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Jugend und Europa

  • Sebastian M. BüttnerEmail author
  • Herwig Reiter
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

In diesem Beitrag werden zentrale Aspekte und Entwicklungslinien der europäischen Dimension von Kindheit und Jugend dargestellt. Ausgehend von der Feststellung einer bis heute bestehenden Vielfalt und Uneinheitlichkeit Europas, wirft der Beitrag zunächst einen entwicklungsgeschichtlichen Blick auf die Herausbildung dieser Lebensphase in Europa. Danach skizzieren wir aktuelle Probleme und Herausforderungen hinsichtlich der sozio-ökonomischen Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und stellen abschließend zentrale Akteure und politische Maßnahmen im Bereich der europäischen Jugendpolitik dar.

Schlüsselwörter

Europa Europäische Union Europäische Jugendpolitik Europarat Jugendarbeitslosigkeit 

1 Einleitung

Europa ist traditionell durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Eine einheitliche Erzählung über die Entwicklung „der Jugend“ in Europa und über die Situation von Jugendlichen im heutigen Europa ist somit kaum möglich. Die sozialen, ökonomischen und kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Regionen sind auch heute noch so groß, dass sie nur schwer auf einen einheitlichen Begriff gebracht werden können. Angesichts weitreichender Globalisierungs- und Transnationalisierungsprozesse ist zudem fraglich, wie relevant „Europa“ für eine soziologische Diskussion des Jugendthemas ist. Migrationsbewegungen, Tourismusströme, massenmedial vermittelte Bilder und Symbole, Familienbande und Freundschaftsbeziehungen reichen heute zumeist weit über den europäischen Kontinent hinaus und verknüpfen Menschen, Kulturen und Orte aus ganz unterschiedlichen Weltregionen. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch am Beispiel von Jugendkulturen, die über die Massenmedien eine rasante globale Verbreitung finden und bei weitem nicht allein auf Europa oder die „westliche Welt“ beschränkt sind (vgl. Villányi et al. 2007).

Dennoch gibt es in der Entwicklung von Kindheit und Jugend zweifellos eine besondere europäische Dimension. Zum einen hat die „Erfindung der Jugend“ (Gillis 1994) ihren Ursprung und ihren Ausgangspunkt vor allem in Europa. Zum anderen ist mit dem Prozess der europäischen Integration – und insbesondere mit der Schaffung der Europäischen Union – eine neue politische Arena entstanden, die die politischen Einflusssphären der EU-Mitgliedsländer zum Teil überformt und eigene Akzente in der Politikgestaltung setzt. Dabei kommt auch der Adressierung der jüngeren Bevölkerung eine besondere Bedeutung zu: Deren Mobilisierung für grenzüberschreitende Verständigung und europäische Integration spielt in der Europapolitik traditionell eine wichtige Rolle. In letzter Zeit ist die jüngere Bevölkerung zunehmend jedoch auch Gegenstand von Problemdiskursen. Jugendarbeitslosigkeit zählt zu einem der drängendsten politischen Herausforderungen der Politik im heutigen Europa. Umgekehrt wird in Debatten über den „demografischen Wandel“ vor einer wachsenden „Vergreisung“ Europas gewarnt und davor, dass dem europäischen Kontinent die „Jugend“ abhandenkommt. Dies sind besondere Facetten und Dimensionen der Situation der Jugend in einer europäischen Perspektive. Wir gehen nachfolgend zunächst auf einige historische Entwicklungen ein, die in Europa zur Herausbildung der Jugend als eine eigenständige Lebensphase und als eine relevante politische Kategorie geführt haben. Daran anschließend erläutern wir, inwiefern der europäische Kontinent ganz besonders von der Jugend geprägt wurde, bevor wir auf einige aktuelle problematische Entwicklungen im Hinblick auf die soziale Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im heutigen Europa eingehen. Da die Jugend aktuell in der Europapolitik eine besondere Zielgruppe politischer Maßnahmen und Interventionen ist, stellen wir abschließend einige Entwicklungen, die Hauptakteure und die wichtigsten Maßnahmen im Bereich der europäischen Jugendpolitik dar.

2 Die „Erfindung“ der Jugend im 19. Jahrhundert: Europäische Bevölkerungsentwicklung im Zeitalter der Industrialisierung

In der historischen Rückschau auf die Entwicklung der Jugend in Europa wird stets auf fundamentale gesellschaftliche „Umformungen“ (Gillis 1994, S. 15 f.) verwiesen; auf ein Konglomerat aus ökonomischen, institutionellen, demografischen und sozio-kulturellen Veränderungen, das in der Soziologie traditionell mit dem Begriff „Modernisierung“ gefasst wird. Im Zentrum dieser Wandlungen steht vor allem der Prozess der Industrialisierung, der im England des 18. Jahrhunderts seinen Ausgang nahm und sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts teils rasant, teils mit Verzögerung über weite Teile des europäischen Kontinents ausbreitete (Rokkan 2000). Die Industrialisierung wurde begleitet von einem tief greifenden Wandel der sozialen Geografie des Kontinents und der Sozialstruktur der europäischen Bevölkerung (Kaelble 1983; Kocka 1995; Mau und Verwiebe 2007).

