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Kontroversen in der deutschsprachigen Soziologie nach 1945

  • Stephan MoebiusEmail author
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Zusammenfassung

Der Beitrag behandelt die zentralen fachdisziplinären Kontroversen der bundesrepublikanischen Soziologie nach 1945, die mitunter einen wichtigen Beitrag zur Institutionalisierung und Konsolidierung der Soziologie in West-Deutschland darstellen. Vielfach sind die Kontroversen im Kontext einer Aufarbeitung des Nationalsozialismus, der fachlichen und theoriepolitischen Neuorientierung zwischen sich bekämpfenden wissenschaftlichen und weltanschaulichen Lagern sowie im Rahmen der Werturteilsfrage angesiedelt.

Schlüsselwörter

Soziologische Kontroversen Soziologiegeschichte „Bürgerkrieg in der Soziologie“ Rollendebatte Positivismusstreit „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“ Habermas-Luhmann-Debatte Theorienvergleichsdebatte Moderne/Postmoderne 

1 Einleitung

Die Entstehung der Soziologie verlief nicht ohne Kontroversen. Sie hatte sich etwa gegenüber der Psychologie oder anderen sozialwissenschaftlichen Fächern zu positionieren – die Abgrenzungskämpfe (boundary work) bzw. „imperialistischen“ Eingemeindungsstrategien (Lukes 1973, S. 398 ff.) in diese Richtung lassen sich beispielsweise deutlich bei der Durkheim-Schule beobachten. Und mit einem etwas allgemeineren Blick betrachtet, musste sie sich im wissenschaftlichen Feld zu Beginn zwischen Naturwissenschaften und Literatur einerseits (Lepenies 1985) sowie institutionell zwischen Rechtswissenschaften und Philosophie andererseits (vgl. Wagner 1990, S. 112 ff.) behaupten. Aber nicht nur, dass ihre Etablierung im umkämpften wissenschaftlichen Feld höchst umstritten war. Auch innerhalb der sich konstituierenden Fachdisziplin gab es immer wieder Kontroversen, Debatten und Kämpfe, man denke etwa an die Durkheim-Tarde-Debatte, den Werturteilsstreit (vgl. Albert 2010; Dahms 2016) oder den Streit um die Wissenssoziologie (vgl. Srubar 2010).

Der vorliegende Beitrag widmet sich den zentralen Kontroversen in der deutschsprachigen Soziologie nach 1945. Dabei ist nicht immer leicht zu differenzieren, ob die Kontroversen zunächst von den in diesen involvierten Personen und ihren jeweiligen Erfahrungen (der Emigration etwa) und ihren (konfliktuellen) Positionen im sozialen und wissenschaftlichen Raum ausgehen und dann in Kontroversen münden, oder ob es um eher theoretische Auseinandersetzungen handelt, die sich dann auch in personellen Konflikten ausdrücken; in den meisten Fällen der hier beschriebenen Kontroversen sind es spezifische Mischungen, da wissenssoziogisch beides schwerlich zu trennen ist. Der Fokus auf die Kontoversen in der Soziologie, die sich im deutschsprachigen Raum in erster Linie in der Bundesrepublik Deutschland abspielten, zeigt erstens, dass die Geschichte der Soziologie nicht als lineare Fortschrittsgeschichte skizziert werden kann; zweitens, dass jene Annahmen Pierre Bourdieus (1988, 1998) oder Michel Foucaults (1976) Richtigkeit beanspruchen, denen zufolge die Suche nach Wahrheit und Erkenntnis von einer Dynamik von Machtkämpfen durchdrungen ist. Drittens ist aber auch zu konstatieren, dass jene Kontroversen – wie Georg Simmel beobachtete ([1908] 1992, S. 284 ff.) – eine konstruktive Kraft entfalten und integrierend wirken können (vgl. Kneer und Moebius 2010, 7 ff.). In diesem Sinne sind die für die bundesrepublikanische Soziologie charakteristischen soziologischen Kontroversen auch als Teile eines Konsolidierungs- und eines „Selbstverständigungsprozesses in der deutschen Soziologie“ (Schmid 2004, S. 24) aufzufassen.

2 Soziologische Kontroversen im deutschsprachigen Raum seit 1945

2.1 „Bürgerkrieg in der Soziologie“

Bereits 1950/51 und in Folge dann 1958/59 fanden heftige Kontroversen hinsichtlich der organisationalen Vertretung und Institutionalisierung der Soziologie in Deutschland statt (zum Folgenden vgl. Weyer 1984, S. 79 ff., 1986). Es ging um die Frage, ob die der International Sociolological Association (ISA) angehörende Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS), die 1946 von Leopold von Wiese reaktiviert wurde (vgl. van Dyk und Schauer 2015, S. 142 f.; Borggräfe und Schnitzler 2014, S. 458 ff.), oder ob die Deutsche Sektion des 1893 von René Worms gegründeten Institut International de Sociologie (IIS) die Soziologie in Deutschland repräsentierte. Das von dem italienischen Faschisten Corrado Gini 1949 wieder zum Leben erweckte IIS verstand sich gegenüber der ISA als die einzig legitime Fachvertretung. Die Deutsche Sektion des IIS wurde 1951 gegründet und beherbergte von Beginn an Soziologen, die auch in Deutschland während des Nationalsozialismus tätig gewesen waren (vgl. Weyer 1986, S. 292 ff.). Das war zwar teilweise auch bei der DGS der Fall, wo gleichzeitig „dezidiert linke Soziolog/innen und die ins Exil getriebenen jüdischen Altmitglieder zunächst außen vor blieben“ (Borggräfe und Schnitzler 2014, S. 462). Aber die Deutsche Sektion des IIS verstand ihre Rolle im Laufe des von Gunther Ipsen so genannten „Bürgerkriegs in der Soziologie“ (vgl. Weyer 1986, S. 287) immer mehr als Sammelbecken von Soziologen, die dem „Dritten Reich“ verbunden gewesen waren und die der in ihren Augen drohenden Amerikanisierung der bundesdeutschen Soziologie entgegentreten wollten. Bei der Gründungsversammlung waren beispielsweise Gunther Ipsen, Arnold Gehlen, Karl Valentin Müller, Helmut Schelsky, Kurt Stegmann und Wilhelm Brepohl anwesend, der Sprecher wurde Hans Freyer (vgl. Weyer 1984, S. 81 f.). „So aktualisierte sich Ende der fünfziger Jahre eine Front zwischen Emigranten und den in Deutschland im Amt Verbliebenen, die im Laufe der Zeit wieder in ihre Beamtenrechte eingesetzt worden waren, so etwa Karl Valentin Müller in Nürnberg, Karl Heinz Pfeffer, Gunther Ipsen und Hans Freyer in Münster.“ (Lepsius 1979, S. 43) Die Kontroverse verschärfte sich, als dieser Gruppe mit dem Wechsel des Vorstands eine von ihnen erwünschte konservative Wende der DGS immer unwahrscheinlicher erschien (vgl. Weyer 1986, S. 298). In der DGS ging der Vorsitz 1955 an den aus der Emigration zurückgekehrten Helmuth Plessner. „Bis in die späten 1960er-Jahre gehörten dem Vorstand seither durchgängig NS-Verfolgte und Emigranten an, darunter Charlotte Lütkens, Max Horkheimer oder René König. Mit Otto Stammer und Theodor W. Adorno zählten auch die folgenden Vorsitzenden zu dieser Gruppe. Zugleich waren im Vorstand mit Wilhelm Emil Mühlmann, Helmut Schelsky oder Elisabeth Pfeil stets auch bereits im ‚Dritten Reich‘ wissenschaftlich tätige Personen vertreten […].“ (Borggräfe und Schnitzler 2014, S. 463).

Ende der 1950er-Jahre spitzte sich der Konflikt zu und verlief insbesondere zwischen Plessner und König auf der einen und Schelsky auf der anderen Seite. Zuvor schon hatte Schelsky in einem Brief an Carl Schmitt die „Auseinandersetzung mit der remigratorischen Wissenschaft in Deutschland“ vorausgeahnt (Schäfer 1999, Fn. 27) und Schüler von König wie Erwin K. Scheuch hatten Schelsky offen in Rezensionen kritisiert: „Als wir Schelsky allerdings in einem Buch ein Weiterwirken von NS-Ideologien bei ihm nachsagten, verlangte er unsere Entlassung – was als Indiz dienen mag, daß die Irritationsbereitschaft groß war. Sie bezieht sich vonseiten Königs auf die Bereitschaft Schelskys, die Sozialforschungsstelle Dortmund Leipziger Volkstumssoziologen, ja ausgesprochenen Rassisten wie Gunter Ipsen, Karl Valentin Müller und Karl Heinz Pfeffer zu öffnen – und aufseiten Schelsky gegenüber König auf dessen Unverständnis für Schelskys Gefolgschaftstreue.“ (Scheuch 2001, S. 152) Ausgangspunkt des Konflikts mit Schelsky war ein Tagungsvorhaben (und die damit eigentlich verbundene westdeutsche Institutionalisierung) des IIS, das 1958 ohne Absprache und in institutioneller Konkurrenz zur Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) seinen 18. Kongress in Nürnberg abhalten wollte. Zusammen mit dem damaligen DGS-Vorsitzenden Helmuth Plessner versuchte König den Kongress gegen den Protest Schelskys zu verhindern (vgl. Weyer 1984, S. 82 f.; Dietze 2006, S. 471 ff.). Es folgten viele Briefwechsel, mehr oder weniger erfolgreiche Interventionen an denjenigen offiziellen Stellen (Bundespräsident, Bundesregierung), die den Kongress des IIS unterstützen wollten sowie eine veritable „Presseschlacht“ (Weyer 1984, S. 84). Schelsky erklärte schließlich im April 1959 seinen Rücktritt aus dem DGS-Vorstand, neben den Enttäuschungen „in der Angelegenheit des Nürnberger Kongresses“ und den „deprimierenden Verärgerungen“ „dieser Art von Verbandspolitik“ (Schelsky 1959 in König 2000, S. 306 f.) auch aufgrund der misslungenen Ambitionen, selbst Präsident der DGS zu werden (vgl. Dietze 2006, S. 474 f.; Demirović 1999, S. 742). Die Spitze der Auseinandersetzung und das Ende der bis dahin im persönlichen Umgang eher wertschätzenden Kooperationsbeziehung zwischen König und Schelsky bildete schließlich die Berufung des – wie Schelsky selbst sagte – „überzeugten Nazis“ Karl-Heinz Pfeffer nach Münster (vgl. Weyer 1984, S. 85, 1986, S. 302; König 1987, S. 421). Königs Versuche, den Vorstand der DGS dazu zu bringen, sich gegen die Berufung Pfeffers einzusetzen, liefen ins Leere (vgl. König 2000, S. 187 ff. und DGS-Vorstandssitzungsprotokoll vom 4.01.1962 in König 2000, S. 416 ff.). „Bis zum Tode der Protagonisten schwelte der Konflikt, wobei König mit Bitterkeit das weitgehende Fehlen kollegialer Unterstützung registrierte.“ (Scheuch 2001, S. 154).

