Advertisement

Grounded Theory in der Kultursoziologie

  • Günter MeyEmail author
  • Oliver Berli
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Die Grounded-Theory-Methodologie (GTM) gehört zu den prominenten qualitativen Forschungsstilen innerhalb wie außerhalb der Soziologie. Jedoch weist sie innerhalb der Kultursoziologie keine vergleichbare Verbreitung wie in anderen Teilbereichen der Soziologie auf. Der vorliegende Beitrag umreißt die Entstehungsgeschichte der GTM, führt in ihre Essentials ein und zeigt an exemplarischen Studien mögliche Anwendungen der GTM im Rahmen kultursoziologischer Forschung auf. Abschließend werden Potenziale zur wechselseitigen Weiterentwicklung von GTM und Kultursoziologie diskutiert.

Schlüsselwörter

Grounded-Theory-Methodologie Kultursoziologie Kodieren Theoretische Sensibilität Theoretical sampling 

1 Einleitung

Die Grounded-Theory-Methodologie (GTM) gehört aufgrund ihres Versprechens, eine in den Daten verankerte Theorie, eine grounded theory (GT), entwickeln zu helfen, zu den prominentesten qualitativen Forschungsstilen. Hierfür hält sie ein Set an methodischen Vorschlägen bereit, das auf der einen Seite Offenheit – und das meint Kreativität, Interpretativität und Subjektivität – vorsieht und auf der anderen Seite nachvollziehbare – weil systematische, regelgeleitete – Arbeitsschritte beinhaltet. Diese Vorschläge zielen darauf ab, nahe am Material (grounded) zu bleiben, aber zugleich über eine Deskription hinausgehend eine Konzeptualisierung der Daten zu begünstigen. Schließlich zeichnet sich die GTM auch durch Überlegungen für das Design (Fallauswahl/ „theoretical sampling“) einer Studie und für verschiedene Materialien („all is data“) aus. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser Merkmale wird die GTM weit über den Ursprung in der Soziologie hinaus in Erziehungswissenschaft, Psychologie, Technikwissenschaften und anderen Disziplinen angewandt.1 Gegenüber dieser weiten Verbreitung der GTM findet sich im engeren Feld der Kultursoziologie nur eine vergleichsweise geringe Anzahl von Arbeiten, die sich dezidiert auf diesen Forschungsstil berufen. Unabhängig von der je spezifischen Akzentuierung des Kulturverständnisses und den jeweiligen Forschungsgegenständen bietet sich die GTM aufgrund ihrer methodologischen Prämissen und insbesondere aufgrund dem mit ihr verbundenen Versprechen der Theorieentwicklung auch für kultursoziologische Fragestellungen an, denn sie erlaubt konkrete Phänomene daten- und feldnah zu konzeptualisieren, ohne auf kultursoziologische Rahmentheorien zu verzichten. Als spezielle Soziologie, die sich dem Wechselverhältnis von Gesellschaft und Kultur widmet, untersucht die Kultursoziologie Aspekte der Produktion, Distribution und Rezeption von Kultur. Daneben kann Kultur auch als Grundbegriff aus dem Bestand der Allgemeinen Soziologie gesehen werden. Diese Perspektive wurde historisch beispielsweise von Friedrich Tenbruck (1979) vertreten, der zu den zentralen Figuren der Neubegründung der deutschsprachigen Kultursoziologie gehört.2 Historisch gesehen zeichnete sich die (deutsche) Kultursoziologie in weiten Teilen durch eine starke Fokussierung auf „gehobene“ Kultur als Forschungsgegenstand aus. Ein wichtiges Moment für die methodische wie theoretische Öffnung der Kultursoziologie stellt die Rezeption der transdisziplinären Cultural Studies (s. bspw. Göttlich et al. 2010) dar. Gerade durch die Öffnung der Kultursoziologie für „profane“ oder „populäre“ Gegenstände und Fragestellungen entsteht aus unserer Sicht auch die Notwendigkeit, das methodische Repertoire zu erweitern und den methodologischen Zuschnitt zu reflektieren. Um den Herausforderungen zu begegnen, die die Empirie für die gegenwärtige Kultursoziologie bereithält, ist eine häufigere Anwendung der GTM aufgrund der mit ihr verbundenen Qualitäten aus unserer Sicht sinnvoll.

