Laktosetoleranz-Test

Living reference work entry
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Zusammenfassung

Laktosetoleranz-Test

Englischer Begriff

Oral lactose tolerance test

Definition

Funktionstest zum Nachweis einer Laktosemalabsorption, der auf der Messung der Blutglukosekonzentration nach oraler Gabe von Laktose beruht.

Durchführung

Beim nüchternen Patienten sowie 0, 30, 60, 90, 120 Minuten nach oraler Gabe von 50 g Laktose gelöst in 400 mL Wasser wird die Konzentration der Blutglukose bestimmt. Die Laktosebelastung bei Kindern wird mit 2 g Laktose/kg KG durchgeführt.

Funktion – Pathophysiologie

Oral zugeführte Laktose wird physiologisch im Dünndarm durch Laktase zu Glukose und Galaktose hydrolysiert. Beide Monosaccharide werden aktiv resorbiert. Bei primärem wie sekundärem Laktasemangel läuft die Laktasespaltung nicht oder verzögert ab, sodass in der Folge der Anstieg der Blutglukose ausbleibt. Die Passage von Laktose in den Dickdarm führt zu osmotischer Diarrhoe und durch die bakterielle Fermentation zur CO2-Bildung und zu Blähungen und Bauchkrämpfen.

Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen

Abhängig von der Bestimmungsmethode: Kapillarblut, Venenblut, Plasma.

Analytik

Enzymatische Messung der Konzentration von Glukose: Hexokinase-Methode, Glukoseoxidase-Methode, Glukose-Dehydrogenase-Methode.

Referenzbereich – Erwachsene

Glukoseanstieg im Vollblut oder Serum um >20 mg/dL (1,11 mmol/L), im Kapillarblut >25 mg/dL (1,39 mmol/L).

Indikation

Verdacht auf primären oder sekundären Laktasemangel, Verdacht auf Laktosemalabsorption anderer Genese.

Interpretation

Ein verminderter Anstieg der Blutglukosekonzentration nach oraler Laktosebelastung zeigt einen Laktasemangel an.

Diagnostische Wertigkeit

Wegen seiner niedrigen diagnostischen Sensitivität von etwa 75 % und einer diagnostischen Spezifität von etwa 83 % ist der orale Laktosetoleranztest dem Laktose-H2-Atemtest unterlegen und zum Ausschluss eines Laktasemangels nicht ausreichend.

Literatur

  1. Lembcke B (2012) Laktosetoleranz-Test. In: Thomas L (Hrsg) Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, 8. Aufl. TH-Books, Frankfurt am Main, S 770–773Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und PathobiochemieCharité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-KlinikumBerlinDeutschland

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