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Drogenkleinhandel und Social Supply

  • Bernd WerseEmail author
  • Gerrit KamphausenEmail author
Living reference work entry
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Part of the Springer Reference Psychologie book series (SRP)

Zusammenfassung

Die Wege, über die illegale Drogen den Endverbraucher erreichen, sind vielfältig: Während insbesondere unter sozial unauffälligen Personen ein erheblicher Teil der Drogen den Konsumenten durch Mitkonsum oder Schenkungen unentgeltlich erreicht, findet auch die Mehrheit der Verkaufsakte von Konsument zu Konsument statt. Nicht selten wird dabei kein oder nur ein sehr geringer Profit erzielt. Neben diesen ‚sozialen‘ Formen der Drogendistribution versorgen sich viele Konsumenten auch über profitorientierte Privatdealer oder Straßendealer, wobei letztere zumeist nur als eher unbeliebte ‚Notlösung‘ genutzt werden. Die Grenzen zwischen Social Supply und Profitorientierung sind dabei fließend, auch im Verlauf von ‚Dealerkarrieren‘. Gewinnerzielung als Motiv für das Dealen spielt vor allem bei sozial Unterprivilegierten eine wichtige Rolle. Aufgrund des Charakters einer Mangelwirtschaft nimmt die offene Szene kompulsiver Drogenkonsumenten einen Sonderstatus im Kleinhandelsgeschehen ein, wobei aber auch hier ein nicht geringer Teil der konsumierten Drogen durch andere Konsumenten verkauft wird.

Schlüsselwörter

Illegale Drogen Drogenhandel Dealer Social Supply Drogenmarkt 

1 Einleitung Drogenkleinhandel: Zu den Strukturen der Distribution illegaler Drogen

Der größte Teil aller illegalen Drogen erreicht trotz Verboten, Beschlagnahmungen und Strafverfolgung den Endkonsumenten und wird unentdeckt konsumiert. Daher ist der Kleinhandel als letzter Schritt vor dem eigentlichen Konsum ein Phänomen, das unabhängig von der politischen und juristischen Bewertung besonderer soziologischer Erklärung bedarf. Gängige Bilder und Klischees von skrupellosen Drogendealern sind dabei wenig zielführend, nicht zuletzt, weil dieser Teil des Marktes in erheblichem Maße von der Nachfrage der Konsumenten bestimmt ist. Vielmehr ist von einem sozialen Netzwerk der Endverbraucher auszugehen, welches auf persönlicher Bekanntschaft sowie Vertrautheit beruht und in dem die Rollen zwischen Konsumenten und Dealern schnell wechseln bzw. verschwimmen können. Freundschaftsdienste, Einladungen und Schenkungen, unentgeltliche bzw. nicht gewinnorientierte Weitergabe und Eigenbedarfsdeckung durch Kleinhandel dominieren dieses Marktsegment. In der englischsprachigen Fachliteratur werden dafür die Begriffe „social supply“ (Coomber und Turnbull 2007) und „minimally commercial supply“ (Coomber und Moyle 2014) verwendet. Der Begriff ‚supply‘ ist in diesem Zusammenhang schwierig zu übersetzen, da er ein Spektrum von ‚Bedarf‘ über ‚Angebot‘ bis ‚Versorgung‘ abdeckt. Aus Sicht der Annahme bzw. des Erwerbs handelt es sich bei Social Supply am ehesten um ‚soziale Bedarfsdeckung‘, aus Sicht der Weitergabe aber eher um ein ‚soziales Angebot‘. Social Supply ist in der Regel assoziiert mit fehlender Profiterzielung. Minimally Commercial Supply bezieht sich auf Verkaufsakte, aus denen der ‚Händler‘ nur einen geringen Profit, z. B. in Form von kostenlosen Drogen, für sich selbst erzielt. Auf Deutsch würde man solche Personen am ehesten als ‚Kleinstdealer‘ bezeichnen. Hauptsächliche Intentionen für solche Arten der Distribution sind zum einen ‚Freundschaftsdienste‘ unter befreundeten Konsumenten, zum anderen die Deckung des eigenen Drogenbedarfs (Murphy et al. 1990).

Zusammenfassend können diese Personen auch als ‚user-dealer‘, also Konsumenten-Dealer bezeichnet werden. Diese Charakterisierung wird indes nicht nur für sozial unauffällige Drogenkonsumenten verwendet, sondern auch für solche, die dem Umfeld der intensiv ‚harte Drogen‘ Konsumierenden aus ‚offenen Szenen‘ zuzuordnen sind (Power 1996). Ergebnisse aus diversen Befragungen deuten darauf hin, dass die Distribution über andere Konsumierende unter sozial Unauffälligen rund zwei Drittel bis drei Viertel des Endverbrauchermarktes ausmachen dürfte (Werse 2008a), während Angehörige der ‚offenen Szene‘ weit überwiegend den Straßenhandel nutzen – wenngleich ein nennenswerter Anteil durchaus als User-Dealer in Erscheinung tritt (Bernard und Werse 2013; Werse und Egger 2015; Thane et al. 2009).

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der illegale Drogenhandel in einen Import- und Großhandel einerseits und einen Klein- bzw. Verteilerhandel andererseits aufgeteilt ist (Hess 2008). Beide sind ökonomisch aufeinander angewiesen, kein Bereich könnte ohne den anderen existieren. Aber sie bleiben mehrheitlich getrennte Welten. Der Großhandel hat kaum Berührungspunkte mit dem Verteilerhandel. Die Akteure des Verteilerhandels scheuen oft vor einem Aufstieg in den Großhandel zurück, weil damit die Auflösung von bisherigen Freundschaftsbeziehungen verbunden sein kann, weil es ein erhöhtes Sanktionsrisiko gibt und aus Angst vor Verwicklungen in eine ‚mafiöse‘ Welt, die in ihren Vorstellungen genauso stereotyp gefährlich erscheint wie in den Darstellungen der Medien (Hess und Behr 2004; Werse und Bernard 2016). Gleichwohl gibt es Beispiele für derartige ‚Aufstiege‘ von Kleinhändlern (siehe Abschn. 3) sowie generell den Bereich der mittleren Handelsebenen, in denen diese ‚Welten‘ aufeinandertreffen (Pearson und Hobbs 2001). Dieses Buchkapitel beschränkt sich indes auf den Bereich des Einzelhandels.