Die folgenden Ausführungen umfassen vier Schritte: Den Auftakt macht ein historischer Abriss der GTM, ihrer Weiterentwicklungen und aktueller Varianten. Daran anschließend werden „Essentials“ der GTM wie (a) Konzeptbildung statt Deskription, (b) Konzeptbildung durch Memo-writing, (c) Fallvergleich und theoretical sampling sowie (d) die Maxime „All is data“ eingeführt und mit Bezug auf kultursoziologische Studien, die sich explizit auf die GTM beziehen, vorgestellt. Vor diesem Hintergrund sehen wir eine der zentralen Herausforderungen für Arbeiten, die sich an der GTM orientieren: das spannungsreiche Verhältnis von theoretischem Vorwissen und dem Anspruch, Theorie zu generieren.

2 Die „Entdeckung“ der GTM, ihre Weiterentwicklung und Varianten

Seit ihrem Bestehen – also nunmehr fast 50 Jahren – ist die GTM beständig weiterentwickelt worden. Begründet wurde die GTM im Rahmen der gemeinsamen Forschung von Barney Glaser und Anselm Strauss in den frühen 1960er-Jahren. Ihre erste Monografie „Awareness of Dying“ (Glaser und Strauss 1965), die Sterben und Tod im Kontext von Krankenhäusern zum Gegenstand hatte, dokumentiert den Anspruch, eine zugleich empirisch dichte wie auch konzeptuell ausgearbeitete Theorie vorzulegen. Diese Demonstration des Mehrwerts ihres gemeinsam entwickelten Forschungsstils wird begleitet durch dessen methodologische Grundlegung (bspw. Glaser 1965), die ihren ersten Höhepunkt in „The Discovery of Grounded Theory“ (Glaser und Strauss 1967) findet. Nach diesem fulminanten, eher programmatisch gehaltenem Buch – in dem einerseits eine doppelte Abgrenzung gegenüber den „grand theories“ und einer hypothesentestenden, deduktiven Forschung vorgenommen und andererseits einer rein illustrativen Verwendung qualitativer Daten eine rigorose Absage erteilt wurde – ist die GTM zunächst von Glaser (1978, 1992) und Strauss (1987; später gemeinsam mit Corbin 1990) elaboriert worden. Diese Fortentwicklungen betreffen insbesondere auswertungspraktische Herangehensweisen. Mit dem Hinzukommen weiterer Akteure – mittlerweile wird von einer „second generation“ (Morse et al. 2008) gesprochen – wurde die GTM auch theoretisch weiter fundiert (siehe Abschn. 2.2).

2.1 Die Rezeption der GTM in Deutschland

Mit Blick auf die Rezeption der GTM in Deutschland fällt auf, dass für lange Zeit beinahe nur die Strauss’sche Variante wahrgenommen wurde bzw. deren Weiterführung durch Strauss und Juliet Corbin.3 Zum einen scheint diese Fokussierung darin begründet zu sein, dass prominente Vertreter der deutschsprachigen Soziologie – insbesondere Hans-Georg Soeffner, Fritz Schütze und später Gerhard Riemann – regen Kontakt zu Strauss hielten und dessen Arbeiten z. T. im Rahmen ihrer eigenen Forschung aufgriffen.4 Zum anderen lagen – anders als die Texte von Glaser – sowohl das Buch von Strauss wie das von Strauss und Corbin recht früh als deutsche Übersetzungen vor. Diese „Zugänglichkeit“ beförderte die zeitweise Dominanz der Strauss’schen Variante in der deutschsprachigen Rezeption mit. Dem gegenüber sind die Arbeiten von Glaser erst im letzten Jahrzehnt wieder wahrgenommen worden. Darunter vor allem seine wiederkehrenden Versuche, die Merkmale einer „klassischen“ GTM zu definieren und gegenüber Ab-Wandlungen zu bewahren (s. bspw. Glaser 2004). Ein anderer Teil der Debatte fokussierte sich vornehmlich auf den Streit zwischen Glaser und Strauss und führte damit Glaser ex negativo ein (dazu und zu weiteren Besonderheiten der Rezeption vgl. Mey und Mruck 2011a, S. 19–22). Im Mittelpunkt stehen hierbei vornehmlich das möglicherweise folgenreichste Selbstmissverständnis der GTM, das vor allem Glaser zugeschrieben wurde: die Idee der Möglichkeit von „tabula rasa“-Erkenntnissen und damit verbunden die Vorstellung, dass Konzepte aus den Daten emergieren (vgl. Kelle 2005). Über diese als Glaser-vs.-Strauss-Debatte verhandelte Kontroverse (Strübing 2014, Kap. 4) ist eine weitergehende Diskussion – insbesondere zwischen Glaser und Charmaz (s. Byrant 2003) – entflammt, in der die Frage nach der Konstruktion von Daten und die Rolle der Forschenden ins Zentrum rückte. Diese Diskussion wurde in Deutschland aber nur zum Teil zur Kenntnis genommen.

