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Medizinische Stigmatisierung von Drogenkonsumenten aus historischer Perspektive

  • Hannes WalterEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Psychologie book series (SRP)

Zusammenfassung

Normative und moralische Kriterien prägten das Krankheitsbild der Sucht seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert. Mit dem Aufstieg naturwissenschaftlicher Deutungsmuster erhielt die Sucht die Qualität eines unauslöschlichen Stigmas. Mediziner betrachteten Trinker und Konsumenten anderer psychoaktiver Substanzen als konstitutionell minderwertige Individuen und verknüpften den Genuss von Alkohol, Morphium und Kokain mit verschiedenen Formen sozialer und sexueller Devianz. So entstand im 20. Jahrhundert das Negativbild des Süchtigen, das den gesellschaftlichen Blick auf Drogenkonsumenten bis heute beeinflusst.

Schlüsselwörter

Sucht Psychiatrie Alkohol Morphium Kokain 

1 Die Ambivalenz der Sucht zwischen Krankheit und Moral

Die Geschichte der Sucht ist immer auch eine „Geschichte dessen, was in der Medizin als normal galt“ (Wiesemann 2000, S. 9). Gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatten über den Themenkomplex Drogenkonsum und Sucht verhandeln mehr oder weniger implizit stets auch Normen, Werte, Körperbilder und soziale, moralische sowie sexuelle Rollenbilder (Renggli und Tanner 1994, S. 23–25). Dass derartige Vorstellungen von Normalität und Devianz bei der Herausbildung des Krankheitsbilds der Sucht eine mindestens ebenso große Rolle spielten wie naturwissenschaftliche Erkenntnisweisen, offenbaren die medizinischen Diskurse des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die im Folgenden im Fokus stehen. Aufgrund der terminologischen und diagnostischen Vielfalt der verschiedenen nationalen und internationalen psychiatrischen Schulen konzentriert sich die Darstellung dabei im Wesentlichen auf die deutschsprachigen medizinischen Publikationen zum Themenfeld Sucht, die bis in die 1930er-Jahre hinein erschienen.

Die damaligen Debatten sind nicht allein deswegen von aktueller Bedeutung, weil in jener Phase die Grundlagen für die vielfach noch heute dominierende juristische, polizeiliche und therapeutische Behandlung der Drogenproblematik gelegt wurde (Scheerer 1993). Sie prägten zudem das langlebige und wirkmächtige Konstrukt des idealtypischen Süchtigen als konstitutionelles und deviantes Mängelwesen. Um die kulturelle und normative Verfasstheit dieses medizinischen Musterbilds offenzulegen, werden Abhängigkeit und Sucht im Folgenden nicht „unhinterfragt als physiologische oder pharmakologische Tatsachen“ betrachtet, sondern als „Produkt interpersoneller Kommunikation“, „soziokultureller Entwicklungen sowie […] als Resultat gesellschaftlicher Machtstrukturen“ (Dollinger und Schmidt-Semisch 2007, S. 8). Gleiches gilt für die hier im Fokus stehenden Substanzen Alkohol, Morphium und Kokain, denen ebenfalls „keine immanente, quasi transhistorische Bedeutung“ innewohnt. Auch ihre Bewertung ist stets Gegenstand sozialer Aushandlungsprozesse und weicht in verschiedenen geografischen, sozialen, juristischen und kulturellen Kontexten stark voneinander ab (Hengartner und Merki 2001, S. 7–11).

Jede historische Untersuchung, die sich mit Sucht oder Abhängigkeit befasst, steht zunächst vor einem grundlegenden Problem: Obwohl der moderne Suchtbegriff in seinen Grundzügen bereits im frühen 19. Jahrhundert geprägt wurde, besitzt er bis heute keine schlüssige und allgemein anerkannte Definition. Allein in den medizinischen Schriften der letzten 200 Jahre können wenigstens vier verschiedene Suchtkonzepte unterschieden werden. Keines von ihnen ließ sich jedoch in das für die Bildung von Krankheitseinheiten so wichtige Schema von Ätiologie, spezifischem Krankheitsbild und exakt darauf ausgerichteter Therapie einpassen. Sowohl die Ursachen als auch die Symptomatologie des krankhaften Rauschmittelkonsums blieben in der psychiatrischen Forschung höchst umstritten (Berridge und Edwards 1987, S. 251; Wiesemann 2000, S. 8–9, 55–64). Innerhalb der medizinischen Terminologie führte dies zu einer problematischen Sprachverwirrung. Der Ausdruck Sucht bezeichnete ganz verschiedene pathologische Phänomene, etwa eine eigenständige Krankheit, eine Form der Psychopathie, ein Symptom anderer Geistesstörungen oder eine Ursache oder Folge von Degenerationserscheinungen. Insofern stand die im späten 19. Jahrhundert einsetzende Ausweitung des Suchtkonzepts auf immer weitere Lebensbereiche und Verhaltensweisen in einem paradoxen Kontrast zur permanenten Krise des Paradigmas (Spode 1993, S. 133, 140–144).

Die Suchtkrankheit ruhte also stets auf einem extrem unsicheren theoretischen und empirischen Fundament. Hinzu kam, dass die Vorstellung einer unsichtbaren Gewöhnung es den Ärzten erschwerte, eine pathologische Störung zu diagnostizieren, solange die Patienten keine offensichtlichen Krankheitserscheinungen aufwiesen. Aus diesem Grund zog man neben klinischen Symptomen oft auch moralische und normative Kriterien heran, um bestimmte Konsumformen als krankhaft einzustufen. Paradoxerweise hätte die Idee eines pathologischen Zwangs derartige Wertungen eigentlich in den Hintergrund drängen müssen. Unmäßige Trinker und später auch Morphium- und Kokainkonsumenten stellten gemäß der Suchtlehre therapiebedürftige Kranke dar, deren Verhalten kein bloßes Laster, sondern Ausdruck einer Krankheit war. Mit dieser Theorie erhoben die Ärzte nicht zuletzt gegenüber Predigern und anderen medizinischen Laien ihren Kompetenzanspruch auf die Heilung und Behandlung der Betroffenen (Spode 1993, S. 130–133). Aber obwohl die neuen medizinisch-wissenschaftlichen Deutungen im Verlauf des 19. Jahrhunderts die älteren, religiös geprägten Diskurse über Rausch und Unmäßigkeit langsam überformten, wohnt der Sucht bis heute das ambivalente Gepräge einer moralischen und physiologischen Krankheit inne.

Diese Zwiespältigkeit war eng mit den Wertvorstellungen und der Wissensproduktion innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft verflochten, deren Aufstieg die Durchsetzung des neuen medizinischen Alkoholwissens förderte. Die Hingabe an Rausch und Genuss widersprach dem Ideal einer rationalen Lebensführung, die Selbstbeherrschung, Triebverzicht, Leistungsbereitschaft und Pflichterfüllung zu den Kardinaltugenden des Menschen zählte. Mit der Idee eines krankhaften Zwangs entwickelte sich eine neue Qualität der Verhaltensdisziplinierung, die den Übergang von der externen gesellschaftlichen Kontrolle hin zur internen Selbstkontrolle des Einzelnen ermöglichte. In dem Maße, wie das medizinische Suchtkonzept an Akzeptanz gewann, stieg die Verantwortung des Individuums, mithilfe seines „inneren Richters“ zu überprüfen, ob das eigene Konsumverhalten nicht bereits pathologische Züge trug. Insofern ist die Sucht nicht nur ein „Kind der Moderne“, sondern auch ein Produkt der protestantischen Ethik (Nolte 2007, S. 47; Wiesemann 2000, S. 153–154, 183–184; Bohlen 1998, S. 42–50).

So verdrängte die neue medizinische Theorie ältere moralisierende Deutungen nicht einfach, sondern trug dazu bei, bürgerliche Normen und Werte zu Idealen von Gesundheit und Normalität zu erheben. Dies entsprach den szientistischen Bestrebungen einer Zeit, in der die Medizin sich dazu aufschwang, „in der Lebensführung der Menschen […] eine normative Rolle“ zu übernehmen, „die sie nicht bloß zur Erteilung von Ratschlägen für ein vernünftiges Leben befugt[e], sondern sie zur Lehrmeisterin für die physischen und moralischen Beziehungen zwischen dem Individuum und seiner Gesellschaft macht[e]“ (Foucault 1991, S. 52). Immer mehr Formen unerwünschten Sozialverhaltens wurden so aus ihrem gesellschaftlichen Kontext gelöst und als pathologische Abweichungen klassifiziert (Lock und Vinh-Kim 2010, S. 44–46).