Was blieb aus der Kontroverse um DGS und IIS? Die DGS war bestrebt, die konträren politischen und weltanschaulichen Vorstellungen auf eine andere Ebene zu heben, in der Hoffnung, die politischen Gegensätze abzumildern und in eine wissenschaftliche, für die Institutionalisierung der DGS förderliche Richtung zu lenken, bzw. – der Darstellung von Johannes Weyer zufolge: Man versuchte, die „Konflikte in Form einer wissenschaftstheoretischen Debatte zu verobjektivieren und berief für den Oktober 1961 in Tübingen eine Interne Arbeitstagung der DGS ein, die den sog. Positivismusstreit einleitete.“ (Weyer 1984, S. 86).

Die geschilderte Kontroverse kann als einer der zentralen Momente in den Auseinandersetzungen und den Aufarbeitungsdebatten der bundesrepublikanischen Soziologie über die Rolle der Soziologie im Nationalsozialismus betrachtet werden (vgl. Nolte 2000, S. 239 ff.). Sie lässt sich in die insgesamt fünf Konfliktlinien der Aufarbeitung einordnen, wie sie von Silke van Dyk und Alexandra Schauer (2015, S. 160 ff., 170 f.) zusammengefasst wurden: 1. Die Frage, „ob die Soziologie bereits vor 1933 an ihr Ende gekommen war (Schelsky) oder ob sie gerade gegen Ende der Weimarer Republik eine fundamentale Belebung erfahren hat“, die dann „brutal zum völligen Stillstand gebracht“ worden sei (König [1958] 1967, S. 14, 1987, S. 343 ff.; Lepsius 1979, S. 26, 1981, S. 17; Schelsky 1981, S. 15; zur Diskussion vgl. auch Srubar 2013). 2. Die Frage, ob die Soziologie in der NS-Zeit eine „Nicht-Soziologie“ war oder erlebte sie unter der NS-Herrschaft „einen Professionalisierungsschub als empirische Wissenschaft (Rammstedt, Klingemann)“? 3. Die Frage: War die theoretische Soziologie in der NS-Zeit marginal oder nicht? 4. Kontroversen über die institutionellen, personellen und theoretischen Kontinuitäten, in die auch der so genannte „Bürgerkrieg in der Soziologie“ und dessen Darstellungen eingeordnet werden können. 5. „Konflikte der 1990er-Jahre“, die „durch unterschiedliche Deutungen von Quellenmaterial ausgelöst“ (Dyk und Schauer 2015, S. 171) wurden, wie etwa die Debatte zwischen Carsten Klingemann und Dirk Kaesler über Klingemanns Soziologie im Dritten Reich (1996) (vgl. Kaesler 1997a, 1997b; Klingemann 1997; Rammstedt 1997, vgl. auch Schnitzler 2012, S. 12 ff.). Die Aufarbeitungsdebatten, die hier nicht näher ausgeführt werden können, reichen jedenfalls bis in die Gegenwart (vgl. Christ und Suderland 2014).

2.2 Rollendebatte

Die Rollendebatte (vgl. Fischer 2010, 2016) begann 1958 mit der Veröffentlichung des Homo sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle des damals noch nicht dreißigjährigen Ralf Dahrendorf. Angeregt wurde Dahrendorf nicht zuletzt durch einen Aufenthalt in den USA, wo er Talcott Parsons kennen lernte. Homo sociologicus ist eine Kritik an Parsons, aber nicht nur.

Mag für manche provozierend gewirkt haben, dass Dahrendorf die von Max Weber eingeforderte Trennung zwischen Tatsachen und wertender Stellungnahme als „höchst trivial“ einstufte oder betonte, man müsse heute eher vor dieser Trennung als vor deren Vermischung warnen (vgl. Abels 2010, S. 117) sowie kritische Distanz zur Gesellschaft wahren (Dahrendorf [1958] 2010, S. 91), so war aber insbesondere Dahrendorfs These des Homo sociologicus, dass der Mensch in Gesellschaft immer schon entfremdet sei, der Auslöser einer der ersten größeren Kontroversen in der bundesrepublikanischen Soziologie. „Vom Standpunkt der Gesellschaft und der Soziologie ist das Lernen von Rollenerwartungen ein Vorgang, der den Menschen, indem er ihn zum homo sociologicus entfremdet, ihr überhaupt erst zugänglich macht und Bedeutung verschafft. Der rollenlose Mensch ist für Gesellschaft und Soziologie ein nicht existierendes Wesen.“ (Dahrendorf [1958] 2010, S. 57) Anders als in der Marx’schen Entfremdungsthese, der zufolge der Mensch „nur in einer bestimmten Phase der historischen Produktionsverhältnisse entfremdet ist […], ist bei Dahrendorf der Mensch schon durch die Tatsache, dass er in jeder Gesellschaftsform mit Rollenerwartungen konfrontiert ist, entfremdet!“ (Abels 2010, S. 124) Dahrendorf unterstreicht damit nicht nur eine ewige Unüberwindbarkeit von Entfremdung in Gesellschaft, er macht daraus auch „den ewigen Gegensatz von gesellschaftsferner Individualität und determinierender Gesellschaft, zwischen dem soziologischen Verständnis des Menschen und dem moralischen und politischen Anspruch auf Freiheit.“ (Joas [1973] 1978, S. 19)1 Dem homo sociologicus, dem soziologischen Blick auf den Menschen als Mitglied der Gesellschaft, der von ihm so genannten „ärgerlichen Tatsache der Gesellschaft“, stellt Dahrendorf ([1958] 2010, S. 59, 69) den „ganzen Menschen der Erfahrung“ gegenüber, der mehr ist als sein Rollenverhalten (vgl. Abels 2010, S. 131). Ohne Georg Simmel zu nennen, erinnert er damit an Simmels soziologisches Apriori, dass der Mensch nicht in Vergesellschaftung aufgeht, sondern in seiner Einzigartigkeit immer darüber hinausgeht. In Dahrendorfs Worten: „Überdies impliziert das entfremdete Verhältnis des Einzelnen und der Gesellschaft, daß er zugleich Gesellschaft ist und nicht ist, daß die Gesellschaft seine Persönlichkeit prägt und diese doch ihrerseits die Möglichkeit hat, die Gesellschaft mitzuprägen.“ (Dahrendorf ([1958] 2010, S. 59).

Dahrendorfs diametrale Entgegensetzung von Individuum und Gesellschaft sowie die These von der nicht zu entrinnenden Entfremdung fand über die Jahre hinweg zahlreiche Kritikerinnen und Kritiker (vgl. zur Debatte Joas [1973] 1978, S. 18 ff.; Abels 2010, S. 124 ff.), von denen ich hier nur drei in knapper Form anführen kann: Frigga Haug (1972) entdeckte in der allgemeinen Entfremdungsthese Dahrendorfs beispielsweise eine typische bürgerliche Ideologie, die sich gegen Gesellschaft schlechthin wende und somit nicht mehr zwischen schlechter und guter Gesellschaft unterscheiden könne. Der Rollentheorie entspreche der allgemeine gesellschaftliche Vorgang, der mit dem „Warencharakter der menschlichen Beziehungen“ beschrieben werde (Haug 1972, S. 126). Der gewichtige Einwand von René König griff direkt Dahrendorfs Vorstellung der „ärgerlichen Tatsache der Gesellschaft“ an. König kritisierte das gegenseitige Ausspielen von Freiheit und Gesellschaft bzw. Individuum und Gesellschaft. Im Gegensatz dazu mache erst Gesellschaft, soziale Beziehungen – so König in Anlehnung an Karl Löwith (Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen [1928]) – den Menschen frei: „Man wird nicht frei als Einzelner, sondern nur als Person im Zusammenhang mit anderen Personen.“ (König [1961/62] 2002, S. 24, kursiv i. O.) Helmuth Plessner ging in Soziale Rolle und menschliche Natur ([1960] 1974, S. 30) in eine ähnliche Richtung; er rückte Dahrendorf in die Nähe von Heideggers antigesellschaftlichem Theorem der Seinsverfallenheit an das „Man“ und betonte stattdessen (ebenfalls im Rückgriff auf Karl Löwith), dass das Individuum nur im Umweg über Andere zu sich komme, „nur an dem anderen seiner selbst hat er [der Rollenspieler oder Träger einer sozialen Figur, S. M.] – sich.“ Weitere Kritiker in der Kontroverse waren Arnold Gehlen, Helmut Schelsky, Heinrich Popitz, Hans Paul Bahrdt, Dieter Claessens, Friedrich Tenbruck, Peter L. Berger und Thomas Luckmann sowie Hans Peter Dreitzel und Hans Joas (vgl. Fischer 2010, S. 80 f.; zu den einzelnen Argumenten siehe Abels 2010, S. 124 ff.). Keiner von ihnen teilte Dahrendorfs Position.

