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Popper, Darwin und die Biologie

  • Hans-Joachim Niemann
Living reference work entry
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Part of the Springer Reference Geisteswissenschaften book series (SPREFGEIST)

Zusammenfassung

Karl Poppers Hauptthesen zur Evolution werden erläutert und diskutiert: (1) Nicht die natürliche Selektion, sondern Präferenzen und Neugier der Organismen bestimmen die Kreativität und Richtung der Evolution. (2) Das Rätsel des Lebens besteht weniger darin, wie es entstand, als wie es sich anpassen konnte. (3) Anpassung ist Wissenserwerb über die Umwelt, und alle Organismen enthalten Wissen. (4) Wir erben nicht nur tote DNA-Moleküle, sondern auch die Zelle; sie trägt das Leben weiter und weiß, was man mit der DNA macht. Diese vier Thesen sind mit Darwins Theorie voll verträglich.

Schlüsselwörter

Biophilosophie Evolutionstheorie Aktiver Darwinismus Organisches Wissen Gen-zentrierte Biologie 

Karl Popper als Biophilosoph

Karl Popper hat sich einen Namen als Wissenschaftstheoretiker (Logik der Forschung) und Sozialphilosoph (Die Offene Gesellschaft) gemacht. Weniger bekannt ist sein drittes, biophilosophisches Hauptwerk, das eine Neuinterpretation der Darwinschen Evolution, Ideen zum Ursprung und Kern des Lebens, die Evolutionäre Erkenntnistheorie, das biologische Leib-Seele-Problem und die biologisch begründete Lehre vom exosomatischen Werkzeug ‚Welt 3‘ umfasst1. Das wird im Folgenden erläutert, mit Ausnahme des Leib-Seele-Problems und der ‚Welt 3‘, die an anderer Stelle im vorliegenden Band behandelt werden2.

Poppers Neu-Interpretation des Darwinismus

Poppers biologische Ausgangspunkte

Seit frühester Jugend hatte Karl Popper sich für die Evolutionsbiologie interessiert3. Aber erst in seinen späten 40er-Jahren nahm sein Interesse an Biologie wissenschaftliche Züge an, als er Lösungen für das alte Leib-Seele-Problem suchte, also für die Frage, wie Gefühle und Gedanken physikalische Wirkungen entfalten können. Er diskutierte mit dem Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger dessen Buch ‚Was ist Leben?‘ (1944), das bereits eine molekulare Theorie der Gene enthielt4. 1951 begann die Zusammenarbeit mit seinem Freund, dem Neuro-Wissenschaftler und späteren Nobelpreisträger John Eccles. 1977 veröffentlichten sie gemeinsam die biologische Lösung des Leib-Seele-Problems5. Mit einem anderen Freund, dem Biologen und Nobelpreisträger Peter Medawar, diskutierte er seine Neu-Interpretation von Darwins Evolutionstheorie. In seinem neunten und zehnten Lebensjahrzehnt wurde der Chemiker und Evolutionsexperimentalist Günter Wächtershäuser bei Fragen der Entstehung des Lebens aus anorganischer Materie sein bevorzugter Gesprächspartner6. Poppers Interesse am Leib-Seele-Problem hielt lebenslang an. Den letzten Vorschlag dazu machte er als 92-Jähriger7. Der Hirnforscher Benjamin Libet schätzte sein ‚Zweistufenmodell‘ des Leib-Seele-Problems8.

Seine erste evolutionsbiologische Vorlesung von 1961 war eine wesentliche Verbesserung von Darwins Theorie, die aber Darwins Erklärung der Entstehung der Arten durch ‚Variation und Selektion‘ nicht leugnete9. In Poppers Erklärung spielen die Neugier und die Vorlieben der Organismen die Hauptrolle. Das sind die kreativen Elemente. Darwins natürliche Selektion hat lediglich die Funktion, Fehler der Organismen bei der „Suche nach einer besseren Welt“ (ein Buchtitel Poppers) zu korrigieren. Erst ein halbes Jahrhundert später wurde Poppers Neu-Interpretation des Darwinismus von Evolutionsbiologen ernst genommen10.

Zunächst erregte nur Poppers Kritik an Darwin einiges Aufsehen, weil er dessen Theorie wegen fehlender Falsifizierbarkeit als Beispiel für unwissenschaftliche Theorien erwähnt hatte11. Die empirische Widerlegbarkeit oder Prüfbarkeit einer Theorie ist unerlässlich, wenn diese Teil der Wissenschaft sein soll12. Diesen Test bestehen einige Formulierungen des Darwinismus nicht, weil sie nicht falsifizierbar sind, zum Beispiel Herbert Spencers Erklärung der Entstehung der Arten mit Hilfe der Theorie des ‚survival of the fittest‘13. Da die Überlebensfähigsten fast immer überleben, ist diese Theorie kaum empirisch widerlegbar, und diese Unwiderlegbarkeit ist keine Auszeichnung, sondern ein gravierender Mangel.

Dennoch kann der Darwinismus auch als unprüfbare Theorie und ‚metaphysisches Forschungsprogramm‘ wertvoll und weiterführend sein und später einmal wissenschaftlichen Status erlangen14. Spätestens seit 1965 hielt Popper viele Thesen des Darwinismus, beispielsweise die Tatsache der Variabilität des Erbgutes und die natürliche Selektion, für prüfbar:

„Ich habe meine Ansicht über die Prüfbarkeit und den logischen Status der Theorie der natürlichen Selektion geändert“15.

Popper war kein Gegner Darwins, sondern einer seiner Bewunderer. Der vordarwinschen Evolutionstheorie, wonach alles Leben sich in vielen Millionen Jahren aus einfachen Anfängen entwickelt hat, stimmte er ohnehin voll zu, und zwar seit seinem 12. Lebensjahr, wie er schrieb16. Auch den Darwinismus akzeptierte er, weil die Rede vom blinden Zufall der Variation und von der natürlichen Selektion durch eine bessere Formulierung leicht vermieden werden kann: Organismen, die besser angepasst sind als andere, haben größere Chancen, Nachkommen zu hinterlassen 17. Ebenso akzeptierte er die Theorien über Vererbung, Populationsgenetik, Variabilität des Erbguts.

Alle Lebewesen steuern ihre eigene Evolution

Diese ‚Darwinismus‘, ‚Neo-Darwinismus‘ oder ‚Theorie der natürlichen Auslese‘ genannten Theorien sind für Popper der Ausgangspunkt seiner Verbesserungen. Er konzentriert sich auf die beiden damals unstrittigen Faktoren, die angeblich allein für die Evolution verantwortlich sind:
  1. (1)

    Variabilität der DNA infolge von Zufallsprozessen.

     
  2. (2)

    Natürliche Selektion.

     

Wie für die meisten Biologen war für Popper ‚natürliche Selektion‘ eine anschauliche und nützliche Metapher, die nicht wirklich die Natur mit einem Tier- oder Pflanzenzüchter vergleicht. Er ging davon aus, dass ‚selektierender Einfluss der physikalischen und organischen Umwelt‘ gemeint ist. Ausdrücke wie Herbert Spencers ‚survival of the fittest‘18 oder Darwins ‚Kampf ums Dasein‘19 sind für ihn wie für die meisten Biologen ideologische Ausdrücke, die nicht zur Wissenschaft gehören.

Dieser passive Darwinismus schien bis dahin, und scheint vielen noch heute, alternativlos. Von der einzigen Alternative, dem Kreationismus20, kann man absehen, da er auf wissenschaftliche Prüfbarkeit keinen Wert legt. Popper schlägt eine neue, prüfbare Alternative vor, die er den aktiven Darwinismus nennt.

