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Karl Poppers Spätwerk und seine ‚Welt 3‘

  • Hans-Joachim Niemann
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Geisteswissenschaften book series (SPREFGEIST)

Zusammenfassung

Karl Popper ist 92 Jahre alt geworden. Zehn seiner Werke entstanden in seinem letzten Lebensdrittel. Das originellste dieser Spätwerke ist die in zwei Monografien und Dutzenden von Artikeln und Vorträgen abgehandelte Welt 3-Lehre. Sie hat schon zu seinen Lebzeiten fast nur Ablehnung erfahren. Um Platz für Poppers Anliegen zu gewinnen, gehe ich hier auf seine Kritiker nicht ein und konzentriere mich darauf, seine Welt 3-Lehre möglichst einleuchtend und leicht verständlich darzustellen.

Schlüsselwörter

Kritischer Rationalismus Karl Poppers Spätwerk Welt 3-Lehre Transphysikalischer Realismus Interaktionstheorie 

Vorbemerkungen zu Poppers ‚Spätwerk‘

Karl Popper war einer der vielseitigsten Philosophen seiner Zeit. Er hat wissenschaftliche Beiträge geleistet zu Philosophie, Psychologie und Pädagogik, zu Sprach-, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, zu Logik und Wahrscheinlichkeit, zu Politologie und Gesellschaftstheorie, zu Geschichtsphilosophie und Methodologie der Sozialwissenschaften, zu Ethik und praktischer Moral, zu Physik, Kosmologie, Quantenmechanik und Geschichte der Naturwissenschaften, zur Evolutionsbiologie, Bewusstseinsforschung und zum Leib-Seele-Problem sowie zur Musiktheorie und zur Philosophie der Vorsokratiker.

In diesem Aufsatz will ich auf Karl Poppers Spätwerk eingehen. Aber was ist sein ‚Spätwerk‘? Karl Popper ist 92 Jahre alt geworden und hat nach dem Erscheinen seines ersten Hauptwerks im Jahr 1934 noch sechs Dekaden lang ununterbrochen publiziert. Wann beginnt sein ‚Spätwerk‘? Wenn man glaubt, es gefunden zu haben, stellt man fest, dass sich die später bearbeiteten Problemkreise oft bis in seine Jugend zurückverfolgen lassen, und viele seiner frühen Arbeiten hat er erst im hohen Alter druckfertig ausarbeiten können.

Auch bei Ludwig Wittgenstein1 spricht man von einem Spätwerk, obgleich er nur 62 Jahre alt geworden ist. Wäre Karl Popper nicht älter geworden als Wittgenstein, dann würde uns alles fehlen, was er nach 1964 geschrieben hat:
  1. (1)

    Ausgangspunkte, seine Autobiografie (1969, publiziert 1974),

     
  2. (2)

    Knowledge and the Body-Mind Problem (1969, publiziert 1982),

     
  3. (3)

    Replies to my Critics 2 (1974),

     
  4. (4)

    Das Ich und sein Gehirn (1977),

     
  5. (5)

    Eine Welt der Propensitäten (1990),

     
  6. (6)

    Die Welt des Parmenides (posthum 1998)

    und jeweils ungefähr drei Viertel der Aufsätze in den vier Sammelbänden:

     
  7. (7)

    Objektive Erkenntnis (1972),

     
  8. (8)

    Die Suche nach einer besseren Welt (1984),

     
  9. (9)

    The Myth of the Framework (1994) und

     
  10. (10)

    Alles Leben ist Problemlösen (1994).

     

Ein großer Teil dieser späten Werke wird im vorliegenden Band vorgestellt und diskutiert.3 Ein weiterer, kleinerer Teil kann hier lediglich erwähnt werden: (a) Poppers Arbeiten über die Vorsokratiker, die Arne Peterson unter dem Titel Die Welt des Parmenides herausgegeben hat.4 (b) Poppers noch unveröffentlichte Arbeiten zur Logik und (c) seine vielen politischen und populären Vorträge über eine neue Berufsethik, über Medienkontrolle, über den kritischen Rationalismus als Lebensweise, über politischen Aktivismus und die Pflicht zum Optimismus, über die Frage ‚Woran glaubt der Westen?‘, über Freiheit als höchstem individuellen und politischen Wert, über das immer drängendere Projekt des ewigen Friedens, über seinen Kampf gegen falsche Alltagsphilosophie, autoritäre Anmaßung von Wissen, Verschwörungstheorien und Imponierprosa. Diese Aufsätze sind so klar und eindringlich geschrieben, dass sie keiner Einführung und keines Kommentars bedürfen.5

Im Folgenden soll ein anderer, wichtiger Teil des Spätwerkes erläutert werden, nämlich zwei Bücher sowie Dutzende von Artikeln und Vorträgen zu Poppers merkwürdiger ‚Welt 3‘ aus seinem letzten Lebensdrittel.6 Das ist sein Spätwerk, aber es ist keine kraftlose ‚Altersphilosophie‘,7 ein Vorwurf, den Popper kommen sah.8 In meinem Aufsatz geht es also um Karl Poppers weitgehend unverstandene und viel gescholtene Welt 3-Lehre. Dabei spare ich das Leib-Seele-Problem und den Zusammenhang von Welt 3 mit Mathematik aus, da beides in anderen Kapiteln des vorliegenden Handbuches behandelt wird.9

Aus Furcht vor übereilter Kritik seiner Freunde hatte Popper lange gezögert, mit seiner Welt 3-Lehre an die Öffentlichkeit zu gehen. Als er wenige Jahre vor seiner Emeritierung endlich den Mut dazu fand, war es immer noch zu früh: „Was meine Theorie der Welt 3 betrifft, so hat sie natürlich viele Gegner, auch unter meinen Schülern“.10 Tatsächlich waren auch sehr enge Freunde darunter, beispielsweise sein einstiger Schüler und Bewunderer Paul Feyerabend, der nun schrieb: „Die ganze dritte Welt, [ist] nichts als Gymnasiastenintellektualismus der übelsten Sorte“.11 Der Physiker und Philosoph Mario Bunge kündigte Popper nach 25 Jahren die familiäre Freundschaft. Noch lange nach Poppers Tod schreibt er erzürnt, Popper sei damals mit seiner Welt 3-Theorie zur New-Age-Bewegung übergewechselt und habe die ganze Theorie von Lenin abgeschrieben.12 Andere bescheinigten Popper die Rückkehr zur Metaphysik oder die Abkehr vom ‚Naturalismus‘, was den Ausschluss aus dem Kreis derjenigen bedeutet, die die Ergebnisse der Naturwissenschaften ernst nehmen.13

Wovon handelt sie nun, Poppers Welt 3, die im Kreis seiner einstigen Anhänger so großen Ärger ausgelöst hat und die weitgehend unbekannt geblieben ist, obgleich sie sein drittes Hauptwerk14 darstellt? Ich beginne – scheinbar weit ausholend – mit Ereignissen in Poppers allerfrühester Zeit. Danach komme ich sehr schnell zum Kern der Sache.

