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Schulen, Akteure und regionale Zentren in der frühen Geschichte der bundesrepublikanischen Soziologie

  • Stephan MoebiusEmail author
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Zusammenfassung

Der Beitrag behandelt die soziologischen (Denk-)Schulen und zentralen Akteure der bundesrepublikanischen Soziologie von den späten 1940er bis Mitte der 1960er-Jahren. In den ersten zwanzig Jahren seit 1945 institutionalisiert, professionalisiert und konsolidiert sich die Soziologie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin. Dazu trägt wesentlich der Ausbau der empirischen Sozialforschung bei. Obwohl diese Phase von einer Pluralität der theoretischen Ansätze und unterschiedlichen Vorstellungen der soziologischen Akteure über die Aufgaben und Inhalte der Soziologie geprägt ist, gibt es nicht nur Kämpfe um Deutungsmacht, sondern auch Gemeinsamkeiten in den Bemühungen um die Neuausrichtung der Soziologie und Aufklärung über die gesellschaftlichen Verhältnisse der jungen Bundesrepublik. Favorisierte Themen der Jahre nach 1945 sind die Industrie-, Familien- und Jugendsoziologie, soziale Klassen bzw. Schichtung und Mobilität, seit den 1960er-Jahren verstärkt auch Politische Soziologie und Soziologische Theorie. Die Schulzusammenhänge lösten sich allmählich auf: die Binnenkomplexitäten und Abweichungen von den leitenden Paradigmen verstärkten sich; eine Konzentration der Schulen nahm durch Entpersonalisierung und Veralltäglichung der Paradigmen immer mehr ab.

Schlüsselwörter

Kölner Schule Frankfurter Schule Marburger Schule Schelsky-Kreis Bergstraesser Plessner Stammer Popitz Bahrdt Dahrendorf 

1 Einleitung

Ich beschränke mich im Folgenden auf diejenigen Personen, Orte und Schulen, die in der Fachliteratur für die Institutionalisierung und Konsolidierung der Soziologie nach 1945 in den jeweiligen deutschsprachigen Ländern unbestritten als relevant erachtet werden (wie etwa die Kölner oder die Frankfurter Schule), die Wirkungen auf das Fach und zuweilen auf die Öffentlichkeit entfalteten (wie etwa Helmut Schelsky) und/oder die in der gängigen Soziologiegeschichtsschreibung für die frühe bundesrepublikanische Soziologie bislang als besonders charakteristisch oder erwähnenswert befunden wurden wie etwa Helmuth Plessner in Göttingen oder Otto Stammer in Berlin (vgl. Lepsius 1979, S. 35).1 Ferner richte ich meinen Fokus insbesondere auf die zwei Jahrzehnte nach 1945, die Zeit der „Nachkriegsgesellschaft“ (vgl. Nolte 2000, S. 208–235), die man in den Geschichtswissenschaften auch als Zeit des „Booms“ bezeichnet hat (Stichworte: Wirtschaftswunder, wohlfahrtsstaatliche Expansion, Ausweitung des (Hoch-)Schulsektors, Zukunftsgewissheit, vgl. Doering-Manteuffel und Raphael 2012, S. 33 ff., 40 f.) und die mit den 1970er-Jahren an eine Ende kommt (Doering-Manteuffel und Raphael 2012; Leendertz 2010, S. 50 ff.). Aber nicht nur gesellschaftlich ändert sich in den siebziger Jahren einiges, auch in der Soziologiegeschichte werden diese Jahre oftmals als eine Umbruchsphase in der westdeutschen Soziologie beschrieben. Manche zeitgenössische Akteure nehmen diese Zeit, in der sich die Schulzusammenhänge langsam aufzulösen beginnen und die gesellschaftlichen Erwartungen an die Sozialwissenschaften immer mehr gestiegen sind, aus unterschiedlichen Gründen gar als eine (Identitäts-)Krise der Soziologie wahr (vgl. Leendertz 2010, S. 52 ff.). Wie gestalteten sich nun aber die ersten beiden Jahrzehnte der bundesrepublikanischen Soziologie bis Ende der 1960er-Jahre, wer waren ihre maßgeblichen Akteure und was waren deren bevorzugte Themen?

M. Rainer Lepsius (1979, S. 35) hat in einem Überblicksbeitrag zur Soziologie nach dem Zweiten Weltkrieg hinsichtlich der Akteure und regionalen Zentren festgehalten, es habe sich in der Mitte der 1950er-Jahre

die Grundkonstellation der [westdeutschen, S.M.] Nachkriegssoziologie herausgebildet. Sie wurde bestimmt durch die vier neu entstandenen Zentren in Berlin, Frankfurt, Köln und Hamburg, zu denen noch als weitere Schwerpunkte Freiburg und Göttingen traten. An allen diesen Orten hatte die Soziologie einen eigenen Charakter, der durch die Lehrstuhlinhaber geprägt worden war. Es handelt sich noch um einen kleinen Personenkreis, der gebildet wurde von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in Frankfurt, Helmuth Plessner in Göttingen, René König in Köln, Arnold Bergstraesser in Freiburg, Helmut Schelsky in Hamburg, Otto Stammer in Berlin. […] Mit Ausnahme von Otto Stammer sind sie alle aus einem Studium der Philosophie zur Soziologie gekommen und stehen daher in den philosophischen Traditionslinien der Soziologie in Deutschland und nicht in denjenigen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Gemeinsam unterstützen sie in den fünfziger Jahren eine Strategie, die die Soziologie als eigenständige und sich professionalisierende Disziplin etablieren wollte, und bei aller Unterschiedlichkeit der Erkenntnisinteressen und wissenschaftspolitischen Orientierungen förderten sie empirische Forschungen. Es erscheint gerechtfertigt, sie als die Gründergeneration der Nachkriegssoziologie zusammenzufassen […]. (Lepsius 1979, S. 35 f.)

Zwar gab es viele Differenzen (biographisch, ideologisch, habituell), aber was die „Charismatiker des Anfangs“ (Bude) neben der gemeinsamen empirischen Ausrichtung vereinte, war der Interpretation von Heinz Bude (2002, S. 409) zufolge der damit verbundene „entschiedene Wille zur politischen und gesellschaftlichen Aufklärung über die konkreten Gegebenheiten und wirksamen Strukturen der Nachkriegssituation und der Zusammenbruchsgesellschaft“. Nach Paul Nolte (2000, S. 246) kann man in diesem „Radikalismus der Gegenwartsaufklärung“ nicht nur „das einigende Band der Gründergruppe in den fünfziger Jahren sehen“, sondern „zugleich das Merkmal, das ihr eine enorme wissenschaftspolitische Durchschlagskraft verlieh.“

Die beschriebene „Gründungskonstellation“ (Lepsius 1979, S. 43) löste sich am Ende der 1950er-Jahre auf (vgl. Nolte 2000, S. 264 ff.). Feldspezifische Dynamiken gewannen an Fahrt, Versuche zur Konturierung, Absicherung und zum Ausbau eigener Positionen sowie die damit verbundenen Distinktionen traten immer deutlicher hervor (vgl. Schäfer 1996), fachliche und wissenschaftliche Differenzen wechselten einander ab oder vermischten sich, ebenso wie die jeweiligen Bündnisse, die eingegangen wurden (vgl. Moebius 2015, S. 12 f.). Der so genannte „Bürgerkrieg in der Soziologie“ (Weyer 1986) trieb die Akteure weiter auseinander. Dabei handelte es sich um einen Konflikt, in dem sich meist im Nationalsozialismus aktive Soziologen als Vertreter einer deutschen Sektion des Institut International de Sociologie (IIS) und auf der Gegenseite die sich eher der International Sociological Association (ISA) zugehörig fühlenden DGS-Vertreter Plessner und König gegenüber standen und um Deutungs- und Repräsentationsmacht stritten (vgl. neben Weyer 1986 auch Dietze 2006, S. 471 ff.; Rehberg 2014, S. 164; Moebius 2015, S. 25 f.). Weitere Positionskämpfe und Lagerbildungen in den ersten zwanzig Jahren der bundesrepublikanischen Soziologie drehten sich um die Rollendebatte, den Positivismusstreit und die Debatten um „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“ (vgl. Moebius 2016a).

Ende der 1950er-Jahre lässt sich ein institutioneller und generationeller Wechsel beobachten:

Der 14. Soziologentag 1959 in Berlin markiert den Übergang zu einer neuen Entwicklungsphase. War noch der vorausgegangene 13. Soziologentag in Bad Meinberg im Charakter ein Gesprächskreis von Gelehrten verschiedener Disziplinen – mindestens die Hälfte der Vorträge wurden von Nicht-Soziologen gehalten – so stellt sich der 14. Soziologentag erstmals als ein Fachkongreß dar, in dessen Rahmen die inzwischen gebildeten Fachausschüsse (Sektionen) der Gesellschaft mit eigenen Programmen auftraten und größeres Interesse fanden. Auf dem Kongreß traten erstmals die jüngeren Soziologen in größerer Zahl in Erscheinung. Die ersten Habilitationen und Berufungen waren erfolgt und in den Vorstand der Gesellschaft wurden in Berlin drei Angehörige dieser Generation gewählt (Hans Paul Bahrdt, Ralf Dahrendorf und Heinrich Popitz). Damit war der Übergang von der ‚Gründergeneration‘ in die ‚Nachkriegsgeneration‘ eingeleitet. (Lepsius 1979, S. 43 f.)

Im Folgenden sollen die soziologischen (Denk-)Schulen sowie die genannten zentralen Akteure der westdeutschen Nachkriegssoziologie – geordnet nach räumlichen Aspekten (vgl. Shils 1975, S. 94) – dargestellt werden. Was die so genannte „Gründungsgeneration“ betrifft, so kommen dabei insbesondere René König (Köln), Max Horkheimer und Theodor W. Adorno (Frankfurt/M.), Helmut Schelsky (Münster), Wolfgang Abendroth, Werner Hofmann und Heinz Maus (Marburg), Otto Stammer (Berlin), Arnold Bergstraesser (Freiburg i.Br.) und Helmuth Plessner (Göttingen) zur Sprache. Von der erwähnten „Nachkriegsgeneration“ sollen – vor allem aus Platzgründen – lediglich „Schulenmitglieder“ (etwa Erwin K. Scheuch) sowie die von Lepsius im obigen Zitat genannten Personen (Popitz, Bahrdt, Dahrendorf) näher in den Blick gerückt werden (vgl. auch Nolte 2000, S. 245), ohne dass dies die Würdigung der Impulse, Aktivitäten und Wirkungen anderer Angehöriger der so genannten „Zweiten Generation“ der bundesrepublikanischen Soziologie (vgl. Bude und Neidhardt 1998a) schmälern oder in Abrede stellen soll.

Gemeinsam scheint der Mehrheit dieser „Nachkriegs-“ oder „Zweiten Generation“ jenseits aller Schulen oder Schulzugehörigkeiten ein „entschieden antiideologisches Realitätsbedürfnis“ (Bude und Neidhardt 1998b, S. 408) zu sein, mit der sie die gesellschaftlichen Probleme der frühen Bundesrepublik angehen wollten. Was waren aber die Probleme? Die „Ära Adenauer“ (Geppert 2012; Conze 2009, S. 184 ff.) wies insbesondere folgende gesellschaftliche Prozesse und Problemlagen auf: industrieller und sozialstruktureller Wandel in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, ein Strukturwandel der Familie und Rückzug ins Private, das durch das „Wirtschaftswunder“ steigende Konsum- und Freizeitverhalten, die Urbanisierung und Veränderung der Gemeinden, die Westintegration, das Verbot der KPD, die Remilitarisierung, die Entwicklung der Massenmedien und der Motorisierung, Verdrängung des Nationalsozialismus. Ab den 1960ern (vgl. Conze 2009, S. 227 ff.) lassen sich folgende Prozesse beobachten: der Beginn des Übergangs zur Dienstleistungsgesellschaft, der „Baby-Boom“, die Veränderung kultureller Werte und gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen, neue Entwicklungen in Musik und Film, Suburbanisierung, der einsetzende Individualtourismus aber auch eine ins Stocken geratene wirtschaftliche Dynamik; relevant für „1968“ waren zudem der Eichmann-Prozess, der Auschwitz-Prozess (1963–1965). Für das Ende der 1960er und den Anfang der 1970er-Jahre (vgl. Conze 2009, S. 331 ff.) sind die zunehmende Politisierung (nicht zuletzt auch durch die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg 1967 und die Notstandsgesetzgebung 1968), Brandts Außenpolitik eines „Wandels durch Annäherung“, die Bildungsexpansion bei gleichzeitig bestehender klassenspezifischer Bildungs- und Chancenungleichheit sowie eine gewisse Liberalisierung und Abkehr traditioneller Moralvorstellungen kennzeichnend, insbesondere bei der Jugend (etwa in Fragen der Sexualität).