Die Rollendebatte führte nicht nur dazu, dass soziologische Klassiker wie Georg Simmel oder George Herbert Mead innerhalb der deutschsprachigen Soziologie (wieder-)entdeckt wurden oder etwa eine Goffman-Rezeption einsetzte (Fischer 2010, S. 91), sie also gleichsam zum „Scharnier“ (Fischer 2010, S. 85) zwischen deutscher und US-amerikanischer Soziologie avancierte. Sie sorgte darüber hinaus „dafür, dass die Soziologie Anfang der 1960er-Jahre zugleich attraktiv für eine nichtakademische Öffentlichkeit wird, weil der Rollenbegriff lebensweltliche Anschlussmöglichkeiten der soziologischen Analytik und des reflektierten gesellschaftlichen ‚Rollenspiels‘ bietet.“ (Fischer 2010, S. 82) Soziologiehistorisch bedeutsam war die Kontroverse zum einen dadurch, da sich durch sie „die fundamentale ‚Kritik der Rollentheorie‘ in die Rollentheorie als ein kritisch-analytisches Werkzeug der [deutschsprachigen, S. M.] Soziologie verwandelt[e].“ (Fischer 2010, S. 93) Zum anderen wurde die Soziologie „durch die Rollenanalyse zur Schlüsseldisziplin, die die Ausdifferenzierung sämtlicher gesellschaftlicher Teilsysteme als Auffächerung verschiedener Rollensysteme beobachtet. Im Vergleich dazu sind der ‚Homo oeconomicus‘ und der ‚Homo politicus‘ nur Facetten des ‚Homo sociologicus‘, so wie die Wirtschaftswissenschaften, die Politik- und die Erziehungswissenschaften nur spezielle Disziplinen einzelner Subsysteme der Gesellschaft sind.“ (Fischer 2010, S. 96).

2.3 Positivismusstreit

Der Positivismusstreit der 1960er-Jahre hat eine längere Vorgeschichte, wie die ausführliche Studie von Hans-Joachim Dahms (1994) gezeigt hat, und reicht bis zu Kontroversen zwischen Frankfurter Schule und den logischen Positivisten des Wiener Kreises in die 1930er- und 1940er-Jahre zurück. Die konkrete Auseinandersetzung zu Beginn der 1960er-Jahre ist aber darüber hinaus ein Resultat des erwähnten „Bürgerkriegs in der Soziologie“ (vgl. Dahms 1994, S. 319 ff.; zum Streit allgemein vgl. Dahms 1994; Schmid 1993; Ritsert 2010). Im Anschluss an den „Bürgerkrieg“ versuchte der 1959 zum DGS-Präsident gewählte Otto Stammer (vgl. Stammer [05.05.1960] in König 2000, S. 330 ff.)

„die entstandenen Meinungsverschiedenheiten in einer internen Aussprache im Oktober 1960 zu überwinden. Zu einer Zusammenkunft im Hotel Jagdschloß Niederwald wurden eingeladen Mitglieder des damaligen Vorstandes [der Einladung Stammers zufolge Achinger, Becker, Plessner, Bahrdt, Dahrendorf, Popitz, − S. M. ] sowie führende Vertreter der verschiedenen Positionen: Adorno und Horkheimer, König, Freyer, Gehlen, Schelsky und Jantke, sowie Bergstraesser, Mühlmann und Plessner. Eine persönliche Vermittlung der Standpunkte gelang nicht, sodaß der Versuch gemacht wurde, die persönlichen Kontroversen durch eine wissenschaftstheoretische Diskussion zu objektivieren. Diese Diskussion erfolgte auf der internen Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 1961 in Tübingen mit den beiden Referaten zur Logik der Sozialwissenschaften von Karl R. Popper und Theodor W. Adorno.“ (Lepsius 1979, S. 43).

Insbesondere Bergstraesser habe nach Angaben von Schelsky (1981, S. 65) bei diesem Treffen auf dem Jagdschloss versucht, einen Konsens in der Gründergeneration der bundesdeutschen Soziologie herbeizuführen, was jedoch misslungen sei; Schelsky sah darin eine Bestätigung, dass es „eine geistig einheitlich-kommunizierende ‚deutsche Soziologie‘ nicht mehr gab.“

Bereits ein Jahr zuvor war das Thema und die Hauptreferenten der nun zweiten anberaumten, internen Arbeitstagung, die vom 19. bis 21. Oktober 1961 in Tübingen stattfand, vom DGS-Vorstand ausgesucht worden (vgl. Stammer in König 2000, S. 345): „Die Logik der Sozialwissenschaften“, Hauptreferat: Karl S. Popper, Koreferat: Theodor W. Adorno, Diskussionsleitung: Ralf Dahrendorf. Fortgeführt wurde der Streit dann in einer zweiten Runde von Hans Albert auf der einen und Jürgen Habermas auf der anderen Seite (vgl. dazu Schmid 1993). Die Wahl des bis dahin in der bundesdeutschen Soziologie und deren Methodendiskussionen nicht hervorgetretenen und auch nicht empirisch arbeitenden Hauptreferenten Karl Popper ging auf Dahrendorf zurück, der Schelsky und König nicht „zutraute, eine starke Gegenposition gegenüber Adorno aufzubauen.“ (Dahms 1994, S. 324).

Im Streit selbst ging es weniger über den Positivismus im eigentlichen Sinne – zu dem auch nicht Popper gezählt werden kann (Dahms 1994, S. 332 ff.; Ritsert 2010, S. 107) –, sondern vielmehr um grundsätzliche wissenschaftstheoretische und Werturteilsfragen. Popper richtete sich sogar explizit gegen den Positivismus und gegen eine Vernaturwissenschaftlichung der Sozialwissenschaften (Dahms 1994, S. 341). So beginne Erkenntnis auch nicht mit Datensammeln, sondern – gleichsam wie im amerikanischen Pragmatismus – mit Problemen und deren Lösungsversuchen (Popper [1969] 1993, S. 104). Der Kritik Poppers „gegen die falsche Transposition naturwissenschaftlicher Methoden“ stimmte Adorno ([1969] 1993, S. 128) mit einem Seitenhieb auf René König zu. Anders als Popper aber hob Adorno die Vermittlung der erhobenen „sozialen Fakten“ durch die gesellschaftliche „Totalität“ hervor, was Ritsert (2010, S. 110) zufolge für Popper als „ein obskurer hegelianisierender Gedanke“ erscheinen musste. Andere kontroverse Punkte betrafen das Verständnis von Kritik, die Adorno ([1969] 1993, S. 134 f.) nicht allein auf Methodenkritik beschränkt wissen möchte, sondern in Anlehnung an Horkheimers berühmten Aufsatz über traditionelle und kritische Theorie sowohl als Selbstkritik der Soziologie als auch als Kritik an der Gesellschaft versteht (vgl. Ritsert 2010, S. 112 f.), sowie die Grundstruktur ihrer theoretischen Argumentation: Popper „zielt auf die schlüssige Deduktion als Prinzip vernünftiger Ordnung theoretischer Aussagen. Der andere orientiert sich an einem Prinzip der Dialektik.“ (Ritsert 2010, S. 113).

Die Positionen zwischen Adorno und Popper lagen aber nicht so weit auseinander, wie etwa ihre Einigkeit in der Kritik an Mannheims Wissenssoziologie oder am Szientismus zeigte (vgl. Dahms 2008, S. 30). Das änderte sich jedoch durch Adornos überproportional lange Einleitung in den 1969 erschienenen Sammelband und die „Wiederbelebung der ‚Popper-Legende‘“, die diesem doch eine Nähe zum Positivismus nachzusagen versuchte, „mit der Nuance […], er sei auch in politischer Hinsicht ein ‚Posivitist‘, also jemand, der ‚das Bestehende‘ (den gesellschaftlichen status quo) verteidigt.“ (Dahms 2008, S. 32 f.).