In diesem Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und normativen Idealen operierten Mediziner schon frühzeitig sehr bewusst. So forderte einer der Pioniere der neuen Suchttheorie, der Direktor der Berliner Charité Christoph Wilhelm von Hufeland, bereits im Jahre 1802 Erzieher und Prediger dazu auf, den Konsum von Branntwein schon gegenüber Kindern „nicht blos als nachtheilige Gewohnheit, sondern als Laster und große Versündigung“ darzustellen (Hufeland 1802, S. 18). Für die Verbreitung der kollektiv-medizinischen und sozial-moralischen Aspekte des neuen Krankheitsbilds sorgte auch die ab den 1830er-Jahren von den USA auf Europa übergreifende Mäßigkeitsbewegung, die seit den 1880er-Jahren auf vielen Ebenen mit der akademischen Psychiatrie kooperierte (Kloppe 2004, S. 162; Lengwiler 2014).

Mitte des 19. Jahrhunderts konkurrierte das Paradigma der Sucht, dessen Befürworter es zumeist als Mittelzustand zwischen Krankheit und Laster interpretierten, mit der einflussreichen Theorie des „alcoholicmus chronicus“ des schwedischen Arztes Magnus Huss. Zwar spielte die Trunksucht in diesem Krankheitsbild eine nebensächliche Rolle, aber auch Huss identifizierte den lasterhaften, unmäßigen Alkoholkonsum als eine der wesentlichen Ursachen der Erkrankung. Trotz der zunehmenden Deutungsmacht medizinisch-naturwissenschaftlicher Erklärungsmuster haftete den Betroffenen also weiterhin ein moralischer Makel an (Spode 1993,S. 129–133; Huss 1852, S. 507–509).

In dieser Grauzone zwischen Krankheit und Moral verblieb den als süchtig etikettierten Trinkern noch die Möglichkeit, durch Abstinenz oder Mäßigung in den Kreis der Gesunden zurückzukehren. Aber je mehr die Degenerationstheorien der französischen Psychiater Bénédict Morel und Joseph-Valentin Magnan sowie der Darwinismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Zuspruch gewannen, sanken die Chancen der Betroffenen auf eine solche Rehabilitierung. Suchtverhalten erschien im rassen- und sozialhygienischen Kontext zunehmend als sichtbares Zeichen körperlicher und geistiger Entartung, das dem Betroffenen wie ein konstitutionell verankertes Stigma anhing und eine gänzliche Heilung verunmöglichte (Arenz 2003, S. 103; Baer 1998, S. 62; Schott und Tölle 2006, S. 102–103). Ihr individuelles Konsumverhalten stieg damit von einem privaten zu einem sozialen Problem auf. Bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert galt der Konsum von Alkohol und in geringerem Maße auch von Morphium und Kokain als einer der Hauptgründe für die vermeintlich fortschreitende Entartung der Bevölkerung. Der Süchtige schädigte durch sein Verhalten den „Volkskörper“ und erschien somit als eklatanter gesellschaftlicher Störfaktor und Fortschrittshemmer (Bohlen 1998, S. 26–28, 39–41).

Obwohl die Sucht als biopolitische Gefahr ersten Ranges betrachtet wurde und das Interesse der medizinischen Forschung auf sich zog, blieben sowohl die Ursachen als auch die bei der Gewöhnung ablaufenden, physiologischen Prozesse rätselhaft. Eine Vielzahl psychiatrischer Theorien entstand, die unterschiedliche psychische, konstitutionelle, hereditäre, soziale, ökonomische und moralische Einflüsse und Auslöser identifizierten. Während der Alkoholismus in der französischen Psychiatrie in der Tradition der Monomanielehre Jean-Étienne Esquirols als eigenständige Krankheit betrachtet wurde, dominierte in Deutschland die von Julius Ludwig August Koch begründete Einstufung als Psychopathie, die alle „Giftsuchten“ als „psychopathische Minderwertigkeiten“ in einem abgestuften Spektrum zwischen Gesundheit und Krankheit verortete. Nach Ernst Kraepelin gingen sie aus einem komplexen Zusammenspiel zwischen individuellen Anlagen und Umweltfaktoren hervor (Lengwiler 2014, S. 91–94; Esquirol 1838, S. 37–44; Koch 1891, S. 1; Kraepelin 1899, S. 44–49). Analog zur Debatte über Gewohnheitsverbrecher verstärkte die Betonung der Umwelteinflüsse die Rolle der Vererbung aber noch zusätzlich: Wer trotz günstiger Lebensumstände süchtig wurde, besaß offensichtlich eine entsprechende Veranlagung. Stammte der Süchtige aus einem prekären Milieu, so mussten dennoch Anlagefaktoren mitwirken, da schließlich nicht jeder Arme eine Sucht entwickelte (Becker 2000; Müller 2004, S. 76–78).

Ungeachtet dieser nosologischen und theoretischen Vielfalt stehen im Folgenden zwei zentrale stigmatisierende Motive im Fokus, die das idealtypische Konstrukt des Süchtigen in allen psychiatrischen Schulen und Strömungen prägten. Alkoholiker und Konsumenten anderer psychoaktiver Substanzen galten erstens als minderwertige Träger eines konstitutionellen Defekts im Sinne einer Abweichung vom fiktiven, statistisch konstruierten ‚Normalmenschen‘. Zweitens verknüpften Mediziner Alkoholismus, insbesondere aber Morphinismus und Kokainismus mit verschiedenen Formen sozialer, moralischer und sexueller Devianz, die sowohl aus dem chronischen Konsum von Rauschmitteln hervorgehen als auch dessen Entstehung begünstigen sollten. Das aus diesen Grundelementen bestehende psychiatrische Stereotyp des Süchtigen entwickelte sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zu einem Gegenbild des kontrollierten, rationalen, produktiven und heterosexuellen Bürgers, dessen Einzelinteresse mit dem Allgemeininteresse des Volkskollektivs im Einklang stand.

2 Der Süchtige – ein medizinisches Mängelwesen

Die ‚Väter‘ des medizinischen Suchtkonzepts, zu denen neben Hufeland auch die Ärzte Thomas Trotter und Benjamin Rush aus der Edinburgh-Schule und der Russe Constantin von Brühl-Cramer gehörten, gaben der Krankheit von Beginn an das Gepräge besonderer Heimtücke und Bedrohlichkeit. Mit seiner Behauptung, „die Menschheit“ habe „noch nie an einer so gefährlichen und allgemeinen Krankheit“ gelitten, beklagte Hufeland nicht nur die in der Bevölkerung herrschende Unwissenheit über die Schädlichkeit des unmäßigen Alkoholkonsums, sondern hob auch die besondere Gefahr der unmerklichen Gewöhnung hervor (Hufeland 1802, S. 4; Spode 1993, S. 125–130; Spöring 2014, S. 114–115).

Langfristig zog die Vorstellung einer unsichtbar fortschreitenden Krankheit, die den Trinkern so lange verborgen blieb, bis sie dem Alkohol aus eigener Kraft nicht mehr entsagen konnten, zwei bedeutsame Folgen nach sich. Allmählich verlor das persönliche Wohlempfinden des Einzelnen seine Bedeutung als Kriterium für die Unterscheidung zwischen krankhaftem und ‚normalem‘ Konsum, da die Deutungshoheit über diese Frage zunehmend in den Kompetenzbereich der medizinischen Experten überging. Zudem entstand eine eigentümliche Semantik des Rauschmittelkonsums, in der die Droge zum eigentlichen Akteur aufstieg, während die Konsumenten zunehmend zu passiven und willenlosen Opfern herabsanken. Dass medizinische Experten die Trunksucht in wissenschaftlichen Schriften als „böse[n] Dämon“ (Roesch 1839, S. 168) porträtierten, der die Trinker zu „Sklaven“ ihrer Gewohnheit machte (Hufeland 1802, S. 13), lässt sich nicht allein auf den anhaltenden Einfluss der religiösen Alkoholkritik zurückführen, die seit der Reformation gegen den „Saufteufel“ agitierte (Spode 1993, S. 62–63). Denn auch in den medizinischen Debatten über Morphium- und Kokainmissbrauch, die in den 1880er-Jahren aufkamen, kursierten Begriffe wie „Morphiumdämonen“, „Kokaingeister“ (Schmidt 1888, S. 17), „Höllenmittel“ und „verderbenbringende Furien“ (Erlenmeyer 1887, S. 178), sprach man vom „Dämon Morphium“ (Deutsch 1901, S. 36) und dessen „dämonische[r] Gewalt“ (Levinstein 1883, S. 87; Kraepelin 1887, S. 433; Freud 1887, S. 126).