2.2 Weiterentwicklungen und Varianten der GTM

Besonders deutlich tritt die fortlaufende Weitentwicklung der GTM zu Tage, wenn man sich mit Fragen der Analyse befasst. Aus der methodologischen Leitidee der Methode des ständigen Vergleichens (Glaser 1965; Glaser und Strauss 1967) entwickeln sich im Zuge der Ausdifferenzierung und Elaborierung der GTM verschiedene Verfahrensvorschläge. Gemeinsam ist der Vielzahl von Varianten von Kodierprozeduren, dass sie darauf abzielen, dass die Forschenden „in Dialog mit den Daten“ (Berg und Milmeister 2008) im Zuge des Kodierens fortlaufend konzeptionell arbeiten. Im Zuge dieser Elaboration wurden für das so genannten Kodieren spezifische Sets an forschungspragmatischen Vorschlägen unterbreitet, die mit Benennungsvarianten einhergehen: Glaser unterscheidet grundsätzlich zwischen „theoretischem“ (theoretical) und „gegenstandsbezogenem“ Kodieren (substantive coding), wobei letztgenanntes wiederum sowohl „offen“ als auch „selektiv“ sein kann. Zudem spricht sich er dafür aus, sukzessiv diverse formale (wie Prozess, Interaktion etc.) und inhaltliche Kodierfamilien (wie Kultur, Identität etc.) hinzuzuziehen (s. Glaser 1978, S. 74–82, s. weiterführend Glaser 1998). Strauss (1987, S. 55–81) bzw. Strauss und Corbin (1990, S. 61–142) hingegen unterscheiden drei Modi (offen, axial und selektiv) des Kodierens und schlagen eine integrierte Modellierung der Analyseergebnisse auf der Basis einer handlungstheoretischen Heuristik durch Anwendung des sogenannten Kodierparadigmas vor. Bei dessen Anwendung werden der „Kontext“, „kausale“ und „intervenierende Bedingungen“ sowie „Strategien“ und „Konsequenzen“ auf das untersuchte Phänomen hin angeordnet. Bei Charmaz (2014, S. 109–161) findet sich eine Unterscheidung zwischen „initialer“ (initial) und „fokussierter“ Kodierung (focused coding), wobei bei erster die kleinteiligen Analyseergebnisse dazu dienen, provisorisch verstandene Kodes bzw. Kategorien zu bündeln. Hierin ähnelt ihr Vorschlag dem offenen Kodieren bei Glaser wie auch dem Vorschlag von Strauss und Corbin. Im weiteren Vorgehen des fokussierten Kodierens wird dann die Konzeptbildung durch das Hinzuziehen weiterer Textstellen und weiterer Fälle vorangetrieben. Hier zeigen sich wiederum Ähnlichkeiten mit dem selektiven Kodieren bei Glaser und dem axialen Kodieren bei Strauss – ohne jedoch das Straussʼsche Kodierparadigma zu nutzen. Besonders wichtig ist es Charmaz herauszustellen, dass diese Arbeitsschritte einen Entscheidungsprozess der Auswertenden implizieren und damit die hinzugezogenen Präkonzepte im Zuge dieses Arbeitsschritts aufzudecken sind.