Die beiden Faktoren (1) und (2) hält er für irreführend und unwahr, weil es nicht stimme, dass sie die einzigen ursächlichen Faktoren für die Evolution seien. Popper wird zeigen, dass weder die durch blinden Zufall ausgelösten Mutationen noch die natürliche Selektion, die das Erfolglose wegselektiert, kreativ sind. Vielmehr rührt die Kreativität der evolutionären Prozesse von der Aktivität der lebenden Organismen her.

Es sind die Individuen mit ihren Eigenarten, Vorlieben und Aktivitäten, die eine wichtige Rolle in der Evolution spielen. Auch andere hatten das schon vor Popper erkannt, beispielsweise James Baldwin, nach dem der ‚Baldwin-Effekt‘21 benannt ist: Der Grottenolm wich seinen Fressfeinden durch Rückzug in dunkle Höhlen aus. Da das Erbgut von Individuum zu Individuum leicht unterschiedlich ist, war eine Auswahl der besser Angepassten möglich. In der dunklen Höhle verlagerten sich deren Fähigkeiten, die Umwelt wahrzunehmen, von den Augen, die blind wurden, auf andere Sinnesorgane.

Dieser Baldwin-Effekt war lange bekannt, aber in der Theorie der Darwinisten spielte er nur eine kleine Nebenrolle. Popper Verdienst ist es, gezeigt zu haben, dass die Eigenarten, Vorlieben und Aktivitäten der individuellen Organismen nicht Nebeneffekte, sondern die wichtigsten Faktoren der Evolution sind; von ihnen hängt die Richtung der Evolution weitgehend und ihre Kreativität ausschließlich ab.

Diese Theorie, die Popper seit seiner Herbert Spencer-Vorlesung von 1961 vertreten hat,22 gewinnt erst jetzt unter den Biologen des ‚Third Way of Evolution‘ und des ‚extended Darwinism‘ zunehmend an Bedeutung23. Sie enthält viele Argumente und Erläuterungen zu seiner ‚Spearhead-Theorie‘ und zu seinem ‚genetischen Dualismus‘, auf die ich hier aus Platzgründen nicht eingehen kann24.

Der Darwinismus versucht, das Leben wegzuerklären

Bei den Darwinisten seiner Zeit, aber auch noch bei der Mehrheit der heutigen Biologen, gibt es einen Hang, die schöpferische Kraft der Evolution auf zufällige Mutationen und natürlichen Auslese zurückzuführen. Popper erklärt das damit, dass „der passive Darwinismus das Opfer bestimmter pessimistischer Ideologien ist“, und zwar speziell der Ideologie des Determinismus. Einer der bedeutendsten Interpreten Darwins, Thomas Henry Huxley25, war Determinist, und Popper befürchtete, dass dessen Ideologie immer noch weit verbreitet und virulent sei, weshalb die Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Darwinismus erst begriffen werden könne, wenn der Determinismus endgültig begraben sei.

Der Darwinismus, klagte Popper, versucht, das Leben wegzuerklären26: Alles Geistige, wie die Wünsche und die auf Ziele ausgerichteten Aktivitäten der Organismen, soll eliminiert und mit Hilfe des Mechanismus von Variation und Selektion erklärt werden. Alles Organische will man auf Anorganisches reduzieren: Biologie auf Biochemie; Biochemie auf Chemie; und Chemie auf Physik. Diese unkritisch übernommenen Reste der Ideologie des Materialismus und des Determinismus verhindern es, Dinge zu akzeptieren oder beim Namen zu nennen, die über Physik und Chemie hinausgehen.

Die natürliche Auslese ist nicht kreativ

Dadurch wird aber eine ganze Welt äußerst interessanter Zusammenhänge fast absichtlich ausgeblendet, obwohl es gar nicht so schwer ist zu erkennen, woher zum Beispiel die Kreativität der Evolution kommt. Ich nenne zwei von Poppers Argumenten.

Ein erst kürzlich im Popper-Archiv Klagenfurt entdecktes Gedankenexperiment27 zeigt, dass die natürliche Selektion nicht in der Lage ist, die Kreativität der Evolution zu erklären. Popper konstruiert eine Welt, in der es keine natürliche Selektion gibt und in der alle jemals entstandenen Arten auch heute noch leben. Die natürliche Selektion kann diese Vielfalt also nicht hervorgebracht haben, weil sie in diesem Experiment nicht vorkommt. Die Kreativität der Evolution und das, was Darwin die ‚Wunder der Natur‘ nannte, können daher nicht von der natürlichen Selektion herrühren, auch nicht vom Kampf ums Überleben und auch nicht vom Überleben der Anpassungsfähigsten.

Zwanzig Jahre nach Poppers Tod bestätigen Experimente des Evolutionsbiologen Andreas Wagner: „Natürliche Selektion kann Innovationen bewahren, aber sie nicht hervorbringen“28.

Ein zweites Argument trug Popper in seiner Medawar Lecture von 1986 vor29. Das Leben in seinen Anfängen musste sich auf seine Umgebung einstellen. In manchen Regionen gedeiht das Leben leichter, in anderen schwerer. Nur durch Versuch und Irrtum können die einzelnen Organismen bessere Lebensbedingungen oder besser an die Umgebung angepasste Lebensweisen finden. Kreative Aktivität ist also von Anfang an lebensnotwendig; die natürliche Selektion braucht man nicht, um die Kreativität der Natur zu erklären. Viele Organismen finden dank kreativer Aktivität ausgefallene Nischen, in denen es sich besser leben lässt als anderswo: Der Enzian besiedelt leere Hochgebirgsräume, der Anglerfisch die Tiefen der Meere. Viele verändern ihre Umwelt, oder sie schaffen sich eine eigene: Biber stauen Flüsse, Vögel bauen Nester, Spinnen weben Netze.

Wer sich bei den Versuchen, neue Welten zu finden oder sich ihnen anzupassen, irrt, der hat weniger Nachkommen oder stirbt. ‚Natürliche Auslese‘ nennt man das, und man glaubte, sie sei das Kreative in der Evolution und schaffe die vielen Arten. Bis 1961 glaubte auch Karl Popper das30. Aber in dieser Art der Fehlerbeseitigung durch Aussterben liegt nichts Kreatives. Das Kreative bei Anwendung der Methode von Versuch und Irrtum liegt nicht im Irrtum, sondern in dem Versuch, neue Lebensräume oder Lebensweisen auszuprobieren. Und daher verdanken wir die Kreativität der Evolution fast ausschließlich der Tatsache, dass alle Lebewesen Problemlöser sind und ständig nach einer besseren Umwelt suchen.

Kreative Nischensuche statt tödlicher Konkurrenz

Mithin hat die natürliche Selektion nicht die Bedeutung, die ihr der passive Darwinismus zumisst. Dem tödlichen Irrtum zu entkommen, das schlichte Überleben, ist nicht der Kern des evolutionären Lernens. Der wesentlichere Teil dieses Lernens besteht im Ausprobieren neuer Verhaltensweisen und in der ‚Suche nach einer besseren Welt‘.

Wie die Ergebnisse der Suche vererbt werden – lamarckistisch, darwinistisch, epigenetisch oder sonstwie –, ist für die Beantwortung der Frage nach der Kreativität und der Richtung der Evolution irrelevant. Die Kreativität rührt nicht von blinder Variation und natürlicher Auslese her, sondern in erster Linie von der Aktivität der Organismen selbst. Mit Neugier, Wünschen und Vorlieben versuchen sie ständig, günstigere Lebenswelten und passendere Lebensweisen zu finden. Kampf und Vernichtung von Konkurrenten sind allzu lange als das biologische Lebensprinzip überbetont worden. Popper behauptet,

„dass hauptsächlich die Vorliebe für Nischen zur darwinschen Evolution führt. Die Organismen sind aktiv; sie suchen nach einer besseren Nische. Und dann sorgt diese Nische, diese Umgebung irgendwie dafür, dass der besser angepasste Organismus mehr Nachkommen hinterlässt“31.