Derartige rhetorische Ausflüge auf das Gebiet des Übersinnlichen illustrierten das in den Rauschmitteln verortete Bedrohungspotenzial für den bürgerlichen Wertekanon. Sie offenbarten aber auch das Unvermögen, den Prozess der Suchtentstehung mit wissenschaftlichen Methoden zu durchdringen. Indem man diesem Vorgang eine übermenschliche Kraft zuschrieb, schränkte man die Handlungsfähigkeit der Konsumenten von Beginn an ein. Während der mäßige Genuss von Alkohol zwar möglich, aber vom kollektivmedizinischen Standpunkt aus doch schädlich und gefährlich erschien, betrachtete man jede Form des nicht medizinisch motivierten Konsums von Morphium oder Kokain schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts als unkontrollierbare und potenziell tödlich verlaufende Suchterkrankung, die sich nur durch eine ärztliche Intervention aufhalten ließ.

Die unterschiedliche Bewertung der Substanzen und ihrer Konsumenten speiste sich dabei weniger aus den ohnehin beschränkten Kenntnissen über die jeweiligen Wirkungsspektren, sondern eher aus ihrer disparaten kulturellen Einbettung. Wurzelte der Missbrauch beim etablierten Genussmittel Alkohol noch im ‚normalen‘ Gebrauch, so galt der Konsum der neuen, nicht sozial eingehegten und weder durch spezifische Einnahmerituale noch Dosierungsempfehlungen regulierten Alkaloide Morphium und Kokain per se als gefährlich und krankhaft (Bohlen 1998, S. 52, 65–66). Der Psychiater Gottfried Leibold mutmaßte, dass die geheimnisvoll erscheinende Anwendungsweise der Injektion und das mangelhafte Wissen der Allgemeinheit über die beiden Stoffe zur „Sagen- und Legendenbildung“ in der Öffentlichkeit beitrugen (Leibold 1899, S. 2).

In dem pathologischen Zusammenspiel von Gewöhnung, unkontrollierbarem Konsum und zwanghafter Dosissteigerung lag der Keim für das populäre Laufbahnmotiv der ‚Drogenkarriere‘. Es verknüpfte die medizinische Sphäre der fortschreitenden psychophysischen Zerrüttung mit einem parallel verlaufenden sozialen Abstiegsnarrativ, das nicht selten mit dem Selbstmord der Süchtigen enden sollte. In seinen Grundzügen tauchte dieses Deutungsmuster bereits frühzeitig in Schriften über den krankhaften Alkoholkonsum auf (Hufeland 1802, S. 10; Esquirol 1838, S. 42–43; Schnitzer 1846, S. 223–229). Es etablierte sich von da ab rasch und prägte das stereotype Bild des Alkoholikers entscheidend mit, das nicht nur in dieser Hinsicht als Blaupause für den idealtypischen Morphinisten und Kokainisten fungierte.

An den Verbildlichungen des Süchtigen ging der fundamentale Wandel medizinischer Theorien und Körperbilder in der Neuzeit nicht spurlos vorüber. Zwar beschrieben die Ärzte des frühen 19. Jahrhunderts, die noch stark unter dem Einfluss der Humoralpathologie und der Temperamentenlehre standen, den unmäßigen Rauschmittelkonsumenten mit ihren Begrifflichkeiten ebenso als Mängelwesen wie ihre biomedizinisch argumentierenden Standeskollegen an der Wende zum 20. Jahrhundert; aber die vermeintlichen Ursachen der Sucht wurden mehr und mehr ins Innere der Betroffenen verlegt, trugen zunehmend das Gepräge eines unauslöschlichen psychophysischen Stigmas. Die vermeintliche konstitutionelle Andersartigkeit der Süchtigen diente als Erklärung für ihr abweichendes Verhalten und befriedigte das wissenschaftliche Bedürfnis nach Kausalität. Gleichzeitig raubte diese Interpretation ihnen aber jede Hoffnung auf Heilung und ein selbstbestimmtes Leben.

Viele der frühen Schriften über die Alkoholkrankheit interpretierten das Verhalten der Trinker mit einer Mixtur medizinischer, religiöser und aufklärerischer Deutungsmuster. So erklärten einige Autoren kurzerhand das „Laster“, also den übermäßigen Alkoholkonsum selbst, zum auslösenden Moment der Sucht (Rush 1810, S. 12; Roesch 1839, S. 160–161; Huss 1852, S. 343). Dieser Ansicht lag die Gleichsetzung des Rausches mit Chaos und Vulgarität zugrunde, der dem aufklärerischen und pietistischen Ideal einer rationalen Lebensführung widersprach (Spode 1993, S. 99–104; Feustel 2013, S. 81–90). Obwohl viele Mediziner auf das populäre Negativbild des unbeherrschten und cholerischen Trunkenbolds zurückgriffen, um die psychischen und moralischen Folgen des pathologischen Alkoholkonsums zu beschreiben (Trotter 1821, S. 2–4), betrachtete man Trinker zunächst nicht als abnorme Wesen mit einer spezifischen Disposition. Vielmehr stellte die Trunksucht eine allgemeine Bedrohung dar, vor der niemand gänzlich gefeit war. Schließlich gehörten Bier, Wein und Branntwein doch zu den alltäglichen Nahrungsmitteln, die Ärzte außerdem zur Behandlung zahlreicher Leiden und Krankheiten einsetzten (Hufeland 1802, S. 4; Schnitzer 1846, S. 223).

Dennoch versuchten die Anhänger des Suchtkonzepts bereits Faktoren zu identifizieren, die die Neigung zu unmäßigem Alkoholkonsum begünstigten. Da das Krankheitsmodell der Sucht dafür keine Erklärung bot, zog man eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen in Erwägung, die einerseits die äußeren Lebensumstände und Umwelteinflüsse, andererseits die körperliche und seelische Beschaffenheit der Kranken betrafen. Über diese theoretische Leerstelle der Ätiologie gelangten Fragen der Lebensführung und Moral in den Fokus des wissenschaftlichen Erkenntnisdrangs. Vor dem Hintergrund des Menschenbilds der Aufklärung deutete der Hang zum Trunk auf einen Mangel an Selbstkontrolle hin, wodurch die Sucht als Krankheit des Willens verstanden werden konnte. Die angebliche Willensschwäche der Trinker, später auch der Morphinisten und Kokainisten, zählte dabei wahlweise als disponierendes Moment (Esquirol 1838, S. 39; Bumke 1919, S. 461), als Folge der Sucht (Roesch 1839, S. 161; Levinstein 1883, S. 38; Bleuler 1916, S. 207–211; Lange 1936, S. 145–146) oder beides (Kraepelin 1910, S. 95, 100, 117, 214). Freilich blieb das wissenschaftliche Erkenntnispotenzial der fehlenden Willenskraft gering, da sie kein diagnostisches Kriterium, sondern eine Zuschreibung darstellte, die man Süchtigen in einem nachträglichen Zirkelschluss attestierte.

Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bot das Persönlichkeitsmodell der Temperamentenlehre ein verbreitetes Erklärungsmuster für das Verhalten der Trinker. Thomas Trotter erkannte etwa bei Melancholikern eine Neigung zu regelmäßigem Alkoholkonsum, während Karl Heinrich Roesch und Magnus Huss in erster Linie Sanguiniker gefährdet sahen (Trotter 1821, S. 7–9, 23–24; Roesch 1839, S. 55, 158–159; Huss 1852, S. 512–513). Obwohl diese Anschauung bereits die Konstitution als mögliche Krankheitsursache ins Spiel brachte, war ihr stigmatisierendes Potenzial gering, da man die Süchtigen innerhalb des ‚natürlichen‘ Spektrums der Temperamente verortete und sie noch keine wesenhafte Verschiedenheit zu gesunden Menschen aufwiesen. Gleichzeitig diskutierten die Mediziner aber mögliche psychische und moralische Ursachen des Alkoholmissbrauchs, die ein düsteres Bild des Trinkers zeichneten. Geistige und moralische Schwäche, der Hang zu Ausschweifungen, Vergnügungssucht, Langeweile sowie erregte Leidenschaften zählten demnach zu den typischen Konsummotiven (Esquirol 1838, S. 39; Roesch 1839, S. 153–157, 263; Schnitzer 1846, S. 229).

Die Fülle an Umwelteinflüssen, die ebenso im Verdacht standen, exzessiven Alkoholgenuss zu begünstigen, umfasste sowohl individuell nicht zu beeinflussende Faktoren als auch Umstände, die mehr oder weniger direkt in der Verantwortung des Einzelnen lagen und somit Willensstärke erforderten, um ihnen zu widerstehen. Zur ersten Gruppe zählten vor allem klimatische Bedingungen, das Alter, der Körperbau, körperliche und geistige Anstrengung in bestimmten Berufen und Armut, zur zweiten falsche Erziehung, schlechte Gesellschaft, verderbliche Trinksitten und die Lasterhaftigkeit der Großstadt (Trotter 1821, S. 7; Esquirol 1838, S. 38–39, 43; Schnitzer 1846, S. 229; Roesch 1839, S. 153–157; Huss 1852, S. 505).