In einem Interview mit Karl-Siegbert Rehberg2 berichtet Hans Albert aus seiner Perspektive von dem Disput:

„Die beiden Herren, Popper und Adorno, hielten ihre Referate und es ging daraus offensichtlich hervor, dass sie einander missverstanden hatten. Keiner hatte den anderen vorher gelesen und zur Kenntnis genommen. Das war also ein grandioses Missverständnis. Nachher griff dann Habermas in die Diskussion ein mit einem Aufsatz in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und hat Popper als Positivisten angegriffen. Das hat mich zu einem Gegenaufsatz veranlasst, auf den er wieder erwiderte und dann habe ich noch mal erwidert. Das war zunächst der Anfang des Positivismusstreits. Die Aufsätze wurden dann zusammen mit anderen Aufsätzen veröffentlicht in einem Band Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie. Und inzwischen war auch Adorno dazu übergegangen, Popper als Positivisten anzugreifen, was er vorher nicht getan hatte. Das wurde dann zu einer weltweiten Diskussion.“

Eine Wirkung dieser Diskussionen war die dann „zur Mode gewordene wissenschaftslogische Kritik soziologischer Theorien“ (Schmid 1993, S. 47) sowie zahlreiche, bereits in der Debatte selbst angelegte Missverständnisse, die unter anderem dazu führten, dass sich verhaltenstheoretisch arbeitende Soziologen auf Popper zu berufen versuchten, was sich nicht nur als unhaltbar, sondern auch als relativ fruchtlos erwies (vgl. Schmid 1993, S. 53 f.). Andere in der „Linie Poppers argumentierende“ Richtungen (vgl. Schmid 1993, S. 54) wie die Rational-Choice-Theorie hatten da mehr Erfolg. Und die Kontroverse hatte in den Worten Michael Schmids (1993, S. 67 f.) die

„Startlinie für die eigene Weiterarbeit gezogen. So wandte sich Hans Albert dem liegengebliebenen Problem der rationalen Gesellschaftsgestaltung zu, dessen Lösungen er in der Synthese von Aufklärung und Steuerung fand und erweitere und systematisierte seine Kritik an allen begründungsphilosophischen Strömungen […], Jürgen Habermas baute seine Theorie der Erkenntnisinteressen aus, verließ aber hernach das methodologische Terrain […], die empirische Sozialforschung [Schmid verweist hier insbesondere auf Vertreter der „Kölner Schule“ – S. M.] glaubte sich Popper anschließen zu können, obgleich ihr deutlich induktiver und an Einzelhypothesen orientierter Forschungsstil sich als ebenso unpopperianisch herausstellte, wie ihr kausalistisches Theorieverständnis oder die Neigung, hochaggregierte Variablenkombinationen als eine hinreichend interessante Beschreibung von gesellschaftlichen Strukturen aufzufassen […].“

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Marburger Soziologe Heinz Maus in einem Brief an Frank Benseler, mit dem er und Friedrich Fürstenberg die berühmte Reihe „Soziologische Texte“ im Luchterhand-Verlag herausgab, Anfang Dezember 1967 im Kontext des Positivismusstreits weitblickend eine andere Kontroverse im Kommen sah, die Auseinandersetzungen der Soziologie mit dem Strukturalismus3:

„Ich halte den ‚Methodenstreit‘ (wie er u. a. zwischen Habermas und Albert stattfindet) im Grunde bereits für überholt. Allzuviel kommt dabei nicht heraus. Ich weiß, daß klingt ebenso arrogant wie befremdlich. Statt sich in abstracto an die Köpfe zu kriegen, sollte an einem Untersuchungsgegenstand (meinetwegen die sog. Hochschulreform mitsamt dem Bildungsgegenstand) (aber es gibt dringlichere Probleme!) gezeigt werden, wie sehr dabei die ‚positivistischen‘ Methoden in der Forschung anzuwenden nötig ist und zugleich warum sie nicht ausreichen, um den Gegenstand wirklich zu erfassen. (v. Friedeburg hat das immerhin im ‚Betriebsklima‘ versucht, aber es fehlen Arbeiten dieser Art. Insofern zeigt auch der Eindimensionale Mensch [von Herbert Marcuse – S. M.] Mängel. Man sollte nicht stets so umfassende Themen wählen, um nachzuweisen, wer recht habe und wer nicht).

Ich hätte einen anderen Vorschlag […]. Es wird nicht mehr lange dauern, daß der ‚Strukturalismus‘ auch in Deutschland, und nicht nur bei Soziologen, Enthusiasmus […] erzeugen wird. […] Jedenfalls sollten wir einen Band ‚Soziologie und Strukturalismus‘ (oder so ähnlich) zusammenstellen lassen.“ (Maus an Benesler 02.12.1967, Hessisches Staatsarchiv Marburg, 340 Maus, Ordner 24)

Zur Vorgeschichte des Positivismusstreits gehört auch eine Sitzung vom 1. März 1957 am Institut für Sozialforschung „Zum Verhältnis von Soziologie und empirischer Sozialforschung“, zu der Adorno geladen hatte und an der Dahrendorf, Friedeburg, Gunzert, Habermas, Lieber, Noelle-Neumann, Popitz und Stammer teilnahmen (Bülow, Plessner, Bergstraesser und Mühlmann hatten abgesagt, König war in den USA) (vgl. Demirović 1999, S. 762 ff.; Link 2015 sowie das Protokoll in Zyklos. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie 2). Die Diskussionsgrundlage waren Thesen Adornos ([1957] 1997). Bei der Sitzung kam es insbesondere zu einem Schlagabtausch zwischen Dahrendorf und Adorno, ein Streit, der in gewisser Weise eine weitere Kontroverse zwischen Adorno und Dahrendorf ein Jahrzehnt später im Rahmen des 16. Soziologentags ankündigte (vgl. Demirović 1999, S. 845).

2.4 Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?

Vom 8.-11. April 1968 fand der 16. Deutsche Soziologentag unter dem Motto „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“ in Frankfurt am Main statt, mitten in der Welle der Studierendenbewegung, die sich unter anderem gegen den Vietnam-Krieg, die Notstandsgesetzgebung, die Große Koalition zwischen SPD und CDU, das Erstarken der NPD sowie gegen die massiven Hetz-Kampagnen des Springer-Medienimperiums (BILD) richtete (vgl. Gilcher-Holtey 2001; Offe 2013, S. 977 f.); eine Woche nach den am 2. April von den späteren RAF-Mitgliedern entfachten Kaufhausbränden und bis unmittelbar – am 11. April – zur Zeit des Attentats auf Rudi Dutschke. Das Thema des Soziologentags wurde unter anderem aufgrund des 150. Geburtstages von Karl Marx „gewählt, aber auch, weil man überzeugt war, mit dieser Thematik den Nerv der Zeit zu treffen.“ (Müller-Doohm 2010, S. 131).

Noch unter dem DGS-Vorsitz von Theodor W. Adorno geplant, wurde der Kongress von Adorno und Ludwig von Friedeburg vorbereitet; Vorsitzender war seit 1967 nun Ralf Dahrendorf, der den Soziologentag – nach der Interpretation von Axel Demirović (1999, S. 838) – mit einer „Herausforderung an Adorno“ eröffnete, nämlich mit der Überlegung, „daß die Kritische Theorie schließlich weder Kritik noch Theorie ist, während umgekehrt gerade die von Adorno immer wieder kritisierte Theorie mittlerer Reichweite die einzig kritische wäre.“

Adorno bekräftigte in seinem Einleitungsvortrag, die im Titel anklingende Trennung zwischen Industriegesellschaft und Spätkapitalismus sei gar keine; beides gehöre zusammen gedacht, „der Dialektiker darf zur bündigen Disjunktion von Spätkapitalismus und Industriegesellschaft nicht sich nötigen lassen“ (Adorno [1968] 1969a, S. 15). Vielmehr drücke sich hier der widersprüchliche Charakter der zeitgenössischen Gesellschaft aus; nach dem Stand ihrer Produktivkräfte sei sie Industriegesellschaft, in ihren Produktionsverhältnissen Kapitalismus (Adorno [1968] 1969a, S. 18). „Weiter wird Herrschaft über Menschen ausgeübt durch den ökonomischen Prozeß hindurch.“ (Adorno [1968] 1969a, S. 17) Für Adorno geht dies so weit, dass von einem Klassenbewusstsein und von einer „revolutionären Sprengkraft der Produktivkräfte“ (Peter 2014, S. 79) nicht mehr gesprochen werden kann. Die „Verselbstständigung des Systems“ habe „gegenüber allen, auch den Verfügenden, einen Grenzwert erreicht“, so dass „kein Standort außerhalb des Getriebes sich mehr beziehen läßt, von dem aus der Spuk mit Namen zu nennen wäre; nur an seiner eigenen Unstimmigkeit ist der Hebel anzusetzen.“ (Adorno [1968] 1969a, S. 25).