An diesem und verwandten Problemen setzen zum Teil die Weiterentwicklungen der „second generation“ an. Insbesondere Kathy Charmazʼ Rekonstruktion einer eher positivistisch ausgerichteten GTM gegenüber einer von ihr vertretenen „konstruktivistischen“ Variante – und ebenso die Ansätze, die auf Subjektivität bzw. Selbst-Reflexivität der GTM abheben (so Breuer et al. 2011; Mruck und Mey 2007) – machen die Limitation einer „naiven“ Vorstellung von Erkenntnisbildung ohne konkrete Forschende deutlich. Ähnlich wie der Ansatz von Charmaz lässt sich auch die „Situationsanalyse“ von Adele Clarke (2005) als „postmoderne“ Variante einordnen. Sie stellt theoretische Bezüge zur Diskurs- und Akteur-Netzwerk-Theorie her und formuliert ihre Techniken des Mapping unter Rekurs auf das Strauss’sche „Konzept der sozialen Arena“ (1978) aus. Clarkes Weiterentwicklung der Analyseinstrumente der GTM sieht vor allem die Hinzunahme von Mapping-Techniken zu Analysezwecken vor, die neben menschlichen Akteuren auch Dinge sowie Diskurse berücksichtigen (s. dazu Diaz-Bone 2012). Sie unterscheidet zwischen diversen Mapping-Formaten (Clarke 2005, S. 83–144): Situations-Maps („situational maps“) dienen der Analyse der Relationen zwischen allen situativ relevanten Elementen. Maps von sozialen Welten und Arenen („social world/arena maps“) sowie Positions-Maps („position maps“) kartografieren stärker als die situational maps transsituative Phänomene wie soziale Welten oder Diskurspositionen.

Im Vergleich wird deutlich, dass auf der konkret-handwerklichen bzw. arbeitstechnischen Ebene durchaus Ähnlichkeiten bestehen. Es geht allen GTM-Varianten um eine zunächst kleinteilige Analyse von Segmenten (i. S. einer Wort-für-Wort bzw. Zeile-für-Zeile-Analyse), die dann zunehmend ausgedehnt wird und einen größeren und großteiligeren Materialkorpus umfasst, um gehaltvolle Kategorien und später eine grounded theory zu präsentieren. Divergenzen bestehen neben der Terminologie in den jeweiligen Akzentuierungen der Vorgehensweisen, am deutlichsten jedoch in den jeweils der Datenanalyse zugrundeliegenden theoretisch-methodologischen Verständnissen. Schon die beiden Gründungsfiguren zeichnen sich durch unterschiedliche wissenschaftliche Prägungen aus. Während Glaser in seiner formativen Phase an der Columbia School ausgebildet wurde, zeichnen sich bei Strauss – und Corbin – die Einflüsse von Pragmatismus und symbolischem Interaktionismus ab, während Charmaz wie Clarke eher postmoderne bzw. -strukturalistische Positionen vertreten.

Neben diesen beiden letztgenannten Entwicklungen aus der Reihe der „second generation“ sind weitere Ansätze zu nennen: Die reflexive GTM (Breuer 2010), Versuche, die GTM mit anderen Ansätzen wie der Objektiven Hermeneutik (Hildenbrand 2004) oder der Narrationsanalyse (Ruppel und Mey 2015; Mey und Ruppel 2016) zu verbinden; bis hin zu ersten Vorschlägen einer Visual Grounded Theory (Konecki 2011; Mey und Dietrich 2016). Die Vielgestaltigkeit und Entwicklungslinien der GTM spiegelt sich auch in den systematisierenden Handbüchern wieder (s. Bryant und Charmaz 2007; Mey und Mruck 2007, 2011b; Equit und Hohage 2016).