Wovon handelt Poppers Welt 3?

Eine Welt ohne Sprache

Karls Poppers erste Liebe war ein kleines Mädchen, das er im Kindergarten kennenlernte. Es war blind. Für den kleinen Karl war das unerträglich und unvorstellbar, und er wurde von großem Mitleid ergriffen. Das zehrte so sehr an ihm, dass die Eltern ihn aus dem Kindergarten nehmen mussten.15 War es nur das Mitleid, das ihn quälte, oder war es auch die Frage, wie die Welt wohl ‚aussehen‘ mochte, wenn man blind ist?

Einige Jahre später hatte er ein ganz ähnliches Erlebnis mit einem Mädchen, das er zwar nicht persönlich kannte, über das er aber ein Buch gelesen hatte, und dieses Buch hat ihn, wie wir aus seiner Autobiografie wissen, tief beeindruckt und sein Denken beeinflusst. Es berichtete über Helen Keller, die sehr früh, nur neunzehn Monate alt, blind und taub geworden war. Das kleine Wesen quälte seine Umwelt mit Wutanfällen – ganz offenbar deshalb, weil es dem absoluten Dunkel und der totalen Stille entkommen wollte. Das gelang Helen nach und nach mit Hilfe der einfühlsamen Lehrerin Anne Sullivan. Diese malte ihr Zeichen eines Fingeralphabets in die Hand und ließ sie gleichzeitig die entsprechenden Gegenstände betasten. Als Helen eines Tages bei dem Wort ‚Wasser‘ angekommen war und zugleich mit dem in die Hand gemalten Zeichen das Brunnenwasser fühlte, begriff sie nicht nur den Sinn des neuen Wortes, sondern es ging ihr plötzlich auch auf, dass sich mit dem Erlernen der Sprache eine ganz neue Welt für sie auftun würde.16 Erst durch die Sprache gelangte Helen zu vollem Bewusstsein und voll entwickelter Intelligenz, und sie wurde schließlich sogar Schriftstellerin.17

Für Karl Popper war Helen Keller der Inbegriff dafür, welch ungeheure Bedeutung die Welt der Sprache für uns Menschen hat.18 Fische wissen nicht, wie wichtig das Wasser für sie ist; und Menschen machen sich selten bewusst, dass sie hauptsächlich in einer Sprachwelt leben. Sind wir nicht ohne Sprache kaum mehr als ein Tier? Und verdanken wir es nicht der Sprache, dass wir wie die Götter auf Gedankenflügeln in andere Länder schweben, tief in die Vergangenheit reisen und weit in die Zukunft fliegen? Wir erzählen uns Geschichten, um uns gegenseitig zu trösten oder zu erfreuen, um uns selbst und andere zu verstehen. Wir erfinden komplexe Sprachgebilde wie die Logik, die Mathematik und die Lehrbücher der Wissenschaften. Wir erfahren, wie selbst gemachte Zeichen – Zahlen, Buchstaben, Sätze – eine Eigendynamik entwickeln, die wie der Satz des Pythagoras oder die Differenzialrechnung tief in unser Leben eingreifen. Was für Helen die Lehrerin Anne Sullivan war, ist für Wissenschaftler die Mathematik: Sie diktiert ihnen eine Sprache in die Hand, mit deren Hilfe sie neue Welten sehen und verstehen können: den Kosmos mit seinen Galaxien, Sonnen, Planeten und Monden; die Materie mit ihren Elementen, Protonen und Elektronen; das Leben mit seinen Zellen, Mitochondrien und Ribosomen.

Und ganz wichtig ist: Diese neue, von uns erfundene Welt der Sprache wirkt auf uns zurück und verändert unser Weltbild und unsere Umwelt. Aus Sätzen der Wissenschaft wird Technik, und mit ihr schaffen wir uns eine neue Lebenswelt, die sich von der bisherigen Biosphäre ganz und gar unterscheidet. Wie groß diese Sprach-Revolution ist, kann man am besten nachvollziehen, wenn man sie als Teil der biologischen Evolution betrachtet und versteht, wie Tiere erst eigene Körperteile in Werkzeuge umwandelten (Zähne, Krallen, Flügel) und damit neue Lebenswelten eroberten und sich später mit exosomatischen, also außerkörperlichen Werkzeugen (Nester, Spinnennetze, Biberdämme) aktiv neue Lebenswelten schufen. Die beiden revolutionärsten aller evolutionären Werkzeuge waren die gesprochene Sprache und das exosomatische Werkzeug der geschriebenen Sprache.19 Letztere beeinflusste via Bücher, Wissenschaft und Technik nicht nur die menschliche Lebenswelt, sondern wirkte auch auf unsere Umwelt und damit praktisch auf die gesamte Biosphäre.

Karl Bühlers Sprachwelten

Popper war fasziniert von der Frage, wie durch die Wechselwirkung zwischen Welt und Sprache neue Lebenswelten entstehen können. Er studierte diese Interaktionen bei dem Sprachwissenschaftler Karl Bühler, der auch sein Doktorvater war. Durch ihn lernte er die drei Hauptwirkungsweisen der Sprache kennen: (1) die Ausdrucksfunktion für Gefühlszustände wie Angst, Freude oder Schmerz, (2) die Warnfunktion, um beispielsweise auf einen gemeinsamen Feind aufmerksam zu machen, und (3) die Darstellungsfunktion, um Dinge in der Welt zu beschreiben.20 (1) und (2) kommen im Tierreich häufig vor; die Darstellung der Wirklichkeit ist dagegen hauptsächlich die Domäne des Menschen; im Tierreich ist sie eher selten, wie etwa der Schwänzeltanz der Bienen.

Popper fügte den Bühlerschen Sprachfunktionen eine vierte hinzu,21 die die Lebensweise der Menschen extrem verändert hat: (4) die argumentative Funktion. Wir können Wahres reden, oder wir können lügen. Wir können dem anderen Recht geben oder ihm Argumente entgegenhalten. Wir können Schlüsse ziehen und unsere Ansichten ändern. Wir können Theorien aufstellen, tausend fantastische Dinge ersinnen und dann herausfinden, ob vielleicht irgendetwas davon der Wirklichkeit entspricht – so wie es bei den uralten Fantasien über unsichtbare Geister der Fall war, die uns krank machen und uns nach dem Leben trachten: Schließlich stellte sich heraus, dass diese Fantasien tatsächlich etwas Wirklichem entsprachen, nämlich den infektiösen Viren und Bakterien.