Auf Adornos Vortrag sollte ein Referat von Manfred Teschner folgen, der aber krankheitsbedingt ausfiel. An seiner Stelle trug eine Gruppe aus dem Frankfurter akademischen Mittelbau zu „Herrschaft, Klassenverhältnis und Schichtung“ vor: Joachim Bergmann, Gerhard Brandt, Klaus Körber, Ernst Theodor Mohl und Claus Offe. Dahrendorf entschied sich daraufhin, seinen eigentlich geplanten Vortrag nicht zu halten und stattdessen direkt auf Adorno und die Autorengruppe zu reagieren, wobei diese Reaktion zum Großteil aus einer „extemporierten Salve von Fragen“ bestand (Offe 2013, S. 981). Kritisch bemerkte Dahrendorf, dass die radikale, neopessimistische Kritik der kritischen Theorie und ihre Analyse der Totalität den „Weg zur Praxis“ eher blockiere und die „erstarrte Welt verdoppele“; sie sei „eine Analyse, die die Ganz- oder Gar-nicht-Veränderung fordert, und wo die Ganz- oder Gar-nicht-Veränderung gefordert wird, tritt meist die Gar-nicht-Veränderung ein.“ (Dahrendorf ([1968] 1969, S. 90 f.) Ein zusätzlicher Kritikpunkt betraf die Frage der Herrschaft(slosigkeit). „Ist es eigentlich wünschenswert, daß jede Herrschaft von Menschen über Menschen abgeschafft wird?“, fragte Dahrendorf ([1968] 1969, S. 97). Und weiter: „Könnte es nicht sein, daß Herrschaft in menschlichen Gesellschaften eine bedeutende Produktivkraft ist, die zwar gebändigt werden muß, aber auch Veränderungen erlaubt?“

Auf Dahrendorfs Fragen folgte die Antwort Adornos. Er wehrte sich gegen die Annahme, eine Totalanalyse, also eine „gesamtgesellschaftliche Konzeption“, blockiere konkrete, einzelne praktische Veränderungen. Was er betont habe, sei die Tatsache, dass man bei solchen partikularen Veränderungsversuchen regelmäßig auf Grenzen stoße, „die man nur als durch das System gegebene Grenzen bezeichnen kann.“ (Adorno [1968] 1969b, S. 101) Natürlich sei das reale Leben der einzelnen Menschen zu verändern, aber dieses Leben sei kein unmittelbares, sondern durch gesamtgesellschaftliche Momente determiniert (Adorno [1968] 1969b, S. 101); es gehe also darum, ob man die „Einzelerfahrungen sieht in einem Strukturzusammenhang mit der Gesellschaft als solcher. Wie weit man an Einzelphänomenen auch unabhängig davon etwas ändern kann, das muß im Augenblick auf sich beruhen; die Grenzen sehe ich als sehr eng an.“ (Adorno [1968] 1969b, S. 102) Und bezogen auf die Frage nach Herrschaft(slosigkeit): Er träume keineswegs von einem „seligen Zustand unter Palmen“, sondern seine Kritik an Herrschaft sei darin begründet, „daß die Herrschaft in sich selbst heute, um sich als Herrschaft zu erhalten, die Tendenz zur Totalität ausbrütet. Und was totalitäre Herrschaft bedeutet, das wissen wir. Das ist der Grund, warum wir mit dem Begriff der Herrschaft nicht so zimperlich umgehen […]“ (Adorno [1968] 1969b, S. 105).

Die öffentliche Wahrnehmung des Soziologentags war von der Kontroverse zwischen Adorno und Dahrendorf bestimmt und wurde zuweilen als weitere Folge des Streits zwischen Positivismus und dialektischer Soziologie gedeutet (vgl. Demirović 1999, S. 844). Kaum bemerkt wurde dabei, wie auf dem Soziologentag ein weiterer Antipode der Kritischen Theorie mit einem Vortrag über „Moderne Systemtheorien als Form gesamtgesellschaftlicher Analyse“ hervortat, der dann – just zum Professor nach Bielefeld berufen (vgl. Rammstedt 1999, S. 17) – im Wintersemester 1968/69 Adornos Lehrstuhl vertrat: Niklas Luhmann.

Die Kontroverse um „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“ wirkt bis hin zu gegenwärtigen Debatten fort, man denke insbesondere an den Widerstreit zwischen „Funktionale Differenzierung versus soziale Ungleichheit“ (dazu detaillierter Schroer 2010), in denen darüber diskutiert wird, ob das herausragende Merkmal moderner gesellschaftlicher Verhältnisse und Prozesse vorrangig die funktionale Ausdifferenzierung in unterschiedliche Teilsysteme oder vielmehr die Frage der sozialen Ungleichheit und der ungleich verteilten Lebenschancen sei (vgl. Schroer 2010, S. 291).

2.5 Habermas-Luhmann-Debatte

1971 veröffentlichten Jürgen Habermas und Niklas Luhmann vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Seminars den Diskussionsband Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung?, der in Folge weitere Debattenbeiträge hervorrief (Maciejewski 1973, 1974). Die Kontroverse führte dazu, dass sich die deutschsprachige Soziologie erneut in geteilte Lager aufzuspalten drohte, die auf der einen Seite an einem kritischen Anspruch von Gesellschaftstheorie festhalten wollten und die auf der anderen Seite die Annahme vertraten, Gesellschaftstheorie habe die Gesellschaft lediglich objektiv-wertfrei zu beobachten bzw. zu beschreiben.

„Simple Unterscheidungen wie ‚progressiv/konservativ‘, ‚revolutionär/affirmativ‘ oder einfach auch nur ‚links‘ und ‚rechts‘ ließen sich noch einmal sozialtheoretisch verorten und nicht zuletzt auch personell zuordnen. Luhmann firmierte in diesem Zusammenhang als ‚Systembewahrer‘ und seine Theorie als ‚reaktionär-konservative Sozialtechnologie‘ […].“ (Füllsack 2010, S. 155)

Die alte Lagerbildung fand ihre Fortsetzung: Luhmann wurde von Helmut Schelsky protegiert (vgl. Horster 2005, S. 37). Habermas hingegen galt als derjenige, der eine emanzipatorische Gesellschaftstheorie im Sinne der Kritischen Theorie entwickelte. In Habermas’ Augen teile zwar die Systemtheorie mit einer kritischen Gesellschaftstheorie „die Ebene der Theoriebildung“, folge aber „auf dieser Ebene einer gegenläufigen Strategie“ (Habermas 1971, S. 143). Neben ihrem „weitreichenden theoretischen Anspruch“ sei eine kritische Auseinandersetzung mit Luhmanns Systemtheorie auch deswegen notwendig, weil man der Frage nachgehen müsse,

„ob diese Theorie nicht geeignet ist, in einem auf Entpolitisierung einer mobilisierten Bevölkerung angewiesenen politischen System die herrschaftslegitimierenden Funktionen zu übernehmen, die bisher von einem positivistischen Gemeinbewußtsein erfüllt worden sind. […]. Die zentrale, und wie ich zu zeigen hoffe: falsche These, mit der Luhmanns Theorie steht und fällt, ist nämlich, daß die funktionalistische Analyse den einzigen zulässigen Weg der Rationalisierung von Entscheidungen weist. So kann die Systemtheorie der Gesellschaft als ein einziger groß angelegter Begründungsversuch für die praktische Empfehlung verstanden werden, daß eine unmittelbar sozialtechnologisch gerichtete Analyse überall da an die Stelle des vermeintlichen Diskurses über ohnehin nicht wahrheitsfähige praktische Fragen zu treten habe, wo mit den Illusionen einer Verwirklichung praktischer Vernunft, und das heißt: mit Demokrastisierungstendenzen, noch nicht vollends aufgeräumt worden ist […]; diese Theorie stellt sozusagen die Hochform eines technokratischen Bewußsteins dar, das heute praktische Fragen als technische von vornherein zu definieren und damit öffentlicher und ungezwungener Diskussion zu entziehen gestattet.“ (Habermas 1971, S. 144 f.)

Und Luhmann resümiert am Ende des Diskussionsbandes, dass nicht nur der Begriff „Technologie“, auf den die Linke ihre Gesellschaftskritik gründe, ein konservativer kulturkritischer Topos sei, auch „Herrschaft“ (bzw. Herrschaftsfreiheit) sei eine „zu unbestimmte, für analytische ebenso wie für kritische Zwecke ungeeignete Kategorie“, die überdehnt worden und damit unbrauchbar geworden sei (Luhmann 1971, S. 399).

Über zwanzig Jahre später schrieb Luhmann über die Kontroverse mit Habermas:

„Die Ironie dieses Titels lag darin, daß keiner der Autoren sich für Sozialtechnologie stark machen wollte, aber Meinungsverschiedenheiten darüber bestanden, wie eine Theorie der Gesellschaft auszusehen habe; und es hat symptomatische Bedeutung, daß der Platz einer Theorie der Gesellschaft in der öffentlichen Wahrnehmung zunächst nicht durch eine Theorie, sondern durch eine Kontroverse eingenommen wurde.“ (Luhmann 1997, S. 11)

Die Kontroverse führte zu einer Diskussion über die Kontroverse, die in zwei Suhrkampbänden abgedruckt wurde (vgl. Maciejewski 1973, 1974). Hier fanden sich Beiträge von Klaus Eder, Bernard Willms, Karl Hermann Tjaden, Karl Otto Hondrich, Hartmut von Hentig, Harald Weinrich, Wolfgang Lipp, Wolf-Dieter Narr und Dieter H. Runze, Elmar Koenen und Karl Steinbacher, Lothar Eley, Bernhard Heidtmann und Peter Hejl. Beispielsweise versuchte Karl Otto Hondrich in seinem Beitrag, die in seinen Augen noch zu philosophische Kontroverse auf eine sozialwissenschaftliche Ebene zu holen, um die Systemtheorie forschungsstrategisch weiter zu entwickeln. Sowohl Habermas als auch Luhmann seien noch einem Diskussionsstil aus dem 19. Jahrhundert verhaftet geblieben (Hondrich 1973, S. 89, 114). Auch Karl Hermann Tjaden, neben Wolfgang Abendroth, Werner Hofmann und Heinz Maus ein weiterer Repräsentant der sozialwissenschaftlichen Marburger Schule (vgl. Peter 2014, S. 98 ff.), wies darauf hin, dass man von den Kontrahenten doch „erwarten dürfe, daß ihre Aussagen […] jedenfalls die Möglichkeit der Umsetzung in gesellschaftsbezogene Realwissenschaft enthalten.“ (Tjaden 1973, S. 79) Zu unbestimmt blieben etwa der Inhalt ihrer Begriffe von Vergesellschaftung sowie die Frage unbeantwortet, was denn zu „den konstitutiven Bestimmungen solcher Gesamtheiten“ wie „gesellschaftliches System“ oder „gesellschaftliche Totalität“ zähle (Tjaden 1973, S. 79).