Als im Zuge der beginnenden Industrialisierung und Urbanisierung in bürgerlichen Kreisen die Furcht vor den Auswirkungen des Pauperismus anwuchs, geriet die Funktion des Alkohols als „Sorgenbrecher“ verstärkt in den Fokus der Ärzte. Constantin von Brühl-Cramer hatte als einer der ersten auf diese Wurzel der Trunksucht verwiesen und auch andere Autoren warnten bald vor der Euphorie des Rausches, die Kummer und Leid temporär vergessen machte (Brühl-Cramer 1819, S. 10–11; Roesch 1839, S. 153, 158–159; Trotter 1821, S. 12–15). In ganz ähnlicher Form lag dieser kausale Zusammenhang einem populären Narrativ zugrunde, das den medizinischen Blick auf Drogenkonsumenten bis heute prägt: Indem das Bedürfnis zum Rauschmittelkonsum als unnatürliches Verlangen (Huss 1852, S. 346) und der Rausch selbst als „unverdiente Ekstase“, „künstliches Paradies“ oder „Erfahrung ohne Wirklichkeit“ gedeutet wurden, delegitimierte man nicht nur die Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen an sich, sondern unterstellte den Betroffenen auch das Unvermögen zur Erlangung „natürlicher“ Freuden, die sich vor allem durch die Überwindung körperlicher und geistiger Anstrengungen, also durch „wirkliche und gute Leistungen“ einstellen sollten (Bunge 1887, S. 4–8, 20–22; Bleuler 1916, S. 169–171; Feustel 2013, S. 126–129; Spöring 2014, S. 123).

Vor allem den Konsum von psychoaktiven Substanzen wie Morphium und Kokain interpretierten die Psychiater seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Flucht vor der Realität. Indem sie den nüchternen Körper zur biologischen Norm der Gesundheit erhoben, deuteten sie das kontinuierliche Verlangen nach Rauscherlebnissen als Ausdruck einer immanenten pathologischen Abweichung: „In fast allen Fällen erwächst das krankhafte Verlangen nach Gift aus einer Disharmonie der Persönlichkeit, aus dem Unvermögen, das eigene Wollen zu verwirklichen, sich mit den Ansprüchen der Welt ins Gleichgewicht zu setzen. Der Zwiespalt zwischen Wollen und Können, Ehrgeiz und Leistung, Streben und Erfolg, das Gefühl, sich gegen Ungemach und Mißgeschick nicht behaupten zu können, läßt das Verlangen nach einem Betäubungsmittel entstehen. Giftsucht und Selbstmord, Selbstbetäubung und Selbstvernichtung sind nur zwei Formen der gleichen Tendenz, der Wirklichkeit zeitweise oder endgültig zu entrinnen – und ein großer Teil der Giftsüchtigen scheidet schließlich freiwillig aus dem Leben“ (Joël 1928, S. 10–11).

Die geistigen Ursprünge dieser pathologisierenden Betrachtungsweise lagen zum Gutteil in den Lehren Morels und Magnans, speisten sich aber auch aus dem scheinbar universalen Erklärungspotenzial des Sozialdarwinismus. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten einzelne Autoren auf die Rolle der Vererbung bei der Suchtentstehung hingewiesen, ohne jedoch eine wissenschaftliche Erklärung für diesen Vorgang liefern zu können (Brühl-Cramer 1819, S. 90–92; Trotter 1821, S. 16; Roesch 1839, S. 157–158). Morels Degenerationslehre fußte auf der lamarckistischen Annahme, dass sich erworbene Charaktereigenschaften vererbten. Gemäß dieser Theorie entstanden psychische Anomalien, körperliche Störungen und schwere geistige Erkrankungen durch einen stetig fortschreitenden Entartungsprozess, zu dessen wesentlichen Triebfedern der Alkoholkonsum gehörte. Trinker erschienen somit gleichermaßen als Träger und Verbreiter pathologischer Erbanlagen (Morel 1857, S. 108–140; Reich 1868, S. 236). Obwohl die „keimschädigende“ Wirkung des Alkohols im Sinne einer mutagenen Beeinflussung (im Unterschied zur Alkoholembryopathie) nie nachgewiesen werden konnte, blieben derartige Annahmen dennoch lange fester Bestandteil des medizinischen Wissensschatzes (Staemmler 1936, S. 14–18; Spode 1993, S. 140–141).

In medizinischen Kreisen stieß das Degenerationsparadigma rasch auf große Resonanz und prägte das Bild des Trinkers in der französischen Psychiatrie entscheidend mit. Die Lehren Joseph-Valentin Magnans, der Morels Theorie mit darwinistischem Gedankengut verknüpfte, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch von deutschen Medizinern intensiv rezipiert (Lengwiler 2014, S. 91–93). Zwar bestimmte in Deutschland die von August Julius Koch entwickelte Psychopathielehre den medizinischen Blick auf Alkoholkonsumenten, aber Degeneration und Entartung etablierten sich als feste Bestandteile der psychiatrischen Terminologie sowie der rassenhygienischen und kriminalbiologischen Forschung (Schott und Tölle 2006, S. 105–106). Nach Koch gehörten „Giftsuchten“ zu den erworbenen „psychischen Regelwidrigkeiten […], die auch in schlimmen Fällen keine Geisteskrankheiten darstellen“, aber selbst in günstigeren Fällen verhinderten, dass die betroffenen Personen „im Vollbesitze geistiger Normalität und Leistungsfähigkeit“ seien (Koch 1891, S. 1, 261–263).

Der gewohnheitsmäßige Konsum von psychoaktiven Substanzen sollte nicht nur eine Fülle pathologischer Abweichungen verursachen, sondern gleichsam die Folge einer krankhaften psychischen oder körperlichen Konstitution beziehungsweise erblicher Belastungen darstellen (Levinstein 1883, S. 6; Kraepelin 1910, S. 100–110; Bumke 1919, S. 461). Nach dieser Logik wurden die Süchtigen zum Objekt einer zirkulären Pathologisierung: Vor allem Morphium- und Kokainkonsumenten galten als krank, weil sie diese Substanzen einnahmen, wobei ihr Konsumverhalten wiederum die ihnen schon zuvor innewohnende krankhafte konstitutionelle Abweichung offenbarte (Joël und Fränkel 1924, S. 1713).

Die psychische Abnormität der Süchtigen ließ sich aber nicht ohne Weiteres mit wissenschaftlichen Kriterien bestimmen. Vielmehr verkörperte sie das Gegenbild zu einer ebenso abstrakten „gesunden Psyche“, das auf soziokulturellen Vorstellungen von Normalität fußte. Weil die Unterscheidung zwischen Gesundheit und Alkoholismus im Einzelfall oft schwierig zu treffen war, schlug Eugen Bleuler vor, denjenigen als Alkoholiker zu bezeichnen, der „sich oder seine Familie durch den Alkoholgenuß deutlich schädigt, ohne daß man ihm das begreiflich machen kann, oder ohne daß er mehr den Willen oder die Kraft hat, sich zu bessern“ (Bleuler 1916, S. 178).

In ähnlicher Weise normativ fundiert war Kurt Schneiders einflussreiche Definition „psychopathischer Persönlichkeiten“, bei denen es sich um Menschen handelte, „die an ihrer Abnormität leiden oder unter deren Abnormität die Gesellschaft leidet“ (Schneider 1928, S. 3). Eine „psychopathische Konstitution“ lag laut Franz Kramer vor, wenn „die Harmonie der Persönlichkeit durchbrochen wird, wenn Triebmechanismen nicht willensmäßig beherrscht werden, sondern sich im Gegensatz zur Gesamtpersönlichkeit durchsetzen, […] ohne das intellektuelle Störungen vorliegen“ (Kramer 1930, S. 577–578). Übertragen auf das Gebiet der Suchtkrankheiten bedeutete dies, dass Alkoholismus, Morphinismus und Kokainismus „auf dem Boden psychopathischer Triebanomalie“ erwuchsen (Raecke 1924, S. 423). Otto Binswanger rechnete Süchtige daher zu den „Triebmenschen“, die zusammen mit „moralisch Schwachsinnigen“, sexuell Perversen und anderen „unverbesserlichen Defektmenschen“ zu den „Schädlingen der menschlichen Gesellschaft“ gehörten, „die begabt, aber haltlos und aller sittlichen Gefühlsreaktionen bar, lange Zeit auf der Grenzlinie zwischen strafrechtlicher Verantwortlichkeit und Strafunmündigkeit sich bewegen“ (Binswanger 1928, S. 356). Dieser deterministischen Logik entsprang eine Vielzahl verschiedener Typologien der Suchtkranken, die die individuellen Einzelschicksale der Patienten in abstrakte pathologische Kategorien pressten (Gabriel und Kratzmann 1936; Pohlisch 1937, S. 3–9).