Von ‚Nische‘ spricht Popper in einem sehr allgemeinen Sinn, der auch Lebensweisen einschließt, die es ermöglichen, konkurrenzlos mit anderen Arten im selben Lebensraum zu leben: Kühe und Schmetterlinge leben in derselben Wiese und stören einander nicht32.

So führt die Nischensuche zur Spezialisierung. Nach jeder per Versuch und Irrtum gefundenen neuen Nische geht es darum, wiederum per Versuch und Irrtum die Anpassung an diese Nische zu verbessern. So ist Anpassung ein doppelter Lernprozess: (1) Eine geeignete Nische finden und (2) dann lernen, deren neue Möglichkeiten auszuschöpfen, was bedeutet, dass der Organismus sich eine Menge Wissen über diese Nische aneignen muss. Und Anpassung ist nicht nur irgendwie mit Wissen verbunden, sondern Popper weist ausdrücklich darauf hin, „dass ich mehr oder weniger Anpassung und Wissen gleichsetze“33.

Anpassung ist aktiver Wissenserwerb

Nicht das Leben, seine Angepasstheit ist extrem unwahrscheinlich

Alles Leben war von Anfang an mit dem Erwerb von Wissen verbunden34. Dazu zeigt Popper in einem weiteren Gedankenexperiment35, dass schon das erste Leben ein großes Problem mit der Anpassung gehabt haben muss, eben deshalb, weil Anpassung bedeutet, sehr viel Wissen über die Umwelt in Erfahrung zu bringen.

Popper nimmt an, es sei in irgendeinem Labor gelungen, künstliches Leben zu schaffen. Irgendetwas Chemisches befindet sich im Reagenzglas, es kann gefüttert werden, es scheidet aus, was nach der Verdauung übrig bleibt, es vermehrt sich durch Teilung, und es hört nicht auf zu wachsen. Die Forscher sind sich einig: Es handelt sich um echtes Leben. Aber etwas Wichtiges fehlt ihm, das alles natürliche Leben auszeichnet: Es ist nicht an seine Umgebung –das Reagenzglas! – angepasst. Es ist an die Forscher angepasst, die es versorgen: Es muss von außen gefüttert, beschützt und seine Stoffwechsel-Abfälle müssen entsorgt werden. Und sobald es im Reagenzglas eng wird, müssen die Forscher dafür sorgen, dass die ‚Nachkommen‘ in anderen Reagenzgläsern aufwachsen und dort versorgt werden. Um wirklich dem natürlichen Leben zu gleichen, müsste in dieses künstliche Leben noch eine biologische Maschinerie eingebaut werden, die alles ‚weiß‘, was die Forscher über den Erhalt des Leben wissen, unter vielem anderen auch, wie man eine geeignete Umwelt findet und aus ihr jene Stoffe gewinnt, mit denen das synthetische Leben gefüttert werden kann. Leben, das von allein überleben will, muss dieses umfangreiche Umweltwissen mitbringen, sonst stirbt es, sobald die Forscher es sich selbst überlassen.

Nicht dass Leben entstanden ist, ist das höchst Unwahrscheinliche, sondern dass ihm die Anpassung an die Umwelt gelungen ist. Die Entstehung von Leben ist vielleicht gar nicht so extrem selten, wie Jacques Monod vermutete36, sagt Popper und hält es für möglich,

„dass der Versuch dazu viele, viele Male gemacht worden ist: Organismen sind mit einer gewissen Anpassung entstanden, aber mit noch nicht genug Anpassung, bis dann endlich ein Organismus überlebte, der ausreichend gut an die Umgebung, in der er entstand, angepasst war.“37

Ausreichende Anpassung ist extrem unwahrscheinlich, weil sie, wie in Poppers Gedankenexperiment gezeigt, außerordentlich viel Wissen über die Umwelt voraussetzt.

Anpassung ist Popper zufolge identisch mit Wissen erwerben. Was seit Darwin ‚Anpassung‘ genannt wurde, ist jetzt kein letztes biologisches Erklärungsprinzip mehr, auch wenn es bis heute noch so verwendet wird. Anpassung kann nun viel konkreter als Wissenserwerb erklärt werden38.

Bevor ich auf das Wissen von Organismen und das Wissen der Zelle näher eingehe (in Abschn. „Das Wissen von Zellen, Pflanzen und Tieren“), muss ich zeigen, wie Popper den naheliegenden Einwand entkräftet, unerlaubt anthropomorphe Ausdrücke in die Biologie einzuführen. Darf man Ausdrücke wie ‚Ziele verfolgen‘, ‚Erwartungen haben‘, ‚Wissen erwerben‘, die in der menschlichen Welt einen klaren Sinn haben, auf Organismen (Pflanzen, Tiere, Zellen), Organe (Herz, Niere) und sogar auf Organellen (Mitochondrien, Ribosomen) übertragen?

Nicht nur dieser Anthropomorphismus-Verdacht stört das adäquate Verständnis von Poppers aktivem Darwinismus. Auch die Tatsache stört, dass Erklärungen, in denen Organismen, Organe und Organellen ‚Ziele verfolgen‘, ‚Erwartungen haben‘ und ‚Wissen erwerben‘, sich quasi in Nichts auflösen, wenn man die dahinter stehenden Prozesse auf Physik und Chemie reduziert hat. Deshalb zeige ich in den Abschn. „Nichtreduzierbarkeit der Biochemie auf Physik und Chemie“ und „Beruhen auf‘ ist etwas anderes als ‚erklären durch“, wie Popper dieses Problem der Reduktion von Biologie auf Biochemie und von Biochemie auf Chemie und Physik gelöst hat.

Erst wenn das Anthropomorphismus- und das Reduktionsproblem gelöst sind, können wir in eindeutiger Weise über das Wissen von Organismen und das Wissen der Zelle sprechen (in den Abschn. „Das Wissen von Zellen, Pflanzen und Tieren“ und „Die Unterscheidung von objektivem und subjektivem Wissen“).

Keine Biologie ohne Anthropomorphismen

Die Frage ist also, ob der Begriff ‚Wissen‘ nicht ein allzu sehr aus der menschlichen Lebenswelt gegriffener ‚Anthropomorphismus‘ ist.

Kann ein Organismus oder gar ein Organ wie die Niere etwas wissen? Popper: „Ich behaupte, dass wir ohne einige Anthropomorphismen überhaupt keine Biologie betreiben können“39. Anthropomorphismen sollten wir als Theorien behandeln, die richtig oder falsch sein können. Falsch ist zum Beispiel die Rede von ‚natürlicher Selektion‘, wenn wir sie anthropomorphistisch verstehen und glauben, dass in der biologischen Evolution die Natur an die Stelle des Züchters getreten ist. Darwin tat das nicht. Ihm war klar, dass ein Züchter schwarze Katzen mit weißen Pfoten züchten kann, aber die natürliche Auswahl keinerlei Ziele verfolgt. Die ‚natürliche Auswahl‘ ist ein unerlaubter Anthropomorphismus, weil er uns eine falsche Theorie nahelegt.

Dagegen kann man durchaus davon sprechen, dass ein Hund eine Nase hat, auch wenn sie der Menschennase nicht sehr ähnlich sieht. Hinter diesem Anthropomorphismus steht die richtige Theorie, dass die Nasen von Hund und Mensch ‚homolog‘ sind, das heißt, sehr ähnliche Funktionen ausüben. Anthropomorphismen darf man nicht grundsätzlich verbieten, sonst würde man wichtige Theorien ohne weitere Erörterung ausschließen.

