in der früheren Wissenssoziologie Trägergruppen von Wissensordnungen zu identifizieren, gehe es darum, die „Korrelation oder Kovariation von Wissensbeständen und gesellschaftlichen Strukturen“ (Luhmann 1980, S. 15) in den Blick zu nehmen, also die gesellschaftlichen Ausdifferenzierungs- und Evolutionsprozesse und den damit verbundenen Umbau von Wissen, Ideen und Bedeutungen, durch die soziale Prozesse Struktur gewinnen und die sowohl Ausdruck als auch Motor sozialen Wandels sein können, zu untersuchen. Ihn interessieren insbesondere die Transformationsprozesse, Variationen, Evolutionen, Zerstörungen und Selektionen von Semantiken im Übergang von stratifikatorischen zu funktional ausdifferenzierten Gesellschaften, also die Umbruchsituation der Frühen Neuzeit. Welche neuartigen oder umgestellten Semantiken antworten auf diese Transformationsprozesse, welche begleiten sie oder treiben diese sogar an? Semantiken können also, wie es Rudolf Stichweh (2006) in einer zusammenfassenden Konkretisierung und Korrektur dieser Auffassung ausdrückt, sich „sowohl antizipativ wie rekonstruktiv wie auch konstitutiv zu Sozialstrukturen verhalten“ (Stichweh 2006, S. 169).

An den Geschichtlichen Grundbegriffen kritisierte Luhmann (1980, S. 14), dass diese den „gesellschaftsstrukturellen Bedingungszusammenhang von so tief greifenden und ihrerseits zusammenhängenden Umformungen überlieferten Ideengutes“ nicht hinreichend berücksichtigten. Den Zusammenhang zwischen Gesellschaftsstruktur und Semantik möchte Luhmann (1980, S. 17) jedoch auch nicht – wie erwähnt – als einseitigen Bedingungszusammenhang begreifen, sondern ihm

„genügen für die Formulierung der Problemstellung […] Begriffe wie Kompatibilität, Grenzen der Kompatibilität, Korrelation. Gemeint ist damit zunächst nur, daß Ideengut im Verhältnis zur Gesellschaft, die es benutzt, nicht beliebig variieren kann. Das theoretische Problem verschiebt sich damit in die Frage, wodurch und in welcher Weise die Gesellschaftsstruktur Beliebigkeit einschränkt. Für die Antwort darauf benötigen wir eine Theorie der Formen und Konsequenzen gesellschaftlicher Differenzierung“, sprich Luhmanns Systemtheorie.

In einem Text aus seinem Buch Ideenevolution (2008a) versucht Luhmann den Zusammenhang noch zu konkretisieren:

„So wie Handeln und Erleben nicht je für sich allein existieren könnten, sondern auf Zurechnungsunterschiede zurückzuführen sind, so existieren natürlich auch Gesellschaftsstrukturen nicht ohne Semantik und Semantiken nicht ohne Gesellschaftsstruktur. Trotzdem muß man die Unterscheidung festhalten (etwas, was ohne ein anderes nicht existieren könnte, ist nicht deshalb schon dasselbe wie das andere), und die evolutionäre Bedeutung der Unterscheidung nimmt im Laufe der Sinnevolution zu. Das heißt zugleich, daß man Nichtbeliebigkeiten im Verhältnis von Gesellschaftsstruktur und Semantik in Rechnung stellen kann – und dies, obwohl es sich in beiden Bereichen um Evolution von Sinn handelt. Es bestehen, mit anderen Worten, Abhängigkeitsverhältnisse zwischen gesellschaftsstruktureller Evolution und Ideenevolution. […] Daß dies nicht als Rückkehr zu dem alten Streit über den relativen Vorrang von Materie oder Ideen, Basis oder Überbau, (wirtschaftlicher) Gesellschaft oder Kultur zu verstehen ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Die Evolutionstheorie setzt andere Prämissen (vor allem Selbstreferenz und Differenz) an die Stelle der Vorstellungen über Vorrangigkeit und Unterordnung, die die bisherige Diskussion beherrschten.“ (Luhmann 2008a, S. 55 f.)

2.9 Metahistory – Hayden White

Weitere Anregungen, die zwar nicht mehr zur historischen Semantik im engeren Sinne gehörten, aber ebenfalls vor dem Hintergrund des linguistic turns zu sehen sind (hierbei aber weniger von der Sprachphilosophie wie bei der Cambridge School, als vielmehr von der poststrukturalistischen Literaturwissenschaft geprägt, vgl. Harlan 2010, S. 157), erhielt die Ideengeschichte von Hayden White.11 White stellte die narrativen und rhetorischen Elemente der Geschichte in den Mittelpunkt und machte auf den Erzählcharakter jeder Geschichte aufmerksam, der soweit gehe, dass selbst der Inhalt dadurch wesentlich mitbestimmt sei. Er betrachtete das „Werk des Historikers als offensichtlich verbale Struktur in der Form der Erzählung. Geschichtsschreibungen (und ebenso Geschichtsphilosophien) kombinieren eine bestimmte Menge von ‚Daten‘ theoretische Begriffe zu deren ‚Erklärung‘ sowie eine narrative Struktur, um ein Abbild eines Ensembles von Ereignissen herzustellen, die sich in der Vergangenheit zugetragen haben sollen.“ (White 2008, S. 9) Für die narrative Strukturierung oder Modellierung („emplotment“) von Geschichte(n) machte er ausgehend von dem Klassifikationsschema für literarische Formen des Literaturwissenschaftlers Northrop Frye vier Grundarten von Geschichten aus (vgl. White 2008, S. 22 ff.): romantische, tragische, komische und satirische Geschichten.

Die Anregungen Whites, Geschichte als Geschichten, als stories und als plots zu betrachten, blieben ebenfalls nicht unwidersprochen und führten zu Auseinandersetzungen über die Objektivität historischer „Fakten“, die Auflösung der Geschichtswissenschaft in Erzählungen und das Problem des Relativismus. So kritisierte etwa Jörn Rüsen, in dieser Art von Geschichtstheorie werde „die wissenschaftsspezifische Rationalität ausgeblendet […]. Es ist eine falsche Alternative, wenn diese Rationalität gegen die Sprachhandlungen der Sinnbildung ausgespielt wird […].“ (Rüsen 1993, S. 155) Jedenfalls regte White zahlreiche Debatten und Reflexionen darüber an, ob es so etwas wie eine objektive Rekonstruktion von Geschichte überhaupt geben kann und welche textuellen, narrativen oder rhetorischen Strategien etwa zu einer Verobjektivierung beizutragen versuchen (zum Beispiel quantifizierende Darstellungsformen) – die Debatten erinnern an diejenigen in der Ethnologie, wo in den 1980er-Jahren in der writing-culture-Debatte über (quasi-)objektive Repräsentations- und Darstellungsformen des Fremden diskutiert wurde (vgl. Moebius 2009a, S. 114 ff.). Was in diesen Debatten oftmals verwirrt, sind nach Mahler und Mulsow (2014b, S. 31) die Alternativen, die dabei konstruiert werden:

„Dabei wird allerdings oft eine falsche Alternative konstruiert – die zwischen rhetorisch-narrativer Form einerseits, die ein Moment von Fiktionalität, von Romanhaftigkeit in die Historiografie bringe, und wissenschaftlichem Beweis andererseits, der nicht erzählbar sei. […] Dagegen hat Carlo Ginzburg eingewandt, die Geschichte der Rhetorik seit Aristoteles zeige, dass rhetorische Argumentationsformen keineswegs auf Wahrheit verzichten, sondern diese immer im Auge haben. Es muss, so kann man schließen, also auch die Ideengeschichte keineswegs ihre narrativen Strukturen verleugnen – im Gegenteil: literaturaffine Gestaltung kann geradezu dazu beitragen, komplexe historische Wahrheiten angemessen aufzufinden und darzustellen.“ (Mahler und Mulsow 2014b, S. 31)

2.10 Historische Epistemologie – Science Studies

Neuere Tendenzen in der Ideengeschichte sind auch geprägt vom kulturwissenschaftlichen Trend der studies wie etwa den visual, material culture oder science studies (vgl. Moebius 2012a). Bilder, Artefakte oder Techniken geraten dadurch vermehrt in den Blick (vgl. Mahler und Mulsow 2014b, S. 33 f.). Die Themen der Hefte der Zeitschrift für Ideengeschichte geben ein vielfältiges Bild davon, womit sich Ideengeschichte heute beschäftigen kann. Sie reichen von „Exil“ über „Dorf“ bis hin zum „Neo-Realismus“. Letztgenanntes Thema verweist wiederum auf die enge Verbindung der Ideengeschichte zu den science studies und zur historischen Epistemologie (vgl. Rheinberger 2007, S. 119 ff.), in deren Untersuchungen auch die Frage nach der historisch-sozialen Konstituierung von (naturwissenschaftlicher) Objektivität – bzw. in der historischen Epistemologie: die historische Analyse wissenschaftlicher Grundkonzepte wie Objektivität, Beweis, Evidenz etc. – behandelt werden; zentrale Autoren sind hier Ian Hacking, Bruno Latour, Karin Knorr-Cetina, Lorraine Daston und Hans-Jörg Rheinberger. Diese Ausrichtungen greifen mehr oder weniger – und mal mehr oder weniger explizit – wiederum auf frühere wissenschaftshistorische Überlegungen zurück, etwa die Denkstilanalysen von Ludwik Fleck (1980), die Theorie über die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen von Thomas Kuhn (1976), die historische Epistemologie Bachelards (1987) und Canguilhems (1979), die Diskursgeschichte Michel Foucaults (1981) oder auch auf die Wissens(chafts)soziologie. Sie sind insofern nicht nur für die Ideen-, sondern auch – jenseits ihrer Prägungen soziologischer Theoriekonzepte – für die Soziologiegeschichte interessant – etwa in ihren Erforschungen des diskontinuierlichen, von Kämpfen durchzogenen Verlaufs von Wissenschaft, des epistemologischen Bruchs mit dem Alltagswissen (Bachelard 1993, S. 137; Bourdieu et al. 1991, S. 15 ff.) oder der sozialen und forschungspragmatischen Entstehungsbedingungen wissenschaftlicher Erkenntnisse.

2.11 Interaktions- und Netzwerkanalysen – Randall Collins

Der unter anderem in der historischen Epistemologie zu Tage geförderte „Gruppencharakter des Wissenschaftshandelns“ (Lepenies 1989, S. 126) verweist auf soziologische Netzwerk- und Interaktionsanalysen, wie sie etwa der Konfliktsoziologe Randal Collins (1998, 2012a, 2015) in seiner Soziologie intellektuellen Wandels durchgeführt hat, die gegenwärtig ebenfalls in der Ideengeschichte rezipiert und diskutiert werden (vgl. Mulsow 2005). Collins geht davon aus, dass das Leben jedes Individuums eine „Kette von Interaktionssituationen und -erfahrungen“ (Collins 2012b, S. 78; 2015, S. 246 ff.) darstellt, die die mikrosoziale Grundlage makrosozialer Strukturen abgeben. Auch für die Geschichte der Ideen gilt das. So hat Collins in seiner Soziologie der Philosophien (1998) eine globale Perspektive auf den Wandel von Ideen erarbeitet, die auf sein konflikt- und netzwerksoziologisches Konzept der Interaktionsketten zurückgeht.12 Im Hintergrund steht dabei nicht nur Goffmans Theorie der Interaktionsrituale (vgl. Collins 2015, S. 237), sondern auch Durkheims späte Religionssoziologie (1981), in der Durkheim die Entstehung von Werten und (sakralen) Ideen/Idealen auf kollektive Erfahrungen gesteigerter, intersubjektiver Gefühlserregungen zurückführt (er spricht von „kollektiver Efferveszenz“, vgl. auch Joas 1997, S. 87 ff.). Für Intellektuelle oder Wissenschaftler sind intellektuelle Produkte aus dieser Sicht sakrale Dinge und „‚Wahrheit‘ ist das vorherrschende sakrale Objekt der wissenschaftlichen Gemeinschaft“ (Collins 2015, S. 235). In die Interaktionssituationen bringen die Akteure nach Collins (2012b, S. 80, 2015, S. 250 ff.) sowohl kulturelles Kapital als auch emotionale Energien mit, die für die Institutionalisierung, die Veränderungen oder die Reproduktionen der Muster zwischenmenschlicher Beziehungen und der in diesen Beziehungen entstehenden Ideen wesentlich sind. Trotz seiner mikrosozialen Fundierung von Ideenproduktion und -distribution verfolgt Collins eine makrosoziale Perspektive mit konflikttheoretischer Prägung, denn die

„bedeutenden Ideen, jene, die zum Gegenstand von Ideengeschichte werden, sind jene, die translokal auftreten. Die Untersuchung der lokalen Wissensproduktion übersieht etwas, dessen Erforschung einem anderen Bereich der Wissenschaftssoziologie gut gelang: Gruppen von Denkern, Ketten von Netzwerkkontakten, Rivalitäten zwischen verschiedenen Segmenten einer argumentativen Gemeinschaft. Gruppen und Ketten orientieren sich sowohl nach innen als auch nach außen […].“ (Collins 2015, S. 237)

Die unterschiedlichen Interaktionsketten, generationsübergreifenden Traditionslinien und Rivalitätsmuster sind nicht nur für die Kreativität entscheidend (Collins 2012a, S. 304), sie führen auch zu spezifischen Institutionalisierungsmustern wie Schulenbildungen, wobei es nach Collins’ konfliktsoziologischer Annahme aber immer nur zwischen drei und sechs aktive Schulen gibt (Collins 2012a, S. 305 ff.): Damit es Kreativität gibt, muss es mindestens zwei Positionen geben; meistens kommt dann noch eine dritte hinzu (die entweder zwischen beiden vermittelt oder beide verteufelt); die Obergrenze hat ebenso etwas mit der Konfliktstruktur zu tun, die „meisten Positionen werden jedoch innerhalb einer Generation aufgegeben […]. Der Konflikt begrenzt sich selbst.“ (Collins 2012a, S. 307).

Collins’ anregende, auch in der Ideengeschichte rezipierte Theorie der Interaktionsketten ist trotz seines konflikttheoretischen Bias (Kreativität muss nicht allein das Resultat von Konflikten sein, sondern kann vielmehr als Bestandteil jeden Handelns begriffen werden, vgl. Joas 1992) ein wichtiger Baustein innerhalb einer soziologiegeschichtlichen Methodologie und dort insbesondere, wenn es um die sozialen Dimensionen geht. Wie aber aus ideenhistorischer Perspektive (Mulsow 2005, S. 88) zurecht vorgebracht wurde, verbleibt sie – paradoxerweise trotz ihrer mikrosozialen Fundierung – zu sehr auf einer globalen Makroebene großflächiger Netzwerkstrukturen – zumindest in Collins’ welthistorischer Betrachtung der Philosophien (1998). Das ist nicht per se verfehlt, könnte aber die Mikroebene intellektueller Interaktionen und die lokalen Austauschprozesse zu sehr vernachlässigen. Eine Alternative oder besser: eine Ergänzung der makrosozialen Perspektive liegt in der Ideengeschichte. Dort hat sich für die Analyse lokaler Netzwerke, Interaktions- und Aufmerksamkeitsstrukturen sowie deren „Denkräume“ die Konstellationsforschung Dieter Henrichs als fruchtbar erwiesen (vgl. Mulsow und Stamm 2005) und wird von Ideenhistoriker als sinnvolle Ergänzung der makrosozialen Perspektive Collins’ in Spiel gebracht (Mulsow 2005, S. 89 ff.).

2.12 Konstellationsforschung

Henrich hat die Konstellationsforschung im Rahmen seiner Arbeiten über die Frühgeschichte des Deutschen Idealismus entwickelt und dort die Entstehung eines auf Gesprächslagen, Briefwechseln, Rezensionen und Interaktionen beruhenden kreativen „Denkraums“ herausgearbeitet. Im Folgenden beziehe ich mich zur knappen Rekonstruktion der Konstellationsforschung jedoch nicht auf Henrichs Idealismusforschung, sondern insbesondere auf Martin Mulsows (2005) Aufsatz „Zum Methodenprofil der Konstellationsforschung“, weil dort explizit der Dialog zwischen philosophiehistorischer Konstellationsforschung und Soziologie angestrebt wird. Mulsow (2005, S. 74 f.) definiert „Konstellation“ als einen

„dichten Zusammenhang wechselseitig aufeinander einwirkender Personen, Ideen, Theorien, Probleme oder Dokumente, in der Weise, daß nur die Analyse dieses Zusammenhanges, nicht aber seiner isolierten Bestandteile, ein Verstehen der philosophischen Leistung und Entwicklung der Personen, Ideen und Theorien möglich macht. […] Der Verdacht, eine Konstellation liege vor, kommt dann auf, wenn mehrere Personen in enger Kommunikation miteinander stehen und dabei von einer identischen oder ähnlichen Problemlage bestimmt sind, und wenn aus der Kommunikation kreative Entwürfe resultieren, ja sogar eine Vielzahl kreativer Entwürfe in schneller Abfolge.“

Zu den methodologischen Merkmalen der Konstellationsforschung gehört nach Mulsow (2005, S. 76) erstens die Plotstruktur von Konstellationsdarstellungen, die auf den dynamischen Charakter der Konstellationen verweist. Nachdem die „Basisarbeit der Chronologisierung, Netzwerkrekonstruktion und begriffsanalytischen Rekonstruktion getan“ sei, gelte es die zeitliche und narrative Struktur und Anordnungsform der Konstellation herauszuarbeiten. Hierzu könne man auf Whites’ Metahistory zurückgreifen und unterschiedliche Konfigurations- bzw. Narrationstypen (Komödie, Satire, Romanze etc.) deutlich machen. „Aufmerksamkeit für solche Konfigurationstypisierungen bedeutet nicht zuletzt eine Reflexivität und Selbstkontrolle des Konstellationsforschers: Er sieht, welche Typen er bevorzugt an das Material heranträgt, und er kann sich fragen, ob dabei wirklich den Abläufen entsprochen wird oder eigene Idiosynkrasien durchschlagen“ (Mulsow 2005, S. 77).