In der Klassifizierung von Rauschmittelkonsumenten als Psychopathen kam die im 19. Jahrhundert so wirkmächtige Tendenz zur Medikalisierung abweichenden Verhaltens zum Ausdruck, die den medizinischen Zugriff auf die Betroffenen legitimierte. Während die Ärzte beim kulturell integrierten Alkohol aber die Quantität, die Häufigkeit und die psychischen und körperlichen Folgeerscheinungen des Konsums heranzogen, um dessen Krankhaftigkeit zu bestimmen, sah man Morphium und Kokain mit anderen Augen. Wer diese Substanzen ohne ärztliche Anweisung einnahm, wies ungeachtet dieser Kriterien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine psychische Minderwertigkeit auf (Deutsch 1901, S. 8; Kraepelin 1910, S. 116–117; Roemer 1912, S. 84; Remertz 1914, S. 943–944). Allerdings konnten die deutschen Mediziner in wesentlich geringerem Ausmaß klinische Erfahrungen mit den beiden Alkaloidsuchten sammeln, als dies beim Alkoholismus der Fall war (Kraepelin 1910, S. 206, 229; Ihlow 1895, S. 13). Das Krankheitsbild des Morphinismus entstand in seinen Grundzügen bereits in den 1870er-Jahren, der Kokainmissbrauch geriet erst Mitte der 1880er-Jahre in den Fokus der Psychiater (Erlenmeyer 1887, S. 404–423; Erlenmeyer 1886).

Ungeachtet dessen festigte sich in der wissenschaftlichen Gemeinde und in der Öffentlichkeit schon vor der Jahrhundertwende ein äußerst negatives Bild von beiden Konsumentengruppen. Dabei fiel die Verurteilung der Morphinisten durchaus nicht einhellig aus. Viele Autoren wiesen darauf hin, dass Morphiumsüchtige zumeist den höheren Gesellschaftsschichten entstammten, durch den „Lebenskampf der Moderne“ zu ihrer Sucht kamen, ihre Berufspflichten trotz des Konsums dennoch lange erfüllten oder sogar eine hohe Begabung aufwiesen (Kraepelin 1887, S. 437; Deutsch 1901, S. 10–13, 24–25, 36–37; Bleuler 1916, S. 208; Lewin 1927, S. 79). Vielsagend erklärte Eduard Levinstein über Morphinisten, es sei „doch nimmermehr Jemand als geisteskrank zu erachten, […] der seiner Kunst, seinem Berufe [sic] lebt, der dem Staate, seiner Familie, seinen Mitbürgern gegenüber seine Pflichten in vollem Maasse [sic] erfüllt, und der warmen Antheil nimmt an Allem, was das menschliche Herz bewegt“ (Levinstein 1883, S. 12). In der Praxis sah der ärztliche Umgang mit den Morphiumkonsumenten jedoch oft anders aus. Einige Psychiater kritisierten sowohl die skandalisierenden Berichte in der Tagespresse als auch die abwertende Haltung ihrer Standeskollegen gegenüber den Kranken. Morphinisten würden als „haltlose Schwächlinge ohne Moral und Ehrgefühl“, „deruirte Existenzen“ oder „Entartete“ mit einer „sichere[n] Anwartschaft auf einen Platz im Irrenhaus“ (Leibold 1899, S. 1–4) dargestellt. Ohnehin hafte ihnen allein durch die Bezeichnung „Sucht“ in der Außenwahrnehmung „etwas Entehrendes“ an (Emmerich 1894, S. 1–7). Nach den gängigsten Vorurteilen trugen die Kranken selbst die Schuld für ihren Zustand, erwiesen sich aufgrund ihrer Willensschwäche und Charakterlosigkeit als unheilbar und vermochten ihre Berufspflichten nicht mehr zu erfüllen (Knips-Hasse 1898, S. 3, 8–10; Leibold 1899, S. 2).

Hinter dieser Kritik verbarg sich aber kein Plädoyer für einen weniger diskriminierenden Umgang mit dem nicht medizinisch motivierten Konsum der beiden Alkaloide. Wer die Euphorie des Rausches wirklich über seine soziale Stellung und seine Gesundheit stelle, der sei „ein ganz jämmerlicher, charakterloser Mensch, der die Verachtung aller ‚ehrenwerten‘, d. h. gesunden Leute vollauf verdiente“, urteilte Knips-Hasse (Knips-Hasse 1898, S. 14). Jedem, der „in die Polypenarme der dämonischen Sucht“ geriet, empfahl der Psychiater Constantin Schmidt daher vorsorglich, „die Sache vor der Welt möglichst geheim zu halten“, damit die Entziehung „in undurchdringliches Dunkel gehüllt“ vonstattengehen könne (Schmidt 1888, S. 44).

Noch negativer als Morphinisten bewertete die psychiatrische Wissenschaftsgemeinde das Wesen und die Heilungschancen der Kokainkonsumenten (Emmerich 1894, S. 102; Knips-Hasse 1898, S. 27–28). Nachdem einige Mediziner Mitte der 1880er-Jahre begonnen hatten, den Nutzen des Kokains bei der Morphiumentziehung zu erproben, erschienen bald die ersten Berichte über Vergiftungserscheinungen und kombinierte Suchtfälle, den sogenannten Morphio-Kokainismus (Erlenmeyer 1887, S. 155–189). Noch im ausgehenden 19. Jahrhundert setzte sich die Ansicht durch, dass das Kokain es zwar vermochte, einen „heruntergekommenen Morphinisten“ auf dessen „eigene Kosten […] zu erregen und unwiderstehlich vorwärts zu treiben“, aber nur, „um ihn desto schneller und sicherer total auszuwirtschaften“ und „seine Psyche völlig zu zerrütten“ (Schmidt 1888, S. 17; Leibold 1899, S. 40).

Reine Kokainismusfälle begegneten den deutschen Ärzten in der klinischen Praxis bis zum Ersten Weltkrieg jedoch relativ selten. Äußerungen über das prämorbide Wesen der Kokainisten tauchten in der medizinischen Literatur bis dahin deshalb verhältnismäßig selten auf und gingen kaum über den bei allen Süchtigen üblichen Verweis auf eine psychopathische Veranlagung hinaus. Detailliertere Ausführungen finden sich erst in den 1920er-Jahren, etwa bei den Berliner Suchtmedizinern Joël und Fränkel, die Kokainkonsumenten als Menschen beschrieben, bei denen „ein Mißverhältnis zwischen Tätigkeitsdrang und Tatkraft besteht“. Häufig handle es sich um Personen mit „guter Begabung und geringer Gestaltungskraft“, die jedoch ein „starkes Insuffizienzgefühl“ verspürten. Sie griffen zu Kokain, weil es durch seine euphorisierende Wirkung „ein gesteigertes Aktivitätsbewusstsein“ vermittle. Außerdem zählten Joël und Fränkel auch die „geschäftigen“ und „getriebenen“ Naturen zu den charakteristischen Kokainkonsumenten (Joël und Fränkel 1924, S. 57–58). Weitaus abwertender fiel ihre Charakterisierung bei dem Psychiater und Kriminalbiologen Johannes Lange aus, der behauptete, dass „nur Rauschhungrige, d. h. in der Regel erheblich psychopathische Menschen, die oft von je großsprecherisch, unzuverlässig, unstet, ja unsozial und kriminell sind“, zu Kokainisten würden (Lange 1936, S. 149).

Langes Äußerungen waren nicht nur aufgrund ihres diskriminierenden Gehalts bemerkenswert. Sie verdeutlichten auch das erkenntnistheoretische Problem, das aus der konstitutionellen Pathologisierung der Süchtigen erwuchs. Ohne Kenntnisse über die bei der Suchtentstehung ablaufenden physiologischen Vorgänge zu besitzen, war schlichtweg nicht zu entscheiden, ob die „ethische Depravation“ und „Degeneration der Cocainisten (und Morphinisten) Folge der Vergiftung oder Ausdruck der konstitutionellen Minderwertigkeit ist“, wie Karl Heilbronner schon 1913 bemerkte (Heilbronner 1913, S. 421). Trotz dieser wissenschaftlichen Erklärungsnot bildete die Verknüpfung des Rauschmittelgebrauchs mit devianten Verhaltensweisen die zweite Säule der medizinischen Stigmatisierung von Drogenkonsumenten.