Poppers relative Anthropomorphismus-Toleranz hat wenig Anklang gefunden. Weiterhin wird in der Biologie darüber gestritten, ob Organismen oder gar Organellen in der Zelle Ziele verfolgen40, obgleich es nachprüfbar ist, dass wissenschaftliche Erklärungen besser gelingen, wenn man etwa die Niere von ihrem Ziel der Blutreinigung her erklärt. Auch die Evolution der Niere ist leichter zu verstehen, wenn wir von Zielen sprechen, denn nur dann können wir Probleme verstehen, die auf dem Wege zu diesem perfekt arbeitenden Organ überwunden werden mussten.

Trotzdem scheuen viele Biochemiker davor zurück, so weit zu gehen wie Popper. Sie würden vielleicht noch bei Tieren, aber kaum bei biochemischen Prozessen wie der pflanzlichen Fotosynthese von Zielen sprechen, denn alles beruhe auf chemischen Reaktionen. „Die Furcht davor, teleologische [von gr. télos – Ziel, Zweck] Ausdrücke zu benutzen“ schreibt Popper, „erinnert mich an die Scheu der Menschen der viktorianischen Zeit, über Sex zu sprechen“41. Von dem großen Evolutionsbiologen J. B. S. Haldane, den Popper schon mit 35 Jahren auf einer Biologentagung in England kennengelernt hatte42, ist das Bonmot überliefert: „Die Teleologie ist für den Biologen so etwas wie eine heimliche Geliebte, mit der er nicht gerne in der Öffentlichkeit gesehen wird“43. Erst lange nach Poppers Tod hat sich bei einem kleinen Kreis von Biologen diese Scheu gelegt44.

Nichtreduzierbarkeit der Biochemie auf Physik und Chemie

Ziele oder keine Ziele?45 Das Problem der Teleologie hängt eng mit der Frage der Reduzierbarkeit von Biologie auf Chemie und Physik zusammen; denn wenn man beschreiben kann, wie Amöben sich mit Hilfe besonderer Sensoren für Nahrung automatisch in die Richtung bewegen, die zu Plätzen mit viel Nahrung führten, dann braucht man nicht zu sagen, die Amöbe verfolge das Ziel, Nahrung zu finden. Die höhere Funktion ‚Ziele verfolgen‘ ist auf einen biochemischen Mechanismus reduziert worden.

Eine ganz andere Einstellung herrscht außerhalb der Forschung. Da schreckt man im Allgemeinen davor zurück, Lebendiges wie Menschen, Tiere oder Pflanzen auf Physik und Chemie zu reduzieren. Henri Bergson sprach aus, was viele denken: Alles Lebende beruht auf einer besonderen, irreduziblen Lebenskraft, dem Élan vital 46.

Materialisten und Marxisten sahen das anders. Und auch die Chemie des Lebens, die Biochemie, versucht, alle Lebensprozesse als reine Chemie darzustellen. Die Vererbung beruht auf der Verdopplung eines toten Moleküls, nämlich der DNA, die man synthetisch herstellen kann. Die Fotosynthese beruht auf der Reaktion der Photonen des Sonnenlichts mit chemischen Substanzen. Die Atmung aller Tiere beruht auf der chemischen Herstellung von ‚ATP‘ (Adenosintriphosphat) genannten Energiepaketen, was einer von Poppers Bewunderern, der Biochemiker und Nobelpreisträger Peter D. Mitchell, in den 1960er-Jahren aufgeklärt hatte. Das ist anerkannte Wissenschaft mit wunderbaren Ergebnissen. Aber etwas ist falsch daran: Sie hat das Leben wegerklärt.

Müssen die Neo-Darwinisten umdenken? Vielen von ihnen war das Umschwenken von vitalistischen oder christlichen Positionen auf die darwinistisch-materialistische Sichtweise schwergefallen. Nun hielten sie an dieser fest. 1986, in seiner großen Rede vor der Royal Society, vor Biologen und Biochemikern, vor vier Nobelpreisträgern47, wollte Popper sie zum abermaligen Umdenken bewegen. Er forderte sie auf, vor Teleologie und Irreduzierbarkeit nicht die Augen zu verschließen. Er war jedoch seiner Zeit weit voraus: Es kam es zu einem Streit mit dem Biochemiker und Nobelpreisträger Max Perutz, der noch lange nach Poppers Tod weiterschwelte. Darüber habe ich an anderer Stelle ausführlich berichtet48.

Offenbar befürchtete man, dass Bergsons Theorie oder der Vitalismus wiederbelebt werden sollten. Aber Poppers Plädoyer für das Leben war ganz anders begründet als bei Bergson und anderen Vitalisten oder gar den Kreationisten. Der „größte Wissenschaftstheoretiker des 20. Jh.“49 stellte zwei Thesen auf, die er wissenschaftstheoretisch verteidigte:

(1) Alles Leben beruht auf Biochemie. (2) Die Biochemie lässt sich nicht auf Chemie und Physik reduzieren. Die erste These ist unbestritten, die zweite nicht. Für letztere spricht aber das rein wissenschaftstheoretische und empirisch nachprüfbare Argument, das bereits in Abschn. „Keine Biologie ohne Anthropomorphismen“ angesprochen worden ist: Wenn Theorien, die Ziele, Zwecke oder Funktionen enthalten, eine bessere Erklärung liefern als Theorien, die die fraglichen Dinge auf molekulare und atomare Prozesse reduzieren, dann sollte man die bessere Erklärung akzeptieren. Denn das Ziel aller Wissenschaften ist, unter allen möglichen Erklärungen die beste zu finden, das heißt die, die einfacher ist als alle anderen und die genauere und besser nachprüfbare Voraussagen macht, um nur die Hauptkriterien zu nennen50.

‚Beruhen auf‘ ist etwas anderes als ‚erklären durch‘

Die Reduktion der Biologie auf Chemie und Physik ist an sich etwas Erstrebenswertes. Überall in der naturwissenschaftlichen Forschung geht es darum, einfachere, umfassendere Gesetze zu finden. Nur gelingen solche Reduktionen nicht zwangsläufig51. Und wenn sie gelingen, liefern sie nicht unbedingt die bessere Erklärung. Beispielsweise können die Wirkungen eines Tornados, das Dächer-Abdecken und Bäume-Entwurzeln, leichter aus Makroeffekten wie Windgeschwindigkeit und Wirbelbildung berechnet und erklärt werden als mit Hilfe des Mikrogeschehens sämtlicher Trillionen von Luft- und Wassermolekülen, auf deren Dynamik der Tornado tatsächlich beruht. Alle Computer dieser Welt würden dafür nicht ausreichen, und niemand würde das Ergebnis eine befriedigende Erklärung nennen.

Poppers Argument ist noch besser zu verstehen, wenn man sich klar macht, dass ‚beruhen auf‘ etwas ganz anderes ist als ‚erklären durch52. Der Tornado beruht auf den Mikroeffekten zahlloser Luft- und Wassermoleküle, aber erklärt wird er durch die Gesetzmäßigkeiten, die zwischen Makroeffekten herrschen.

In diesem Sinne ist es unbefriedigend, die Biochemie mit ihrer Zell- und Molekularbiologie auf Chemie und Physik zu reduzieren und es dabei zu belassen. Auf Chemie und Physik beruht sie ohne Zweifel; aber damit ist noch nicht alles erklärt. In den Formeln fehlt etwas Wichtiges, das hinzugefügt wird, sobald die Biochemiker das Zellgeschehen erklären: die Ziele oder Zwecke, die die vielen Organellen der Zelle in einem komplexen Zusammenspiel verfolgen.

Wenn Popper Recht hat,

„dass die Nicht-Reduzierbarkeit der Biologie auf nicht-biologische Wissenschaften, die immer wieder behauptet worden ist, auf die Nicht-Reduzierbarkeit der Biochemie auf Chemie zurückzuführen ist“53,

dann vereinfacht sich die alte, schwierige Diskussion, ob der Mensch eine physikalisch-chemische Maschine ist und unser Denken und Fühlen nicht mehr ist als die Aktivität von Neuronen. Denn dann kann man von dem hochkomplexen Geschehen im Innern unseres Gehirns absehen und Poppers einfache Frage diskutieren, ob schon bei physiologischen Prozessen die Reduktion von Biochemie auf Chemie ausreichende Erklärungen liefert oder nicht.

