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Grounded-Theory-Methodologie in der Psychologie

  • Günter MeyEmail author
  • Katja Mruck
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Part of the Springer Reference Psychologie book series (SRP)

Zusammenfassung

Heute gilt die vor 50 Jahren von Glaser und Strauss entwickelte Grounded-Theory-Methodologie (GTM) weit über die Soziologie hinaus als einer der prominentesten Ansätze in der qualitativen Forschung. In dem Beitrag wird zunächst die Geschichte der GTM – von den Gründervätern über die sog. „Second Generation“ bis hin zu neueren Entwicklungen – skizziert. Im Anschluss werden mit „Theoretical Sampling“, „All is Data“ sowie Ausführungen zum Kodieren und Memoschreiben die Essentials der GTM charakterisiert, die trotz aller Diversität als deren Grundbestand gelten können.

Schlüsselwörter

Grounded-Theory-Methodologie Kodierung Kategorien Theoretical Sampling Situationsanalyse Reflexivität 

1 Zur Entstehungsgeschichte der Grounded-Theory-Methodologie

Die Grounded-Theory-Methodologie (GTM) zählt zu den prominentesten Ansätzen innerhalb der qualitativen Forschung (Titscher et al. 2000). In den letzten 50 Jahren wurde sie kontinuierlich weiterentwickelt. Sie kommt in den Sozialwissenschaften zum Einsatz, um soziologische, pädagogische und psychologische Fragenstellungen zu untersuchen, GTM-Studien finden sich aber auch in den Gesundheits-, Wirtschafts- und Technikwissenschaften sowie beispielsweise in Geografie und Medizin.

Ihre Popularität erlangte die GTM nicht zuletzt, weil sie methodologische Vorschläge und ein Set an methodischen Elementen bereithält, um eine Studie von der Auswahl und Erhebung von Daten bis zu deren Analyse systematisch zu planen und zu steuern mit dem Ziel, eine in den Daten begründete Theorie (eben eine Grounded Theory1) zu erarbeiten. Am Ende stehen – entgegen der damaligen Dominanz von Universaltheorien und der mit ihnen einhergehenden Entfremdung zwischen Theorie und empirischer Sozialforschung – i. d. R. Theorien mittlerer Reichweite,2 die bedeutsame Perspektiven für definierte und praktisch relevante Untersuchungsfelder eröffnen sollen. Ein Spezifikum der GTM ist die kontinuierlich enge Bindung der Theoriebildung bzw. die Modellierung theoretisch gehaltvoller Aussagen an die herangezogenen Daten, um über die bloße Deskription hinaus eine Konzeptualisierung des Untersuchungsbereichs vorzunehmen.

Wie auch im Falle anderer qualitativer Forschungsansätze gründet die GTM nicht in einer Lehnstuhlwissenschaft, sondern ist das Resultat intensiver Forschungsarbeiten: In den frühen 1960er-Jahren führten die GTM-Begründer Barney Glaser und Anselm Strauss eine Feldstudie durch zur Art und Weise, wie das Thema Sterben in US-Krankenhäusern verhandelt wurde. Ihr Ergebnis war eine Grounded Theory über „das Wahrnehmen des Sterbens“ (Awareness of Dying) (Glaser und Strauss 1995 [1965]), in der die Interaktionen zwischen den Sterbenden, ihren Angehörigen und dem Krankenhauspersonal (Ärzt/innen, Pflegekräften, Krankenschwestern) rekonstruiert wurden. Glaser und Strauss untersuchten dazu das interaktive Geschehen in sechs Krankenhäusern und auf verschiedenen Abteilungen, um zu erfahren, ob der Sterbeprozess schnell oder langsam verläuft, ob er antizipiert werden kann oder überraschend eintritt etc. Ausgewählt haben sie dazu u. a. eine Frühgeborenenstation, eine onkologische Abteilung und die Notfallaufnahme. Als zentrale Unterscheidung kristallisierte sich heraus, ob und in welchem Ausmaß den Menschen der nahende Tod bewusst war bzw. gemacht wurde und wie daraufhin die Interaktionen zwischen den Beteiligten strukturiert wurden.

Schon während der Studie und insbesondere im Anschluss daran haben Glaser und Strauss ihre Forschungspraxis reflektiert und systematisiert, indem sie ihren Ansatz unter Bezugnahme auf damalige Debatten zur qualitativen Forschung explizierten. In ihrem einzigen gemeinsamen method(olog)ischen Buch „The Discovery of Grounded Theory“ (Glaser und Strauss 1998 [1967]) zeigten sie auf der Basis ihrer „Awareness“-Studie, wie Forschung jenseits des dominanten hypothetico-deduktiven Modells gestalten werden kann. Ihr Buch eröffneten sie dann auch mit einer programmatischen Standortbestimmung:

„Überwiegend befaßt sich die Literatur zur soziologischen Methodenlehre damit, wie man zu klaren Sachverhalten gelangt und wie theoretische Aussagen sich dadurch strenger überprüfen lassen. In diesem Buch widmen wir uns der ebenso wichtigen Aufgabe, wie die Entdeckung von Theorie aus – in der Sozialforschung systematisch gewonnenen und analysierten – Daten vorangetrieben werden kann. Wir glauben, daß die Entdeckung von Theorie auf der Grundlage von Daten – was wir Grounded Theory nennen – eine der größeren der Soziologie heutzutage gestellten Aufgaben ist, weil eine solche Theorie […] empirisch beschreibbaren Situationen gerecht wird und Soziologen wie Laien gleichermaßen verständlich ist“ (Glaser und Strauss 1967, 1998, S. 11).

Wie erwähnt, forderten Glaser und Strauss in „The Discovery of Grounded Theory“ die Entwicklung von gegenstandsnahen Theorien mittlerer Reichweite auf Basis von empirischen Daten, statt umgekehrt Daten zum Testen von Universaltheorien zu nutzen und auf diese auszurichten. Ziel war nicht zuletzt, der Kluft zwischen akademischen Diskursen und Anforderungen aus der Praxis entgegenzuwirken. Indem Glaser und Strauss die Arbeitsschritte während der Datenerhebung und -auswertung transparent machten, wollten sie qualitative Forschung als nachvollziehbare, systematische und der quantitativen Forschung (mindestens) gleichwertige wissenschaftliche Praxis voranbringen. Sie wehrten sich damit sowohl gegen eine beschränkte Nutzung qualitativer Verfahren nur für „Vorstudien“ (von quantitativer Seite) als auch gegen ihre Selbstbescheidung auf Deskription und nur illustrative Zwecke (von qualitativer Seite). Und noch mehr: Sie votierten für den „freedom of research“, indem sie den Forschenden selbst die Kompetenz zusprachen, eine entdeckende Haltung einzunehmen: Sie sollten in ihre „scientific intelligence“ vertrauen, statt als „proletarische Theorietester“ weiter „theoretischen Kapitalisten“ zuzuarbeiten.