Auch im internationalen Rahmen sind die Wege, auf denen illegale Drogen zum Endverbraucher gelangen, ein ausgesprochen wenig erforschtes Thema. Nachdem zuvor vor allem Abhandlungen über Drogenproduktion in den Herkunftsländern, die Wege des Schmuggels und Strukturen des Großhandels die Fachliteratur dominierten (Adler 1985; Thamm 1986; Kreuzer et al. 1991; Dorn et al. 1992; Green 1996; Curtis und Wendel 2000; Massari 2005), wurde der Endverbrauchermarkt erst in den letzten Jahren häufiger zum Thema. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf Personen aus sozial benachteiligten Umfeldern, für die das Dealen eine der wenigen Möglichkeiten ist, Geld zu verdienen (Bucerius 2014; Duck 2014; DeBeck et al. 2014), aber auch die vermutlich weitaus größere Gruppe ‚sozial integrierter‘ Klein- bis Kleinsthändler wurde verstärkt zum Thema (Jacinto et al. 2008; Werse 2008a, b; Belackova und Vaccaro 2013; Taylor und Potter 2013). Der Import- und Großhandel ist ökonomisch auf diesen weitgehend im Privaten stattfindenden Klein- und Verteilerhandel angewiesen. Aber auch auf den ‚offenen‘ Drogenszenen braucht der Großhandel die semi-professionellen und unprofessionellen Verteiler. Die lebensweltlichen Ausprägungen der ‚offenen‘ Drogenszene machen dabei eine eigenständige Beschreibung der Ausprägungen dieses Verteilerhandels nötig. Ein neues Phänomen der Drogendistribution schließlich ist der Versandhandel über das Internet. Dieser unterscheidet sich von den zuvor genannten Ausprägungen des Drogenhandels in vielerlei Hinsicht, sodass hier ebenfalls eine eigene Beschreibung notwendig ist.

2 Drogenkleinhandel: Erwerbssituationen

Von der Nachfrageseite aus betrachtet, ist Drogenhandel zunächst einmal Drogenerwerb zur Befriedigung der eigenen Konsumbedürfnisse. Diese ergeben sich häufig kurzfristig oder sogar spontan. Daher sind innerhalb der Konsumentengruppe Schenkungen, unentgeltliches Mitkonsumieren, Freundschaftsdienste und geteilte Gemeinschaftseinkäufe für die Bedarfsdeckung mindestens ebenso wichtig wie ‚richtige‘ Einkäufe einzelner Konsumenten bei ‚echten‘ Dealern. Diese Praktiken der Weitergabe und Annahme von Drogen sind mit gängigen öffentlichen und politisch-juristischen Vorstellungen über die Eigenschaften des Drogenhandels nicht vereinbar, denn diese beruhen häufig auf zwei falschen Unterstellungen: Erstens, dass alle Konsumenten süchtig seien oder zumindest, dass Drogenkonsum per se als problembehaftet zu betrachten sei; und zweitens, dass jede Weitergabe durch professionelle, schwerkriminelle Dealer erfolge, die Profit aus der Sucht der Konsumenten ziehen wollen. Die Realität ist freilich eine andere: Die Mehrheit der Konsumenten erhält ihre illegalen Drogen im direkten Freundes- und Bekanntenkreis (Werse 2008b; Bernard und Werse 2013). Die Nachfrage nach Drogen, also letztlich die Motivation zum Drogenkonsum, ist dabei sehr heterogen: Diese kann z. B. vom gelegentlichen ‚Mitrauchen‘ auf Partys bis zum ganztägigen Intensivkiffen, vom auf Clubs beschränkten Ecstasygebrauch bis zum abhängigen Stimulanzienkonsum reichen. All diese Konsummuster finden indes in einem sozialen Raum statt, in dem sich im Hinblick auf die Distribution eigene kulturelle Praktiken ausgebildet haben. Insofern könnte „social supply“ (sowie kostenlose Partizipation, Schenkungen o. ä.) auch als „cultural supply“ bezeichnet werden, wenn dieser nicht nur zweckrational, sondern auch wertrational motiviert ist. Gleichzeitig setzen das Entdeckungsrisiko und das Betrugsrisiko einen Rahmen für den Kleinhandel zwischen einander direkt bekannten Personen, die sich gegenseitig vertrauen und damit die genannten Risiken minimieren. Üblicherweise werden Drogen von Personen gekauft, die man selbst bereits kennt, die ein Freund/Verwandter/guter Bekannter bereits kennt oder, wie im Fall des Einkaufs bei Clubdealern, die zumindest im weitesten Sinne zur eigenen Peergroup gehören. Bei gänzlich fremden Personen werden illegale Drogen nur ungern eingekauft, weil hier das Risiko am größten ist, betrogen, beraubt oder entdeckt zu werden. In dieser personalen Konstellation verschwimmen Angebot und Nachfrage, Verkauf und Erwerb. Wer heute einem Freund die Drogen mit besorgt, kann morgen selbst Bittsteller sein, ganz ohne dass sich einer der Beteiligten selbst als Dealer definiert.

In den Arbeiten, die zum Thema Kleinhandel auf der Konsumentenebene in sozial integrierten Milieus vorliegen, zeigen sich einige bemerkenswerte Resultate (Hamilton 2005; Caulkins und Pacula 2006; Sifaneck et al. 2007; Genterczewsky 2008; Werse 2008a; Belackova und Vaccaro 2013; Taylor und Potter 2013; Coomber und Moyle 2014; Bernard und Werse 2013; Werse und Bernard 2016). So deuten verfügbare Daten aus verschiedenen europäischen und nordamerikanischen Ländern darauf hin, dass ein großer Teil der aktuellen Konsumentinnen und Konsumenten – vor allem derjenigen mit moderaten Konsummustern, die ohnehin einen Großteil dieser Gruppe ausmachen (Pabst et al. 2013) – sich selten oder nie Drogen kaufen, sondern im Rahmen gemeinsamen Konsums an den Vorräten anderer (zumeist häufiger Konsumierenden) partizipieren. Zudem sind auch Schenkungen – etwa wenn ein Konsument einem anderen, dem die Vorräte ausgegangen sind, mit einer kleinen Menge aushilft – nicht selten. Ein nicht unwesentlicher Teil der Drogendistribution findet also komplett auf unentgeltlicher Basis statt.

Aber auch der überwiegende Teil der monetären Transaktionen auf dem Endverbrauchermarkt spielt sich – wie in Abschn. 1 dargelegt – innerhalb von Netzwerken bekannter bzw. befreundeter Personen ab. Auch hier sind die Grenzen fließend, zwischen der Abgabe von Kleinstmengen gegen einen Betrag, der teilweise unter dem Einkaufspreis liegt, über profitlosen Social Supply und Minimally Commercial Supply sowie einer Komplettfinanzierung des Eigenbedarfs bis hin zur Erzielung ‚echter‘ Profite.