3 Abweichendes Verhalten als Folge des Konsums psychoaktiver Substanzen

Im Zuge der medizinischen Erfassung der Sucht im 19. Jahrhundert identifizierten Ärzte immer mehr psychische und körperliche Störungen als Folgeerscheinungen des Alkohol- und Rauschmittelkonsums. Auch auf diesem Gebiet vollzog sich eine Verschiebung der Wahrnehmung, von der religiös und aufklärerisch motivierten Kritik an Berauschung und Unmäßigkeit, hin zur naturwissenschaftlich fundierten und pathologisierenden Betrachtungsweise der Biomedizin. Der Rausch, bei Roesch noch ein „Zustand von temporärem Wahnsinn“ (Roesch 1839, S. 55), setzte sich für Kraepelin gut sieben Jahrzehnte später nunmehr aus „einer Reihe der schwersten psychischen Krankheitserscheinungen“ zusammen (Kraepelin 1910, S. 82). Doch unabhängig davon, ob der Trinker aus ärztlicher Sicht „den göttlichen Funken in sich“ vernichtete (Hufeland 1802, S. 12) oder „eine ausgesprochen ethische ‚Depravation‘“ aufwies (Lange 1936, S. 138), spielten normative Faktoren für die medizinische Bewertung des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen stets eine nicht minder bedeutende Rolle als klinische Studien und pathologische Untersuchungen.

Die Verknüpfung von Rausch und Sucht mit abweichenden Verhaltensformen war seit dem frühen 19. Jahrhundert ein integraler Bestandteil des medizinischen Blicks auf die Konsumenten. Dass der Missbrauch von Alkohol „eine Vergiftung sowohl des körperlichen als moralischen Wesens des Menschen sey“, stand für die meisten Ärzte seither außer Frage (Huss 1852, S. I). Im Gegensatz zu den physischen Schädigungen durch exzessiven Alkoholkonsum ließ sich eine solche „moralische Vergiftung“ jedoch nicht mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen, sondern konnte lediglich anhand vorherrschender Normen und Werte als abweichendes Verhalten erkannt werden. Vor dem Hintergrund der sozioökonomischen Krisenerscheinungen, die mit der Industrialisierung einhergingen, identifizierten sowohl die Mäßigkeitsbewegung als auch die Alkoholgegner unter den Ärzten in der Trunkenheit die Wurzel zahlloser gesellschaftlicher und moralischer Missstände (Spode 1993, S. 164–165, 175–176).

Schon Hufeland warnte davor, dass der Branntwein ein „Feind der Menschheit“ sei, weil er „glückliche Ehen und Familien […] moralisch und physisch unglücklich“ mache, „unzählige Menschen“ in „unheilbare Krankheiten“ stürze, die darauf „sich und dem Staate zur Last werden“ und sogar „ganze Dorfschaften und Gegenden […] durch die Ansteckung dieser Seuche verwüstet und zu Grunde gerichtet werden“ (Hufeland 1802, S. 4). All diese erschreckenden Phänomene sollten aus der verheerenden Wirkung des Alkohols auf die Psyche und den Körper der Trinker resultieren. Zu den medizinischen, sozialen und moralischen Folgen des unmäßigen Alkoholkonsums zählte man unter anderem Geisteskrankheiten, Störungen des Nervensystems, Sprach- und Gedächtnisstörungen, erhöhte Sterblichkeit, Schlagfluss, Blödsinn, Halluzinationen, verminderte Potenz, Verlust der Libido, Wahnsinn, Abstumpfung des Denk- und Urteilsvermögens, Melancholie, Apathie, Demenz, Kriminalität, Sittenlosigkeit, Unbeständigkeit, Rücksichtslosigkeit, Zorn, Selbstmitleid, Misstrauen, Schwatzhaftigkeit, Ungerechtigkeit, Torheit, Schamlosigkeit, Unsittlichkeit, Unzucht, moralische Gebrechen, Rachsucht, Streitlust, Raserei, Armut, Völlerei, Müßiggang, Gewalttätigkeit gegen Freunde und Familie sowie Morde und Selbstmorde (Trotter 1821, S. 19–23; Esquirol 1838, S. 38; Roesch 1839, S. 51–54, 262–264; Huss 1852, S. 330–357; Jahr 1866, S. 421–422; Kraepelin 1887, S. 421).

Der Aufstieg rassen- und sozialhygienischer Deutungsmuster, die die Trunksucht zum potenziell erblichen Degenerationsmerkmal erhoben, verlieh dem Alkoholismus eine noch bedrohlichere Dimension. Nun erhielten die medizinischen Bestrebungen zur kollektiven Verhaltensnormierung eine erhöhte Dringlichkeit, galt es doch, dem sozialen Funktionsausfall des Trinkers, der Zerstörung der Familien, der Verrohung der Sitten und der kontinuierlichen Verschlechterung des Erbguts einen Riegel vorzuschieben. Mit dem Verweis auf die allgemein bekannte Rolle des Alkohols bei der Entstehung von Geisteskrankheiten, Verbrechen und Armut erklärte der Physiologe Gustav von Bunge, es werde „in dem ‚friedlichen Wettkampfe‘ der Völker die Race erbarmungslos unter die Füsse getreten werden, die vom Alkohol nicht lassen will“ (Bunge 1887, S. 13, 19).

Der Siegeszug der Naturwissenschaften und die Pathologisierung der Süchtigen führten wie erwähnt auch nicht zu einer weniger moralisierenden Betrachtungsweise der Betroffenen. Vielmehr schienen die pathologischen Auswirkungen des Alkohols auf das Hirn und das Nervensystem eine Erklärung für die „sittliche Verrohung des Trinkers“ zu liefern. Durch ihre beständige Wiederholung in den medizinischen Diskursen verdichteten sich die abwertenden Zuschreibungen allmählich zu einem abschreckenden Stereotyp des Süchtigen. Mit jedem Rausch, so schrieb Kraepelin, erhielten die „sittlichen Hemmungen“ eine „neue Erschütterung“. Am Ende dieser Entwicklung stand die Vernichtung der sozialen Existenz und das Ausscheiden aus der bürgerlichen Wertgemeinschaft: „Die mächtigen Beweggründe der Ehrliebe, der Gatten- und Kinderliebe, der Scham verlieren ihre Wirkung über ihn. Er vernachlässigt sein Äußeres, läuft unordentlich, beschmutzt, halb angezogen, mit zerrissenen Kleidern herum, schmierig und ungepflegt. Ohne Rücksicht auf seine Bildung, seine Stellung betrinkt er sich öffentlich […]. Er vertrinkt Krankengeld und Armenunterstützung, versetzt und verkauft Möbel und Kleider, ja selbst den Ehering. […] Gegen alle Bitten und Vorwürfe bleibt er taub, sieht gleichgültig der körperlichen und sittlichen Verwahrlosung seiner Kinder zu und läßt stumpf die Verachtung seiner Standesgenossen wie die daraus fließenden gesellschaftlichen Maßregelungen über sich ergehen“ (Kraepelin 1910, S. 95–96).

Ein nicht minder düsteres Bild zeichneten die Mediziner von Morphium- und Kokainkonsumenten, die man meist unabhängig von der Intensität ihres Konsums als süchtig klassifizierte. Schon frühzeitig wurde in der medizinischen Literatur auf die Parallelen zwischen den verderblichen Auswirkungen der Trunkenheit und der regelmäßigen Einnahme von Opium oder anderen psychotropen Substanzen hingewiesen (Hufeland 1802, S. 5–6; Trotter 1821, S. 7, 30–32; Schnitzer 1846, S. 229; Lewin 1885, S. 357). Trinker und Nutzer anderer psychoaktiver Substanzen wiesen demnach eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten auf. Nach einer Auflistung des Arztes Fritz Kant, die er im Jahre 1927 anhand seiner klinischen Erfahrungen zusammengestellt hatte, waren die typischen Persönlichkeitsmerkmale Süchtiger fast ausschließlich negativ konnotiert: gereizt, ängstlich, erregbar, theatralisch, verschlossen, homosexuell, haltlos, weich, willensschwach, lügenhaft, energielos, leichtsinnig, oberflächlich, genusssüchtig, depressiv und stumpf, aber auch heiter und gesellig (Kant 1927, S. 104).