2 Entwicklungslinien und Varianten der Grounded-Theory-Methodologie

Nach der wegweisenden Schrift „The Discovery of Grounded Theory“, mit der Glaser und Strauss die Grundlinien der GTM skizzierten (allerdings keine genauen Ausführungen zu Auswertungsschritten anboten), entwickelten sie die GTM in der Folge getrennt voneinander (Abschn. 2.1). Dies führte zu zwei verschiedenen Auslegungen der GTM, die dann durch andere Wissenschaftler/innen ausdifferenziert und weiterentwickelt wurden (Abschn. 2.2) und laufend werden (Abschn. 2.3). Mittlerweile findet sich unter dem „Label“ GTM ein Nebeneinander an unterschiedlich epistemologisch fundierten und auch konkret-forschungspraktisch ausbuchstabierten Versionen.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch wider in den Sortierungs- und Kartierungsversuchen, wie sie etwa die beiden Auflagen des „Sage Handbook of Grounded Theory“ (Bryant und Charmaz 2007, 2018/im Druck) und des „Grounded-Theory-Reader“ (Mey und Mruck 2007, 2011a) leisten oder sich in dem „Handbuch Grounded Theory“ (Equit und Hohage 2016) angedeutet finden.

2.1 Die Arbeiten der „Gründungsväter“ der Grounded-Theory-Methodologie und der erste Grundsatzstreit

1978 legte Glaser seine Monografe „Theoretical Sensitivity“ vor, um darin einige Grundlinien aus dem „Discovery“-Buch zu elaborieren. Es folgten zahlreiche Bände zu zentralen Fragen und Arbeitsschritten der GTM, so etwa zu „Emergence vs. Forcing“ (Glaser 1992), „Doing Grounded Theory“ (Glaser 1998), „Conceptualization Contrasted With Description“ (Glaser 2001) oder „Theoretical Coding“ (Glaser 2005). Mit dem 1999 gegründeten Grounded-Theory-Institute3 und den dort angebotenen Workshops sollte zur Verbreitung der Version der GTM beigetragen werden, die er als „klassisch“ im Sinne der Ursprungsschrift von 1967 begreift und gegen spätere „Abwandlungen“ verteidigt: Glaser erhebt mit Blick auf andere GTM-Varianten den Vorwurf des „Remodeling“, d. h., es handele sich hierbei lediglich um Formen der qualitativen Datenanalyse, die die zentralen Merkmale der GTM unterbestimmt ließen oder gar aufgegeben hätten (Glaser 2004).

Im Gegensatz dazu hat Strauss die GTM mit seinen dem „Discovery“-Buch folgenden Ausarbeitungen in den größeren Kontext der qualitativen Forschung gestellt, was sich auch in dem Titel seiner ersten monografischen Darstellung der GTM ausdrückt, die als „Qualitative Analysis for Social Scientists“ (Strauss 1987; dt. 1991: „Grundlagen qualitativer Forschung“) auf den Markt kam. Später hat er zusammen mit Juliet Corbin seine Vorstellungen in der eher als Lehrbuch angelegten Publikation „Basics of Qualitative Research: Grounded Theory Procedures and Techniques“ (Strauss und Corbin 1990, dt. 1996: „Grounded Theory: Grundlagen qualitativer Forschung“) systematisiert. Nach der überarbeiteten Fassung dieser Schrift, erschienen zwei Jahre nach Strauss‘ Tod (Strauss und Corbin 1998), folgten später deutlich veränderte Ausgaben (Corbin und Strauss 2008, 2015), bei denen Corbin sich zwar weiter der gemeinsamen Tradition mit Strauss verpflichtet fühlt, aber auch deutliche Umakzentierungen vorgenommen hat (dazu: Corbin 2011).

Der Bruch zwischen den beiden Gründungsvätern erfolgte bereits in den frühen 1990er-Jahren und wurde von Glaser angesichts des von Strauss mit Corbin vorgelegten Buches „Basics of Qualitative Research“ explizit formuliert: „I request that you pull the book. It distorts and misconceives grounded theory, while engaging in a gross neglect of 90 % of its important ideas“ (Glaser 1992, S. 2). Als für diesen Konflikt wesentlich angesehen wurde – neben persönlichen und sozialen Hintergründen – die unterschiedliche Forschungssozialisation von Glaser und Strauss (z. B. Kelle 1998, zusammenfassend 2005; Strübing 2014): Strauss kam aus der Tradition der Chicagoer Schule und fühlte sich dem Pragmatismus und – u. a. unterrichtet von Herbert Blumer – dem symbolischen Interaktionismus verpflichtet (Hildenbrand 2000), während Glaser an der Columbia School u. a. bei Paul Lazarsfeld und Robert K. Merton studierte und eine tlw. traditionelle Ausbildung mit überwiegend positivistischer Ausrichtung absolvierte. Eine Konsequenz war, dass Strauss bereits verfügbares Wissen/vorliegende Literatur als eine wertvolle Quelle im Sinne „sensibilisierender Konzepte“ (Blumer 1954) erachtete, während Glaser großen Wert auf den Prozess der Induktion als Erkenntnisgenerator legt und den Einbezug von Literatur zu Beginn des Forschungsprozesses strikt ablehnt. Er fordert Forschende auf, in das Emergieren von Kategorien zu vertrauen (Glaser 1992), Strauss (und Corbin) votieren hingegen mit ihrer Version des Kodierens und der Kategorienentwicklung für eine Heuristik, die den kokonstruktiven und interaktiven Charakter des Forschens zumindest prinzipiell anerkennt. Zugleich bleiben sie tlw. einer positivistischen Terminologie verhaftet (Mills et al. 2006) und leisten mit ihren Kodierprozeduren einer mechanistischen Vorgehensweise Vorschub, dies in deutlichem Gegensatz zu Glaser, der mit seinem Insistieren auf den Verzicht vorgängiger Theorie durchaus den offenen, den Daten verpflichteten Ansatz des „Discovery“-Buches verfolgen möchte – ein Widerspruch, auf den Bryant (2009) verweist und auch darauf, dass sich hier eine eigentümliche Verkehrung der Anfänge ihrer Zusammenarbeit finde, bei der Strauss seine eigene, eher intuitive Vorgehensweise der systematischeren von Glaser entgegengesetzt hatte.

2.2 Die „Second Generation“ – Zur Unterscheidung einer objektivistischen, konstruktivistischen und postmodernen Grounded-Theory-Methodologie

Parallel zu den Ausarbeitungen von Glaser und Strauss haben sich überwiegend deren Schülerinnen an Weiterführungen der GTM durch eigene Beiträge beteiligt. Mittlerweile wird sogar von der sogenannten „second generation“ (Morse et al. 2008) gesprochen.

Einen wichtigen Beitrag für die Ausdifferenzierung der GTM leistete Kathy Charmaz, die schon früh Auseinandersetzungen um einen eher objektivistischen vs. einen stärker subjektivistischen Strang der GTM ausmachte (Charmaz 2000). Durch die Kontrastierung mit Glasers „positivistischer“ Perspektive und einer für die GTM insgesamt zu konstatierenden „objektivistischen“ Haltung entwickelte sie ihren eigenen Ansatz einer „constructivist grounded theory“ (Charmaz 2006, 2014; s. auch Charmaz und Keller 2016). Zentral ist hierbei, dass sie die Involviertheit der Forschenden explizit in die GTM einzuschreiben versucht und damit deren Rolle bei der Datenerhebung und der Datenanalyse zum Gegenstand der Betrachtung macht:

„In the original grounded theory texts, Glaser and Strauss talk about discovering theory as emerging from data separate from the scientific observer. Unlike their position, I assume that neither data nor theories are discovered either as given in the data or the analysis. Rather, we are part of the world we study, the data we collect, and the analyses we produce. We construct our grounded theories through our past and present involvements and interactions with people, perspectives, and research practices“ (Charmaz 2014, S. 17).