Poppers vierte Sprachfunktion führt in eine große, neue Welt, eine Welt, in der wir irren können und aus dem Irrtum lernen können; in der wir Theorien formulieren und Probleme entdecken und manche von ihnen dann lösen können; in der wir Ideen entwickeln und ihre Realisierbarkeit prüfen. Sie führt in eine Welt, in der wir, völlig unerwartet, ständig neue Entdeckungen machen können.22

Zusammen mit den beiden Sprachfunktionen (2) und (3) ermöglicht die argumentative Sprachfunktion das für Menschen typische Alltagsleben, in dem wir uns informieren, zwischen Wahrheit und Täuschung unterscheiden und zu Schlussfolgerungen gelangen. Diese vierte Sprachfunktion führt in die extrem wichtige Welt des Geistes: in die Welt von Wissenschaft, Technik und Kultur. Popper nennt sie, soweit sie sprachlicher Natur ist, die ‚Welt 3‘. Sie hebt sich ab von der ‚Welt 1‘, die alles ‚materiell‘ Genannte umfasst, – oder zutreffender alles, was auf Physik und Chemie beruht. Zwischen diesen beiden Welten liegt etwas, das weder Welt 1 noch Welt 3 ist und umgangssprachlich, aber in vielerlei Hinsicht irreführend, das ‚Seelische‘ genannt wird. Popper nennt es, um irreführende, religiöse Assoziationen zu vermeiden, die ‚Welt 2‘.23

Der Stoff, aus dem Seele und Geist sind

Die beiden Welten 2 und 3, in der alten Sprache ‚das Seelische‘ und ‚das Geistige‘, sind offenbar aus ganz anderem Stoff gemacht als die physikalische Wirklichkeit. Über diesen Unterschied wollte Popper Genaueres herausfinden, vor allem, ob die seelische und die geistige Welt weniger real sind als die materielle Welt, und in welchem Zusammenhang alle drei Welten miteinander stehen, da sie sich ganz offensichtlich gegenseitig beeinflussen.

Mit seinen Spekulationen, dass gefühlsmäßige und geistige Dinge genauso real sind wie die materielle Welt, konnte er nicht ganz falsch liegen. Denn an der Realität von Welt 2 zu zweifeln, hieße, an der Realität von Freude und Leid, Genuss und Qual, Hoffnung und Mutlosigkeit zu zweifeln, an Dingen, die für uns sehr real sind, auch wenn sie in keiner naturwissenschaftlichen Formel vorkommen. Und auch die Realität der geistigen Welt 3 war Popper intuitiv völlig klar, weil beispielsweise die Differenzialrechnung, die Newton und Leibniz Ende des 17. Jh. entdeckten, alle technischen Erfindungen beeinflusst, die mit zeitlichen Änderungen irgendwelcher Größen zu tun haben. Man braucht sie zum Beispiel, um eine Kanonenkugel in eine bestimmte Bahn zu zwingen oder die maximalen Schwingungen einer Brücke zu begrenzen.

Unzählige mechanische oder elektrische Apparate zeugen davon, dass die Differenzialrechnung die Welt 1 grundlegend verändert hat. Aber was für eine Art Realität können wir ihr zuschreiben?

Mathematiker ersinnen Formeln, aus denen viele andere Formeln abgeleitet werden. Ohne derart ersonnene Formeln können wir unsere Wirklichkeit weder verstehen noch beeinflussen. Einstein hatte Formeln aufgeschrieben, die als Spezielle Relativitätstheorie die Wirklichkeit besser beschreiben als Newtons Formeln. Und dann ereignete sich ein merkwürdiges Phänomen, das im Zusammenhang mit Entdeckungen in Welt 3 immer wieder beobachtet wird: Kurz nach der Veröffentlichung seiner Relativitätstheorie konnte Einstein aus dem neuen Formalismus die berühmte Gleichung E=mc2 herleiten, die er nicht erwartet hatte und der er zunächst keine große Bedeutung beimessen konnte.24

Andere Forscher kamen darauf, dass man sie benutzen könnte, um Atomwaffen zu bauen. In der Folge hat die kleine Formel, die ein Teil unserer Sprachwelt ist, die Welt verändert. Irgendwie existierte sie schon, bevor Einstein sie entdeckte, im Formalismus der Speziellen Relativitätstheorie. Aber eine mathematische Formel kann von sich aus die Welt nicht verändern, sie mag real existieren oder nicht; es bedarf menschlicher Gehirne (Welt 2), um zwischen der geistigen Welt 3 und der physischen Welt 1 zu vermitteln.

Der Vorgang ist also: Es existieren in Welt 1 zwischen Masse und Energie Verhältnisse, die durch die Formel E=mc2 ausgedrückt werden. Sie wird von Einstein aus anderen Formeln in Welt 3 abgeleitet und als wahr vermutet. Andere prüfen diese Formel und verstehen sie und ihre Bedeutung. Das geschieht innerhalb der Welt 2, und ihr Denken geht einher mit Nervenimpulsen. Diese Nervenimpulse bewirken Muskelimpulse (der Forscher bewegt sich und tut etwas), und diese wiederum bewirken weitere Veränderungen in der Welt 1 derart, dass viele andere Menschen beteiligt werden, dass Patente eingereicht, Briefe an Politiker geschrieben werden und schließlich die fürchterliche Waffe gebaut und abgeworfen wird. Welt 3 (die Formel E=mc2) hat die Welt 1 verändert.

Gänzlich unverstanden ist, obgleich an der Tatsache kein Zweifel besteht, wie aus einem Gedanken ein elektrischer Nervenimpuls werden kann. Und noch ein Rätsel: Wie konnte dieses E=mc2 bereits irgendwie in Einsteins Gleichungen der Speziellen Relativitätstheorie existiert haben, ohne dass er es sehen konnte? Er hat diese Formel einerseits ersonnen; andererseits war sie schon da, und er hat sie entdeckt. Sie existierte unabhängig von ihm in Welt 3; denn hätte er sie nicht entdeckt, wäre sie ganz sicher von anderen entdeckt worden.25

Schon mit den Primzahlen geht es uns so. Am Anfang hatten die Menschen nur die natürlichen Zahlen 1, 2, 3, 4, 5 und so weiter. Dann entdeckten sie die Primzahlen wie 11, 13, 17, 19, 23, 29, also Zahlen, die sich nicht in Faktoren zerlegen lassen, ausgenommen trivialerweise in die Faktoren Eins und die Zahl selber. Es kann kaum bezweifelt werden, dass es diese Zahlen schon immer gegeben haben muss, auch wenn sie nicht entdeckt worden wären, und dass es noch viele unentdeckte Primzahlen gibt. In irgendeiner Weise existierten die Primzahlen schon vor ihrer Entdeckung.26 Auch die logischen Beziehungen, die die Spezielle Relativitätstheorie zum Ausdruck bringt, existierten schon vor ihrer Entdeckung, und sie wären von anderen entdeckt worden, hätte nicht Einstein sie gefunden.27 Gab es sie schon vor Einstein?