Viele dieser Themen wurden aufgegriffen und soziologisch analysiert, eine Ausdifferenzierung des soziologischen Feldes in „Bindestrich-Soziologien“ fand statt (vgl. Nolte 2000, S. 263). Beschäftigten sich etwa die meisten der im Folgenden erwähnten Schulen und Kreise (König, Schelsky, Adorno/Horkheimer) anfangs mit Familiensoziologie (vgl. Schäfer 1996, S. 385 ff.), so boomten in der Nachfolgegeneration insbesondere die Betriebs- und Industriesoziologie, dann auch die Themen Sozialstruktur und soziale Schichtung sowie soziale Mobilität (vgl. Nolte 2000, S. 267); ab Mitte der sechziger Jahre kommen die Politische Soziologie, die Soziologische Theorie sowie die „Wiederentdeckung“ der Klassiker als „Favoriten“ soziologischer Forschung hinzu (vgl. Nolte 2000, S. 268; Lüschen 1979, S. 178).

2 Soziologische (Denk-)Schulen und Kreise in der deutschsprachigen Soziologie nach 1945

Wirft man einen Blick auf die Geschichte der Wissenschaften, so scheint ein wesentliches Institutionalisierungsmerkmal von Wissenschaft zu sein, dass sie sich (auch) über Schulenbildung strukturiert und organisiert (vgl. Szacki 1981; Tiryakian 1981; Mullins 1981; Platt 1996, S. 230 ff.; Stichweh 1999; Klausnitzer 2014; Dayé 2016; Fischer und Moebius 2016). Als Kennzeichen von Schulen werden dabei in dieser Literatur ein oder mehrere Schuloberhäupter, eine „paradigmatische“ Lehre bzw. ein Programm, eine Zeitschrift und eine sich mit der Lehre identifizierende oder in die Lehre initiierte Schülerschaft mit diffundierender Wirkung ausgemacht (vgl. Moebius 2015, S. 33, 119 ff.), besonders der generationsübergreifende Aspekt wird hervorgehoben: „Den Differenzpunkt zu anderen kollektiven Organisationsformen wie ‚Wissenschaftlergruppen‘ und ‚Forscherkollektiven‘ markiert hier jene Inhomogenität der Alterstruktur, die zugleich wesentliche Bedingung für die Aufrechterhaltung des prozessierenden Systems Wissenschaft ist. […] ‚Schulen-Bildung‘ lässt sich so als Prozess der Generierung, Weitergabe und Weiterentwicklung von Wissensansprüchen begreifen, dessen Spezifik im generationsübergreifenden Transfer eines spezifischen Wissens besteht.“ (Klausnitzer 2014, S. 14 f.)

Im Anschluss an Lothar Peters (2015, S. 134, 2001, S. 43) soziologiegeschichtliche Methodologie wird hier als Schule „die institutionelle Formierung eines soziologisch sowohl zeitlich als auch räumlich einflussreichen theoretischen und/oder empirischen Paradigmas sowie die damit einhergehende formelle oder informelle Einbindung von soziologischen Akteuren in einen institutionalisierten Zusammenhang von Forschung, Lehre, Publikation und öffentlicher Präsenz“ definiert.

Für eine methodologische Berücksichtigung von Schulen als institutionalisierte Orte von Soziologie führt Peter einige Gründe an:

1. Schulen profitieren von einem Synergieeffekt, der sich aus der Integration institutioneller und kognitiver Funktionen ergibt. 2. Schulen lassen sich klar von ihrer soziologischen ‚Umwelt‘ unterscheiden. Das erhöht ihre Binnenkomplexität und damit ihre Fähigkeit, die sie umgebenden fachwissenschaftlichen Umwelten zu beeinflussen. 3. Schulen zentrieren sich im allgemeinen um bestimmte Führungsfiguren und lassen sich lokalisieren: beiden Momenten kommt, wenn auch in unterschiedlicher Weise, eine für die Identität von Schulen tragende Bedeutung zu. (Peter 2001, S. 44)

Auch wenn man in der Soziologiegeschichte durchaus von wirkmächtigen und mit symbolischer Macht ausgestatteten Schulen sprechen kann, wie etwa von der Durkheim-Schule, der Frankfurter Schule oder der Kölner Schule (vgl. etwa Besnard 1983; Nandan 1977; Wiggershaus [1988] 2001; Rammstedt 1998; Albrecht et al. 1999; Moebius 2015), so soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Schulenbegriff in den meisten Fällen eine nachträgliche, dennoch forschungsrelevante Typisierung ist (vgl. Szacki 1981, S. 25 ff.), die von den Schulanhängern oder Schulgründern kaum benutzt und auch von den Zeitgenossen nur in seltenen Fällen als Schulzusammenhang wahrgenommen wird. Und sicher sind diese Typisierungen mal mehr oder weniger stichhaltig. Der folgende Abschnitt versteht sich deshalb nicht als Diskussion über das für und wider einer solchen Typisierung, sondern als ein Überblick über in der Fachliteratur (vgl. Lepsius 1979, S. 36 ff.; Dahrendorf 1960, S. 121; Sahner 1982, S. 23 ff.; Kern 1982, S. 217 ff.; Lüschen 1995, S. 19 ff.) genannte relevante (Denk-)Schulen der Nachkriegssoziologie, deren „tatsächlicher“ Schulencharakter an anderer Stelle tiefer gehend analysiert werden müsste, ebenso wie die wissenschaftsexternen, meist politischen Strukturen und Akteure (etwa Kultusminister), die für die Bildung und Durchsetzung von Schulen maßgeblich sein können (vgl. König 2014). Dabei können Schulen, die man grundlegend als „generationsspezifische Kommunikationsgemeinschaft mit besonderer epistemischer und sozialer Kohärenz“ (Klausnitzer 2014, S. 14) begreifen kann, differenziert werden in sowohl institutionalisierte Schulen, die sich wie erwähnt durch ihre institutionelle Anbindung an Institute, eigene Zeitschriften, Schuloberhäupter und generationsübergreifende Paradigmentransfers kennzeichnen lassen, als auch in Denkschulen, die insbesondere durch ein gemeinsam geteiltes Paradigma oder „Denkstil“ (Ludwik Fleck) als Einheit wahrnehmbar sind. Trotz eines nach außen hin relativ homogenen Paradigmas oder „intern verbindenden, außen erkennbaren und aufnehmbaren“ (Reitz 2013, S. 171) theoretischen bzw. empirischen Programms lassen sich in den Schulzusammenhängen auch Binnenkomplexitäten und „Arbeitsteilungsprozesse“ ausfindig machen (Reitz 2013, S. 171).

Kölner Schule – René König (1906–1992)

Die Hoffnungen und Anstrengungen der frühen Schulen in Westdeutschland richteten sich einerseits auf die empirische Erforschung der Nachkriegsgesellschaft und ihres Aufbaus, und andererseits auf den Versuch, mit Soziologie und Sozialforschung die gesellschaftspolitische Kultur der jungen BRD mitzugestalten. Neben der Frankfurter Schule und der Gruppe um Helmut Schelsky war es insbesondere der aus dem Zürcher Exil zurückgekehrte René König und die so genannte „Kölner Schule“, die nach 1945 für die Konsolidierung, Professionalisierung und auch Internationalisierung der westdeutschen Soziologie prägend waren (vgl. zum Folgenden Moebius 2015).

König tritt für eine empirisch ausgerichtete Soziologie ein, die er ganz in der Tradition Auguste Comtes und der Durkheim-Schule (und auch gegen rechtskonservative Tendenzen gewandt) kritisch-reformerisch als aufklärerisches Mittel für eine demokratische Gestaltung der Gesellschaft betrachtet. Mit seinem berühmten, an Durkheim orientierten Diktum von der Soziologie, „die nichts als Soziologie ist“ (König 1967, S. 8), grenzt sich König sowohl von den sozialphilosophischen und gesellschaftstheoretischen Positionen der Frankfurter als auch von Schelskys „transzendentaler Theorie der Gesellschaft“, die gleichsam aus einer Metaperspektive „die ‚Bedingungen‘ dieses soziologischen Denkens und des in ihm Gedachten zu erörtern hat“ (Schelsky 1959, S. 96), ab. König skizziert ein umfangreiches Programm: Soziologie, so präzisiert er sein oftmals verkürzt dargestelltes und als rigorosen Soziologismus missverstandenes Diktum, sei „die wissenschaftlich-systematische Behandlung der allgemeinen Ordnungen des Gesellschaftslebens, ihrer Bewegungs- und Entwicklungsgesetze, ihrer Beziehungen zur natürlichen Umwelt, zur Kultur im allgemeinen und zu den Einzelgebieten des Lebens und schließlich zur sozial-kulturellen Person des Menschen.“ (König 1967, S. 8 ff.)

Königs Soziologie bewegt sich zwischen der struktur-funktionalistischen Ethnologie, französischen Theorie der Durkheim-Schule, der amerikanischen Sozialforschung und der aktuelle gesellschaftspolitische Problemlagen in kritischer Absicht analysierenden „moralistischen Gegenwartswissenschaft“ (vgl. Albrecht 2013, S. 387); hin zu kommt noch die breite Tradition der deutschen Soziologie der Zwischenkriegszeit, wie sie etwa in Alfred Vierkandts Handwörterbuch von 1931 sichtbar ist.

1949 nimmt König den Ruf auf das Ordinariat in der Nachfolge Leopold von Wieses an und zieht Anfang der 1950er-Jahre mit seiner Familie von Zürich nach Köln. Er genießt im Laufe der Zeit immer mehr international hohes Ansehen, ist Mitbegründer der International Sociological Association (ISA), organisiert als Sekretär der ISA den Weltkongress in Zürich 1950 und wird von 1962–1966 ihr Präsident. 1958 publiziert König das in viele Sprachen übersetzte Soziologie-Lexikon im Fischer-Verlag, das mit über 400.000 Exemplaren zu einem der meistverkauften wissenschaftlichen Fachbücher avancierte und zur Popularisierung der Kölner Soziologie wesentlich beitrug. Zusammen mit dem Lexikon, dem mehrbändigen Handbuch der empirischen Sozialforschung (seit 1962), der Reihe „Kölner Beiträge zur empirischen Sozialforschung“ sowie – seit 1955 – der Herausgabe der „Kölner Zeitschrift für Soziologie und (nun) Sozialpsychologie“ und deren von König auf den Weg gebrachten Sonderheften professionalisiert und konsolidiert er die westdeutsche Soziologie wesentlich. Die Sonderhefte begünstigten eine (von König später eher kritisch betrachteten) Ausdifferenzierung der Soziologie in Spezielle Soziologien, die sich dann auch auf die Gründung unterschiedlicher Sektionen innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) und damit auf die weitere Institutionalisierung der Soziologie in der BRD auswirkt. Das alles trägt zur Stärkung von Königs Stellung in der westdeutschen Soziologie und der Formierung der Kölner Schule bei. Zu den Schülern zählen unter anderem Erwin K. Scheuch, Dietrich Rüschemeyer, Peter Heintz, Peter Atteslander, Fritz Sack, Hansjürgen Daheim, Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny, Wolfgang Sodeur, Rolf Ziegler, Karl-Dieter Opp, Hans Joachim Hummell, Hans Peter Thurn, Dieter Fröhlich, Heine von Alemann, Gerhard Kunz, Heinz Sahner, Wolfgang Sodeur, Günther Lüschen, Michael Klein, Günter Albrecht, Klaus Allerbeck oder Kurt Hammerich.

Von diesen Schülern prägte insbesondere Scheuch in der Folgezeit die Wahrnehmung der Kölner Schule. Zu Beginn der 1950er-Jahre lernte er durch ein Stipendium die US-amerikanische quantitative Sozialforschung kennen, promovierte 1956 in Köln über die „Anwendung der Stichprobentheorie auf menschliche Bevölkerungen“ und beteiligte sich mit Dietrich Rüschemeyer und Peter Heintz an Königs Bänden über Praktische Sozialforschung (1952/1957; 1956). Als Assistent von König konnte er nicht nur von dessen internationalem Renommee profitieren, König drängte ihn und seine anderen Schüler zudem, auf internationalen Kongressen Präsenz zu zeigen. Auch die Beteiligung am Fischer-Lexikon gehörte zur Förderung dazu, es schrieben in der Neuausgabe von 1967 neben König und Scheuch auch Lepsius, Bolte, Rüschemeyer, Silbermann, Ziegler und Willems. Nach einem weiteren Aufenthalt in den USA wurde Scheuch 1961 mit einer Arbeit über Skalierungsverfahren habilitiert und erhielt im selben Jahr einen Ruf als Dozent nach Harvard. 1964 holte ihn König nach Köln zurück. Ein Jahr später gründete Scheuch als Ordinarius das Institut für international vergleichende Sozialforschung. Gleichzeitig kam es jedoch zu erheblichen Konflikten zwischen Scheuch und König, die sich aufgrund der unterschiedlichen Bewertungen der Studierendenproteste 1968 weiter zuspitzten. Als „Kampforganisation“ gegen die Linke gründete Scheuch mit Wilhelm Hennis, Hermann Lübbe und Ernst Nolte den Bund Freiheit der Wissenschaft. 1970 wurde er Interims-Vorsitzender der DGS. Will man die Beziehung von König und Scheuch sowie die zu vielen anderen Schülern in wissenschaftlicher Hinsicht zusammenfassen, so war es König, der mit Nachdruck die empirische Sozialforschung anregte, verteidigte und förderte, die Schüler hingegen diejenigen, die sie ausführten und professionalisierten.

