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Karl Poppers drei Postskript-Bände zur Logik der Forschung

  • Hans-Joachim NiemannEmail author
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Part of the Springer Reference Geisteswissenschaften book series (SPREFGEIST)

Zusammenfassung

Ein Überblick über die wichtigsten Probleme in Karl Poppers drei Postskript-Bänden zur Logik der Forschung zeigt: Sie sind keine Anhänge zur Logik, sondern originelle, selbständige Werke. In ihnen werden Spielarten des Subjektivismus, Determinismus und Idealismus angegriffen und zugunsten von Realismus, Objektivismus und Offenheit der Zukunft verworfen. Erstmals werden hier Poppers ‚Propensitäten‘ als objektive Wahrscheinlichkeiten eingeführt. Sie sind der Grund für unvorhersagbar Neues im Universum und in der Zukunft des Menschen; auf ihnen beruht die menschliche Freiheit.

Schlüsselwörter

Erkenntnistheorie Metaphysik Kosmologie Induktivismus Determinismus 

Kurze Entstehungs- und Editionsgeschichte

Das Gemeinsame der drei Bände

Die drei Postscripts aus der Mitte der 1950er-Jahre sind eine Art Fortsetzung der Logik der Forschung (1934) mit anderen Mitteln, nämlich mit Poppers neuer Methode, empirisch unwiderlegbare Theorien als richtig oder falsch einzustufen. Die wichtigste unwiderlegbare und deshalb metaphysisch genannte Theorie ist der Realismus, der allen Wissenschaften und dem Alltagsleben zugrunde liegt. Realismus ist die Vorstellung von einer Welt, die wir prinzipiell, sofern wir uns Mühe geben, bis in alle Einzelheiten verstehen können und die vom Beobachter unabhängig ist. Dieser Realismus galt bis in Poppers Zeiten als unprüfbare Metaphysik und wurde von Seiten der vertrauenswürdigsten aller Wissenschaften, der Physik, angegriffen – zum Teil heute noch.1

Poppers neue Methode war verbunden mit einer Rehabilitation der Metaphysik. Sie stellte klar, dass Metaphysik kein Unsinn ist und dass man viele wichtige metaphysische Theorien wie den Realismus, den Idealismus, den Materialismus, den Determinismus, die Offenheit der Zukunft, den freien Willen auch ohne empirische Argumente rational diskutieren kann. Diese metaphysischen Theorien gelten als ‚richtig‘, wenn sie das Problem lösen, das zu lösen sie angetreten waren, und als ‚falsch‘, wenn das nicht der Fall ist.2

In den drei Postskript-Bänden werden einflussreiche subjektive und idealistische Theorien3 widerlegt und durch akzeptablere ersetzt. Das sind

in Postskript I: der Realismus, der über Wissenschaft und Alltagsleben hinausgeht und Teile der Metaphysik und unsere bisherigen Vorstellungen über Wahrscheinlichkeit mit einbezieht;

in Postskript II: der Indeterminismus der Welt und die Offenheit der Zukunft;

in Postskript III: die Objektivität der Wissenschaften und die Erklärbarkeit der Welt.

Dreißig Jahre bis zur Fertigstellung

Die drei hier besprochenen Werke tragen den Untertitel Aus dem Postskript zur Logik der Forschung. Die Logik der Forschung erschien 1934 auf Deutsch und erst 25 Jahre später, 1959, auf Englisch. Zu dieser Zeit hatte Popper das Problemfeld längst weiterentwickelt und dem Text viele Anhänge hinzugefügt. 1954 wollte er noch weitere zirka tausend Seiten unter dem Titel Postscript: After Twenty Years erscheinen lassen.4 Doch während er die englische Übersetzung der Logik der Forschung prüfte, fiel ihm immer stärker auf, wie weit sich in diesen Postscripts seine Ansichten geändert hatten und dass sich seine Erkenntnistheorie nun auch auf außerwissenschaftliche Gebiete anwenden ließ. Diese Postscripts waren keine Fußnoten zur Logik der Forschung und hatten es verdient, als eigenständige Werke zu erscheinen.

Deshalb schrieb Popper an ihnen weiter. Als 1959 endlich alles in den Druckfahnen war, kam das Projekt ins Stocken. Popper hatte mehrere Netzhautablösungen und glaubte, er würde blind. Deshalb arbeitete er im Wettlauf mit der Zeit, unterzog sich im Februar 1960 in Wien mehreren Augenoperationen, arbeitete dennoch unermüdlich weiter und erlitt im November 1960 an der London School of Economics, wo er unterrichtete, einen Zusammenbruch. Seit dieser Zeit arbeitete er eng mit William Bartley zusammen, der ab 1958 sein Student war und 1962 bei ihm promovierte. Gemeinsam korrigierten und ergänzten sie den Text des englischen Postscripts. Bis 1962 war er fertiggestellt5 und blieb seitdem weitgehend unverändert.6 Dennoch wurde er erst zwanzig Jahre später, 1982 und 1983, veröffentlicht.

Der Grund für die weitere Verzögerung lag teils an Poppers Arbeitsüberlastung, teils an seiner Eigenart, nur minutiös editierte Texte zum Druck freizugeben, vor allem aber an Differenzen mit William Bartley, der die Herausgabe übernehmen sollte. Bartley war nach seiner Promotion und seinem ersten Buch gerade dabei, seine eigene Karriere aufzubauen. Er wollte von Popper unabhängig werden und seine eigenen Konzepte ausarbeiten. Es kam zu Spannungen und schließlich 1965, auf dem Internationalen Kolloquium über die Philosophie der Wissenschaft am Bedford College in London, zum tiefen Bruch ihrer Freundschaft. Erst zwölf Jahre später versöhnten sie sich wieder, allerdings ohne die früheren Differenzen bereinigt zu haben. Bartley setzte die Editionsarbeit an den Postscripts fort. Er unterteilte sie in drei Bände, die 1982 und 1983 erschienen, zuerst in englischer Sprache, und 2001 und 2002, von Eva Schiffer und mir übersetzt, auf Deutsch.

Was ihren Streit betrifft, so dauerte es noch weitere fünfzehn Jahre, bis Popper darüber auf einem Sommerseminar 1992 in Kyoto sprechen konnte, zwei Jahre nach Bartleys frühem Tod.7

Der Begründungsstreit mit William Bartley

Der Streit mit Bartley verdient einen kurzen Bericht, weil er ein durchgehendes Thema der Postskript-Bände betrifft. Es ging um die wichtigste Verbesserung des Kritischen Rationalismus seit Poppers Logik der Forschung, nämlich um die Frage: Wie begründen wir unsere Haltungen, Ansichten und Einstellungen in Bezug auf Dinge, die, wie der Kritischen Rationalismus, außerhalb von Wissenschaft und empirischer Prüfbarkeit liegen, beispielsweise Religion, Vernunft, Rationalität, Freiheit und Gerechtigkeit?