Zweitens gehört zu den Merkmalen die „Aufmerksamkeit für Gesprächslagen, Mündlichkeit und für die Möglichkeitsdimension der Akteure“ (Mulsow 2005, S. 76). Hier gebe es zwar mit der Diskursgeschichte Foucaults die Übereinstimmung, statt eines monolithischen Autorsubjekts vielmehr die diskursiven Kraftfelder für die Ideenproduktion hervorzuheben; im Unterschied zu Foucault möchte die Konstellationsforschung aber nicht die Motive, Horizonte und Wahlmöglichkeiten der Akteure aus dem Blick verlieren. Ebenso gehe es weniger um die regelmäßige Verstreuung von Aussagen, sondern auch um die kleinen alltäglichen, vielleicht auch unpublizierten, randständigen oder wenig beachteten, erst mühsam zu rekonstruierenden Aussagen und mündlichen Gesprächslagen und -situationen (Salons, Gesprächszirkel, Clubs, „small conferences“, Denken von „Randfiguren“, „Sonntagskreise“, Vorlesungen bzw. Vorlesungsmitschriften oder -manuskripte, Seminarprotokolle, Briefwechsel, Tagebücher, etc.) mit all ihren Momenten von Ironie, Spielerei und Ambivalenz (Mulsow 2005, S. 79 f.). Die Vielschichtigkeit der Gesprächslagen und Kommunikationsstrukturen könne man nur einfangen, wenn man etwa die Horizonte der Akteure wenigstens teilweise mit rekonstruiere (ebd., S. 80), etwa „Lektürehorizonte“ (Was wurde gelesen? Was nicht?), „Wertehorizonte“ (methodische Ideale, verehrte Autoritäten etc.), „Erwartungshorizonte“ (was wollte man voneinander? Einschätzung des Feldes), „theoretische Horizonte“ (Argumentationslinien, Problemdefinitionen), „praktische Horizonte“ (Karrierewege, Zensurängste), Sympathien etc. Auf diese Weise können auch Zusammenhänge offengelegt werden, die den beteiligten Akteuren selbst nicht bewusst waren.

Drittes Merkmal ist die Analyse der für die Konstellation typischen Intersubjektivitätsstruktur. Hier schlägt Mulsow den direkten Bogen zu soziologischen Konzepten wie Erving Goffmans Analysen der face-to-face-Interaktionen und dessen Rahmen-Konzept, aber auch zu Norbert Elias’ Figurationssoziologie, die wiederum in der Kultur- und Ideengeschichte durch Roger Chartier (2014) (mit Bourdieu und Foucault ergänzt) Anwendung findet. Es wird beispielsweise danach gefragt, inwiefern Figurationen, akademische oder lebensweltliche Milieus (Kaesler 1984) und die dort sich herauskristallisierenden Repräsentations- und Rezeptionspraktiken die Entstehungsherde für das sind, was Foucault Aussagen nennt. Als Soziologhistoriker/in denke man etwa an die Konstellation des Budapester „Sonntagskreises“ (vgl. Karádi und Vezér 1985), bei dem sich von 1915–1918 regelmäßig berühmte Intellektuelle im Haus von Béla Balázs trafen, unter anderem auch Georg Lukács, Karl Mannheim, Karl Polanyi oder Arnold Hauser. Welche Auswirkungen hatte diese Figuration auf deren theoretische oder biografische Entwicklungen?

Auf einer Art Mesoebene (zwischen Collins’ Makroebene und Henrichs Mikroebene) sind Konstellationen und deren Ideenproduktionen nach Mulsow (2005, S. 81, 89 ff.) nicht nur in lokalen Gesprächssituationen, sondern auch – wissenschaftssoziologisch gesprochen – in „epistemische oder Wissenskulturen“ (Knorr-Cetina 2002) eingebettet, also in größere Forschungsnetzwerke, Großlabors und „Wissensmaschinerien“, die die Handlungsmuster, internen Erkenntnisstrategien und spezifischen Wissens(erzeugungs- und validierungs)praktiken der Akteure herstellen, ja die Akteure sogar selbst erst zu konstituieren scheinen (vgl. Knorr-Cetina 2002, S. 20).13 Dabei sind insbesondere in naturwissenschaftlichen Wissenskulturen nicht nur intersubjektive, sondern auch interobjektive, also auf eine Objektwelt hin gerichtete Praktiken auszumachen.

Eine anderer, auch für die Soziologiegeschichte interessanter Vorschlag, den Mulsow (2005, S. 90) für eine Analyse der Mesoebene anführt, ist Holger Zaunstöcks Ansatz der „Sozietätslandschaft“, bei dem man anhand von Mitgliederlisten die Einbindung von Akteuren oder Personenkreisen in unterschiedliche Fachgesellschaften, Vereine oder Netzwerke nachskizziert und so Querverbindungen und Kommunikationsstrukturen nachzeichnet. Die Analyse kleinerer Netzwerke, ihrer „Spielregeln“ und Interaktionspraktiken, wie sie die Konstellationsforschung von Gesprächszirkeln vornimmt, bedarf vielleicht sogar einer Beobachtung der Konfigurationen auf der Mesoebene als „prosopographische Grundlage“: „Wenn diese Beobachtung dann immer tiefer in spezifische kleine Zirkel führt, die sich als Aktivitäts- und Kreativitätszentren entpuppen, wird sie nahtlos zur Konstellationsanalyse“ (Mulsow 2005, S. 91).

Ein viertes Merkmal der Methodologie der Konstellationsforschung ist die argumentanalytische Rekonstruktion, die eng mit dem Denkraumkonzept verbunden ist:

„Ein Denkraum ist, statisch betrachtet, ein abstraktes Kräftefeld konzeptueller und argumentativer Ressourcen, ein Gravitationsfeld von Begriffsformen. Paradigma eines solchen Denkraums wäre zum Beispiel das des spekulativen Idealismus. […] Betrachtet man bestimmte Denkräume als Reaktionen auf spezifische Hintergrundsituationen beziehungsweise -prozesse […] dynamisiert man diese Räume auf bestimmte Weise […].“ (Stamm 2005, S. 36 f.)

So können etwa Intellektuellenkonstellationen und Denkräume wie die surrealistische Avantgardebewegung oder das von 1937–1939 bestehende Collège de Sociologie als spezifische Reaktionen bzw. kreative Deutungsversuche und intellektuelle Verarbeitungen kollektiv geteilter Erfahrungen des Ersten Weltkriegs bzw. des sich in Europa ausbreitenden Faschismus begriffen werden (vgl. Moebius 2006).

Die Analyse von Argumenten, die den Denkraum – vielleicht ähnlich wie die regelmäßig verstreuten Aussagen einen Diskurs im Foucaultschen Sinne – aufspannen, rekonstruiert nicht nur genau die Argumente, Texte, Ideen oder Theorien der Akteure und ihrer Ko-Akteure („Kontexte“ im Sinne Skinners) sowie die daraus ablesbaren Spannungen oder Verdichtungen zwischen ihnen. Sie geht auch von der in der Soziologie spätestens seit Foucault oder Pierre Bourdieus (1982) Studien zu unbewusst-habituell vollzogenen Distinktionspraktiken gängigen Annahme aus, „daß die Träger einer Konstellation ihre Verfahrensweisen, die Methoden und Motive ihres Philosophierens ebenso wie die Implikationen ihrer Positionen selbst keineswegs hinreichend zur Klarheit gebracht haben müssen. Sie beherrschen nicht zwangsläufig ihr Vorgehen“ (Stamm 2005, S. 44).14

Mulsow (2005, S. 93) unterscheidet drei Ebenen der argumentationsanalytischen Rekonstruktion: Erstens auf der Mikroebene eine minutiöse Skizzierung der Theorien der Konstellationsakteure im Zusammenspiel mit den Theorien anderer. Man denke etwa an die unterschiedlichen Akteure der Durkheim-Schule oder deren Zeitschrift L’Année sociologique; hier könnte untersucht werden, inwiefern gerade im Zusammenspiel sich die jeweiligen religionssoziologischen Annahmen entwickelt haben, einen Denkraum eröffnet haben, ohne sich jedoch völlig anzugleichen. Ein Beispiel wären etwa die religionssoziologischen Überlegungen von Durkheim und seines Neffen Marcel Mauss (vgl. Moebius 2012b).

Zweitens werden auf einer Mesoebene die größeren Perspektiven im Spannungs- und Kräftefeldfeld der Argumente sichtbar gemacht, beim Beispiel der Durkheim-Schule etwa die von den durkheimiens qua soziologischer Aufklärung erhoffte Herausbildung einer neuen sozialintegrativen Moral als Antwort auf eine als zutiefst krisenhaft und anomisch wahrgenommene moderne Vergesellschaftung.

Schließlich werden drittens auf einer Makroebene die „zeitgenössischen Debatten durchleuchtet“, zwischen und in denen sich der Denkraum, die Argumente bzw. die Konstellation befindet, etwa die Debatten oder Diskurse um Säkularisierung, Laizismus oder Verteidigung der Dritten Republik (Dreyfusaffäre) im Falle der durkheimiens. Die Rekonstruktion der zeitgenössischen Debatten kann durchaus „auch mit heutigen begrifflichen Mitteln“ geschehen, so Mulsow (2005, S. 93):

„Dieser Anachronismus, der für einen Sozial- oder Mentalitätshistoriker nicht statthaft und nicht möglich wäre, erlaubt es, Gedankenlinien zu diagnostizieren und ex post Alternativen zu entdecken, die den Mitgliedern der Konstellation nicht sichtbar waren. […] Damit ist die argumentanalytische Rekonstruktion […] ein Instrument der Distanzierung gegenüber der Selbstinterpretation der Akteure. Auch für die heutige Situation kann die Frage gestellt werden: Ist ein damals nicht genutztes philosophisches Potenzial heute zu nutzen?“

Die Konstellationsforschung bietet insgesamt ein anregendes Potenzial für die Soziologiegeschichte. Auch wenn die Grundidee, die Entstehung von Ideen, die Entwicklung von Personen und Theorien aus relationalen sozialen Arrangements heraus zu erklären, schon lange zum Grundwerkzeug (wissens-)soziologischen Erklärens und Verstehens der Entstehung von Wissen und Deutungsmustern gehört – auch Konstellationsanalyse findet man etwa bereits bei Karl Mannheim (1964a, S. 308 ff.; 1980, S. 107), eine soziologische Art Konstellationsanalyse ist beispielsweise Norbert Elias’ (1991) Figurations- und Geniestudie über Wolfgang Amadeus Mozart –, so betont die ideengeschichtliche Konstellationsforschung bislang als randständig eingestufte oder marginalisierte Aspekte und lenkt damit verstärkt den Blick auf vergessene Datenmaterialien, die Rolle mündlicher Gesprächslagen und -situationen sowie unpublizierter Manuskripte. Ferner sensibilisiert sie – ähnlich wie Skinner – für die Relevanz einer argumentationsanalytischen Rekonstruktion, das heißt für eine minutiöse Analyse der argumentativen Feinheiten, die trotz der Annahme, dass die Argumente niemals nur ihrem Autor gehören, also nur vor dem Hintergrund von den Autoren nicht unbedingt expliziten diskursiven und institutionellen Formationen konstituiert sind, dennoch für eine präzise Analyse zentral ist. Von hier aus lässt sich der Diskurs als solcher möglicherweise überhaupt erst erschließen. Auch scheinen mir die von Mulsow in Erinnerung gerufenen unterschiedlichen Ebenen von Interaktionsmustern (globale Netzwerke und Interaktionsketten, epistemische Kulturen, Institutionen und Sozietätslandschaften sowie mikrosoziale Gesprächszirkel, Milieus) für eine soziologiehistorische Analyse der sozialen Dimensionen der Produktion, Verbreitung und Aneignung soziologischer Ideen weiterführend. Das mag für soziologisch Geschulte alles nicht sonderlich spektakulär oder neu erscheinen, aber es sensibilisiert für zentrale Nuancen des historisch kontingenten „Gruppencharakters des Wissenschaftshandelns“ (Lepenies) und ist deshalb auch für eine differenzierte Sichtweise auf soziologiehistorische Phänomene hilfreich.

2.13 Kulturgeschichte intellektueller Praktiken

Ebenfalls zu den jüngeren Tendenzen der Ideengeschichte ist die Annäherung an die Kulturgeschichte zu zählen, wobei hier ähnlich wie zur Wissenschaftsgeschichte die Übergänge fließend bzw. die Grenzziehungspraktiken vielfältig sind. Im Rahmen der Kulturgeschichte sind insbesondere jüngst Peter Burkes Arbeiten zur Kulturgeschichte intellektueller Praktiken und zur Geburt der Wissensgesellschaft in den Fokus der Ideengeschichte gerückt (vgl. Burke 2014; Mahler und Mulsow 2014b, S. 28). Die Fokussierung auf Praktiken unterstreicht die allgemeine in den Sozial- und Kulturwissenschaften zu beobachtende Tendenz, vermehrt mit praxistheoretischen Konzepten (Bourdieu, Pragmatismus, Theorien performativer Praktiken etc.) zu arbeiten. In seinem jüngsten auf Deutsch erschienenen Papier und Marktgeschrei. Die Geburt der Wissensgesellschaft wird diese praxistheoretische Ausrichtung beispielsweise insofern deutlich, als die einzelnen Kapitel nach Wissenspraktiken gegliedert sind: Wissen lehren, organisieren, lokalisieren, klassifizieren, kontrollieren, verkaufen, erwerben. Burke greift in dieser Studie auch explizit auf die Wissenssoziologie zurück, insbesondere auf deren „zweite Welle“, wie er es nennt (Burke 2014, S. 15); darunter fallen für ihn unter anderem Autorinnen und Autoren wie Bourdieu, Lévi-Strauss, Foucault, Elias, Jack Goody, Ernest Gellner, Berger/Luckmann oder Knorr-Cetina. Statt wie in der „ersten Welle“, in der ihm zufolge die Aneignung und der Transfer von Wissen im Fokus gestanden hätte, gehe es der (post-)strukturalistischen und konstruktivistischen Wissenssoziologie der „zweiten Welle“ vielmehr um die Produktion von Wissen; weg vom Individuum hin zu den „Praktiken wie Klassifizierung und Experiment“ (Burke 2014, S. 15). Insbesondere von der Ethnomethodologie sei der Impuls gekommen, auch praktisches, lokales und alltägliches Wissen zu berücksichtigen. Damit verbunden ist eine größere Aufmerksamkeit auf kleinere Gruppen und Zirkel, „jene Grundeinheiten, die Wissen konstruieren und seine Verbreitung kanalisieren. Dem Beispiel Foucaults folgend werden diese epistemologischen Gemeinschaften häufig anhand der Mikrobereiche erforscht, in denen sie arbeiten, von Labors bis zu Bibliotheken.“ (Burke 2014, S. 15) Und ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sei heute die Berücksichtigung von Geografie (räumliche (Nicht-)Verbreitung von Wissen, Ethnozentrismus/Orientalismus) und Gender, wobei allerdings noch vergleichende Studien zum Ausschluss von Frauen aus dem intellektuellen Leben weitgehend ausstehen würden. Kurzum: Wenn man Burkes Kulturgeschichte des Wissens und seine explizite Rezeption der Wissenssoziologie betrachtet, scheint Ideen- und Kulturgeschichte nicht so weit von der Soziologie entfernt, wie man vielleicht denkt.