Die Unzufriedenheit, die die Debatte hinterließ, führte nicht zuletzt zu weiteren Diskussionen über das Theorie-Praxis-Verhältnis sowie über die Verwendung soziologischen Wissens (vgl. Beck und Bonß 1989; Wingens 1988), ähnlich wie sie auch in Österreich Ende der 1970er-Jahre geführt wurden (vgl. Firnberg 1978; Rosenmayr 1978; Kellermann 1980). Darüber hinaus zeigen die exemplarisch genannten Beiträge von Hondrich und Tjaden, dass auch in der Habermas-Luhmann-Debatte eine Tendenz ausgemacht wurde, derzufolge sich die Kontroversen immer mehr von der soziologischen Gesellschaftsanalyse entfernten. Nach Joachim Matthes’ (1978a, S. 1011) Deutung mündete diese Tendenz in die Richtung einer sich mit der Zeit einstellenden „Diskussionshaltung des Vergleichens“, die ihren Ausdruck unter anderem auch in der Theorienvergleichsdebatte erfuhr.

2.6 Theorienvergleichsdebatte

Die Zeit, in der insbesondere die „drei Schulen“ (Frankfurt, Köln und der Kreis um Schelsky) maßgeblich den Ton angaben (vgl. Moebius 2015, S. 9–33), war nahezu vorbei, die Soziologie hatte sich weiter ausdifferenziert. Bis heute ist der „multiparadigmatische Charakter“ für die soziologische Theorie kennzeichnend (Kneer und Schroer 2009). Die Theorievergleichsdebatte begann 1974 auf dem 17. Soziologentag in Kassel und endete Anfang der 1980er-Jahre, verbunden mit der Hoffnung, die Theorienvielfalt in einen „produktiven Pluralismus“ umzuwandeln und eine „diskursive Einheit der Soziologie herzustellen“ (vgl. Greshoff 2010, S. 182, 184 f.).

„Die ‚Richtungskämpfe‘ sollten dadurch einerseits ‚verwissenschaftlicht‘, andererseits in den Kontext einer sich ausdifferenzierenden, aber noch als Einheit verstandenen Disziplin eingebunden werden. Unter der Leitung von Karl Otto Hondrich gelang diese Absicht. Aus politisierten Richtungen wurden alternative Paradigmen. Alle Richtungen fanden sich unter dem Dach der DGS hinreichend repräsentiert, die Konsolidierung des Faches schritt fort“, so der damalige Vorsitzende der DGS M. Rainer Lepsius (in Hepp und Löw 2008, S. 125).

Dass sich entgegen Lepsius’ Darstellung nicht alle in Kassel repräsentiert fühlten, zeigt ein „kritischer Reader zum 17. Soziologentag“ (Krysmanski et al. 1975), in dem etwa Urs Jaeggi (1975, S. 11) Kritik am autoritären Führungsstil des DGS-Vorstandes sowie an dessen mangelnden Einsatz gegen das Berufsverbot von Horst Holzer übt. Aber auch das Thema des Soziologentages wurde als Versuch wahrgenommen, die Soziologie weiterhin von kritischen Tönen zu säubern; so habe das Publikum das Spiel der Entpolitisierung mittels – heute würde man angesichts der Sonntagabend-Talkshows sagen – „Confrontainment“ mitgespielt und „folgerichtig die Sympathien eher aufgrund der persönlichen Ausstrahlung und Rhetorik als aufgrund eines ernsthaft geführten wissenschaftlichen Diskurses [verteilt]. […] Vermutlich, um den XIII. Weltkongreß für Soziologie in Toronto von 1974, der unter dem Motto ‚Wissenschaft und Revolution‘ stattfand, auf deutsche Füße zu stellen, sollte ‚Evolution‘ den politisch anrüchigen und tatsächlich strapazierten Revolutionsbegriff konterkarieren.“ (Jaeggi 1975, S. 16, 15).

Den Beginn der in Kassel stattgefundenen Podiumsdiskussion und der Theorienvergleichsdebatte (siehe dazu detailliert Greshoff 2010, zu den Beiträgen den Tagungsband: Lepsius 1976) bildete ein Arbeitspapier von Karl Otto Hondrich (1976) über die „Entwicklungslinien und Möglichkeiten des Theorievergleichs“ am beispielhaften Thema „Evolution/sozialer Wandel“, das alle Teilnehmer zuvor bekommen hatten. Folgende Vertreter unterschiedlicher Theorierichtungen waren (nach den Bezeichnungen von Hondrich 1976, S. 20) vertreten: „Jürgen Habermas als Vertreter einer Theorie kommunikativer Kompetenz; Niklas Luhmann für eine funktionalistische Systemtheorie; Joachim Matthes für handlungstheoretisch-interaktionistisch-phänomenologische Theorien; Karl-Dieter Opp für den verhaltenstheoretischen Ansatz und Karl Hermann Tjaden für historisch-materialistische Theorie.“

Die Debatte auf dem Kasseler Soziologentag verlief mit einer gewissen Unzufriedenheit, sowohl die Auswahl der Ansätze als auch die Themenwahl „Evolution“ wurden kritisiert. Ferner hätte es nach der Darstellung der einzelnen Theoriepositionen eines weiteren Vergleichs der nun „erst einmal unvermittelt nebeneinanderstehenden“ (Greshoff 2010, S. 202) Ansätze bedurft. „Das einem Mammutpublikum ausgesetzte Kasseler Podium von Vertretern unterschiedlicher ‚Theorieansätze‘ konnte weder den von manchen Seiten ernsthaft gehegten Erwartungen entsprechen noch seinem späteren Image als ‚Wanderzirkus‘ der Soziologen (dieses Wort lief auf dem Bielefelder Soziologentag 1976) entkommen.“ (Matthes 1978b, S. 8) Hingegen als positiv festgehalten wurde, dass nach „Lösungsmöglichkeiten für gemeinsam definierbare Probleme Ausschau“ gehalten wurde (Matthes 1978b, S. 9).

An dieser pragmatischen Vorgehensweise wollte man anknüpfen und so kam es – in Folge dann ohne Habermas und Luhmann – zu weiteren Arbeitstreffen in Bielefeld und Bad Homburg vor und auf dem Bielefelder Soziologiekongress 1976, woraus 1978 der von Hondrich und Matthes herausgegebene Band „Theorienvergleich in den Sozialwissenschaften“ (1978) entstand (vgl. auch die Beiträge in Bolte 1978, S. 1024 ff.). Um den Vergleich handhabbarer zu machen, sollten einerseits nun Theorien an zwei ausgewählten Themengebieten (Abweichendes Verhalten; Staat und Politik) problembezogen diskutiert (hier Karl Dieter Opp und Hans Haferkamp sowie Volker Ronge, Richard Münch, Wout C. Ultee) und andererseits „Paradigmata im Vergleich“ behandelt werden (Richard Münch, Hans-Joachim Giegel, Karl Hermann Tjaden, Klaus Eder/Ulrich Rödel, Johannes Berger, Wijnand Hoeben, Bernhard Giesen/Michael Schmid). Hinzu kamen noch Erörterungen der Methodologie des Theorienvergleichs (Reinhard Wippler, Karl-Dieter Opp, Siegwart Lindenberg/Reinhard Wippler, Bernhard Giesen/Michael Schmid, Rainer Greca, Cinstans Seyfarth). Matthes beurteilte diese Diskussionen folgendermaßen:

„Vornehmlich entlang der themen- oder gegenstandsbezogenen Diskussionslinie wurde zugleich deutlich, daß eine wesentliche Grenze der theorienvergleichenden Diskussion derzeit dort liegt, wo sich der Übergang vom Theorienvergleich zur Theorieprüfung anbahnt und damit der unterschiedlich gelagerte Zugang verschiedener ‚Theorieansätze‘ zur Forschungspraxis überhaupt und zu einzelnen Forschungsgebieten in den Blick kommt. […]. Als ein Handlungs- und auch Marktsystem betrachtet, bietet die gegenwärtige Praxis empirischer Sozialforschung bestimmten Theorieansätzen bessere Chancen des Einbringens und der Verwirklichung ihrer Forschungsideen und Forschungsinteressen als anderen, − ein Umstand, der, verwandelt in ein Argument, auf die themenbezogene Diskussion zum Theorienvergleich hinderlich zurückwirkt: als ob bestimmte Theorieansätze überhaupt besser für Forschung geeignet seien als andere. Mit anderen Worten: die themenbezogene Diskussion zum Theorienvergleich wäre einfacher und ertragreicher zu führen, wenn die zeitgenössische Praxis der empirischen Sozialforschung weniger monopolistisch organisiert wäre.“ (Matthes 1978b, S. 10)

Die Wirkungen der Theorienvergleichsdebatte lassen sich bis in die Gegenwart beobachten (vgl. Greshoff 2010, S. 210 ff.). War der Theorienvergleich in den 1980er-Jahren zwar zunächst verebbt, so erschienen seit den 1990er-Jahren wieder vermehrt entsprechende Publikationen, ein Trend, der bis zur Gegenwart anhält, wie nicht zuletzt zahlreiche Veranstaltungen (vgl. etwa Fischer/Fischer und Makropoulos 2004 oder Greshoff et al. 2007) der direkt im Rahmen der Theorievergleichsdebatte 1978 gegründeten DGS-Sektion „Soziologische Theorie“ vor Augen führen.