Die Antwort findet sich weder in der Logik der Forschung noch in Poppers zweitem Hauptwerk Die Offene Gesellschaft, sondern an verschiedenen Stellen in diesen drei Postskript-Bänden: Es ist die Problemlösungsmethode. Sie macht es möglich, Poppers Erkenntnistheorie als breit angelegtes, weit über die Wissenschaften hinausgehendes Erkenntnisprogramm in Bereichen des Glaubens, der Metaphysik und der Moral zu verstehen und daraus praktischen Nutzen zu ziehen. Ehe ich das im nächsten Abschnitt erläutere, kurz zurück zu Bartley.

Bartley glaubte, den wunden Punkt des kritischen Rationalismus gefunden zu haben: Auch der Kritische Rationalismus sei nur ein Glaube unter vielen, und wenn sich die Rationalisten mit einem ‚Ich glaube an die Vernunft‘ als Rechtfertigung für ihre Haltung begnügen, dann können Vertreter aller anderen Glaubensrichtungen das ‚tu quoque-Argument‘ vorbringen: ‚auch du‘, Rationalist, glaubst etwas, das du nicht weiter begründen kannst, und so halten wir es auch.

Überdies hatte Popper die Entscheidung für Vernunft in seiner Offenen Gesellschaft einen „irrationalen Glauben an die Vernunft“ genannt,8 weil man für Vernunft keine vernünftigen Argumente vorbringen kann, ohne damit bereits die Entscheidung zur Vernunft vorweggenommen zu haben.

Bartleys Vorschlag zur Behebung dieses Mankos war, die Entscheidung für den Kritischen Rationalismus nicht mit positiven Gründen zu rechtfertigen, sondern Kritik an allem und jedem zu fordern und darauf zu setzen, dass der Kritische Rationalismus jeglicher Kritik standhalten werde. ‚Pankritizismus‘ nannte er seine Empfehlung, und Popper hatte dagegen nichts einzuwenden. Er arbeitete Bartleys Vorschlag explizit in den ersten Postskriptband ein; möglicherweise hat er auch dem Herausgeber Bartley freie Hand gelassen, dies zu tun.9

Was Popper zutiefst verstimmt hatte und ihn jahrelang grollen ließ, war, dass Bartley auf jener Bedford-Konferenz 1965, ungeachtet der Diskussion, die sie miteinander hatten, und Poppers zustimmender Haltung, ihn einen Fideisten gescholten und damit den Eindruck erweckt hatte, Popper gehe wie andere Gläubige ein Engagement für seine Sache ein, ungefähr nach dem Motto ‚Richtig oder falsch: mein Glaube!‘. Das aber war nicht, was Popper in seinen Seminaren gelehrt hatte. Für ihn war Glaube kein Gegenstand der Hingabe, sondern immer ein Synonym für das Wort ‚Vermutung‘: alles Wissen und Glauben, selbst das beste naturwissenschaftliche Wissen, ist Vermutungswissen. Da Popper es sich zur Regel gemacht hatte, seine Schüler nie öffentlich zu kritisieren, konnte er sich nicht verteidigen. Tief verletzt zog er die Trennung vor.10

Die beste Problemlösung als beste Begründung

Die Gleichsetzung von Glaube und Vermutung, die Popper von allen wirklich Gläubigen oder ‚Fideisten‘ unterscheidet, war nicht das Einzige, was Bartley übersehen hatte. In dem vom ihm editierten ersten Postskript-Band wurde erstmals sehr prägnant Poppers Problemlösungsmethode als die beste Begründung für jede Theorie, sei sie Glaube, Religion, Metaphysik, Vermutung oder Wissenschaft, formuliert:

„Jede kritische Diskussion einer Theorie wird in erster Linie darin bestehen zu prüfen, wie gut sie ihre Probleme löst; wie viel besser sie sie löst als die diversen konkurrierenden Theorien; ob sie nicht Schwierigkeiten erzeugt, die größer sind als die, die sie zu beseitigen angetreten war; ob die Lösung einfach ist; wie fruchtbar sie dabei ist, neue Probleme und neue Lösungen ins Spiel zu bringen …“11

Damit hatte Popper ein neues Kapitel seiner Erkenntnistheorie aufgeschlagen, das es ihm nun erlaubte, auch nicht wissenschaftlich entscheidbare Theorien in Metaphysik, Ethik und Religion auf rationale Weise als richtig oder falsch einzustufen – natürlich immer mit dem Irrtumsvorbehalt. Diese Methode half ihm, positivistische und idealistische Epistemologien zu verwerfen (Band I, Teil I), verschiedene Wahrscheinlichkeitsinterpretationen zu bewerten (Band I, Teil II), für ein offenes Universum und für objektive Wahrscheinlichkeiten zu plädieren (Band II) und sich rational für den Indeterminismus und gegen den Determinismus, für den Realismus und gegen den Instrumentalismus sowie für den Objektivismus und gegen den Subjektivismus zu entscheiden (Band III).12

Kurz nach Abschluss der Postskript-Bände hatte Popper 1958 die Leistungsfähigkeit seiner Problemlösungsmethode in dem Aufsatz „Über die Nichtwiderlegbarkeit philosophischer Theorien“ anhand mehrerer empirisch unwiderlegbarer Theorien demonstriert.13 Danach war der Weg frei, diese Methode auch auf ethische Probleme anzuwenden.14

Um der Leserin und dem Leser auf nur wenigen Seiten eine Übersicht über die auf fast tausend Seiten diskutierten Probleme zu geben, entnehme ich meine Abschnittsüberschriften und ihre Reihenfolge den drei Postskript-Bänden.

Postskript I: Realismus und das Ziel der Wissenschaft

Einleitung 1982: Zu den Einwänden gegen dieses Buch

Die Hauptlehre der Logik der Forschung ist: Noch so viele Verifikationen können eine Theorie nicht wahr machen, wogegen eine einzige Falsifikation sie widerlegt. Woher aber nimmt man die Überzeugung, dass die falsifizierende Beobachtung im Zweifelsfall verlässlicher ist als die Theorie? Auf diese und ähnliche Einwände geht Popper hier nochmals ein.