Die „Geburt“ der Jugend im heutigen Sinne, d. h. die Etablierung eines Verständnisses von Jugend als eine eigenständige Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter und als soziale Kategorie, wird in Europa gemeinhin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verortet (vgl. Gillis 1994).1 Als ausschlaggebend hierfür wird vor allem die allmähliche Ausweitung der Schulpflicht für immer breitere soziale Schichten und eine sukzessive Ausdehnung von Ausbildungszeiten gesehen (Schäfers und Scherr 2005, S. 58 ff.). Im Hintergrund dieser Entwicklung standen erste zaghafte Bemühungen der Regierungen um eine Eindämmung der Kinderarbeit und um eine Regulierung der Arbeitszeiten von Jugendlichen. Dies folgte dem Hintergedanken, die Arbeitskraft von Kindern nicht frühzeitig zu vergeuden bzw. ihre spätere Wehrdiensttauglichkeit nicht zu gefährden. Im Sinne einer Investition in die Zukunft wurden sie stattdessen einem (Aus-)Bildungsprozess zur Vorbereitung ihres somit verzögerten Eintritts in die Arbeitswelt zugeführt (Kohli 1985). In lebenslaufsoziologischer Perspektive wurde „Jugend“ somit zu einem institutionalisierten Programm und im 19. Jahrhundert erstmals zu einer rechtlichen und zu einer gesellschaftlich relevanten „sozialen Kategorie“, die seither lebenslaufpolitisch bearbeitet werden muss (Leisering 2003).2 Das erfolgte vor allem im Rahmen nationalstaatlich organisierter Sozialpolitik: „Die Erfindung der Jugend, die Entstehung der Freizeit, die Verankerung bezahlten Urlaubs und die Erwartbarkeit eines arbeitsfreien Alters sind somit unabhängige Elemente eines übergreifenden, zumindest in Europa in großem Umfang staatlich induzierten Prozesses“ (Conrad 2013, S. 577).

Neben materiellen Veränderungen trug nicht zuletzt auch die christlich-abendländische Tradition in Europa zur Herausbildung und Etablierung der Jugend als eine eigenständige Kategorie und Lebensphase bei. In der christlichen „Bekehrungsreligion“ spielte „Glaubenszugehörigkeit von Geburt an und damit religiöses Erwachsenwerden“ zunächst keine Rolle (Mitterauer 1986, S. 58). Das war eine wichtige Voraussetzungen für die Verbreitung eines spezifisch europäischen Heiratsmusters („European marriage pattern“), das von vergleichsweise später Heirat und Familiengründung gekennzeichnet war (Kaelble 2007). Jugend, die Zeit ‚davor‘, bestand dementsprechend aus mehreren, sich ergänzenden Teilübergängen und Teilreifen.

Die Gesellschaften Europas waren überdies ab dem späten 19. Jahrhundert insgesamt sehr stark gewachsen, was insbesondere auf eine niedrigere Sterberate und auf ein entsprechendes Wachstum der jüngeren Bevölkerungsschichten zurückzuführen war. Für ein Land wie Deutschland etwa zeigt die Bevölkerungsstatistik, dass die Altersgruppe der unter 20-Jährigen im Jahr 1871 einen Anteil von 43 % der Gesamtbevölkerung ausmachte. Die Altersgruppen ab 65 Jahren kamen lediglich auf einen Anteil von 5 %.3 Dies bedeutet einerseits eine Neuverteilung der Todeserwartung von den Jüngeren zu den Älteren und eine fundamentale Neubewertung der Lebenszeit (Imhof 1984). Zudem sorgte dies in Kombination mit dem Aufschwung bürgerlicher Schichten für einen tief greifenden Form- und Bedeutungswandel der Jugend. Die Jugend wurde nicht mehr nur als eine kurze Zwischenphase der „Adoleszenz“ auf dem Weg von der Kindheit zum Erwachsenenleben angesehen, sondern sie wurde in den Zentren der europäischen Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Politik, in Kunst und in der breiteren Öffentlichkeit zunehmend als Symbol für Vitalität, Emanzipation und Fortschritt stilisiert.4 Die durch die Ausdehnung der Ausbildungszeit bedingte längere Phase der Entbindung vom unmittelbaren Zwang zur Teilnahme an der Erwerbsarbeit führte – zumindest in bürgerlichen Kreisen – zu einer größeren Autonomie der Jugendlichen und zur Herausbildung erster eigenständiger Jugendverbände und jugendlicher Subkulturen (vgl. Savage 2008). Diese neuen Jugendbewegungen begriffen sich nicht selten als Gegenentwurf zu vorherrschenden gesellschaftlichen Entwicklungen und Moralvorstellungen.5

3 Das „Jahrhundert der Jugend“ – Zur Rolle der Jugend in Europa im 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert wird häufig auch als das „Jahrhundert der Jugend“ bezeichnet (vgl. Sander und Vollbrecht 2000). Obwohl dies natürlich nicht nur für Europa, sondern weltweit gilt, charakterisiert dieses Schlagwort die Entwicklung Europas dennoch in ganz besonderer Weise. Denn die jungen Bevölkerungsschichten waren einerseits sehr prägend für eine Reihe von zentralen politischen und kulturellen Entwicklungen. Zum anderen erhält die Jugend erst im Verlauf des 20. Jahrhundert in allen gesellschaftlichen Schichten ihre volle Geltung und Anerkennung; spätestens ab Mitte des 20. Jahrhunderts wird sie zu einer zentralen sozio-kulturellen Größe und in allen Staaten Europas zu einer rechtlich eindeutig bestimmten und auch geschützten sozialen Gruppe.