2.7 Anti-Soziologie

Bereits seit Anbeginn wurde die Soziologie immer auch Gegenstand heftiger Anfeindungen von innen wie von außen, sei es, dass ihr der Status als Wissenschaft abgesprochen wurde bzw. umgekehrt, sie Angst vor ihrem universalen Anspruch auslöste, oder sei es, dass sie als Bedrohung gesellschaftlicher Ordnung betrachtet wurde. In der deutschsprachigen Soziologie nach 1945 kam diese Art der Fundamentalkritik auch aus ihren eigenen Reihen. Wie Karl-Siegbert Rehberg (1986, 2010, S. 217 f.) in einem informativen Überblick über dieses „Unbehagen an der Soziologie“ festhält, konnten sich Helmut Schelsky und Friedrich Tenbruck, die sich in den 1970er- und 1980er-Jahren zu „Anti-Soziologen“ gewandelt haben, auf eine lange Tradition ihrer polemischen Soziologie-Kritik berufen.

„Immer wieder gab es den Versuch, die Soziologie insgesamt in der Weise ‚historisch‘ werden zu lassen, dass ihr – wie behauptet wird, der ‚Freiheit des Individuums‘ zuliebe – die Legitimität im Grundsatz entzogen wird. So wenigstens wandten sich die als ‚Anti-Soziologen‘ auftretenden Kritiker in der Zeit nach der Studentenrevolte und dem Bedeutungsaufstieg des Faches zu einer Leitdisziplin gerade gegen diesen Rezeptionserfolg, ja zogen sogar seinetwegen ihre Existenzberechtigung infrage. Helmut Schelsky (1981) prägte diese bildungs- und wissenschaftspolitisch eingängige Formel für die Kritik an der ‚soziologischen Aufklärung‘, Friedrich H. Tenbruck (1984) sorgte für deren systematisierte und politisch zugespitzte Verbreitung.“ (Rehberg 2010, S. 217 f.)

In Die Arbeit tun die anderen. Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen ([1975] 1977) warnt Schelsky eindringlich vor der „zeitbestimmenden Wirkung aller Soziologie“, der „Auflösung der Person“, die – hier ganz ähnlich wie Dahrendorf in der Rollendebatte – mitunter nur noch funktional als Rolle aus ihren sozialen Verhältnissen heraus begriffen werde (Schelsky [1975] 1977, S. 359). Darüber hinaus aber gerät Soziologie für ihn immer mehr zu einer Art neuer Sozialreligion und Klassenherrschaft von heilversprechenden Sinnproduzenten, als Beispiel dient ihm unter anderem die Friedensforschung (Schelsky [1975] 1977, S. 399). Vermischt wird diese Soziologiekritik an der Soziologie, die insbesondere als kritische Soziologie wahrgenommen wird (es geht auch um einen feldspezifischen Streit mit der Kritischen Theorie um die soziologische Deutungshoheit), noch mit Intellektuellenkritik – ein alter Topos der konservativen Anti-Soziologie, dem sich bereits der soziologische Klassiker Émile Durkheim ausgesetzt sah. Ein weiterer Hintergrund der anti-soziologischen und anti-intellektuellen Invektiven Schelskys, die sich bereits Ende der 1950er-Jahre in Ortsbestimmung der deutschen Soziologie andeuten (vgl. Schelsky 1959, S. 99; Schäfer 2013, S. 200 ff.) und auch im Kontext der erwähnten Debatte um die Rolle der Soziologie im Nationalsozialismus stehen (Schelsky 1981), sind darüber hinaus die Studierendenproteste von 1968 sowie – gepaart mit dadurch erfahrenen persönlichen Kränkungen (vgl. Rehberg 2013, S. 30 f.) – die „vermeintlichen Nutznießer“ der Proteste „in den Erziehungs- und Bildungsinstitutionen“ (Wöhrle 2015, S. 155 f.).

Auch Friedrich Tenbruck befürchtet die „Abschaffung des Menschen als handelndes Wesen“ zugunsten der Analyse von Gesellschaftsprozessen (Tenbruck 1984, S. 49, 230 ff.) durch die Soziologie, die immer mehr zu einer „Bewusstseinsführungswissenschaft“ verkomme. „Hier zum Klassenanhängsel, dort zum Rollenträger herabgesunken, ist er sich selbst nur noch ein technisches Problem der Herstellung seiner äußeren Daseinsverhältnisse […].“ (Tenbruck 1984, S. 49) Insbesondere marxistische Strömungen, die Frankfurter Kritik der Kulturindustrie, die Dahrendorf’sche Rollentheorie sowie der als übermächtig empfundene Strukturfunktionalismus und dessen Akzentuierung des Strukturbegriffs standen im Fokus der Kritik Tenbrucks (vgl. Homann 2001, S. 73 ff.). Gegen diese als Mainstream wahrgenommene Soziologie versuchte Tenbruck bereits in den 1970er-Jahren eine an Max Weber und Georg Simmel orientierte Kultursoziologie in Stellung zu bringen, die sich auch institutionell vom Mainstream der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) absetzen sollte. Anders als von ihm (in institutioneller Hinsicht) vorgesehen, kam es dann nicht zu einer Gegenbewegung zur DGS, sondern 1985 zur Gründung der Sektion „Kultursoziologie“ in der DGS, die jedoch in ihrem Verständnis von Kultursoziologie als allgemeiner Soziologie wesentlich von Tenbruck geprägt wurde (vgl. Albrecht und Moebius 2014).

Joachim Matthes (1981) behandelte die antisoziologischen Interventionen Schelskys und Tenbrucks 1980 in seinem Eröffnungsvortrag zum 20. Deutschen Soziologentag in Bremen. Er nahm sie zum Anlass der Forderung nach intensiverer Selbstkritik und -reflexivität der Soziologie – mehr aber auch nicht. Im Grunde genommen versandete die Antisoziologie Schelskys und Tenbrucks. Im Kern war die Kritik, wie Rehberg (2010, S. 246) resümiert, ja auch „nicht gegen das theoretische Aggregationsniveau des Objekts der Soziologie gerichtet […], sondern gegen bestimmte konkurrierende Theoriekonzepte.“

2.8 Post-Moderne

Die Kontroversen um die Postmoderne (vgl. Neumeister 2000; Moebius 2010) umfassen unterschiedliche Bereiche, von der Kunst(soziologie) über die Philosophie bis hin zur Sozialtheorie und soziologischen Gegenwartsdiagnose (vgl. Zima 2014).4 Der Streit, der sich seit den 1960er-Jahren im ästhetischen Feld entfachte und dadurch auch die Kunst- und Literatursoziologie berührte, drehte sich zunächst um eine neue Einstellung zur Kunst und um den postmodernen Angriff auf den Kunstbegriff der Moderne beziehungsweise des „High Modernism“, wie er vor allem von Theodor W. Adorno oder Clement Greenberg vertreten wurde (vgl. Calinescu 1986, S. 288; Bürger 1999).

Über einer Kritik an der ästhetischen Moderne hinaus sind es die „großen Erzählungen“ (Lyotard) der Moderne insgesamt, wie die Annahmen von einer Vernunft, einer Wahrheit, einer historischen Entwicklung (Modernisierungstheorie, Individualisierung, Fortschrittsideologie etc.), eines sich selbst bestimmenden Subjekts oder unveränderlichen Sinnbezügen, die unter die Kritik der Postmodernen geraten. Diese Konzepte, die als wesentliche Elemente des Programms der Moderne betrachtet werden, haben aus der Sicht der Postmoderne ihre Intention, nämlich Aufklärung und ein friedliches Miteinander zu fördern, verfehlt. Stattdessen werden sie nun mit technologischem Zerstörungspotential, Krieg, Entzauberung, Vernichtung, Ausschluss, Unterdrückung und Unfreiheit in Verbindung gebracht. Auf der anderen Seite wird postmodernen Autoren vorgeworfen, unsystematisch, widersprüchlich und analytisch unergiebig zu sein (vgl. Müller 1998). Maßgeblich Beteiligte der Postmoderne-Debatte auf dem Gebiet der Sozialtheorie und Sozialphilosophie sind unter anderem Jean-François Lyotard, Vertreter des poststrukturalistischen Denkens (wie etwa Michel Foucault und Jacques Derrida) sowie Jürgen Habermas, der die Postmodernen und Poststrukturalisten mit dem Stigma des „Jungkonservatismus“ belegt und ihnen eine „poststrukturalistische Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“ (Habermas 1991, S. 214) vorwirft.