Über all das hat Karl Popper Jahrzehnte lang nachgedacht,28 und noch zwei Monate vor seinem Tod, in seinem 92sten Lebensjahr, versuchte er, in dem Interview ‚Geist als ein Kraftfeld‘, eine Antwort auf die Frage zu geben, wie Gedankeninhalte aus einem Buch in Gedankenprozesse im Gehirn und in Nervenimpulse umgewandelt werden.29

Die ersten Gedanken über den Unterschied zwischen objektivem und subjektivem Wissen, die ihn später zur Welt 3 führten, hatte er schon als Zwanzigjähriger.30 Aber erst 1960 wagte er es, im kleinen Kreis seiner Schüler über die neue Theorie zu sprechen.31 Von da an verwendete er technische Wörter wie ‚Welt 1‘, ‚Welt 2‘ und ‚Welt 3‘ (anfangs auch ‚dritte Welt‘), die es ihm und anderen ermöglichten, über die oben dargestellten Probleme noch einmal neu nachzudenken, ohne von alten Begriffen irregeleitet zu werden, die mit teils philosophischen (‚Ontologie‘ oder ‚Lehre vom Sein‘), teils mystischen (‚Geist‘) und teils religiösen (‚Seele‘) Bedeutungen beladen sind.32

Acht Gründe für eine real existierende Welt 3

Subjektive versus objektive Sätze

Das Wichtigste, was man über die menschliche Sprache wissen sollte, ist, dass sie eine subjektive und eine objektive Seite hat. Wir können in Gedanken sagen ‚Die Sonne dreht sich um die Erde‘, und wir können diesen Satz aufschreiben. Im ersten Fall handelt es sich um einen Prozess in unserem Kopf, der eine Weile andauert und zu Ende ist, sobald wir den Satz gesprochen haben und nicht mehr an ihn denken. Im zweiten Fall gibt es den geschriebenen Satz prinzipiell zeitlos, solange das Papier und die Druckerschwärze halten.

Was den geschriebenen Satz zu etwas Besonderem, vom subjektiven Satz Verschiedenem macht, sind nicht die Buchstaben, sondern zwei abstrakte Dinge: erstens, wie schon gesagt, seine zeitlose Existenz, und zweitens die vielen Beziehungen, die dieser Satz zu anderen Sätzen hat. Wenn ein Satz wie ‚Die Sonne dreht sich um die Erde‘ in einem Buch steht, dann kann er einem anderen geschriebenen Satz widersprechen: ‚Die Sonne dreht sich nicht um die Erde; sondern die Erde dreht sich um sich selbst‘. Wenn wir beide Sätze lesen, wird uns der Widerspruch zwischen ihnen klar. Dieser Widerspruch ist aber auch dann da, wenn niemand die beiden Sätze liest oder wenn sie erst hundert Jahre später gelesen werden. Dieser Widerspruch existiert objektiv, also unabhängig von Menschen. Beliebig viele solcher Beziehungen zu anderen Sätzen in anderen Büchern können entdeckt werden.

Welt 3-Gegenstände wie die logischen Beziehungen zwischen Sätzen werden nicht ersonnen, sondern entdeckt. Sie entstehen nicht erst in unserem Kopf, sondern sie existieren, bevor sie entdeckt werden.33

Entdeckungen im Reich der Sprache

Nun möchte ich einen anderen Satz betrachten, der als ein weiteres Charakteristikum von Welt 3 zeigt, dass existierende Sätze andere existierende Sätze hervorbringen, auch solche, die noch nie von jemandem gedacht und ausgesprochen wurden. Sie gelangen nicht von Welt 2 in die Welt 3, sondern sie stammen umgekehrt aus Welt 3 und können von dort in die Welt 2 gelangen oder auch nicht.

Perikles soll vor knapp zweieinhalbtausend Jahren gesagt haben: ‚Nicht jeder kann einen Schuh machen, aber jeder von uns weiß, ob er drückt‘. Nehmen wir an, von Perikles wäre nichts weiter überliefert als dieser Satz. Wenn jemand ihn nach mehr als zweitausend Jahren liest und dabei an basis-demokratische Bewegungen denkt, bekommt er einen besonderen Sinn: ‚Nicht jeder kann den Staat regieren, aber wir alle wissen, wenn er schlecht regiert wird.‘ Der Gedanke des Schuh-Satzes hängt im Kontext unserer europäischen Geschichte und Lebensweise so eng mit anderen Sätzen politischen Inhalts zusammen, dass wir knapp zweieinhalbtausend Jahre später seinen politischen Sinn erraten können, auch wenn wir diese Interpretation nicht kannten. Dieser Sinn war als naheliegende Interpretation die ganze Zeit vorhanden und nur bis dahin verborgen geblieben.

Daraus lernen wir etwas Zweites über die objektive Welt 3 der Sprache. Wir können in ihr Entdeckungen machen. Wir können aus einer Menge von Sätzen (dem Schuh-Satz und Sätzen aus politischen Schriften der Neuzeit) einen für alle Menschen völlig neuen sinnvollen Satz gewinnen, der als Argument gegen die Basisdemokratie möglicherweise noch nie zuvor oder, sagen wir, noch nie vor 1900 gedacht worden war. Dieser Satz kann von da an auch subjektiv gedacht werden, und er wird als objektives Wissen solange existieren wie Menschen existieren, die sinnvolle Sätze auf Papier oder auf moderneren und hoffentlich noch haltbareren Datenträgern aufbewahren.

Zur Erinnerung: Die Unterscheidung zwischen der subjektiven und der objektiven Seite der Sprache wird erst möglich, wenn in der biologischen Evolution Lebewesen auftauchen, die Bühlers dritte und Poppers vierte Sprachebene beherrschen. Die Erfindung von Sprache ist die Voraussetzung für ihre temporär subjektive und ihre zeitlos objektive Existenz sowie für die Möglichkeit, in dem ‚Welt 3‘ genannten Sprachsystem Entdeckungen zu machen.

Wenig hineingeben, viel zurückbekommen

Jetzt möchte ich auf einen dritten wichtigen Charakterzug von Welt 3 hinweisen. Wie wir eben gesehen haben: Wir geben etwas Konkretes in die Welt 3 hinein, und bekommen etwas Neues zurück, das wir nicht selbst erdacht haben. Bemerkenswert ist, dass wir relativ wenig hineingeben und relativ viel herausbekommen.34

Beispielsweise probierte man in der Malerei des 14. Jahrhunderts verschiedene Ideen aus, um Perspektive in Kunstwerke einzubringen. Die ersten Versuche dazu wirken auf uns Heutige sehr unbeholfen; und sie sind es auch. Eine entscheidende Verbesserung wurzelt in Welt 3, nämlich die Idee, dass alle zum Boden und zueinander parallelen Linien im Bild – etwa Fliesen, Fensterbänke oder Mauern – auf einen Fluchtpunkt im Horizont zulaufen müssen. Dank dieser Idee konnte Paolo Uccello als einer der ersten Maler auf seinen Bildern eine eindrucksvolle Raum-Illusion hervorrufen.

Uccellos Idee hatte zweifellos ihren Sitz in seinem Kopf, also in Welt 2. Aber mit ihr griff er auf einen Satz der abbildenden Geometrie zurück, der zwar damals noch nicht entdeckt war, der aber schon in Welt 3 existierte und zur Entdeckung anstand. Hätte Uccello ihn nicht entdeckt, wäre er von anderen entdeckt worden. Tatsächlich gab es kurz nach 1400 mehrere Entdecker der Perspektive, und auch in der Antike kam man ihr schon recht nahe.