Oft wird übersehen: Eine Falsifikation ist eine rein logische Angelegenheit, „sie hat nichts mit der Frage zu tun, ob bestimmte experimentelle Resultate als Falsifikationen anerkannt werden können oder nicht“.15 Falsifikation ist ein logischer Widerspruch zwischen Theorie und Beobachtungssatz – mehr nicht. Ob deshalb die Theorie oder der Beobachtungssatz als falsch verworfen wird, ist dem Forscher anheimgestellt.16 Der häufigste Grund, die Theorie zu verwerfen, dürfte der sein, dass Beobachtungssätze oft unproblematischer sind als die Theorie.17

Vorwort 1956: Über die Nichtexistenz der wissenschaftlichen Methode

Für viele ist Karl Popper der Vertreter der Falsifikationsmethode. Das brachte seinen Schüler Paul Feyerabend darauf, ein Buch gegen Popper und dessen Falsifikationsmethode zu schreiben. Der Titel war „Wider den Methodenzwang“ und die Botschaft „Anything Goes!“. Das Buch ist bis heute ein großer Erfolg.18 Nur Spezialisten wissen, was Popper 1956 in dem hier besprochenen Vorwort „Über die Nichtexistenz der wissenschaftlichen Methode“ geschrieben hatte. Es gibt, so Popper, weder eine Methode, die zur Entdeckung von Theorien führt, noch eine, die deren Wahrheit feststellt, noch eine, die sagen könnte, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Theorie wahr sein könnte.19 Es gibt keine Methode; „es gibt nur Probleme und das Verlangen, sie zu lösen“.20

Dieses Vorwort und das gesamte Postskript zirkulierten seit ca. 1957 unter Poppers besten Schülern. Der Öffentlichkeit waren sie aber, wie oben gesagt, erst seit 1982 zugänglich. So blieb manchem seiner Schüler, vor allem Paul Feyerabend, Thomas Kuhn21 und Imre Lakatos,22 reichlich Zeit, sich Poppers neue Ideen in jedem Sinne des Wortes anzueignen.23 Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn nicht seine Lehre dabei verdreht und durch sehr erfolgreiche Bücher fast verdrängt worden wäre.

Nicht nur Feyerabend, auch Thomas Kuhn legte Popper auf den Falsifikationismus fest und schrieb: „… obwohl Sir Karl kein naiver Falsifikationist ist, dürfen wir ihn als einen solchen behandeln“.24 Dazu hat Popper in der ‚Einleitung 1982‘ des Postskript I ausführlich Stellung genommen. Die unveröffentlichten Postskripte haben auch Imre Lakatos Gelegenheit gegeben, in seinen „wissenschaftlichen Forschungsprogrammen“ Ideen zu verwerten,25 die Popper lange vor ihm als „metaphysische Forschungsprogramme“ (in ‚Ein metaphysischer Epilog‘ des Postskript III) ausgearbeitet hatte.26

Induktion

‚Induktion‘ in der Erkenntnistheorie und ‚Induktivismus‘ in der Wissenschaftstheorie stehen hauptsächlich für drei Methoden:
  1. (1)

    Von Beobachtungen oder Erfahrungen auf eine Theorie schließen: Aus der Erfahrung ‚Finger verbrannt‘ folgt die Theorie ‚Feuer ist gefährlich‘.

     
  2. (2)

    Was sich unter gleichen Umständen immer wiederholt (der Sonnenaufgang im Osten), darf als Gesetz formuliert werden: ‚Die Sonne geht immer im Osten auf‘.

     
  3. (3)

    Je öfter eine Theorie bestätigt wird, als desto wahrer darf sie betrachtet werden: ‚Aspirin hilft seit über hundert Jahren gegen Schmerz. Dass es als Schmerzmittel immer hilft, ist daher eine sichere Theorie.‘

     

Für Popper ist die Reihenfolge anders: Erst kommt das Problem, danach die Theorie, und dann kommen die Experimente und Beobachtungen, mit denen die Theorie geprüft wird. Experimente und Beobachtungen können zur Theorie anregen, aber es gibt keinen logischen Schritt von dem einen zum anderen.27 Das Induktionsproblem wird ausführlich in Kap. „Karl Poppers Lösungsvorschlag für das Induktionsproblem“ des vorliegenden Bandes diskutiert.28

Abgrenzung

Obgleich der Induktionsschluss seit David Hume als ungültig gilt, benutzen ihn viele Wissenschaftler auch weiterhin. ‚Gibt es dann noch einen Unterschied zwischen einem Wissenschaftler und einem Verrückten?‘ fragte Bertrand Russell.29 Nein, sagt Popper, außer man ersetzt die Induktion als Abgrenzung zwischen den Wissenschaften und anderen Erkenntnisprogrammen wie Pseudowissenschaften, Metaphysik, Mathematik und Logik durch das neue Abgrenzungskriterium der Falsifizierbarkeit: ‚Wissenschaftlich‘ soll eine Theorie nur dann heißen, wenn sie prinzipiell empirisch widerlegt werden kann.30

„Sehr wichtig für die Beurteilung meines Kriteriums für die Abgrenzung zwischen Wissenschaft und Metaphysik ist, dass es nur auf theoretische Systeme angewendet werden soll“.31 Es darf nicht auf Sätze wie ‚Es gibt ein Element mit der Ordnungszahl 72‘ angewendet werden. Universelle Es-gibt-Sätze dieser Art können im Kontext einer Theorie wissenschaftlich prüfbar sein, wogegen isolierte Es-gibt-Sätze genauso unfalsifizierbar sind wie der Satz ‚Es gibt Einhörner‘,32 nämlich bisher nicht auffindbar irgendwo im Universum. In gleicher, kontextueller Weise haben nun auch nicht-empirische Begriffe wie ‚Seele‘ Platz in einer wissenschaftlichen Theorie.33

Metaphysik: Sinn oder Unsinn?

Metaphysik ist definitionsgemäß, was empirisch nicht prüfbar ist. Mit Poppers Problemlösungsmethode aus dem Abschn. „Die beste Problemlösung als beste Begründung“ oben lässt sich Metaphysik leicht von Unsinn unterscheiden. Dagegen ist die Abgrenzung zwischen Metaphysik und Wissenschaft34 weniger scharf; denn Wissenschaftler müssen Ideen, Theorien und Aussagen entwickeln, bevor sie wissen, ob sie empirisch prüfbar sind. Die Atomtheorie der Materie war mehr als zweitausend Jahre Metaphysik, ehe sie im 19. Jh. empirisch entscheidbar wurde.