Blickt man auf die Situation der Jugend in Europa im 20. Jahrhundert, muss zunächst jedoch konstatiert werden, dass die Erfahrungen der jungen Bevölkerung im Verlauf des Jahrhunderts heterogener und widersprüchlicher kaum hätten sein können. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert war Europa von kriegerischen Auseinandersetzungen unvorstellbaren Ausmaßes zwischen einzelnen Ländern und Großmächten und von immensen Gewaltexzessen verschiedener politischer Bewegungen und Ideologien gekennzeichnet. Dagegen boten sich für die nachfolgenden Generationen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nie gekannte Freiheiten und Entfaltungsspielräume. Während die kriegerischen Auseinandersetzungen und die Gewalttaten der nationalsozialistischen Bewegung und des Stalinismus Millionen Menschen in Europa – und in nicht unerheblichem Maße gerade auch jungen Menschen – das Leben kostete, erlebte die Bevölkerung Europas in der Nachkriegszeit ab 1945 einen enormen Wohlstandszuwachs.

Die gesellschaftlichen Veränderungen, vor allem die nationalstaatlich initiierten Modernisierungsschübe verliefen auf dem europäischen Kontinent äußerst heterogen (Therborn 2000).6 Bei aller Vielfalt lassen sich eine Reihe von gesellschaftlichen Entwicklungen ausmachen, die in allen Ländern und Regionen Europas – in mehr oder weniger starker Ausprägung – ihren Niederschlag fanden und damit nicht zuletzt auch ähnliche Muster in der Sozialstruktur und ähnliche Tendenzen in der Entwicklung der Jugend prägten. Dies sind zum einem eine massive Zunahme von Technisierung, Motorisierung und Massenproduktion, in deren Folge sich die materiellen Infrastrukturen und die allgemeine Grundversorgung der Bevölkerung enorm ausweiteten. Außerdem kam es zu einem Ausbau von staatlichen Institutionen und insbesondere von staatlichen Schul- und Bildungssystemen und wohlfahrtsstaatlichen Leistungen (Kaufmann 2003). Des Weiteren verstärkte sich der Trend zur Kleinfamilie und zur Entstehung einer breiteren Mittelschicht sowie zu einer stärkeren Teilhabe von Frauen im Bildungssystem und im Berufsleben (vor allem im sozialistisch geprägten Teil Europas) (Kaelble 2007). In den Nachkriegsjahrzehnten beförderten diese Trends die Standardisierung von Schul- und Ausbildungszeiten und damit auch Schichten übergreifend die Institutionalisierung von Kindheit und Jugend als allgemein anerkannte Phasen im Lebensverlauf. Dies war die Grundlage für die allmähliche Ausweitung eines strikten Kindheits- und Jugendschutzes in Europa.

Die Verankerung der Jugend in nahezu allen Schichten brachte jedoch noch ganz andere fundamentale Veränderungen in der Nachkriegsgesellschaft mit sich. Die Jugend wurde immer mehr zum Träger kulturellen Wandels und zum Gravitationsfeld neuer popkultureller Elemente und Inhalte, insbesondere im Bereich des Films, in der Musik und in der Mode, die im Zuge der Expansion elektronischer Medien und der Technisierung der Kulturbranche eine rasante Verbreitung erfahren haben (Ferchhoff 2007a). Damit etablierten sich erstmals auf breiter Basis und – mit gewissen Einschränkungen – auch über ideologische Grenzen hinweg eigenständige Jugendkulturen, die sich zunächst fundamental von den Konsumgewohnheiten und vom Massengeschmack der Erwachsenenwelt unterschieden hatten.7

Der Drang der jungen Bevölkerungsschichten nach Veränderung und nach einem neuen Lebensgefühl äußerte sich auch nachhaltig in politischer Hinsicht. Bereits in den 1950er-Jahren gab es in den neuen Staaten in Mittel- und Osteuropa erste Aufstände gegen Regierungen und gegen die Sowjetherrschaft, bei denen die Vernetzung und Agitation von Studenten und jungen Arbeiterführern eine große Rolle spielten. Ausgehend von Protesten in den Vereinigten Staaten gegen Rassendiskriminierung und gegen die Kriegspolitik der US-Regierung schwappte im Frühjahr 1968 eine Welle von Protesten auf viele Länder der Welt über. Bis heute gelten die 1968er-Proteste und viele damit verbundenen Reformbewegungen in Westeuropa als Ausgangspunkt für einen fundamental Kultur- und Wertewandel in Politik und Gesellschaft und für eine Reihe von tief greifenden Reformen in den 1970er und 1980er-Jahren (Negt 1995). Doch auch auf die politische Situation in Osteuropa hatten die Proteste von 1968 immense Auswirkungen. Die militärische Niederschlagung der Aufstände sorgte nicht für eine Ermüdung der Oppositionsbewegung, sondern ganz im Gegenteil für eine zunehmende Organisation von jungen Studenten, Künstlern und Intellektuellen im Untergrund. Diese Untergrundbewegung und ihre nachwachsenden Kohorten bildeten schließlich die Basis für die Protestbewegungen in Mittel- und Osteuropa, die die kommunistische Herrschaft in den 1980er-Jahre immer mehr kritisierte und schließlich zur Überwindung des „Eisernen Vorhangs“ beitrugen (Ash 1990).