Uccellos Leistung lag darin, dass er gefühlsmäßig in Welt 2 das Richtige tat. Das war seine große subjektive Leistung; aber der große Zugewinn für die Kunst rührte daher, dass er eine wichtige Entdeckung in Welt 3 gemacht hatte. Ein Künstler, der nur die Gefühle in seinem Inneren ausdrückt, kann kaum eine so dauerhafte und breite Wirkung haben wie einer, der auf die zeitlos wahren Sätze aus Welt 3 zurückgreift. Was heute Teil der abbildenden Geometrie ist, verhalf Uccello und anderen Perspektivisten zu anhaltender Berühmtheit. Uccellos Ruhm gründet sich auf den objektiven Fortschritt, den er erreichte und der bis heute zu immer neuen Anwendungen in der Kunst geführt hat. Auch absichtliche Abweichungen von den Gesetzen der Perspektive – wie bei van Gogh oder M. C. Escher – sind reizvolle Auseinandersetzungen mit geometrischen Gesetzmäßigkeiten in Welt 3 und setzen deren Existenz voraus.

Das Beispiel zeigt: Man muss nur relativ wenig in die Welt 3 hineingeben, nämlich auf der Leinwand eine Reihe von Versuchen mit Linien machen, um im Übermaß aus Welt 3 beschenkt zu werden: Von Uccellos Erfindung der Perspektive profitierten nicht nur seine eigenen, sondern unzählige andere Kunstwerke. Dieses Geben und Nehmen ist typisch für die Auseinandersetzung von Künstlern und Wissenschaftlern mit Welt 3.

Weit über sich selbst hinauswachsen

Dieses Geben und Nehmen macht menschliche Selbstüberschreitung oder Transzendenz möglich. Die beiden Wörter haben nun die konkrete Bedeutung, dass wir durch Interaktion mit Welt 3 weit über unser individuelles Wissen und Können hinauswachsen. Zu selten machen wir uns bewusst, dass wir ständig auf externes Wissen zurückgreifen, das wir von anderen Menschen oder aus Büchern, Zeitschriften, Briefen und Ähnlichem übernommen haben, und dass es die Auseinandersetzung mit diesem Wissen ist, das uns weit über unsere ursprünglichen Fähigkeiten hinauswachsen lässt. Einen Teil dieses Welt 3-Wissens speichern wir im Gehirn, Schulwissen zum Beispiel. Dieses interne Wissen und das Wissen aus Zeitungen, Büchern und so weiter wird ein Teil unserer Persönlichkeit, je nachdem, welche Inhalte wir bevorzugen und wie intensiv wir mit diesem Wissen umgehen. Ohne diese geistige Welt wären wir wie Tiere. Wir sind Tiere, aber je größer unser Austausch mit Welt 3 ist, desto mehr können wir über unsere biologischen Beschränkungen hinauswachsen.35

Hinzu kommt, dass wir, wie die oben erwähnten Künstler und Wissenschaftler, auch im Alltagsdenken ständig Entdeckungen in Welt 3 machen. Wir geben wenig hinein und bekommen viel heraus. Das geschieht beispielsweise, wenn wir kritisch sind, wenn wir bereit sind, Fehler in unserem Denken und in unseren Einstellungen zu entdecken. Kritische Argumente sind typische Welt 3-Gegenstände, die darauf warten, von uns entdeckt zu werden. So können wir etwa entdecken, dass unsere politischen Ansichten vielen naheliegenden Argumenten nicht standhalten. Oder wir können entdecken, dass zwischen unseren Illusionen und der Wirklichkeit Widersprüche bestehen.

Um aus wenig Kritik viele lebensbereichernde Erkenntnisse zu gewinnen, müssen wir mit anderen sprechen. Sie werden uns gerne auf unsere Fehler aufmerksam machen. Um über uns hinauswachsen zu können, sind wir aber oft auf Selbstkritik angewiesen. Denn in unseren eigenen Angelegenheiten kennen nur wir selber uns gut genug aus. Besonders für Künstler und alle, die neue Wege gehen, gilt, dass niemand sie so adäquat kritisieren kann wie sie sich selbst. Falls sie den Mut dazu aufbringen; denn ohne den Mut zur Selbstkritik gelingt keine Selbstüberschreitung, weil dann das Spiel von Geben und Nehmen mit Welt 3 nicht zustande kommt.36

Je mehr wir mit der geistigen ‚Welt 3‘ korrespondieren, desto mehr wachsen wir über uns hinaus. „Wir sind aktive Selbstschöpfer; unser Geist bestimmt, welchen Platz wir in der Natur einnehmen“37 und welchen Platz in der Gesellschaft.

Mozarts Genie ist nichts ohne die Zugaben aus Welt 3

Nun zu einem weiteren Charakteristikum der Welt 3: Nur weil es den objektiven Aspekt der Sprache gibt, können viele Menschen an demselben Projekt arbeiten, am gleichen Ort oder weit voneinander entfernt, gleichzeitig oder durch Jahrhunderte getrennt. An dem Projekt ‚Perspektive in der Malerei‘ haben unzählige Künstler und Künstlerinnen mitgewirkt. An dem Projekt ‚Wissen für alle‘ (Wikipedia) sind Zigtausende in vielen Ländern der Welt beteiligt.

Noch deutlicher wird die Zusammenarbeit in der Musik. Jede einzelne Komposition scheint das höchst individuelle Werk eines genialen Einzelnen zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig. Gerade in der europäischen Musik hat jeder Meister an die Erfindungen seiner Vorgänger angeknüpft. Mozart wäre nicht ohne Haydn möglich gewesen und Haydn nicht ohne die Barockmusik und diese nicht ohne die Erfindung der Polyfonie und diese nicht ohne die Gregorianischen Gesänge in den großen, widerhallenden und die Harmonien vermischenden Räumen der Kathedralen. Vor allem wäre sie nicht entstanden ohne die Erfindung und Weiterentwicklung von Notensystemen. Geschriebene Noten sind eine typische Welt 3-Entdeckung. Dank niedergeschriebener Noten konnten viele, aufeinander aufbauende musikalische Entdeckungen bewahrt und nach und nach weiterentwickelt werden.38 Zum Beispiel haben die schriftlich festgehaltenen Kompositionsregeln der Polyfonie unvergleichbar mehr neuartige Musik ermöglicht als bloß subjektiv improvisierende Sänger oder Instrumentalisten je hätten hervorbringen können.

Auch in der Welt 3 der Musik gilt: Wenig in Welt 3 hineingeben und viel herausbekommen, oder genauer: Wenig in Welt 2 Erfundenes hineingeben und viele Entdeckungen in Welt 3 machen, die dann zeitlos allen nachfolgenden Künstlern zur Verfügung stehen. Also beispielsweise: das Schema des Sonatensatzes hineingeben und die Welt der Streichquartette und der Symphonien gewinnen.