Für Wittgenstein war Metaphysik Unsinn und Philosophie Geschwätz.35 Mit Poppers Problemlösungsmethode hingegen sind konkrete Einzelfälle der Metaphysik und Philosophie prüfbar, und es kann festgestellt werden, was rational akzeptabel ist und was nicht. Auch moderne, rationale Theologie sieht manchmal empirisch aus, aber wenn sie unprüfbar ist, ist sie Metaphysik.36

Bewährung

Mit den Begriffen ‚Bewährung‘ und ‚Bewährungsgrad‘ einer Theorie37 zieht Popper einen Schlussstrich unter die gesamte Induktionsphilosophie. Die beiden Ausdrücke bezeichnen das Ergebnis eines Prüfungsberichtes, der angibt, wie streng die Prüfungen waren, die die Theorie bestanden hat.38 Der subjektive Eindruck, eine Theorie sei wahrscheinlich wahr, wird damit durch etwas Objektiveres ersetzt.

Besser geeignet wären objektive Hypothesenwahrscheinlichkeiten gewesen, aber in den sehr technischen Abschnitten 27 bis 32 von Kapitel IV weist Popper nach, dass es sie nicht geben kann.39

Objektive und subjektive Wahrscheinlichkeit

„Einen anderen Anlass zur Einführung des Wahrscheinlichkeitsbegriffs als die Unvollständigkeit unseres Wissens gibt es nicht“,40 schrieb Friedrich Waismann. Genau das bestreitet Popper.41 Schon lange ist es seine Gewohnheit, bei allen Denkaktivitäten zwischen subjektiven und objektiven Aspekten zu unterscheiden.42 Der objektive Aspekt ist meist der wichtigere.43 So auch bei Wahrscheinlichkeiten. Beispielsweise glauben wir beim Würfeln, dass die Wahrscheinlichkeit einer Sechs beim nächsten Wurf nur deshalb ein Sechstel ist, weil wir subjektiv nicht wissen, welche der sechs gleichwahrscheinlichen Seiten obenauf zu liegen kommt. Dagegen liefert die gemessene Häufigkeit der Sechs die objektive Wahrscheinlichkeit. Sie beruft sich nicht auf subjektives Nichtwissen. Noch weniger subjektiv sind Poppers Propensitäten: Zu jedem einzelnen Wurf gehört – unter Berücksichtigung sämtlicher Einflussfaktoren wie Würfler, Wurfbecher, Würfel, Tischplatte, Luft – die physikalische Eigenschaft ‚Propensität‘, mit ein Sechstel Wahrscheinlichkeit die Sechs zu zeigen.44

Kritik der probabilistischen Induktion

Je mehr Pfeile wir auf eine Zielscheibe schießen, desto mehr trifft der aus den Abweichungen berechnete Mittelwert ins Schwarze. Es sieht so aus, als ob eine möglichst große Zahl von Messungen uns der Wahrheit näher brächte. Haben die Induktivisten also doch Recht, dass Theorien wie ‚der Pfeil trifft ins Schwarze‘ immer sicherer werden, je mehr Beobachtungen wir einbeziehen?

Die dabei verwendete ‚einfache Induktionsregel‘,45 nach der die Mittelwerte mit der Zahl der Messungen immer genauer werden, wird in der Wissenschaft und im Alltagsdenken ständig verwendet. Sie ist plausibel, transparent und einleuchtend. Dennoch ist sie genau das, was Popper als unhaltbares induktives Denken und als Teil der subjektiven Theorie der Wahrscheinlichkeitsrechnung verwirft.46

Anmerkungen über die objektiven Theorien der Wahrscheinlichkeit

Diese ‚Anmerkungen‘ sind mehr als Anmerkungen: Sie sind eine Einführung in Poppers neue Propensitäteninterpretation der Wahrscheinlichkeit. Eine ‚Propensität‘ oder ‚Verwirklichungstendenz‘ kann jedem einzelnen Wurf im Würfelbeispiel des Abschn. „Objektive und subjektive Wahrscheinlichkeit“ zugeordnet werden. Sie bekommt nicht erst dadurch Bedeutung, dass man sich das Einzelereignis als Teil einer Folge von vielen Ereignissen vorstellt, sondern sie ist eine wirkliche physikalische Eigenschaft, die ganz unabhängig davon ist, ob sie Teil einer Folge ist oder Teil eines Ensembles, und unabhängig davon, wie man diese Größe misst. Sie ist eine Eigenschaft nicht des isolierten Gegenstandes, sondern der gesamten relevanten physikalischen Anordnung: Würfel, Würfler, Wurfbecher, Tischplatte, Luft und anderes.

Mit solchen Einzelereignissen konnte man vor Popper nicht viel anfangen: Sie wurden als Teil einer wirklichen oder einer imaginären Folge von Ereignissen aufgefasst; sie waren ein Rätsel. Beim Würfeln dachte man: Kennte man den exakten Ablauf, würde man das Wurfergebnis erklären können. Aber man hatte nicht bedacht, dass ein solcher Mechanismus auch bewirken müsste, dass mit großer Genauigkeit unter jeweils sechs Millionen Würfen ziemlich genau eine Million Mal die Sechs vorkommt.

Poppers Wahrscheinlichkeit des singulären Ereignisses folgt nicht aus der gemessenen Häufigkeit, sondern ist eine Vermutung – zum Beispiel eine, die sich auf die Symmetrie des Würfels stützt. Sie ist eine hypothetische Theorie mit einer bestimmten Häufigkeitsvorhersage, die durch wiederholtes Würfeln geprüft werden kann.

Zusammenfassung 1982: Das Zufallsproblem der Logik der Forschung ist nun gelöst

Das ‚Grundproblem der Zufallstheorie‘ ist eines der interessantesten Probleme, die Popper entdeckt hat: Wenn man als Determinist die Wahrscheinlichkeit als Nichtwissen interpretiert, wie kann man dann aus diesem Nichtwissen beliebige exakte Häufigkeitsgesetze folgern?47 Beispielsweise kann man berechnen, dass beim Würfeln unter 25 Würfen mit 99 % Wahrscheinlichkeit mindestens einmal die Sechs auftreten wird. Auch die Häufigkeitsinterpretation als objektive Wahrscheinlichkeitsinterpretation kann dafür keine Ursache angeben. Erst die Propensitäteninterpretation der Wahrscheinlichkeit löst dieses Problem: Die Propensität des einzelnen Wurfes ist die Ursache für alle statistisch prüfbaren Konstellationen.

Postskript II: Das offene Universum

Vorwort 1982

In diesem Band geht es um die menschliche Freiheit und um unseren Umgang mit der Zukunft. Das große Manko: Wir kennen die Zukunft nicht. Liegt der Grund dafür in unserer Unwissenheit oder in der prinzipiellen Unbestimmtheit der Zukunft?