Die Wirkung der Kölner Schule bzw. überhaupt der paradigmatische Zusammenhang, den man als „Schule“ bezeichnen könnte, bezieht sich demzufolge zum Großteil weniger unmittelbar auf das breite intellektuelle Feld Königs, also die Durkheim-Tradition, die moralistische Gegenwartswissenschaft oder die enge Verzahnung mit der Ethnologie, sondern vielmehr auf Königs angestoßene, mit moralischem, demokratischem und gesellschaftskritischem Impetus versehene empirische Sozialforschung und reicht ungefähr bis Mitte der 1970er-Jahre. Es war also in den Folgejahren weniger Königs breit aufgefächertes Soziologieverständnis als vielmehr Scheuchs liberalkonservative Auffassung von Soziologie als positivistische, insbesondere quantitativ verfahrende Wissenschaft, die die Wahrnehmung der Kölner Schule – auch in Retrospektiven und soziologiehistorischen Darstellungen – lange Zeit prägte. Oft verband sich dies Rezeption der Kölner Soziologie mit Amerikanisierungsvorwürfen (vgl. Nolte 2000, S. 243; Gerhardt 2009, S. 223 ff.). Im Zuge dieser spezifischen Rezeption ist Königs gesellschaftspolitisches Engagement, die von ihm vertretenen Theorietraditionen, seine Auffassung von Soziologie als „kritischer Wissenschaft“, sein spezifisches Verständnis von Positivismus und Empirie sowie seine Kritik an der „Fliegenbeinzählerei“ aus dem Blick geraten, was nicht nur den spezifischen Kräfteverhältnissen, Diskursstrategien und Kontroversen im soziologischen Feld der Zeit geschuldet ist, in dem König mit dem Bannstrahl des politisch höchst problematischen Positivisten belegt wurde, sondern auch den diesem Verdikt folgenden Rezeptionslinien und soziologiegeschichtlichen Narrativen der folgenden Jahrzehnte. Vielleicht wird sich das jedoch in den kommenden Jahren durch die nun fertiggestellten „Schriften von René König aus letzter Hand“ (VS Verlag) ändern.

Frankfurter Schule – Max Horkheimer (1895–1973)/Theodor W. Adorno (1903–1969)

Die wohl am gründlichsten erforschte soziologische Denkschule der Zeit nach 1945 geht auf das 1924 in Frankfurt gegründete Institut für Sozialforschung (IfS) zurück (vgl. Jay 1973, 1981; Wiggershaus 1988, 2001; van Reijen und Schmid Noerr 1990; Albrecht et al. 1999; Demirović 1999; Albrecht 2016). Dabei ist auch hier der Begriff der Schule erst eine spätere Etikettierung (vgl. Albrecht 1999a, S. 32, 34), die zuweilen die Differenzen zwischen den Akteuren zu verwischen droht. Und eigentlich geht diese (Denk-)Schule – zumindest ihrem Selbstverständnis nach – über die bloße Soziologie hinaus, sie verstand sich vielmehr als eine „Infragestellung der Soziologie als Einzeldisziplin vom Standpunkt einer umfassenden ‚Theorie der Gesellschaft‘“ (Rehberg 1986, S. 11; vgl. auch Demirović 1999) mit empirischen Bezug.

Nachdem Carl Grünberg, der erste Direktor des von Felix Weil finanziell ermöglichten Instituts, 1928 einen Schlaganfall erlitten hatte, übernahm Anfang der 1930er-Jahre Max Horkheimer die Leitung. Das Publikationsorgan des Instituts war die 1932 erstmals erscheinende Zeitschrift für Sozialforschung, die auch im Exil bis 1941 weiter herausgegeben wurde. Zu den zentralen Akteuren des IfS bzw. im Umkreis des IfS und der Zeitschrift für Sozialforschung gehörten in der Zwischenkriegszeit neben Horkheimer unter anderem Friedrich Pollock, Erich Fromm, Otto Kirchheimer, Franz Neumann, Henryk Grossmann, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal, Siegfried Kracauer, Walter Benjamin und Adorno (vgl. Albrecht 1999a, S. 31). Anfang der 1930er-Jahre, als sich die Machtergreifung der Nationalsozialisten immer deutlicher abzeichnete, wurde das Stiftungsvermögen ins Ausland gebracht und Zweigstellen des IfS in Genf, London und Paris gegründet. Dadurch war die Existenz des IfS erst einmal gesichert. Bereits im März 1933 schlossen die Nazis das Institut. Horkheimer ging ins Exil in die USA. Im Sommer 1934 wurde dann eine Zweigstelle an der Columbia University in New York eröffnet, die in Folge den Hauptsitz des IfS bildete. 1940 ging es nach Pacific Palisades in Kalifornien (vgl. Schmid Noerr 1988; Homann 1999; Ziege 2009). In Kalifornien wurde auch das „Dokument der unmittelbarsten Kooperation“ (Steinert 2007, S. 11) zwischen Horkheimer und Adorno verfasst und 1947 im Amsterdamer Querido Verlag veröffentlicht: Die Dialektik der Aufklärung. Im Mittelpunkt steht die Analyse der Kehrseite der Aufklärung, die Herrschaft instrumenteller Vernunft und die durch die Kulturindustrie beförderte Degenerierung von Kultur und Kunst zur bloßen Unterhaltung (vgl. Moebius 2010, S. 47 ff.). Noch während der Arbeit an der Dialektik der Aufklärung entstanden, finanziert durch das American Jewish Committee (AJC), die von Horkheimer und Samuel H. Flowerman herausgegebenen, mehrbändigen Studies in Prejudice (erschienen 1950), die dem Institut die US-amerikanischen Methoden der empirischen Sozialforschung näher brachten und Horkheimers Hoffnung auf eine „Kombination europäischer Ideen und US-amerikanischen Methoden“ nährten (vgl. Wiggershaus 1988, 2001, S. 456; vgl. auch S. 390 ff., 454 ff.).

Eine Gemeinsamkeit zwischen der Kölner und der Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno war nach dem Zweiten Weltkrieg und der Remigration in die BRD der Versuch, mit Soziologie und empirischer Sozialforschung die gesellschaftliche Kultur der jungen Bundesrepublik mitzugestalten und „zur Demokratisierung der deutschen Gesellschaft beizutragen“ (Demirović 1999, S. 956). Horkheimer versuchte gar, König zur Zusammenarbeit beim 1951 wiedereröffneten Institut und bei der „Entwicklung von Research-Methoden“ zu gewinnen (vgl. Albrecht 1999b, S. 157 f.). Dieser wiederum lobte die große empirische Studie des Instituts, das „Gruppenexperiment“ (Pollock 1955), was die anfängliche Nähe zwischen König und den Frankfurter in den 1950er-Jahren zeigt – nicht zuletzt auch begründet im gemeinsamen Bestreben einer kritischen Vergangenheitsbewältigung (vgl. Albrecht 1999b, S. 159). Ab Mitte der 1950er-Jahre nahmen jedoch die Abgrenzungs- und Konkurrenzdynamiken zwischen den Schulen Köln, Frankfurt und Münster/Dortmund Fahrt auf (vgl. Rammstedt 1998, S. 272 ff.; Albrecht 1999c, S. 174 ff.). Anfangs latent bestehende Unterschiede in der Beurteilung, der theoretischen Ausrichtung und den Institutionalisierungsbemühungen der Soziologie verdichteten sich schließlich zu Kämpfen um Definitions- und Repräsentationsmacht im soziologischen Feld, verdichtet im Positivismusstreit (vgl. Rammstedt 1998, S. 273; Moebius 2015, S. 9–33).

Das Besondere der Frankfurter Soziologie lag jedoch nicht in genuin wissenschaftlichen Positionen, denn es war eben nicht die Kritik der empirischen Sozialforschung, die sozialpsychologische oder sozialphilosophische Orientierung, die das intellektuelle Profil der Frankfurter Schule ausmachten, sondern die Politisierung dieser wissenschaftlichen Theorien durch einen vagen Marxismus. Dieses bewußte Bekenntnis zu weltanschaulichen Positionen bildet eine Voraussetzung für die Transformation der akademischen Schule in ein intellektuelles Lager. Die Frankfurter Schule vollzog im Vergleich zu anderen Schulen diesen Schritt als erste, während Köln und Dortmund mit den entsprechenden politischen Gegenpositionen und Popularisierungsversuchen nachziehen mußten. (Albrecht 1999c, S. 179)

1949 wurde Horkheimer auf einen Doppellehrstuhl für Soziologie und Philosophie in Frankfurt am Main berufen, Adorno wurde 1953 zum außerordentlichen Professor für Philosophie und Soziologie ernannt. Zu den zentralen Repräsentanten der auch mit dem Etikett der „Kritischen Theorie“ versehenen Frankfurter Schule zählten nach 1945 neben Horkheimer und Adorno insbesondere Herbert Marcuse, zu dem noch Kontakte in die USA bestanden, und Jürgen Habermas, der 1956 Mitarbeiter am IfS und Assistent von Adorno wurde (vgl. Müller-Doohm 2014, S. 103 ff.; Wiggershaus 1988, 2001, S. 597 ff.). Von Horkheimer für zu links befunden, habilitierte sich Habermas mit Strukturwandel der Öffentlichkeit 1961 schließlich bei Wolfgang Abendroth, Kopf der marxistisch orientierten Marburger Schule (vgl. Peter 2014). Habermas wandte sich später mit seiner Kommunikationstheorie zunehmend vom „Erbe der Kritischen Theorie“ ab (vgl. Demirović 2012, S. 41) und verstand sich selbst auch nicht mehr dazugehörig (vgl. Müller-Doohm 2015).

Mitte der 1960er-Jahre avancierte die Frankfurter Schule, insbesondere Adorno und seine Schülerschaft, immer mehr zu einer politischen und „moralischen Instanz mit öffentlicher Ausstrahlung, die gleichzeitig polarisierend wirkte, also zum Bekenntnis oder zur Ablehnung drängte und sich im Positivismusstreit oder in der Studentenrevolte ihre Gegenlager überhaupt erst schuf.“ (Albrecht 1999c, S. 188) Im Zuge der Studentenbewegung mit ihren Hochburgen West-Berlin und Frankfurt am Main wurde das IfS sowie Schriften Marcuses (v. a. One Dimensional Man 1964, dt. 1967) als „theoretischer Überbau“ der Protestbewegung wahrgenommen, obgleich die Beziehungen weitaus komplexer waren (vgl. Demirović 1999, S. 856 ff.; Kraushaar 1998). Sie reichten von anfänglichen Annäherungen sowie von Versuchen, aus der Kritischen Theorie politische Praxis abzuleiten, bis hin zum Zerwürfnis, das sich unter anderem in Habermas’ Vorwurf des Linksfaschismus und Adornos polizeilicher Räumung der Institutsräume von protestierenden Studierenden ausdrückte (vgl. Demirović 1999, S. 910 ff.).

1969 starb Adorno. Habermas ging Anfang der 1970er-Jahre an das „Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt“ nach Starnberg. Die Kritische Theorie aber wirkte anderweitig fort und entfaltete eine noch größere Breitenwirkung – sei es in andere Fachdisziplinen wie etwa die Erziehungswissenschaften oder in diverse intellektuelle Räume und Öffentlichkeiten wie Feuilletons oder Radio (vgl. Albrecht et al. 1999; Albrecht 1999d, S. 525 ff.; Boll 2004, S. 158 ff.), was neben einer einsetzenden Historiographie der Schule (und der damit einsetzenden Etikettierung als Schule) auch – wie in den 1990ern – mit „Wiederentdeckungen“ Kritischer Theoretiker wie Walter Benjamin oder Siegfried Kracauer einherging.

Seit 2004 existiert die vom IfS herausgegebene Zeitschrift WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung, die in ihrer interdisziplinären und gesellschaftskritischen Ausrichtung an die frühere Zeitschrift für Sozialforschung anschließt. Das IfS wird seit 2011 von Axel Honneth als geschäftsführenden Direktor geleitet. Neben seinen anerkennungstheoretischen Arbeiten (vgl. Honneth 1994) gibt es zahlreiche andere Ansätze sowohl älterer wie jüngerer (Ex-)Frankfurter, die die Frankfurter Schule bzw. die Kritische Theorie weiterhin als Inspiration und fruchtbaren Ausgangspunkt kritischer Gesellschaftstheorie betrachten, so dass eine konsistente, lineare Genealogie der Kritischen Theorie kaum geschrieben werden kann, vielleicht nicht einmal werden sollte (vgl. Demirović 2012).

