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Allergische Erkrankungen und Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen – Prävalenz, Bedeutung und Implikationen für die Prävention und Gesundheitsförderung

  • Susanne LauEmail author
  • Roma Thamm
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Pflege – Therapie – Gesundheit book series (SRPTG)

Zusammenfassung

Allergien und Asthma bronchiale sind entzündliche Erkrankungen, die in den letzten 50 Jahren drastisch in westlichen Industrienationen zugenommen haben. Sie gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und verlaufen sehr unterschiedlich hinsichtlich Remission und Schweregrad. Allergien sind meist sog. IgE-vermittelte Immunantworten, die sich als allergische Atemwegserkrankung (allergischer Schnupfen, allergisches Asthma) und Nahrungsmittelallergie, Insektengiftallergie oder auch Medikamentenallergie manifestieren können. Während die Neurodermitis bzw. das atopische Ekzem und die Nahrungsmittelallergie sich häufig bei Säuglingen und Kleinkindern manifestieren, entwickeln sich Atemwegsallergien eher im Schulalter. Es gibt noch immer keine umfassenden Primär-Präventionsstrategien. Man kann aber im Rahmen der Sekundär- und Tertiärprävention den Verlauf allergischer und asthmatischer Erkrankungen z. B. durch die spezifische Immuntherapie günstig beeinflussen. Auf Aspekte der Gesundheitsförderung und Prävention in Hinblick auf Ernährung, Lebensweise und Umwelt wird eingegangen.

1 Prävalenz von allergischen Erkrankungen und Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen

Allergien und Asthma bronchiale sind entzündliche, meist Immunglobulin-E-vermittelte Immunantworten, die in den letzten 50 Jahren deutlich in westlichen Industrienationen zugenommen haben. Sie zählen zu den bedeutendsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Besonders häufig treten allergischer Schnupfen, der oft auch als Heuschnupfen bezeichnet wird und die oberen Atemwege betrifft, sowie Asthma bronchiale auf, das als eine Erkrankung der unteren Atemwege bei Kindern und Jugendlichen meist allergisch bedingt ist. Viele Kinder erkranken an Atemwegsallergien erstmals ab dem Schulalter. Vergleichsweise früher, nämlich schon im Säuglings- und Kleinkindalter, manifestieren sich häufig das atopische Ekzem als allergische Hauterkrankung oder auch Allergien gegen Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei und Erdnuss. Weitere allergische Erkrankungen sind Insektengift- oder auch Medikamentenallergien (Saloga et al. 2011; Klimek et al. 2018).

Als Maß für die Häufigkeit vorliegender Erkrankungen in einer Bevölkerung zu einer bestimmten Zeit dient die epidemiologische Kennzahl der Prävalenz. Sie wird meist als Anteil an Erkrankten in der Bevölkerung in Prozent angegeben (Gordis 2008). Mit der Durchführung der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) von 2003–2006 durch das Berliner Robert Koch-Institut, lagen erstmals bevölkerungsbezogene Ergebnisse zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen repräsentativ für Deutschland vor (Kurth 2012). Insgesamt hatten 17.641 Kinder und Jugendliche (8985 Jungen und 8656 Mädchen) im Alter von 0–17 Jahren bzw. deren Eltern an der KiGGS-Basiserhebung teilgenommen. In Bezug auf Allergien gaben die Eltern u. a. darüber Auskunft, ob ihre Kinder von Asthma bronchiale, allergischem Schnupfen oder atopischem Ekzem betroffen sind, ob die Erkrankungen ärztlich festgestellt worden sind sowie ob, und wenn ja, welche Medikamente deswegen angewendet werden. Aus diesen Angaben wurden Krankheitsprävalenzen abgeleitet. Die meisten Teilnehmer gaben auch eine Blutprobe ab, die auf das Vorhandensein spezifischer Immunglobulin-E-Antikörper gegen verschiedene Allergene getestet wurde. Aus positiven Befunden lässt sich eine erhöhte Allergiebereitschaft ableiten, da diese sog. allergischen Sensibilisierungen (des Immunsystems) späteren allergischen Reaktionen vorausgehen, wenngleich sich nach einer Sensibilisierung nicht zwangsläufig eine Allergie manifestiert (Saloga et al. 2011).