3 Ideengeschichte oder intellectual history?

Nicht ganz einfach zu fassen ist die in der gegenwärtigen Literatur zu Ideengeschichte vorzufindende Unterscheidung zwischen Ideengeschichte und intellectual history. Begreifen manche intellectual history als angelsächsisches Äquivalent zu dem, „was man in Deutschland traditionellerweise Geistesgeschichte nennt“ (Stollberg-Rilinger 2010, S. 8) oder benutzen beide Begriff nahezu identisch (vgl. Grafton 2006), verweisen andere, wie etwa Warren Breckman, seit 2005 Mitherausgeber des Journal of the History of Ideas, auf einen Wandel im (Selbst-)Verständnis der Ideenhistoriker:

„Selbst Lovejoys bevorzugter Name für ‚sein‘ Fach, nämlich history of ideas (Ideengeschichte), wird heute nur noch selten verwendet, da die Mehrheit der Historiker darin eine Auffassung ausgedrückt sieht, welche die Gegenstände der Disziplin als autonome und reine Abstraktionen des Geistes definiert. Dagegen impliziert der heute gebräuchliche Begriff intellectual history eine Auffassung von Ideen als Argumenten und Diskursen, die innerhalb spezifischer Kontexte, Institutionen und kultureller Praktiken formuliert und wirksam geworden sind.“ (Breckman 2007, S. 107)15

Intellecutal history wurde demnach nicht nur als austauschbarer Begriff zu Ideengeschichte, sondern als bewusste Bezeichnung ideengeschichtlicher Forschung in Abgrenzung zu Lovejoys History of Ideas benutzt, verbunden mit einer Kritik an dessen Idee der zeitlosen, kontextlosen „unit ideas“ (vgl. McMahon 2014). Diese Kritik ging auch einher mit einer Forderung nach der Stärkung der Sozialgeschichte und Einbeziehung sozialer Kontexte für die Erklärung der Entstehung von Ideen (vgl. Darnton 1971), wobei einerseits auch heute noch im Rahmen der intellectual history die Vernachlässigung der Sozialgeschichte beklagt wird (vgl. Clausen 2015, S. 7), während andererseits konstatiert wird, dass „den sozio-ökonomischen, aber viel stärker noch den sozio-kulturellen Einbettungen von ‚Ideen‘, ihrer Verdichtung zu ‚Denkstilen‘ und ihre alltägliche Verknüpfung zu Handlungsroutinen oder Objekten zu ‚Ordnungssystemen‘ […] auch nach dem Ende des sozialgeschichtlichen Booms nach wie vor das Interesse von ‚neuen‘ Ideenhistorikern [gilt].“ (Raphael 2006, S. 13).

Da die Begriffsverwendungen nicht einheitlich sind, hat Robert Darnton (1980, S. 337) einmal folgende Definition für intellectual history zur Orientierung gegeben:

„Ideengeschichte (Erforschung systematischen Denkens, das meist in philosophischen Entwürfen auftritt), die eigentliche Geistesgeschichte (Erforschung informellen Denkens, des Meinungsklimas und literarischer Bewegungen), die Sozialgeschichte der Ideen (Erforschung der Kultur im anthropologischen Sinne, wozu auch Weltanschauungen und kollektive mentalités gehören).“

Das alles umfasst nach Darnton intellectual history. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass intellecutal history heute insbesondere deshalb für den Begriff Ideengeschichte verwendet wird, um deutlich zu machen, dass es a) nicht um Analysen im Sinne Lovejoys geht, b) nicht nur „systematisches“ (etwa philosophisches) Denken, sondern auch implizites und „prekäres Wissen“ (Mulsow 2012), also (dis-kontinuierliche und umkämpfte) Wissens-, Denk-, Wahrnehmungs- oder allgemein Diskurs- und Habitusordnungen unterhalb oder neben den ausgereiften und anerkannten Ideen und Weltanschauungen, sowie „Mentalitäten“ und „Denkstile“ (Fleck) allgemein eine Rolle spielen und c) dass es auch um die Ausbreitung, Wirkung, Vermittlung sowie d) jenseits der Textzentriertheit auch um die Materialität (Bilder, Artefakte, Emotionalität, Körperlichkeit/Inkorporierung/Habitus) von Ideen geht.

Mahler und Mulsow fassen deshalb unter intellecutal history neue, vielfältige und transdisziplinäre Konzepte, Herangehensweisen und Impulse an die Ideengeschichte wie Diskursarchäologie, neue Wissenssoziologie oder Mikrohistorie, so dass man zwar von intellectual history und Neuer Ideengeschichte (siehe auch Rothenburg 2015) sprechen kann, aber eigentlich das Selbe meint:

„Im angloamerikanischen Bereich hat sich für diese produktiven Mischformen längst der Begriff intellectual history durchgesetzt. In Deutschland hingegen trägt man schwer an den Assoziationen von ‚Geistesgeschichte‘, die immer noch die nicht mehr geteilte Prämisse des einen Weltgeistes zu suggerieren scheinen. Daher hält man sich mehr an ‚Ideengeschichte‘, obwohl auch hier die ‚Idee‘ als eine etwas obskure Entität das Genre zu verengen scheint. Doch muss diese Schwierigkeit auf Dauer kein Hindernis sein, neue Marken zu setzen und neue Muster zu erproben. Die Tore für eine Neue Ideengeschichte stehen weit offen.“ (Mahler und Mulsow 2014b, S. 11)

In diesem Sinne, nämlich neue Tore für die Ideen- und Soziologiegeschichte zu öffnen, soll nun im folgenden Abschnitt die soziologiegeschichtliche Methodologie Lothar Peters dargestellt und zur gegenseitigen Bereicherung mit ideengeschichtlichen Methodologien ergänzt werden. Ich werde trotz oder gerade wegen des unscharfen Gebrauchs von „intellectual history“ den Begriff Ideengeschichte beibehalten, nicht um einem weiteren Anglizismus entgegenzutreten, sondern um zwischen (Neuer) Ideengeschichte einerseits und der im deutschen Sprachraum mit dem Begriff der intellectual history assoziierten Intellektuellengeschichte andererseits zu differenzieren.16

4 Methodologie der Soziologiegeschichte

Ausgehend von Wolf Lepenies’ Einleitung zur vierbändigen Ausgabe Geschichte der Soziologie (1981) und Dirk Kaeslers (1984) Untersuchung der frühen deutschen Soziologie entwirft Peter (2001, 2015) ein eigenständiges methodologisches Forschungsdesign für soziologiegeschichtliche Analysen, dessen Kern die analytische Unterscheidung von drei Hauptdimensionen soziologiegeschichtlicher Forschung bildet: Die kognitive, die soziale sowie die wirkungs- und diskursgeschichtliche Dimension. Im Folgenden soll gezeigt werden, inwiefern sich Peters soziologiegeschichtliche Methodologie und deren systematische Differenzierung zwischen diesen Dimensionen für eine Erweiterung bisheriger methodologischer Überlegungen zur Ideengeschichte eignet. Zugleich wird damit dargestellt, inwiefern die genannten ideengeschichtlichen Konzepte die soziologiegeschichtliche Methodologie sinnvoll erweitern und ergänzen können.

Die vorgestellte methodologische Konzeptionalisierung zur soziologiehistorischen Analyse soziologischer Ideen (im weitesten Sinne, der auch Methoden und Instrumente einschließt) vermag im Vergleich zu Ansätzen, die allein die Biografie, das Milieu oder den historischen Kontext berücksichtigen, ein komplexeres und differenzierteres Bild der Entstehung, der Interaktionen, der gruppenstabilisierenden Prozesse sowie der Produktion neuer Ideen zu liefern.17 Folgendes Schaubild von Lothar Peter (2015, S. 119) verdeutlicht die zu untersuchenden Dimensionen mit ihren Unterebenen, die ich im Folgenden in knapper Form darstellen und mit ideenhistorischen und soziologischen Konzepten anreichern werde.

Den allgemeinen Rahmen einer soziologie- oder eben dann auch ideengeschichtlichen Forschung bildet zunächst eine generelle real- und sozialhistorische Kontextualisierung der zu analysierenden Ideen, Akteure, Instrumente, Methoden oder Institutionen. Das heißt, der Forschungsgegenstand muss erst einmal in den größeren Kontext der ökonomischen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Prozesse der Zeit seines Auftauchens gesetzt werden. Auch hier kann es Nuancierungen oder unterschiedliche Gewichtungen geben, ob man entweder eher den kulturhistorischen Aspekt hervorhebt oder die ökonomischen oder politischen Umweltbedingungen. Jedenfalls gilt, dass hier eine Kontextualisierung, die nur auf ökonomische oder einzig und allein auf kulturelle Prozesse abzielt, keine hinreichende Einbettung des Forschungsgegenstandes darstellt. Diese erste Rahmung nimmt noch nicht tiefergehende Interpretation oder eine vollständige Erklärung des Aufkommens, der Ausgestaltung oder der Verbreitung der Ideen vorweg; diese Interpretationsleistung kann erst vor dem Hintergrund der Analysen der kognitiven, sozialen und wirkungs- bzw. diskursgeschichtlichen Untersuchungsdimensionen hinreichend geschehen. Die generelle Rahmung dient zunächst eher dem Aufweis, dass Ideen nicht in einem ahistorischen und gesellschaftlichen Vakuum auftauchen, sondern historisch und gesellschaftlich in vielerlei Aspekten zu situieren bzw. in ihrer „Seinsverbundenheit“ (Mannheim) zu einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt erst möglich sind. Eine soziologie- bzw. ideengeschichtliche Studie hat demnach die zeitgenössische Gesellschaft als zentralen Bezugspunkt der Ideenentstehung zu berücksichtigen. Man denke etwa an die Idee oder den Begriff von „Kultur“, der je nach Zeitpunkt seines Auftretens etwas völlig anderes bedeuten kann (vgl. Bollenbeck 1994), sei es zum Zeitpunkt des Aufkommens des Bürgertums und seiner Engführung mit Bildung, sei es als nationalistische Integrationsideologie nicht vorhandener staatlicher Einheit oder im Rahmen des Ersten Weltkriegs als deutscher Kampfbegriff gegen den Rest der westlichen „Zivilisation“ (die sogenannten „Ideen von 1914“). Ohne kapitalistische Industrialisierung, die sozio-ökonomischen (Herausbildung des Bürgertums) oder politischen (Erster Weltkrieg) Prozesse und Konstellationen und den mit ihnen zusammenhängenden Erfahrungsveränderungen blieben diese Begriffswandlungen, Verwendungspraktiken und Deutungsmuster leere Signifikanten. Und andersherum erschließen sich allein aus den ökonomischen oder politischen Prozessen noch nicht die relativ autonomen diskursiven Dynamiken, die zum Erfolg des Begriffs gehörenden Sinnüberschüsse (Bollenbeck 1994, S. 92), die kommunikativen oder intersubjektiven Interpretations-, Aushandlungs- und Verwendungsweisen, inhaltlichen Bedeutungsnuancierungen und -veränderungen oder die Frage, wie es dazu kommen konnte, „Kultur ohne Kulturbegriff“ (Bollenbeck 1994, S. 35) als ahistorische Komponente allen menschlichen Lebens (Stichwort Arnold Gehlen: „alle Menschen seien von Natur aus Kulturwesen“) zu modellieren. Wie man anhand dieses Beispiels sehen kann, ist eine erste Rahmung für das Verständnis und die historische Einordnung eines Phänomens unerlässlich.

4.1 Die kognitive Dimension

4.1.1 Wissenschafts-, disziplin- und ideengeschichtliche Kontextualisierung

Die erste Untersuchungsebene der kognitiven Dimension setzt sich zusammen aus einer Darstellung der wissenschafts- und ideengeschichtlichen Kontexte, also zeitgenössischer Paradigmen, Theorien, Methoden und Diskurse, in die die Ideenentstehung der Akteure eingebettet ist und vor deren Hintergrund sich diese konstituieren.

„Welche Rolle bestimmte soziologische Ideen, die Gegenstände und das Echo empirischer Untersuchungen, die Entstehung neuer Forschungsrichtungen usw. für eine Gesellschaft in einer bestimmten Zeit spielten, lässt sich nicht durch eine rein immanente Betrachtung hinlänglich erklären. Eine solche Betrachtung wird keine Auskunft darüber geben können, wie ein konkreter soziologischer Beitrag im wissenschaftlichen Kontext seiner Zeit verortet war, ob sein Erkenntnisgehalt durch andere Einzelwissenschaften beeinflusst wurde, ob er selbst neue Pfade beschritt oder sogar einen Bruch mit den jeweils herrschenden Paradigmen auslöste. Nur über eine wissenschaftsgeschichtliche Erschließung ihres epistemologischen, methodologischen und inhaltlichen Status lässt sich die Spezifik und Originalität soziologischer Beiträge zurückliegender Perioden abschätzen, aber auch nachvollziehen, welche Bedeutung der wissenschaftliche Diskurs und damit auch seine soziologischen Elemente für die gesellschaftliche Selbstbeschreibung in einer gegebenen historischen Situation hatten. Umgekehrt kann die wissenschaftsgeschichtliche Rekonstruktion Aufschluss darüber geben, ob und wie die Realprobleme der Gesellschaft in den Wissenschaften verarbeitet wurden, ob sich in dieser Hinsicht signifikante Differenzierungen zwischen den Einzelwissenschaften nachweisen lassen und welche Folgen sich darauf für die Entwicklung der Soziologie ergaben.“ (Peter 2015, S. 123)

Die produktive Rolle einer wissenschafts-, disziplin- und ideengeschichtlichen Kontextualisierung lässt sich am Beispiel der Intellektuellengruppe des Collège de Sociologie (1937–1939) verdeutlichen (vgl. Moebius 2006): Die von den am Collège vertretenen Intellektuellen aus Literatur, Soziologie, Ethnologie oder Kunst, beispielsweise Georges Bataille, Michel Leiris, Roger Caillois, propagierte „Sakralsoziologie“ lässt sich nicht aus sich heraus verstehen. Für das Verständnis der Ausrichtung der Intellektuellen am Collège müssen eine ganze Reihe von theoretischen, empirischen und künstlerischen Kontexten berücksichtigt werden: so die ethnologischen Forschungen der Durkheim-Schule über das Sakrale und die integrative Kraft von Ritualen (manche waren Schüler von Marcel Mauss), die in der Zwischenkriegszeit in Frankreich an Bedeutung gewinnenden so genannten „drei H“ (Hegel, Husserl, Heidegger), die Hegelvorlesungen von Alexandré Kojève in den dreißiger Jahren, die einsetzende Nietzsche-Rezeption, die personalistischen oder „Dritte-Weg-Bewegungen“ (Keller 2001), die surrealistische Bewegung (viele Collègiens waren ehemalige Surrealisten), sowie den durch Einstein ausgelösten Paradigmenwechsel in der Physik. Alle diese diskursiven Entwicklungen und Verschiebungen lassen das Collège de Sociologie nicht nur zwischen diesen wissenschaftlichen, künstlerischen und politischen Ideenbewegungen, die dort unter anderem rezipiert wurden, verorten, vor diesem Hintergrund werden auch erst spezifische Mischungen in der Rezeption dieser Ideen, wie etwa ein „nietzscheanischer Durkheimismus“ des Collège, hinreichend deutlich.

4.1.2 Zentrale Ideen, Kernthesen und Schlüsselbegriffe

Neben einer wissenschafts- und disziplingeschichtlichen Analyse gehört zu den „kognitiven Dimensionen“ die Untersuchung derjenigen theoretischen, methodischen oder allgemeiner: paradigmatischen Ideen, die als prägende Bezugs- und Anknüpfungspunkte dienten, also die Rückgriffe auf vorhandene Reflexionen, Theorien oder Sinnkonstruktionen sowie ihre selbstständige Weiterverarbeitung durch die Akteure. Um diese Prägungen und Anknüpfungen aber deutlich machen zu können, sind zunächst die Schlüsselbegriffe, Ideen und Kernthesen des zu untersuchenden Phänomens (sei es eine soziologische Schule, ein Akteur, eine Methode etc.) herauszuarbeiten. Bei meinem Beispiel des Collège de Sociologie wären dies etwa das „Sakrale“, „Gemeinschaft“, „Macht“, „Mythos“ und der Begriff einer „allgemeinen Wissenschaft“ (Bataille). Es gilt diese Kernthesen und -begriffe als Schlüsselkategorien herauszuarbeiten und darzustellen. Dabei können auch narrative Modellierungen und Plotstrukturen zur Sprache kommen. Donald N. Levine (2015) macht zum Beispiel folgende Narrative in der Geschichte der Soziologie aus: das positivistische, pluralistische, synthetische humanistische, kontextualistische und das dialogische Narrativ, denen unterschiedliche Klassikerlektüren und -rezeptionen entsprechen.