Nicht nur zwischen Konsument und Dealer, sondern auch zwischen Freund und Dealer lassen sich häufig keine eindeutigen Grenzen ziehen, etwa wenn ebenfalls konsumierende Bekannte ins Geschäft einsteigen oder als Dealer bekannte Personen zu Freunden werden. Viele regelmäßige Drogenkonsumenten wissen diese speziellen Beziehungen aufgrund der hohen Bedeutung von Vertrauen im illegalen Markt zu schätzen; zuweilen wird diese ‚Pflicht‘ zum sozialen Kontakt aber auch als störend empfunden (Werse 2008a). Nicht selten findet Social Supply auf gegenseitiger Basis statt: Aufgrund der Bedingungen des Drogenschwarzmarktes (insbesondere wegen der grundsätzlich eingeschränkten Verfügbarkeit und der Intransparenz des Marktes) kann die individuelle ‚Versorgungslage‘ stark variieren, weshalb unterschiedliche Personen innerhalb Drogen konsumierender Bekanntenkreise temporär die übrigen Beteiligten mitversorgen. Die Mitversorgung von Freunden wird offenbar angesichts der generellen Bedingungen der Illegalität oft als ‚Ehrensache‘, also wertbezogen, betrachtet. Mehr noch: Der häufige Verzicht auf Verdienst ist ein Weg, sich der gegenseitigen Freundschaft zu versichern, also ein Freundschaftsbeweis. Insofern zeigt sich hier gewissermaßen ein paradoxer Effekt der Drogengesetze: die Widrigkeiten des illegalen Handels und der Strafverfolgung werden durch die sozialen Handelsstrukturen nicht nur faktisch kompensiert, sondern es werden darüber hinaus bestimmte soziale Beziehungen zwischen Konsumenten und Konsumentinnen gestärkt. Und dies, obwohl Strafverfolgung und abstinenzorientierte Suchtbehandlung konkret darauf abzielen, derartige Beziehungen zu unterbinden, die Konsumenten zu vereinzeln und damit wertbezogene Vergemeinschaftung zu verhindern („Dekulturation“) (Kamphausen 2009).

Über ‚reine‘ Social Supply-Kontakte (ohne Profite) hinaus existieren innerhalb von Netzwerken Drogen konsumierender Freunde/Bekannter offenbar häufig einzelne Personen, die innerhalb dieses Kreises dauerhaft die Rolle des Verteilers bzw. ‚Freund-Dealers‘ übernehmen – wobei diese Rolle zuweilen geradezu zufällig der jeweiligen Person zukommt, wenn diese eine ‚gute Connection‘ (also einen zuverlässigen Privatdealer mit guten Konditionen) kennt oder kennenlernt. Bei solchen längerfristigen Handelsaktivitäten ist in der Regel davon auszugehen, dass der Verkaufende zumindest einen kleinen Profit (Minimally Commercial Supply) aufschlägt – ein Weg, der teilweise erst nach einigen profitlosen Verkaufsakten eingeschlagen wird, um sich das „Risiko bezahlen zu lassen“ (Bernard und Werse 2013, S. 9).

3 Drogenkleinhandel: Weitergabesituationen und ‚Dealerkarrieren‘

Betrachtet man die Angebotsseite, also diejenigen, die illegale Substanzen an andere Konsumierende verkaufen, so ist zunächst nochmals hervorzuheben, dass diese Anbieter oftmals identisch mit den Nachfragern sind. Offenbar wird ein erheblicher Teil des Einzelhandels – zumindest in sozial unauffälligen Umfeldern – von Personen betrieben, die diese Drogen auch selbst konsumieren und es ist gerade bei Social Supply von einer hohen Reziprozität auszugehen: Je nach Versorgungslage kann mal die eine, mal eine andere Person aus einem konsumierenden Freundeskreis in die Rolle des Verteilers treten (Belackova und Vaccaro 2013). Dessen ungeachtet gibt es auch in solchen Netzwerken nicht selten Personen, die dauerhaft die Rolle des Verkäufers übernehmen und dabei auch zum ‚richtigen‘, Profit erzielenden Dealer werden können (s. u.).

Ein Schwerpunkt im Hinblick auf Kleinhandelsaktivitäten mit oder ohne Profit ist seitens intensiver Konsumenten auszumachen – ein vergleichsweise hoher Bedarf an Drogen bzw. finanziellen Mitteln, um diese zu beschaffen, stellt offenkundig das bedeutsamste Motiv dafür dar, in den Kleinhandel einzusteigen (Adler und Adler 1998; Kemmesies 2004; Werse und Müller 2016). Dabei scheint es für diese User-Dealer gerade angesichts der hohen Bedeutung der dezentralen Distribution innerhalb des Bekanntenkreises relativ leicht zu sein, einen regelmäßigen Kleinsthandel zu etablieren. Gleichzeitig ist, wie auch bei den oben angesprochenen Gelegenheits-Verteilern, von einem vergleichsweise geringen Entdeckungsrisiko bezüglich der Strafverfolgungsbehörden auszugehen, da darauf geachtet wird, dass sich der Kundenkreis nicht über eine überschaubare Anzahl von persönlich Bekannten hinaus ausdehnt. Um eine derartige Begrenzung seiner Geschäftsaktivitäten muss sich der/die Betreffende allerdings gegebenenfalls aktiv bemühen, da ein ‚seriöser‘ Kleindealer, der gute Ware zu einem guten Preis anbietet, oftmals das Interesse weiterer potenzieller Kunden auf sich zieht. So kann eine Person unter bestimmten Bedingungen geradezu unwillkürlich in eine ‚echte‘ Dealerexistenz hineinrutschen („Drifting into Dealing“) (Murphy et al. 1990). Ebenso besteht die Möglichkeit, dass ein zuvor nur mit kleinen Mengen Handelnder durch entsprechende ‚günstige Gelegenheiten‘ und ohne nennenswerte Eigeninitiative sein Handelsvolumen vergrößert (Dorn et al. 1992; Kemmesies 2004). Für einen Großteil der Handeltreibenden auf der Konsumentenebene ist indes davon auszugehen, dass derartige Ausweitungen des Geschäfts vermieden werden – dies nicht nur, weil mit einer Dealertätigkeit im engeren Sinne auch ein höheres Risiko hinsichtlich Entdeckung und zu erwartendem Strafmaß einhergeht, sondern auch, weil in Konsumentenkreisen mit dem Begriff des Dealers ein negatives Image verbunden sein kann, weshalb der Terminus auf diesen unteren Ebenen auch zumeist vermieden wird. Der Aufstieg in eine höhere Handelsebene wird häufig assoziiert mit dem Einstieg in eine kriminelle Welt bzw. zumindest ein anderes Milieu als jenes, in dem sich die Konsumenten-Dealer bewegen (Werse und Müller 2016). Außerdem kann ein solcher Aufstieg die bestehende Vergemeinschaftung auflösen und gegen rational geprägte Vergesellschaftung ersetzen. Dennoch zeigen die bisherigen Ergebnisse zum Kleinhandel im ‚bürgerlichen‘ Milieu wie auch Studien, die sich mit höheren Handelsebenen befassen (Adler 1985; Dorn et al. 1992; Pearson und Hobbs 2001), dass die Grenzen zwischen den Handelsebenen ausgesprochen fließend sind, sodass beispielsweise ein Kleindealer je nach Versorgungslage auch zeitweise größere Mengen umschlägt (oder umgekehrt ein Zwischenhändler zeitweise wieder zum Kleindealer werden kann). Und auch innerhalb des Bereichs des Kleinsthandels auf der Konsumentenebene ist einerseits von einer großen Spanne auszugehen, was die Größe des Kundenkreises und des Handelsvolumens angeht, andererseits von einer großen Variabilität der jeweiligen Distributionsaktivitäten im Zeitverlauf (Bernard und Werse 2013; Werse und Müller 2016).