Popper bringt zahlreiche Argumente für die Offenheit der Zukunft vor, die sich auf die Widerlegung des Determinismus und auf eine Analyse der Kausalität stützen. Sie sind alles andere als unwichtig, denn wäre der Determinismus wahr, könnte es keine Freiheit und keine Verantwortung geben; und es gäbe keine Kreativität und nie etwas wirklich Neues, weder im menschlichen Leben, noch in der biologischen Evolution, noch im Universum.

Solche mehr kosmologischen Fragen sind der Hintergrund dieses Buches. Im Vordergrund geht es um die physikalischen Voraussetzungen des deterministischen Weltbildes, vor allem um den alten Kausalitätsbegriff, demzufolge „jedes Ereignis durch ein vorhergehendes Ereignis verursacht wird“,48 und um den ‚Laplaceschen Dämon‘, der alle augenblicklichen Zustände dieser Welt kennt und daraus alle zukünftigen berechnet. Seit der Heisenbergschen Unschärferelation (1927) weiß man, dass das nicht möglich ist. Popper hält es für wichtig zu zeigen, dass auch die klassische Physik vor 1927 den Determinismus hätte widerlegen können.

Arten des Indeterminismus

Diesen klassischen Determinismus widerlegt Popper ähnlich wie Alfred Landé damit, dass er dessen absurde Konsequenzen aufzeigt. Wollte man vorhersagen, welche Augenzahl ein Würfel zeigen wird, dann müsste man viel genaueres Wissen haben als es praktisch überhaupt möglich ist. Zum Beispiel müsste man auch die Maserung des Holzes der Tischplatte in Rechnung stellen, die Herkunft des Baumes im Walde einbeziehen und zurückverfolgen, wie aus dem Samenkorn und der Erde die Strukturen der Tischplatte entstanden sind, die am Ende den Würfel so zum Stillstand kommen lassen werden, dass er die Sechs zeigt. Dieses ‚Prinzip der Berechenbarkeit‘, das der Determinismus impliziert,49 führt, auch ohne auf die Quantenmechanik zurückzugreifen, zu Absurditäten und damit zur Widerlegung des Determinismus.

Natürlich gibt es Prozesse in der Welt, die sehr genau vorhersagbar sind, Planeten und Uhren zum Beispiel. Viel unbestimmter sind Wolken, Poppers Paradebeispiel für indeterminierte Systeme. Zwischen den Extremen spielt sich die wirkliche Welt ab: Auch Menschen sind teils Wolken, teils Uhren.

Der ‚wissenschaftliche‘ Determinismus

Die Behauptung, die klassische Physik sei deterministisch und nur die Physik der Quantenmechanik indeterministisch, ist nicht haltbar.

Auch ohne das Prinzip der Berechenbarkeit zu bemühen, kann gezeigt werden, dass bestimmte Systeme der klassischen Physik auf chaotisch sich verzweigende Wege geraten und in eine völlig unbestimmte Zukunft führen.50

Die Argumente für den Indeterminismus

In diesen Bänden der 1950er-Jahre möchte Popper zeigen, dass der Determinismus ohne Hilfe von Seiten der Quantenmechanik widerlegt werden kann, weil andernfalls der Eindruck entstünde, nicht die menschliche, sondern nur die Mikrowelt der Atome und Moleküle sei von diesem Phänomen betroffen.

Wie das Beispiel der Matthäuspassion zeigt, die nicht vorhersagbar ist, selbst wenn man Bachs Körper und Gehirn beliebig zerlegen und untersuchen könnte,51 ist der Indeterminismus eine Tatsache. Es kann also nicht darum gehen zu zeigen, wie er möglich ist, sondern woher er rührt und welche Systeme er betrifft.

Popper diskutiert viele Argumente. Das wichtigste ist zugleich das einfachste: Die Zukunft ist offen, weil wir das Wissen von morgen nicht schon heute haben und weil die menschliche Zukunft stark von zukünftigem Wissen abhängt, zum Beispiel von zukünftigen Erfindungen und Entdeckungen.52

Metaphysische Fragen

1950 hielt Popper in Princeton (USA) einen Vortrag über den Indeterminismus, der auch von Albert Einstein und Niels Bohr besucht wurde. Popper führte drei Gespräche mit Einstein und versuchte, diesen von seinem Determinismus abzubringen.53 Kurz vor seinem Tod 1955 soll Einstein ihn tatsächlich aufgegeben haben.54

Was noch fehlte, um die Physik vom letzten Rest des Subjektivismus55 und Idealismus zu befreien,56 waren Poppers Propensitäten. Wir kennen sie auch aus dem ersten Postskript-Band, und für sie wird hier noch einmal mit den Mitteln der klassischen Physik argumentiert.

Indeterminismus ist nicht genug (Anhang von 1973)

„Indeterminismus ist nicht genug“ im Titel dieses Anhangs meint, dass der physikalische Indeterminismus nicht genügt, um die menschliche Freiheit oder den ‚freien Willen‘ zu erklären oder in Gang zu halten. Der physikalische Indeterminismus bringt zwar den Zufall ins Spiel und erklärt die Offenheit des Universums und der biologischen Evolution, aber dieser Zufall ist ungerichtet. Dem widersprechend ist die Zielgerichtetheit des menschlichen Willens und der biologischen Evolution57 ein Faktum, wenn auch ein bis heute schwer erklärbares.

Seit 1965 bringt Popper eine neues Argument vor, das seiner gesamten Philosophie eine neue Richtung gibt: seine Welt 3-Interaktionstheorie.58 Poppers ‚Welt 3‘ enthält zum Beispiel den geistigen Gehalt des vorliegenden Handbuches. Wenn dort beispielsweise jemand einen Satz entdeckt, der ihn zum Nachdenken und zum Schreiben neuer Sätze angeregt, dann ist es völlig ausgeschlossen, diese neuen Sätze rein physikalisch vorherzusagen. Dennoch können solche Sätze, vor allem in Form von Verfassungen oder Kriegsplänen, unsere physische Welt erheblich verändern.

Jeder Willensakt ist mit einem Rückgriff auf geistige Welt 3-Inhalte verbunden. Auf welche Inhalte genau, ist nicht vorhersagbar. Der so genannte ‚freie Wille‘ kann nicht berechnet werden und ist dennoch rational nachvollziehbar. Die menschliche Zukunft ist teils zufallsbedingt, teils Welt 3-bedingt offen.