Münster – Helmut Schelsky (1912–1984) und sein Kreis

Neben König und Adorno/Horkheimer war es insbesondere Helmut Schelsky (1912–1984), der für die Soziologie und ihre öffentliche Wahrnehmung zu Beginn der Bundesrepublik prägend und entscheidend wurde. Hierbei spielten insbesondere Schlagworte und Bücher wie die „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“, Die skeptische Generation (1957), Soziologie der Sexualität (1955) oder Ortbestimmung der deutschen Soziologie (1959) eine zentrale Rolle (vgl. Schäfer 2015a, S. 2; Wöhrle 2015).

Schelsky wird in der Fachliteratur neben seinen Lehrern Hans Freyer und Arnold Gehlen zur so genannten Leipziger Schule der Soziologie gezählt (vgl. Rehberg 2000) und war wie seine Lehrer ebenfalls nationalsozialistisch aktiv (vgl. Schäfer 2014, 2015b, S. 314 ff.; 2015). In der Nachkriegszeit avancierte Schelsky dann zum regelrechten „Starsoziologen“ (Schäfer 2015a):

Ohne sein konservatives Fundament aufgeben zu müssen, beteiligte er sich kreativ an der Gründung von Institutionen (Universität Bielefeld, Zentrum für interdisziplinäre Forschung/ZIF) und erwies sich über nahezu drei Jahrzehnte als Stichwortgeber für die sozialwissenschaftlicher Diskussion. Er war bis in die 1970er-Jahre hinein im Feuilleton und in den politischen Diskursen präsent, verlor dann aber seine frühere Offenheit und Toleranz, die er in den ersten beiden Jahrzehnten noch an den Tag gelegt hatte. […] Seine polemischen Interventionen bringen ihn auf das Gleis der ‚Anti-Soziologie‘, ohne dass er selbst aufhört, Soziologie zu treiben. (Schäfer 2015a, S. 2)

1948 zum Soziologie-Professor an die „Akademie für Gemeinwirtschaft“ berufen (vgl. Borries-Pusback 2002, S. 199 ff.), baute er dort den für seine empirische Ausrichtung und die folgenden familien-, jugend-, bildungs- und betriebssoziologischen Forschungen zentralen, im – wie er selbst sagt – Krieg und als Rot-Kreuz-Helfer erlangten „Realitätsdrall“ (Schelsky 1981, S. 74) weiter aus. 1953 wechselte er an die Universität Hamburg. Für die wissenschaftliche Laufbahn nach 1945 kam ihm nicht nur sein Engagement beim Suchdienst des Roten Kreuzes zu Gute, sondern – unmittelbar auf die Wissenschaft bezogen – ebenfalls sein gemeinsam mit Gehlen unmittelbar nach dem Krieg in der American Library Karlsruhe erworbenes Wissen über den angloamerikanischen Forschungsstand (vgl. Schäfer 1988, S. 150 ff., 2015a, S. 10 f.).

Berühmt gewordene Begriffe wie „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ und „skeptische Generation“ stammen (siehe dazu ausführlicher Wöhrle 2015, S. 125 ff. bzw. 87 ff.) aus seiner „Hamburger Phase“ (Schäfer) und erfuhren auch deswegen so viel Aufmerksamkeit, weil er damit „unabhängig von der Stimmigkeit und Realitätsadäquanz der Fügungen – ein verbreitetes Gefühl bündeln konnte und damit auf verknüpfbare Zukunftserwartungen mit Aufstiegshoffnungen traf“ (Schäfer 2015a, S. 7).

Aber auch als Hochschullehrer war er durch zahlreiche Habilitationen und Promotionen wirkmächtig (vgl. Schäfer 2015a, S. 20 f.) und förderte neben Gerhard Wurzbacher, Rudolf Tartler, Janpeter Kob, Heinz Kluth, Friedrich Jonas, Hans-Jürgen Krysmanski, Renate Krysmanki, Lars Clausen, Luc Jochimsen, Renate Rausch, Thomas Neumann und vielen anderen ebenso Ralf Dahrendorf, Hans Paul Bahrdt, Heinrich Popitz oder etwa auch Arno Klönne (vgl. Schäfer 2015a, S. 3). Wesentlich trug zu dieser Funktion als Förderer auch die 1960 mit einer Professur an der Universität Münster verbundene Leitung der 1946 gegründeten „Sozialforschungsstelle an der Universität Münster zu Dortmund“ bei (vgl. Sahner 1982, S. 71; Neuloh 1983, S. 41 ff.; Dammann und Ghonghadze 2016; im Folgenden verkürzt „Sozialforschungsstelle“). Hier entstanden zahlreiche sozialwissenschaftliche Großprojekte, die von industrie-, kirchen-, verwaltungs- bis hin zu gemeindesoziologischen Forschungen reichten. Die Münsteraner Soziologie wurde mit der Berufung von Dieter Claessens (Ruf 1962) sowie Heinz Hartmann (Ruf 1964) verstärkt, die dann als Mitdirektoren (ab 1967 statt Claessens Joachim Matthes) der Sozialforschungsstelle gemeinsam mit Schelsky vorstanden.

Mitte der 1960er-Jahre erhielt Schelsky vom damaligen Kultusminister Nordrhein-Westfalens, Paul Mikat, den Planungsauftrag für die Universität Bielefeld (vgl. Mikat und Schelsky 1966; Lübbe 1986), im Zuge dessen er auch zur Berufung von Professoren wie Niklas Luhmann oder Hermann Lübbe beitrug (vgl. Wöhrle 2015, S. 23). Bereits Ende der 1960er-Jahre verabschiedete sich Schelsky (1969) jedoch wieder enttäuscht von der Hochschulpolitik. 1970 wurde er selbst nach Bielefeld berufen, das Zerwürfnis mit der von ihm gegründeten Fakultät für Soziologie (Bericht Der Spiegel vom 19.11.1973, S. 92 f.) ließ ihn jedoch 1973 um Versetzung als Rechtssoziologe zurück an die Universität Münster bitten.

Ende der 1950er-Jahre deuteten sich in Schelskys Ortsbestimmung der deutschen Soziologie (vgl. Schelsky 1959, S. 99; Schäfer 2013, S. 200 ff.) bereits dessen spätere antisoziologischen Invektiven an (vgl. Rehberg 2010; Wöhrle 2015, S. 154 ff.). Deutlichen Ausdruck erfuhren diese dann in Rückblicke eines „Anti-Soziologen“ (Schelsky 1981), unter anderem eine Auseinandersetzung mit M. Rainer Lepsius über die Soziologiegeschichtsschreibung der BRD, sowie in Die Arbeit tun die anderen. Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen ([1975] 1977), eine Schrift, die nicht nur Schelskys Verbitterung über die Entwicklung der Soziologie offenbarte, sondern ebenso eine klare Kritik oder gar einen „Kreuzzug“ (Prisching 1985, S. 78) gegen einen vermeintlichen Linksdrall der Gesellschaft enthielt.

Nach seiner Emeritierung wurde Schelsky 1978 Honorarprofessor für Rechtssoziologie am Institut für Rechtsphilosophie der Karl-Franzens-Universität Graz.

Ob man von einer Schelsky-Schule im engeren Sinne sprechen kann, ist umstritten. Zwar hatte er nach Aussagen seiner Zeitgenossen gewiss das Charisma eines Schuloberhaupts und man könnte vielleicht die Zeitschrift Soziale Welt für eine gewisse Zeitspanne als eine Art Zeitschrift einer „Münsteraner Schule“ betrachten (vgl. Neuloh 1983, S. 63 ff.), allerdings fehlte es an einer stärkeren Rezeption und öffentlichen Vertretung seiner Leitideen durch eine Schülerschaft, wie dies im Fall der Kölner etwa die von König forcierte, mit moralischem Impetus versehene empirische Sozialforschung darstellte (vgl. Mozetic 1985, S. 31 ff.). Die „transzendentale Theorie der Gesellschaft“ (Schelsky 1959, S. 99 ff.) wurde jedenfalls auch von ihm selbst nicht weiterverfolgt und lediglich wenige wie Bernhard Schäfers oder Volker Gerhardt haben diesen Gedanken produktiv aufgegriffen. An seine institutionentheoretischen Überlegungen, die eigentlich vielfach anschlussfähig gewesen wären (vgl. Wöhrle 2015, S. 173 ff.), wurde ebenfalls nicht von einer größeren Schülerschaft systematisch angeknüpft. Die Interessen Schelskys und seines „Clusters“ (Sahner) waren für eine regelrechte Schulbildung offensichtlich zu heterogen und zu weit gestreut (vgl. Mozetic 1985, S. 33), was aber nicht verhinderte, dass er viele jüngere Soziologinnen und Soziologen um sich versammelte, faszinierte und förderte. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn einige Soziologiehistoriker zwar nicht von einer Schule, aber von einem Schelsky-Kreis sprechen oder Schelsky aufgrund seiner mit Gehlen geteilten anthropologisch-institutionentheoretischen Leitkonzeption vielmehr als einen wichtigen Angehörigen einer anderen Denkschule betrachten (vgl. Fischer (2006a), der Denkschule der Philosophischen Anthropologie.

Denkschule der Philosophischen Anthropologie

Wie insbesondere Joachim Fischer (2006a, 2009, 2015) in unterschiedlichen Aufsätzen zur bundesrepublikanischen Soziologie unterstrichen hat, lässt sich neben der Frankfurter und der Kölner Schule noch eine dritte, für die westdeutsche Soziologie wirkmächtige „Denk-‚Schule‘“ ausmachen (vgl. Rehberg 1981; 1993, S. 756): die Philosophische Anthropologie. Zentrale Akteure dieses Denkansatzes sind in der Soziologie nach 1945 die rivalisierenden Akteure Helmuth Plessner und Arnold Gehlen sowie der „vermittelnde“, „hochbegabte Nachwuchsdenker“ (Fischer 2006a, S. 336, 327) Helmut Schelsky. Die Entstehung dieses Denkansatzes, ihr trotz mancher Differenzen deutlich erkennbarer „Identitätskern“ (Fischer 2006b, S. 526 ff.) und ihre „Denkmotive“ (Eßbach 1994, 2005) gehen zurück auf die bereits Ende der 1920er-Jahre zeitgleich, aber unabhängig voneinander entwickelten Überlegungen von Max Scheler (Die Stellung des Menschen im Kosmos, 1928) und Helmuth Plessner (Die Stufen des Organischen und der Mensch, 1928) in Köln sowie deren Austausch mit dem Tierforscher F.J.J. Buytendijk und dem Philosophen Nicolai Hartmann (vgl. Fischer 2006a, S. 324, 2006b, S. 23 ff.).

Plessner und Gehlen, die beide nach 1945 von der Philosophie zur Soziologie übergingen (Göttingen, Speyer/Aachen), standen im rivalisierenden Erbe um Max Scheler, der in den 20er-Jahren eine Lehre des Menschen als von Natur aus ‚weltoffenen‘ Lebewesen entwickelt hat, das in der Moderne um eine ‚stabilisierte Spannung‘ verschiedenster Differenzierungsachsen ringen müsse (‚Mensch im Weltalter des Ausgleichs‘; Scheler 1929/1976). Da das menschliche Lebewesen von seiner Konstitution her überhaupt nur indirekt im Umweg über künstliche Institutionen und Rollen existieren könne, könne es auch die extremen Spannungen der weltgesellschaftlichen Moderne zum ‚Ausgleich‘ bringen. (Fischer 2015, S. 83)

Eine frühe Etablierung der „Kölner Konstellation zwischen Plessner, Scheler und Hartmann“ (Fischer 2014, S. 90 f.) als Schule wurde jedoch durch Schelers plötzlichen Tod 1928 sowie durch dessen Plagiatsvorwurf gegen Plessner verhindert (vgl. Fischer 2006a, S. 325). Gehlen wiederum unterließ in der ersten Auflage seines philosophisch-anthropologischen Hauptwerks Der Mensch (1940) jedweden Hinweis auf die Theorievorgänger (vgl. Fischer 2006a, S. 328), was die Wahrnehmung als eigenständige Denkschule erschwerte.