Diesen Überlegungen folgend sind Forschende gefordert, Forschung als einen Prozess zu begreifen, der dem Einfluss der eigenen Subjektivität und Positionierung den gleichen Rang einräumt wie den methodischen Prozeduren, auf die sie in ihren Studien zurückgreifen. Dies bedeutet, dass Forschende eine herausragende Rolle bei der Entwicklung ihrer Theorien spielen und daher eine selbst-reflexive Grundlegung der GTM zwingend ist (Mruck und Mey 2007, 2018/im Druck).

Parallel zu (aber unabhängig von) Charmaz hat Franz Breuer im deutschsprachigen Raum die Ausarbeitung einer „reflexiven GTM“ vorangetrieben (Breuer 1996, 2009; Breuer et al. 2017). Anders als Charmaz, die sich zur Begründung ihres Ansatzes auf sozialkonstruktivistische Arbeiten bezieht, schließt Breuer insbesondere an den Ethnopsychoanalytiker Georges Devereux und dessen (wie das „Discovery“-Buch) 1967 veröffentlichte Schrift „Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften“ (Devereux 1973 [1967]) an.

Eine die Rolle der Subjektivität der Forschenden anerkennende GTM bedeutet allerdings nicht den Rückgriff auf eine nur impressionistischen Daten(re)präsentation (und sollte z. B. auch nicht mit autoethnografischen Ansätzen verwechselt werden; siehe für Letztere z. B. Ellis et al. 2010). Stattdessen sollte die Unhintergehbarkeit von (Inter-)Subjektivität in jedweder Forschung in ihrer Bedeutung für die Theorieentwicklung reflektiert werden, wie Charmaz dies durch die Gegenüberstellung einer „objektivistischen“ und einer – von ihr vertretenen – „konstruktivistischen“ Variante herausarbeitet und mit Blick auf Grundannahmen, Gegenstandskonstruktionen und Implikationen für die Forschungspraxis systematisiert (s. Tab. 1).
Tab. 1

Objektivistische Grounded-Theory-Methodologie vs. konstruktivistische Grounded-Theory-Methodologie. Vergleiche und Gegenüberstellungen (entnommen aus Charmaz 2011, S. 196)

Objektivistische Grounded-Theory-Methodologie

Konstruktivistische Grounded-Theory-Methodologie

Grundannahmen

• Geht von einer äußeren Wirklichkeit aus

• Geht von multiplen Wirklichkeiten aus

• Geht von der Entdeckung von Daten aus

• Geht von der gemeinsamen Konstruktion der Daten in Interaktion aus

• Geht davon aus, dass sich Konzeptualisierungen aus den Daten ergeben

• Geht davon aus, dass Forschende Kategorien konstruieren

• Betrachtet die Repräsentation von Daten als unproblematisch

• Betrachtet die Repräsentation von Daten als problematisch, relativ, situativ und unvollständig

• Geht von der Neutralität, Passivität und Autorität der Beobachter/innen aus

• Geht davon aus, dass die Werte, Prioritäten, Positionen und Handlungen der Beobachter/innen Einfluss auf deren Sichtweise haben

Gegenstände

• Zielt auf kontextunabhängige Verallgemeinerungen

• Betrachtet Verallgemeinerungen als unvollständig, bedingt und als situiert in Zeit, Raum, Positionen, Handlungen und Interaktionen

• Strebt sparsame, abstrakte Konzeptualisierungen an, die über historische und lokale Standorte hinausweisen

• Strebt ein interpretatives Verständnis historisch kontextualisierter Daten an

• Definiert Variablen

• Bestimmt die Breite der Variation

• Zielt darauf, eine Theorie zu entwickeln, die passt, funktioniert, relevant und modifizierbar ist

• Zielt darauf, eine Theorie zu entwickeln, die glaubwürdig, originär, resonant und nützlich ist

Implikationen für die Datenanalyse

• Betrachtet die Datenanalyse als einen objektiven Prozess

• Anerkennt Subjektivität während der gesamten Datenanalyse

• Betrachtet entstehende Kategorien als formgebend für die Analyse

• Anerkennt, dass die Ko-Konstruktion von Daten die Analyse prägt

• Betrachtet Reflexivität als eine mögliche Datenquelle

• Reflexivität durchzieht den gesamten Forschungsprozess

• Rückt die analytischen Kategorien und die Autorität der Forscher/innen in den Vordergrund

• Sucht und (re-) präsentiert die „Stimmen“ der Teilnehmer/innen als integralen Teil der Analyse

Einen ebenfalls über die traditionelle GTM hinausreichende Ausarbeitung hat Adele Clarke (2012) mit ihrer „Situationsanalyse“ vorgelegt, die sie selbst als „postmodern“ bezeichnet. Clarke erweitert die GTM durch Anleihen aus der Diskursforschung/-analyse und der Akteur-Netzwerk-Theorie, um so den Zugang z. B. auf Diskurse oder nicht-humane Aktanten zu ermöglichen, die bis dahin kaum im Blickfeld der GTM waren. Auch für Clarke ist von herausgehobener Bedeutung, dass Forschende die eigene Involviertheit und damit auch die eigenen Interessen mit Blick auf den analytischen Prozess und die entstehende Theorie reflektieren (Tab. 2; s. auch Clarke und Keller 2014). Für sie stehen am Ende nicht nur komplexe Antworten auf komplexe Fragen, sondern aus multiplen sozialen Prozesse resultieren multiple Formen von Wissen und multiple „Wahrheiten“.
Tab. 2

Von traditionellen/positivistischen zu postmodernen/konstruktivistischen Orientierungen in der Grounded-Theory-Methodologie (entnommen aus Clarke 2011, S. 225)

Traditionelle/positivistische Grounded-Theory-Methodologie

Postmodernes/konstruktivistisches Grounded Theorizing

Die folgenden Angaben sollten stets als nur teilweise zutreffend betrachtet werden, d. h. nicht immer bzw. in jedem Fall.

Für die folgenden Angaben gilt stets‚ sie nach der Maxime aufzugreifen, „falls und wie sie in den Daten vorgefunden werden“.

Positivistisch/realistisch

Konstruktivistisch/relativistisch

Dualismus von Subjekt und Objekt

Kontinuitäten von Subjekt und Objekt

Entdecken/finden

Konstruieren/machen

Korrespondenztheorie der Wahrheit

Sozialkonstruktivistische Theorie der Wissensproduktion

Naive Objektivität

Nichtunschuldige Subjektivität/Reflexivität

(Über-) Homogenisierung, (Über-) Generalisierung

Multiple Positionen, heterogene Darstellungen

A-priori-Verwerfung der Möglichkeit von Widersprüchen

Darstellung von Widersprüchen als analysiert/interpretiert

Erwünschtheit von Vereinfachung

Darstellung von Komplexität

Strebt Schlussfolgerungen an

Vorläufig, eröffnend, widerstreitend, störend

Dominanz der Stimme der Autor/innen bzw. Expert/innen

Multiple Stimmen, Perspektiven, Intensitäten, Reflexivitäten

(Trügerische/überzogene) Klarheit

Ambiguität der Darstellung

„Normale/durchschnittliche“ und „negative Fälle“

Verschiedenheit, Variationsbreite, Ausreißer, Positionalität

Stillschweigend progressiv, linear

Zweifelhaft, gegen den Strom

Annahme von Normativität

Annahme von Positionaliät

Metaphern der Normalverteilungskurve

Metaphern der Kartografie

Ziel: Entwurf eines basic social process (BSP) und einer formalen Theorie

Ziel: Konstruktion von Prozessen, sensibilisierenden Konzepten, Situationsanalysen und Theoretisierungen

2.3 Weitere Entwicklungslinien und die Pluralisierung der Grounded-Theory-Methodologie

Neben den von den Gründern vorgelegten Arbeiten und den von Clarke und Charmaz ausgearbeiteten Weiterentwicklungen sind zusätzliche method(olog)ische und epistemologische Positionierungen zu beobachten: Nicht zuletzt aufgrund der Anwendung in verschiedenen Disziplinen, aber auch wegen neuer Arbeitsfelder und diverser neuer Datenformate befindet sich die GTM mehr denn je in Bewegung. Inwieweit deshalb bereits von einer „Third Generation“ gesprochen werden kann, lässt sich noch nicht sagen.