Diese gemeinsame Arbeit am gleichen Projekt ‚Musik‘ vergrößert nicht nur die Zahl der Werke, sondern macht zuvor Unmögliches möglich: Mozarts Requiem hätte unmöglich einem Musiker des 15. Jahrhunderts einfallen können. Kein noch so großes Genie hätte dieses Werk damals schon schaffen können. Nur die lange, systematische Auseinandersetzung mit der in Noten fixierten musikalischen Welt 3 hat Mozarts Werk möglich gemacht.

Die großen Welt 3-Projekte

Wir stehen nicht auf den Schultern von Riesen,39 sondern auf den von Geistesriesen entdeckten Welt 3-Gebäuden, die das Fundament für weitere, noch höhere Gebäude bilden.

Nicht nur individuelle Kunstwerke lassen sich besser als kollektive Leistungen verstehen; auch die großen Projekte der Menschheit wie Wissenschaft, Technik, Recht, Kunst und Musik sind mehr als eine Aneinanderreihung von Erfindungen genialer Einzelner. Das geniale Ersinnen in der subjektiven Welt 2 findet im Rahmen typischer Welt 3-Projekte statt, an denen viele mitgearbeitet haben. Jedes einzelne Geistesprodukt ist etwas, das kein noch so genialer Einzelner ohne die in Welt 3 konservierte Vorarbeit hätte erschaffen können. Nur Dank der gemeinsamen Arbeit in Welt 3 schaffen wir die geistigen Werke der Kultur, die weit über alle Individuen hinausgehen.

Dass Projekte wie Wissenschaft, Technik, Recht und Kunst unsere Welt verändern, dass sie eine reale Wirkung auf Welt 1 haben und insofern etwas Reales sind, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Aber anzumerken ist: Einen Großteil des Ruhmes und des eventuell damit verbundenen Reichtums verdanken die genialen Einzelgänger der Gesellschaft, die die Entdeckungen in Welt 3 für uns alle aufbewahrt und allen Interessierten zugänglich macht.

Wissenschaft, Kunst und Musik sind nicht die einzigen Welt 3-Projekte. Erwähnt wurden schon die Welt der Mathematik, die Welt der Technik, die Welt des Rechts oder die Welt der Staatsverfassungen, und es gibt noch viele andere solcher von uns geschaffenen und real existierenden Welten. Popper erwog, ihnen die Namen Welt 4, Welt 5 und so weiter zu geben, aber ihre Namen, sagte er, seien unwichtig: Ihre Realität und die Tatsache, dass sie uns mit Dingen bereichern, die wir nicht selber geschaffen haben, sind wichtig.40 Vor allem aber ist die Sprache, in der alle anderen Welten sich ausdrücken, selber ein Projekt der ständigen kollektiven Weiterentwicklung und Verbesserung. Es ist von allen Welt 3-Projekten das wichtigste, weil es allen anderen zugrunde liegt.

All diese kollektiven Verbesserungen wären nicht möglich, wenn Geistesprodukte nicht in Welt 3, sondern nur subjektiv in Individuen existieren könnten.

Eine Lösung des Bewusstsein-Problems

Die Realität der Welt 3 wird auch erkennbar, wenn wir verstehen, dass unser menschliches Bewusstsein ohne die Welt 3 überhaupt nicht vorhanden wäre.41 Evolutionär entstand Bewusstsein zuerst bei Tieren, und zwar dadurch, dass ihre Fortbewegung es erforderlich machte vorauszusehen, wohin sie sich bewegten. Dafür mussten die Tiere sich ihre Umwelt vorstellen können. Sie brauchten also im Gehirn gespeichertes objektives Wissen über einen kleinen Ausschnitt der Welt, um antizipieren zu können, was passieren würde, wenn sie sich vorwärts oder rückwärts, nach rechts oder nach links bewegen würden.42

Bei uns Menschen vergrößert sich diese Vorstellungswelt durch die zeitliche und soziale Dimension. Wenn wir morgens aufwachen, erlangen wir unser Bewusstsein dadurch, dass aus dem im Hirn gespeicherten objektiven Welt 3-Wissen subjektives Sich-Vorstellen wird: wo wir sind, wer wir sind, was gestern war, was morgen sein wird, mit wem wir es gestern, heute und morgen zu tun haben. Auch das Alltagswissen, das wir in Schule, Studium und Beruf erworben haben, steht in der internen Welt 3 ständig bereit, und Teile daraus können in die bewusste Welt-2-Vorstellung einbezogen werden.

Ohne Welt 3 lässt sich das menschliche Bewusstsein nicht erklären.43 Und da wir wie Descartes an der Existenz unseres Bewusstseins kaum zweifeln können, ist auch die Welt 3 etwas Reales. Descartes: Ich denke, also bin ich. Popper: Es existiert Bewusstsein, also existiert Welt 3.

Eine Lösung des Leib-Seele-Problems

Das Leib-Seele-Problem wird an anderer Stelle in diesem Band behandelt, so dass ich hier nur der Vollständigkeit halber als letzten Punkt erwähne, dass Poppers Welt 3-Theorie und die Existenz von Welt 3 durch seine Lösung des Leib-Seele-Problems wesentlich gestützt wird. Das Leib-Seele-Problem besteht in der Frage ‚Wie kann Geistig-Seelisches eine Wirkung auf unseren Körper und die körperlichen Dinge um uns herum haben?‘. Es hat eine lange Geschichte,44 und in der Hauptsache gibt es vier Lösungsversuche: (1) Das Geistig-Seelische ist eine Illusion und beruht in Wirklichkeit auf materiellen Vorgängen. Deshalb kann Geistig-Seelisches nur materiell erklärt werden. (2) Das Materielle ist eine Einbildung: Wir haben nur den Geist, der sich alles vorstellt; wir haben nicht die materielle Welt noch außerdem. (3) Zwei Welten existieren streng parallel: seelisch-geistige Vorgänge (Welt 2) werden ständig von körperlichen (Welt 1) begleitet. (4) Die beiden Welten existieren nicht nur parallel zueinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Descartes schlug die Zirbeldrüse als Vermittler vor.

Poppers Interaktionstheorie ist ein fünfter Lösungsversuch45: (5) Popper führt die dritte Welt ein. Das objektiv Geistige (zum Beispiel in Büchern) existiert unabhängig vom subjektiv Seelischen (zum Beispiel ein Theatererlebnis). Die physische Welt 1 und die geistige Welt 3 können sich nicht unmittelbar beeinflussen, sondern ihre Wirkungen aufeinander werden durch Welt 2 vermittelt. Beispielsweise gelangt das in einem Bauplan gespeicherte objektive Welt 3-Wissen in den Kopf eines Ingenieurs und wird zu subjektivem Welt-2-Wissen, das auf bisher unbekannte Weise Nervenaktivitäten hervorruft. Diese bewirken Muskelbewegungen der Hände, des Mundes und so weiter. Der weitere Weg zu physischen Veränderungen in der Welt 1, etwa zum Errichten eines Hochhauses, ist kein Geheimnis mehr.