Das änderte sich jedoch in der Soziologie nach 1945 (vgl. Fischer 2015). Zusammen mit Schelsky brachte Gehlen 1955 das erste soziologische Lehrbuch der BRD, Soziologie. Ein Lehr- und Handbuch zur modernen Gesellschaftskunde, heraus. Auch die erste soziologische Nachkriegskontroverse, die durch Dahrendorfs Homo sociologicus (1958. 2010) ausgelöste Rollendebatte (vgl. Fischer 2010), zeigte eine Wahlverwandtschaft zwischen den Akteuren dieser Denkschule auf, zu der neben Plessner, Gehlen und Schelsky insbesondere auch Heinrich Popitz, Hans Paul Bahrdt, Friedrich Tenbruck, Dieter Claessens, Thomas Luckmann und Peter Berger gezählt werden. Zentrale Themen des Denkansatzes waren nach Fischer (2006a, S. 330) unter anderem Institution, Familie, Körper (Sport und Sexualität), Recht und dann – von den Plessner-Schülern Heinrich Popitz und Hans Paul Bahrdt fokussiert – auch Technik, Industriearbeit, Stadt und Macht. „Die Philosophische Anthropologie wurde anziehend für die jüngeren Soziologen, die mit Schelsky einen ideologiefreien Drall zur Wirklichkeit hatten und die empirische Soziologie aus einem phänomenologisch-anthropologischen Hintergrund heraus als eine insgesamt die Grundzüge der Moderne bejahende Theorie betrieben (Popitz, Bahrdt, Tenbruck, Claessens, Berger/Luckmann).“ (Fischer 2015, S. 84) Wobei nicht aus dem Blick geraten darf, dass viele der genannten Akteure durchaus (in unterschiedliche Richtungen) politisch Stellung bezogen und dieser gern betonte „ideologiefreie Realitätsdrall“ natürlich selbst eine „ideologische Dimension“ (Nolte 2000, S. 238) in sich barg. Inwieweit die Proklamierungen, näher an der Realität zu sein als etwa marxistische Analysen, einer pseudo-versachlichten, ebenfalls ideologischen Perspektive entspringen, wäre jedenfalls eine interessante Frage für eine wissenssoziologisch orientierte Soziologiegeschichte.

Marburger Schule – Wolfgang Abendroth (1906–1985) / Heinz Maus (1911–1978) / Werner Hofmann (1922–1969)

Unter „Marburger Schule“ versteht man jene marxistisch orientierte sozialwissenschaftliche Traditionslinie, die „1951 mit der Berufung Abendroths als ordentlichen Professor auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für ‚Wissenschaftliche Politik‘ begann und die in den Jahren nach 2000 endete“ (Peter 2014, S. 12). Ein Spezifikum der Marburger Schule ist Lothar Peter zufolge, dass ihre Akteure „die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit nicht nur interpretieren, sondern auch explizit durch ihre wissenschaftliche Praxis verändern wollten.“ (Peter 2014, S. 19) Umstritten ist in der soziologiehistorischen Forschung, ob aufgrund der großen Bedeutung und Schülerschaft Abendroths statt von einer Marburger nicht eher von einer „Abendroth-Schule“ gesprochen werden sollte. Für die Bezeichnung „Marburger Schule“ spricht unter anderem jedoch, dass sich die von den frühen Repräsentanten der „Marburger Schule“ forcierte „wissenschaftlich-politische Orientierung“ auch nach deren Tod über mehrere Jahrzehnte fortsetzte (Peter 2014, S. 13 f.).

Zu den Repräsentanten der ersten Generation gehört das „Marburger Dreigestirn“ (Schäfer 2006) Wolfgang Abendroth, Werner Hofmann und Heinz Maus. Die Bildung der „Marburger Schule“ begann mit Abendroths Berufung zu Beginn der 1950er-Jahre. Abendroth, der 1937 von der Gestapo verhaftet wurde und später zu den griechischen Partisanen der ELAS überlaufen konnte, gehörte weder zu den „Dabeigewesenen“ noch zu den Emigrierten, sondern – recht selten in der deutschen Soziologie – zum aktiven Widerstand. 1948 wurde er Extraordinarius für Völkerrecht in Leipzig, im selben Jahr Professor für Öffentliches Recht an der Universität Jena, floh dann aber Ende 1948 wegen seiner illegalen SPD-Mitgliedschaft aus der SBZ in den Westen, wo er einen Ruf an die Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven erhielt (seit 1956 Hochschule für Sozialwissenschaften). 1950 wurde er in Marburg zum Professor für Politische Wissenschaft berufen (vgl. Peter 2014, S. 24) und war damit in der Nachkriegssoziologie neben Otto Stammer auch einer der Hauptvertreter der Politischen Soziologie.

Auch wenn dies von seinen Gegnern gerne ausgeblendet wird, stand Abendroth fest zum Grundgesetz der BRD, das für ihn „die verfassungsmäßige Legitimation für eine staatlich vermittelte Aus- und Umgestaltung der Gesellschaft“ lieferte (Peter 2014, S. 28). Zentraler Akteur der Umgestaltung war für ihn die Arbeiterbewegung, über die er viel beachtete Studien verfasste, zu nennen ist hier insbesondere die Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung (1965). Andere Arbeiten behandelten etwa Die deutschen Gewerkschaften (1954), Bürokratischer Verwaltungsstaat und soziale Demokratie (1955), Aufstieg und Krise der deutschen Sozialdemokratie (1964), Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie in der Bundesrepublik (1965) oder Das Grundgesetz. Eine Einführung in seine politischen Probleme (1966). Eine Sammlung bedeutender Beiträge kam 1967 in der Luchterhand-Reihe Soziologische Texte unter dem Titel Antagonistische Gesellschaft und politische Demokratie. Aufsätze zur politischen Soziologie heraus.

Erste im akademischen Feld erfolgreiche Schüler des „marxistischen Intellektuellen“ Abendroth (vgl. Bock 2001a) waren Kurt Lenk, Hans-Gerd Schumann, Werner Link und Arno Klönne. Allmählich entstand dann eine konturbildende, sich in Richtung Marxismus bewegende Gruppe, zu der unter anderem Karl Hermann Tjaden, Margarete Tjaden-Steinhauer, Frank Deppe, Kurt Steinhaus, Georg Fülberth, Dieter Boris, Jürgen Harrer, Gert Meyer, Eberhard Dähne und Lothar Peter gehörten (vgl. Peter 2014, S. 37, 101 f.). Diese Gruppe, von der alle auch im SDS aktiv waren, bildete dann Mitte der 1960er-Jahre – bei aller Heterogenität (vgl. Bock 2001b) – den Kern der epistemischen Gemeinschaft der „Marburger Schule“. Deren Charakteristikum fasst Peter (2014, S. 102) durch „Aneignung marxistischer Theorie, politischem Engagement, Anerkennung der Theorie von Marx und Engels als Basis der eigenen wissenschaftlichen Arbeit, intellektuelle Loyalität gegenüber der Arbeiterbewegung, theoretische und praktische Mitwirkung an gewerkschaftlichen Aktivitäten, Solidarität mit antikolonialen Befreiungsbewegungen und Antikapitalismus“ zusammen.

1960 wurde Heinz Maus mit Unterstützung von Abendroth, Stammer und Horkheimer auf einen Lehrstuhl für Soziologie nach Marburg berufen. Er hatte Anfang der 1930er-Jahre noch bei Horkheimer und Karl Mannheim studiert, später auch bei Hans Freyer und bezeichnete sich selbst als Horkheimer-Schüler (vgl. Greven und Moetter 1981, S. 12). Während des Nationalsozialismus wurde er zweimal verhaftet. Ende der 1930er-Jahre ging er für kurze Zeit nach Oslo an das von dem ehemaligen Tönnies-Schüler Ewald Bosse gegründete Institut für Gesellschaftsforschung und Arbeitswissenschaft (vgl. Römer et al. 2012, S. 108 ff.). Maus promovierte 1941 mit einer Arbeit über Schopenhauer und arbeitete nach 1945 zunächst beim Arbeitsamt in Mainz (zum Folgenden Schäfer 2006, S. 52). Er war einer der ganz wenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der wiederbegründeten DGS eine soziologische Analyse der nationalsozialistischen Herrschaft anzuregen versucht hatten, fand aber damit kein Gehör (vgl. Greven und Moetter 1981, S. 14–19). 1949 wurde Maus Dozent an der Journalistenschule in Aachen, wechselte dann auf eine Assistentenstelle bei Ernst Niekisch an die Humboldt-Universität in Ost-Berlin und wurde schließlich Mitarbeiter bei Horkheimer am IfS – eine Zeit und Erfahrung, die ihn stark prägte und eigentlich als einen zwischen Marburger und Frankfurter Schule stehenden soziologischen Akteur ausweist. Zu seiner Wirkung in die Fachdisziplin gehört insbesondere sein Engagement bei der Übersetzung und Publikation zentraler Werke im Rahmen der im Luchterhand erschienenen, mit Friedrich Fürstenberg und Frank Benseler herausgegebenen Reihe der Soziologischen Texte (vgl. Römer 2015). In dieser Reihe wurden vielfach Klassiker wie etwa Durkheim oder andere internationale sozialwissenschaftliche Literatur erstmalig einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht. Neben der Vermittlung der französischen und US-amerikanischen Soziologie war Maus auch für die Soziologiegeschichte federführend, man denke an seine kenntnisreiche „Geschichte der Soziologie“ (1955) im Handbuch des von 1952–1956 in Nürnberg lehrenden Werner Ziegenfuß. Und schließlich sei noch das von René König herausgegebene Handbuch der empirischen Sozialforschung genannt, das auf die Initiative von Maus zurückgeht. Wie für Hofmann und Abendroth stellte für Maus die marxistische Theorie einen zentralen Eckpfeiler sozialwissenschaftlicher Gesellschaftskritik und Gesellschaftsdiagnose dar (vgl. Peter 2014, S. 75).

Hofmann absolvierte nach dem Abitur in Hamburg ein Examen als Dolmetscher für Englisch, Französisch und Italienisch (vgl. zum Folgenden Hofmann-Göttig 1999, S. 29 ff.; Schäfer 2006, S. 54 ff.). 1948 schloss er sein Studium der Nationalökonomie in München ab, Soziologie hörte er dort bei Alfred von Martin. Eine 1950 verfasste Dissertation blieb in Leipzig, wohin Hoffmann aus politischer Überzeugung gegangen war, unbegutachtet; mangels materieller und akademischer Basis floh er 1951 mit seiner Familie aus dem Osten nach München, wo er 1953 bei Adolf Weber über die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung promovierte (vgl. Hofmann-Göttig 1999, S. 31). Mit Hans Raupach wechselte er 1955 an die Hochschule für Sozialwissenschaften nach Wilhelmshaven und habilitierte sich dort 1958 mit „Die Arbeitsverfassung der Sowjetunion“ (1956) in Volkswirtschaft und Wirtschaftssoziologie. Als die Wilhelmshavener Hochschule 1962 in die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Göttingen eingegliedert wurde, wechselte auch Hofmann dorthin, wo er 1964 zum apl. Prof. ernannt und die venia legendi „auf das Gesamtgebiet der Soziologie erweitert“ wurde (Hofmann-Göttig 1999, S. 31). Mit Fürsprache von Abendroth und Maus berief man ihn 1966 nach Marburg.

Hofmann hatte Anfang der 1960er-Jahre Gesellschaftslehre als Ordnungsmacht (1961) publiziert, ein Buch, in dem er sich kritisch mit der Werturteilsfrage, Neopositivismus und Wissenssoziologie auseinandersetzte (vgl. dazu auch Boris 1999). Weitere zentrale Schriften sind die 1962 erschienene Ideengeschichte der sozialen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Beiträge zur Industriesoziologie, zur Wissenschaftssoziologie, zu Stalinismus und Antikommunismus (1967) und noch heute aktuelle (vgl. Melch 2014) Schriften zur Geschichte, Ideologiekritik und Wissenschaftssoziologie der Nationalökonomie. Grundelemente der Wirtschaftsgeschichte. Ein Leitfaden für Lehrende erreichte eine 100.000er Auflage. Zu erwähnen ist auch der Briefwechsel mit Georg Lukács zu Fragen des Stalinismus und des wissenschaftlichen Ethos (vgl. Hofmann und Lukács 1991). „Hatte Abendroth eine Alternative zum Demokratie- und Sozialstaatsverständnis des akademischen Mainstreams gefordert, so sagte Hofmann seinerseits der herrschenden Lehre in der Nationalökonomie den Kampf an. Ihre Kritik betrachtete er als unabdingbare Voraussetzung für eine sozialökonomisch begründete gesellschaftskritische Soziologie.“ (Peter 2014, S. 43) Neben den wissenschaftlichen Arbeiten engagierte sich Hofmann auch politisch. So initiierte er etwa die Partei Aktion Demokratischer Fortschritt (ADF), ein Zusammenschluss von DFU und DKP und war – wie Maus – in der Anti-Notstands-Bewegung aktiv. Auch war Hofmann Initiator und Vorsitzender des Bundes Demokratischer WissenschaftlerInnen (BDWI), der dann nach seinem Tod 1969 vor allem von Marburgern weiter betrieben wurde und heute noch wirksam ist.