4 Jugend in Europa heute – Zunahme von ökonomischer Unsicherheit und sozialer Polarisierung

Das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und der Beginn des 21. Jahrhunderts standen in Europa ganz im Zeichen der politischen Neuordnung des Kontinents und der Europäischen Integration. Die staatssozialistischen Regime in Mittel- und Osteuropa wurden allesamt in neue politische Systeme und Marktwirtschaften transformiert. Zum Teil wurden gewissermaßen über Nacht und ohne größere Auseinandersetzungen neue Staaten gebildet (etwa die drei baltischen Staaten oder die Slowakei); zum Teil gab es blutige Kämpfe, wie im Falle Jugoslawiens, das in einen jahrelangen Bürgerkrieg schlitterte, der vielen Menschen das Leben kostete. Darüber hinaus wurde in Westeuropa die Europäische Integration mit der Einführung eines Binnenmarktes (1992) und einer gemeinsamen Währung (2002), dem Wegfall der internen Grenzkontrollen und vielen weiteren Schritten zur polizeilichen, justiziellen und zwischenstaatlichen Zusammenarbeit so stark wie nie zuvor vorangetrieben. Die „Europäische Union“, die seit den EU-Erweiterungen in den Jahren 1995, 2004, 2007 und 2013 mittlerweile auf 28 Mitgliedsländer angewachsen ist, prägt heute die Lebenswirklichkeit vieler junger Menschen und die politische Kultur Europas in besonderer Weise.

Es ist allerdings äußerst fraglich, ob sich die Formel vom „Jahrhundert der Jugend“ noch problemlos auf die gesellschaftliche Situation im Europa des 21. Jahrhunderts übertragen lässt. Einerseits ist zwar festzustellen, dass Jugend und Jugendlichkeit im heutigen Europa nach wie vor einen hohen Stellenwert in Kultur und Gesellschaft genießen. Das Bewusstsein für die besondere Lebenssituation, für die besonderen Bedürfnisse und Nöte von Kindern und Jugendlichen ist heute mehr denn je in der Gesellschaft verankert. Die neuen Arbeitskulturen sind stark auf private und familiäre Bedürfnisse der jüngeren Bevölkerung ausgerichtet und diskursiv von jugendlichen Werten und Haltungen geprägt (Boltanski und Chiapello 2006; Widuckel et al. 2015). Bei aktuellen Entwicklungen der elektronischen Medien, bei technologischen Innovationen und gerade bei der umfassenden „Digitalisierung“ gelten junge Menschen als Vorreiter, die der älteren Bevölkerung im Umgang mit neuen Technologien und in Fragen der Medienkompetenz weit voraus sind; ein Phänomen, das als ‚digital age divide‘ bezeichnet wird (Eurostat 2015, S. 191–208). Auch in der heutigen Konsum- und Freizeitkultur stehen vor allem ‚jugendliche‘ Werte und Attribute im Mittelpunkt. Als lang etablierter „idealer Wertbegriff“ (Rosenmayr 1971, S. 236) durchdringt ‚Jugendlichkeit‘ weiterhin viele Bereiche der gesellschaftlichen Alltagswelt (vgl. Ferchhoff 2007b, S. 235–265). Darüber hinaus gibt es heute zunehmend auch das Phänomen jugendlicher Alter(n)sangst (Gendron und Lydecker 2016). Dies bedeutet etwa, dass überzogene Ideale von körperlicher Jugendlichkeit und Fitness mittlerweile selbst immer mehr Jugendliche belasten (z. B. Swami 2015; Grogan 2016). Andererseits wird die Bevölkerung Europas immer älter und weist im Vergleich der Weltregionen im Jahr 2015 bereits den geringsten Anteil an jungen Menschen unter 15 Jahren und den höchsten Anteil an älteren Menschen über 65 Jahren auf.8 Der Anteil von Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren an der Gesamtbevölkerung lag im Jahr 2014 im Durchschnitt aller EU-Mitgliedsländer bei 11,3 %, wobei kleinere Länder wie Zypern mit 14,3 % und Litauen mit 13,3 % noch die höchsten Werte aufwiesen, die beiden südeuropäischen Länder Italien und Spanien mit 9,8 bzw. 9,7 % die niedrigsten Anteile.9 Gerade auch die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ist ein besonderer Beleg für diesen Trend der Alterung der europäischen Gesellschaften: Während im Jahr 1871 fast die Hälfte der Bevölkerung noch 20 Jahre und jünger war (siehe oben), liegt der Anteil der Altersgruppen unter 20 im Jahr 2014 nur noch bei 18 %, wohingegen der Anteil der älteren Altersgruppen ab 65 Jahren von 5 % (1871) auf über 21 % der Gesamtbevölkerung (2014) angestiegen ist.10

Die markante Aufwertung der Kindheit und Jugend im kulturellen und gesellschaftlichen Leben Europas während des 20. Jahrhunderts und der starke Rückgang jüngerer Bevölkerungsgruppen in den vergangenen Jahrzehnten bedeuten jedoch keineswegs eine Entspannung der Situation von Heranwachsenden im heutigen Europa. Im Gegenteil: In aktuellen Studien und gesellschaftlichen Diskursen wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche trotz der massiven Aufmerksamkeit für ihre Belange paradoxerweise zu den Hauptverlieren der gesellschaftlichen Umbrüche in den letzten beiden Jahrzehnten und insbesondere der weltweiten Finanz- und Währungskrisen ab 2008 angesehen werden können (O’Higgins 2012; UNICEF 2014).