Bei denjenigen, die Drogen längerfristig mit mehr oder weniger ausgeprägtem Profit verkaufen, lassen sich grundsätzlich einige wenige unterschiedliche Einstiegsmodi bzw. Initialmotive identifizieren (Murphy et al. 1990; Jacinto et al. 2008; Taylor und Potter 2013; Werse und Müller 2016):
  1. 1.

    Die Finanzierung des eigenen Konsums („stash-dealer“):

    Hier handelt es sich um das wohl häufigste Einstiegsmotiv im sozial unauffälligen Milieu. Dabei wird zumindest anfangs oft nur genügend Profit gemacht, um den eigenen Bedarf zu decken, was zum Teil bereits durch die günstigeren Einkaufspreise für größere Mengen erzielt wird.

     
  2. 2.

    Die Mitversorgung von Freunden und Bekannten, die keine eigene Quelle haben, durch ‚Sammelbestellungen‘ („go-between“):

    Bei diesem ebenfalls häufigen Modus, der als Social Supply im engeren Sinne bezeichnet werden könnte, steht am Anfang ein altruistisches Motiv: ein ‚Freundschaftsdienst‘ ohne Profiterzielung. Die Eskalation zu ‚richtigem’ Dealen findet häufig dadurch statt, dass sich der Verteiler nach einer gewissen Zeit sein höheres Risiko vergüten lassen möchte, indem er den Kunden etwas höhere Preise abverlangt bzw. etwas geringere Mengen zum gleichen Preis abgegeben werden, was dem Kunden nicht zwangsläufig bewusst ist.

     
  3. 3.

    ‚Kennerschaft‘ oder Absicherung der eigenen Versorgung („connoisseur“, „supply guarantee“):

    Bei diesen spezifischen Einstiegswegen sucht sich ein Konsument einen Lieferanten, bei dem größere Mengen gekauft werden können, entweder, weil dort eine hohe Qualität des Produktes gewährleistet ist, oder, weil dieser Verkäufer eine stetige Versorgung mit der Droge garantieren kann. Wegen der größeren Mindestabnahmemengen verkauft der Kunde einen Teil der Ware an Freunde bzw. Bekannte weiter.

     
  4. 4.

    Statusmotive bezüglich der eigenen Peergroup („dealer-fame“):

    Dieser Einstiegsweg findet sich nur selten in sozial unauffälligen Milieus, häufiger hingegen bei sozial Unterprivilegierten, für die das Dealen eine Möglichkeit darstellt, nicht nur zu Geld, sondern auch zu einem positiv bewerteten ‚kriminellen‘ Status zu gelangen (Bucerius 2014). Vereinzelt taucht das Status-Motiv aber auch in sozial unauffälligen Mittelschichtskreisen auf, wenn bereits weitgehend eine drogenbezogene abweichende Identität (Becker 1981) übernommen wurde. Ansonsten wird in derartigen Umfeldern die überwiegend negativ wahrgenommene Bezeichnung ‚Dealer‘ auch von jenen weitgehend abgelehnt, die bereits regelmäßig mit Profit Drogen verkaufen.

     
  5. 5.

    Finanzielle Gründe („money-driven“):

    Auch im Hinblick auf monetäre Motive für den Drogenhandel ist in der Tendenz davon auszugehen, dass solche umso eher eine Rolle spielen, je unterprivilegierter der/die Betreffende ist. Allerdings ist dieser Einstiegsweg auch insgesamt offenbar weiter verbreitet als das o. g. Statusmotiv.

     

Wenn eine Person über einen der genannten Einstiegswege eine Handelsaktivität aufgenommen hat, gibt es diverse Faktoren, die – insbesondere in Bezug auf die drei erstgenannten Kategorien, welche dem Konzept des Social Supply entsprechen – zu einem mehr oder weniger unwillkürlichen ‚Driften‘ in eine Ausweitung der Handelsaktivität führen können. Dies betrifft zum einen die bereits angesprochene nachfrageinduzierte Steigerung (mehr Kunden und/oder größere Mengen, die von Kunden gekauft werden), zum anderen angebotsbezogene Impulse (wenn etwa der Lieferant günstigere Konditionen bei größeren Abnahmemengen verspricht). Darüber hinaus kann z. B. der Handeltreibende selbst seine Kunden dazu anhalten, größere Mengen abzunehmen, um die Frequenz der Einkäufe und damit das eigene Stressniveau zu reduzieren. Und schließlich können gerade bei fortschreitender Identifizierung mit der Dealerrolle natürlich auch Geld- und Statusmotive eine Rolle bei der Steigerung des Handelsvolumens spielen. Allerdings gilt es hervorzuheben, dass der Großteil der Social Supplier bzw. Klein(st)händler gar kein Interesse hat, seine Handelsaktivität auszuweiten, da damit unwillkürlich auch ein höheres Entdeckungsrisiko verbunden ist.

Auf der anderen Seite ‚driften‘ Handeltreibende auch häufig wieder aus einer Dealerexistenz heraus, insbesondere im Zuge einer zunehmenden Übernahme von Verantwortung im (legalen) Beruf sowie in der Familie, womit geradezu regelhaft – und ähnlich wie beim Konsum illegaler Drogen (Kemmesies 2004) – ein Prozess des ‚Herauswachsens‘ („maturing out“) (Winick 1962) aus dem Drogendealen stattfindet (Werse und Müller 2016).