Im soziologischen Feld der bunderepublikanischen Nachkriegszeit existierten mit der Marburger und der Frankfurter Schule also zwei kapitalismuskritisch orientierte intellektuelle Lager. Trotz dieser Gemeinsamkeit kam es kaum zu Kontakten zwischen den beiden Schulen (vgl. Kritidis 2013). In seiner Studie über die Marburger Schule hat Lothar Peter die Differenzen zu Frankfurt herausgearbeitet und stellt unter anderem fest: „Wo Adorno im Spätkapitalismus eine totale Dominanz der Produktionsverhältnisse erblickte, knüpfte Abendroth an die klassische marxistische Auffassung an, dass die vom Kapitalismus selbst entfesselten Produktivkräfte mit der Anarchie kapitalistischer Konkurrenz unvereinbar geworden seien.“ (Peter 2014, S. 81) Auch im Umgang mit den Studentenprotesten 1968 schienen Differenzen auf. Während Adorno das Institut räumen ließ, suchten Hofmann und Abendroth den Kontakt und die Diskussion.

Die Marburger Schule spielte in den soziologischen Fachgesellschaften und Fachkontroversen eine marginale Rolle, was nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass sie von dem Rest der scientific community auf Distanz gehalten wurde, sondern es wurde umgekehrt auch kaum mit den anderen Fachvertretern disputiert, so wäre es „dem wissenschaftlichen und politischen Einfluss der Marburger Marxisten gewiss zuträglich gewesen, wenn sie die Kooperation, den Austausch und die kontroverse Diskussion mit ihren wissenschaftlichen Konkurrenten gezielter gesucht und intensiver betrieben hätten […]“ (Peter 2014, S. 185). Eine der wenigen Ausnahmen war jedoch Tjaden (von 1970–1974 Professor für Soziologie in Marburg, seit 1974 in Kassel), der sich nicht nur an der Theorievergleichsdebatte beteiligte (vgl. Moebius 2016a), sondern unter anderem auch mit seiner Habilitationsschrift Soziales System und sozialer Wandel (1969), einem Sammelband Soziale Systeme (1971) und seinen souveränen Kenntnissen der US-amerikanischen und französischen Soziologie erste Kritiken an systemtheoretischen Ansätzen vorlegte.

3 Regionale Zentren und Akteure der deutschsprachigen Soziologie nach 1945

Berlin – Otto Stammer (1900–1978)

Otto Stammer promovierte 1924 in Leipzig über „Der Staat bei Karl Marx und Friedrich Engels“ und war in der Zwischenkriegszeit aktiver Sozialdemokrat im Deutschen Reich und in Österreich. Er habilitierte sich 1948 an der neu gegründeten Freien Universität Berlin (FU) für das Fach Soziologie, mit einer bereits in den 1930er-Jahren begonnenen Arbeit über Geschichte und Ideologie. Zuvor war er als Redakteur und in der Erwachsenenbildung für die Sozialdemokratie tätig. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten für kurze Zeit inhaftiert, von 1937–1948 arbeitete er in der pharmazeutischen Industrie (vgl. Fijalkowski 1965, S. 8 ff.). 1951 berief man ihn zum außerordentlichen Professor, vier Jahre später wurde er ordentlicher Professor für Soziologie und Politische Wissenschaft an der FU. Stammer übernahm daraufhin auch die Leitung des Instituts für politische Wissenschaft (vgl. Stammer 1960; Fijalkowski 1965, S. 11; Fichter und Lönnendonker 2013, S. 147 ff.; Lönnendonker 2013); darüber hinaus war er maßgeblich bei der Einrichtung eines soziologischen Studiengangs an der FU beteiligt (vgl. Fijalkowski 1965, S. 12). Auf der Mitgliederversammlung des 14. Soziologentags 1959 in Berlin wurde Stammer zum Vorsitzenden der DGS gewählt (bis 1963). In die Zeit seines Vorsitzes fallen die Auseinandersetzungen zwischen König und Schelsky um die Münsteraner Berufung des ehemals nationalsozialistisch aktiven Karl Heinz Pfeffer (vgl. König 2000, S. 187 ff., 407 ff.) sowie der Positivismusstreit (vgl. Moebius 2016a). Stammer bereitete auch den 15. Soziologentag zum 100. Geburtstag von Max Weber 1964 in Heidelberg vor (vgl. Stammer und DGS 1965).

Zu Stammers größten Leistungen für die bundesrepublikanische Soziologie gehört die Etablierung der Politischen Soziologie, deren führender Repräsentant er war. Stammer, der 1954 eine Gastdozentur an der Columbia University in New York innehatte, kannte sich sehr gut mit der Politischen Soziologie in den USA aus und leistete hier erhebliche Vermittlungsarbeit. Publiziert hat er unter anderem über das „Elitenproblem“ (1951), zu „Erkenntnisobjekt und Aufgabenbereich der politischen Soziologie“ (1951), zu „Demokratie und Diktatur“ (1955), „Interessensverbände und Parteien“ (1957), „Politische Soziologie und Demokratieforschung“, „Neue politische Bewegungen“ (1968), den Beitrag „Politische Soziologie“ (1955) in Gehlen und Schelskys Soziologie. Ein Lehr- und Handbuch zur modernen Gesellschaftskunde sowie Politische Soziologie (1972 mit Peter Weingart). Zu seinen Schülern und Schülerinnen gehören etwa Renate Mayntz, Karl Dietrich Brachter, Peter Weingart, Wolfgang Schluchter oder Christian Ludz (vgl. Bleek 2001, S. 288). Nachfolger auf dem Stammer-Lehrstuhl wurde 1969 Hans Peter Dreitzel.

Freiburg im Breisgau – Arnold Bergstraesser (1896–1964)

Arnold Bergstraesser hatte unter anderem bei Max und Alfred Weber studiert, bei Letzterem in Heidelberg habilitiert (vgl. Blomert 1999). In der Zwischenkriegszeit bemühte er sich um den internationalen Wissenschaftsaustauch, insbesondere mit Frankreich, und war einer der Gründer des Akademischen Austauschdienstes. 1937 emigrierte Bergstraesser in die USA und lehrte dort deutsche Kulturgeschichte an den Claremont Colleges in Kalifornien und der Universität Chicago (vgl. Lange 1965; Liebold 2012). Nach Gastprofessuren in Frankfurt/M. und Erlangen Anfang der 1950er-Jahre erhielt er 1954 der Ruf auf eine Professur für wissenschaftliche Politik und Soziologie in Freiburg i.Br. Gleichzeitig wurde er – neben zahlreichen anderen Funktionen in diversen Fachgesellschaften (vgl. Schmitt 1999, S. 221, Fn. 50) – Direktor des Forschungsinstitutes der deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik. Bergstraesser war Gründungsmitglied der Deutschen Vereinigung für die Wissenschaft von der Politik und gilt damit als einer der Gründerväter der bundesrepublikanischen Politikwissenschaften. Man spricht von sogar ihm als „Vater“ einer Freiburger Schule der Politikwissenschaften (vgl. Schmitt 1999; Bleek 2001, S. 269). Von 1955 bis 1959 war er Mitglied im Vorstand der DGS. Darüber hinaus wählte man ihn von 1960–1964 zum Vorsitzenden der deutschen UNESCO-Kommission.

Bergstraesser und sein Schülerkeis ging es zunächst um einen „orientierungswissenschaftlichen Praxis-Anspruch“ und ein „Praxis-Konzept, in dem der ‚Beitrag‘ zur ideellen ‚Verankerung des bestehenden demokratischen Systems‘ im Vordergrund stand“ (Schmitt 1999, S. 230). Seine normativ ausgerichtete Politikwissenschaft orientierte sich an der antiken Philosophie. Zur so genannten politikwissenschaftlichen Freiburger Schule gehörten etwa Kurt Sontheimer, Manfred Hättich, Gottfried-Karl Kindermann, Hans Maier, Hans-Peter Schwarz, Alexander Schwan sowie Dieter Oberndörfer, der dann 1963 nach Freiburg berufen, dort Bergstraessers intellektuelles und institutionelles Erbe antrat (vgl. Schmitt 1999, S. 222 ff.). Die Themen reichten von Demokratietheorie, Politische Bildung, Internationale Politik, Politische Theorie und Philosophie bis hin zu Zeitgeschichte und Vergleichende Regierungslehre, allesamt vereint in dem „forschungsprogrammatisch leitenden Wunsch nach ‚Erhaltung und Kräftigung der rechtsstaatlich-demokratischen Freiheit‘“ (Schmitt 1999, S. 225 f.).

Freiburg i.Br. – Heinrich Popitz (1925–2002)

Popitz studierte unter anderem in Göttingen bei Plessner und Nicolai Hartmann sowie in Basel, wo er 1949 mit Der entfremdete Mensch bei Karl Jaspers promovierte. Die Schrift, die sich insbesondere mit dem damals noch relativ unbekannten Frühwerk von Marx befasst, gehört zur „ersten Welle der Marx-Interpretation nach dem Krieg“ (Pohlmann 2006, S. 17) und wurde 1967 neu aufgelegt. 1951 wurde Popitz dann Mitarbeiter an der Sozialforschungsstelle Dortmund. Wie er selbst mit Blick auf den Wiederbeginn der Soziologie nach dem Zweiten Weltkrieg berichtet, kam für ihn (wie für andere seiner SoziologInnengeneration) der soziologische „Durchbruch“ bei einer

Tagung in Hamburg im Juni 1955 unter dem Titel ‚Norddeutsches Soziologen-Nachwuchs-Treffen‘, veranstaltet von den soziologischen Seminaren Göttingen, Kiel und Hamburg unter der Federführung von Helmut Schelsky. Absicht war, wie es in der Einladung hieß, ‚den wissenschaftlichen Nachwuchs für Soziologie an den norddeutschen Hochschulen einander bekanntzumachen und zur gegenseitigen Aussprache zu führen‘. Darüber hinaus sollte die Tagung ‚den jungen Gelehrten die Gelegenheit bieten, die Ergebnisse ihrer Untersuchungen einer größeren wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorzulegen‘. Beides hatte die Tagung erreicht. Bahrdt und ich begegneten wohl zum ersten Mal gleichaltrigen Soziologen jenseits des Ruhrgebiets. Wir hatten kaum etwas oder gar nichts voneinander gehört. […] Hauptredner waren [Karl Martin] Bolte [Assistent des im NS aktiven Gerhard Mackenroth, seit 1948 Professor für Soziologie und Sozialwissenschaft in Kiel, S.M.], [Heinz] Kluth, [Dietrich] Goldschmidt, [Christian] von Ferber, [Hans Paul] Bahrdt und ich; Zuhörer u. a. [Ralf] Dahrendorf und [Jürgen] Habermas. […] Für manche Beteiligte war dies die Geburtsstunde von Soziologie. […] 1955 kam auch, unabhängig von der Hamburger Tagung, ein industriesoziologischer Gesprächskreis zustande, der sich dann mit einiger Regelmäßigkeit im Frankfurter Institut für Sozialforschung traf. (Popitz 2006, S. 207)

Zu diesem „Industriesoziologenclub“ (Friedeburg 2000, S. 30), aus dem einer der ersten Fachausschüsse der DGS erwuchs (später die Sektion Industriesoziologie (vgl. Lutz 2009, S. 10 f.)), gehörten Soziologen aus ganz unterschiedlichen Schulen und Richtungen (vgl. Friedeburg 2000, S. 30 f., Sauer 2016): Burkart Lutz, Siegfried Braun, Popitz, Bahrdt, Ernst August Jüres, Hanno Kesting und Otto Neuloh, später Kluth, Tartler, Eckart Teschner und Friedrich Weltz; Werner Mangold „kooptierte Habermas und Dahrendorf, später auch Lepsius, Bolte und Ferber“ (Friedeburg 2000, S. 30; vgl. auch Dahrendorf 2002, S. 175 ff.). Ob die gemeinsame, starke industriesoziologische Ausrichtung selbst als eine Denk-Schule beschrieben werden kann, sei einmal dahin gestellt, zumindest lässt sie Popitz und Bahrdt nicht nur als Anhänger einer Denkschule der Philosophischen Anthropologie allein erscheinen.