Aktuelle Studien zeigen, dass die Jugendarbeitslosigkeit ein zentrales Thema in der Europäischen Union darstellt. Im Jahr 2015 lag die durchschnittliche Jugendarbeitslosenquote der 15 bis 24 Jährigen in der Europäischen Union (EU 28) bei 20 %. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Ländern erheblich. Deutschland (7,2 %), Österreich (10,6 %) und Dänemark (10,8 %) gehören zu den Ländern mit den niedrigsten Werten; in Griechenland (49,8 %) und Spanien (48,3 %) liegt sie dagegen deutlich darüber (European Commission 2016, S 263).11 Ähnlich deutliche Unterschiede gibt es bei der Gruppe der Jugendlichen, die sich weder in Ausbildung, Bildung oder Beschäftigung befinden (NEETs). Im Jahr 2013 waren davon mehr als 14 Millionen oder 16 % der Jugendlichen im Alter von 15 bis 29 betroffen, darunter relativ mehr junge Frauen als Männer. In Italien, Griechenland und Bulgarien ist diese Gruppe am größten – jeweils über 20 % bei den 15 bis 24 Jährigen und über 30 % bei den 25 bis 29 Jährigen. Deutschland und Österreich gehören auch hier zu den Ländern mit den geringsten NEET-Anteilen (ibid, S. 143–144; Reiter und Schlimbach 2015; siehe die Beiträge von Brigitte Schels und Hans Dietrich in diesem Handbuch).

Eine weitere Dimension der Prekarität besteht in problematischen Beschäftigungsverhältnissen (Standing 2011). Viele Jugendliche landen in Praktika, die weder berufsqualifizierend noch angemessen bezahlt sind. Andere wiederum sind unfreiwillig in Teilzeitjobs beschäftigt: 80 % der teilzeitbeschäftigten Jugendlichen in Italien sind dies unfreiwillig; über 30 % sind es in der gesamten EU (Eurostat 2015, S. 156). Aber nicht nur Arbeitslosigkeit beziehungsweise eklatante Schwierigkeiten auf dem Weg in eine Anstellung jenseits der geringfügigen Beschäftigung stellen für viele Jugendliche und junge Erwachsene in Europa, insbesondere in Südeuropa und in vielen Ländern Mittel- und Osteuropas, heute ein großes Problem dar. Einige Studien verweisen auch auf wachsende Kinderarmut und eine Akkumulation von Armutsrisiken bei der jungen Bevölkerung sowie auf die Ungleichverteilung von Lebenschancen insbesondere in den jüngeren und jüngsten Teilen der Bevölkerung (Chzhen 2014; Antonucci et al. 2014; Eurostat 2015, S. 165–190).

Die vergleichenden Daten der Europäischen Union verdeutlichen die Unsicherheit und Heterogenität der Lebensbedingungen von 170 Millionen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 0 bis 29 Jahren in den Mitgliedsstaaten. So waren im Jahr 2013 etwa 28 % der Kinder und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Über 50 % waren es in Bulgarien, jeweils über 40 % in Rumänien und Ungarn; jeweils unter 20 % in Deutschland, Slowenien, den Niederlanden, Tschechien, Schweden, Dänemark und Finnland (Eurostat 2015, S. 173). Die aktuellen Entwicklungen konterkarieren jedenfalls die Annahme einer prosperierenden Entwicklung in Europa und das Bild einer nivellierten und saturierten Mittelstandsgesellschaft, das noch gegen Ende des 20. Jahrhunderts von der Sozialforschung gezeichnet wurde (Beck 1986; Schulze 1992). Die Polarisierung von Lebenssituationen und die Zunahme von Armutsrisiken von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind im Europa der Gegenwart stärker ausgeprägt als noch vor einem Vierteljahrhundert. Dies birgt enormen gesellschaftlichen Sprengstoff in sich, weil immer mehr junge Menschen daran zweifeln müssen, in Zukunft ein durch Erwerbsarbeit ausreichend finanziertes Leben führen zu können.

5 Maßnahmen und Akteure der europäischen Jugendpolitik

Jugendpolitik und die Durchsetzung von Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung der Jugend sind bis heute zentrale Gegenstände nationalstaatlicher Politik, insbesondere als Teilaspekte der nationalen Familien-, Bildungs- und Sozialpolitiken. Dieses Primat der Nationalstaatlichkeit bei der Festlegung und Regulierung der Belange von Jugendlichen erklärt viele Unterschiede in der Institutionalisierung von Jugend als Lebensphase und im Ausbau von jugendpolitischen Maßnahmen zwischen den einzelnen Ländern Europas (Wallace und Bendit 2009; Chevalier 2016). Bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt in der Jugendpolitik eine besondere europäische Dimension, die die nationalstaatlichen Institutionen ergänzt und zunehmend auch formt und überlagert. Im Zentrum dieser Bemühungen stand zunächst die Förderung der europäischen Zusammenarbeit und der europäischen Verständigung. Jugendliche spielten in den europäischen Maßnahmen eine besondere Rolle, da man nach den kriegerischen Auseinandersetzungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem in der Erziehung einen Ansatz für eine nachhaltig friedensstiftende Politik sah. Direkt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ging es zunächst um die Entnazifizierung und „Umerziehung des deutschen Volkes“, insbesondere der deutschen Jugend (Plum 2007, S. 2; Mehdorn 2009). Jugendbegegnungen wurden dabei schnell zu beliebten Instrumenten zwischenstaatlicher Annäherung und Versöhnung ehemaliger Kriegsparteien. Das Deutsch-Französische Jugendwerk, das im Jahr 1963 gegründet wurde, gehört zu den ersten Organisationen dieser Art. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte sind unzählige Formate und Austauschprogramme dazugekommen (vgl. Büttner und Mau 2010, S. 298–306).12