Im Rahmen der Darstellung der Kernthesen, Schlüsselbegriffe und -argumente sind ideengeschichtliche Konzepte wie die argumentationsanalytische Rekonstruktion und auch die Begriffs- oder Metapherngeschichte hilfreich. Warum etwa wird beim Collège de Sociologie nicht vom Heiligen, sondern vom Sakralen gesprochen? Welche handlungsorientierende Funktion haben die Ideen? Wie konstituierte und wandelte sich in der Soziologie die Semantik und Sprache von „Gesellschaft“ (Nolte 2000, S. 20 f.)? Das erschließt sich zwar nicht nur durch, aber auch nicht ohne begriffshistorische und kontextualistische Herangehensweisen.18 Allgemein gilt für die Soziologie, dass deren „semantische Verschiebungen und Verwerfungen nach Umfang und Tiefe beachtlich“ sind (Fleck 2015, S. 62), dennoch mangelt es bislang in der soziologiehistorischen Forschung an Analysen des Wandels der historischen Semantik; ein Wandel, bei dem oftmals die Begriffe gleich bleiben, aber deren Bedeutungsgehalt sich ändert. Untersuchungen, wie sie etwa Nolte in seiner „verlängerten Begriffsgeschichte“ (Nolte 2000, S. 20) von „Gesellschaft“ anhand der soziologischen Entwürfe des 20. Jahrhunderts vorgenommen hat, lohnen sich auch für andere Analysen der Geschichte der Soziologie (Fleck 2015, S. 56 ff.).19

4.1.3 Prägende Bezugs-, Rezeptions- und Anknüpfungspunkte, paradigmatische Einflüsse

Nötig ist aber für eine solche Kontextualisierung, Begriffsgeschichte und argumentanalytische Rekonstruktion auch der weitere Schritt, die Kon-Texte und paradigmatischen Einflüsse freizulegen und darzustellen, etwa mit der Kontextanalyse der Cambridge School oder mit der Feldanalyse, auf die ich gleich noch zu sprechen komme. Bei unserem Beispiel des Collège de Sociologie und der von ihm verfolgten Sakralsoziologie wären die prägenden Einflüsse insbesondere die Soziologie des Sakralen von Émile Durkheim, Marcel Mauss und Robert Hertz, die von zwei Seiten des Sakralen ausgehen, wie es auch im Lateinischen sacer = heilig, verflucht angelegt war. Begriffshistorisch wäre hier übrigens interessant, wie es im religionssoziologischen Diskurs nach dem Zweiten Weltkrieg daraufhin zum Verschwinden des Verfluchten und dann zur Engführung auf heilig kommen konnte (sicher sind dafür auch die deutschen Übersetzungen der Werke der durkheimiens verantwortlich, wo le sacré lange Zeit nur mit heilig übersetzt wurde und damit die explizit erforschte Dualität des Sakralen begrifflich verloren ging). Auch die organizistische Gemeinschaftsvorstellung der collègiens schließt an die Durkheimsche Vorstellung des Sakralen, des sakralen „Kerns“, um den sich die Gemeinschaft der Theorie des Collège nach gruppiert, an. Neben der Frage nach den spezifischen Rezeptionen und paradigmatischen Einflüssen gibt es auch metaphernhistorisch einiges zu entschlüsseln, etwa die am Collège benützten organizistischen, vitalistischen Metaphern (insbesondere Batailles) oder die Rede vom „Kern“ wären hier interessant.

Bis hier zusammengefasst haben wir im Rahmen der kognitiven Dimension folgende Untersuchungsebenen: a) wissenschafts- und disziplingeschichtliche Rahmenanalyse, b) Analyse und Darstellung der Schlüsselbegriffe, -ideen, -argumente und Forschungsobjekte, hier kommen etwa ideengeschichtliche Konzepte der Kontextanalyse, der argumentationsanalytischen Rekonstruktion oder der historischen Semantik (Begriffs- und Metapherngeschichte, narrative Modellierung) zum Tragen, c) paradigmatische Einflüsse und Anknüpfungspunkte sowie Interpretation dessen, warum wie gerade diese und nicht andere vorhandene Ideen rezipiert wurden.

4.1.4 Handlungstheoretische Rückbindung der Ideengenese

Ein weiterer Ansatz, der bislang in soziologie- oder ideenhistorischen Überlegungen kaum erwähnt wurde, ist die Entstehung intellektueller Aktivitäten, Ideen oder Engagements handlungstheoretisch rückzubinden und zu reflektieren. Als Grundlage einer solchen Arbeit bietet sich die Theorie der Kreativität des Handelns von Hans Joas (1992) an. Aus dieser neopragmatistischen Perspektive wäre die Entstehung intellektueller Aktivitäten, Ideen oder Methoden Handlungen, genauer: kreative Antworten auf problematisch gewordene Fragen; Antworten, die aufs engste mit der Situationsdefinition der Handelnden verknüpft sind und die wiederum im Rahmen von bestimmten (meist auch vor-reflexiven) Erfahrungs-, Interpretations- oder Wissensordnungen erfolgen. Das heißt, Aussagen, Ideen, Theorien, diskursive Praktiken, Paradigmen – bzw. praxistheoretisch gesprochen: Praktiken der Formulierung von Ideen, Theorien oder Methoden – erfolgen vor dem Hintergrund von vorhandenen kognitiv-symbolischen Wissensordnungen (im weiten Sinne, der auch Mentalitäten etwa umfasst) und müssen darum auch in Zusammenhang mit diesen interpretiert werden (vgl. auch Lottes 1996, S. 43).20

Der pragmatischen Handlungstheorie folgend sind die Ideen, Aussagen, Methoden, Instrumente usw. also (um es noch einmal anders zu sagen) in einem sozialen Interaktions- und Interpretationsumfeld formulierte Problemlösungspraktiken bzw. Problembewältigungsversuche realer oder als real wahrgenommener sozialer oder ideeller Probleme (vgl. auch Rehberg et al. 2015, S. 447 ff.). Jede Idee oder Theorie ist „im Grunde erst dann angemessen verstanden, wenn sie als Antwort auf eine mögliche, aus der Situation erwachsene Frage aufgefasst werden kann.“ (Acham 2014, S. 100). Die spezifischen problematischen oder als problematisch wahrgenommenen gesellschaftlichen, politischen oder intellektuellen „Fragen“ und Situationen sowie deren Verarbeitung anhand der Theorien, Methoden, Schlüsselbegriffe, Kernthesen (oder allgemein Ideen) gilt es herauszuarbeiten und sie auf die zeitgenössischen gesellschaftlichen Verhältnisse als zentralen Bezugspunkt zurück zu beziehen. So stellen etwa die Forschungen und theoretischen Überlegungen der Durkheim-Schule zu anomischen Prozessen (Schlüsselbegriff: Anomie) und zur Herausbildung einer neuen sozialintegrativen, zivilreligiösen Moral (Sakralität der Person) die soziologische Antwort auf eine am fin de siècle – auch bei anderen soziologischen Klassikern (Weber, Simmel) – wahrgenommene soziale und kulturelle Krise moderner Gesellschaften, insbesondere die als krisenhaft wahrgenommene die Erosion traditioneller Kultur und den daraus resultierenden Verlust der Geltung normativer Bindungen, dar (vgl. Moebius 2009a, S. 20 ff.).

Die Theorien oder Ideen im Anschluss an Joas als kreative Antworten auf problematisch wahrgenommene oder reale soziale bzw. kulturelle Probleme zu verstehen, soll keinesfalls einem Determinismus der Ideen aus den sozialen Bedingungen das Wort reden. Vielmehr wird von wechselseitigen, sich verschränkenden Prozessen ausgegangen, deren genaues Zusammenspiel, deren Figuration und deren jeweilige Gewichtung von Fall zu Fall anders und empirisch genau zu prüfen ist.

Das heißt, es ist jeweils zu analysieren und zu interpretieren, inwiefern neue Theorien, Ideen oder „Absichten“ (Skinner) aus sozialen Prozessen, also den „Interaktionsritualen“ (Collins 2015), Netzwerken, Figurationen, Lebenswelten, Milieus, den daraus hervorgehenden individuellen Lebensverläufen und Habitus, bestimmten feldspezifischen Beziehungsgefügen und Interessenslagen, Institutionen oder gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, also den sozialen Dimensionen, auf die ich noch zu sprechen komme, als bestimmte Antworten (im obigen Sinne) und Situationsdefinitionen emergieren oder im Sinne einer relativen Autonomie der Ideen vielleicht nur eine lose Kopplung besteht. Wie auch immer die spezifische Kopplung, Interdependenz oder Verschränkung aussieht, es wird bei der hier verfolgten, soziologisch informierten Soziologiegeschichte jedenfalls wissenssoziologisch davon ausgegangen (vgl. Endreß 2015; Srubar 2015), dass Ideen, auch wenn sie anderen Ideen entspringen, immer in irgendeiner Weise an das Soziale verbunden sind und es keine reinen, von sozialen Entstehungs-, Verarbeitungs-, Tradierungs- und Verbreitungskontexten losgelöste „Kopfgeburten“ gibt; zumal Wissensordnungen, diskursive Praktiken, Sprache oder Bildwelten, in denen die „Kopfgeburten“ ausgedrückt werden oder an die die zu untersuchenden Ideen anschließen, selbst ihrerseits wiederum auf soziale Konstitutions- und Verbreitungsprozesse verweisen. Kurzum: Es bleibt also die stete Aufgabe der Historiografie, diese je nach Forschungsgegenstand anders ausfallenden Bezüge, Wechselwirkungen, Figurationen, Korrelationen oder Homologien zwischen kognitiven und sozialen Dimensionen zu erhellen. Für die Soziologiegeschichte bedeutet das auch, eine „soziologische Geschichte der Soziologie“ (Fleck 1999) ins Auge zu fassen, also nicht hinter den Erkenntnisstand, den theoretischen und methodischen Erkenntnissen der Soziologie (etwa den Grundannahmen der Wissenssoziologie, Wissenschaftssoziologie etc.) zurückzufallen, sondern vielmehr diese für die Datengewinnung, Deutung und Erklärung zu benutzen.

4.1.5 Soziologische Feldanalyse

Eine bestimmte soziologische Vorgehensweise, kognitive und soziale Dimensionen zu koppeln, relational aufeinander zu beziehen oder zumindest Homologie auszumachen, ist Bourdieus Soziologie der Felder.21 Dabei lässt sich – ähnlich wie bei Bourdieus Kapitalformen des ökonomischen, sozialen, kulturellen und symbolischen Kapitals – sowohl eine kognitive als auch eine soziale Ebene der Feldanalyse unterscheiden, die wiederum dann in Beziehung gesetzt werden können. „Wer sich für eine Feldanalyse entscheidet, der muß sich darüber klar werden, dass er systematisch die fachliche ‚Innenperspektive‘, das Interesse für Forschungsprozesse und deren Ergebnisse, für Denkstile und Leitideen, mit der ‚Außenperspektive‘, also die Neugierde für soziale Milieus, Institutionen, soziale Netzwerke miteinander verknüpfen will.“ (Blaschke und Raphael 2007, S. 81).

Schauen wir noch mal kurz zurück: Man hat den wissenschafts- bzw. disziplinhistorischen Rahmen skizziert (a), daraufhin die Ideen, Theorien, Argumente oder Methoden (b) dargestellt und kontextualisiert (c). Nun gilt es, sie in den wissenschaftsgeschichtlichen Rahmen genauer (soziologisch) einzuordnen. Und eben dafür scheint die soziologische Feldanalyse ein brauchbares Konzept zu sein (vgl. Heilbron et al. 2004; Paulitz 2016). Feldanalyse – ein auch in den Geschichtswissenschaften (vgl. Blaschke und Raphael 2007)22 verwendetes „Forschungsprogramm“ (Bernhard und Schmidt-Wellenburg 2012a und 2012b) – versteht den sozialen Raum als durch unterschiedliche Felder strukturiert, sei es das religiöse, politische oder kulturelle Feld, das wiederum unterteilt ist in das künstlerische oder wissenschaftliche Feld, und dieses ist auch wiederum in die unterschiedlichen Fachdisziplinen ausdifferenziert. Im Rahmen der kognitiven Dimension konzentriert man sich nun zunächst einmal auf die Kräfteverhältnisse der Ideen im Feld. Felder bilden im Verhältnis zum gesamten sozialen Raum und den dort herrschenden sozialen Prozessen zwar nicht vollkommen unabhängige, aber doch relativ autonome Mikrokosmen mit eigenen „Spielregeln“, Normen und Möglichkeiten, wobei der Grad der Autonomie je nach Feld unterschiedlich sein kann (vgl. Bourdieu 1998a, S. 18 f.).

Bourdieu geht von der Annahme aus, dass es im Feld einen Kampf um Anerkennung, um Bewahrung, Veränderung und um die Besetzung der „legitimen“ Position im Feld geht, das heißt, um die Setzung und hegemoniale Absicherung dessen, was im Feld als das Wahre, Gute, Schöne oder Beste, quasi als unumgängliches Gesetz gilt (also etwa, eine bestimmte soziologische Theorie als „die“ erklärungskräftigste oder die Vorstellung, nur empiriegesättigte Soziologie sei „wahre“ Soziologie etc.), hinter das man nicht mehr zurück kann. Es gibt auf der einen Seite „Orthodoxe“, die zu einer bestimmten Zeit die Macht, Position bzw. so viel wissenschaftliches symbolisches „Kapital“ haben (etwa durch Auszeichnungen, Bestseller, Drittmittel, Ranking, Zitationsindex, „Matthäus-Effekt“ (Merton)23 etc.), nicht nur die „Spielregeln“, sondern auch den „Spieleinsatz“ (maßgebliche Fragestellungen, Methoden, Gegenstände) festzulegen, das Feld nach ihren „Wünschen gefügig zu machen“ (Bourdieu 1998a, S. 22). Auf der anderen Seite erkennt man die „Heterodoxen“, die nach der hegemonialen Position streben. Im Grunde geht es also um die (im Streben nach der Wahrheit meistens nicht bewusste) Erlangung einer spezifischen Position im Feld (und nicht unbedingt damit auch gleichzeitig um eine bessere Position im sozialen Raum insgesamt). Die Dynamik des Feldes ergibt sich aus dem Drängen der Heterodoxen zur Orthodoxie. Ein Beispiel: Als ich selbst ins soziologische Feld eintrat, vertrat ich dort mit meinem Interesse für Foucault und Derrida eine eher heterodoxe Stellung und musste Seminare zu Foucault mit viel Argumentationsaufwand gegenüber den Hütern der Curricula rechtfertigen, mittlerweile ist Foucault dank ganz unterschiedlicher, hier nicht zu vertiefender Prozesse (cultural turn in der Soziologie, andere Generationsgenossinnen und -genossen mit den gleichen Interessen etc.) aus Klassikerbänden zur Soziologie nicht mehr wegzudenken. Zu den Feldeffekten gehören demnach sowohl bei den Orthodoxen wie bei den Heterodoxen unter anderem auch die Bildung bestimmter (oft generationsspezifischer) Cluster, diskursiver Netzwerke, „Denkkollektive“ (Ludwik Fleck), akademischer Stämme, Diskussionszusammenhänge oder Fraktionen.

Das Feld ist relational, ein schachbrettartiges „Kräftefeld“ (Bourdieu 1998a, S. 20), in dem die Akteure bestimmte Ressourcen (Habitus) mitbringen, die sie mehr oder weniger für das „Spielen“ im Feld gut ausstatten und die sich aber im Laufe des Kräftespiels auch ändern und dem Spiel anpassen können, so dass man als besonders „gewitzt“, „abgebrüht“ oder als alter „Haudegen“ im Feld erscheint, das heißt, einen ausgeprägten Spielsinn („illusio“) hat. „Es ist die Struktur der objektiven Beziehungen zwischen den Akteuren, die festlegt, was sie tun können und was nicht. Oder, genauer, ist es die Stellung in dieser Struktur, die, zumindest indem sie Möglichkeiten ausschließt, ihre Stellungnahmen bedingt.“ (Bourdieu 1998a, S. 20 f.). Das heißt nun für Soziologie- und Ideengeschichte, wir müssen die Stellungnahmen, Ideen und Texte der Akteure im Rahmen der Struktur und des relativ autonomen Mikrokosmos des Feldes untersuchen, im Rahmen der feldspezifischen „Spielregeln“ (Bourdieu 2001, S. 358), Logiken und ungeschriebenen Gesetze, die es im Feld zu beachten gilt und die man mit der Zeit mehr oder weniger bewusst internalisiert oder nach seinen Regeln umzuschreiben versucht.