Laut der KiGGS-Basiserhebung wurde bei 4,7 % der 0- bis 17-Jährigen Asthma bronchiale, bei 10,7 % allergischer Schnupfen und bei 13,2 % atopisches Ekzem jemals im Leben ärztlich festgestellt (Lebenszeitprävalenz). Da allergische Erkrankungen hinsichtlich Remission und Schweregrad sehr unterschiedlich verlaufen, ist zur Einschätzung der aktuellen Betroffenheit die 12-Monats-Prävalenz sinnvoller. In der KiGGS-Basiserhebung lag der Anteil der Kinder und Jugendlichen von 0–17 Jahren, die in den letzten 12 Monaten vor der Befragung von Asthma bronchiale, allergischem Schnupfen und atopischem Ekzem betroffen waren, bei 3,0 %, 8,7 % bzw. 7,2 % (Schlaud et al. 2007). Bei 20,0 % der 3- bis 17-Jährigen wurden spezifische Antikörper gegen mindestens eins der getesteten Nahrungsmittelallergene im Blut nachgewiesen (Bergmann et al. 2016; Schmitz et al. 2013). Der Nachweis zeigt, wie erwähnt, eine grundsätzliche Bereitschaft für eine Nahrungsmittelallergie an, jedoch nicht die Erkrankung selbst. Außerdem stehen Sensibilisierungen gegen Nahrungsmittelallergene häufig in Zusammenhang mit Kreuzreaktionen der primären Sensibilisierung gegen Inhalations- und andere Allergene. Typisches Beispiel ist das sog. orale Allergiesyndrom (oder die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie) mit Symptomen wie Jucken, Kratzen und einem unangenehmen Engegefühl im Rachenraum, welches z. B. Betroffene von allergischem Schnupfen den Verzehr von frischem Kern- und Steinobst als nicht verträglich einstufen lässt.

Eine weitere Untersuchung mit Daten der KiGGS-Basiserhebung in Bezug auf potenzielle Erdnussallergien zeigte, dass die mit 10,9 % relativ hohe Prävalenz der Erdnusssensibilisierung im Wesentlichen auf eine Kreuzreaktion mit Pollen zurückzuführen war. Die Prävalenz der Erdnusssensibilisierung ohne begleitende Sensibilisierung gegen Lieschgras- und Birkenpollenallergenen lag nur bei unter 0,5 % (Niggemann et al. 2011). Nichtsdestotrotz ist es äußerst wichtig, echte Nahrungsmittelallergien zu erkennen, da diese für die Betroffenen potenziell lebensbedrohlich sein können.

Die momentan aktuellsten Zahlen zur Verbreitung allergischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland liefert die von 2014–2017 durchgeführte KiGGS Welle 2. Danach betragen die 12-Monats-Prävalenzen bei 0- bis 17-Jährigen insgesamt 3,5 % für Asthma bronchiale, 8,8 % für allergischen Schnupfen und 7,0 % für atopisches Ekzem (Thamm et al. 2018a).

In Abb. 1 sind die 12-Monats-Prävalenzen von Asthma bronchiale, allergischem Schnupfen und atopischem Ekzem bei Mädchen und Jungen von 0–17 Jahren in Deutschland in verschiedenen Altersgruppen dargestellt. Grundlage der Daten sind elternberichtete ärztliche Diagnosen. Jungen sind häufiger von Asthma bronchiale und allergischem Schnupfen betroffen als Mädchen (Asthma: 4,4 % vs. 2,6 %; allergischer Schnupfen: 10,4 % vs. 7,2 %). Ein atopisches Ekzem wurde in den letzten 12 Monaten vor der Erhebung bei beiden Geschlechtern etwa gleich häufig ärztlich festgestellt (6,6 % vs. 7,4 %).
Abb. 1

12-Monats-Prävalenzen (in Prozent) von Asthma bronchiale, allergischem Schnupfen und atopischem Ekzem bei Kindern und Jugendlichen von 0–17 Jahren in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS Welle 2 2014–2017, nach Alter und Geschlecht

Im Hinblick auf den sozialen Status zeigt sich, dass Mädchen und Jungen aus Familien mit niedrigem und mittlerem Sozialstatus häufiger von Asthma bronchiale betroffen sind als Gleichaltrige aus Familien mit hohem Sozialstatus. Für das Auftreten von allergischem Schnupfen und atopischem Ekzem ist der soziale Status der Familie, in denen die Kinder leben, dagegen nicht entscheidend. Ost-West-Unterschiede sind weder für Asthma bronchiale noch für Heuschnupfen zu verzeichnen. Jedoch sind die Betroffenenzahlen für atopisches Ekzem bei Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland (Kuntz et al. 2018; Thamm et al. 2018a).

Bereits mit Daten der KiGGS-Basiserhebung konnten einige der bis dahin in der wissenschaftlichen Literatur diskutierten Risikofaktoren bestätigt werden. Dazu zählen z. B. eine genetische Vorbelastung der Eltern insgesamt sowie das Rauchen von Eltern und (groß)städtisches Leben bei Asthma. Das Aufwachsen in landwirtschaftlich-bäuerlichem Umfeld, mit älteren Geschwistern oder eine frühe außerfamiliäre Kinderbetreuung waren dagegen mit einem geringeren Risiko für das Auftreten eines allergischen Schnupfens assoziiert (Schmitz et al. 2012). Ebenfalls gut belegt ist heutzutage auch das Risiko, dass sich zu einem allergischen Schnupfen im Laufe der Zeit auch Asthma bronchiale entwickelt. Das Risiko dieses sog. Etagenwechsels ist insbesondere dann erhöht, wenn Kinder schon früh im Leben, d. h. im Vor- bis Grundschulalter an allergischem Schnupfen erkranken (Gough et al. 2015; Thamm et al. 2018b). Diese Doppelbelastung gilt es für die Patienten zu verhindern.