Anzeichen für eine Ausdifferenzierung finden sich etwa durch die Kombination von anderen Forschungsansätzen mit der GTM. So wurden erste Grundzüge einer „Grounded Action“ mit Fokus auf Interventionsstrategien und unter Einbeziehung von Grundannahmen der Aktions- und partizipativen Forschung vorgelegt (Olson 2007; Simmons und Gregory 2003). Hierbei wird der – durchaus in der GTM von Beginn an angelegte – gesellschaftskritische Anspruch weiter akzentuiert, den auch Charmaz und Clarke unterstreichen. So schreibt z. B. Charmaz (2017, S. 36): „[C]ritical inquiry addresses power, inequality and injustice. Consistent with Donna Mertens (2009) and Norman Denzin (2015, S. 31), I see critical inquiry as embedded in a transformative paradigm that seeks to expose, oppose, and redress forms of oppression, inequality, and injustice.“

Ebenso finden sich erste Vorschläge für eine „narrative GTM“ (Mey und Ruppel 2016; Ruppel und Mey 2015), bei der die innerhalb der Biografieforschung vorgenommenen Adaptionen der GTM (Riemann 2003; Riemann und Schütze 1991) unter Hinzuziehung narrationstheoretischer Überlegungen und erweitert um Konzepte der narrativen Psychologie zum Ausgangspunkt werden, um sowohl bei der Analyse als auch im Zuge der Ergebnispräsentation den Anspruch der GTM, am Ende eine „Geschichte“ über die Daten zu erzählen zu systematisieren.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Beschäftigung mit visuellen Daten (Knoblauch et al. 2008) und in Auseinandersetzung mit Bildtheorien finden sich zusätzlich erste Vorschläge für eine „Visual GTM“, d. h., Adaptionen der GTM für die Analyse von nicht-textuellen Daten wie Fotos (Konecki 2011; Mey und Dietrich 2016) oder von Bewegtbildern wie Filmen/Videos (Dietrich und Mey 2018a/im Druck).

Weitere konzeptuelle Arbeiten sind zu erwarten, wenn berücksichtigt wird, dass verschiedene Sprachen und damit die Frage von Übersetzungen (Tarozzi 2013) oder über visuelle Daten hinaus andere Formate (Materialität) für GTM-Studien zunehmend relevant werden.

3 Essentials der Grounded-Theory-Methodologie

Angesichts der Ausdifferenzierung und Pluralisierung der GTM scheint es zunehmend schwieriger, von „der“ GTM zu sprechen, vielmehr ist von „GTM im Plural“ auszugehen. Insofern wird es auch schwieriger, unter den Forschenden Einigkeit darüber herzustellen, welche Elemente genau eine GTM-Untersuchung kennzeichnen (wie dies etwa Glaser 2004 versucht hat) oder hiervon ausgehend Kriterien auszumachen, entlang derer eine Studie eben als (nicht) GTM-geleitet eingeordnet werden kann (wie z. B. von Strauss und Corbin 1996 [1990], Kap. 14 für den Prozess und das Produkt von GTM-Arbeiten versucht). Trotz dieser Diversität scheint es uns aber weiter möglich und sinnvoll, einige Essentials von GTM-Forschung und damit sozusagen einen Minimalkonsens zu benennen (Mey und Mruck 2009a, 2011b). Hierzu gehören das Theoretical Sampling (Abschn. 3.1), eine grundsätzliche Offenheit gegenüber den einzubeziehenden Daten gemäß dem Diktum „All is Data“ (Abschn. 3.2) sowie das Kodieren (Abschn. 3.3) und damit verbunden das Schreiben von Memos (Abschn. 3.4).

3.1 Theoretical Sampling

Auf das Theoretical Sampling wird auch jenseits der GTM in anderen qualitativen Studien rekurriert, nicht zuletzt, weil zumeist kleine Fallzahlen zugrunde gelegt werden. Anders als bei Samplingverfahren, die wie die Zufallsstichprobe auf statistische Repräsentativität zielen, geht es bei geringen Fallzahlen darum, z. B. spezifische Personen(-gruppen) (Menschen mit bestimmten Krankheiten, marginalisierte Gruppen, Menschen mit ausgewählten Handlungspraxen usw.) begründet in die Forschung einzubeziehen. Hier ist die sogenannte „absichtsvolle Stichprobenbildung“ (purposive sampling) die geeignete Strategie zur Rekrutierung der Untersuchungsteilnehmer/innen (Schreier 2017). Das Theoretical Sampling kann als eine spezielle Variante des purposive sampling verstanden werden. Bereits im „Discovery“-Buch eingeführt (Glaser und Strauss 1967, 1998, Kap. 3), setzt es eine enge Verschränkung von Erhebung und Analyse voraus: Es muss jeweils bestimmt und begründet werden, welcher nächste Fall für die sich entwickelnde Theoriebildung „theoretische Relevanz“ hat: Die „grundlegende Frage lautet: Welchen Gruppen oder Untergruppen wendet man sich zwecks Datenerhebung nächstens zu? Und mit welcher theoretischen Absicht?“ (Glaser und Strauss 1967, 1998, S. 55). In der Studie zu „Awareness of Dying“ hatten Glaser und Strauss (1995 [1965]) ihre Erkundungen auf der Frühgeborenenstation begonnen, da hier die Sterbeerwartung als hoch eingeschätzt wurde und Kleinstkinder keine Bewusstheit über die Risikosituation haben. Daran anschließend wurde die onkologische Abteilung aufgesucht, da hier die Mortalitätsrate ebenfalls hoch war, aber der Zeitpunkt des Todes ebenso wie die Bewusstheit über ihn variierte. Glaser und Strauss führten dann, um zusätzliche Fälle in die Studie einzubeziehen, ihre Arbeit auf der Geriatrie, der Notfallstation und der Pädiatrie fort, um die Bedingungen, den Bewusstheitsgrad über den Tod sowie die kommunikativen und interaktiven Prozesse zu variieren.

Bei dem Theoretical Sampling ist somit lediglich der Beginn/der erste Fall festgelegt aufgrund des Zugangs zum Feld oder von vorläufigem (und zu explizierendem) Wissen. Die weiteren Fälle werden sukzessive ausgewählt und dienen dazu, sich – dem jeweiligen Erkenntnisstand vor dem Hintergrund der je letzten Datenanalyse folgend – theoriegeleitet durch das Untersuchungsfeld weiterzubewegen. Hierzu werden minimale und maximale Kontrastierungen gewählt, um so den jeweiligen Aussagegehalt zu prüfen, zu explizieren und wenn nötig infrage zu stellen (Mey und Mruck 2009b).

Idealtypisch gilt der Prozess erst dann als beendet, wenn durch das Hinzuziehen weiterer Fälle kein (wesentlicher) Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. Es wird dann von „theoretischer Sättigung“ (theoretical saturation) gesprochen. Allerdings sind es zuweilen auch pragmatische (wiederum: in ihrer Konsequenz für die Theoriebildung zu explizierende) Gründe (wie z. B. das nahende Projektende), die zum Abschluss führen.