Im Rahmen der kognitiven Untersuchungsdimension interessiert nun zunächst einmal die Beschaffenheit des Feldes bzw. dessen Spielregeln auf der Ebene der Ideen, das heißt deren Konstellationen (Orthodoxie, Heterodoxie), ihre Gelegenheitsstrukturen (Merton) und ihr „Möglichkeitsraum“ (Bourdieu 2001, S. 371 ff.; vgl. auch Endreß 2015, S. 504 f.), also was überhaupt im Feld an Ideen in den Blick kommen kann und wo es strukturelle Lücken gibt, was gedacht und gesagt werden kann. Die Feldanalyse geht dabei über eine reine Kontextualisierung der Ideen hinaus, weil sie den Kontext auch im Hinblick der objektiven (Macht-)Beziehungen und der Dynamiken der Kräfteverhältnisse innerhalb des Feldes (und relativ unabhängig zunächst von denen im sozialen Raum) in den Blick nimmt (Bourdieu 2001, S. 379). Man muss also das jeweilige (soziologische, philosophische, intellektuelle) Feld anhand der dort vorzufindenden Themenfelder, Positionen, Orientierungen, Oppositionen, Kämpfe, Differenzierungen, „Konkurrenzen“ (Mannheim 1964c) oder auch Kontroversen (vgl. Kneer und Moebius 2010; Große Kracht 2005) untersuchen. Wie ordnet sich der Untersuchungsgegenstand dort ein, welche Strategien (jenseits der sozialen wie der Kooperationen, Aufbau einer Schülerschaft, Besetzen zentraler Herausgeberschaften von Zeitschriften etc.) und Möglichkeiten existieren für eine Positionierung im Feld (etwa Zitationspraktiken, das Zitieren anerkannter, kanonischer Klassiker, Anleihen bei den Naturwissenschaften, Einreihen in eine Schule oder umgekehrt gerade avantgardistische Angriffe auf etablierte Schulen, Theorienkonvergenz, Propagierung „dritter Theoriewege“ etc.)? Wie gestaltet sich die „boundary-work“ (Gieryn 1983, 1994),24 also welche Grenzziehungspraktiken gibt es im Kampf um wissenschaftliche Autorität (denken wir etwa an Durkheims Abgrenzungen der Soziologie zur Individualpsychologie)? Wie gut kann jemand auf der Klaviatur des Feldes spielen, hat also einen ausgesprochenen Spielsinn und Glauben an den Wert und die Sinnhaftigkeit des Spiels (illusio)? Welche (ideellen) Ressourcen gibt es, welche Verweispraktiken, welche Bezugnahmen und welche Abgrenzungsargumente? Wie wird kreativ im Feld mit den vorhandenen Theorien, Ideen oder Methoden umgegangen? Wie hat man den dafür erforderlichen „Spielsinn“ erworben? Kann man etwa vielleicht eigene begriffliche Label und Deutungsmuster durchsetzen oder alte neu auffrischen („Individualisierung“, „Risikogesellschaft“, „Beschleunigung“, „Public Sociology“), hat man einen „Platzierungssinn“ (Bourdieu 1998a, S. 24) oder schafft man es gar, den politischen Denkstandort als gleichsam objektive, „antiideologische“ Tatsache, als unhintergehbares Faktum im Sinne des erwähnten „legitimen“ Wissens in der community festzuschreiben („nivellierte Mittelstandsgesellschaft“, „Jenseits von Stand und Klasse“, „homo oeconomicus“)?25

Hier ist Vorsicht geboten. Man darf, wie Bourdieu selbst warnt, die Strategien der Wissenschaftler nicht

„auf soziale Strategien oder soziale Determinanten verkürzen, die zwar immer einen ihrer Aspekte ausmachen. Aber [man] verkennt dabei nicht nur die Sublimation externer, gerade ‚politischer‘ Interessen, sondern auch der internen, derjenigen Interessen, die mit dem Kampf im Feld zusammenhängen, einem Kampf, der seinerseits durch die sozialen Gesetze des Feldes verfügt wird […].“ (Bourdieu 1998a, S. 26 f.)

Man muss beide Seiten, die „strukturale Zwiespältigkeit“ bzw. die gleichzeitige Einbindung in die Struktur des politisch-gesellschaftlichen Raumes und in die des Feldes berücksichtigen (vgl. Bourdieu 1998a, S. 36 f.). Wie Bourdieu (1988) beispielsweise anhand der Fundamentalontologie Martin Heideggers gezeigt hat, lässt sich dessen Philosophie nicht nur auf einen politisch-sozialen Denkstandort der konservativen Revolution rückbeziehen, sie muss auch relativ unabhängig davon im dem nach eigenen Spielregeln strukturierten philosophischen Feld analysiert werden, um den „Spieleinsatz“, den „Spielsinn“ und die Leitideen im Verhältnis zu den anderen (etwa zu den Ideen Husserls oder Cassirers) in ihrer Eigenart zu verstehen. Dabei darf weder das eine zugunsten des anderen vernachlässigt werden, also entweder sein Denken ausschließlich im politischen Raum der konservativen Revolution oder ausschließlich nur innerhalb des philosophischen Produktionsfeldes verortet werden, vielmehr ist es doppelt eingebunden in zwei relativ autonome Strukturen und positioniert sich dort mit Hilfe von Bezug- und Stellungnahmen, Grenzziehungen, Abwehrstrategien und eigenen Definitionen.

Hat man die spezifischen Machtstrategien, Kämpfe und Beziehungen des Feldes analysiert, kann man über die Analyse des Habitus, also der milieu- bzw. klassen- und feldspezifisch internalisierten und inkorporierten Denk-, Wahrnehmungs-, Verhaltens- und Beurteilungsschemata (s. auch den nächsten Abschnitt zum Habitus auf der Ebene der sozialen Untersuchungsdimension) eine Verbindung zwischen den homologen Strukturen des politischen Raumes und des relativ-autonomen wissenschaftlichen Feldes sowie den entsprechenden sozialen Positionierungen (s. a. 4.2.) in den Feldern herstellen.26 Dabei ist auch zu beachten, dass politische Vorstellungen in die Logik des intellektuellen Feldes auf spezifische Weise „übersetzt“ werden (vgl. Heilbron 1995, S. 10), wie dies Bourdieu in seiner Heideggerstudie folgendermaßen vorgeführt hat:

„Als praktischer Operator der zwischen einer philosophischen und einer politischen Position sich herstellenden Homologie […] fungiert der spezifische Habitus dieses ‚ordentlichen Philosophen‘, der, ländlichen Kleinbürgerkreisen entstammend, Politik nicht anders denken und formulieren kann als mit den Schemata und Worten der Ontologie […]. In diesem Habitus sind alle Dispositionen und Interessen vereinigt, die ebenso an die in verschiedenen Feldern eingenommen Positionen gebunden sind (also im sozialen Raum die des Mittelstandes und der universitären Fraktion dieser Klasse, innerhalb der Struktur des universitären Feldes die des Philosophen usw.) wie an die zu jenen Positionen hinführende Laufbahn – die des Akademikers der ersten Generation, der ungeachtet seines Erfolgs im intellektuellen Feld einen prekären Status hat.“ (Bourdieu 1988, S. 64 f.)

4.2 Die Soziale Dimension

An die Untersuchungen der kognitiven Dimensionen schließt die Behandlung der sozialen Dimensionen an. Diese unterteilt sich nach Peter in die Analyse der Akteure und in die Analyse der Institutionalisierungsprozesse.

4.2.1 Akteure

Die erste Ebene der sozialen Dimensionen ist die Analyse der sozialen Akteure und ihrer Einzelbiografien, den „itinéraires“ (Sirinelli 1988). Die Akteure sollen dabei nicht nur als zwischen Denk- und Handlungsalternativen rational wählende Individuen betrachtet werden, sondern insbesondere auch als

„Persönlichkeiten, die sowohl von nicht-rationalen, emotionalen Affekten bewegt als auch von ebenfalls nicht notwendig bewussten kollektiven Wertvorstellungen, Traditionen und moralischen Präferenzen sowie schließlich von außerhalb ihrer Handlungssouveränität liegenden biografischen Bedingungen wie Emigration und Exil beeinflusst oder bestimmt wurden.“ (Peter 2015, S. 128)

Die biografische Darstellung (vgl. Platt 2015) schließt die Untersuchung über die kreativen und schöpferischen intellektuellen Leistungen einzelner Akteure ein, bei der erörtert werden kann, inwiefern die Akteure etwas qualitativ Neues erzeugten. Ebenso muss dargelegt werden, wie sich biografische Voraussetzungen der Akteure auf die intellektuellen Inhalte auswirkten, ohne jedoch deterministisch von der Biografie auf den Inhalt zu schließen. Es gilt demnach methodisch zwischen der biographischen Ebene der zu erforschenden Akteure einerseits und ihren Werken andererseits zu differenzieren, denn analytisch sind die biographischen Momente der Akteure nach Peter nicht um ihrer selbst willen von Interesse, sondern hinsichtlich der Frage nach der „Produktionsförderung“ intellektueller Erkenntnisse.27

Diese „produktionsfördernden“ biografischen Elemente, die unter anderem anhand von Berichten, Briefwechseln, professionsbezogenen Interviews (Rehberg et al. 2015) oder anhand autobiografischer Texte (vgl. König 1984; Fleck 1996; Bourdieu 2002) gewonnen werden können, sind eingebettet in konkrete soziale Netzwerke sowie Lebens- und Erfahrungszusammenhänge, die nach Peter (2015, S. 129) unter dem Begriff des „Milieus“ untersucht werden können. In einem Milieu oder in einer „Lebenswelt“ (Alfred Schütz) beziehen sich Individuen auf andere Individuen und symbolische Institutionen, innerhalb derer sie ihre Umwelt mit ihrem Milieu typisierend zu vereinbaren lernen. In Anlehnung an Dirk Kaeslers (1984) methodologische Unterscheidung zwischen Herkunftsmilieu und akademischem Milieu kann untersucht werden, inwiefern die sozialen Strukturen mit der Wahrnehmung von Gesellschaft durch die Akteure übereinstimmen, ob sich zwischen Herkunftsmilieu und akademischem Milieu eine Distanz ergab und welche Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen Milieu und kognitivem Gehalt soziologischer Forschung bestehen. Hinsichtlich der Identitätsbildung der Akteure im intellektuellen Milieu sind neben der Untersuchung informeller Kreise auch Gesprächslagen und (Interaktions-)Rituale, wie wir sie oben bereits im Rahmen der Behandlung der Konstellationsforschung angesprochen haben, sowie auch die verschiedenen Kommunikationsformen, etwa Briefwechsel der Akteure untereinander, von Bedeutung. Hier sind die Übergänge zu den Untersuchungen der Institutionalisierungs- bzw. Gruppenbildungsprozesse, auf die ich im folgenden Abschnitt zu sprechen komme, fließend.

Für eine Analyse der Akteure bietet sich im Zusammenhang mit der Untersuchung der Milieus auch eine Habitus-Analyse im Sinne Bourdieu an (vgl. Krais und Gebauer 2002). Das heißt, man untersucht die Denk-, Wahrnehmungs-, Beurteilungs- und Verhaltensschemata der Akteure, die durch deren Einbettung und Subjektivierung in die lebensweltlichen und akademischen Milieus (und ihren spezifischen Konstellationen zwischen ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital) konstituiert und strukturiert wurden. Um noch einmal auf Heidegger zurückzukommen: Nicht nur, dass er zwischen der Erziehung im katholischen Studienhaus St. Konrad und gleichzeitig dem gemäßigt liberalen Bildungshumanismus am Konstanzer Gymnasium (jetzt Suso-Gymnasium), also als Konviktler inmitten einer freigeistigen und „weltlichen“ Schule sowie im „Spannungsverhältnis zwischen Konvikt und dem munteren Stadtleben draußen“ bereits Beurteilungs- und Wahrnehmungsschemata von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit ausgebildet haben könnte, wie Safranski (2004, S. 27) vermutet. Darüber hinaus war es nach Bourdieu auch „tatsächlich der späte und rein schulmäßige Erwerb der Gelehrtensprache, wodurch jene Beziehung zur Sprache gefördert wurde, die es erlaubte, auf der gesamten Gelehrtenklaviatur der Alltagssprache zu spielen und zugleich die Alltagsklaviatur der Gelehrtensprache aufzudecken (darauf beruht ja unter anderem der prophetische Verfremdungseffekt, den Sein und Zeit ausübte).“ (Bourdieu 1988, S. 64).

Die Analyse des Habitus geht einher mit der Feldanalyse. Im Rahmen der sozialen Dimensionen spielen hier nun neben den Ideen und deren Positionierung im Feld auch die homologe soziale Position der Akteure im Feld eine zentrale Rolle. Welche für die Positionierung im Feld fördernden oder nachteiligen Ressourcen (Kapitalien) und Habitusstrukturen bzw. Dispositionen bringen diese mit (vgl. Ringer 2000)? Wer hat die Position des „gatekeepers“, wer des „trouble-makers“ (vgl. Krais und Gebauer 2002, S. 58)? Wie wirken die handelnden Subjekte und die sozialen Felder zusammen? Wie viel „Ich-Autonomie“ haben sie gegenüber den Feldstrukturen bzw. wie gehen Feldstrukturen und die Bildung von Autonomie einher (vgl. Steinmetz 2015)?

„Jeder Autor nimmt eine Position in einem Raum ein, das heißt in einem […] Kraftfeld, das auch ein Feld von Kämpfen um den Erhalt oder die Veränderung dieses Kraftfelds ist, und insofern existiert er und bestreit er seine Existenz nur unter den strukturierten Zwängen des Felds […]; zugleich aber vertritt er […] seinen Standpunkt, verstanden als die Sichtweise, zu der man von einem bestimmten Punkt aus kommt, indem er eine der aktuell oder virtuell möglichen […] Positionen im Feld des Möglichen bezieht (und indem er auf diese Weise Position zu den anderen Positionen bezieht). Als Person auf einer bestimmten Position kann er nicht nicht Position beziehen, sich nicht nicht unterscheiden […]. Mit seinem Eintritt in das Spiel akzeptiert er stillschweigend die dem Spiel inhärenten Zwänge und Möglichkeiten […].“ (Bourdieu 1998b, S. 65 f.)

Die inhaltliche Positionierung der Akteure ist nicht zu trennen von ihrer Positionierung im sozialen Raum. So wäre es interessant herauszufinden, inwieweit die Herkunft aus einem bestimmten Milieu und ein entsprechender Lern- und Bildungsweg habituell eher die Wahl des Faches Arbeitssoziologie oder der Kultursoziologie nahe legt.

Mit den Milieu-, Netzwerk- und Habitus-Feld-Analysen hängt eine weitere soziologische Ebene der Untersuchung der Akteure zusammen, die Generationszugehörigkeit. Im Rückgriff auf Karl Mannheim (1964b) kann man zwischen „Generationslagerung“, „Generationszusammenhang“ und „Generationseinheit“ unterscheiden: Die Generationslagerung ist charakterisiert durch „die parallele Reihenfolge des Erlebens biografischer Ereignisse, die – quasi als soziale Kraft wirkend – Angehörige einander naher Geburtsjahrgänge zu einer ähnlichen Perspektive auf historische Begebenheiten veranlassen“ (Corsten 2001, S. 35). Der Generationszusammenhang wird gestiftet durch kollektiv geteilte Schicksale wie historische Großereignisse und durch die Kristallisation einer „kollektiv verfügbaren historisch-aktuellen Problembestimmung im Sinne eines geteilten und reflexiv gewordenen Problemhorizontes“ (Corsten 2001, S. 35). Konkrete, sich durchaus auch bekämpfende Gruppen innerhalb eines Generationszusammenhangs sind dann als „Generationseinheiten“ bezeichnet, das heißt als „kollektive Strömungen unter den ungefähr zur gleichen Zeit Geborenen, die sich als durchaus individuell besonderes und voneinander abgrenzendes aktives Eingreifen in Bezug auf den reflexiv gewordenen Problemhorizont interpretieren lassen“ (Corsten 2001, S. 35) und die bei gemeinsamer Teilhabe an sozialen, politischen und kulturellen Strömungen oder Ereignissen nicht gleichförmig sein müssen.

Der Generationszusammenhang von Intellektuellen oder Ideenproduzenten ergibt sich nicht nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einer in etwa gleichen Altersklasse, sondern auch vor dem Hintergrund bestimmter historischer Schlüsselerlebnisse und ihrer spezifischen Wahrnehmungen, Interpretationen, intergenerationeller Interaktionen und Distinktionspraktiken (etwa hinsichtlich der Elterngeneration) sowie der jeweiligen Epoche der Generationslagerung angemessenen Aneignung eines Bildungskapitals.

Betrachtet man beispielsweise die Epoche der Dritten Republik in Frankreich, so lassen sich nach Winock (1989) und Beilecke (2003) mehrere Generationszusammenhänge oder „Schicksalsgemeinschaften“ (Mannheim) von Intellektuellen unterscheiden: Die „Génération de l’Affaire Dreyfus“, innerhalb derer der Kampf für Menschenrechte und für die Republik prägend war, die „Génération d’Agathon“, geprägt von den „Nachhutgefechten“ der Dreyfusaffäre (vgl. Lepenies 2002, S. 50), den Angriffen sowohl auf die Republik als auch auf den „parti intellectuel“ sowie auf die Neue Sorbonne und die Soziologie, die „Génération du feu“, zu der die Generationseinheit der Dadaisten, der Surrealisten und auch manche Mitglieder des Collège de Sociologie gezählt werden können und für die der Erste Weltkrieg ein prägendes Moment war. Schließlich kann noch eine „Génération de la crise“ ausgemacht werden, eine Generation von Intellektuellen, „die den Krieg nicht mehr selbst erlebt haben und im Rahmen der ‚crise des années trente‘ an Debatten beteiligt waren, die in kritischer Weise die Effizienz und Legitimation der parlamentarisch-demokratischen Republik in Frage stellten.“ (Beilecke 2003, S. 50).

Auch Mischungsverhältnisse zwischen Generationszusammenhängen sind möglich. So setzen sich beispielsweise die Mitglieder des von mir untersuchten Collège de Sociologie als spezifische Generationseinheit aus den beiden letztgenannten Generationszusammenhängen zusammen, die man gemeinhin als nonkonformistische Intellektuelle oder als nonkonformistische Generation bezeichnet (Loubet del Bayle 1987).