Das Wissen von Zellen, Pflanzen und Tieren

Vertraut mit der Irreduzierbarkeit der Biochemie und dem wohlüberlegten Gebrauch von Anthropomorphismen, können wir nun auf Poppers gewagte Behauptung „Anpassung ist Wissen“ zurückkommen54. Diese These ist eng mit dem Problem der Ziele verknüpft:

„Das Seltsame ist, dass mit der Anpassung die Teleologie in die Welt kommt. Organismen sind Problemlöser, Organismen suchen nach besseren Lebensbedingungen: Das sind alles ganz und gar teleologische Ausdrücke. Mit besseren Lebensbedingungen kommen Bewertungen ins Spiel, und zweifellos bevorzugen Organismen bestimmte Dinge, sie bewerten sie, und sie mögen dies oder das lieber als etwas anderes. All diese Ausdrücke sind teleologisch und natürlich anthropomorphisch, und wir können sie nicht vermeiden“55.

Auch die Rede vom Wissen, das in einer Zelle steckt oder in einem Organell der Zelle wie beispielsweise in den Chloroplasten, die ‚wissen‘, wie man Luft, Licht und Wasser in Zucker und andere energiereiche Kohlenwasserstoffe umwandelt, auch diese Rede ist ein erlaubter Anthropomorphismus, weil wir ohne ihn die Biologie nicht richtig verstehen können:

„Wie können wir vermeiden, das Wort ‚Wissen‘ auf Tiere und natürlich auch auf Pflanzen anzuwenden? Wie können wir vermeiden zu sagen, dass die Wurzeln eines Baumes nach Nahrung, nach Wasser, nach besseren Lebensbedingungen suchen? Wenn wir das zu umgehen versuchen, dann täuschen wir uns selbst und sprechen in einer künstlichen Sprache, obgleich es unnötig ist, eine solche einzuführen“.56

Die Unterscheidung von objektivem und subjektivem Wissen

Klarer kann man es kaum sagen, aber das Augenmerk muss trotzdem noch auf eine sehr wichtige Unterscheidung gelenkt werden. Popper unterscheidet immer sehr streng zwischen subjektivem und objektivem Wissen. Das ist eine Leitidee, der er seit seinen frühen Jahren folgt57. Wir dürfen nicht denken, dass die Zelle etwas bewusst weiß. Das wäre subjektives Wissen, so wie wir Menschen es haben, wenn wir spüren, dass wir etwas wissen. Die Zelle enthält Wissen in der Weise, wie ein Buch Wissen enthält.

Noch eine weitere Unterscheidung ist nötig. Die Zelle enthält Zeichen, die man wie die Zeichen in einem Buch dechiffrieren muss, um mit dem gespeicherten Wissen etwas anfangen zu können, nämlich jene aus den Buchstaben A, T, G und C gebildeten DNA-Kettenmoleküle58. Und wie beim Buch ein Leser nötig ist, um die 26 Buchstaben zu dechiffrieren, so gibt es auch in der Zelle ein System, das weiß, wie man das mit A, T, G und C digitalisierte Wissen dechiffriert und mit diesem Wissen Proteine produziert. Dieses Wissen ist nicht wie in der DNA digital, sondern in die Zelle eingebautes Wissen oder, um den Gegensatz zum digitalen Wissen zu betonen, analoges Wissen.

Die Anthropomorphismen Wissen, Information, Lesen und Übersetzen sind nicht nur erlaubt, sondern machen die Wissenschaft der Zell-Biochemie erst möglich. Obgleich man genau weiß, auf welchen molekularen Vorgängen diese Prozesse beruhen, verwendet man zur Erklärung die Makroprozesse.

Poppers Evolutionäre Erkenntnistheorie

Zwischen Poppers Deutung der menschlichen Erkenntnis und Darwins Deutung der Evolution gibt es eine auffällige Parallele: Bei Darwin sterben die fehlerhaften Individuen aus, bei Popper die falschen Theorien. Bei Darwin überlebt, was dem Lebenskampf, bei Popper, was der Kritik standgehalten hat. Diese Parallele hatte Popper schon 1934 in seiner Logik der Forschung gesehen: „Jene Theorie ist bevorzugt, die sich im Wettbewerb, in der Auslese der Theorien am besten behauptet“59. Offenbar ist ihm diese Parallele seitdem immer klarer geworden, denn in der englischen Ausgabe von 1959 ist sogar von „natural selection“ die Rede und davon, dass wir unsere Theorien dem „grimmigsten Kampf ums Überleben“ aussetzen sollen60. 1961 wiederholt er das in seiner ersten Spencer-Vorlesung61. Donald T. Campbell prägte für diese Parallele zwischen Darwins natürlicher Selektion und Poppers kritischer Erkenntnismethode den Ausdruck ‚Evolutionäre Erkenntnistheorie‘; er wurde schon 1963 von Popper übernommen62. 1970 veröffentlichte Popper dann seine ‚Skizze einer evolutionären Erkenntnistheorie‘63.

Seit den 1970er-Jahren haben auch Konrad Lorenz, Rupert Riedel und Gerhard Vollmer Versionen der Evolutionären Erkenntnistheorie vertreten. Diesen Autoren ging es aber im Unterschied zu Popper darum, das menschliche und animalische Erkenntnisvermögen von der biologischen Evolution her zu erklären, während Popper (1) umgekehrt die kognitiven Fähigkeiten aller Lebewesen als konsequente Anwendung der Methode von Versuch und Irrtumsbeseitigung versteht und (2) eine viel umfassendere Theorie entwirft, die ganz allgemein erklärt, warum aus rein logischen Gründen kein Erkenntnis gewinnendes System auf andere Weise neues Wissen über die Welt gewinnen kann als durch die Logik von Versuch und Irrtumsbeseitigung64:

„Es ist die Logik, die Anwendung der Logik auf die Erkenntnissituation (Situationslogik), die uns lehrt, dass die Erkenntnis nur mit der Methode von Versuch und Irrtum arbeiten kann. Also ist die so genannte ‚Evolutionäre Erkenntnistheorie‘ nur eine Anwendung der Logik. Anders gesagt, die Evolution könnte anders gar nicht vorgehen“65.

Anpassung ist nicht das letzte Erklärungsprinzip der Biologie

Die Konsequenzen dieser Popperschen Evolutionären Erkenntnistheorie für die Biologie sind längst noch nicht ausgelotet, denn sie gilt nicht nur für die Erkenntnisfähigkeit von Mensch und Affe, nicht nur für menschliche und animalische Gehirne, sondern überall, wo Pflanzen, Bakterien, Archaeen oder die noch unbekannten Formen vorangegangenen Lebens erstmals etwas Neues über die Umwelt gelernt haben. Poppers Evolutionäre Erkenntnistheorie wirft in diesem Zusammenhang auch neues Licht auf das wichtige ‚Central Dogma of Molecular Biology‘, auf das hier nur verwiesen werden kann66.

Anpassung ist gemäß Poppers Logik des Wissenserwerbs nicht länger das letzte Erklärungsprinzip der Biologie. Statt auf die Frage ‚Wie hat das Pfauenauge seine Scheinaugen bekommen?‘ zu antworten: ‚Durch Anpassung infolge spezifischen Selektionsdrucks‘, kann man jetzt gezielter fragen: Wie erwerben Tiere, Pflanzen, Einzeller und überhaupt alle Lebewesen lebensnotwendiges Wissen über ihre Umwelt und vor allem über ihre eigenen Lebensprozesse in der Zelle? Objektives Wissen natürlich, nicht subjektives Wissen. Aus logischen Gründen ist das nur mit Hilfe des Frage-und-Antwort-Spiels möglich: durch Versuch und Irrtumsbeseitigung. Wer das Leben erklären will, muss aus logischen Gründen danach suchen, in welcher Weise die erste Zelle und ihre Vorgänger das Frage-und-Antwort-Spiel des Wissenserwerbs realisiert haben.