In dieser „Pionierphase“ (Lutz 2009, S. 3) Anfang der 1950er-Jahre entstanden eine Reihe von industriesoziologischen Forschungen: Zu nennen sind (vgl. Friedeburg 2000, S. 30) beispielsweise die von dem 1948 gegründeten Wirtschaftswissenschaftlichen Institut (WWI) der Gewerkschaften initiierte „Mitbestimmungsstudie“ (1955) von Theo Pirker, Siegfried Braun, Fro Hammelrath, Anneliese Weinzirl und Burkart Lutz (seit 1965 Forschungsdirektor des ISF München (vgl. Sauer 2016); Lutz war von 1983 bis 1986 Vorsitzender der DGS), die „Mannesmann-Studie“ (1955) vom Frankfurter IfS, die von Schelsky geleitete Studie über „Arbeitslosigkeit und Berufsnot der Jugend“ (1952) sowie an der „Sozialforschungsstelle Dortmund“ „Bergmann und Zeche“ (1953) sowie die von der Rockefeller Foundation finanzierten Studien, die Popitz, Bahrdt, Jüres und Kesting durchführten und die dann zu den viel beachteten Publikationen Technik und Industriearbeit sowie Das Gesellschaftsbild des Arbeiters (beide 1957) führten (Bahrdt 1985; Schellhase 1982: 161 ff.). Lepsius schrieb 1954 über Die soziale Stellung des Meisters im Industriebetrieb, Dahrendorf über Industrie- und Betriebssoziologie (1956). Wie Bude und Neidhardt (1998b, S. 409) festhalten, kann die „frühe Industriesoziologie als eigener Beitrag der ‚zweiten Generation‘ zum Selbstverständnis der sich konstituierenden Bundesrepublik betrachtet werden“.

1957 habilitierte sich Popitz bei Arnold Bergstraesser und wurde im selben Jahr in den Vorstand der DGS gewählt. 1959 wurde er Professor der Soziologie in Basel, 1964 Professor in Freiburg i.Br. und zugleich Gründungsdirektor des neu geschaffenen Instituts für Soziologie dort. Im Mittelpunkt von Popitz’ Arbeiten standen später nicht mehr industriesoziologische Forschungen, sondern vielmehr eine „soziologische Anthropologie“ (Pohlmann 2006, S. 10), die er etwa in normen-, rollen- und- machtsoziologischen Analysen entfaltete. Große Resonanz erlangten dabei insbesondere seine in Phänomene der Macht (1992) versammelten, zwischen 1968 und 1992 entstandenen Abhandlungen. In den 1990er-Jahren legte er noch technik- und kreativitätstheoretische Arbeiten vor. Insgesamt ist das Werk, wie beispielsweise Friedrich Pohlmann hervorgehoben hat, soziologisch-anthropologisch – die Nähe zur Philosophischen Anthropologie wurde ja bereits erwähnt (vgl. auch Dreher und Walter 2010). Popitz’ Hauptthemen Norm, Macht, Technik und Kreativität „bearbeiten Basalphänomene menschlicher Vergesellschaftung. Ohne Norm- und Machtstrukturen, ein technisches Artefaktgerippe und das Erkunden, Gestalten, Sinnstiften und Spielen als den vier Handlungstypen der Kreativität ist menschliche Vergesellschaftung nicht denkbar.“ (Pohlmann 2006, S. 47 f.)

Göttingen – Helmuth Plessner (1892–1985)

1951 erhielt Helmuth Plessner einen Ruf für Soziologie an die Universität Göttingen und kehrte aus seiner Remigration in Holland zurück (vgl. Dietze 2006, S. 323 ff.). Dort hatte er eine Professur für Philosophie inne gehabt. Plessner, der 1928 die Philosophische Anthropologie mitbegründete, blieb eng der Philosophie verbunden, wurde Anfang der 1950er-Jahre Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland, von 1955–1959 in der Nachfolge von Leopold von Wiese Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) (vgl. Rehberg 2014, S. 162 f.). Seine DGS-Präsidentschaft fiel genau in den Zeitraum des erwähnten „Bürgerkriegs in der Soziologie“. 1962 wurde Plessner erster Theodor-Heuss-Professor an der New School for Social Research in New York (vgl. Luckmann 2014). Im folgenden Jahr zog er nach Erlenbach bei Zürich (vgl. Dejung 2014; Schmölders 2014), wo er 1972 die Ehrendoktorwürde erhielt (neben Groningen 1964 und Freiburg 1982).

Waren Plessners philosophisch-anthropologischen Schriften, wie bereits im Abschnitt zur Denkschule der Philosophischen Anthropologie erwähnt, auch nach 1945 wirkmächtig, so auch seine bereits vor dem Zeiten Weltkrieg erschienenen soziologischen Publikationen: Das Schicksal des deutschen Geistes im Ausgang seiner bürgerlichen Epoche von 1935, dann 1959 unter Die verspätete Nation wieder aufgelegt, sowie die 1924 erschienenen Grenzen der Gemeinschaft. Letztere „Kritik des sozialen Radikalismus“ führte Mitte der 1990er-Jahre zu einer Debatte zwischen Wolfgang Eßbach, Joachim Fischer und Helmuth Lethen, die sich insbesondere darum drehte, ob Plessners Schrift einer im Kontext der Neuen Sachlichkeit einzuordnenden „Verhaltenslehre der Kälte“ (Lethen) oder eher einer „Sozialtheorie der ‚Grenze‘“ (Fischer) das Wort rede (vgl. Eßbach et al. 2002). Was die soziologischen Publikationen nach 1945 angeht, sind auch Plessners kultursoziologische und sozialphilosophische Arbeiten zu nennen, wie sie etwa in Diesseits der Utopie. Ausgewählte Beiträge zur Kultursoziologie (Plessner 1966), Conditio humana (1980a) oder Schriften zur Soziologie und Sozialphilosophie (1980b) zu finden sind. Dabei behandeln die Aufsätze eine Reihe von Themengebieten, die sich von philosophisch-anthropologischen, rollentheoretischen, wissenschaftssoziologischen bis hin zu soziologiehistorischen erstrecken.

Begünstigt durch unterschiedliche empirische Forschungen (vgl. Plessner 2014, S. 37; Rehberg 2014, S. 156 ff.), etwa über die Lage der deutschen Hochschullehrer, Erwachsenenbildung („Hildesheim-Studie“) oder Urbanisierung („Wolfsburg-Studie“), bildete sich bald ein Schülerkreis, zu dem, wenn man hier einmal die Philosophie außer Acht lässt, unter anderem Dietrich Goldschmidt, Hans Paul Bahrdt, Alexander Busch, Hans Peter Dreitzel, Christian von Ferber, Christian Graf von Krockow, Wolfgang Lempert, Peter von Oertzen, Wolfgang Schulenberg, Martin Schwonke sowie Elias Siberski gehörten (vgl. Dietze 2006, S. 374). Im Rückblick hat Plessner (2014, S. 40) einmal bemerkt, seine Offenheit habe zwar seine Schüler ermutigt, „aber verhindert, daß sich eine Schule bildete“; so eine Schule habe zwar einen gewissen Wert für die Ausbildung, „[n]ur verführen Schulen zur Fixierung auf Lehrmeinungen und Ideologien, um nicht zu sagen: Heilslehren. Und davon hatten wir schon genug.“

Göttingen – Hans Paul Bahrdt (1918–1994)

Der Göttinger Nachfolger von Plessner wurde Hans Paul Bahrdt. Nach seinem Studium der Germanistik und Philosophie in Heidelberg und Göttingen promovierte er, nachdem sein eigentlicher Betreuer Kurt von Stavenhagen verstarb, 1952 bei Plessner mit einer Arbeit über Herder. Popitz, den Bahrdt in einem Seminar Nicolai Hartmanns kennen gelernt hatte (vgl. Bahrdt 1978, 1996, S. 28), holte ihn an die Sozialforschungsstelle Dortmund, wo Bahrdt, wie erwähnt, maßgeblich an Technik und Industriearbeit sowie Das Gesellschaftsbild des Arbeiters (beide 1957) beteiligt war (vgl. Bahrdt 1985). Nach seiner Zeit als Forschungsassistent arbeitete Bahrdt von 1955 bis 1958 bei der BASF. 1958 habilitierte er sich bei Wilhelm Emil Mühlmann in Mainz mit der industriesoziologischen Studie Industriebürokratie (1958) (vgl. Bahrdt 1978, 1996, S. 43). 1959 wurde Bahrdt Professor an die TU Hannover. Bahrdt war nicht der ideologiefreie Soziologe, als der er zuweilen hingestellt wird, er bezog etwa 1961 im Streit zwischen SPD und dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) deutlich Stellung für den SDS. 1962 wurde Bahrdt auf den Plessner-Lehrstuhl in Göttingen berufen. Von 1959 bis 1961 war er im Vorstand der DGS.

Seine Forschungsinteressen lagen zunächst in der Industriesoziologie, er beschreibt sie folgendermaßen:

Aber eine wichtige Frage war doch: Welche Schärfe haben inzwischen die hergebrachten Klassengegensätze, die für industrialisierte kapitalistische Gesellschaften bisher typisch waren? Es war keineswegs nur die Furcht, sie könnten so scharf sein, daß sie ein geordnetes demokratisches Leben verhinderten. Man fürchtete auch eine zu starke Abschwächung und damit eine Verkümmerung des Reformpotentials der Arbeiterbewegung, auf das eine junge Demokratie nicht verzichten dürfte. Nur eine selbstbewußte Arbeiterschaft, in der die Erfahrungen ihrer Vergangenheit weiterleben, konnte – so meinte man – ein Gegengewicht zu den starken restaurativen Kräften der 50er-Jahre bilden, die auf die Länge den Demokratisierungsprozeß gefährden würden. Freilich: Dann musste man wissen: Was kennzeichnet die heutige Arbeiterschaft? Welche Arbeitsvollzüge, welche Kooperationsformen und welche betriebliche Wirklichkeit kennzeichnen den sozialen Alltag? (Bahrdt 1982, S. 13)

Zur Industriearbeit und Bürokratie kamen weitere Forschungsschwerpunkte in den 1960er-Jahren hinzu, insbesondere die Stadtsoziologie (Die moderne Großstadt. Soziologische Überlegungen zum Städtebau 1961; Humaner Städtebau 1968) und die Wissenschaftssoziologie (Wissenschaftssoziologie, ad hoc 1971). Bahrdt verfolgte aber auch familien-, militär-, umwelt- sowie alltags- und kultursoziologische Interessen (vgl. Baethge und Eßbach 1983; Herlyn 1996). Gerade bei letztgenannten Themen und ganz besonders in dem posthum erschienenen Buch Grundformen sozialer Situationen. Eine kleine Grammatik des Alltagslebens (1996) wird sein phänomenologisch-anthropologischer Ansatz besonders deutlich. Im Zusammenhang mit Göttingen ist auch das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) zu erwähnen, das 1968 auf Initiative von Michael Schumann und Horst Kern gemeinsam mit Martin Baethge, Martin Osterland, Hannes Friedrich, Ulfert Herlyn und Bahrdt gegründet wurde und sich verstärkt industrie-, arbeits- und bildungssoziologischen Themen widmete (vgl. Baethge und Schumann 2016); aus diesem Forschungszusammenhang heraus entstandene industriesoziologische Klassiker waren Industriearbeit und Arbeiterbewusstsein (1970) sowie Das Ende der Arbeitsteilung? (1984) von Horst Kern und Michael Schumann. Bahrdt war bis zu seinem Tod 1994 Präsident des SOFI.

Tübingen, Konstanz, London – Ralf Dahrendorf (1929–2009)

Dahrendorf studierte zunächst Philosophie und klassische Philologie in Hamburg und schloss 1952 bei Josef König und Siegfried Landshut, dem die Veröffentlichung der Frühschriften Marx zu verdanken war, mit der Promotion „Der Begriff des Gerechten im Denken von Karl Marx“ ab (vgl. Dahrendorf 2002, S. 139 ff.; Nicolaysen 1997, S. 379). Darauf ging er an die London School of Economics (LSE) und blieb dort bis 1954 (vgl. Dahrendorf 2002, S. 156 ff.). Bei Thomas H. Marshall verfasste er an der LSE seine zweite Doktorarbeit Unskilled Labour in British Industry (1956), und besuchte intensiv die Seminare von Karl Popper: „Ich verehrte Popper“, so Dahrendorf (2002, S. 164) rückblickend, „als ich den notorischen ‚Positivismusstreit‘ zwischen ihm und Theodor W. Adorno in Tübingen organisierte“. Zu Beginn seiner Karriere spielte auch für Dahrendorf nicht nur Marx, sondern wie erwähnt ebenso die Industriesoziologie eine zentrale Rolle (vgl. Dahrendorf 2002, S. 177 ff.); sein erstes Buch handelte von Industrie- und Betriebssoziologie (1956). Gemeinsam mit einem Studienkollegen an der LSE, David Lockwood, einem prominenten Industriesoziologen, begann er, sich mehr und mehr für Konfliktsoziologie zu interessieren. Von 1954–1957 war Dahrendorf wissenschaftlicher Assistent an der Universität des Saarlandes und habilitierte dort mit Soziale Klassen und Klassenkonflikt in der industriellen Gesellschaft (1957). Bereits 1955 erlangte der junge Dahrendorf durch eine kritische Darstellung des Strukturfunktionalismus von Talcott Parsons in der KZfSS bei einem breiteren soziologischen Publikum Aufmerksamkeit (vgl. Dahrendorf 1974, S. 213–241; vgl. Joas und Knöbl 2004, S. 264 ff.; Abels 2010, S. 116 ff.). 1957 war Dahrendorf für ein Jahr Fellow am Center for Advanced Study in the Behavorial Sciences in Palo Alto, wo er neben vielen anderen bekannten Sozialwissenschaftlern auch Parsons persönlich kennen lernte (vgl. Dahrendorf 2002, S. 20 ff.). In dieser Zeit kamen Dahrendorf (2002, S. 21 f.)

die Ideen für zwei kleinere Arbeiten, die eine Zeitlang Diskussionen über die Grenzen der Soziologie hinaus auslösen sollten. Die eine war die Parsons-Kritik unter dem Titel ‚Pfade aus Utopia‘, die andere der Aufsatz ‚Homo Sociologicus‘, der die soziologische Kategorienlehre in eine liberale Kritik an der ‚ärgerlichen Tatsache der Gesellschaft‘ einbettete. In dieser Zeit entstand mein Ruf als Konflikttheoretiker.