Die eben genannten Beispiele verweisen darauf, dass sich nach Peter (2015, S. 130 f.) an der „Schnittstelle des akademischen Milieus und gesellschaftlicher Prozesse außerhalb dieses Milieus […] eine neue Funktion der Soziologen“ entwickelte, die der Intellektuellen. Diese Funktion verweist bereits auf die wirkungsgeschichtliche Dimension, da es hierbei auch darum geht, inwieweit Ideenproduzenten sich in öffentliche Diskurse einschalten, Stellung beziehen und sich intellektuell engagieren.28 Es überrasche nicht sonderlich, „dass gerade Soziologen, deren privilegierter Forschungsgegenstand die Gesellschaft ist, auch als Intellektuelle in die Arena der öffentlichen Auseinandersetzungen traten.“

4.2.2 Institutionalisierungsprozesse

Unter Prozessen der Institutionalisierung versteht Peter (2015, S. 130) zweierlei:

„Von Institutionalisierung wird ja soziologisch sowohl dann gesprochen, wenn bestimmte eingespielte Muster sozialen Handelns zu regelmäßig wiederkehrenden, normativ verbindlichen Formen der Interaktion verfestigen, als auch dann, wenn sich bestimmte gesellschaftliche Aktivitäten und Funktionen zu Systemen organisieren, die von einer zentralen Idee oder Werten gesteuert, von Mitgliedern aufrechterhalten werden, über einen materiellen Apparat verfügen und deren inneren Vorgänge geregelt ablaufen.“

Im ersten Sinn geht es um die „Verstetigung symbolischer und normativer, die Entstehung ‚epistemischer Gemeinschaften‘ fördernde Muster in der sozialen Interaktion“ (Peter 2015, S. 132), wie wir sie im Rahmen des Abschnitts zur Konstellationsforschung und zu den Akteuren bereits kennen gelernt und in die unterschiedlichen Aggregatniveaus (Makro: großflächige Netzwerkstrukturen; Meso: Wissenskulturen, Akademien, Schulen, akademisches Milieu; Mikro: lebensweltliches Milieu, Gesprächskreise, Salons, Vereine, Konstellationen) differenziert haben. Zwei Dinge wurden dabei noch nicht berücksichtigt: zum einen die Fragen nach der Entstehung von Gruppenzusammenhängen, epistemischen Gemeinschaften und sozialen Strukturen der Wissensproduktion (α) und zum anderen das für die Soziologie und andere Wissenschaften zentrale Institutionalisierungsmuster der Schule (β). Im zweiten Sinn von Institutionalisierung geht es um größere Organisationen und Institutionen wie etwa (in sich wiederum ausdifferenzierte) wissenschaftliche Gesellschaften (γ).
  1. (α)

    Die einer Gruppierung, einem Gesprächskreis oder mikrosozialen Konstellation zugehörigen sozialen Interaktionen und situativen Kontexte, in denen die Interaktionen zwischen den Akteuren stattfinden, sollen dabei nicht nur dahingehend analysiert werden, was zur Institutionalisierung dieser Gruppe (etwa zu einer Schule, zu einem dauerhaften „Kreis“, einer „wissenschaftlichen Bewegung“ (Frickel und Gross 2005), einem Denkkollektiv etc.) führte oder wie die sozialen Interaktionsmuster sich verfestigten, sondern es sind auch diejenigen Interaktionsketten und mikrosozialen „Verflechtungen“ (Wolfgang Reinhard) zu betrachten, die der Institutionalisierung vorangingen und viele der Mitglieder erst miteinander bekannt machten, auch wenn die Gruppenzusammenhänge vielleicht wieder zerbrachen und sich auflösten. Es soll zudem danach gefragt werden, wie sich die Institutionalisierungsprozesse auf das inhaltliche Selbstverständnis, die Forschungsausrichtung und die thematischen Schwerpunktsetzungen der Ideengruppierung auswirkten.

     

Wie die historisch-soziologische Rekonstruktion eines Gruppenprozesses durchgeführt werden könnte, hat Jürgen Frese (2000) in einem Beitrag über „Intellektuellen-Assoziationen“ systematisch vorgeführt. Zu Beginn jeder Gruppengeschichte steht ihm zufolge ein so genanntes, zu rekonstruierendes „Pfingsterlebnis“, ähnlich wie es auch Collins in seiner Interaktionstheorie im Rückgriff auf Durkheim emotionssoziologisch theoretisiert hat: „Es gibt so etwas wie die von allen Teilnehmern einer Versammlung geteilten ‚positiven Erfahrungen‘ spürbaren Zuwachsens von Möglichkeiten des Sehens, Redens und Handelns, die sich ergeben, wenn Menschen situativ und spontan ihre Handlungsorientierungen aufeinander einstellen […].“ (Frese 2000, S. 442) Mit Blick auf Intellektuellengruppen und in Anlehnung an Durkheims (1981) Religionssoziologie wären demnach nicht nur die geistige, sondern auch die sinnlich-emotionale Dimension zu berücksichtigen, das heißt die für die Gruppendynamik und den Gruppenzusammenhalt relevanten rituellen Momente sinnlicher Erfahrung, der Selbsttranszendenz oder des kollektiven Ergriffen-Seins. Wichtig ist demnach nicht nur, das „Pfingsterlebnis“ an sich zu analysieren, sondern auch die Bestrebungen, das Erlebte regelmäßig zu wiederholen und auf Dauer zu stellen (die Entstehung von Ritualen, Workshops, Tagungen, Manifesten, Zeitschriften, Programmen, Interaktionsregeln etc.), die kollektiven Deutungsprozesse der Erfahrungen sowie die identitätsstiftenden Praktiken (zum Beispiel den Prozess der Namensgebung einer Zeitschrift oder Gruppe/Schule) und (feldsoziologisch) Abgrenzungsversuche gegenüber anderen intellektuellen Strömungen und Gruppierungen.

Da sich die Gruppe irgendwie darstellen müsse – sei es für sich selbst oder nach außen –, greife sie auf ein „Arsenal des kollektiven Gedächtnisses“ zurück (Frese 2000, S. 444). Dieses Arsenal kann beispielsweise mythische Gesellungs- und Vereinigungs-Szenarien vergegenwärtigen, aus denen unterschiedlich ausgewählt werden. Es umfasst Gruppenmythen und unterschiedliche Gestalten, beim Collège de Sociologie waren dies etwa Dionysos und der kopflose Gott Akephalos (vgl. Moebius 2006, S. 253 ff.). Ebenso finden sich im Arsenal des kollektiven Gedächtnisses unterschiedliche, für eine Mythisierung sich anbietende Gesellungsformen wie spätmittelalterliche Verschwörungsgemeinschaften, Kloster-Gemeinschaften oder Gelehrten-Fakultäten bis hin zu ritterlichen Tafelrunden, sokratischen Symposien oder Geheimgesellschaften. Die Angebote mythischer Gestalten und Gesellungsformen des kollektiven Gedächtnisses werden durchgespielt, vielleicht modifiziert oder „zur Adaption eigens präpariert“ bis es irgendwann beim Durchspielen der Angebote „einhake“, so dass einem als Beobachter das Neue, der „geistige Aufbruch“, als „Wiederaufführung eines Uralten“ erscheine (Frese 2000, S. 445). Später sei der anfängliche Gruppen- und Transformationsprozess es der Gruppe wert, „als wesentliches Geschehen selbst mythologisch weitererzählt zu werden.“ (Frese 2000, S. 446).

Es kann ferner zwischen mehreren Ideal-Typen von Gruppen unterschieden werden. Alfred von Martin (1965, S. 203) beispielsweise zählt folgende auf: „Eine Gruppe, gar eine innerlich verbundene Gemeinschaft, können Intellektuelle im Normalfall nur bilden, soweit sie von gleichem Denken und Wollen bewegt werden. So kann ein ‚Orden‘ vorkommen wie der der russischen revolutionären ‚Intelligentsia‘“, welche den Sonderfall einer politischen Verschwörung darstellte, die als solche natürlich auf engen Zusammenhalt angewiesen war; so kann es den ‚Bund‘ etwa einer philosophischen Schule geben wie der pythogoräischen; so auch den exklusiven ‚Kreis‘ literarischer Schöngeister, die gleichfalls um einen ‚Meister‘ sich scharen, nicht frei von esoterischer Manieriertheit (wie der Georgekreis) und bewußt der eigenen Ausstrahlung aristokratische Grenzen setzend.29
  1. (β)

    Im wissenschaftlichen Feld und insbesondere auch in der Soziologie lassen sich als zentrales Institutionalisierungsmerkmal der Wissensproduktion die Herausbildung von Schulen beobachten (vgl. Szacki 1981; Tiryakian 1981; Mullins 1981; Platt 1996, S. 230 ff.; Stichweh 1999; Klausnitzer 2014; Dayé 2015; Fischer und Moebius 2016; Moebius 2015, 2016). Dabei können Schulen, die man grundlegend als „generationsspezifische Kommunikationsgemeinschaft mit besonderer epistemischer und sozialer Kohärenz“ (Klausnitzer 2014, S. 14) begreifen kann, auch differenziert werden in sowohl institutionalisierte Schulen, die sich durch ihre institutionelle Anbindung an Institute, eigene Zeitschriften, Schuloberhäupter, bestimmte Schülerrollen (Hüter, Herolde, Verteidiger) und generationsübergreifende Paradigmentransfers kennzeichnen lassen, als auch in Denkschulen, die insbesondere durch ein gemeinsam geteiltes Paradigma oder einen „Denkstil“ (Ludwik Fleck) als Einheit wahrnehmbar sind. Trotz eines nach außen hin relativ homogenen Paradigmas oder „intern verbindenden, außen erkennbaren und aufnehmbaren“ (Reitz 2013, S. 171) theoretischen bzw. empirischen Programms lassen sich in den Schulzusammenhängen auch Binnenkomplexitäten und „Arbeitsteilungsprozesse“ ausfindig machen (Reitz 2013, S. 171).

     

Im Anschluss an Lothar Peter (2015, S. 133) wird eine Schule als „die institutionelle Formierung eines soziologisch sowohl zeitlich als auch räumlich einflussreichen theoretischen und/oder empirischen Paradigmas sowie die damit einhergehende formelle oder informelle Einbindung von soziologischen Akteuren in einen institutionalisierten Zusammenhang von Forschung, Lehre, Publikation und öffentlicher Präsenz“ definiert. Als Kennzeichen von institutionalisierten Schulen können meist ein oder mehrere Schuloberhäupter, eine „paradigmatische“ Lehre bzw. ein Programm, eine Zeitschrift und eine sich mit der Lehre identifizierende oder in die Lehre involvierte Schülerschaft mit diffundierender Wirkung ausgemacht werden (vgl. Moebius 2015, S. 33, 119 ff.).

Für eine methodologische Berücksichtigung von Schulen als institutionalisierte Orte von Soziologie führt Peter einige Gründe an:

„1. Schulen profitieren von einem Synergieeffekt, der sich aus der Integration institutioneller und kognitiver Funktionen ergibt. 2. Schulen lassen sich klar von ihrer soziologischen ‚Umwelt‘ unterscheiden. Das erhöht ihre Binnenkomplexität und damit ihre Fähigkeit, die sie umgebenden fachwissenschaftlichen Umwelten zu beeinflussen. 3. Schulen zentrieren sich im allgemeinen um bestimmte Führungsfiguren und lassen sich lokalisieren: Beiden Momenten kommt, wenn auch in unterschiedlicher Weise, eine für die Identität von Schulen tragende Bedeutung zu.“ (Peter 2015, S. 134)

Auch wenn man in der Soziologiegeschichte durchaus von wirkmächtigen und mit symbolischer Macht ausgestatteten Schulen sprechen kann, wie etwa von der Durkheim-Schule, der Chicago School, der Frankfurter Schule oder der Kölner Schule, so soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Schulenbegriff in den meisten Fällen eine nachträgliche, aber dennoch forschungsrelevante Typisierung ist (vgl. Szacki 1981, S. 25 ff.), die von den Schulgründern oder Schulanhängern selbst kaum benutzt und auch von den Zeitgenossen nur in seltenen Fällen als Schulzusammenhang wahrgenommen wird.
  1. (γ)

    Institutionalisierung im Sinne der Entstehung von Institutionen im wissenschaftlichen oder künstlerischen Feld umfasst auch die Analyse der Professionszusammenhänge, größerer Organisationen und ihrer Organisationsprinzipien (vgl. auch Endreß 2015, S. 500 ff.). Mit Blick auf die Soziologie bedeutet dies insbesondere die Untersuchung der Konsolidierung und Professionalisierung etwa anhand der Schaffung von Curricula, berufsqualifizierenden Abschlüssen, Zeitschriften, virtuellen Foren, Verlagen bzw. Buchreihen, der Gründung und Etablierung von Fachgesellschaften (etwa der DGS inklusive ihrer Kongresse und Tagungsaktivitäten), Akademien, Departments oder universitären wie außeruniversitären Instituten (UNESCO-Institut, Institut für Höhere Studien, SOFI Göttingen, Sozialforschungsstelle Münster/Dortmund etc.). Auch die Verbindungen dieser größeren Institutionen zum Wissenschaftssystem, zum Beispiel zu Forschungsförderorganisationen, oder zum Staat (Wagner 1990) oder zu globalen Wissensprozessen und transnationalen Netzwerken (Drori et al. 2002; Heilbron et al. 2015) können hier für die Analyse von Interesse sein.

     
Eine Darstellung der Institutionalisierungsprozesse hat neben produktiven auch die

„Reibungsverluste, kontraproduktive Regulierungen, administrative Gängelungen und Herrschaftsbestrebungen einzelner Gruppen“ zu berücksichtigen; diesen „nachteiligen Folgen muß die Aufmerksamkeit ebenso gelten wie den produktivitätsfördernden Auswirkungen von Institutionalisierung, will Soziologiegeschichte nicht zur geschwätzigen Erfolgsstory und affirmativen Lobhudelei herabsinken“ (Peter 2001, S. 40)

Hier sollten auch organisations- und wissenschaftssoziologische Theorien und Methoden zur Analyse- und Interpretation der Institutionen und Organisationen herangezogen werden, wobei das Spektrum sehr breit sein und von feldsoziologischen, netzwerksoziologischen, systemtheoretischen oder neo-institutionalistischen bis hin zu diskursanalytischen Vorgehensweisen reichen kann. Auch professions- oder arbeitssoziologisch könnte die zunehmende Umstellung auf Projektarbeit und digitale Kommunikation neue Aufschlüsse über die Entstehung, Verbreitung, Geltung und Veränderung von Ideen, aber auch über die Berufswelten von Wissenschaftlern oder anderen Ideenproduzenten erlauben (vgl. Fleck 2015, S. 82).

4.3 Diskurs- und wirkungsgeschichtliche Dimension

  1. (a)

    Die diskursgeschichtliche Dimension geht zurück auf die Diskursanalyse von Michel Foucault. Diskurse sind nach Foucault das historisch kontingente, nicht auf Intentionen einzelner Autoren rückführbare Produkt einer regelmäßigen „Verstreuung“ (dissémination) von Aussagen, deren Auftreten eng mit Machtprozessen verbunden ist. Die zentrale Frage, die sich eine Diskursanalyse stellt, lautet daher: Wie werden die Ideen, Theorien, Methoden oder Werke institutionalisiert, wie treten sie in den Diskurs ein? Wie konstituieren sie den Diskurs und dessen „Wahrheitsregime“? Welche Position haben sie in der regelmäßigen Verstreuung von Aussagen und welche Rolle spielen dabei Machttechniken?

     

Die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte und -interessen korrelieren mit einer Vielzahl an unterschiedlichen diskursanalytischen Konzepten, die Palette reicht von wissenssoziologischen bis zu linguistischen oder „kritischen“ Diskursanalysen (vgl. Keller 2007; Jäger 1993). Der für eine ideen- und soziologiehistorische Methodologie verfolgte diskursgeschichtliche Ansatz kann ebenfalls auf die Arbeiten von Michel Foucault zurückgreifen (vgl. Quadflieg 2008, S. 98 ff.) und davon ausgehend die „artikulatorischen Praktiken“ untersuchen, also die diskursiven Ausschlussmechanismen, die diskursiven und nicht-diskursiven Entstehungs- und Verwerfungspraktiken sowie die für die Diskursproduktionen und -verwerfungen relevanten Machtverhältnisse. So kann der Schwerpunkt der diskursgeschichtlichen Untersuchung auf den Verwerfungen und Ausschlüssen (der Werke) der Intellektuellen aus dem wissenschaftlichen Diskurs liegen oder es können die einzelnen kommunikativen Handlungen der Ideengruppen oder Konstellationen unter diesem Aspekt genauer erforscht werden. Das allgemeine Ziel einer solchen Diskursanalyse ist demnach eine Darstellung sozio-historisch spezifischer Dispositive, also der Verdichtung von Machtbeziehungen, Diskursen, nicht-diskursiven Praktiken (Institutionen, Artefakte) und Wissensverhältnissen. Schaut die Wirkungsgeschichte vor allem auf die Wirkungen auf die Gesellschaft, so richtet die Diskursanalyse ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Inklusions- und Exklusionsmechanismen, also darauf, wie es dazu kommt, dass bestimmte Ideen sich durchsetzen oder rezipiert werden und andere nicht. Die Diskursanalyse versucht also aufzuzeigen, wie Ideenproduktion und -rezeption immer auch eine Geschichte von Verwerfungen, Ausschlüssen, Grenzziehungen („boundary-work“ (Gieryn 1983)) und Neu-Produktionen von Ideenfeldern sind.