Neben einigen bilateralen Initiativen fungierte vor allem auch der Europarat (Council of Europe) in der Nachkriegszeit und in den nachfolgenden Jahrzehnten als eine zentrale Plattform für die Förderung der europäischen Jugendpolitik und der Bildung von Jugendlichen im Geiste der Europäischen Integration. Der Europarat, der im Jahr 1949 als zwischenstaatliche Organisation gegründet wurde und aktuell 47 Mitgliedsländer hat, ist bis heute ein wichtiger politischer Akteur im Feld der Jugendpolitik geblieben. Jugendarbeit ist Teil der umfangreichen Bemühungen des Europarats zur Förderung aktiver Bürgerschaft und demokratischer Partizipation.13 Im Mittelpunkt der Arbeit stehen dementsprechend die Vermittlung von demokratischen Grundwerten, die Förderung von Toleranz und Menschrechten und der Schutz von Minderheiten. Die Abteilung für Jugendarbeit des Europarats bietet dazu in Straßburg und Budapest regelmäßig Workshops und Trainings an und über die European Youth Foundation werden lokale Workshops und Jugendbegegnungen finanziert. Der Europarat fördert zudem den europaweiten Austausch über nationale Jugendpolitik und führt ein regelmäßiges Monitoring nationaler Jugendpolitiken durch (Council of Europe 2016). So werden mit dem Ziel des Wissensaustauschs und der Verbesserung verfügbarer Strukturen etwa seit 1997 unabhängige Expertenberichte zu nationalen Jugendpolitiken erstellt (Williamson 2012). Zusammen mit anderen Datenquellen existieren damit erste Grundlagen für eine vergleichende europäische Jugendpolitikforschung (Wallace und Bendit 2009; Chevalier 2016). Darüber hinaus eröffnet der Europarat auch Möglichkeiten zur direkten Partizipation in Politikprozessen. Im European Steering Committee for Youth (CDEJ) sind neben Repräsentanten der Mitgliedsländer des Europarats auch Jugendorganisationen vertreten. Zusätzliche Gremien mit Beteiligungsstrukturen sind das Advisory Council on Youth, das Joint Council on Youth und das Programming Committee on Youth.

In den vergangenen von zwei bis drei Jahrzehnten ist auch die Europäische Union immer mehr zu einem wichtigen Akteur und Koordinator der europäischen Jugendpolitik aufgestiegen. Die Europäische Union baut in vielen Belangen auf der Arbeit und auf Konzepten des Europarats auf und löst damit den Europarat immer mehr in seiner Stellung als zentrale Plattform der europäischen Jugendpolitik ab. Sie ist nicht nur budgetär wesentlich besser ausgestattet, sondern kann über ihre Kompetenzen im Bereich der europäischen Beschäftigungspolitik und durch eigene Fördermaßnahmen auch eigene Akzente im Bereich Jugendpolitik setzen. Neben Bildung und Ausbildung, politischer Partizipation und Freiwilligenarbeit junger Menschen sind vor allem grenzüberschreitende Mobilität und Beschäftigung zentrale Schlüsselthemen der EU-Jugendpolitik.14 Den Ausgangspunkt bildete die Einführung des sogenannten ERASMUS-Programms im Jahr 1986, das immer noch läuft und den Austausch von Student/-innen an europäischen Universitäten zum Ziel hat (Büttner und Mau 2010, S. 304–306; Inowlocki und Riemann 2011; Van Mol 2013; Van Mol et al. 2015). Diese Maßnahme wurde 1988 durch das Programm „Jugend für Europa“ ergänzt, das Jugendaustausche, Jugendinitiativen und europäische Jugendbildungsprojekte fördert, sowie ab 1995 durch das sogenannte SOKRATES-Programm, das die Förderung des Austausches von Bildungsinstitutionen und die internationale Mobilität von Lehrenden zum Ziel hat.

Seit Beginn der 2000er-Jahre intensivierte die Europäische Union ihre jugendpolitischen Initiativen. Im November 2001 wurde das Weißbuch „Jugend“ mit dem Titel „Neuer Schwung für die Jugend Europas“ veröffentlicht (Europäische Kommission 2001). Im Juni 2002 einigten sich die Jugendminister der EU-Mitgliedstaaten auf einen gemeinsamen Rahmen zur europäischen Zusammenarbeit in Gestalt der sogenannten „Methode der offenen Koordinierung“, die bereits in anderen Politikbereichen – etwa in der europäischen Beschäftigungspolitik (Heidenreich und Zeitlin 2009) oder in der Armuts- und Inklusionspolitik (Bernhard 2010) – als ein zentrales Steuerungsinstrument der EU-Governance eingeführt worden war. Die EU-Kommission wurde dadurch zum zentralen Koordinator im Bereich Jugendpolitik, der nicht nur die europäische Jugendpolitik, sondern etwa durch Definition gemeinsamer Politikschwerpunkte zunehmend auch die jugendpolitischen Agenden in den Mitgliedsländern beeinflusst. Angesichts der zum Teil dramatischen Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in einigen EU-Mitgliedsländern wurde im Kontext der Überarbeitung der übergeordneten Strategie für Wachstum und Beschäftigung (Lissabon-Strategie) im Jahr 2005 von den Staats- und Regierungschefs ein sogenannter „Europäischer Pakt für die Jugend“ verabschiedet. Ziel des Paktes war es, die allgemeine und berufliche Bildung, die Mobilität sowie die berufliche und soziale Eingliederung von Jugendlichen, insbesondere von benachteiligten Jugendlichen, zu verbessern. Im Jahr 2009 wurden die Aktivitäten der EU weiter intensiviert und in der „EU-Strategie für die Jugend (2010–2018)“ neu justiert.15