Die Resultate der oben angeführten Studien zum Handel auf der Konsumentenebene stellen einige Common-sense-Annahmen infrage, die häufig mit dem Bild des ‚typischen‘ Dealers verknüpft sind. Eine davon ist die Vorstellung, dass Dealer ein Interesse daran haben, ‚unschuldige‘ Kinder und Jugendliche davon zu überzeugen, Drogen zu nehmen und damit fortan zu Kunden zu machen (etwa im immer wieder kolportierten Bild des sich auf oder vor Schulhöfen herumtreibenden „Pushers“) (Coomber 2006). Abgesehen davon, dass ein derartiges Vorgehen nicht ökonomisch rational, nicht (sub-)kulturell wertvoll und auch nicht subjektiv sinnvoll ist, führen die oben angeführten Beobachtungen bezüglich „Drifting into Dealing“ dieses Bild geradezu ad absurdum: Offenbar besteht für aktiv Dealende oft gar keine Notwendigkeit, den Kundenkreis auszuweiten (schon gar nicht auf Personen ohne Drogenerfahrung), sondern eher ein Bedarf, die Anzahl der Kunden zu begrenzen (Kemmesies 2004; Werse 2008b), insbesondere mit Blick auf die eigene Sicherheit vor Strafverfolgung.

Eine weitere populäre Annahme ist die Vorstellung vom Drogenhandel als hochkriminelles Geschäft, in dem Bedrohungen, Waffen und physische Gewalt an der Tagesordnung sind. In sozial unauffälligen Konsumenten- bzw. Verteilerkreisen sind derartige Erscheinungsformen nahezu unbekannt (Murphy et al. 1990; Tzanetakis et al. 2016). Aber auch in Kreisen, in denen Gewalt eher zu erwarten wäre, etwa Straßenhandel, ‚offene‘ Szenen oder höhere Handelsebenen, wird diese oft bemerkenswert selten ausgeübt, was vor allem damit zusammenhängt, dass auch illegale Märkte zur Entwicklung eines Gleichgewichts tendieren (Coomber 2006).

4 Drogenkleinhandel in der ‚offenen‘ Szene

Der Handel mit Drogen in ‚offenen‘ Straßenszenen ist gesondert zu betrachten. Die Lebenswelt der dortigen Konsumenten unterscheidet sich nachhaltig von jener der sozial integrierten Konsumenten. Obdachlosigkeit, Sekundärerkrankungen, Hafterfahrungen und (mehr oder weniger erfolgreiche) Teilnahme an Substitutionsbehandlungen und anderen Hilfsangeboten gehören bei Angehörigen ‚offener‘ Straßenszenen häufig zum Alltag. Geld ist grundsätzlich knapp und teils nicht legal erworben. Aus ökonomischer Sicht handelt es sich bei der Straßenszene um eine Mangelwirtschaft, nicht nur, was die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Drogen angeht, sondern auch insgesamt. Aufgrund des Umstandes, dass der überwiegende Teil des verfügbaren Geldes für Drogen ausgegeben wird, sind die Mittel für andere Dinge des täglichen Bedarfs stark eingeschränkt (Werse und Egger 2015). Dennoch unterscheidet sich auch der in der Öffentlichkeit stattfindende Drogenhandel der Szene von den gängigen Vorstellungen. Die Annahme, der ‚typische‘ Drogendealer sei ein professioneller Vertreter des organisierten Verbrechens, der seine Ware – wenn schon nicht auf dem Schulhof, dann wenigstens im öffentlichen Raum – anbietet, um sich an der Sucht seiner Kunden zu bereichern und neue Konsumenten absichtlich süchtig zu machen, findet keine Bestätigung. Auch in der ‚offenen‘ Drogenszene ist der letzte Schritt zum Endverbraucher häufig sozial und kulturell geprägt, nur eben im Rahmen einer stark marginalisierten sowie prekarisierten Lebenswelt und der besagten Mangelwirtschaft. Chancen auf (wie auch immer gearteten) Gewinn werden kurzfristig und opportunistisch wahrgenommen. Tauschgeschäfte, Informationshandel (z. B. über die Verfügbarkeit von Drogen oder die Anwesenheit von Polizeistreifen) und gemeinsamer Konsum können die letzte Weitergabe von Drogen vor dem Endkonsum prägen (Dörrlamm 2008). Dies geht so weit, dass selbst die gebrauchten Filterpads, die zum Aufsaugen der aufgekochten Drogen verwendet werden, wegen der enthaltenen Drogenreste zur Handelsware werden (Müller 2008; Kemmesies 1995). Daher sind auch hier die Grenzen zwischen Konsum und Handel häufig fließend, die Rollen von Geber und Nehmer wechselnd. Ein Teil der Szeneangehörigen kann dabei auch in den Status eines (semi-)professionellen Händlers, der zumindest seinen Eigenkonsum finanzieren kann, ‚aufsteigen‘. Diese Personen sind oft als ‚harter Kern‘ der Szene zu betrachten, denn sie halten sich durchschnittlich länger in der Szene auf, konsumieren mehr, sind gesundheitlich etwas schlechter gestellt und haben noch schlechteren Zugang zum Arbeitsmarkt als die einfachen Konsumenten (Müller 2008). Die Belieferung dieses User-Dealer-Marktes wie auch der komplett professionelle Straßenhandel in der Szene wird in der Regel von mehr oder weniger organisierten Dealergruppen betrieben, die zumeist eine bestimmte ethnische Zugehörigkeit aufweisen (Paoli 2000). Welche ethnischen Gruppen jeweils aktiv sind, kann – zum Teil parallel zu Veränderungen in den Handelswegen – wechseln (Bernard et al. 2013). Auch derartige Straßenhändler preisen indes üblicherweise ihre Ware nicht aggressiv an, sondern sind nicht selten selbst ‚Objekte der Begierde‘, denen die Konsumenten hinterherlaufen, wenn bekannt ist, dass sie gute Ware zu guten Preisen anbieten. Insgesamt stellt der Straßenhandel – ob von ‚Professionellen‘ oder User-Dealern ausgeübt – für den Großteil der Szeneangehörigen die wesentliche Versorgungsquelle dar (Bernard und Werse 2013). Ein kleiner Teil dieser Personen versorgt sich durchaus auch über private Quellen; diese sind aber wiederum für viele Szeneangehörige aufgrund der zumeist höheren Mindestabnahmemengen keine realistische Option (Bernard 2013).