Es liegen zahlreiche Vorschläge vor, wie die Vergleichsprozesse in der GTM gestaltet werden können, wobei diese im Zuge des Kodierens und im Rahmen des Theoretical Samplings variieren, insofern sowohl Daten mit Daten, Konzepte als Ergebnisse der Analyse mit weiteren Daten oder dann auch Konzepte mit anderen Konzepten konfrontiert werden (s. Abschn. 3.3).

3.2 All is Data

Die Arbeit mit der GTM ist nicht auf eine Datensorte limitiert, sondern es sind diejenigen Daten in die Untersuchung einzubeziehen, die am ehesten die fortschreitende Theoriebildung zu gestalten helfen. Das von Glaser formulierte Diktum lautet entsprechend: „All is Data“ (Glaser 2001, Kap. 11), d. h.,

„whatever may come the GT researcher’s way while theoretically sampling: documents and current statistics, newspaper articles, questionnaire results, social structural and interactional observations, interview, casual comments, global and cultural statements, historical documents, whatever, whatever as it bears on the categories. […] GT is a general methodology usable on any data, and it is up to the researcher to figure out exactly what the data is“ (Glaser 2007, unpag.).

Welche Daten einbezogen werden, hängt somit von der Forschungsfrage und den leitenden Kriterien ab, die sich im Laufe der Analyse herausschälen. In den meisten GTM-Studien werden – wie in der qualitativen Forschung generell – Interviews oder allgemeiner verbale Daten verwendet; darüber hinaus vor dem Hintergrund methodologischer Ausführungen zu Daten- und Methoden-Triangulation (Flick 2017) textuelle Daten (neben Interviewtranskripten Protokolle von Beobachtungen oder Dokumente wie Akten, Borschüren etc.). Zusätzlich werden angesichts des pictorial turn (Mitchell 1992) aber auch Bilder, Fotos, Filme/Videos oder Zeichnungen in die Untersuchung einbezogen. Dadurch sind Forschende allerdings auch gefordert zu explizieren, wie sie solche Daten für die Analyse aufbereiten (für die Analyse visueller Daten siehe Dietrich und Mey 2018a/im Druck; Mey und Dietrich 2016), denn trotz des Credo des „All is Data“ hat sich die GTM zunächst über lange Zeit als ein Textanalyseverfahren etabliert.

Weitaus seltener führt der Weg im Zuge des Theoretical Sampling etwa zu Romanen (wie z. B. bei Breuer, der sich den Fragen der Gestaltung von transgenerationalen Weitergabeprozessen widmete und u. a. das Buch „Vom Wasser“ von John von Düffels gleichberechtigt in die Analyse einbezogen hat; Breuer 2013). Folgt man Straub (1999, S. 211–226) und dessen Darlegungen zur „relationalen Hermeneutik“, können auch die Ergebnisse anderer empirischer Studien oder Theorien in den Vergleich einbezogen oder „gedankenexperimentelle“ Variationen vorgenommen werden.

Und schließlich ist im Einklang mit dem Anliegen der reflexiven bzw. konstruktivistischen GTM sowie der Situationsanalyse das persönliche (biografische und professionelle) Erfahrungswissen der Forschenden eine zentrale Datenbasis, allerdings finden Daten, die sich auf die Subjektivität und Positionierung der Forschenden beziehen, in den eigentlichen Analyseprozess weit weniger Eingang, als dies aufgrund der Zustimmung zu diesen GTM-Varianten zu erwarten wäre. Insoweit bleibt es künftigen GTM-Studien vorbehalten, die Ko-Konstruktion von Daten und Methoden nicht nur anzuerkennen, sondern auch einzulösen,

„focusing on the researcher’s continuous impact on every single decision during the data analysis process. [He/she has to keep in mind that] each encounter with the Other, each single word heard during the interview or written in a text, has to pass the bodily, cognitive, and emotional filters of the analyst, and leads to specific embodied resonances – there is no way to not (re)act personally. Researchers should not ignore this in the hope that, if they pretend ‘long enough that it does not exist, it should just quietly go away’ (Devereux 1967: xviii). Instead, the researcher’s anxieties and ‘warding-off manoeuvres’, quite as much as his/her ‘research strategy, perception of data, and decision making … can shed light’ (ibid.) on the topic under interest, and enrich data analysis and theory development“ (Mruck und Mey 2018/im Druck).

3.3 Kodierformen und Kategorienbildung

3.3.1 Zum Kodieren

In der GTM finden sich in allen Phasen Vergleichsprozesse. Nicht zuletzt deshalb wird die GTM zuweilen auch als „Methode des permanenten Vergleichens“ (constant comparative method; Glaser 1965) bezeichnet. Glaser (2004) umreißt das wie folgt:

„The constant comparative method enables the generation of theory through systematic and explicit coding and analytic procedures. The process involves three types of comparison. Incidents are compared to incidents to establish underlying uniformity and its varying conditions. The uniformity and the conditions become generated concepts and hypotheses. Then, concepts are compared to more incidents to generate new theoretical properties of the concept and more hypotheses. The purpose is theoretical elaboration, saturation and verification of concepts, densification of concepts by developing their properties and generation of further concepts. Finally, concepts are compared to concepts. The purpose is to establish the best fit of many choices of concepts to a set of indicators, the conceptual levels between the concepts that refer to the same set of indicators and the integration into hypotheses between the concepts, which becomes the theory“ (Glaser 2004, Abs. 53).

Das Ziel der GTM ist die Entwicklung einer in den Daten begründeten Theorie, die „relevante Vorhersagen, Erklärungen, Interpretationen und Anwendungen“ (Glaser und Strauss 1967, 1998, S. 11) erlauben soll. Kodes sind die kleinsten Einheiten solcher Theorien, die im Zuge des Analyseprozesses zu Kategorien verdichtet werden. Kategorien können ihrerseits mit Eigenschaften und Dimensionen durchaus komplex angelegt sein und zahlreiche Subkategorien beinhalten. Die Kategorien (inkl. ihrer möglichen Subkategorien und Dimensionen) stehen wiederum mit anderen Kategorien (inkl. deren Subkategorien und ihren Dimensionen) in einem relationalen Gefüge, das am Ende die erarbeitete Grounded Theory bildet.

In den 50 Jahren der GTM sind verschiedene Bezeichnungen für die Kodierschritte vorgeschlagen worden. Hierzu gehören etwa das „offene“, „initiale“, „axiale“, „selektive“ oder „fokussierte“ Kodieren. (Für einen Überblick zu Kodierformen der GTM und allgemeiner innerhalb der qualitativen Forschung siehe Saldaña 2009.)

Trotz der unterschiedlichen Terme lassen sich einige Gemeinsamkeiten mit Blick auf das Kodieren ausmachen. So bezeichnet Kodieren innerhalb der GTM generell einen Arbeitsprozess, um konzeptuell gehaltvolle Ideen zu generieren, die am Ende dazu beitragen, eine Theorie zu entwickeln. Kodieren meint Interpretationsarbeit, bei der die Daten (z. B. einzelne Worte, Segmente etc.), die als Indikatoren für Konzepte verstanden werden, mit einem Begriff bezeichnet werden. Leitend dafür ist das auf Glaser zurückgehende „Konzept-Indikator-Modell“, zu dem Strauss schreibt: „Daten sind Indikatoren für ein Konzept, das der Forscher zunächst vorläufig, später aber mit mehr Sicherheit aus den Daten ableitet“ (Strauss 1991 [1987], S. 54). Besonders wichtig ist, dass das Kodieren als Konzeptualisierung verstanden wird, nicht als Beschreibung. Zugleich sollen die Kodes nicht zu abstrakt formuliert sein, sondern sich so nah wie möglich/nötig an den Daten orientieren. Unterschieden werden dabei sogenannte „In-vivo“-Kodes und „sozial-konstruierte“ (aus der Theorie „geborgte“) Kodes (Strauss 1991 [1987], S. 64–65).