Im zeitlichen Trend zeigen die 12-Monats-Prävalenzen für Asthma bronchiale, allergischen Schnupfen und atopisches Ekzem keine wesentlichen Veränderungen und weisen somit auf eine Stabilisierung der Erkrankungshäufigkeiten in den letzten gut 10 Jahren auf hohem Niveau hin. Circa 16 % der Kinder und Jugendlichen sind heute von Asthma bronchiale, allergischem Schnupfen und/oder atopischem Ekzem betroffen. Dies entspricht mehr als 2,1 Mio. Heranwachsenden in Deutschland. Eine frühzeitige Diagnose sowie die angemessene Versorgung allergischer Erkrankungen sind von zentraler Bedeutung (Thamm et al. 2018a).

Ein internationaler Vergleich der Allergieprävalenzen fällt angesichts uneinheitlicher Erfassungsmethoden und Populationen schwer. Dennoch ist eine Zusammenschau länderübergreifender Studienergebnisse zur Einordnung der in Deutschland ermittelten Krankheitsprävalenzen nützlich und sinnvoll. Eine solche Zusammenstellung ist im aktuellen Weißbuch Allergie in Deutschland zu finden. Mit Blick auf 12-Monats-Symptomprävalenzen von Asthma bronchiale, allergischem Schnupfen und atopischem Ekzem bei 6- bis 7-Jährigen und 13- bis 14-Jährigen im Rahmen der „International Study of Asthma and Allergies in Childhood“ (ISAAC; Website ISAAC-Studie 2019) lag Deutschland für Asthma bronchiale im oberen Drittel und für allergischen Schnupfen und atopisches Ekzem jeweils im Mittelfeld der untersuchten Länder (Klimek et al. 2018).

Die Frage danach, wie häufig Nahrungsmittelallergien sind, ist aufgrund der Diversität der Studiendesigns ebenfalls schwer zu beantworten. Im Rahmen des europäischen Projekts „The prevalence, cost and basis of food allergy across Europe“ (Europrevall) von 2005–2009 ergab eine umfangreiche Literaturrecherche eine Prävalenz von 1–5 % für (irgend)eine ärztlich geprüfte Nahrungsmittelallergie bezogen auf die Gesamtpopulationen (Website der European Academy of Allergy and Clinical Immunology [EAACI] 2019).

2 Bedeutung und Ansätze für Prävention und Gesundheitsförderung

2.1 Lebensqualität und ökonomische Aspekte

Da Allergien in der Bevölkerung zunehmen, insbesondere hier die Nahrungsmittelallergie und die allergische Rhinitis/Rhinokonjunktivitis, bedeutet dies eine erhebliche Belastung und Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien. Die Einschränkung der Lebensqualität beim schweren atopischen Ekzem wird als stärker als beim Diabetes mellitus angegeben (Redd und Blaiss 2018). Der quälende Juckreiz beim atopischen Ekzem bringt Kinder und Eltern oft um den Schlaf und ist daher sehr belastend. Ein schweres Ekzem mit Hautrötung und Schuppung oder gar offenen Wunden wird von der Umwelt oft als abstoßend empfunden und führt manchmal zu Ausgrenzung oder Missverständnissen („Ist das ansteckend?“).

Auch leiden Konzentrationsfähigkeit und beispielsweise schulische Leistungen bei jungen Patienten mit allergischer Rhinokonjunktivitis erheblich, wenn aktuelle allergische Beschwerden wie z. B. in der Pollensaison vorliegen. Besteht ein starker Juckreiz wegen einer Neurodermitis, so wird häufiges Kratzen während des Unterrichts von der Umgebung als extrem störend empfunden.

Eltern von Kindern mit Nahrungsmittelallergien sind oft mit Unverständnis und Ablehnung, beispielsweise in den Kindertagesstätten und Schulen, konfrontiert. Auch erhöhen sich Ausgaben für Lebensmittel, da allergenfreie Lebensmittel in der Regel teurer sind als andere Lebensmittel. Die Zeit, die mit der Auswahl von Lebensmitteln verbracht wird, ist erheblich länger als bei Familien ohne nahrungsmittelallergische Kinder. Kinder und Jugendliche erleben oft eine Ausgrenzung, wenn es um Kindergarten- oder Schulfahrten geht, da das Risiko einer allergischen Reaktion für viele Betreuer ein Hemmnis darstellt. Hier versuchen die Selbsthilfegruppen und auch behandelnde Ärztinnen/Ärzte, Pflegekräfte und Ernährungsfachkräfte mehr Aufmerksamkeit und Informationsvermittlung zu erzielen, um Betreuer zu schulen und Sicherheit im Management nahrungsmittelallergischer und anaphylaxiegefährdeter Patienten zu erreichen.