5 Drogenkleinhandel: Straßenhandel außerhalb ‚offener‘ Szenen

Über die Bedeutung von Straßenhändlern für sozial integrierte Konsumenten illegaler Drogen liegen nur spärliche Erkenntnisse aus der bisherigen Forschung vor. Offenbar beschafft sich ein kleiner Teil dieser Konsumenten seine Drogen über Straßendealer, deren Ware allerdings zumeist als minderwertig und/oder überteuert angesehen wird. Dabei zeichnet sich im Fall von Cannabis ab, dass jugendliche, vergleichsweise unerfahrene Konsumenten noch am ehesten regelmäßig den Straßenhandel als Drogenquelle nutzen, wenngleich dies auch hier nur eine Minderheit betrifft (Werse 2008b). Unter älteren, erfahreneren Konsumenten hat zwar eine Mehrheit irgendwann einmal Cannabis bei Straßenhändlern gekauft, aber kaum jemand nutzt diese Möglichkeit regelmäßig (Werse und Bernard 2016). Vermutlich handelt es sich häufig um eine Art ‚Notversorgung‘, die nur in Anspruch genommen wird, wenn es zeitweise keine Alternative auf dem privaten Markt der sozial integrierten Konsumenten gibt, oder um eine absichtliche Wahrung der Distanz zum Anbieter, also um eine Form der Konsumkontrolle. Auch in anderen europäischen und nordamerikanischen Ländern wird nur ein kleiner Teil zumindest der ‚weichen‘ Drogen über in der Öffentlichkeit agierende Dealer beschafft (Harrison et. al. 2007). Im Hinblick auf andere illegale Substanzen unter sozial unauffälligen Konsumenten spielt der Straßenhandel praktisch keine Rolle. Dafür ist im Fall synthetischer Drogen, insbesondere Amphetamin und Ecstasy/MDMA, der Kauf über halböffentlich agierende Clubdealer eine wichtige zusätzliche Möglichkeit zur Versorgung, die aber offensichtlich üblicherweise auch nur in ‚Notfällen‘ in Anspruch genommen wird (Werse und Bernard 2016).

Wie in Abschn. 3 erwähnt, kann für Personen aus marginalisierten Umfeldern mit Migrationshintergrund ein besonderer Anreiz bestehen, mit dem Drogenhandel Geld und/oder Status zu erlangen. Dies kann insbesondere für Kleindealer aus diesem Milieu relevant sein, die ihre Ware (auch) in der Öffentlichkeit anbieten (Bucerius 2007, 2014). In diesen Kreisen unterscheiden sich offenbar nicht nur die Motivlage, sondern auch andere Modalitäten des Handels vom Kleinhandel im sozial unauffälligen Milieu: Je nach ‚Marktlage‘ wird mit unterschiedlichen Substanzen gehandelt, um kurzfristige Profite zu erzielen. Sie verkaufen vergleichsweise häufig an ihnen unbekannte Personen, teilweise selbst gestreckte Ware oder selbst hergestellte ‚Scheindrogen‘ und leisten sich – sofern sie es schaffen, hohe Profite zu generieren – einen ausschweifenden Lebensstil. Resultate aus entsprechenden Studien zeigten dabei, dass nicht wenige Angehörige solcher Milieus nur teilweise ‚auf der Straße‘ verkaufen. Dies deutet darauf hin, dass auch die Grenzen zwischen Straßen- und Privathandel durchaus fließend sein können. Bemerkenswert an dieser Klientel ist überdies, dass sie nicht zwangsläufig in organisierte Strukturen eingebunden sind: in den vorliegenden Untersuchungen hatten diese Personen diverse Handelskontakte, die in Eigenregie genutzt und gewechselt wurden, ohne dass dabei ernsthafte Probleme mit Gewalt, Bedrohungen o. ä. auftauchten.

6 Drogenhandel im Internet

Seit der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre hat sich ein Handel mit psychoaktiven Substanzen über das Internet etabliert, wenn auch (noch) in vergleichsweise kleinem Rahmen. Einerseits werden im Internet neue psychoaktive Substanzen/NPS („Legal Highs“ bzw. „Research Chemicals“) gehandelt, andererseits hat sich im sogenannten Darknet eine besondere Handelskultur insbesondere für illegale Drogen aller Art entwickelt (Christin 2013). Dabei liegt der Schwerpunkt auf Ecstasy (MDMA), LSD und Cannabisprodukten (Winstock 2015). Beim Handel mit NPS handelt es sich um eine spezifische rechtliche Nische, bei der sich der Verkäufer je nach nationaler Gesetzgebung nur teilweise strafbar macht, der Käufer hingegen zumeist gar nicht. In diesem Abschnitt geht es hingegen ausschließlich um Charakteristika des Online-Handels mit international verbotenen Drogen, der sich überwiegend im Darknet abspielt.