3.3.2 Eröffnung

Der Ausgangspunkt des Kodierens wird wahlweise als „offene Kodierung“ oder „initiale Kodierung“ bezeichnet und beinhaltet einen detaillierten feinanalytischen Prozess der „Wort-für-Wort“- oder „Zeile-für-Zeile“-Analyse. Es gilt, nach den in den Daten „angezeigten“ (und vermuteten) Konzepten zu suchen und diese zu benennen; dabei sollte vermieden werden, die Inhalte nur zu paraphrasieren oder zusammenzufassen. Das offene/initiale Kodieren wird in der Regel für einen kleinen Teil der Daten geleistet, d. h. für begründet ausgewählte Auszüge (i. d. R. einige Abschnitte, kaum mehr als wenige Seiten). Welche Ausschnitte ausgewählt werden, kann variieren, denkbar sind der Beginn eines Interviews, Passagen, in denen das interessierende Phänomen direkt angesprochen wird, Stellen, die auf den ersten (und zweiten!) Blick unverständlich sind oder Sequenzen, in denen etwas sehr verdichtet angesprochen ist. Im Weiteren beschleunigt sich dieser initiale Analyeprozess:

„Wenn ein Kode eine relative Sättigung erreicht hat– ‘nichts Neues passiert mehr’ –, dann wird der Forscher die Daten automatisch schneller durchgehen, in der Zeile-für-Zeile-Analyse Wiederholungen finden und folglich die Daten überfliegen, bis etwas Neues seine Aufmerksamkeit erregt. Dann beginnt wieder die minutiöse Untersuchung“ (Strauss 1991 [1987], S. 61).

Um von den Daten zu Konzepten und damit zu Kodes zu kommen, liegen verschiedene Vorschläge vor, insbesondere wird immer wieder auf die Funktion von „generativen“ Fragen hingewiesen. So rät Böhm (2000, S. 487–488), folgende „W-Fragen“ an das Material zu stellen: Was – um welches Phänomen geht es; wer – welche Akteure/Akteurinnen sind beteiligt, welche Rollen nehmen sie ein bzw. werden ihnen zugewiesen; wie – welche Aspekte des Phänomens werden behandelt, welche werden ausgespart; wann/wie lange/wo – welche Bedeutung kommt der raum-zeitlichen Dimension zu (biografisch bzw. für eine einzelne Handlung); warum – welche Begründungen werden gegeben bzw. sind erschließbar; womit – welche Strategien werden verwandt; wozu – welche Konsequenzen werden antizipiert oder wahrgenommen.

Mittels dieser Fragen soll das Material „aufgebrochen“ werden, um sukzessive zu gehaltvollen Einsichten über das untersuchte Phänomen zu kommen. Im besten Falle entstehen so „ganz neue“ Ideen – insofern dient das offene Kodieren auch dazu, die Forschenden für den Untersuchungsgegenstand zu sensibilisieren.

Am Ende des offenen Kodierens liegt eine Fülle an Kodes – wahlweise in Kodelisten sortiert – vor, die es im weiteren Verlauf der Kodierarbeit zu (vorläufigen) Kategorien zu verdichten gilt. Durch die Verdichtung werden die Konzepte elaboriert, indem nach möglichen Subkategorien gefragt und auf Eigenschaften und mögliche Dimensionen hin gearbeitet wird.

3.3.3 Systematisierung

Der größte Teil der analytischen Arbeit ist den „höheren“ Kodierprozeduren vorbehalten. Diese werden je nach Ansatz wahlweise als „fokussiertes“, „axiales“, „selektives“ oder „theoretisches“ Kodieren bezeichnet. Im Zuge dieser Kodierarbeit werden die vorläufig gebildeten Kategorien mit zusätzlichen Daten konfrontiert, um sie weiter auszuarbeiten. Dabei ist wichtig anzumerken, dass die offene/initiale Kodierung und die „höheren“ Kodierformen keine klar voneinander separierten Vorgehensweisen sind, sondern ineinander übergehen bzw. miteinander verschränkt sein können. D. h. Forschende können immer wieder zum offenen/initialen Kodieren zurückkehren, wenn eine eingehendere Analyse angezeigt ist. Das Ziel der „höheren“ Kodierformen ist es, die Daten in Richtung einer Grounded Theory zu systematisieren, was angesichts der „Methode des permanenten Vergleichens“ meint, laufend die vorliegenden Ergebnisse aufeinander zu beziehen.

Auch für stärker strukturierende Kodierweisen liegen verschiedene Vorschläge vor. Der wohl bekannteste ist das Kodierparadigma von Strauss und Corbin (1996 [1990], 1998). Dem Kodierparadigma (z. T. auch als „paradigmatisches Modell“ bezeichnet) unterliegt ein allgemeines Handlungsmodell, mit dem das untersuchte Phänomen hinsichtlich des Kontextes, der (ursächlichen sowie intervenierenden) Bedingungen, der Interaktionen und Strategien/Techniken (und Routinen) sowie der Konsequenzen relationiert wird. Als weitere Hilfe werden „generative Diagramme“ vorgeschlagen, um die Sortierungen in Form von „Netzwerken“ oder – wie innerhalb der Situationsanalyse – als Maps zu visualisieren (Clarke 2012 [2005]; Clarke et al. 2016). Solche Visualisierungen sollen helfen, die Verbindungen und Relationen (sowie auch die Hierarchien) zu explizieren, um so auf die Kontext-Bedingungen-Strategien-Konsequenzen-Matrix hinzuarbeiten, die im Zuge des „selektiven“ oder „theoretischen Kodierens“ auf eine finale Integration der gebildeten Kategorien zielt. Visuelle Darstellungen können dann auch als Teil der Ergebnispräsentation genutzt werden. Insofern sind die „generativen Diagramme“ nicht nur Analysetools, sondern auch Resultate der GTM-Arbeit.