Auch bedeuten allergische Erkrankungen und Asthma bronchiale eine ökonomische Herausforderung unserer Gesundheitssysteme (Redd und Blaiss 2018). Die Kosten, die jährlich für die Behandlung von Asthma bronchiale und allergische Erkrankungen in der BRD ausgeben werden, belaufen sich auf 2-stellige Millionenbeträge. Die Hälfte der Kosten wird durch stationäre Aufenthalte und Medikamente verursacht. Sowohl für die Lebensqualität der Patienten als auch aus ökonomischen Erwägungen sollten Bemühungen sich auf die Reduktion stationärer Krankenhausaufenthalte richten. Hier gilt es Aspekte der Therapieadhärenz und Patientenschulung (Szczepanski et al. 1996) sowie auch die Vermeidung von Risikofaktoren wir Tabakrauchexposition und Allergen- sowie Infektvermeidung zu adressieren.

2.2 Prävention und Gesundheitsförderung

Grundsätzlich stellt die Prävention allergischer und atopischer Erkrankungen, also atopische Dermatitis (atopisches Ekzem oder Neurodermitis), Nahrungsmittelallergie, allergisches Asthma bronchiale und allergische Rhinokonjunktivitis, eine große Herausforderung dar, da die zugrunde liegende Deviation des Immunsystems oft schon intrauterin gebahnt wird. Präventionsmaßnahmen müssen also sehr früh erfolgen, Risikokinder müssen vorher identifiziert werden („window of opportunity“). Wir sprechen von Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Letztere bezieht sich auf die Vermeidung einer Verschlimmerung einer bestehenden Erkrankung. Die eigentliche Vorbeugung beträfe die Primärprävention, sie umfasst die Beseitigung bzw. Vermeidung von Ursachen, die für die Krankheitsentstehung von Bedeutung sind. Bei der Sekundärprävention beziehen wir uns auf Personen, die bereits frühe Krankheitszeichen haben oder aber schon Hinweise dafür, dass eine Krankheit sich entwickeln könnte, z. B. der Nachweis von IgE-Antikörpern gegen Allergene (Sensibilisierung) ohne Symptome. Hier können Präventionsmaßnahmen die Manifestation einer Erkrankung bei entsprechender Prädisposition (frühe Sensibilisierung) oder aber einen Wechsel der Symptome (Etagenwechsel von Heuschnupfen zu Pollenasthma) verhindern.

Bei der Prävention allergischer Erkrankungen und Asthma bronchiale gilt es, die Aspekte der Exposition und des Lebensstils (Umwelt [Schadstoffe, mikrobielle Substanzen, UV-Exposition, Allergene], Infekte, Ernährung), aber auch genetische und epigenetische Faktoren zu berücksichtigen (Weidinger et al. 2016). Da Umweltfaktoren und Lebensstil sowie Genetik und Epigenetik interagieren, erhält man oft unterschiedliche Assoziationen und Ergebnisse in epidemiologischen Studien. Wirkliche Abschätzung der Wirksamkeit einer Präventionsmaßnahme erhält man nur durch kontrollierte Studien. Effektstärken können je nach Auswahl der zu behandelnden Kohorte unterschiedlich ausfallen. Auch wenn es viele Hinweise in Kohortenstudien auf protektive und Risikofaktoren gibt, so lässt sich daraus bisher nur eine beschränkte Anzahl an konkreten Empfehlungen ableiten (Schäfer et al. 2014). Wenige klare Empfehlungen gibt es evidenzbasiert in der S3-Leitlinie „Allergieprävention“ der deutschen allergologischen Fachgesellschaften. Hierzu gehören:
  • Keine Tabakrauchexposition während und nach der Schwangerschaft.

  • Keine mütterliche Diät in der Schwangerschaft.

  • Muttermilchernährung für 4–6 Monate mindestens.

  • Keine Verzögerung von Beikosteinführung über den vollendeten 4. Lebensmonat hinaus, wenn es keinen Hinweis auf eine spezifische Allergie gibt. Dies gilt besonders auch für Seefisch.

  • Keine Einschränkung hinsichtlich Tierhaltung, solange es keine klare Allergie dagegen gibt.

  • Kann nicht gestillt werden, so ist in den ersten 4 Lebensmonaten einem Hydrolysat, das sich in Präventionsstudien bewährt hat, Vorzug gegenüber nicht-hydrolysierter Formulanahrung zu geben.

  • Vermeidung unnötiger elektiver Kaiserschnittgeburten.