Die Postmoderne-Debatte im sozialtheoretischen Feld beginnt mit dem 1979 veröffentlichten programmatischen Text La condition postmoderne (dt. Das postmoderne Wissen, 1999) von Jean-François Lyotard (vgl. Reijen 1987; Schroer 1994). Entstanden als Gelegenheitsarbeit im Auftrag des Universitätsrates der Regierung von Québec untersucht Lyotard darin die zeitgenössischen Strukturen und Formen des Wissens in den Industriegesellschaften. Ausgehend von soziologischen Arbeiten von Alain Touraine und Daniel Bell über den sozialen und kulturellen Wandel, der ihnen zufolge zur Phase der „postindustriellen Gesellschaft“ führt, analysiert Lyotard die durch Computer und Informatisierung bewirkten technologischen Transformationsprozesse des Wissens. „Das alte Prinzip, wonach der Wissenserwerb unauflösbar mit der Bildung [im Orig. dt.] des Geistes und selbst der Person verbunden ist, verfällt mehr und mehr“ (Lyotard 1999, S. 24). Wissen höre auf, sein eigener Zweck zu sein, was zähle, sei das verwertbare Ergebnis, so Lyotards Prognose. Insgesamt konzentriert sich Lyotard in Das postmoderne Wissen auf drei sich durchdringende Bereiche: Wissenschaft, Sprache und Gesellschaft. „Postmodern“ ist im Bereich der Wissenschaft das Ende der Meta-Erzählungen, in der Sprache der agonistische Charakter des Sprechens sowie die Pluralität der Sprachspiele und im Bereich der Gesellschaft die Revision eines organizistischen Gesellschaftsbegriffs. Lyotard verbindet die Moderne aufs engste mit den Bestrebungen nach Einheit, Ordnung und Identität, die schließlich totalitäre Gesellschaftsmodelle und menschenverachtende Formen des social engineering, also der planmäßigen Herstellung von Gesellschaft, förderten (vgl. Bauman 1992). Wo einst Einheit herrschte, soll nun Vielheit und Differenz sein.

Lyotards positiver Bezug auf die Heterogenität der Sprachspiele lässt ihn auch eine zu Jürgen Habermas‘ Kommunikations- und Diskurstheorie diametral entgegengesetzte Position einnehmen. Dessen Annahme, dass Sprache der Verständigung dient (vgl. Habermas 1981, S. 150) und somit prinzipiell nicht der Konflikt, die Kontroverse oder der Widerstreit, sondern vielmehr der Konsens das Zentrum einer Gesellschaftstheorie bildet, setzt Lyotard entgegen: „Er [gemeint ist Habermas, S. M.] tut der Heterogenität der Sprachspiele Gewalt an. Und die Erfindung entsteht immer in der Meinungsverschiedenheit. Das postmoderne Wissen ist nicht allein das Instrument der Mächte. Es verfeinert unsere Sensibilität für die Unterschiede und verstärkt unsere Fähigkeit, das Inkommensurable zu ertragen. Es selbst findet seinen Grund nicht in der Übereinstimmung von Experten, sondern in der Paralogie der Erfinder.“ (Lyotard 1999, S. 16).

Eine Reaktion von Habermas blieb nicht aus, allerdings ohne auf Lyotard selbst einzugehen. Stattdessen versuchte Habermas die Postmoderne – er selbst spricht gelegentlich auch von einer „neuen Unübersichtlichkeit“ (Habermas 1996) – insgesamt dadurch anzugehen, dass er dann in Der philosophische Diskurs der Moderne (Habermas 1985) die Positionen der als postmodern bezeichneten Autoren mit anderen Ansätzen der Modernekritik gleichzusetzen versuchte. Behandelt werden unter anderem Nietzsche, Horkheimer, Adorno, Heidegger, Bataille, Derrida und Foucault. Die von diesen Autoren betriebene Vernunftkritik, so Habermas, könne ihren Ort nicht ausweisen, da sie ambivalent sei und sich „weder der Philosophie oder der Wissenschaft, noch der Moral- und Rechtstheorie, noch der Literatur oder Kunst eindeutig zuordnen“ lasse (Habermas 1985, S. 390). Zudem betreibe sie „das Geschäft einer radikal selbstbezüglichen Vernunftkritik“ (Habermas 1991, S. 215). Eine Kritik der Metaerzählungen wie die Vernunftkritik der Postmodernen – und auch der älteren Kritischen Theorie von Horkheimer und Adorno – läuft nach Habermas nicht nur Gefahr, praktischer Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse zu entsagen, sondern verstricke sich zudem in einen performativen Selbstwiderspruch (vgl. dazu Demirović 1999, S. 516 ff.): „[W]enn sie auf den Effekt einer letzten Enthüllung nicht verzichten und Kritik fortsetzen wollen, müssen sie für ihre Erklärung der Korruption aller vernünftigen Maßstäbe doch noch einen unversehrt zurückbehalten“ (Habermas 1985, S. 153). Anders gesagt: Die Argumentation gegen die Vernunft muss zumindest vernünftig argumentieren.

Zusammengefasst dreht sich die Kontroverse um Moderne und Postmoderne im Feld der Sozialtheorie und -philosophie um die Frage, ob die zahlreichen Probleme und „Defizite“ der Moderne, etwa der Ausschluss des Heterogenen, Machtwillen, Totalitarismus, der „wachsende Abstand zwischen dem Reichtum im Norden und der Armut im Süden, […] und die Isolierung der künstlerischen Avantgarden (und heute ihre Verleugnung)“ (Lyotard 1987, S. 107), dem Projekt der Moderne selbst zuzuschreiben sind oder ob sie lediglich Deformationen, Defekte und Verirrungen des an sich emanzipativen Projekts der Moderne darstellen (vgl. Habermas 1992). Der Literatur- und Kunstsoziologe Peter Bürger spitzt die beiden Positionen mit Blick auf die politischen Implikationen folgendermaßen zu:

„Habermas entwirft eine kritische Gesellschaftstheorie, die den Rahmen abgeben soll für eine Reformpolitik, die die ‚pathologischen Nebenfolgen‘ des Modernisierungsprozesses in den Griff bekommt; dazu müssen radikale Positionen der älteren kritischen Theorie preisgegeben werden [Adorno/Horkheimer, S. M.]. Die französischen Philosophen ziehen sich gewissermaßen aus der Gesellschaftstheorie zurück, suchen aber das Destabilisierungsunterfangen der historischen Avantgardebewegungen in den Bereich der philosophischen Theorie hineinzutragen. Das avantgardistische Projekt einer Revolutionierung der Alltagspraxis zerfällt so in einen reformistischen Teil, der der Frage nachgeht, wie der ‚Kolonialisierung der Lebenswelt‘ Einhalt geboten werden kann, und einen anarchisch-revolutionären, der freilich die Revolution als rein theoretisches Unternehmen der ästhetischen Subversion herrschender Begriffe (wie Subjekt und Wahrheit) fasst.“ (Bürger 2001, S. 174)

Die Debatten um Postmoderne dauerten als „Kampf um die kritische Vernunft“ (Neumeister 2000) im deutschsprachigen soziologischen Feld bis in die 1990er-Jahre an, der Autor des vorliegenden Beitrags musste sich noch Ende der 1990er-Jahre rechtfertigen, Michel Foucault zum Thema einer soziologischen Lehrveranstaltung zu machen.

3 Schluss

Natürlich gab und gibt es auch in den Soziologietraditionen anderer Länder und Gesellschaften Kontroversen (vgl. etwa Turner 1994; Calhoun und VanAntwerpen 2007). Aber für die bundesrepublikanische Soziologie schienen die Kontroversen nach dem Zweiten Weltkrieg insofern für die Institutionalisierung und Konsolidierung von Bedeutung, weil mit ihnen einerseits zugleich auch über die Vergangenheit des Faches, der westdeutschen Gesellschaft und der Personen – sei es mit Blick auf ihre Verstrickungen in den Nationalsozialismus, sei es mit Blick auf das erzwungene Exil – debattiert wurde.5 Andererseits waren es Kontroversen, die eine alte Frage der deutschsprachigen Soziologie stets mit sich zogen: die Werturteilsfrage. Inwiefern kann und soll die Soziologie die gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnisse nicht nur aufdecken und untersuchen, sondern auch kritisieren und dekonstruieren dürfen? Gerade letztere Frage bleibt bis heute umstritten und wird wahrscheinlich auch niemals endgültig gelöst werden. Zumal sich die Wissenschaften und damit auch die Soziologie immer mehr einem massiven gesellschaftlichen Anpassungsdruck an eine Ökonomisierung der Wissenschaften und der Frage nach ihrer direkten Rentabilität ausgesetzt sehen (vgl. Münch 2009), wodurch gesellschaftskritische Soziologie mehr und mehr ins Abseits zu geraten droht. Der Kampf um knappe Forschungsressourcen und Stellen mindert nicht nur die Bereitschaft zu Gesellschaftskritik, sondern auch zu fachinternen Kontroversen, da man sich nur geeint im wissenschaftlichen Feld zu behaupten vermag.

Fußnoten

  1. 1.

    Zu diesem schroffen Gegensatz kommt als Stein des Anstoßes noch die von Dahrendorf ([1958] 2010, S. 25 ff.) ins Spiel gebrachte, an Erving Goffmans 1959 erschienene The Presentation of Self in Erverday Life (1959) erinnernde Schauspiel- bzw. Theatermetapher, die die sozialen Akteure als Spieler unterschiedlicher Rollen modelliert.

  2. 2.

    Das Interview fand am 9. Januar 2012 im Rahmen des von der Thyssen-Stiftung geförderten Projekts „Audio-visueller Quellenfundus der deutschsprachigen Soziologie nach 1945“ (Rehberg/Fischer/Moebius) statt.

  3. 3.

    Ich danke Oliver Römer herzlich für den Hinweis auf diesen Brief und Inhalt.

  4. 4.

    In diesem Abschnitt greife ich inhaltlich und auch in Formulierungen auf meinen Beitrag Moebius (2010) über „Debatten um Moderne und Postmoderne“ zurück.

  5. 5.

    Warum die Kontroversen vielfach eher auf Soziologentagen der DGS als etwa in Zeitschriften ausgetragen wurden, wäre noch eingehender zu erforschen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieUniversität GrazGrazÖsterreich

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