3.3.4 Kodierformen im Plural

Jenseits der zuvor skizzierten konzeptuellen Gemeinsamkeiten finden sich in den verschiedenen Ansätzen der GTM verschiedene Bezeichnungen für Kodierformen, z. T. werden gleichlautende Begriffe gewählt, aber anderes wird damit gemeint. Glaser (2004) unterscheidet in seiner „klassischen“ GTM das gegenstandsbezogene Kodieren (substantive coding), das sich zusammensetzt aus dem „offenen“ und „selektiven“ Kodieren, von dem am Ende der Arbeit vorzunehmenden „theoretischen“ Kodieren (Holton 2010). Strauss und Corbin (1996 [1990]) strukturieren den Analyseprozess über das „offene“, „axiale“ und „selektive“ Kodieren. In der neuen Auflage (Corbin und Strauss 2015) findet sich dann das „fokussierte“ Kodieren, und v. a. wird die Anwendung des „Kodierparadigmas“ (das im Zentrum des „axialen“ Kodierens steht) weit weniger zentral gestellt als in früheren Auflagen. Charmaz unterscheidet bei dem von ihr entwickelten „constructionist GTM approach“ (Charmaz 2014) das „initiale“ Kodieren (das dem „offenen“ Kodieren bei Glaser ähnlich ist) von dem „fokussierten“ Kodieren (das Ähnlichkeiten zum „theoretischen Kodieren“ bei Glaser aufweist). Sie schlägt zudem vor, das Gerundium (im engl. Verständnis von gerund für sog. „-ing“-„Formen“) bei der Formulierung von Kodes (und Kategorien) offensiv einzusetzen: „Think of the difference in imaginary between the following gerunds and their noun forms: describing versus description; stating versus statement, and leading versus leader. We gain a strong sense of action and sequence with gerunds“ (Charmaz 2014, S. 120). In der Situationsanalyse greift Clarke (2012 [2005]) zwar Überlegungen des Kodierens auf, legt aber besonderen Wert auf die Entwicklung von Maps: Sie unterscheidet dabei Maps von sozialen Welten/Arenen zur Offenlegung der Beziehungen der beteiligten Akteur/innen und Institutionen; Situationsmaps, um aufzeigen, in welche kulturellen und diskursiven Rahmensituationen die Forschungssituation selbst integriert ist, und schließlich Maps von Positionen, die die Lagerung (nicht-) eingenommener Positionen von Sprecher/innen und Institutionen veranschaulichen sollen.

3.4 Memos

Ebenso zentral wie das Kodieren ist das Schreiben von Memos (Memoing), das über den gesamten Prozess einer GTM-Studie zu leisten ist. Corbin (Corbin und Strauss 2015) und Charmaz (2014) haben in den zurückliegenden Jahren zunehmend auf die Bedeutung von Memos hingewiesen. Hiernach ist das Schreiben von Memos eine kontinuierlich mit der Analyse zu verschränkende Arbeit und nicht auf einen einzelnen Analyseschritt zu begrenzen, wenn es auch besonders zwingend ist, auf diese Weise den Kodierprozess zu unterstützen, denn in den Memos findet die zentrale Interpretations- und Konzeptualisierungsarbeit statt. Aber im Grunde ist mit Aufnahme der Forschungsarbeit das Abfassen von Memos angezeigt, und es endet erst mit Abschluss der Studie. Entsprechend lassen sich verschiedene Memosorten – insbesondere „theoretische/konzeptuelle Memos“, „Planungs-/Methoden-memos“ und „Reflexionsmemos“ – und damit Funktionen unterscheiden.

Das Schreiben von „konzeptuellen“ oder „theoretischen Memos“ ist die grundlegendste Maßnahme auf den Weg zu Theorieentwicklung (Glaser und Strauss 1967, 1998, Kap. 5). Solche Memos sollen zur Konzeptbildung beitragen, statt bei bloßer Deskription stehenzubleiben, und durch ihre Hilfe soll auch die Sortierung von Kodes und Kategorien „theoretisiert“ werden. Gerade bei den späteren Kodierprozeduren hilft das Schreiben von Memos, um systematisch die Eigenschaften und Dimensionen der Kategorien auszuarbeiten sowie schließlich die in den generativen Diagrammen angelegten Relationen auszubuchstabieren. Insofern werden über Memos auch Lücken in der Analyse und der sich entwickelnden Theorie aufgedeckt.

Glaser notiert hierzu, die „discovery of slowness“ bilde die zentrale Grundhaltung der Forschenden: „the analyst must pace himself, exercise patience and accept nothing until something happens, as it surely does“ (Glaser 2004, Abs. 60). Zudem unterliegt dem Schreiben von Memos ihm zufolge eine besondere Dynamik: „Later on memos generate new memos, reading literature generates memos, sorting and writing also generate memos – memoing is never done!“ (Glaser 2004, Abs. 64)

In „Planungsmemos“ bzw. Methodenmemos sind Reflexionen aller methodischen Schritte zu leisten und zu dokumentieren. So sind z. B. die Schritte und Entscheidungen im Zuge des Theoretical Sampling festzuhalten, um so auch Begründungen für die Auswahl der nächsten Fälle zu explizieren (mitunter findet auch in diesen Memos also Konzeptarbeit statt).

Schließlich sind – zumindest im Ansatz der „reflexiven GTM“ und der „constructivist GTM“ – auch „reflexive Memos“ zu schreiben, in denen die fachlichen und persönlichen Erfahrungen festgehalten werden, die intendiert oder en passant mit Feldeintritt und -aufenthalt und in Auseinandersetzung mit dem Material gewonnen werden. Hierzu gehören auch alle Formen des emotionalem Involviertseins mit dem Untersuchungsthema, den beforschten Personen (-gruppen) oder Institutionen bis hin zu Unsicherheiten und persönlichen wie fachlichen Krisen, die durch die Forschungsarbeit ausgelöst werden können.

Das Schreiben von Memos bedeutet, die Entscheidungen im Verlauf einer GTM-Studie und ihre Ergebnisse kontinuierlich zu dokumentieren, da die Memos bei allen Forschungsschritten angelegt und laufend überarbeitet werden, sodass die Texte am Ende das Grundgerüst der Veröffentlichung bilden.

3.5 Organisation des Arbeitsprozesses

Zwar nicht als Essential der GTM, aber als durchaus relevant für den Arbeitsprozess sollen abschließend noch der Einsatz von Auswertungssoftware und die Einbindung in Forschungsgruppen kurz erwähnt werden.

Anfang der 1990er-Jahre wurde an der TU Berlin – z. T. unter Beteiligung von Strauss – begonnen, eine nahe an den GTM-Prozeduren ausgerichtete Auswertungssoftware zu entwickeln (s. Mühlmeyer-Mentzel 2011). Mittlerweile gehört das daraus hervorgegangene ATLAS.ti4 zu den führenden Programmen zur computergestützten qualitativen Datenanalyse (QDA). Aber auch andere QDA-Programme wie MAXQDA5 oder NVivo6 lassen sich gut in GTM-Studien einsetzen. Die Vorzüge solcher Programme sind vielfältig beschrieben (insbesondere das darüber ermöglichte Datenmanagement; Kuckartz 2010), es ist aber darauf hinzuweisen, dass die Interpretationsarbeit bei den Forschenden verbleibt und von diesen zu leisten ist (Friese 2016; Konopásek 2008).

Die Forderung, die Arbeit in Forschungsgruppen zu organisieren, gilt in der qualitativen Forschung mittlerweile als ebenso selbstverständlich wie der Einsatz von QDA, wird aber z. T. weit weniger praktiziert. Insbesondere bei Strauss finden sich schon früh Hinweise auf solche Arbeitsformen (Strauss 1991 [1987], Kap. 13), bei denen an die Tradition der Chicagoer Schule angeknüpft wurde (Riemann 2011). Die konkrete Ausgestaltung von Forschungsgruppen variiert erheblich (Allert et al. 2014); idealiter sollten diese den gesamten Forschungsprozess begleiten, ganz sicher sollte aber zumindest die Datenanalyse in einer Interpretationsgruppe umgesetzt werden. In welcher Weise dabei die Interpretationen als gemeinsame Hervorbringungen von Sinn und Bedeutung, als Korrekturen „blinder Flecken“ oder gar als Validierung und Konsensherstellung verstanden werden – und welcher Beitrag der Gruppe damit bei der Theorieentwicklung zukommt – ist wesentlich abhängig von der epistemologischen Verortung der Forscher/innen und ihrer Nähe oder Ferne zu konstruktivistischen bzw. reflexiven GTM-Spielarten.