Hinsichtlich der Empfehlung von Prä- und Probiotika kann noch keine klare Empfehlung gemacht werden, da es kein eindeutig zu empfehlendes Produkt gibt, obwohl das Konzept überzeugend ist.

Ernährung und Prävention

Während der Schwangerschaft wird eine ausgewogene und nährstoffdeckende Ernährung empfohlen, die reich an langkettigen Omega-3-Fettsäuren, Obst und Gemüse (mediterrane Ernährung) sein soll. Auch gibt es in Beobachtungsstudien positive Assoziationen mit Milchfett in Hinblick auf die Prävention atopischer Erkrankungen. Gemüse und Obst enthalten reichlich präbiotische Nahrungsbestandteile („fibres“), die dann Substrat bilden für günstige Darmbakterien und das Mikrobiom des Darmes. Dies scheint sich vorteilhaft auf die orale Toleranzentwicklung gegenüber Fremdproteinen auszuwirken (Schäfer et al. 2014).

Klar scheint, dass das strikte Konzept der Vermeidung von potenziell allergenen Lebensmitteln im ersten Lebensjahr nicht mehr verfolgt wird als primäre Präventionsstrategie, letztendlich, weil es nicht umsetzbar ist und weil die frühe Toleranzinduktion eher das Ziel ist. Es gibt einige kontrollierte Studien, die einen günstigen Effekt von Früheinführung bestimmter allergener Lebensmittel wie Erdnuss bei Risikokindern im Säuglingsalter gezeigt haben. Die LEAP-Study (Learning early about peanut) fütterte randomisiert Kindern mit schwerer atopischer Dermatitis und/oder Hühnereiallergie, aber ohne Erdnussallergie im Alter von 4–11 Monaten bis zum 5. Geburtstag ein Erdnussprodukt (BAMBA oder Erdnussbutter, ca. 6 g pro Woche). Eine Kontrollgruppe vermied strikt Erdnuss. In der Gruppe mit Erdnussverzehr konnte das Auftreten der Erdnussallergie um 80 % gesenkt werden, allerdings in einem Land (England) mit hohem Erdnusskonsum (du Toit et al. 2015). Ob dieses Konzept auch in Ländern mit niedrigem Erdnussverzehr funktioniert, ist unklar. Daher haben bisher nur Länder mit hohem Erdnussverzehr wie die USA die Fütterungsempfehlungen angepasst. In Deutschland empfehlen wir in jedem Fall bei Kindern mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis die Durchführung eines Allergietestes (spezifisches IgE auf die häufigsten Nahrungsmittelallergene), bevor Beikost eingeführt wird.

In Bezug auf die Frühfütterung von Hühnerei gibt es heterogene Befunde aus kontrollierten Studien. Dies mag daran liegen, dass die Hühnereisensibilisierung und -allergie sehr früh auftreten, also bereits im 4.–6. Lebensmonat (Bellach et al. 2017; Natsume et al. 2017).

Auch gibt es in England eine weitere randomisierte Studie, die bei gestillten Kindern aus der Allgemeinbevölkerung 6 hochpotente Nahrungsmittelallergene (Kuhmilch, Erdnuss, Hühnerei, Fisch, Sesam, Weizen) sequentiell ab dem 3. Lebensmonat einführte (Perkin et al. 2016). Eine Kontrollgruppe von Säuglingen wurde 6 Monate ausschließlich gestillt. Die Kinder, die das Protokoll erfüllt haben, zeigten eine Tendenz, dass Nahrungsmittelallergien seltener bei Säuglingen auftraten. Allerdings haben viele Säuglinge es nicht geschafft oder abgelehnt, die Beikost so früh zu essen. Insofern wurde das Konzept der Toleranzinduktion durch Frühexposition zwar bestätigt, doch gilt es individuell zu schauen, inwieweit diese Nahrungsmittel auch auf dem Speiseplan der Familie stehen. Familien, die beispielsweise keine erdnusshaltigen Produkte verzehren, sollten Erdnussprodukte auch nicht ihren Säuglingen füttern. Ganze Nüsse oder Erdnüsse sind unterhalb des 3. Geburtstages wegen Aspirationsgefahr sowieso obsolet.

Fazit

In Hinblick auf die Ernährung bleibt in Deutschland die allgemeine Empfehlung, sich gesund und ausgewogen, evtl. faserstoffreich und reich an Omega-3-Fettsäuren zu ernähren. Kinder sollten 4–6 Monate gestillt werden (voll 4 Monate) und ab 5. Lebensmonat Beikost erhalten. Kann nicht gestillt oder nur teilgestillt werden, empfiehlt sich als Ersatz ein in Studien getestetes Hydrolysat. Gibt es Zeichen eines erhöhten Risikos für eine Nahrungsmittelallergie (mittelschweres bis schweres atopisches Ekzem), sollte vor Beikosteinführung eine Sensibilisierungstestung (spezifisches Serum-IgE oder Haut-Pricktest auf die gängigsten Nahrungsmittel: Kuhmilch, Hühnerei, Erdnuss, Haselnuss, Soja, Weizen, Fisch) erfolgen.