Es handelt sich dann hierbei um eine Art Rezeptions- bzw. „Vergegenwärtigungsgeschichte“ (Lottes 1996, S. 29), die untersucht, wann und warum, aus welchen Machtkonstellationen heraus diese oder jene Idee, dieser oder jener Text gerade zu diesem oder jenem bestimmten Zeitpunkt wieder gelesen oder rezipiert werden. Wie bereits weiter oben in der Kritik an der Cambridge School erwähnt, konstituiert sich Bedeutung jeweils im Akt des Lesens und Interpretierens neu. Insofern ist Wissensrezeption immer auch Wissensproduktion und -konstruktion, wie man zum Beispiel an der Entstehungsgeschichte von Meads (oder eben nicht nur Meads) Mind, Self, and Society beobachten kann (vgl. Huebner 2014, S. 114 ff.). Wie wurde Mead beispielweise dazu benutzt, eigene Konzepte (genauer gesagt, die von Charles Morris und Herbert Blumer) im soziologischen Feld zu legitimieren (Huebner 2014, S. 141 ff.)? Was wurde wie und warum wieder entdeckt und was verdrängt? Warum liest man plötzlich in Deutschland seit Mitte der 1960er-Jahre wieder Max Weber, während sein Bruder seit dem nahezu dem Vergessen anheimfiel? Wie ändert sich die Ideenrezeption oder ein Kanon in gesellschaftlichen Krisen- oder Umbruchsituationen und welche Rolle spielen dabei (feldstrategische) Erinnerungsinteressen (vgl. Lottes 1996, S. 29)?

Die soziologie- oder ideengeschichtliche Diskursanalyse, die sich gut mit einer feldanalytischen Perspektive verbinden lässt, fragt nicht nur nach den Beziehungen zwischen Machtverhältnissen und Ideen- oder Wissensproduktion. Daneben gilt ihr Interesse ebenfalls den nicht realisierten oder verdrängten Entwicklungsmöglichkeiten von Ideen. Welche Denkalternativen wurden durch den Diskurs unmöglich gemacht, erschienen erst gar nicht im Horizont des Intelligiblen? Und umgekehrt, wie konstituierten diskursive Praktiken bestimmte Ideengebäude, Klassifikationssysteme und kognitive Ordnungsschemata (Episteme)?

In seiner Inauguralvorlesung am Collège de France am 2. Dezember 1970 gab Foucault einige Hinweise, die bei einer Analyse der diskursiven Verwerfungen, Grenzziehungen, „Wahrheitsproduktionen“ und „Diskursverknappungen“ zu beachten sind. Er spricht dabei nicht nur vom „Willen zur Wahrheit und zum Wissen“, vom Begehren, zu wissen, sondern auch von internen Prozeduren, mit denen Diskurse ihre eigene Kontrolle selbst ausüben (Foucault 1991, S. 17): Klassifikations- und Anordnungsprinzipien, statistische Verteilungsprinzipien zur Bändigung von Zufall und Kontingenz. Aber auch der Kommentar, die Kanonisierung oder die Exegese, die den Text verdoppelt und wiederholt und eigentlich genauso wichtig erscheint wie der interpretierte Text selbst, bändigen nach Foucault den potenziellen Sinnüberschuss der Texte und den Zufall. Diesen Kommentaren, beispielsweise den sich häufenden Bänden zu „Schlüsselwerken“, „Schlüsselbegriffen“ oder Klassikern der Soziologie kann im Interesse der Analyse der Discurproduktion ebenso die Aufmerksamkeit der Soziologie- oder Ideenhistoriker gelten wie der historiographischen Etablierung von „Königen“ und „soziologischen Bauern und Arbeitern“ (Platt 2015, S. 150).

Ein weiterer Kontrollmechanismus, der auch an Bourdieus feldsoziologische Überlegungen zum Zugang zum Feld erinnert, ist nach Foucault (1991, S. 26) die „Verknappung des sprechenden Subjekts“:

„nicht alle Regionen des Diskurses sind in gleicher Weise offen und zugänglich. […] Die Doktrin bindet die Individuen an bestimmte Aussagetypen und verbietet ihnen folglich andere; aber sie bedient sich auch gewisser Aussagetypen, um die Individuen miteinander zu verbinden und sie dadurch von allen anderen abzugrenzen. Die Doktrin führt eine zweifache Unterwerfung herbei: die Unterwerfung der sprechenden Subjekte unter die Diskurse und die Unterwerfung der Diskurse unter die Gruppe der sprechenden Subjekte.“ (Foucault 1991, S. 29)

Einer traditionellen Ideengeschichte entgegen gesetzt hebt Foucault (1991, S. 35) vier „regulative Prinzipien“ seiner genealogischen Diskursanalyse hervor: Der traditionellen Auffassung von Schöpfung stellt er erstens das Ereignis gegenüber. Ideen sind aus dieser Sicht also eher als diskursive Ereignisse denn als schöpferische Kopfgeburten zu betrachten; aus dieser Perspektive gilt es, Ereignisse und Strukturen der longue durée als zwei Seiten einer Medaille zu betrachten (Foucault 1991, S. 35). Der Einheit des Werks setzt er zweitens die Serie gegenüber, also die Diskontinuität, den Zufall und die Verschiebungen. Der Ursprünglichkeit entspricht drittens als Gegenprinzip die Regelhaftigkeit: die regelmäßige Verstreuung von Aussagen, also das zu einem bestimmten Zeitpunkt an ganz unterschiedlichen Orten Erscheinen gemeinsamer Themen, zwischen denen keine Beziehung einer einfachen „mechanischen Kausalität“ besteht (Foucault 1991, S. 38); Foucault hat in seinen Studien eine ganze Reihe solcher disparat auftretender, sich zu einem Diskurs verdichtender Aussagen untersucht (Wahnsinn, medizinischer Blick, Resozialisierungsideen von Straffälligen, Produktion des Wissens und spezifischer Normen der Sexualität, Selbstregierungspraktiken etc.). Und viertens das Prinzip der Möglichkeitsbedingung, das dem der Bedeutung gegenübersteht: statt die verborgenen Bedeutungen eines Texts herauszuschälen, gelte es die Möglichkeitsbedingungen zu analysieren, die einen Text überhaupt erst zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erscheinen ermöglichten. Man muss dieser Sichtweise nicht immer folgen und sicherlich ist es notwendig, Texte auch in ihrem Bedeutungsgehalt hermeneutisch zu untersuchen und die Argumente der Autoren zu analysieren. Nichtsdestoweniger bietet Foucaults Perspektive einige Gesichtspunkte, die zu neuen Erkenntnissen über die Produktion, den Ausschluss oder die Aneignung von Ideen führen, etwa zu Erkenntnissen über die Einbettung von Ideen in Machtverhältnisse.

Prägnant fasst Peter die Notwendigkeit einer diskursgeschichtlichen Analyse zusammen, in der eben auch die beiden zuvor genannten sozialen und kognitiven Dimensionen aufeinander bezogen werden:

„Es ist die Aufgabe einer soziologiegeschichtlichen Diskursanalyse die ja keineswegs homogenen Zusammenhänge diskursiver und nicht-diskursiver Momente zu rekonstruieren, den Stellenwert, die Funktion, die Qualität, die Wirkungen und die Prozesse des Ineinandergreifens der kognitiven und sozialen Faktoren zu beschreiben, zu erklären und zu interpretieren. […] Die Frage, warum bestimmte Theorien, Methoden, Lehrmeinungen und Interpretationen in einer bestimmten historischen Situation erfolgreich waren oder scheiterten, warum sie verdrängt wurden, um später wieder aufzutauchen oder warum sie ein Schattendasein führten, obwohl ihre wissenschaftliche Relevanz offenkundig war, verweist auf ein spezifisch diskursgeschichtliches Terrain. Eine hauptsächlich nach kognitiven oder sozialen Determinanten suchende Erklärung würde zu kurz greifen, weil es sich hier um Probleme handelt, die im Wesentlichen weder einer wissenschaftsimmanenten Logik noch der Dominanz sozialer Faktoren allein unterliegen. Die Diskursanalyse fragt statt dessen danach, wie sich aus dem Zusammenwirken von kognitiven und sozialen Momenten eine neue diskursive Formation entwickelt, die mehr ist als die Summe der ihr zugrunde liegenden wissenschaftlichen und sozialen Voraussetzungen und eine intellektuelle Macht sui generis entfaltet, die sich den Teilnehmern der Diskurse als unerbittliche Selbstverständlichkeit und Normalität aufzwingt, ohne dass dieser Prozess einseitig aus Kriterien wissenschaftsinterner Plausibilität oder institutioneller Macht abgeleitet werden könnte.“ (Peter 2015, S. 137)

  1. (b)

    Eine weitere – oft in der Soziologie- und Ideengeschichte vernachlässigte –, eng mit der Diskursgeschichte verbundene Dimension der hier verfolgten Methodologie von Peter bildet die Wirkungsgeschichte, insbesondere die (beabsichtigte oder meistens kontingente, nicht antizipierbare) Wirkung auf den weiteren Verlauf der Disziplin, Nachbardisziplinen sowie auf die Gesellschaft. Beim ersten Aspekt

     

„geht also darum zu rekonstruieren und analytisch nachzuvollziehen, welche Akteure, Werke, Ideen und Methoden eine spezifische Wirkung auf die weitere Entwicklung der Disziplin ausübten, wie sie rezipiert und verarbeitet wurden und ob sie sich auch in der Zukunft bewährten. Diese Frage stellt sich vor allem dann, wenn es unklar oder umstritten ist, ob und gegebenenfalls wie der Wirkungsprozess verlief, ob bestimmte neue Sichtweisen in der Kontinuität der bereits vorhandenen Erkenntnisse standen, von ihnen signifikant abwichen oder sogar einen qualitativen Sprung bedeuteten.“ (Peter 2015, S. 139)

Beim zweiten Aspekt ist zu analysieren, was die Ideen in der Gesellschaft bewirkten, von welchen Akteuren oder Institutionen die Ideen benutzt werden und aus welchem Interesse sie welche gesellschaftlichen Entwicklungen vielleicht behindert oder befördert haben. Hat die Soziologie selbst die Wirkungen von Ideen auf gesellschaftliche Entwicklungen bereits früh im Blick gehabt (Webers Protestantismus-Studie), so gilt dies nicht in gleichem Maße (bis auf wenige Ausnahmen wie Nolte 2000) für die Untersuchung der Wirkungen der Soziologie auf die Gesellschaft. Gerade dieser Aspekt ist in der Soziologiegeschichte bislang kaum erforscht, geschweige denn wie bei Peter zu einem zentralen systematischen Gesichtspunkt einer soziologiehistorischen Methodologie gemacht worden.

Die wirkungsgeschichtliche Analyse kann sowohl „synchron“ als auch „diachron“ verlaufen (vgl. Moebius 2006; Srubar 2015, S. 469 f.): Die synchrone Wirkungsforschung untersucht die Wirkungen in einer historischen Periode, also beispielsweise die kulturgeschichtliche Wirkung der Surrealisten auf das damalige künstlerische Feld der Zwischenkriegszeit, die Rolle der Soziologie für die faschistische Siedlungspolitik oder die Wirkung der Kritischen Theorie Herbert Marcuses auf die Studentenbewegung. Die diachrone Wirkungsforschung begrenzt die Analyse nicht auf die Zeit der Entstehung und Existenz der Ideen, sondern untersucht deren Wirkungen über einen längeren Zeitraum hinweg; so zum Beispiel die wissenschafts- und ideengeschichtlichen Wirkungen oder Rezeptionsweisen des Collège de Sociologie auf spätere Theoriekonzepte (Baudrillard, Maffesoli, Foucault) und Philosophien (Nancy, Lévinas, Derrida) (vgl. Moebius 2006, S. 430 ff.), die longue durée des George-„Kreis ohne Meister“ (Raulff 2009) oder die Verwendung und Veränderung soziologischer Jargons und Begriffe in der Alltagssprache; auch hier kann eine Geschichte der Begriffe und ihrer Gegenbegriffe („antonym substitutions“ (Holmes 1996, S. 253 ff.)), die oftmals einen Bedeutungswandel der ersteren einläuten können (vgl. das Beispiel Kultur-Zivilisation oder Natur-Zivilisation, hierzu Luhmann 2008b, S. 11), ansetzen.

Maßgeblich für die Wirkungen und Aneignungspraktiken sind auch Verlage, die feldspezifisch untersucht werden können, da die Wahl oder Präferenzen des Verlags mehr oder weniger symbolisches Kapital einbringen, neue Dynamiken im Feld auslösen oder mehr oder weniger Rezipientinnen und Rezipienten erreichen kann (vgl. Blaschke und Raphael 2007, S. 93 ff.).30 Im Zusammenhang mit Verlagen sind auch – international betrachtet – Übersetzungen zu sehen (Heilbron und Sapiro 2007). Auch die Möglichkeit, Werke übersetzen zu lassen oder (möglichst von angesehenen Übersetzern) übersetzt zu bekommen, kann entscheidend zur Wirkung und Diffusion beitragen.31

Sowohl bei der synchronen als auch bei der diachronen Wirkungsgeschichte geht es um Wirkungen sowohl im Feld als auch außerhalb des Feldes („disembedding“), etwa auf andere benachbarte oder ferne Disziplinen, Ideenbewegungen oder insbesondere auch auf gesellschaftliche Prozesse (ein klassisches soziologiehistorisches Beispiel sind hier die Wirkungen der Politischen Ökonomie von Karl Marx auf die Arbeiterbewegung). Hier kommt dann auch das intellektuelle Engagement der Akteure zum Tragen: Inwiefern mischen sich die Ideenproduzenten in öffentliche Debatten ein? Inwieweit engagieren sie sich etwa für die Menschenrechte (Durkheim), die ATTAC-Bewegung (Bourdieu), gegen Parteienklüngel (Scheuch) oder im Streit um die Vergangenheitspolitik (König, Habermas)? Wie und wo praktizieren sie dieses Engagement und inwiefern reflektiert es die theoretischen Konzepte oder den methodischen Ethos ihrer Autoren? Die Wirkungen verlaufen dabei nicht nur einseitig, sondern können sich auch wechselseitig verschränken (und können nicht nur von anderen Akteuren, sondern Ereignissen ausgehen), man denke etwa an den Verstärkereffekt der Tschernobyl-Katastrophe auf die Rezeption und den durchschlagenden Verkaufserfolg von Ulrich Becks „Risikogesellschaft“. Auf jeden Fall lässt sich, wenn es um die Wirkungen in die Gesellschaft geht, die man etwa durch Medienanalysen, Interviews oder Expertengespräche (nicht nur mit denjenigen vom Fach, sondern auch mit Journalisten, fachfremden Akteuren, Lehrern, Unternehmern, Gewerkschaftsfunktionären etc.) auch erforschen kann, wieder eine Brücke zu den sozialhistorischen Rahmenbedingungen oder anderen externen Feldern schlagen.

5 Schluss

Es wurde dargestellt, inwiefern die Soziologiegeschichte von ideengeschichtlichen Methodologien wie etwa der Begriffsgeschichte oder der Konstellationsanalyse lernen und ihr methodologisches Repertoire innerhalb ihrer Systematik erweitern kann. Umgekehrt kann die soziologiehistorische Methodologie, wie sie hier vorgeschlagen wurde, einen hilfreichen und systematischen Wegweiser für die historiographische Ideenforschung bieten. Dabei wird vermutlich keine Studie alle methodologischen Konzepte und die daran anschließenden Methoden in der Forschungspraxis vollständig umsetzen können. Aber sie sollten unbedingt in die Erwägungen der jeweiligen Forschungen eingehen, weil sie zentrale Anhaltspunkte liefern, sowohl einer allein auf die kognitive Dimension der Ideen und Werke als auch einer allein auf die soziale Dimension fokussierten und reduzierten Forschungsperspektive zu entgehen. Darüber hinaus ist noch einmal festzustellen, dass die wirkungs- und diskursgeschichtliche Dimension bislang in den meisten soziologiehistorischen Methodologien und Forschungen fehlte oder nicht systematisch analysiert wurde, obwohl sich erst durch sie etwas „über die Relevanz der Disziplin für die Struktur und die Entwicklung der Gesellschaft als ihres zentralen Gegenstandes“ erkennen lässt (Peter 2015, S. 138).