Poppers Version der Evolutionären Erkenntnistheorie steht in Einklang mit den bekannten darwinistischen Vorstellungen von Variation und Selektion. Neu sind seine Interpretationen von Darwins Theorie im Sinne einer prüfbaren evolutionsbiologischen Theorie:
  • Darwins Anpassung ist kein letztes biologisches Erklärungsprinzip mehr. Anpassung kann ihrerseits mit Wissenserwerb erklärt werden67.

  • Darwins Variation und Selektion sind keine typisch biologischen Besonderheiten. Wissen, egal wo erworben, kann aus rein logischen Gründen nur auf dem Wege von Versuch und Irrtumsbeseitigung, also nur durch Variation und Selektion, gewonnen werden.

  • Darwins Variation, einst als blinde Mutation verstanden, ist als gezieltes Ausprobieren von Alternativen bei der Suche nach zutreffendem Wissen über die Umwelt oder über die Chemie in der Zelle zu verstehen.

  • Darwins Selektion bedeutet, dass mangelndes oder falsches Wissen über die Umwelt mit Nachteilen und weniger Nachkommen verbunden ist. Tiere, deren Augen schlechte Kameras sind, kommen mit ihrer Umwelt schlechter zurecht. Der Mangel an Wissen ist der eigentliche Grund dafür, dass sie, evolutionär gesehen, Nachteile haben und deshalb verdrängt werden.

Poppers Logik der Forschung hat sich in dieser Weise nachträglich als ein wichtiger Beitrag zur Biologie erwiesen, weil auch in der Biologie nichts möglich ist, was logisch unmöglich ist.

Ein Blick ins Innerste des Lebens

Die Unterscheidung von Information und Wissen

Vor allem bei der Frage, wie erstes Leben entstanden ist, wird Poppers Logik der Forschung, die die Logik der Biologie einschließt, relevant, denn auch die ersten Vorstufen des Lebens konnten nicht anders, als im Fragespiel von Versuch und Irrtumsbeseitigung Wissen über sich und ihre Umwelt zu gewinnen. Dazu mussten sie den entsprechenden Apparat entwickelt haben, um das neu erworbene Wissen als analoge Information und von einem späteren Zeitpunkt an auch als digitale Information bewahren und weitergeben zu können.

Auf die Unterscheidung von Wissen und Information in der Biologie hat Popper nicht genügend hingewiesen68, weil sie für ihn selbstverständlich war: Seine Logik der Forschung und seine Evolutionäre Erkenntnistheorie handeln nicht von Informationsübertragung, sondern vom Erwerb neuen Wissens. Wenn wir Bücher lesen, erwerben wir aber Wissen, ohne die Technik von Versuch und Irrtumsbeseitigung anzuwenden. Das Gleiche gilt für Bakterien, wenn sie im so genannten ‚horizontalen Gentransfer‘ digitalisierte Information aus Teilen der RNA oder DNA austauschen. Auch für die Vererbung gilt das: Die Verdopplung und Teilung der DNA bedeutet Weitergabe von Information, nicht Neuerwerb von Wissen. Gleichzeitig wird bei der Zellteilung auch das eingebaute analoge Wissen dupliziert und an die Tochterzelle weitergegeben. Mit der Unterscheidung von ‚Wissen und Information‘ ist immer die Unterscheidung von ‚neu erworbenem Wissen und Information‘ gemeint.

Die Evolution des Lebens muss von Anfang an immer mit beidem verbunden gewesen sein: mit Poppers Wissen durch Lernen aus dem Irrtum und mit dem Austausch von Informationen, die andere Organismen früher einmal via Versuch und Irrtumsbeseitigung gewonnen und gespeichert hatten.

Alles Leben beginnt mit Aktivität und Wissenserwerb

Organismen entwickeln keine Theorien, aber sie haben Erwartungen – objektive, nicht subjektive. Eine Zelle erwartet, dass es in der Welt Luft und Wasser gibt oder im Boden Mineralien. Eine Maus erwartet, dass Verstecke unter der Erde möglich sind. Erwartungen sind Theorien69. Da die Logik in Poppers Logik der Forschung für den Erwerb neuen Wissens nur die eine Methode zulässt, alternative Theorien oder Erwartungen zu erfinden und an der Wirklichkeit auszuprobieren, kommt ein anderes Element zum Vorschein, das ebenfalls neues Licht auf die Evolution und den Ursprung alles Lebens wirft: Aktivität. Aktivität ist nötig, um möglichst viele Alternativen zu produzieren und dann zu prüfen, welche von ihnen eventuell auf die Wirklichkeit zutrifft.

Biologische Aktivität ist, im Unterschied zur Aktivität eines Vulkans, immer auf ein Ziel gerichtet: auf eine Nahrungsquelle, auf einen wärmeren Ort, auf ein Versteck vor Fressfeinden und so weiter.

„Ich denke, die ersten Anfänge von Aktivität müssen wir schon den niedrigsten Organismen zuschreiben, unseren primitivsten Vorfahren. Aktivität ist Bewegung mit einem Ziel. Das Ziel ist vorhanden. Ohne Ziel gibt es keine Anpassung; ohne Ziel gibt es kein Wissen,… Aktivität im Sinne der Versuch-und-Irrtum-Bewegungen…“70.

Wer sich für die ersten Anfänge des Lebens interessiert, für den Übergang des Anorganischen zum Organischen, muss aus logischen Gründen, die man bei Popper nachlesen kann71, überlegen, wie in den einfachsten Systemen beides realisiert worden ist: Aktivität und Wissen, denn ohne Aktivität und Wissen ist kein Leben möglich72.

Wir erben nicht nur die DNA, sondern vor allem die Zelle

Eine der fruchtbarsten biologischen Ideen ist, wie so oft bei Popper, eine Kombination aus scheinbarer Trivialität und unerwarteter Tragweite: Wir erben nicht nur die Gene; wir erben vor allem auch die Zelle73.

Wenn man diesen Gedanken ein wenig weiterdenkt74, ist sofort ganz klar: Die Gene des Menschen sind aufgereiht in 46 toten DNA-Molekülen; die Zelle dagegen besteht aus Trillionen von Molekülen, die zu Mitochondrien, Ribosomen, Membranen und anderen Organellen zusammengefügt sind und die gemeinsam den Betrieb aufrechterhalten, den wir ‚Leben‘ nennen.

Die Zelle erben wir nur von unserer Mutter, denn alle unsere Körperzellen sind auf bestimmte Aufgaben spezialisierte Kopien der befruchteten Eizelle. Unsere Mütter haben die Eizelle mit der darin eingebauten Maschinerie des Lebens jeweils nur von ihrer Mutter geerbt. Das eigentliche Leben, das aus Wissen und Aktivität besteht und daher mit dem großen, toten, ‚DNA‘ genannten Rezeptbuch zur Herstellung verschiedener Proteine etwas anfangen kann, wird nur über die maternale Linie weitervererbt. Jeder Mensch ist also mit seinen beiden Großmüttern auf sehr unterschiedliche Weise verwandt. Von beiden erben wir jeweils ein Viertel unserer Gene; aber nur von der Großmutter mütterlicherseits erben wir außerdem den Zellapparat, die gesamte Maschinerie des Lebens, die Aktivität der Zelle und das Wissen der Zelle, zum Beispiel auch das Wissen darüber, wie die Informationen der DNA zum Leben erweckt werden75.

Wie beim analogen und digitalem Wissen müssen wir also auch zwischen analoger und digitaler Vererbung unterscheiden.