Abgesehen von diesen gemeinsamen Merkmalen differenzierten die Mediziner die Charakterveränderungen der Süchtigen auch abhängig von den konsumierten Substanzen. Den Morphinisten ordnete man neben einer Vielzahl psychophysischer Verfallserscheinungen wie Schlafstörungen, Halluzinationen, Neuralgien, Impotenz, Marasmus sowie Konzentrations- und Gedächtnisschwächen immer wieder drei Wesenszüge zu: eine enorme Willensschwäche, depressive Verstimmungen und Lügenhaftigkeit. In erster Linie waren es die negativen ärztlichen Erfahrungen bei Entzugsbehandlungen, die dazu führten, dass derartige charakterliche Zuschreibungen Eingang in die medizinischen Diskurse fanden. Das Bild des lügenhaften Morphinisten festigte sich mit der zunehmenden juristischen Einschränkung der Morphiumvergabe weiter, da sie die Konsumenten dazu nötigte, Rezepte zu fälschen oder auf anderen Umwegen an das Opioid zu gelangen. So schrieb Levinstein, dass der Morphinismus wie jede Leidenschaft „den Character der Individuen herabsetzt“, was sich bei den Betroffenen „besonders durch die Neigung zur Unwahrheit“ äußere (Levinstein 1883, S. 67).

Noch schärfer schilderte Kraepelin das Wesen der Morphinisten: „Das Männliche verliert sich“, denn sie seien „wehleidig, empfindlich gegen Schmerzen und Widerwärtigkeiten, schlaff, willensschwach, verlieren das Verantwortlichkeitsgefühl, vernachlässigen ihre Pflichten“. Um ihre Sucht zu befriedigen, griffen sie „zu allen möglichen Kunstgriffen und selbst Unredlichkeiten, um sich Morphium zu verschaffen. Um diesen Preis belügen und betrügen sie unbedenklich Ärzte und Angehörige; sie öffnen mit Nachschlüsseln den Arzneischrank, borgen oder entwenden heimlich Geld, unterschlagen anvertraute Summen, versetzen und verkaufen, was ihnen zugänglich ist“ (Kraepelin 1910, S. 210–211). Nach dieser Lesart resultierten „Lügen und Diebstahl und Betrug“ (Bleuler 1916, S. 209) nicht aus dem soziokulturellen Kontext des Morphiumkonsums, sondern ergaben sich mehr oder weniger zwangsläufig aus dem Gebrauch selbst oder dem pathologischen Wesen der Morphinisten. Während Bleuler fast alle von ihnen „ab ovo“ zu Psychopathen erklärte (Bleuler 1916, S. 209), standen für Bumke die „moralischen Entgleisungen“ der Morphiumsüchtigen „in gar keinem Verhältnis zu dem, was bei nervös entarteten Menschen sonst vorkommt. […] Betrugsversuche, Rezeptfälschungen und Unterschlagungen“ seien unter ihnen so häufig, „wie sie normalerweise unter Angehörigen der hier in Frage kommenden Gesellschaftskreise selten sind“ (Bumke 1919, S. 351). Letztlich fanden beide Interpretationen Eingang in die medizinische Lehre – dass „der Morphiumsüchtige lügt, stiehlt und wenn es darauf ankommt, sich auch prostituiert, nur um sich Morphium zu verschaffen“, aber man bei ihm ebenso „stets mehr oder minder grosse ethische und moralische Defekte voraussetzen“ müsse (Remertz 1914, S. 947).

Eine noch verheerendere Wirkung schrieb man schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts dem Kokain zu. Albrecht Erlenmeyer, einer der frühesten Kritiker der Kokaintherapie für Morphinisten, beschrieb das Wesen der Kokainsüchtigen mit drastischen Worten. Während die Morphinisten dem Arzt nach der Entzugsbehandlung mit Freude und Dankbarkeit begegneten, schrien die Kokainisten „stumpf und blöde weiter nach Cocain“. Nur der Schnaps verursache eine vergleichbar „blitzartige, physische und psychisch-moralische Zertrümmerung eines Menschen“ (Erlenmeyer 1887, S. 184–185). Selbst Mediziner, die Morphiumkonsumenten gegen die in Öffentlichkeit und Fachwelt kursierenden Vorurteile in Schutz nahmen, gingen mit den Kokainisten hart ins Gericht: „Für den Kokainisten treffen weit eher alle jene Verdammungsurteile zu, die ich von dem Morphinisten abwehren zu müssen glaubte“ (Knips-Hasse 1898, S. 27–28). Obwohl der Kokainismus in Deutschland bis zum Ersten Weltkrieg eine medizinische Randerscheinung blieb, schilderten fast alle Autoren den körperlichen, psychischen und sozialen Verfall der Konsumenten in den düstersten Farben: „Die Umwandlung der Persönlichkeit nach der degenerativen Seite vollzieht sich außerordentlich schnell und in schwerster Weise. Der Kokainist ist reizbar, mißtrauisch; er findet beim Sprechen und Schreiben kein Ende, das Gedächtnis schwindet mit dem Sinn für Pünktlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Ethik, Familie, Staat“ (Friedländer 1913, S. 26).

In den 1920er-Jahren stellten die am Suchtdiskurs beteiligten Ärzte nahezu einhellig einen bedrohlichen Anstieg des Rauschmittelkonsums fest. Entsprechende Statistiken oder umfassendes Datenmaterial, das diese Annahme gestützt hätte, existierte nicht. In der Fachliteratur und der Tagespresse kursierten dennoch Schlagwörter wie „Giftseuche“ oder „Morphium- und Kokainwelle“, die eine reale Bedrohung für die „Volksgesundheit“ suggerierten (Bonhoeffer 1919; Bleuler 1923, S. 274–275; Joël und Fränkel 1924, S. 14; Maier 1926, S. 66; Straub 1926, S. 1096; Hoffmann 2012, S. 101–103, 185). Als schließlich detaillierte statistische Untersuchungen vorlagen, die auf eine äußerst geringe Verbreitung des Morphium- und Kokainkonsums hindeuteten, ebbte die Alarmstimmung unter den Medizinern allmählich ab (Wolff 1928; Pohlisch 1931). Die Existenz einer Rauschmittelwelle wurde jedoch nachträglich nie hinterfragt. Auf politischer Ebene hatte sich, nicht zuletzt aufgrund des medialen Drucks der Mediziner, eine Drogenpolitik etabliert, die auf Restriktion, die Kontrolle des Handels und die Unterbindung des hedonistischen Konsums setzte (Hoffmann 2012, S. 99, 128, 191, 212, 241, 290).

Vieles spricht demnach dafür, dass die Furcht vor einer seuchenartigen Ausbreitung des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen nicht auf einem enormen Anstieg des Konsums beruhte, sondern vielmehr alle Merkmale einer symbolisch und moralisch überhöhten „Drogenpanik“ trug (Reinarman 2007, S. 102–107). Vor dem Hintergrund der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und der sozialen und ökonomischen Krisen in der Weimarer Republik erschien der Konsum von Kokain und Morphium aus ärztlicher Sicht als eines von vielen Symptomen für den allgemeinen politischen und moralischen Verfall Deutschlands (Maier 1926, S. 69). Immer wieder wurden daher Stimmen laut, die die Schaffung einer juristischen Handhabe zur Entmündigung und Zwangseinweisung von Morphinisten und Kokainisten forderten, wie sie für Alkoholiker bereits existierte (Schultze 1928). Im Vordergrund stand dabei aber weniger die Heilung der Betroffenen, sondern der Schutz der „Volksgesundheit“: „Gerade jetzt brauchen wir doch so dringend einen gesunden Volkskörper, wo der Krieg mit seiner grausamen Auslese uns gerade die Besten genommen hat. Solange aber unsere Gesetzgebung nicht bei allen das Volkswohl unterwühlenden Krankheiten radikal vorgeht, […] wird unser Volk an seiner Erstarkung gehindert und an seinem endgültigen Aufstieg gehemmt bleiben“ (John 1924, S. 2397).

Von allen Suchtkrankheiten schrieb man dem Kokainismus ein besonderes Gefahrenpotenzial zu. Das Narrativ der Kokainwelle erhielt seine Plausibilität vor allem durch den Vorwurf, Kokainisten würden „Proselyten machen“, also ihr soziales Umfeld zum Konsum zu verleiten (Straub 1926, S. 1096; Joël und Fränkel 1924, S. 15). „Eine Sucht in der Art des Kokainismus“, warnte Hans W. Maier, müsse „ähnlich einer Infektionskrankheit betrachtet werden“, da „jeder Kokainist selbst eine Infektionsquelle darstellt“ (Maier 1926, S. VI, 76). Dieser Umstand erschien umso bedrohlicher, weil der Gebrauch des Alkaloids in hohem Maße mit sozial abweichenden, subkulturellen Milieus assoziiert wurde, die einen extremen Gegenpol zur bürgerlichen Lebenswelt bildeten. Wann immer Journalisten und Mediziner die Verbreitung des Kokainkonsums thematisierten, fielen Begriffe wie Halbwelt, Bohème oder Rotlichtmilieu (Joël und Fränkel 1924, S. 15–16, 27; Offermann 1926, S. 605; Rosenfeld 1928, S. 1000; Bleuler 1923, S. 274; Hoffmann 2012, S. 108–123). Das die offiziellen Anstaltsstatistiken diesem Eindruck widersprachen, änderte nichts am populären Bild des devianten Kokainisten: „[D]ie niedere Lebewelt und Verbrecherkreise, in denen der Kokainismus ja recht verbreitet ist, scheinen die öffentlichen Anstalten nach Möglichkeit zu meiden“ (Wolff 1928, S. 266).