Die wissenschaftliche Reduktion und die wesentliche Unvollständigkeit aller Wissenschaft (Anhänge von 1972 und 1981)

Welt 3-Produkte wie die Matthäus-Passion können offenbar nicht auf Physik reduziert werden. Aber man kann versuchen, Biologie auf Biochemie, Biochemie auf Chemie und Chemie auf Physik zu reduzieren.59 Wenn durch solche ‚wissenschaftlichen Reduktionen‘ ein besseres Verständnis der Wissenschaft erreicht wird, sind sie erstrebenswert. Vereinfachungen allein genügen nicht.

Im Gegensatz dazu sind ‚philosophische Reduktionen‘ oft wertlos.60 Beispielsweise kann man die Vorstellung, Tiere hätten Gefühle, ganz leicht mit Hilfe eines radikalen Behaviorismus wegerklären: Der getretene Wurm krümmt sich, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, noch einmal getreten zu werden, aber er hat keine Schmerzen; Tiere verhalten sich nur so, als hätten sie Gefühle. Das sind zwar erstrebenswerte Vereinfachungen, aber als Reduktionen sind sie wertlos, weil sie, statt das Geschehen (das Verhalten) besser zu erklären, die Erklärung (das steuernde Gefühl) wegerklären.

Postskript III: Die Quantentheorie und das Schisma der Physik

Vorwort 1982: Über eine mit Realismus und Alltagsdenken verträgliche Deutung der Quantentheorie

In Band III des Postskripts tritt der Physiker Karl Popper auf, der die Objektivität, den Realismus und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit gegen die so genannte Kopenhagener Deutung der Quantentheorie verteidigt. Speziell wendet er sich gegen die

„Theorie, dass die Unbestimmtheitsrelationen die Grenzen der menschlichen Erkenntnis aufzeigen“.61

Trotz vieler experimenteller Details geht es Popper um etwas Größeres: Er will verhindern, dass die Gegner von Vernunft und Realismus in Journalistik und Geisteswissenschaften eine falsch interpretierte Physik als Kronzeugen aufrufen. Denn dann würde, wenn schon in der ‚harten‘ Wissenschaft Physik keine Objektivität möglich ist und der Erkenntnis prinzipielle Schranken gesetzt sind, das erst recht für die ‚weicheren‘ Wissenschaften und das Alltagsdenken gelten.

Schon 1934 hatte Popper, um die Objektivität der Physik zu retten, ein Experiment vorgeschlagen, das in diesem Vorwort noch einmal verbessert wird; denn Carl Friedrich von Weizsäcker hatte ihm damals einen grundsätzlichen Fehler nachgewiesen. Der Chronist der Quantenmechanik Max Jammer hält es für möglich, dass Einstein diesen Fehler in Poppers Logik der Forschung 62 bemerkt hatte und dadurch zu seinem berühmten ‚EPR-Experiment‘ angeregt worden war.63 Jedenfalls weist Einstein in seinem Brief vom 11. September 1935 an Popper auf diesen Fehler und auf sein besseres EPR-Experiment hin.64 Auch Einsteins Interpretation seines Experiments ist inzwischen durch Versuche widerlegt, und die Widerlegung fördert das Verständnis dafür, dass mit der Behauptung der Unmessbarkeit jenseits des Wirkungsquantums eine verborgene Realität nicht verleugnet, sondern ausgeschlossen wird.

Einleitung 1967: Quantenmechanik ohne den Beobachter

1967 kommt Popper noch einmal auf dieses Problem der Unmessbarkeit zurück. Da das Wirkungsquantum ein Produkt aus zwei Größen ist wie zum Beispiel Ort und Energie oder Zeit und Frequenz, lässt sich einer der beiden Faktoren beliebig exakt messen; der andere wird dann aber entsprechend ungenauer. Das hatten Heisenberg und viele Physiker nach ihm als prinzipiell unvermeidbare Störung der Messung gedeutet, als Einmischung des Beobachters in das Messergebnis und als das Ende der Objektivität in der Quantenphysik.

Popper geht es nun darum, die Objektivität unserer Welterkenntnis zu retten und zu zeigen, dass alle wissenschaftlichen Theorien von einer Wirklichkeit handeln, die unabhängig vom Menschen existiert. Er stellt dazu dreizehn Thesen auf. Die 7. These besagt, dass Elektronen in der Vergangenheit einen präzisen Ort und einen präzisen Impuls hatten, dass jedoch für die Zukunft nicht sowohl der Ort als auch der Impuls präzise vorhergesagt werden können.65 Der Teil der These über die Vergangenheit ist falsch. Dennoch hat Popper insoweit Recht, als er sagt, dass die Heisenbergsche Unschärferelation weder die Objektivität der Physik noch die aller anderen Naturwissenschaften gefährdet. Und in den Thesen 8 bis 11 plädiert er für seine Propensitäten als reale Wahrscheinlichkeiten, weil er mit ihnen die Quantenmechanik von mystischen Dingen wie ‚Reduktion des Wellenpaketes‘, ‚Welle-Teilchen-Dualismus‘ und ‚prinzipielle Einmischung des Beobachters‘ befreien kann. Elementarteilchen sind nicht halb Teilchen, halb Welle, sondern sie sind Teilchen mit realen Propensitäten, die mit Schrödingers Wellengleichungen beschrieben werden.66

Ob Physiker sich von Philosophen wie Popper beraten lassen, ist eine andere Frage. David Deutsch tut es.67

Die Quantentheorie und ihre Deutungen verstehen

Mit der Theorie der objektiven, realen Propensitäten will Popper nun „all die Schwierigkeiten lösen, die den Anlass für die Kopenhagener Deutung gaben“.68 Möglicherweise war die mit dem Determinismus verbundene subjektive Wahrscheinlichkeitstheorie schuld an dem „Eindringen des Mystizismus in die Physik“.69 Aus den gegensätzlichen Einstellungen resultierte das „Schisma der Physik“, das diesem Band den Titel gegeben hat.

Die Objektivität der Quantentheorie

Durch Erwin Schrödinger, der seine Wellen immer als etwas Reales betrachtet hat, obgleich sie, anders als räumliche Wellen, mehr als drei Dimensionen haben, sieht Popper seine Propensitätentheorie voll bestätigt. Und sogar bei Max Born, der die Schrödingerschen Wellen statistisch interpretiert und ihr Amplitudenquadrat als Aufenthaltswahrscheinlichkeit der Teilchen gedeutet hat, findet er Beistand: „Der ganz Passus [bei Max Born] liest sich wie ein Manifest der Propensitäteninterpretation“.70 Auch bei weiteren Physikern wie Paul Dirac, James Jeans, Alfred Landé und sogar bei Heisenberg entdeckt er Ansätze zur Propensitätentheorie.71 Umso mehr wundert es ihn, dass sich diese Interpretation der Teilchen und Quantensprünge noch nicht allgemein durchgesetzt hat.72

Der Weg zu einer Auflösung der Paradoxien der Quantentheorie

Deshalb wendet sich Popper nun der Auflösung der Paradoxien der Quantentheorie zu und untersucht eine Reihe klassischer physikalischer Experimente: die Streuung an Spalt und Doppelspalt sowie Einsteins EPR-Gedankenexperiment.