Prävention des Ekzems durch frühe Hautpflege

Da das atopische Ekzem aufgrund der Hautbarrierestörung das Risiko, eine Nahrungsmittelallergie im Kindesalter zu entwickeln (Martin et al. 2015), verfünffacht, liegt es nahe, dass die Prävention der atopischen Dermatitis auch potenziell das Auftreten einer frühkindlichen Nahrungsmittelallergie verhindern könnte. Es gibt Studien, die durch frühe Hautpflege das Auftreten des atopischen Ekzems im Säuglingsalter verringert (Simpson et al. 2014), aber der Effekt hinsichtlich der Verringerung des Auftretens einer Nahrungsmittelallergie ist noch nicht gezeigt worden.

Prä- und Probiotika

Unter probiotischen Keimen verstehen wir Bakterien bzw. Mikroorganismen, die im Dickdarm eine gesundheitsfördernde, eher antientzündliche Wirkung haben. Probiotika müssen säurestabil sein, um in aktiver Form die unteren Darmabschnitte zu erreichen. Außerdem dürfen sie die Menschen nicht gefährden und es muss eine ausreichende Besiedlung erreicht werden. Präbiotika sind unverdauliche Ballaststoffe, die meist pflanzlicher Herkunft sind und aus Polysacchariden bestehen. Sie können von bestimmten Bakterien im Dickdarm fermentiert werden; so kann man das Wachstum bestimmter erwünschter Keime wie z. B. Bifidobakterien fördern. Synbiotika bezeichnen die Kombination von Prä- und Probiotika.

Es gibt sehr viele verschiedene potenziell probiotisch wirkende Bakterienstämme, nicht für alle liegen hinreichende Ergebnisse zur Allergie- und Ekzemprävention vor. Für das Probiotikum Lactobacillus rhamnosus GG gibt es 3 klinische Interventionsstudien, die die Wirkung von LGG auf die Prävention des atopischen Ekzems im Alter von 2 Jahren bei Risikokindern aus Allergikerfamilien untersucht hat. In einer finnischen Untersuchung konnte das Auftreten des atopischen Ekzems durch die Gabe von LGG vermindert werden. Andere Studien konnten dies nicht reproduzieren (Cuello-Garcia et al. 2015). Es gibt auch Studien, die die Kombination mehrerer Probiotikastämme in Hinblick auf das kumulative Auftreten allergischer Erkrankungen untersucht haben. Hier profitierten besonders die Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen waren (in der Behandlungsgruppe 24,5 % allergische Erkrankungen versus 40,5 % in der Plazebogruppe im Alter von 5 Jahren). Im Alter von 10 Jahren zeigte sich in der behandelten Gruppe der Gesamtkohorte weiterhin wie schon zum 2. Geburtstag eine erniedrigte Rate für das atopische Ekzem, aber etwas mehr Heuschnupfen (Peldan et al. 2017). In einer Metaanalyse aus 29 kontrollierten Studien mit Probiotika war der Effekt hinsichtlich Reduktion des Ekzemrisikos für die Supplementation, die bereits in der Schwangerschaft erfolgte, besser als die Supplementation, die postnatal erfolgte (Cuello-Garcia et al. 2015). Metaanalysen zu der isolierten Gabe von Präbiotika als Primärprävention zeigten ein negatives Ergebnis (Cuello-Garcia et al. 2017).

Fazit

Wir haben weiterhin einen Hinweis, dass die Intervention mit Probiotika zumindest in Hinblick auf die Reduktion des Ekzemrisikos funktionieren kann, aber es gibt noch kein optimales Behandlungsprodukt.

Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren

Vitamin D wird eher als hormonartiges Vitamin mit mannigfaltigen Funktionen sowohl auf den Knochenstoffwechsel als auch auf immunologische Prozesse gesehen. Entzündungskontrolle und Infektabwehr werden günstig von Vitamin D3 beeinflusst. Allerdings gibt es in Hinblick auf Allergieprävention heterogene Daten. Zwar gibt es Hinweise, dass bei schwerem Asthma überhäufig niedrige Vitamin-D3-Spiegel gemessen werden. So scheint eine Vitamin-D-Supplementierung in der Schwangerschaft bei Frauen mit Asthma bronchiale in einer plazebokontrollierten dänischen Studie zu einer Verringerung von obstruktiver Bronchitis bei den Kindern in den ersten Lebensjahren zu führen, doch ob dies auch allergisches Asthma wirklich verhindert, bleibt offen. Zur Prävention von atopischer Dermatitis ist die Datenlage in Hinblick auf die Bedeutung von Vitamin D noch kontroverser.

