B-Antigen

  • K. Kleesiek
  • C. Götting
  • J. Diekmann
  • J. Dreier
  • M. Schmidt
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Zusammenfassung

B-Antigen

Englischer Begriff

B antigen; blood group B antigen

Definition

Kohlenhydratstruktur auf Erythrozyten, die als terminalen Zucker eine Galaktose aufweist und mit Anti-B-Isoagglutininen reagiert.

Beschreibung

Das B-Antigen ist eine Kohlenhydratstruktur von Glykoproteinen und Glykolipiden auf der Oberfläche von Erythrozyten, die als endständigen Saccharidrest eine α-1,3-glykosidisch verknüpfte Galaktose aufweist. Die Synthese des B-Antigens erfolgt durch die B-Transferase, eine Glykosyltransferase, die den Transfer von Galaktose ausgehend von UDP-Galaktose auf die H-Substanz Fukose-α-1,2-Galaktose-β1-Rest katalysiert. Die B-Transferase wird von Trägern der Blutgruppen B und AB synthetisiert, die mindestens ein B-Allel des AB0-Gens in ihrem Genom aufweisen. Personen mit Blutgruppe A oder O, die folglich kein B-Antigen auf den eigenen Erythrozyten tragen, bilden in den ersten Lebensmonaten als immunologische Reaktion auf B-Antigen-ähnliche Strukturen, wie sie z. B. auf gramnegativen Bakterien des Gastrointestinaltraktes vorkommen, Anti-B-Antikörper (Anti-B-Isoagglutinine) aus. Diese Anti-B-Isoagglutinine sind komplementaktivierende IgM-Antikörper und hämolysieren Erythrozyten der Blutgruppe B, was zu schweren und vital bedrohlichen hämolytischen Transfusionsreaktionen bei Transfusion von AB0-inkompatiblen Blutkonserven führen kann. Bei Personen mit Blutgruppe A kann als Folge bakterieller Infektionen passager ein B-ähnliches Antigen (erworbenes B-Antigen, Acquired-B-Antigen) auf den Erythrozyten entstehen, das eine Reaktivität mit Anti-B-Seren zeigt und folglich zu Problemen bei der Blutgruppenbestimmung im immunhämatologischen Laboratorium führen kann. Dieses Antigen entsteht durch Deacetylierung des A-Antigens auf der Erythrozytenoberfläche. Ursächlich für diese Modifikation des A-Antigens sind bakterielle Deacetylasen, die bei Infektionen mit einigen gramnegativen Bakterien freigesetzt werden.

Literatur

  1. Mollison PL, Engelfriet CP (1993) Blood transfusion in clinical medicine. Blackwell Scientific Publications, LondonGoogle Scholar
  2. Mueller-Eckhardt C, Kiefel V (2003) Transfusionsmedizin. Springer, Berlin/Heidelberg/New YorkGoogle Scholar
  3. Müller TH, Hallensleben M, Schunter F, Blasczyk R (2001) Molekulargenetische Blutgruppendiagnostik. Dtsch Ärztebl 98:B267–B272Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • K. Kleesiek
    • 1
  • C. Götting
    • 2
  • J. Diekmann
    • 3
  • J. Dreier
    • 4
  • M. Schmidt
    • 5
  1. 1.Ehemaliger Direktor des Instituts für Laboratoriums- und TransfusionsmedizinHerz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen Ruhr-Universität BochumBad OeynhausenDeutschland
  2. 2.MVZ Labor Limbach Nürnberg GmbHNürnbergDeutschland
  3. 3.Institut für Laboratoriums- und TransfusionsmedizinHerz- und Diabeteszentrum NRWBad OeynhausenDeutschland
  4. 4.Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen; Institut für Laboratoriums- und TransfusionsmedizinUniversitätsklinik der Ruhr-Universität BochumBad OeynhausenDeutschland
  5. 5.Institut für Laboratoriums- und TransfusionsmedizinUniversitätsklinik der Ruhr-Universität BochumBad OeynhausenDeutschland

Personalised recommendations