Was sich seit seiner Logik der Forschung vor allem geändert hat, ist, dass er objektive Wahrscheinlichkeiten nicht mehr als Häufigkeiten versteht. Nicht dem ganzen Ensemble, sondern jedem einzelnen Teilchen wird eine Propensität zugeschrieben, und Häufigkeiten dienen nur dazu, die vermuteten Werte der Propensität zu prüfen.73

Ein metaphysischer Dialog

Die Propensitätentheorie ersetzt die alte Kausalitätstheorie, wonach aller Wandel in der Welt Ursachen hat, die Wirkungen hervorrufen, die wiederum Ursachen für weiteren Wandel sind. Sie ist die neue Theorie des Wandels und damit eine neue Welterklärung:

„Der Indeterminismus und die Propensitäteninterpretation der Wahrscheinlichkeit erlauben uns, ein neues Bild der physikalischen Welt zu entwerfen“.74

Poppers Propensitätentheorie ist aus einem metaphysischen Forschungsprogramm hervorgegangen. Darunter versteht man forschungslenkende Leitideen, zum Beispiel die Leitidee, die Materie könnte aus kleinen Atomen bestehen oder das Universum müsse einen Anfang gehabt haben. Metaphysische Forschungsprogramme sind lange Zeit – manchmal tausend oder mehr Jahre – keine Theorien der Wissenschaft, die man empirisch prüfen könnte; sie sind aber für den Gang der Forschung extrem wichtig.75 Die metaphysischen Forschungsprogramme von Materie, Raum, Struktur des Universums und Kausalität haben die Wissenschaft vorwärts gebracht. Popper erläutert das anhand der Problemgeschichte der Materie.76

Die Dynamik der Forschungsprogramme rührt von ihrem „rein spekulativen Charakter“ her, der unbedenklich ist, solange er „kritikempfänglich“ bleibt.77 Daran hapert es heute. Popper zeigt, welche Forschungsprogramme zum Schisma der Physik geführt haben.78 Die Vertreter der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik haben durch Kritik dazugelernt, aber ihr ‚Standardmodell‘ hat immer noch etwas Dogmatisches: Es stellt die heutige Quantenphysik als das „Ende des Weges“ dar, als die endgültige Physik mit ihrer eigenen Grammatik und ihrem technischen Jargon, eine Physik, die zur „Privatangelegenheit für Experten“ geworden ist.79 Man sucht nicht mehr nach einem tieferen Verständnis, sondern begnügt sich damit, die Formeln der Quantenphysik als Instrumente zu benutzen, als eine Technik, um letztlich die physische Welt zu beherrschen. Die Quantenmechanik könne man nicht wirklich verstehen, behauptete Richard Feynman, der nicht nur ein großer Physiker war, sondern auch ein hochbegabter Pädagoge.80 Popper dagegen glaubt,

„dass wir am Ende doch Wege gefunden haben, die physikalische Welt zu verstehen“.81 „Das Ziel ist ein Weltbild, in dem Raum bleibt für biologische Phänomene, menschliche Freiheit und menschliche Vernunft“.82

Schlussbemerkung

Ein durchgehender Zug der drei hier besprochenen Postskript-Bände ist: Am Anfang der wissenschaftlichen Forschung und der täglichen Erfahrung steht nicht die Beobachtung, sondern das Problem. Dann folgt als Problemlösungsversuch die Theorie und danach die kritische Prüfung mit Hilfe von Beobachtungen und Experimenten. Was richtig und was falsch ist‚ entscheiden wir anhand der Frage, ob das Problem gelöst wurde oder nicht. Das ist die universelle Methode für Wissenschaft, Philosophie, Metaphysik, Theologie, Glaube und sogar für die Kunst. Das Talent, das man zum Problemlösen braucht, ist wichtiger als eine Fachausbildung, und es ist erlernbar. Lassen wir das Schlusswort Karl Popper selbst sprechen:

„Ich denke, dass es letztlich nur den einen Weg zur Wissenschaft oder zur Philosophie gibt: dass Sie auf ein Problem stoßen, seine Schönheit erkennen, sich darein verlieben; mit dem Problem dann geradezu verheiratet sind und glücklich mit ihm leben, sozusagen ‚bis dass der Tod euch scheidet‘, – es sei denn, Sie stoßen auf ein anderes, noch faszinierenderes Problem oder Sie hätten tatsächlich eine Lösung gefunden. Aber selbst wenn Sie eine Lösung gefunden haben: Zu Ihrer Freude werden Sie vielleicht bald entdecken, dass es eine ganze Familie von bezaubernden, wenn auch möglicherweise schwierigen Problemkindern gibt, für deren Wohlergehen Sie arbeiten können, mit einem Ziel vor Augen, bis an das Ende Ihrer Tage“.83

Fußnoten

  1. 1.

    Beispielsweise Zeilinger 2003.

  2. 2.

    Besondere Einstellung zu Problemen: Popper 1983, S. 7; Problemlösungsmethode, Kurzanleitung: Popper 1982b, S. 230; als neues Forschungsprogramm mit Beispielen: Popper 1958.

  3. 3.

    Popper 1983, S. 93.

  4. 4.

    Popper 1974, S. 226.

  5. 5.

    Hacohen 2000, S. 527, Bartley in Popper 1983, S. 463–465.

  6. 6.

    Etliche Fußnoten weisen auf spätere Zusätze und Bearbeitungen hin.

  7. 7.

    Popper in Artigas 1999, S. 29–33.

  8. 8.

    Popper 1945, Band II, Kap. 24, Abschn. II, S. 271.

  9. 9.

    Vergleiche dazu Popper 1983, Kap. I, Abschn. 2, der nach 1960 geschrieben und 1979 noch einmal überarbeitet wurde (siehe dort Anm. 1).

  10. 10.

    Popper in Artigas 1999, S. 29–33.

  11. 11.

    Popper 1982b, S. 230.

  12. 12.

    Popper 1982b, Kap. IV, Abschn. 24.

  13. 13.

    Popper 1963, Kap. 8, Abschn. 2.

  14. 14.