Die Einnahme von Omega-3-Fettsäure-reichen Fischölkapseln während der Schwangerschaft scheint einen protektiven Effekt zu haben.

Umwelt: Milieu, Tiere, Tabakrauch, Schadstoffe, Lebensweise

Milieu und Lebensweise

Die Untersuchungen an Bauernkindern haben klar gezeigt, dass der bereits intrauterine Kontakt zu mikrobiellen Stimuli und wahrscheinlich auch pflanzlichen Naturstoffen aus Stallstäuben der traditionellen Viehwirtschaft das Auftreten von Asthma bronchiale und Atemwegsallergien senken kann (Mutius und Vercelli 2010). Die Hygienehypothese suggerierte bereits vor über 25 Jahren, dass mikrobielle Exposition im frühen Kindesalter das Immunsystem günstig beeinflussen kann und das Auftreten allergischer Immunantworten unterdrückt. Bei den Bauernkindern zeigte sich auch, dass der protektive Effekt dieser Lebensweise unter anderem über das Trinken der nicht-ultraerhitzten Milch vermittelt wird. Ebenso protektiv wirken wahrscheinlich der vermehrte Aufenthalt im Freien und die Bewegungsintensität, die wiederum Adipositas seltener auftreten lässt. Adipositas begünstigt die Entwicklung von Asthma bronchiale und stellt eine „low grade Inflammation“ dar. Kontrollierte Untersuchungen hierzu gibt es nicht.

Schwangerschaft und Geburtsmodus

Es gibt Hinweise, dass mütterlicher Stress während der Schwangerschaft das Risiko für die Entstehung des Asthma bronchiale oder auch anderer atopischer Manifestation erhöhen kann, allerdings ist dies in einigen Studien auch mit dem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt assoziiert (Been et al. 2014). Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden, haben eine andere Kolonisation des Darmes mit Keimen als vaginal entbundene Kinder. Ihr Risiko, ein Asthma bronchiale zu entwickeln, ist erhöht (Roduit et al. 2009). Studien, die versuchen, diesen Nachteil durch sog. „vaginal seeding“ auszugleichen, laufen momentan und Ergebnisse hinsichtlich der Allergie- und Asthmaprävention werden mit Spannung erwartet.

Innenraumallergene

Während es viele Hinweise in Geburtskohortenstudien gab, dass eine hohe Hausstaubmilbenallergenkonzentration einen Risikofaktor gerade bei atopischer Familienanamnese in Hinblick auf die Entstehung einer Sensibilisierung und allergischen Atemwegserkrankung darstellt so wie auch für die Aufrechterhaltung der Entzündungsreaktion (Sanchez-Borges et al. 2017), so waren die Befunde für die Tierhaltung heterogener. Liegen beispielsweise bei Kindern bestimmte genetische Veränderungen vor, die eine Ekzementwicklung begünstigen (Filaggrin loss-of-function Mutation), so stellt die Katzenexposition ein zusätzliches Risiko für die frühe Manifestation eines atopischen Ekzems dar (Bisgaard et al. 2008). Für die Hundehaltung ergab sich eher ein protektiver Effekt. Dies könnte durch die Übertragung potenziell protektiver Bakterien aus dem Mikrobiom des Hundes zu erklären sein.

Tabakrauch

Mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für das Kind, zwischen 4 und 6 Jahren ein Asthma bronchiale und eine Sensibilisierung gegen Aeroallergene zu entwickeln (Neuman et al. 2012). Auch gibt es eine Assoziation zu obstruktiver Bronchitis im Kleinkindalter (Burke et al. 2012) und die Entwicklung der Lungenfunktion (Hollams et al. 2014). Das ist besonders ausgeprägt, wenn es eine atopische Familienanamnese gibt (Keil et al. 2009). Hinsichtlich des Passivrauchens ist die Datenlage uneinheitlicher und oft mit anderen Kofaktoren verbunden (Sozioökonomischer Status, Ernährung, Übergewicht) (Thacher et al. 2018).

Schadstoff-Exposition der Umwelt

In Ballungsgebieten sind Kinder bereits hohen Konzentrationen an Stickoxiden und kleinen Partikeln ausgesetzt. Die Exposition gegenüber Stickoxiden und kleinen Partikeln (PM 2,5) ist mit einem Vorkommen von Asthma bronchiale verbunden (Schäfer et al. 2014). Kinder, die unmittelbar an Hauptstraßen leben, haben ein um 1,6fach erhöhtes Risiko an Asthma zu erkranken verglichen mit Kindern, die mehr als 1 km von befahrenen Hauptstraßen entfernt leben. Auch steigt das Risiko für das atopische Ekzem und einen Heuschnupfen (Khreis et al. 2017; Morgenstern et al. 2008).