Wir schauen mit falschem Blick auf die Gene

„Wir schauen mit falschem Blick auf die Gene“76 schrieb Popper an einen südafrikanischen Biochemiker in einem Text, dessen Gedanken er lange mit Günter Wächtershäuser diskutiert hatte, und Kopien davon schickte er auch an Peter Mitchell und William Bartley. Aus den in dem Brief von 1989 skizzierten Gedanken entwickelte er bis 1991 und 1992 zwei Vorträge, die er an der Universität von Santander hielt. Sie haben die sprechenden Titel ‚Genetik dort, wo sie hingehört‘77 und ‚Eine Enzym-Theorie der sich selbst korrigierenden Evolution‘78. Popper versuchte zu zeigen, dass das Genom nicht die führende Rolle spielt, in der Zelle nicht und in der Evolution auch nicht.

Früher als Popper, aber ebenfalls dem Zeitgeist trotzend, hatte die Jahrzehnte lang verkannte spätere Nobelpreisträgerin Barbara McClintock dieselbe Ansicht vertreten: „Das Genom ist nicht der Diktator der Zelle“79. Die Aktualität von Poppers Vorstoß mindert das nicht; denn immer noch erkennen zu wenige Biologen, von Philosophen ganz zu schweigen, die Tragweite der neuen Biologie. Heute wird sie von Evolutionsbiologen wie Eva Jablonka80 und Physiologen wie Denis Noble als Revolution verstanden und weiterverbreitet: „Physiology is rocking the foundations of evolutionary biology“81, und die Physiologie, die an den Fundamenten der Evolutionsbiologie rüttelt, steht hier für das physiologische Geschehen im Inneren von Zellen und Organismen. Wie Popper, aber gerüstet mit empirischen Belegen, argumentiert Noble gegen den ‚gene-centred view of natural selection‘ und das ‚central dogma of molecular biology‘82. An anderer Stelle habe ich die Geschichte und Bedeutung dieser Entwicklung ausführlicher behandelt83.

Wie viele Biologen war auch Denis Noble erstaunt, als er 2014 in meinem Buch Karl Popper and the Two New Secrets of Life 84 entdeckte, welche Vorarbeit Karl Popper dreißig Jahre früher geleistet hatte, und er resümierte:

„Popper trug eine radikal neue, die moderne Synthese im Wesentlichen zurückweisende Interpretation des Darwinismus vor, derzufolge die Ursache der Kreativität der Evolution die Organismen selbst sind und nicht zufällige Mutationen der DNA. Er erklärte, dass der Darwinismus gar nicht so falsch, jedoch in bedenklicher Weise unvollständig sei. Er legte auch dar, dass die Biochemie (und daher a fortiori die Physiologie) nicht auf Physik und Chemie reduziert werden können. In dieser Weise sind viele Argumente jener letzten Sonderausgabe des Journal of Physiology schon vor knapp dreißig Jahren vorgebracht worden“85.

Die Evolution als Abenteuer des Geistes

Schöpfungs- und Evolutionstheorien übten schon immer einen großen Einfluss auf unser Weltbild aus. Der Darwinismus mit seinem Zentralbegriff „Kampf ums Dasein“86 hat die wirkungsmächtige politische Ideologie des Sozialdarwinismus inspiriert. George Bernard Shaw meinte diesen Sozialdarwinismus, als er rückblickend auf den Ersten Weltkrieg schrieb: Der „Neo-Darwinismus in der Politik hat eine europäische Katastrophe von schrecklichem Ausmaß angerichtet“87. Wie wir alle wissen, kam das Schlimmste erst noch: Auch die Lehre vom Untermenschen und der Antisemitismus der folgenden Jahrzehnte stützten sich auf hochgeachtete, aber falsche Darwin-Interpretationen.

Poppers Verbesserungen des Darwinismus könnten eine völlig entgegengesetzte Tradition begründen, in der ein anderer Zug der Natur für uns zum Vorbild wird: In grauer Urzeit hatte die Materie es einst geschafft, objektives Wissen – natürlich unbewusstes Wissen – über sich selbst zu sammeln und dieses Wissen in Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit ständig zu vergrößern und zu verbessern. In den ersten Organismen wuchs es zunächst als analoges Wissen heran. Spätestens seit den Einzellern, von denen wir alle abstammen, wurde das Wissen auch in digitaler Form gespeichert. Es begann ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den ‚DNA‘ und ‚RNA‘ genannten Bibliotheken dieser Welt. Das Wissen wuchs und wuchs und wurde, außer in DNA und RNA, später auch in Gehirnen festgehalten und in Traditionen weitergegeben, mittels Sprache diskutiert und verbessert und in Büchern und Bibliotheken aufbewahrt zur späteren Wiederentdeckung und Weiterbearbeitung88. In einer dieser Bibliotheken, in der Karl Popper-Sammlung der Universität Klagenfurt, fand ich eine handgeschriebene Notiz, in der Karl Popper vier Milliarden Jahre des organischen Lebens zusammenfasst und zugleich die Leitidee für eine Zukunft jenseits des Sozialdarwinismus liefert: „So gesehen ist die ganze Evolution ein Abenteuer des Geistes“89.

Fußnoten

  1. 1.

    Leib-Seele-Problem und Welt 3 in Popper 2012a, kommentiert in Niemann 2012. Exosomatische sind evolutionär entwickelte, außer-körperliche Werkzeuge wie die Netze der Spinnen, die Nester der Vögel, die Schriftwelt des Menschen.

  2. 2.

    Siehe in in Franco 2018 die Kapitel ‚Das Leib-Seele-Problem‘, ‚Welt 3 und die Mathematik‘. und ‚Karl Poppers Spätwerk und die Welt 3‘.

  3. 3.

    Bartley 1987, S. 18.

  4. 4.

    Popper 2012b, Kap. 30.

  5. 5.

    Eccles 1982, S. 226. Poppers Teile des gemeinsamen Buches Das Ich und sein Gehirn (1977, dt. 1982) erschienen in Popper 2012a, Teil II.

  6. 6.

    Popper 1989b. Popper stellt in seiner ‚Lecture on Molecular Biology‘, Heidelberg 12. April 1989, überraschend Wächtershäusers Theorien vor.

  7. 7.

    Popper et al. 1994.

  8. 8.

    Ausführlich in Niemann 2012.

  9. 9.

    Popper 1961. Poppers erste Herbert Spencer-Vorlesung: ‚Die Evolution und der Baum der Erkenntnis‘.

  10. 10.

    Noble 2013, 2014; Noble et al. 2014.

  11. 11.

    Popper 1965, Abschn. 18; Popper 1970a, Abschn. 16.

  12. 12.

    Popper 1935, 2009, Kap. 10.

  13. 13.

    Spencer 1864. Herbert Spencer (1820–1903).

  14. 14.

    Popper 2012b, Kap. 37.

  15. 15.

    Zitat aus der Darwin-Vorlesung Popper 1977, S. 144. Widerrufen hat Popper seine Ablehnung des Darwinismus als Wissenschaft bereits in Popper 1965 zu Beginn des Abschn. 18: „Ich erröte bei diesem Geständnis“. Am Tautologievorwurf gegen bestimmte Formulierungen, wie im Text oben, hält er fest.

  16. 16.

    Popper 1986. Allerdings dienten in Popper 1957/2003, Kap. 27, Evolutionstheorien als Beispiele für verfehlte Versuche, Geschichtsgesetze aufzustellen.

  17. 17.

    Popper 1986/2013, S. 9.

  18. 18.

    Spencer 1864.

  19. 19.

    Der Kampf ums Dasein als ‚struggle for life‘ wird oft erst den Darwinisten angelastet; er kommt aber schon im Titel von Darwins Hauptwerke vor: Charles Darwin, On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, London 1859.

  20. 20.