    Poppers problemlösende Ethik in Niemann 2018a, Abschn. 4; die Weiterbearbeitung von Poppers Problemlösungsmethode in Niemann 1993 und 2008. Popper über das Arbeiten an Problemen in Popper 1983, Vorwort von 1956, S. 6–7.

  15. 15.

    Popper 1983, S. XIV.

  16. 16.

    Auch in Popper 1983, S. 215.

  17. 17.

    Popper 1983, S. 217, 282; siehe dazu auch Niemann 2004, ‚Unproblematisches Wissen‘.

  18. 18.

    Feyerabend 1975; dieses Buch rangiert bei amazon.com auf Platz 90.000, Poppers Logik nur auf Platz 170.000 (11. Nov. 2017).

  19. 19.

    Popper 1983, S. 4.

  20. 20.

    Popper 1983, S. 3.

  21. 21.

    Kuhn war bei einer Harvard-Vorlesung 1950 sein Schüler: Hacohen 2000, S. 531.

  22. 22.

    Lakatos besuchte seit 1958 Poppers Seminar an der LSE (London School of Economics).

  23. 23.

    Popper 1974, S. 228.

  24. 24.

    Kuhn in Lakatos und Musgrave 1970, S. 15.

  25. 25.

    Lakatos in Lakatos und Musgrave 1970, S. 89–189.

  26. 26.

    Siehe dazu Bartley in Popper 1982b, Anm. 42, S. 38.

  27. 27.

    Poppers Diskussion des Induktivismus in Popper 1930, 1931, 1932, 1933, 1935, 1983 (geschrieben 1956) und sehr prägnant 1971 in Popper 1972, Kap. 1.

  28. 28.

    Jürgen August Alt in Franco 2018.

  29. 29.

    Popper 1983, Teil I, Abschn. 4, Argument (1) und Unterabschnitt I mit der Russell-Literatur in Anm. 1.

  30. 30.

    Popper 1983, Teil I, Einleitung 1982, Abschn. I, und Teil I, insbes. Abschn. 19.

  31. 31.

    Popper 1983, Teil I, Abschn. 21.

  32. 32.

    Popper 1935, Abschn. 15 mit Anm. *1.

  33. 33.

    Popper 1983, Teil I, Abschn. 11.

  34. 34.

    Popper 1983, Teil I, Abschn. 17.

  35. 35.

    Popper 1983, S. 225.

  36. 36.

    Popper 1983, S. 245.

  37. 37.

    Popper 1935, Abschn. 80.

  38. 38.

    Popper 1983, Teil I, Abschn. 31, S. 282; sowie Teil I, Abschn. 2, Anm. 13; Popper 1935, Abschn. 85 und Zusatz (1968).

  39. 39.

    Warum diese Arbeit? In: Popper 1935, Abschn. *II, S. 308.

  40. 40.

    Waismann, F., Erkenntnis 1 (1930), 238, zitiert in Popper 1935, Abschn. 49, Anm. 2.

  41. 41.

    Popper 1983, Teil II, Kap. I und II. Siehe auch Bartleys erste Anmerkung zu Kap. I. Das Programm der subjektivistischen Wahrscheinlichkeit: Teil II, zu Beginn des Abschn. 19.

  42. 42.

    Beispiele dazu in Niemann 2004, ‚Objektivismus‘.

  43. 43.

    Popper 1983, Teil II, Kap. I, ist eine Fortsetzung von Popper 1935, Abschn. 48.

  44. 44.

    Popper 1983, Teil II.

  45. 45.

    Popper 1983, Teil II, Kap. II, Abschn. 8; und etwas technischer in Abschn. 18.

  46. 46.

    Popper 1983, Teil II, Kap. II, Abschn. 8.

  47. 47.

    Popper 1935, Abschn. 49.

  48. 48.

    Popper 1982a, S. XI.

  49. 49.

    Popper 1982a, Abschn. 3.

  50. 50.

    Popper 1982a, Abschn. 14.

  51. 51.

    Popper 1982a, S. 45.

  52. 52.

    Popper 1982a, S. 68.

  53. 53.

    Siehe Popper 1982a, Kap. I, Anm. 2; Popper 1974, S. 192–198.

  54. 54.

    Popper 1982a, S. 4.

  55. 55.

    Niemann 2004, ‚Subjektivismus‘.

  56. 56.

    Auch heute noch schwankt die Physik zwischen Objektivismus (wie bei David Deutsch 1997) sowie Subjektivismus und Idealismus (wie bei Anton Zeilinger 2003).

  57. 57.

    Zur Zielverfolgung in der Biologie: Niemann 2018c, Abschn. „Kreative Nischensuche“, „Nicht das Leben …“ bis „Das Wissen von Zellen“„Alles Leben beginnt mit Aktivität“.

  58. 58.

    Zu Poppers Welt 3 siehe Niemann 2018b.

  59. 59.

    Popper 1982a, S. 145.

  60. 60.

    Popper 1982a, S. 138–139, 168–171.

  61. 61.

    Popper 1982a, S. 209.

  62. 62.

    Popper 1935, Abschn. 77.

  63. 63.

    Jammer 1974, S. 174 und 178, hier erwähnt im Vorwort von 1982, S. 19, Anm. 20. Das EPR-Experiment in Einstein et al. 1935.

  64. 64.

    Popper 1935, S. 495–498; siehe dazu Popper 1982b, Vorwort 1982, Anm. 20 und 24.

  65. 65.

    Popper 1982b, S. 73.

  66. 66.

    Popper 1982b, S. 98.

  67. 67.

    Deutsch 1997, siehe ‚Popper‘ im Register.

  68. 68.

    Popper 1982b, S. 114.

  69. 69.

    Popper 1982b, S. 115.

  70. 70.

    Popper 1982b, S. 151.

  71. 71.

    Popper 1982b, S. 153–155.

  72. 72.

    Popper 1982b, S. 156–165.

  73. 73.

    Popper 1982b, S. 166.

  74. 74.

    Popper 1982b, S. 183.

  75. 75.

    Vgl. auch Popper 1983, Teil I, Abschn. 15 und 23.

  76. 76.

    Popper 1982b, S. 190–199.

  77. 77.

    Popper 1982b, S. 198.

  78. 78.

    Popper 1982b, Abschn. 21.

  79. 79.

    Siehe die Eintragung ‚Ende des Weges‘ im Register von Popper 1982b.

  80. 80.

    Feynman 1965, S. 129.

  81. 81.

    Popper 1982b, S. 199.

  82. 82.

    Popper 1982b, S. 184.

  83. 83.

    Popper 1983, Vorwort 1956, S. 6–7.

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Authors and Affiliations

  1. 1.PoxdorfDeutschland

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