Fazit

Das Vermeiden von intrauteriner Tabakrauchexposition sowie sauberere Luft in unseren Städten könnte zur Reduktion der Asthmainzidenz bei Kindern und Jugendlichen führen. Das Leben auf dem Bauernhof mit vielen mikrobiellen Stimuli für das Immunsystem wirkt protektiv. Auch ist dies bei Hundehaltung in Ansätzen zu beobachten. Die Vermeidung von Hausstaubmilbenallergenen bei bereits bestehender Sensibilisierung kann ggf. eine Triggerung der Entzündungsreaktion an den Schleimhäuten verringern.

Beispiel

Anna ist ein 4 Monate alter Säugling. Ihre Eltern haben beide eine allergische Rhinokonjunktivitis bei Gräserpollenallergie. Seit dem 3. Lebensmonat hat Anna eine Neurodermitis entwickelt, die doch an Schwere nun zunimmt. Sie wird voll gestillt. Die Mutter möchte wissen, wie sie Anna nun weiter ernähren soll. Mit 6 Monaten soll Anna abgestillt werden und in die Krippe kommen.

Empfehlung

Bei schwerer Neurodermitis sollte eine Untersuchung auf spezifisches IgE im Serum auf die wichtigsten Nahrungsmittelallergene (Kuhmilch, Hühnerei, Erdnuss, Weizen, Soja, Fisch, Haselnuss) erfolgen. Wenn es keine IgE-Antikörper gibt, dann kann der Kostaufbau nach dem vollendeten 4. Lebensmonat (also ab dem 5. Lebensmonat) erfolgen. Auch wäre eine kuhmilchbasierte Formulanahrung möglich, wenn die Mutter abstillen möchte. Ein Allergie-präventiver Effekt nach dem 4. Lebensmonat ist für das Stillen nicht bewiesen worden. Lediglich in Hinblick auf die Entwicklung von Adipositas ist längeres Stillen von Vorteil (und natürlich für die Mutter-Kind-Bindung). Der Beikostaufbau sollte sich an der Familienkost orientieren: Familien, die viele Nüsse und Erdnuss verzehren, können auch im Brei als Mus Erdnuss bzw. andere Nüsse geben (nicht stückig: Aspirationsgefahr!). Familien, die nie Erdnuss essen, sollten da eher zurückhaltend sein. Sollten sich aber Sensibilisierungen zeigen, ohne dass das Nahrungsmittel verzehrt wurde, ist eine stationäre Nahrungsmittelprovokation sinnvoll. Vorher sollten die entsprechenden Nahrungsmittel gemieden werden.

Beispiel

Niels ist ein 6 Monate alter Säugling. Er hat ein mildes atopisches Ekzem, das wenig Therapie benötigt. Der Kinderarzt hat einen Allergietest auf Nachfragen und Bitten der Mutter durchgeführt. Es zeigt sich lediglich eine leichte Sensibilisierung auf Kuhmilch. Er bekommt schon seit 5 Wochen einen milchhaltigen Nachtbrei, den er sehr gut verträgt. Die Mutter ist jetzt verunsichert, ob eine Kuhmilchallergie vorliegen könnte.

Empfehlung

Da das Ekzem auch unter kuhmilchhaltiger Nahrung besser wird, ist anzunehmen, dass eine stumme Sensibilisierung bzw. eine Toleranz gegenüber Kuhmilch vorliegen. Niels muss Kuhmilch nicht meiden.

Beispiel

Karl ist ein 8-jähriger Fußballer. Er hat seit seinem 5. Geburtstag während der Birkenpollensaison einen hartnäckigen allergischen Schnupfen, der ihn beim Sport stört. Bisher hat er keine bronchialen Beschwerden während körperlicher Belastung oder während des Pollenfluges. Gibt es trotzdem eine Möglichkeit, die Pollenallergie zu heilen? Die Mutter hat etwas von „Etagenwechsel“ bei Pollenallergie gehört.

Empfehlung

Karl hat reproduzierbar in der Frühblühersaison eine allergische Rhinitis. Er kann sowohl hinsichtlich seiner Heuschnupfensymptome (Tertiärprävention) als auch in Hinblick der Verhütung eines allergischen Asthma bronchiale (sekundäre Prävention) von einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) profitieren. Bei Graspollenallergie gäbe es gute Erfahrungen mit der sublingualen und subkutanen Therapie (Tablette oder Spritze). Bei Birkenpollenallergie würde man momentan noch eher zur subkutanen, dreijährigen Behandlung mit Spritzen tendieren.

Literatur

  1. Been JV, Lugtenberg MJ, Smets E et al (2014) Preterm birth and childhood wheezing disorders: a systematic review and meta-analysis. PLoS Med 11:e1001596CrossRefGoogle Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Charité – Universtitätsmedizin BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Abt. Epidemiologie und GesundheitsmonitoringRobert Koch-InstitutBerlinDeutschland

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