In Einklang mit dem allgemeinen Trend zur Ökonomisierung jugendlicher Lebenswelten in aktivierender Perspektive (Reiter und Craig 2005; Lahusen et al. 2013; siehe den Beitrag von Lange und Reiter in diesem Band) ist auch die Jugendstrategie insgesamt ökonomistisch geprägt: Die Schwerpunkte sind beschäftigungspolitische Maßnahmen und die Pflege des „jungen Humankapitals“ (Europäische Kommission 2009, S. 2). In der Strategie ist jedoch auch die Rede von einem stärkeren politischen „Empowerment“ der Jugend und von größeren „Investitionen in die Jugend“ durch die „Bereitstellung größerer Mittel für Maßnahmen in Politikbereichen, die sich auf das tägliche Leben junger Menschen auswirken und ihr Wohlbefinden verbessern“ (Europäische Kommission 2009, S. 4). Die EU-Strategie zielt darauf ab, ungleiche Chancen Jugendlicher in Arbeitsmärkten ihrer Mitgliedsstaaten abzubauen. Hierfür wurden ab 2013 Beschäftigungsinitiativen in den Mitgliedsländern ins Leben gerufenen. Zudem verpflichtet das Konzept der „EU-Jugendgarantie“ die Mitgliedsländer dafür zu sorgen, dass, „alle jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nachdem sie arbeitslos geworden sind oder ihre Ausbildung abgeschlossen haben, ein qualitativ hochwertiges Beschäftigungsangebot, Fortbildung, einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum erhalten.“16 Die durch den Europäischen Sozialfond geförderte „Beschäftigungsinitiative für junge Menschen“ ist eine der Hauptfinanzierungsquellen zur Unterstützung der Umsetzung der Jugendgarantie. Mit der Einführung von ERASMUS+ wurde außerdem eine Bündelung bisheriger Maßnahmen und ein Ausbau der europäischen Austauschprogramme vorgenommen.17 Trotz dieser Bemühungen gehört paradoxerweise gerade das Thema der Migration nach wie vor zu den politisch unzureichend geklärten Schwachstellen der europäischen Integration. Zunächst wird die Idee der EU-Binnenmigration durch das Fortbestehen uneinheitlicher wohlfahrtsstaatlicher Regelungen der Mitgliedsländer unterwandert. Die Mobilität des ‚Faktors Arbeit‘ bleibt etwa durch hartnäckige Barrieren lokaler Arbeitsmärkte und durch Sprachprobleme stark eingeschränkt (Bernhard und Bernhard 2014; Recchi 2015). Außerdem ist das Thema Migration aktuell durch die aus Krisengebieten nach Europa flüchtenden Menschen insgesamt negativ besetzt. Junge Menschen, die generell als mobilitätsfreugig gelten (Mau und Verwiebe 2007, S. 111 ff.), sind konfrontiert mit einer Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Migrationsordnungen und mit einer Spaltung von Armuts- und Reichtumsmigration.

6 Fazit: Aktuelle Probleme und Herausforderung der europäischen Jugendpolitik

Obwohl die EU-Kommission immer wieder die Bedeutung der europäischen Jugendpolitik und von Investitionen in Jugendprogramme betont, haben die Maßnahmen bisher nicht zu einer Entspannung der prekären Situation geführt und werden auch aus organisatorischen Gründen als uneffektiv kritisiert (Chabanet 2014). Vielmehr zeigen sich dramatische Spaltungstendenzen etwa im Bereich der Bildung. Eine wachsende Zahl von jungen Menschen fühlt sich vom wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demokratischen Leben ausgeschlossen, worauf die Europäische Kommission in ihren jüngsten Verlautbarungen selbst hinwies.18 Auch die Hoffnungen auf eine kollektive europäische Identität, die von den ‚Erasmus Generationen‘ europaerfahrener Jugendlicher getragen wird, scheint sich nicht ohne Weiteres zu erfüllen. Entsprechende empirische Befunde sind zumindest widersprüchlich (Sigalas 2010; Wilson 2011; Kuhn 2012; Mitchell 2015). Aktuelle Studien zeigen, dass die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre auch bei der eher europafreundlichen jungen Generation Skepsis gegenüber der EU hervorrufen (Gomez 2015). Mit ihren offenen Grenzen prägt die Europäische Union die heutige Lebenswirklichkeit und politische Kultur Europas in besonderer Weise. Trotz voranschreitender europäischer Integration ist es bislang aber nicht gelungen, eine starke europäische Identität zu etablieren. Sie ist zwar unter Jugendlichen insgesamt deutlicher ausgeprägt, dennoch ergänzt sie bestenfalls nationale Identitäten (Fligstein et al. 2012). Die „Brexit“-Debatte um den demokratisch inszenierten EU-Austritt Großbritanniens verweist auf die Fragilität dieses supranationalen Arrangements und seine Gefährdung durch populistische Distinktionsbedürfnisse und romantische Nationalismen politischer Opportunisten. Das britische Brexit-Referendum hat gezeigt, dass die Frage der Mitgliedschaft in der europäischen Gemeinschaft zu einem neuen Generationenkonflikt werden kann, wenn eine medial verführbare, ältere, niedrig gebildete, ländliche Wählerschaft weitreichende Zukunftsentscheidungen zu Ungunsten junger Menschen treffen kann (Goodwin und Heath 2016; Outhwaite 2017). Alter ist damit neben ökonomischen, sozialen, kulturellen und räumlichen Aspekten endgültig zu einer der zentralen Kategorien gesellschaftlicher Polarisierungen in Europa geworden, die darüber entscheiden, wer die künftigen Gewinner und Verlierer europäischer Mobilitätsfreiheiten und wirtschaftlicher Homogenisierung sein werden (Favell 2008; Fligstein 2008; Recchi und Favell 2009).

Fußnoten

  1. 1.