    Der ‚Kreationismus‘ ist eine erste Abstammungstheorie, die sich auf die biblische Schöpfungsgeschichte stützt.

  21. 21.

    Baldwin (1896).

  22. 22.

    Popper 1961.

  23. 23.

    Bei Niemann 2014a und weiteren zirka 50 Autoren wie James Shapiro, Denis Noble, Eva Jablonka, Marion Lamb, die auf der Website www.thethirdwayofevolution.com für das Forschungsprogramm ‚Neo-Darwinsm needs rethinking and alternative thinking‘ (Verbesserungen und Alternativen für den Neo-Darwinismus) stehen, also für Poppers seit 1961 vertretenes Anliegen. Die dort ebenfalls aufgeführten Barbara McClintock und Conrad Waddington haben schon in den 1940er-Jahren experimentelle Vorarbeit beigesteuert.

  24. 24.

    Popper 1961, kommentiert in Niemann 2013.

  25. 25.

    Popper 1986/2013. Thomas Henry Huxley (1825–1895) war Biologe und engagierter Darwinist.

  26. 26.

    Popper 1970b.

  27. 27.

    Popper (undatiert) in Niemann 2014a, Anhang C.

  28. 28.

    Wagner 2014, ‚Prologue‘, drittletzter Absatz, dt. v. H. J. N.

  29. 29.

    Popper 1986/2013.

  30. 30.

    Popper 1961.

  31. 31.

    Popper 1986/2013, S. 12.

  32. 32.

    Zur Verallgemeinerung der ‚Nische‘ zum ‚Möglichkeitsraum‘ siehe Niemann 2017.

  33. 33.

    Popper 1986/2013, S. 13.

  34. 34.

    Popper 1989c.

  35. 35.

    Popper 1986/2013, S. 12–13.

  36. 36.

    Monod 1971.

  37. 37.

    Popper, K. R. 1986/2013, S. 13.

  38. 38.

    In Popper 1986/2013, S. 13, und passim, zum Beispiel in Popper 1961, Abschn. 1; Popper (2015), Kap. 15.

  39. 39.

    Popper 1986/2013, S. 14–15.

  40. 40.

    Montefiore, Noble 1989.

  41. 41.

    Popper 1986/2013, S. 15.

  42. 42.

    Niemann 2014a, Abschn. 6.

  43. 43.

    So zitiert ihn Ernst Mayr in: Boston Studies in the Philosophy of Science, Vol. XIV, S. 91–117.

  44. 44.

    Noble et al. 2014, siehe auch Anm. 23 oben.

  45. 45.

    Montefiore und Noble 1989.

  46. 46.

    Mit dem Élan vital (frz. für ungefähr ‚Lebenskraft‘) kennzeichnet Henri Bergson in L’évolution créatrice 1907 die Besonderheit biologischer Lebensprozesse.

  47. 47.

    Popper 1986/2013; die vier Nobelpreisträger unter Poppers Hörern waren: Peter Medawar, Peter Mitchell, Max Perutz und George Porter.

  48. 48.

    Perutz gegen Popper, in Niemann 2014a, Abschn. 13.

  49. 49.

    Peter Medawar über Karl Popper, BBC Radio 3, 3. Juli 1972.

  50. 50.

    Popper 1963, Kap. 10, Abschn. 3, X.

  51. 51.

    Popper 1972.

  52. 52.

    Niemann 2014a, Abschn. 14.

  53. 53.

    Popper 1986/2013, S. 16–17.

  54. 54.

    Popper 1986/2013 und Popper 1989c.

  55. 55.

    Popper 1986/2013, S. 15.

  56. 56.

    Ibid.

  57. 57.

    Popper 2012b, Kap. 13, S. 84, und Niemann 2012, Abschn. 3. Poppers letzte große Arbeit dazu in Popper 1989c.

  58. 58.

    Die Buchstaben stehen für die Nukleinbasen Adenosin, Thymin, Guanin und Cytosin. DNA (‚Desoxyribonukleinsäure‘) ist die von Crick und Watson 1953 aufgeklärte Erbsubstanz.

  59. 59.

    Popper 1935, Abschn. 30, 6. Aufl. S. 73, 11. Aufl. S. 85.

  60. 60.

    Popper 1935, „the fiercest struggle for survival“ nur in der englischen Ausgabe, Abschn. 6.

  61. 61.

    Popper 1961, Abschn. 1.

  62. 62.

    Campbell 1963, 1974.

  63. 63.

    Popper 1970a, Abschn. 16; Popper 2015, Abschn. 15.

  64. 64.

    Popper 1935, Abschn. 6 und 30, und Popper 1972/1995, Kap. 1 und 2.

  65. 65.

    Karl Popper an Hans Albert in: Morgenstern und Zimmer 2005, Brief Nr. 177, 18. Okt. 1987, S. 261, kursiv von Popper.

  66. 66.

    Ausführlich diskutiert in Niemann 2014a, Kap. III.

  67. 67.

    Popper 1961, Abschn. 2, gegen Ende. In Poppers Medawar-Vorlesung Popper 1986/2013, S. 11, heißt es: „Ich behaupte, dass Anpassung im Wesentlichen ein Lernprozess durch Versuch und Irrtum ist, der sich über mehrere Generationen hinzieht“.

  68. 68.

    Sie wird in Niemann 2014a, Abschn. 20, herausgearbeitet.

  69. 69.

    Beispiele für Poppers Verwendung von Theorien, Vermutungen und Erwartungen als Synonyme: Popper 2009, Kap. 1, Abschn. V, S. 71; Popper 2012a, Teil II, Abschn. 39, S. 362. „Jeder Organismus hat eingebaute Erwartungen“ in Popper 2015, Kap. I, Abschn. 3, S. 45; ähnlich in Popper 2012a, Abschn. 39, S. 365; Popper et al. 1994.

  70. 70.

    Popper 1986/2013, S. 15.

  71. 71.

    Popper 1935, 2009, Kap. 10.

  72. 72.

    Siehe dazu auch Niemann 2014a, b, und 2016.

  73. 73.

    Popper 1989a, S. 135; Popper 1991b, 1992.

  74. 74.

    Niemann 2014a, Abschn. 25.

  75. 75.

    Niemann 2014a, Abschn. 25, mit Referenzen auf Poppers Arbeiten.

  76. 76.

    Popper 1989a, S. 135.

  77. 77.

    Popper 1991b.

  78. 78.

    Popper 1992.

  79. 79.

    McClintock 1983 in ihrer Nobelrede.

  80. 80.

    Jablonka 1999.

  81. 81.

    Noble 2013.

  82. 82.

    Mehr dazu in Noble 2008, 2016

  83. 83.

    Niemann 2014a, Teil III.

  84. 84.

    Niemann 2014a.

  85. 85.

    Noble 2014, S. 9; mit ‚Sonderausgabe‘ ist Noble et al. 2014 gemeint.

  86. 86.

    Im Titel von Darwins Hauptwerk, siehe Anm. 19 oben.

  87. 87.

    Shaw 1921, Einleitung.

  88. 88.

    Siehe dazu Poppers Vortrag von 1989 ‚Towards an Evolutionary Theory of Knowledge‘ in Popper 1989c.

  89. 89.

    Popper 1986, Blatt 20.

Notes

Danksagung

,KPS A:B‘ steht für Karl Popper-Sammlung, Universitätsbibliothek Klagenfurt, Box A, Folder B. Ich danke Manfred Lube für die Erlaubnis, aus dem Archivmaterial zitieren zu dürfen, sowie Nicole Sager und Lydia Zellacher für die Unterstützung bei meiner Archivarbeit. Zitate aus bisher unübersetzten englischen Texten habe ich für diesen Band ins Deutsche übersetzt.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018

Authors and Affiliations

  • Hans-Joachim Niemann
    • 1
  1. 1.PoxdorfDeutschland

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