4 Ausblick: Stand und Perspektiven

Innerhalb der Psychologie finden sich viele Anschlüsse an die GTM. Wie schon die zentrale empirische Arbeit zu „Awaress of Dying“ haben auch die Studien von Strauss (z. T. gemeinsam mit Corbin) zu Fragen von Gesundheit oder im Bereich der Pflegewissenschaften – eine Forschungslinie, die sich auch bei Kathy Charmaz findet –, die GTM zu der Methode in Teilen der gesundheitsbezogenen psychologischen Forschung und darüber hinaus werden lassen. Ähnliches gilt für die klinische Psychologie und Psychotherapiewissenschaft (Rennie 2006) und für entwicklungspsychologische Fragestellungen z. B. zu intergenerationalen Beziehungen in Familien (Dieris 2006), zur Gestaltung von transgenerationalen Prozessen (Breuer 2013) oder zu Inszenierungsformen und generationalen Aushandlungen innerhalb von Jugendkulturen (Dietrich und Mey 2018b). Diese beispielhaft angeführten Studien verdeutlichen ein mit der GTM verbundenes Potenzial für insbesondere für psychologische Fragenstellungen, in denen Handlungsmöglichkeiten und Interaktionen eine zentrale Rolle spielen und Modellierungen von Passungsprozessen erarbeitet werden sollen.

Die GTM gilt heute als der am weitesten verbreitete qualitative Forschungsstil: Sie findet über ihre Ursprungsdisziplin Soziologie hinaus in allen sozial-, human-, wirtschafts- und technikwissenschaftlichen Fächern und über ihre nordamerikanische Herkunft hinaus weltweit Anwendung.

Für Deutschland ist dabei eine Rezeptionsbesonderheit zu erkennen. Denn bis vor einigen Jahren war, wenn auf die GTM rekurriert wurde, überwiegend die von Strauss (und Corbin) geprägte Variante gemeint. Zurückzuführen ist dies zum einen auf die Nähe von Anselm Strauss zur deutschsprachigen Soziologie (durch Einladungen an die Universitäten Konstanz, Bielefeld und Hagen etwa durch Hans-Georg Soeffner oder die Aufenthalte von Fritz Schütze oder Gerhard Riemann bei Strauss) bzw. Psychologie (durch die Einbindung von Strauss durch Heiner Legewie in das ATLAS-Projekt). Teilweise hiermit einhergehend wurden die Arbeiten von Strauss vergleichsweise früh ins Deutsche übersetzt. So hat Legewie die Übersetzung des wohl bekanntesten Buches von Strauss und Corbin von 1990 verantwortet, das 1996 erschienen ist; bereits 1991 – vier Jahre nach dem Erscheinen des englischen „Qualitative Research for Social Scientists“ – lag die Übersetzung von Astrid Hildenbrand vor. „The Discovery of Grounded Theory“ ist erstmals 1998, also erst nach über 30 Jahren, übersetzt von Axel T. Paul und Stefan Kaufmann in Deutsch erschienen. Dagegen liegen die Schriften von Glaser bis heute fast nur auf Englisch vor. Auch die Präsenz auf dem Buchmarkt fällt sehr unterschiedlich aus: Glaser vertreibt seine Werke ausschließlich über sein eigenes Institut. Hinzukommt, dass vor dem Hintergrund der Kontroverse zwischen Glaser und Strauss und der teilweise heftigen Polemiken Glasers eine Lesart zugunsten von Strauss dominant ist (s. insbesondere Strübing 2014).

Erst einige Veröffentlichungen von Glaser in der Open-Access-Zeitschrift FQS sowie die dann im „Grounded-Theory-Reader“ (Mey und Mruck 2011a) ins Deutsche übersetzten Beiträge und ein mit ihm geführtes Interview ermöglichten eine leichtere Rezeption. In dem „Grounded-Theory-Reader“ wurden (gegenüber dem Vorgänger; Mey und Mruck 2007) ebenfalls Originalbeiträge und Interviews mit Kathy Charmaz, Adele Clarke und Juliet Corbin erstmals in deutscher Übersetzung publiziert, sodass heute in den meisten aktuellen Übersichten zur GTM (wie z. B. bei Equit und Hohage 2016) die zuvor einseitig auf Strauss oder auf die Glaser vs. Strauss-Kontroverse verengte Darstellung überwunden scheint.

Durch die breitere Rezeption ist allerdings die Diskussion nicht einfacher geworden, denn zunehmend wird ersichtlich, dass der GTM verschiedene Basistheorien zugrunde gelegt werden und sich auch die epistemologischen Fluchtpunkte ändern. Ursprünglich im Pragmatismus und im symbolischen Interaktionismus verortet, sind nun konstruktivistische/konstruktionistische Annahmen oder poststrukturelle/postmoderne Grundierungen leitend. Hinzu kommen Kombinationen mit anderen Theoriepositionen vor den jeweiligen in den Sozialwissenschaften lokalisierten und proklamierten „turns“, etwa „narrative“, „dicoursive“, „reflective“, „pictorial“ „visual“ etc.

Vor diesem Hintergrund wird es schwieriger auszumachen und festzulegen, was mit der GTM verfolgt und wie die GTM konkret umgesetzt wird. Diese „Definitionsschwierigkeit“ begleitet die GTM seit Langem, denn nicht selten berufen sich Autor/innen auf die GTM, auch wenn sie nur einzelne Elemente nutzen oder GTM lediglich als attraktives Label verwenden: „I note, with some concern, that ‘grounded theory’ is often used as rhetorical sleight of hand by authors who are unfamiliar with qualitative research and who wish to avoid close description or illumination of their methods“ (Suddaby 2006, S. 633).

Insofern geht es darum, dass die Forschenden, die mit der GTM arbeiten (wollen), sich mit deren theoretischen Hintergründen und Basisannahmen ebenso vertraut machen wie mit den in den verschiedenen Varianten vorgeschlagenen Prozeduren, immer wissend, dass es nicht um die strikte Einhaltung von Vorgaben geht, sondern um immer neu zu begründende und zu reflektierende Entscheidungen mit Blick auf eine Forschungsfrage, die jeweils verfolgten Ziele und das konkrete Forschungsfeld. Dies ist nicht als Einladung zur Beliebigkeit zu verstehen, sondern zu einer reflexiven Auseinandersetzung mit und Aneignung von der GTM – ganz im Sinne ihrer Gründerväter, die sie als eine Strategie des freedom of research und des empowerment verstanden und Forschende ermutigen wollten, in die eigene scientific intelligence zu vertrauen.

Fußnoten

  1. 1.

    Wir unterscheiden zwischen der Grounded-Theory-Methodologie (GTM) als dem Forschungsstil und den darin eingelagerten methodischen Schritte auf der einen Seite und der Grounded Theory (GT) als dem Resultat einer GTM-Studie auf der anderen Seite.

  2. 2.

    Merton (1949) grenzte middle range theories als für die Soziologie vorrangig anzustrebend von Theorien unbegrenzter Reichweite und Gültigkeit (grand theories) einerseits und Mikrotheorien, die sich auf das Sammeln von Fakten beschränken andererseits ab.

  3. 3.
  4. 4.
  5. 5.
  6. 6.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Angewandte HumanwissenschaftenHochschule Magdeburg-StendalHansestadt StendalDeutschland
  2. 2.Internationale Akademie BerlinInstitut für Qualitative ForschungBerlinDeutschland
  3. 3.Center für Digitale Systeme (CeDiS)Freie Universität BerlinBerlinDeutschland

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