Aber drei Geheimnisse bleiben ungelöst: (A) Wie werden aus Gedanken in einem Buch Gedanken im Gehirn? (B) Wie werden aus Gedanken im Gehirn Nervenaktivitäten? (C) Beeinflussen die Gedanken im Kopf einander – etwa bei der Entdeckung eines Widerspruchs – oder wird das durch Nervenaktivitäten besorgt? Poppers Verdienst ist es, diese drei Probleme konkretisiert zu haben,46 so dass sie nun auch für Wissenschaftler interessant werden.47

Eine verbesserte Wirklichkeitsdefinition

Wenn Popper von einer real existierenden Welt 3 spricht, die richtige und falsche Theorien enthält, Argumente und Widersprüche, Kunsttheorien und Notensysteme, natürliche Zahlen und Primzahlen, dann verhindern naheliegende starke Intuitionen, Popper zu folgen oder ihn auch nur ernst zu nehmen.

Der Grund für diese störenden Intuitionen ist, dass das Wort ‚real sein‘ oder ‚existieren‘ im Alltag mit Dingen assoziiert wird, die wir anfassen, sehen oder hören können und die materieller oder physikalischer Natur sind. Die Wikipedia definiert: „Für die Naturwissenschaften ist Realität das, was der wissenschaftlichen Betrachtung und Erforschung zugänglich ist“.48 Im Wörterbuch Wiktionary bedeutet ‚real‘, was „in materieller Form vorhanden“ ist.49 Beide Definitionen entsprechen dem Alltagsdenken. Im Folgenden möchte ich beide Definitionen die ‚alte Definition‘ der Wirklichkeit nennen.

Popper schlägt eine neue Definition vor. Danach sind auch Dinge real, die in der alten Definition nicht enthalten sind wie etwa Gedanken, Wünsche, Ängste, Zahlen, Probleme und Theorien. Wer Popper kritisieren will, darf sich daher nicht – bewusst oder unbewusst – auf die alte Definition stützen. Seine Kritiker und alle, die ihn verstehen wollen, sollten fragen: (1) Wie definiert Popper ‚Existenz‘, ‚Realität‘ oder ‚Wirklichkeit‘? (2) Ist seine Definition sinnvoll und brauchbar? (3) Ist es sinnvoll, die oben genannte alte Definition zu ersetzen?

Zu (1): Gemäß Poppers Definition soll ‚wirklich‘, ‚real‘ oder ‚existent‘ alles genannt werden, was auf Welt 1 wirken kann oder auf das Welt 1 einwirken kann.50

Zum Beispiel verändern Welt 3-Theorien – vermittelt durch Menschen – die Welt 1: Baupläne verändern die Welt 1 der Städte. Andererseits wirkt die Welt 1 auf Theorien, weil sie – wieder vermittelt durch Menschen – für eine Eliminierung des Fehlerhaften sorgt: Der Einsturz des zu hoch geratenen Kirchenschiffs bewirkt, dass der Plan als falsch erkannt und korrigiert wird. Poppers Definition von ‚Wirklichkeit‘ kann man sich leicht merken, weil im Unterschied zum Wort ‚Realität‘ oder dem englischen ‚reality‘ das deutsche Wort ‚Wirklichkeit‘ bereits das Wirken und Zurückwirken enthält.

Zu (2): Wenn die Definition (1) als richtig akzeptiert wird, folgen daraus die oben skizzierten Erklärungen unserer Welt. Zum Beispiel erklärt die Welt 3-Theorie, wie das Ich-Bewusstsein zustande kommt oder warum verschiedene Forscher auf dieselben Theorien stoßen. Darüber hinaus befreit Poppers Definition Ideen, Gedanken, Wünsche, Ängste, Zahlen, Probleme und Theorien aus dem Reich des Unwirklichen oder Irrealen, in das die alte Definition sie verbannt hatte.

Zu (3): Poppers Definition verdrängt die alte Definition nicht, und sie ist nicht irreführend. Sie schließt die alte Definition ein und behauptet darüber hinausgehend auch für Welt-2- und Welt 3-Dinge, dass sie real, wirklich und existent sind. Insofern steht Poppers Welt 3-Theorie nicht im Widerspruch zu den Naturwissenschaften und auch nicht zum Alltagsdenken.

Karl Poppers Welt 3-Realismus

Versetzen wir uns zum Schluss noch einmal in die Situation von Helen Keller . Wir sind zwar nicht blind und taub, doch kurz nach unserer Geburt sind die Signale, die von unseren Sinnesorganen kommen, ebenso chaotisch und unidentifizierbar wie Helen sie erlebt haben muss. Wir können nicht verstehen, was die vielen Töne, Farben und alle möglichen Gefühle, die uns buchstäblich durch den Kopf gehen, bedeuten und ob sie etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben. Aber wie bei Helen ist unser in einem dunklen Kasten eingeschlossenes Gehirn von Anfang an darauf aus, durch die Methode ‚auf die Außenwelt wirken und die Außenwelt auf sich wirken lassen‘ die Realität kennenzulernen. So beginnen wir zu tasten; bald lallen wir; dann sprechen wir; und unglaublich schnell lernen wir, was wirklich ist und was nicht. Extrem wichtig, überlebenswichtig ist dieser Realitätssinn, unsere ständige Suche nach dem Wirklichen. Diese Wirklichkeitserforschung hört nicht auf, wenn wir älter werden. Jeden Tag beginnt sie von Neuem, spätestens, wenn wir morgens die Zeitung aufschlagen.

Karl Popper hat uns gezeigt, dass die Suche nach der Wirklichkeit in einer ganz neuen Dimension stattfindet, sobald wir der Sprache mächtig sind. Und über diese Dimension gelangen wir nochmals weit hinaus, wenn wir die argumentative Sprachfunktion beherrschen und zwischen Wahrheit und Unwahrheit sowie zwischen Wirklichkeit und Illusion unterscheiden können.

Zu der zu erforschenden Wirklichkeit gehört aber nicht nur die physische Welt. Wenn wir Realisten sein wollen, sollten wir zumindest erwägen, ob nicht auch die Welt 3 der Argumente, der Beziehungen zwischen Sätzen, der Probleme und Theorien, der Logik und Mathematik ein Teil der vom Menschen unabhängigen Wirklichkeit ist.

Nur wenn wir auch in Bezug auf ‚Welt 3‘ Realisten sind, können wir verstehen, wie Neues in die Welt kommt – auch in unser persönliches Leben. Die Welt 3 erklärt, warum Hamurabis einfacher Gedanke, die Macht an das Recht zu binden, unser politisches Leben von Jahrhundert zu Jahrhundert enorm verbesserte, bis heute und hoffentlich bis in alle Zeiten. Sie erklärt, warum Luthers Thesen eine kulturelle Revolution ungeahnten Ausmaßes zur Folge hatten. Sie erklärt, warum das kleine Wellenexperiment von Heinrich Hertz uns die Welt des Radios, des Fernsehens und des Mobilphones eröffnete. Sie erklärt, warum jede Diskussion auch Ergebnisse bringt, die keiner der Gesprächsteilnehmer im Kopf hatte, selbst wenn man sich nicht hatte einigen können.