Um diese These zu stützen, zogen Psychiater und Forensiker in erster Linie naturwissenschaftlich verbrämte Deutungen heran. Erstens zählten sie den Kokainismus gemeinsam mit anderen „Rauschgiftsuchten“ zu den „disponierende[n] Anlagen und Eigenschaften“ für Kriminalität (Többen 1933, S. 527; Maier 1926, S. 127; Meyer 1927, S. 516). Verbindendes Element war einmal mehr die psychopathische Veranlagung, die man sowohl Verbrechern als auch Rauschmittelkonsumenten zuschrieb. Gemäß dieser Logik bestand eine große Schnittmenge zwischen Süchtigen und Kriminellen (Birnbaum 1926, S. 1, 145–147; Kohfahl 1926, S. 89). Zweitens galt es in den 1920er-Jahren als gesichert, dass eine kausale Verbindung zwischen chronischem Kokainkonsum und Homosexualität bestand. Über die Frage, wie dieser Zusammenhang zu erklären sei, entbrannte jedoch eine regelrechte Forschungsdebatte (Marx 1923a, b; Fränkel 1923; Wolf 1925, S. 11; Hartmann 1925, 1928). Letztlich konnte nie Einigkeit darüber erlangt werden, ob das „schwüle, oft mit erotisch abenteuerlichen Fantasien geschwängerte Milieu, wo die Männer mehr oder weniger impotent sind“, die erhöhte Suggestibilität der Kokainisten, der „durch das Gift bedingte Wegfall von Hemmungen“ oder etwa das „Manifestwerden sonst unbewußter perverser Triebrichtungen“ die vermeintlichen homosexuellen Neigungen der Kokainisten hervorrief (Maier 1926, S. 99–100). Ebenso bedrohlich erschien die Wirkung des Kokains auf Frauen. Gemäß der gängigen medizinischen Lehrmeinung erweckte es bei ihnen nicht nur lesbische Triebe, sondern auch ein gesteigertes „Bedürfnis nach sexueller Betätigung“ bei gleichzeitigem Wegfall der Schamhaftigkeit. Es sei daher besonders bei Prostituierten beliebt (Maier 1926, S. 94–95; Joël und Fränkel 1924, S. 27; Rosenfeld 1928, S. 1000).

Die Verkettung des Rauschmittelgebrauchs mit abweichenden Sexualpraktiken, die gängigen Rollenmustern widersprachen, stellte kein singuläres Phänomen dar, mit dem sich nur Kokainkonsumenten konfrontiert sahen. Schon 1910 hatte Kraepelin die sexuelle Enthemmung und Unmoral der Alkoholiker äußerst abschreckend beschrieben: „Der Kranke führt unflätige Reden vor seinen Kindern, fordert die Frau in deren Gegenwart zum Geschlechtsverkehr auf, macht dem Dienstmädchen, der Frau des Nachbarn, der Stieftochter unsittliche Anträge, bringt Prostituierte ins Haus. Weiterhin kommt es zu Exhibitionismus, zu unzüchtigen Handlungen an Kindern, gelegentlich auch zu homosexuellen Angriffen“ (Kraepelin 1910, S. 96).

Durch die Assoziation mit Kriminalität, Prostitution und Homosexualität entwickelte sich insbesondere der Konsum von Morphium und Kokain bald selbst zu einem Symbol für abweichendes Verhalten (Briesen 2005, S. 30; Hoffmann 2012, S. 73–76). Dabei erhöhte die Fixierung auf ohnehin stigmatisierte Randgruppen das moralische Erregungspotenzial der Drogendiskurse und verschloss das allgemeine Bewusstsein für die Existenz von sozial integriertem, „unsichtbarem“ Konsum. So entstand das medizinische Negativbild des Süchtigen fast ausschließlich anhand jener Problemkonsumenten, die ärztlicher Hilfe bedurften. Die konstitutionelle Pathologisierung der Konsumenten, die Verknüpfung ihres Verhaltens mit devianten Milieus und Praktiken sowie die einsetzende juristische Verfolgung beeinflussten das „setting“ des Rauschmittelgebrauchs, also dessen situationsspezifischen und soziokulturellen Kontext. All diese Umstände begünstigten die Entstehung gesundheitsgefährdender Konsumformen (Blätter 2007, S. 86–89).

Wer die Kontrolle über sein Konsumverhalten verlor, schreckte aufgrund des Stigmas, das der Diagnose Sucht anhaftete, jedoch oft genug davor zurück, sich in Behandlung zu begeben. Aus ihrer Fürsorgearbeit berichteten Joël und Fränkel, viele der Betroffenen scheuten den Gang in die Klinik, „weil sie dort nicht nur körperlich, sondern auch moralisch als minderwertig gelten. […] Man hält sie für Psychopathen, Asoziale, Schwächlinge, Genußsüchtige, unehrliche, unzuverlässige Naturen.“ Durch den „barschen, bitteren und oft cynischen Ton“ und die „schlechte Prognose, die man ihnen schon am ersten Tage stellte“, würden die Patienten „aufs schlimmste beschämt und entmutigt“. Ohnehin bedeutete die Aufnahme in eine psychiatrische Anstalt eine „schwere soziale Schädigung“, da ihr Bekanntwerden oft „Arbeitslosigkeit oder gesellschaftliche Ächtung“ nach sich zog (Joël und Fränkel 1925, S. 1714).

Für den medizinischen Blick auf die Sucht und den Konsum von psychoaktiven Substanzen stellte die politische Zäsur von 1933 insofern keinen entscheidenden Bruch dar (Haverkamp 2012, S. 71). Das psychiatrische Stereotyp des Süchtigen und die entsprechende Debattenkultur hatten sich bereits im frühen 20. Jahrhundert herausgebildet. Dennoch markierten die Jahre der NS-Herrschaft einen Einschnitt im Umgang mit suchtkranken Menschen. Die eugenische Rassenpolitik der Nationalsozialisten führte auch auf dem Gebiet der Suchtpsychiatrie zu einer beispiellosen Radikalisierung und Verkehrung der medizinischen Ethik. Kurt Pohlisch, der Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik Bonn, umschrieb dies euphemistisch mit den Worten, jeder Süchtige müsse wissen „daß neben der fürsorgerisch liebevollen auch die feste Hand des Staates auf ihm ruht. Mit Recht verurteilt gerade der nationalsozialistische Staat das Umgehen von Lebensschwierigkeiten durch Flucht in toxische Ersatzbefriedigung“ (Pohlisch 1937, S. 14).

In der fatalen Konsequenz bedeutete dies, dass dem therapeutischen Nihilismus der Ärzte, vor dem Joël und Fränkel bei einer zu „konsequenten konstitutionspathologischen Betrachtungsweise“ gewarnt hatten, nunmehr keine ethischen Bedenken entgegenstanden (Joël und Fränkel 1925, S. 1714). Die Kosten und der Aufwand für die Therapie der Süchtigen wurden immer weiter reduziert. Durch die Einstufung als Psychopathen gerieten die Konsumenten psychoaktiver Substanzen überdies in die Mühlen der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungsmaschinerie. Sie sahen sich durch Entmündigungen, Zwangseinweisungen und Sterilisierungen bedroht, wurden in Konzentrationslager interniert und gehörten auch zu den Opfern der systematischen Ermordung psychisch kranker Menschen während des Zweiten Weltkriegs, der sogenannten Aktion T4 (Klee 2004, S. 37–47, 51–56; Holzer 2007, S. 125–135, 264; Haverkamp 2012, S. 45–46, 54–66). Den geistigen Boden für diese Entwicklung hatten nicht zuletzt medizinische Lehren bereitet, die den Konsum von psychoaktiven Substanzen als krankhafte Verhaltensabweichung klassifizierten und dem Wohlergehen des Volkskollektivs Vorrang vor der Heilung und der Freiheit des Individuums einräumten.

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Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland

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