    Die Zeit davor war geprägt von verschiedenen, mehr oder weniger pathetischen und immer sozial selektiven Jünglingskonzepten (Roth 1983; Dudek 2002; Hornstein 1989).

  2. 2.

    Als erstes Land in Europa hat Preußen im Jahr 1839 ein Gesetz zum Verbot von Kinderarbeit für Kinder unter neun Jahren verabschiedet. Im Jahr 1853 wurde ein neues Schutzgesetz erlassen, in welchem die Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren verboten und die Arbeitszeit der 12- bis 14-Jährigen auf 12 Stunden pro Tag begrenzt wurde. Zudem wurde mit der Verabschiedung dieses Gesetzes erstmals eine Aufsichtsbehörde eingerichtet, die die Einhaltung des Gesetzes durch Inspektionen zu gewährleisten hatte (Görtemaker 1996, S. 182 f.).

  3. 3.

    Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB): Anteile der Altersgruppen unter 20, ab 65 und ab 80 Jahre in Deutschland, 1871 bis 2060 (Stand: 2014). http://www.bib-demografie.de/DE/ZahlenundFakten/02/Abbildungen/a_02_12_ag_20_65_80_d_1871_2060.html?nn=3074114 (zugegriffen am 13.03.2017).

  4. 4.

    Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sich in ganz Europa verbreitende Kunst- und Stilrichtung des „Jugendstils“ ist ein beredtes Beispiel dieser Entwicklung. Aber auch im aufblühenden Vereinswesen und in den nationalstaatlichen Erziehungs- und Bildungsprogrammen spielte die Ausbildung und die besondere Pflege der Jugend und von Idealen der Jugendlichkeit ab Ende des 19. Jahrhunderts eine immer größere Rolle.

  5. 5.

    Die deutsche Wandervogelbewegung, die in Österreich gegründete Naturfreundejugend oder die von Großbritannien ausgehende Pfadfinderbewegung sind nur einige Beispiele dieser neuen, jedoch zumeist von bürgerlichen Schichten getragenen, Jugendbewegungen. Und auch der europaweite Aufstieg der sozialistischen Arbeiterbewegung und des Kommunismus ab Ende des 19. Jahrhunderts ist auf den Veränderungsdrang der jungen Bevölkerungsschichten zurückzuführen.

  6. 6.

    Die Entwicklung und die Situation der Jugend in Westeuropa und in Skandinavien nach 1945 waren grundverschieden von der Erfahrung von jungen Menschen in den Ländern des sog. „Ostblocks“. Und auch die gesellschaftliche Nachkriegsentwicklung von Griechenland, Portugal und Spanien lässt sich aufgrund der Persistenz diktatorischer Regime bis Mitte/Ende der 1970er kaum mit der Entwicklung in Westeuropa gleichsetzen.

  7. 7.

    Diese neue Jugendkultur war nicht originär „europäisch“, sondern sie war und ist bis heute in erheblichem Maße von der US-amerikanischen Kulturindustrie und von subkulturellen Entwicklungen in Nordamerika geprägt. Den Facettenreichtum der Amerikanisierung und Selbst-Amerikanisierung in Europa des 20. Jahrhunderts diskutieren z. B. Schildt und Siegfried (2006); Schissler (2001); Stephan (2006). Zur Diskussion von Jugendkulturen in Osteuropa siehe die Beiträge in Schwartz und Winkel (2016). Muslimische Jugendkultur in Westeuropa diskutiert Herding (2013).

  8. 8.

    Der Anteil der Menschen unter 15 Jahren betrug laut einer Statistik der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) auf dem europäischen Kontinent circa 16 % der Gesamtbevölkerung Europas, der Anteil der über 65-Jährigen lag bei 17 %. Der weltweite Durchschnitt liegt hier hingegen bei Anteil von 26 % (15 und jünger) gegenüber 8 % (65 und älter). Quelle: DSW. Anteil der Bevölkerung unter 15 und über 64 Jahren in den Weltregionen im Jahr 2016. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/71063/umfrage/weltbevoelkerung-nach-alter-und-regionen/ (zugegriffen am 13.03.2017).

  9. 9.

    Eurostat. Anteil der Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) an der Gesamtbevölkerung der EU-Staaten im Jahr 2015. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/7082/umfrage/anteil-jugendlicher-an-der-gesamtbevoelkerung-der-eu-staaten/ (zugegriffen am 13.03.2017).

  10. 10.

    Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB): Anteile der Altersgruppen unter 20, ab 65 und ab 80 Jahre in Deutschland, 1871 bis 2060 (Stand: 2014). http://www.bib-demografie.de/DE/ZahlenundFakten/02/Abbildungen/a_02_12_ag_20_65_80_d_1871_2060.html?nn=3074114 (zugegriffen am 13.03.2017).

  11. 11.

    Zur Diskussion von Unterschieden der statistischen Erfassung von Unterschieden in der Jugendarbeitslosigkeit und von anderen Indikatoren zur Beschreibung der Arbeitsmarktsituation von jungen Menschen in Europa siehe Anger et al. (2016).

  12. 12.

    Die Anfänge von grenzüberschreitenden Jugendbegegnungen in Europa reichen weiter zurück als die Zeit ab Mitte des 20. Jahrhunderts. Dies gilt insbesondere für die internationale Pfadfindervereinigung, die bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts regen Zulauf hatten.

  13. 13.
  14. 14.
  15. 15.
  16. 16.
  17. 17.
  18. 18.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieFriedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)ErlangenDeutschland
  2. 2.Deutsches JugendinstitutMünchenDeutschland

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