Das Darknet bzw. Deep Web ist jener Teil des Internets, der nur mittels spezieller Browsersoftware, namentlich The Onion Router (TOR), eingesehen werden kann. Üblicherweise sind die Seitennamen mit bestimmten Buchstaben- und Zahlenkombinationen codiert und der Domainname endet auf.onion. Zusätzlich können bei direkter Kommunikation gängige Verschlüsselungstechniken (z. B. PGP) eingesetzt und finanzielle Transaktionen in teil-anonymen digitalen Währungen (insbesondere Bitcoin) getätigt werden. Ursprünglich für legale Zwecke entworfen (z. B. zur Umgehung der Internetzensur in Polizeistaaten), hat sich das Darknet zu einem Rückzugsort unterschiedlicher Arten von Internetkriminalität entwickelt. Drogen werden dort vor allem auf illegalen Handelsplattformen angeboten; die erste und bekannteste dieser Art war von 2011 bis zu ihrer Schließung durch US-Strafverfolgungsbehörden im Jahr 2013 Silk Road; seither wurden zahlreiche derartige Marktplätze eröffnet und teilweise wieder geschlossen. Seit etwa 2014 werden Drogen verstärkt auch in Darknet-Shops einzelner Händler angeboten. In den Marktplätzen und Shops sind Händlerangaben, Warenfotos und Preise ausgeschrieben. Der Kunde bestellt, zahlt mit Bitcoin und der Anbieter versendet die Ware. Daher wurde in diesem Zusammenhang auch schon von einem „eBay für Drogen“ gesprochen (Barratt 2012; Aldridge und Décary-Hétu 2014). Während separate Shops vor dem Problem stehen, für potenzielle Kunden schwer auffindbar zu sein und aufgrund der geforderten Vorabzahlung einen Vertrauensvorschuss für den Bestellvorgang brauchen, dienen Marktplätze dazu, vielen konkurrierenden Verkäufern eine Plattform zu bieten und diese mit verschiedenen Services für Händler und Kunden zu versehen. Hier zeigt sich ein gänzlich anderes Risikomanagement als auf dem traditionellen Drogenmarkt; teilweise wurde von einer Reduzierung der Risiken sowohl für Anbieter als auch für Kunden gesprochen (Buxton und Bingham 2015; Van Hout und Bingham 2013a, b). Zwar sind die Risiken generell die gleichen: Strafverfolgung und Betrug (Gewaltsituationen entfallen, diese äußern sich im Internet nur sprachlich in Form von Beschimpfungen und Bedrohungen). Der Umgang damit nimmt jedoch gänzliche andere Formen an, da erstens bestimmte technische Sicherheitsmaßnahmen zum Einsatz kommen und zweitens das nötige Vertrauen nicht durch persönliche Bekanntschaft generiert werden kann. Aus diesem Grund ist es für die Händler wichtig, von potenziellen Kunden als vertrauenswürdig wahrgenommen zu werden. Hier greifen die Services der Marktplatzbetreiber: ein Marktplatz bietet typischerweise ein Treuhandkonto, auf das die vereinbarte Summe eingezahlt und erst bei Erhalt der Ware freigegeben wird. Zusätzlich bieten die Marktplätze ein direktes Bewertungssystem, mit dem die Kunden ihre (Un-)Zufriedenheit mit einem gegebenen Händler ausdrücken können. Aus der Vielzahl der Bewertungen ergibt sich ein durchschnittliches Rating, an dem sich weitere Kunden orientieren können. Häufig gehört zu den Marktplätzen auch ein eigenes Forum, in dem offen diskutiert werden kann. Hier können Beschwerden und Lob noch etwas deutlicher und genauer geäußert werden als innerhalb des Bewertungssystems. Im Idealfall enthält ein solches Forum auch eine Rubrik für „safer use“ und sonstige Tipps. Gleichzeitig können auch die Händler im Forum aktiv sein und z. B. auf Kritiken reagieren oder die neuesten Waren anpreisen. Eine gute Selbstdarstellung und freundliche Kommunikation mit den Kunden ist eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Versandhandel. Dazu gehört auch, dass ein Verkäufer meist etwas mehr Ware versendet („overweight“) oder dass kleine Mengen kostenlos als Proben („tester“) versendet werden, um dann vom Empfänger eine (möglichst positive) Qualitätsbewertung des Produktes zu erhalten (Van Hout und Bingham 2014). Schließlich agieren die Marktplatzbetreiber auch als Streitschlichter: läuft ein Deal schief und der Anbieter und sein Kunde können sich nicht auf Kompensation einigen, können die Administratoren zur Schlichtung angerufen werden. In der Regel kommt es zur Neuversendung der Ware oder zur (teilweisen) Rückzahlung der Bitcoins. Steht jedoch der Kunde im Verdacht, die Ware erhalten zu haben und den Händler fälschlicherweise zu beschuldigen, dann können die Schlichter auch zugunsten des Händlers entscheiden. Insgesamt kann auf diese Weise ein relativ stabiler Markt mit Ansätzen zur direkten Selbstregulation entstehen: Unseriöse Händler können identifiziert werden, schlechte Ware kann aus dem Angebot gedrängt werden. Allerdings bergen die Marktplätze im Vergleich zum ‚konventionellen‘ Handel andere Arten von Risiken. Sie ziehen aufgrund ihrer Größe und besseren Sichtbarkeit stärkere Aufmerksamkeit der Strafverfolgungsbehörden und von Hackern auf sich. ‚Zufallstreffer‘ der Strafverfolgung können an der Schnittstelle zwischen virtueller und realer Welt, namentlich dem Postversand der Ware oder dem Umtausch der bitcoins in ‚normales‘ Geld, auftreten. Es kann sein, dass Verkäufer oder Käufer nicht ehrlich sind, was die Versendung bzw. den Erhalt der Ware angeht. Außerdem sind die Betreiber der Marktplätze selbst nicht unbedingt vertrauenswürdiger als die Händler: es kommt regelmäßig vor, dass Treuhandkonten leergeräumt werden und die Betreiber samt Marktplatz von einem Tag auf den anderen verschwinden („exit scam“). Bei großen Marktplätzen kann es sich um Summen im Millionenbereich handeln, die auf dem Treuhandkonto liegen. „Exit scams“ wurden wiederholt auch von einzelnen Händlern auf den Marktplätzen durchgeführt, die ihre zuvor gewonnene Beliebtheit dafür nutzten, mit den angesammelten hohen Vorauszahlungssummen ‚durchzubrennen‘. Aus diesem Grund versuchen Betreiber von neuen Marktplätzen, Vertrauen zu gewinnen, indem sie sichere Treuhandkonten anbieten, auf die sie allein keinen Zugriff mehr haben. Hier bedarf es zur Freigabe der Gelder der Zustimmung von mindestens zwei der drei beteiligten Parteien (Betreiber, Verkäufer, Käufer; sogenanntes „multisig“). Wegen Problemen mit Treuhandkonten (und um die Gebühren der Marktplätze einzusparen) versuchen etablierte Händler seit einiger Zeit verstärkt, separate Shops zu betreiben und hier die Kundschaft, zu der bereits ein gewisses Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde, außerhalb der Marktplätze zu binden. Insgesamt kam es seit der Schließung von drei großen Marktplätzen (Silk Road, Evolution, Agora) zu einer starken Diversifizierung des Angebots: Einige mittelgroße und viele kleine – teils national ausgerichtete – Marktplätze füllen die Lücke ebenso wie einzelne Anbieter mit separaten Shops.

Aufgrund dieser Charakteristika muss der Drogenhandel im Darknet gänzlich anders bewertet werden als der traditionelle Handel. Die Vermittlertätigkeit der Marktplatzbetreiber ist ein neues Element, für das es nur im Darknet einen spezifischen Bedarf gibt, da hier die bekannten Risiken besondere Ausprägungen annehmen, die es zu überwinden gilt. Der größte Unterschied zum traditionellen Drogenhandel liegt wohl darin, dass der notwendige Nachweis der Vertrauenswürdigkeit bei den Anbietern liegt, nicht bei den Kunden. Auffällig ist außerdem die Vermischung mit anderen Schwarzmärkten: gestohlene Kreditkartendaten („carding“), gefälschte Markenartikel, gehackte Internetaccounts und Hehlerware werden ebenfalls auf den meisten Marktplätzen gehandelt. Auf manchen Marktplätzen werden auch Waffen verkauft. Auch die Vermischung des Großhandels mit dem Kleinhandel ist bemerkenswert: Bei manchen Anbietern kann man eine einzelne Konsumeinheit ebenso wie mehrere Kilogramm zum Weiterverkauf bestellen. Andere Händler bieten Pressungen von Ecstasytabletten mit eigenem Wunschmotiv an. Generell bieten die Verkäufer mehr Informationen über die gehandelten Produkte; neben bestimmten Handelsnamen betrifft dies z. B. Angaben über die Qualität, etwa Wirkstoffmengen in Ecstasy-Tabletten oder Wirkstoffanteile in Kokain oder Amphetamin. Dabei ist zwar unklar, inwiefern diese Angaben den Tatsachen entsprechen oder nicht, aber dass derartige Angaben existieren, unterscheidet den Online-Handel von der Mehrzahl der konventionellen Anbieter. Darüber hinaus gibt es weitere deutliche Unterschiede gegenüber dem traditionellen Drogenschwarzmarkt und zwar hauptsächlich in der Art und Weise, wie Anbieter und Kunden aufeinandertreffen und miteinander umgehen – im Unterschied zum herkömmlichen Drogenhandel geschieht dies in aller Regel ohne direkten persönlichen Kontakt. Die moderne Kommunikationskultur des Internetzeitalters ist mithin prägend für diese Art der Drogendistribution.