Poppers Welt 3-Theorie ist eine Theorie des Neuen. Sie erklärt, warum wir nur wenig Neues erfinden müssen, um viel Neues entdecken zu können.51

Fußnoten

  1. 1.

    Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951), Karl Popper (1902 bis 1994).

  2. 2.

    Popper 1974b.

  3. 3.

    Siehe in Franco 2018 die Beiträge von B. Kanitscheider, R. Kleinknecht, H. J. Niemann (Popper, Darwin und die Biologie), G. Vollmer und F. Wuketits.

  4. 4.

    Petersen 1998.

  5. 5.

    Popper 1984, 1994 und, mit neu übersetzen Texten, Popper 2015 und 2016.

  6. 6.

    Die drei Bücher sind: Popper 1969, 1972a (Kap. 3 und 4) und Popper 1977.

  7. 7.

    Zurückweisung der Vorwürfe in Niemann 2012, S. 510–512, 546.

  8. 8.

    Popper 1974a, Kap. 13, 1. Absatz.

  9. 9.

    Siehe in Franco 2018 die Beiträge von B. Kanitscheider und F. Wuketits.

  10. 10.

    Popper in einem Brief vom 6. Nov. 1982, Karl Popper-Sammlung, Universitätsbibliothek Klagenfurt, Box 521, Folder 1, Blatt 40.

  11. 11.

    Feyerabend an Hans Albert in Baum, Mühlmann 2009, April/Mai 1973, S. 66.

  12. 12.

    Bunge 2010, die Lenin-Bemerkung S. 12 und 126; ‚New Age‘ S. 149. Der Vorwurf unerlaubter Hypostasierungen S. 160, der schon in Popper 1978 zurückgewiesen wurde.

  13. 13.

    Diskutiert in Niemann 2012, S. 511, Anm. 4 und Text dazu.

  14. 14.

    Popper 2012, linker Klappentext der Leinen-Ausgabe, und Nachwort Nr. 10, S. 517.

  15. 15.

    Popper 1974a, Kap. 2.

  16. 16.

    Keller 1905, Kap. 4.

  17. 17.

    Popper 2012, Teil II, S. 252.

  18. 18.

    Popper 2012, Teil I, S. 59; Popper 1974a, Kap. 10.

  19. 19.

    Popper 2012, Teil I, S. 105–107, 129.

  20. 20.

    Bühler 1934.

  21. 21.

    Poppers vierte Sprachfunktion erstmals 1948 in einem Vortrag: Popper 2012, Kap. 4, die beiden letzten Seiten. Dann in Popper 1965, Abschn. 4; Popper 1967, Abschn. 14; Popper 1974a, Kap. 15; Popper 1981, S. 49.

  22. 22.

    Popper 2012, Teil I, S. 47–51, 141, Teil II, S. 240–241.

  23. 23.

    Die beste Darstellung von Poppers Dreiweltenlehre findet sich in Popper 2012 mit Teil I (Kenan-Vorlesung von 1969) und Teil II (Das Ich und sein Gehirn 1977).

  24. 24.

    Spezielle Relativitätstheorie in Einstein 1905a, die Masse-Energie-Beziehung in Einstein 1905b. Siehe dazu Popper 1978 (Tanner Lecture).

  25. 25.

    Werner Heisenbergs Vermutung in Heisenberg 1943, S. 95.

  26. 26.

    Popper 1967, Abschn. 3; Popper 2012, Teil I, zweite Vorlesung und Diskussion, Teil II, Abschn. 12.

  27. 27.

    Siehe Anm. 25 oben.

  28. 28.

    Eine Chronologie in Niemann 2012.

  29. 29.

    Popper 1991; Popper, Lindahl, Århem 1993 und 1994; Niemann 2012, Abschn. 40–41.

  30. 30.

    Popper 1974a, Kap. 13, S. 82; 4. Aufl. 2012, S. 84; Niemann 2012, Abschn. 3.

  31. 31.

    Bartley 1987, S. 18–19.

  32. 32.

    Die ersten Veröffentlichungen dazu in Popper 1967 und 1968.

  33. 33.

    Siehe Anm. 22 oben.

  34. 34.

    Popper 1967, Abschn. 5.2 und 9. Popper 1974a, S. 87 (S. 89 in der 4. Aufl. 2012); Popper 2012, Teil I, S. 10, 32, 58–59, 61, 68, 146, 177.

  35. 35.

    Popper 1979; Popper 1967, Abschn. 9; Popper 2012, Teil I, 6. Vorlesung und insbesondere S. 177–179; Teil II, S. 248.

  36. 36.

    Popper 1979; Popper 1967, Abschn. 9; Popper 2012, S. 177.

  37. 37.

    Popper 1981, Abschn. IX, S. 45.

  38. 38.

    Popper 1974a, Kap. 13; Popper 2012, Teil I, S. 177.

  39. 39.

    „Wenn ich weiter gesehen habe als andere, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe“. Zu dieser Newton zugeschriebenen Einsicht sind auch viele andere gekommen, darüber berichtet Merton 1965.

  40. 40.

    Popper 2012, Teil I, S. 26–27, 37, 151; Niemann 2012, S. 527.

  41. 41.

    Popper 1967, Abschn. 9; Popper 2012, Teil I, 5. Vorlesung, insbesondere S. 145, 164, Teil II, 278–280.

  42. 42.

    Popper 2012, S. 144, 152.

  43. 43.

    Popper 1978, S. 166–167, Popper 2012, Teil I, 5. Vorlesung; Teil II, Abschn. 35–37.

  44. 44.

    Popper 2012, Teil II, Kap. 5.

  45. 45.

    Poppers Interaktionstheorie in Popper 1972b (Mannheimer Vortrag), siehe dazu auch Niemann 2012, Abschn. 27; Popper 2012, Teil I, 5. Vorlesung, Teil II, Abschn. 10.

  46. 46.

    Besonders in Popper 2012, Teil I.

  47. 47.

    Unterstützung fand Popper bei John C. Eccles, Friedrich Beck und Benjamin Libet, siehe Niemann 2012, Abschn. 41–42.

  48. 48.

    Wikipedia 3. Okt. 2017.

  49. 49.

    Wiktionary 3. Okt. 2017.

  50. 50.

    Poppers Definition wurde auch von Physikern vertreten, zum Beispiel von Alfred Landé.

  51. 51.

    Der Kürze dieses Artikels mussten Opfer gebracht werden. Dem interessierten Leser empfehle ich zur weiteren Lektüre die einführenden Aufsätze Popper 1967, 1968, 1978 und die Doppelmonografie Popper 2012.

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Authors and Affiliations

  • Hans-Joachim Niemann
    • 1
  1. 1.PoxdorfDeutschland

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