„Homo sociologicus“ war zugleich Auslöser einer der ersten größeren soziologischen Kontroversen der Bundesrepublik, der so genannten „Rollendebatte“ (Fischer 2010; Abels 2010, S. 124 ff.; vgl. auch Moebius 2016a).

Die rasante Karriere Dahrendorfs beschleunigte sich 1958, als er 29jährig einen Ruf für Soziologie an die Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg erhielt. Ein Jahr später war Dahrendorf im Vorstand der DGS (1967–1970 ihr Präsident). 1960 berief man ihn auf einen Lehrstuhl nach Tübingen. Dort organisierte Dahrendorf die Austragung eines weiteren Konflikts in der bundesrepublikanischen Soziologie, den Positivismusstreit. Der Positivismusstreit war auch eine Folge des erwähnten „Bürgerkriegs in der Soziologie“: Der 1959 zum DGS-Präsident gewählte Otto Stammer (vgl. Stammer [5.5.1960] in König 2000, S. 330 ff.) versuchte

die entstandenen Meinungsverschiedenheiten in einer internen Aussprache im Oktober 1960 zu überwinden. Zu einer Zusammenkunft im Hotel Jagdschloß Niederwald wurden eingeladen Mitglieder des damaligen Vorstandes [der Einladung Stammers zufolge Achinger, Becker, Plessner, Bahrdt, Dahrendorf, Popitz, – S.M. ] sowie führende Vertreter der verschiedenen Positionen: Adorno und Horkheimer, König, Freyer, Gehlen, Schelsky und Jantke, sowie Bergstraesser, Mühlmann und Plessner. Eine persönliche Vermittlung der Standpunkte gelang nicht, sodaß der Versuch gemacht wurde, die persönlichen Kontroversen durch eine wissenschaftstheoretische Diskussion zu objektivieren. Diese Diskussion erfolgte auf der internen Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 1961 in Tübingen mit den beiden Referaten zur Logik der Sozialwissenschaften von Karl R. Popper und Theodor W. Adorno. (Lepsius 1979, S. 43)

Thema und die Hauptreferenten der nun zweiten anberaumten, internen Arbeitstagung, die vom 19. bis 21. Oktober 1961 in Tübingen stattfand, waren vom DGS-Vorstand ausgesucht worden (vgl. Stammer in König 2000, S. 345). Die Wahl des bis dahin in der bundesdeutschen Soziologie und deren Methodendiskussionen nicht hervorgetretenen und auch nicht empirisch arbeitenden Hauptreferenten Karl Popper ging auf Dahrendorf zurück, der Schelsky und König nicht „zutraute, eine starke Gegenposition gegenüber Adorno aufzubauen“ (Dahms 1994, S. 324).

Zur Vorgeschichte des Positivismusstreits gehört eine Sitzung vom 1. März 1957 am Institut für Sozialforschung „Zum Verhältnis von Soziologie und empirischer Sozialforschung“, zu der Adorno geladen hatte und an der Dahrendorf, Friedeburg, Gunzert, Habermas, Lieber, Noelle-Neumann, Popitz und Stammer teilnahmen (Bülow, Plessner, Bergstraesser und Mühlmann hatten abgesagt, König war in den USA) (vgl. Demirović 1999, S. 762 ff.; Link 2015a sowie das Protokoll: Link 2015b). Die Diskussionsgrundlage waren Thesen Adornos (1957, 1997). Bei der Sitzung kam es insbesondere zu einem Schlagabtausch zwischen Dahrendorf und Adorno, ein Streit, der in gewisser Weise eine weitere Kontroverse zwischen Adorno und Dahrendorf, seit 1967 Präsident der DGS, ein Jahrzehnt später im Rahmen des 16. Soziologentags 1968 ankündigte (vgl. Demirović 1999, S. 845): die Debatte um „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft“ (vgl. Müller-Doohm 2010).

1966 erhielt Dahrendorf einen Ruf an die von ihm mitbegründete Universität Konstanz. Nach politischem Engagement als FDP-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg (1968/69), Bundestagsabgeordneter, Parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt (1969/70) und EG-Kommissar in Brüssel (1970–1974) wurde Dahrendorf Direktor der LSE (1974–1984). Es folgten zahlreiche Preise und Ehrentitel, unter anderem auch der englische Adelstitel eines „Lord“.

Zu Dahrendorfs Schwerpunkten zählte neben der Rollentheorie insbesondere die Konfliktsoziologie. Grundbegriffe seiner Soziologie, mit denen er die gesellschaftliche Dynamik in den Blick nahm, waren Macht und Herrschaft (vgl. Joas und Knöbl 2004, S. 265). Was die Konflikttheorie ebenso wie die Parsons-Kritik betrifft, so galt Dahrendorf, der Ende der 1950er-Jahre die mangelnde Internationalität und internationale Reputation der bundesrepublikanischen Soziologie vehement kritisierte (vgl. Dahrendorf 1959, S. 139), als einer der ersten Vermittler zwischen angelsächsischer und deutscher Soziologie; zu nennen ist in diesem Zusammenhang auch sein Buch Die angewandte Aufklärung (1963), eine Beschreibung der USA und eine soziologische Beschreibung der US-amerikanischen Soziologie; parallel dazu erschienen gegenwartsanalytische Studien, wie etwa die Aufsatzsammlung Gesellschaft und Freiheit (1961) oder der soziologische Bestseller und (heute) Klassiker der westdeutschen Sozialwissenschaft Gesellschaft und Demokratie in Deutschland (1965). Auch bildungssoziologisch und -politisch war Dahrendorf in den 1960ern engagiert (Bildung ist Bürgerrecht. Plädoyer für eine aktive Bildungspolitik 1965).

4 Schluss

Andere Akteure der frühen bundesrepublikanischen Soziologie wie etwa der Bevölkerungssoziologe Gerhard Mackenroth (Kiel), der Weber-Kenner Eduard Baumgarten (Freiburg, Mannheim) sowie die beiden Kultursoziologen Alfred Weber (Heidelberg) und Alfred von Martin (München) erfuhren im Vergleich zu den genannten regionalen Zentren, Schulen und Akteuren weniger fachdisziplinäre Aufmerksamkeit (vgl. Lepsius 1979, S. 30 f.; Lüschen 1979, S. 180; zu A. Weber vgl. Nutzinger 1995, Demm 1999, S. 339 ff. und zu von Martin siehe Faber und Ladwig 2013). Die aufstrebende jüngere Generation am Ende der 1950er und zu Beginn der 1960er-Jahre hatte – gesellschaftlich und historisch bedingt – nach Lepsius (1979, S. 51) andere „thematische Schwerpunkte: Soziologie des Industriebetriebs, der Schichtung und der Mobilität und des sozialen Konflikts“. Man rezipierte und diskutierte Marx, die zeitgenössische amerikanische Soziologie und betrieb vielfach Industriesoziologie. Zentral waren für viele dieser Generation auch ihre im Ausland (USA, Großbritannien) gewonnenen Erfahrungen mit Soziologie und empirischer Sozialforschung (vgl. Leendertz 2010, S. 65 f.). Kultursoziologie sollte in der Bundesrepublik erst wieder im Laufe des cultural turn Ende der 1970er-Jahre an Prominenz zunehmen, jedoch ohne Rückgriff auf Alfred Weber oder von Martin (vgl. Moebius 2016b).

Im Zuge der in den 1960er-Jahren einsetzenden Professionalisierung, Konsolidierung und weiteren Institutionalisierung, die sich etwa auch im Wachstum soziologischer Lehre zeigt (vgl. Klima 1979), wurde das soziologische Feld immer ausdifferenzierter, die Orte, an denen Soziologie gelehrt und soziologisch geforscht wurde, nahmen zu – 1960 gab es nach Lepsius (1979, S. 49) 25 Ordinariate, 1970 waren es bereits 69 – , eine Konzentration der Schulen nahm weitgehend ab. Blickt man auf die Schulen, so verstärkten sich die Binnenkomplexitäten und Abweichungen von den leitenden Paradigmen; man experimentierte mit der Empirie und professionalisierte das, wozu die ältere Generation angeregt hatte. Hinzu kamen als Kennzeichen sich auflösender Schulzusammenhänge Prozesse der Entpersonalisierung und „Veralltäglichung“ der Paradigmen. Dies scheint oftmals das Schicksal von akademischen Schulen zu sein, wie Tiryakian (1981, S. 42) festhält: ihre

Grundideen (Theorien, Methoden, Techniken) werden popularisiert und hängen nicht mehr von der persönlichen Unterweisung Neuaufgenommener durch den Gründer ab. Das Charisma der Schule wird veralltäglicht; ihre Ideen zum Bestandteil von Standardkonzeptionen der Disziplin. Je mehr die Schule und ihre Leistungen in die Disziplin integriert werden, desto mehr entpersonalisiert sich ihr Paradigma. Neue Generationen der wissenschaftlichen Gemeinschaft als ganzer gehen dazu über, Ideen und Techniken freizügig zu verwenden, ohne sich bewußt zu sein, daß diese ihren Ursprung in einer spezifischen sozio-intellektuellen Gemeinschaft hatten.

Neben den Schulen (und teilweise mit diesen zusammenhängend) bestimmten mehr und mehr auch die Fachkontroversen wie die Rollendebatte oder der Positivismusstreit die Wahrnehmung und den Verlauf der frühen bundesrepublikanischen Soziologie, dabei hingen die Kontroversen (vgl. Kneer und Moebius 2010) meist eng mit den jeweiligen Positionen, den Abgrenzungs- und Koalitionspraktiken der (Denk-)Schulen im soziologischen Feld zusammen; die Kontroversen führten zu stärkeren Positionierungen oder wurden erst durch die feldspezifischen Beziehungskonstellationen und Positionen hervorgebracht.

Die Ausdifferenzierungen, die erwähnten Positionierungen, die unterschiedlichen Neugründungen von Instituten und Studiengängen, die Wiederentdeckung von Klassikern wie Max Weber oder Alfred Schütz sowie die zunehmende Rezeption internationaler sozial- und kulturwissenschaftlicher Diskurse ließen im weiteren Verlauf der bundesrepublikanischen Soziologie jedoch weitere regionale Zentren und bis heute wirkmächtige Denkschulen entstehen. Man denke etwa an Niklas Luhmanns Ausarbeitung der Systemtheorie in Bielefeld, an die Konstanzer Schule der neuen phänomenologisch-anthropologisch orientierten Wissenssoziologie (vgl. Raab und Tänzler 2016), repräsentiert durch Thomas Luckmann und Hans-Georg Soeffner, an die Konzeption einer Theorie der reflexiven Modernisierung durch Ulrich Beck in München, an Hans Alberts und Hartmut Essers Denkschule der „Erklärenden Soziologie“ in Mannheim (vgl. Maurer 2016) oder an die vielen (post-)strukturalistischen Rezeptionsmilieus in Göttingen, Berlin, Bremen und Freiburg (vgl. Seyfert 2016). Quer dazu sind jene Denkschulen, Fachrichtungen und Forschungszusammenhänge der (jüngeren) bundesrepublikanischen Soziologie nicht zu vergessen, die sich nicht mehr so leicht einem regionalen Zentrum zuordnen lassen (etwa die RezipientInnenfiguration des Werks von Norbert Elias) und die von den genannten Schulen oder unterschiedlichen anderen, internationalen Denkschulen durchkreuzt, inspiriert oder konstituiert sind, wie beispielsweise die Gender Studies, die Governmentality-Forschungen oder die jüngsten, den Poststrukturalismus sowie die französische Soziologie Pierre Bourdieus und Bruno Latours rezipierenden praxistheoretischen Konzepte (vgl. Schäfer 2013).

Fußnoten

  1. 1.

    Für einzelne Hinweise zum Text danke ich ganz herzlich Gerhard Schäfer und Lothar Peter.

Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieUniversität GrazGrazÖsterreich

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