7 Drogenkleinhandel: Zusammenfassung und Diskussion

Aus Sicht der Konsumenten illegaler Substanzen ist Drogenerwerb nicht ausschließlich gleichzusetzen mit Drogenkauf. Vielmehr handelt es sich oft um Einladungen bzw. unentgeltlichen Mitkonsum oder Schenkungen. Auch der Kauf von Drogen findet häufig ohne Profiterzielung – nämlich in Form von Gefälligkeiten und Freundschaftsdiensten – statt, welche teils zweckrational und teils wertrational begründet sind („social supply“). Aus Sicht des Nehmers handelt es sich mithin um soziale Bedarfsdeckung. Aus Sicht des Weitergebenden handelt es sich ebenso selten um Verkaufssituationen im herkömmlichen Sinne, weshalb man in diesem Fall von sozialer Verteilung sprechen kann. Die Resultate einschlägiger Studien machen deutlich, dass ein wesentlicher Teil des Endverbrauchermarktes über eine derartige, nicht selten auf Gegenseitigkeit beruhende, soziale Distribution bedient wird.

Der Einstieg in den ‚richtigen‘ Kleinhandel (mit Profiterzielung) kann verschiedene Gründe haben. Häufig handelt es sich um Personen, die als Konsumenten einen überdurchschnittlich hohen Eigenverbrauch an Drogen haben. So kommt oft kaum mehr Verdienst zusammen, als sie selbst für den Konsum benötigen. Händler dieser Art sind insofern mindestens ebenso sehr Konsumenten wie Dealer („minimally commercial supply“, „Stash-Dealer“, „User-Dealer“). Aufgrund der ‚sozialen‘ Struktur des Kleinhandels, die wiederum als unmittelbare Folge der Illegalität zu betrachten ist, scheint es oftmals sehr leicht zu sein, seinen Eigenkonsum durch Weiterverkauf zu finanzieren. Die Prohibition bietet mithin teilweise günstige Bedingungen dafür, ein intensives Konsummuster aufrechtzuerhalten.

Auch in der sogenannten ‚offenen‘ Drogenszene gelten ‚soziale‘ Weitergabepraktiken, allerdings unter den erschwerenden Bedingungen einer Mangelwirtschaft im öffentlichen Raum. So können auch einfachste Dinge und Informationen zur Tausch- und Handelsware werden. Die speziellen Bedingungen sorgen auch dafür, dass profitlose ‚Freundschaftsdienste‘ vermutlich seltener als unter sozial integrierten Konsumenten vorkommen dürften; vielmehr sind Drogen das zentrale Handelsgut, von dem in irgendeiner Weise finanziell oder ‚in Naturalien‘ profitiert wird. Über professionelle Dealer auf der Straßenszene ist wenig bekannt, außer dass sie häufig ausländischer Herkunft sind. Ungeklärt ist hingegen, wie sich der Organisationsgrad dieser Dealergruppen gestaltet, z. B. wie stark diese mit einheimischen Zwischenhändlern oder auch User-Dealern vernetzt sind.

Generell ist beim Straßenhandel, z. B. auch dem mit Cannabisprodukten, eher damit zu rechnen, dass der Kunde überteuerte Preise zahlen muss und/oder gefälschte Ware angeboten wird, als dies bei Privatdealern der Fall ist. Dementsprechend nutzen sozial integrierte Konsumenten diese Bezugsquelle nur selten.

Ein komplett neues Phänomen ist der Drogenhandel über das Internet, insbesondere das sogenannte Darknet. Hier wachsen Internetkultur und Drogenschwarzmarkt zusammen, ebenso wie Groß- und Kleinhandel und auch Schwarzmärkte gänzlich verschiedener Art. Es ist denkbar, dass sich durch den Online-Handel zukünftig die generellen Spezifika des illegalen Drogenmarktes ändern werden.

Insgesamt sind Erwerbssituationen von Drogen auf Schwarzmärkten auf zwischenmenschlichem Vertrauen aufgebaut, was man hauptsächlich auf spezifische Risikoabwägungen zurückführen kann. Die beiden hauptsächlich wahrgenommenen Risiken sind die Entdeckungswahrscheinlichkeit sowie mögliche Betrugs- und ggf. auch Gewalterfahrungen. Beides sind letztlich Folgen des Drogenverbots und des nicht regulierten Schwarzmarktes. Das Drogenverbot verhindert die letzte Stufe der Verteilung also nicht, sondern prägt und lenkt sie in spezifische Situationen, welche nach konkreten Risikoabwägungen definiert werden. Meist gilt für solche Abwägungen, dass antizipierte Risiken durch bestehendes oder neu gewonnenes Vertrauen aufgewogen bzw. minimiert werden (Luhmann 1988). Ein Großteil der privaten Verkäufer illegaler Drogen minimiert diese Risiken insbesondere durch die Beschränkung auf kleine, gut bekannte Kundenkreise, zu denen per se ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht.

Insbesondere die gängigen Sinnbilder und Klischees von Drogenhändlern bestätigen sich bei der genaueren Betrachtung der Drogendistribution nicht (Coomber 2006). Den typischen Drogenhändler, der seine Kundschaft aus Profitgier süchtig macht, gibt es nicht, weder auf Schulhöfen noch auf der Straße. Der typische Drogenhändler ist eher ein Konsument, der auch Ware weitergibt. Ein eventueller Aufstieg in höhere Handelsebenen kann viele Gründe haben; je höher der Betreffende in der Handelskette aufsteigt, desto weiter entfernt er sich tendenziell von der zumeist relativ sozial unauffälligen Lebenswelt der Konsumenten. Zudem existieren neben den privaten Einzelhändlern auch eher ‚kriminell‘ konnotierte Szenen von zumeist in der Öffentlichkeit handelnden Kleindealern. Die verfügbaren Forschungen deuten indes darauf hin, dass der Großteil des Endverbrauchermarktes von Privatdealern bzw. User-Dealern bestritten wird. Dennoch basieren auf den unhaltbaren Ansichten über den „typischen“ Dealer einige bedeutsame Teile der Strafgesetze und der polizeilichen Ermittlungspraktiken. In der Drogenpolitik herrscht mit Blick auf den Handel, insbesondere den Kleinhandel, eine Diskrepanz zwischen Fakt und Fiktion, die sich in der Lebenswelt der Konsumenten als Abwägung zwischen persönlichem Vertrauen und Risikowahrnehmung manifestiert, nicht aber in einer Unterlassung des Drogenkonsums und der dazu gehörenden sozialen Bedarfsdeckung.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Centre for Drug Research (CDR)Goethe-Universität FrankfurtFrankfurt am MainDeutschland

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