Zusammengefasst ergeben sich folgende Untersuchungsdimensionen und -ebenen mit entsprechenden methodischen Vorgehensweisen, die sich in der Forschungspraxis überschneiden können (etwa Feld- und Kontextanalyse), hier aber zur besseren Übersicht analytisch getrennt dargestellt werden:
  • Sozial- und kulturgeschichtlicher Rahmen/Kontext der ökonomischen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Prozesse der Zeit

  • Kognitive Dimension
    • Wissenschafts-, disziplin- und ideengeschichtliche Kontextualisierung

    • Zentrale Ideen, Kernthesen und Schlüsselbegriffe
      • die argumentationsanalytische Rekonstruktion, historische Semantik, Begriffs- und Metapherngeschichte, narrative Modellierung

    • Prägende Bezugs-, Rezeptions- und Anknüpfungspunkte, paradigmatische Einflüsse
      • Kontextanalyse der Cambridge School, Feldanalyse

    • Handlungstheoretische Rückbindung der Ideengenese an gesellschaftliche Problemlagen
      • Pragmatistische Handlungstheorie

    • Soziologische Feldanalyse des kognitiven Feldes

  • Soziale Dimension
    • Akteure
      • Biografie, „itinéraire“, Interaktionsverläufe, lebensweltliches und akademisches Milieu, Habitus, Generationszugehörigkeit, Einbindung in Sozietätslandschaften, arbeitsteilige Kooperation, Positionierung im Feld/Feldanalyse (homolog zur Feldanalyse bei der kognitiven Dimension)

    • Institutionalisierungsprozesse
      • Gruppenbildungsprozesse, Netzwerk- und Interaktionskettenanalysen, Konstellationsforschung; Makro: großflächige Netzwerkstrukturen; Meso: Wissenskulturen, epistemische Gemeinschaften, wissenschaftliche Bewegungen, Akademien, Schulen, akademisches Milieu; Mikro: lebensweltliches Milieu, Gesprächskreise, Salons, Vereine, virtuelle Gemeinschaften, Konstellationen

      • Fachgesellschaften, Organisationen, Zeitschriften, Verlage, Akademien, Departments oder universitäre wie außeruniversitäre Institute und deren Curricula, Forschungsförderungsinstitutionen, Wissenschafts- und Bildungssystem, transnationale Netzwerke

  • Diskurs- und wirkungsgeschichtliche Dimension
    • Diskursanalyse
      • Produktion von Wissen, Ausschließungsmechanismen, Diskursverknappungen, diskursive Formationen, Dispositive, Vergegenwärtigungsgeschichte etc.

    • Wirkungsgeschichte
      • Synchron, diachron, in die Disziplin, in die Gesellschaft, Medienanalyse, Interviews, Verlage

      • Intellektuelles Engagement

Ein brauchbarer Werkzeugkasten ideen- und soziologiehistorischer Forschung liegt vor, der sicher in der einen oder anderen Form noch modifiziert, erweitert oder auch neu zusammengesetzt werden kann. Aber so wie es in einem guten Werkzeugkasten nicht an den elementaren Gerätschaften und Arbeitsmitteln fehlen darf, so darf bei soziologie- oder ideenhistorischer Forschung weder die soziale, kognitive noch die wirkungsgeschichtliche Dimension mit ihren jeweiligen Unterebenen abhandenkommen.

Fußnoten

  1. 1.

    Hier folge ich der aktuellen, geringfügig modifizierten, die wirkungsgeschichtliche Dimension noch mehr herausstreichenden Version der Methodologie, wie sie Peter 2015 vorgenommen hat (vgl. Peter 2015); seine nahezu 60seitige Version von 2001 stellt die Methodologie allerdings noch mehr en detail und mit Hilfe zahlreicher Beispiele dar (vgl. Peter 2001; zur Einordnung der Methodologie siehe auch Moebius 2004). Zur Anwendung der Methodologie siehe meine Studie zum Collège de Sociologie (Moebius 2006).

  2. 2.

    Ich konzentriere mich im Folgenden insbesondere auf die Ideengeschichte/intellectual history. Die Relevanz folgender Überlegungen für die Wissens(chafts)geschichte ergibt sich daraus, dass auch Ideengeschichte wissenschaftliche Ideen mit einbezieht, die Grenzziehungen zwischen Wissens- und Ideengeschichte je nach Perspektive gezogen werden und hier keine eindeutigen Abgrenzungen möglich sind.

  3. 3.

    Zur frühen Geschichte der Ideengeschichte und ihren Ursprüngen aus der Geistes- und Problemgeschichte siehe den instruktiven Überblick bei Mahler und Mulsow (2014b, S. 11 ff.), zur Rückführung der Ideengeschichte bis hin zur Antike siehe Kelley (2002) sowie Grafton (2013), zu Verläufen seit den 1950er-Jahren Grafton (2006). Die feldsoziologisch interessanten Kämpfe zwischen Ideen- und Sozialgeschichte seit den 1970er-Jahren können hier nicht behandelt werden. Für folgende knappe Rekonstruktion der Ideengeschichte greife ich v. a. auf die ausführlicheren Überblicke von Stollberg-Rilinger (2010) sowie Mahler und Mulsow (2014b) und Lottes (1996) zurück, für einen ersten Überblick über die sich zum Teil überschneidenden Richtungen, Publikationen und Autoren der Ideengeschichte, Geistesgeschichte oder Historischen Semantik siehe die entsprechenden Beiträge in Eibach und Lottes (2006).

  4. 4.

    Eine soziologiehistorische Anwendung des „unit-idea“-Konzept findet man bei Nisbet (2009, S. 3 ff.), der „Gemeinschaft“, „Autorität“, „Status“, das „Sakrale“ und „Entfremdung“ als Elementarideen der formativen Phase der Soziologie (1830–1900) ausmacht.

  5. 5.

    Da die (post-)strukturalistische Rede vom „Tod des Autors“ viel Verwirrung mit sich brachte, sei hier eine Konkretisierung genannt, wie sie Jacques Lacan nach dem Vortrag Foucaults (2001) „Was ist ein Autor?“ in wünschenswerter Klarheit vorgebracht hat: „Zweitens möchte ich anmerken, dass es, Strukturalismus hin oder her, in dem durch dieses Etikett vage umrissenen Feld nirgendwo um die Negation des Subjekts geht. Es geht um die Abhängigkeit des Subjekts, was etwas ganz anderes ist.“ (Lacan in Foucault 2001, S. 1041).

  6. 6.

    Zu dieser Konstellation in Bielefeld siehe die ideengeschichtlichen Analysen in Asal und Schlak (2009). Begriffsgeschichte ist jedoch nicht mit Ideengeschichte gleichzusetzen, sie ist Karl Acham zufolge vielmehr ein Teil derselben, „in welchem stärker als dort, wo beispielsweise eine musikalische Idee oder die Idee eines Bildhauers in Betracht steht, der kognitive Gehalt von Begriffen maßgeblich ist, und nicht etwa anschauliche Inhalte oder emotionale Begleitvorstellungen von Begriffen.“ (Acham 2014, S. 95).

  7. 7.

    Zu den zentralen Kategorien „Erfahrungsraum“ und „Erwartungshorizont“ siehe Koselleck (1998b).

  8. 8.

    Siehe zu den Geschichtlichen Grundbegriffen Dipper (2011). Im Rahmen der Begriffsgeschichte bzw. der historischen Semantik sind auch andere, ähnliche Projekte zu nennen, so das von Joachim Ritter begründete Historische Wörterbuch der Philosophie (1971–2005) und das Handbuch politisch-sozialer Grundbegriffe in Frankreich 1680–1820 (1985 ff.) von Rolf Reichardt, Eberhard Schmitt und Hans-Kürgen Lüsebrink (vgl. Mahler und Mulsow 2014b, S. 22; Lottes 1996, S. 32 ff.; Richter 1995).

  9. 9.

    Zu den unterschiedlichen Rezeptionslinien der Begriffsgeschichte siehe den informativen Überblick von Hans Joas und Peter Vogt (2011). Zu den Kritiken an ihr siehe Lottes (1996, S. 33 ff.) und zusammenfassend Bödeker (2002b, S. 81 ff.).

  10. 10.

    Mit „absoluter Metapher“ möchte Blumenberg (2013, S. 11–17) darauf hinweisen, dass es ihm nicht um Metapher als Stilfigur geht, auch nicht um Metaphern als rudimentäre Vorstufen „klaren“ Denkens, sondern um Metaphern als „irreduzible Denkformen“, mit denen auch bestimmte Orientierungen oder Werthaltungen verbunden sind; „Metaphern sind darüber hinaus auch mehr als Rudimente, wenn sie im Besitz eines eigenständigen Bedeutungsgehaltes sind, für den keine anderen Ausdrücke als Metaphern zur Verfügung stehen. […] Als solche besitzen sie einen aussagenerweiternden, unbegrifflichen Eigensinn. Sprachliche Bilder dieser Art nennt Blumenberg ‚absolute Metaphern‘.“ (Wetz 2011, S. 18 f.). Blumenberg (2013) untersucht etwa die Metapher der Seefahrt für das menschliche Leben (man denke nur an das Surfen und Navigieren im Internet), die Metaphern des Lichts und der Nacktheit für unser Verständnis von Wahrheit und Erkenntnis oder die weit verbreitete organische und mechanische Hintergrundmetaphorik (die wir ja übrigens in der Soziologie bei Durkheim oder Tönnies am Werke sehen).

  11. 11.

    Zur Differenz zwischen Strukturalismus und Poststrukturalismus siehe Moebius (2009b), zu (Post-)Strukturalismus als eine relevanten Denkansatz und innovative Forschungsausrichtung in der Kulturgeschichte siehe auch Daniel (2002, S. 120 ff.).

  12. 12.

    Eine solche globale Perspektive steht in engem Zusammenhang zum derzeitigen Trend einer „globalisierten Ideengeschichte“ sowie zu der noch ganz am Anfang stehenden „interkulturellen Ideengeschichte“ (Mulsow 2015a, S. 29 ff.; 2015b), wie sie gegenwärtig vertieft, ausgebaut und ausdifferenziert werden (etwa in eine globale Begriffsgeschichte, eine vergleichende Ideengeschichte sowie in eine Geschichte der Migration von Ideen, ihrer globalen, interkulturellen Verflechtungen und hybriden Neuzusammensetzungen).

  13. 13.

    Von hier wäre es zu Foucault dann allerdings nicht mehr so weit, wie es die Konstellationsforschung vielleicht gerne hätte: „Wenn man menschliche Erkenntnisträgerschaft nicht einfach voraussetzt, sind die Substrate variabel, und das epistemische Subjekt erscheint ebenso konstruiert, wie die Objekte der Erkenntnis. Im Folgenden werden die Erzeuger von Erkenntnis selbst als Komponente und Produkte der entsprechenden Maschinerien angesehen […].“ (Knorr-Cetina 2002, S. 23).

  14. 14.

    „Wie im Falle der Konstellationsforschung beruht Foucaults Forschung auf dem Gedanken, daß die Träger einer Denkform (epistêmê) keinen Zugriff auf die zahlreichen unbewußten und unausgesprochenen Hintergrundverhältnisse haben können, die gleichwohl unabdingbar für die ausdrücklichen Vorgehensweisen, für die Begriffs- und Argumentationsformen derer sind, die sich ihrer befleißigen.“ (Rush 2005, S. 165).

  15. 15.

    Riccardo Bavaj (2010, S. 1 f.) bringt noch eine andere Differenzierung zwischen den Begriffen ins Spiel: „Since then [seit Lovejoy, S.M.] both terms have either beem used interchangeably or they have been kept separate to refer to distinct scholarly traditions, usually differentiating between the ‚external‘ contextualist approach of ‚intellectual history‘ and the ‚internal‘ approach of ‚the history of ideas‘.“

  16. 16.

    Ideen- und Intellektuellengeschichte sind nicht identisch, da Ideen nicht immer per se einer Trägerschaft der Sozialfigur des Intellektuellen zugeschrieben werden können und intellektuellenhistorisch nicht bloß deren Ideen, sondern auch die Veränderung der Trägerschaft als solches, das heißt die Veränderung der Sozialfigur und die Funktion des Intellektuellen, interessieren können (vgl. Moebius 2010a). Zur Methodologie von Intellektuellensoziologie, die sich ebenfalls an der hier skizzierten soziologiegeschichtlichen Methodologie von Lothar Peter orientiert, siehe meinen Vorschlag in Moebius (2010b). Zur Intellektuellengeschichte vgl. etwa Charle (1996); Leymarie und Sirinelli (2003); Hübinger und Mommsen (1993) oder Winock (2003).

  17. 17.

    Sie lässt sich mit ihrer Berücksichtigung nicht aufeinander reduzierbarer Dimensionen des Sozialen und Kognitiven, der Berücksichtigung der Kontexte, der mikrosozialen wie makrosozialen Strukturen der Wissensproduktion und Wirkungsgeschichte in das einordnen, was Charles Camic und Neil Gross (2001) in ihrer historischen Betrachtung soziologischer Ideengeschichte als eine „new sociology of ideas“ bezeichnen.

  18. 18.

    Für eine soziologiehistorische Verwendung der „Begriffsgeschichte als Gesellschaftsgeschichte“ spricht sich auch Ilja Srubar (2015, S. 466) aus, wobei es der Soziologiegeschichte dann insbesondere um die historische Wissenssoziologie gesellschaftlicher Wissensvorräte ginge, also um die Frage, wie thematisierten die professionellen Beobachter der Gesellschaft (Soziologen) jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt die Gesellschaft (vgl. auch Nolte 2000, S. 19, 244), womit Soziologiegeschichte zu einem Bestandteil von Gesellschaftsanalyse, Soziologiegeschichte zur „Reflexionsgeschichte der Gesellschaft“ (Luhmann 2005, S. 89 ff.) avanciert.

  19. 19.

    Zum begriffshistorischen Wandel in der Soziologie der Sattelzeit siehe Heilbron et al. (1998); ein weiteres Paradebeispiel der seltenen Studien zur historischen bzw. „soziologischen Semantik“ in der Soziologie ist Robert Mertons und Elinor Barbers The travels and adventures of serendipity: A study in sociological semantics and the sociology of science (2004).

  20. 20.

    Zur praxistheoretischen Klärung des Zusammenhangs zwischen Wissensordnungen und Praktiken (zu denen eben auch die Praktiken des Theoretisierens oder der Anwendung von Methoden gehören) siehe Reckwitz (2003) und Moebius (2008, S. 60 f.).

  21. 21.

    Vgl. dazu auch den Beitrag von Tanja Paulitz „Bourdieus Wissenschaftssoziologie und Soziologiegeschichte“ in diesem Band.

  22. 22.

    Zu Verhältnis zwischen Bourdieus Feldsoziologie und Henrichs Konstellationsforschung siehe Füssel (2005).

  23. 23.

    Der Matthäus-Effekt kann ebenfalls ein Effekt des Feldes interpretiert werden, er besteht nach Merton (1985, S. 155) darin, „daß hoch angesehenen Wissenschaftlern für bestimmte wissenschaftliche Beiträge unverhältnismäßig große Anerkennungsbeträge zufallen, während solche Anerkennung Wissenschaftlern, die sich noch keinen Namen gemacht haben, vorenthalten wird.“

  24. 24.

    Vgl. dazu auch den Beitrag von Bianca Prietl und Armin Ziegler „Boundary Work als analytisches Konzept der Soziologiegeschichte“ in diesem Band. Zur ideengeschichtlichen Anwendung des Konzepts der „boundary-work“ siehe Mulsow und Rexroth (2014).

  25. 25.

    Die dafür wichtige Rolle von Verlagen, Feuilleton(redakteuren) und anderen Medien (vgl. Bourdieu 1998a, S. 24) verorte ich auf der Ebene der Wirkungs- und Diskursgeschichte, wenn es auch um die Frage des jenseits der Feldgesetzmäßigkeiten wirksamen wesentlichen Mechanismen für den Erfolg und die Durchsetzungskraft solcher Begriffe und Ideen geht.

  26. 26.

    Eine solche, auf der Feldanalyse beruhende, die sozialen und kognitiven Dimensionen instruktiv verknüpfende soziologiegeschichtliche Studie ist The Rise of Social Theory von Johan Heilbron (1995).

  27. 27.

    Vgl. dazu auch den Beitrag von Jennifer Platt „(Auto)Biographies as Data for the History of Sociology“ in diesem Band.

  28. 28.

    Für die Soziologie vgl. etwa Albrecht et al. (1999); Blomert (1999); Boll (2004); Moebius (2006; 2015).

  29. 29.

    Freilich ist dies keine vollständige Liste, man könnte beispielsweise noch die journalistische Bohème nennen, vgl. auch Eßbach (1988).

  30. 30.

    Vgl. dazu auch den Beitrag von Oliver Römer „Die Rolle von Verlagen für die Entwicklung der deutschsprachigen Soziologie“ im Band 1 dieses Handbuchs.

  31. 31.

    Vgl. dazu auch den Beitrag von Rafael Schögler „Zur Rolle von Übersetzung und in der Geschichte der deutschsprachigen Soziologie“ im Band 1 dieses Handbuchs.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieUniversität GrazGrazÖsterreich

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