3 Essentials der GTM und ihre Anwendung in kultursoziologischen Studien

Trotz aller theoretischen Divergenzen und trotz auch z. T. verschiedener Termini für die Kodierprozeduren lassen sich nach wie vor einige übergeordnete Essentials der GTM benennen, dies sind insbesondere: (a) Konzeptbildung statt Deskription; (b) Konzeptbildung durch Memo-Writing, (c) Fallvergleiche und theoretical sampling und (d) All is Data. Die genannten Essentials möchten wir im Folgenden nicht ausschließlich aus Perspektive der Methodologie diskutieren, sondern immer auch Beispiele aus der kultursoziologischen Forschungspraxis heranziehen. Ausgewählt haben wir dazu „Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil“ von Rainer Diaz-Bone (2010, s. a. 2005); „Die Welt der Gothics“ von Axel Schmidt und Klaus Neumann-Braun (2004), „Kleider schaffen Ordnung“ von Alexandra König (2007), „Grenzenlos guter Geschmack“ von Oliver Berli (2014) sowie die Studie „Inszenierung von Jugend/lichkeit“ von Marc Dietrich und Günter Mey (2015) aus dem BMBF-Forschungsverbund „JuBri – Techniken jugendlicher Bricolage“. In diesen Studien wird eine große Bandbreite von kultursoziologischen Fragestellungen empirisch untersucht. Bei der hier getroffenen Auswahl ist uns bewusst, dass von der Kultursoziologie zu sprechen ähnlich voraussetzungsreich wie die Rede von der Grounded Theory Methodologie ist. Das Feld der Kultursoziologie ist in sich sehr vielgestaltig, was nicht nur für den deutschsprachigen Raum, sondern gerade auch international gilt. Die genannten Studien basieren nicht immer ausschließlich auf den Verfahrensvorschlägen der GTM, sondern nehmen sie in unterschiedlichem Maße als methodologische Inspiration für forschungspraktische Umsetzung des jeweiligen Untersuchungsinteresses. So führt Diaz-Bone im Kern eine durch Michel Foucault inspirierte Diskursanalyse durch und greift für die praktische Umsetzung auf die Verfahrensvorschläge der GTM zurück. Schmidt und Neumann-Braun kombinieren in ihrem Untersuchungsdesign Ethnografie und GTM, während sich König in gleichen Anteilen auf die Dokumentarische Methode und GTM bezieht. Berli orientiert sich primär an der GTM in der Strauss’schen Variante ebenso wie die Studie von Dietrich und Mey, wobei sie diese reflexiv wenden und Bezüge zur ikonografischen Analyse ausarbeiten.

3.1 Konzeptbildung statt Deskription

Mit der GTM ist seit ihrer Formulierung der Anspruch verbunden, über deskriptive Sozialforschung hinauszugehen. Die Offenheit der GTM bei gleichzeitigem Vorhandensein von forschungspragmatischen Vorschlägen zur Umsetzung und Erfüllung ihres Versprechens der Theoriebildung ermöglichen die Adaption der Interpretationsarbeit für unterschiedlichste Untersuchungsfragen und Generalisierungsziele. Daneben können auch sozialtheoretische Perspektiven, die einer Untersuchung zugrunde liegen, für eine Veränderung der Kodierprozeduren sprechen.

Beispielsweise „verurteilt“ eine Orientierung an der Strauss’schen Tradition nicht zum Einsatz des Kodierparadigmas (s. auch Corbin und Strauss 2015). Sowohl König (2007) als auch Berli (2014) verzichten in ihren Studien auf die Anwendung des paradigmatischen Modells und einer Anordnung der Ergebnisse in Kontext, Bedingungen, Strategien und Konsequenzen. In beiden Fällen liegt eine deutliche Bezugnahme auf praxistheoretische Annahmen vor – vor allem die Arbeiten Pierre Bourdieus werden hier zentral gesetzt. Der Bezug zu Bourdieus Forschungsperspektive weist auf eine selten untersuchte Wahlverwandtschaft hin, da Bourdieus Forschungsstil mit Franz Schultheis als „Grounded Theory avant la lettre“ (2007) bezeichnet werden könnte.5 Da das Kodierparadigma keineswegs sozialtheoretisch „neutral“ angelegt ist, liegt es nahe, es nur bei sozialtheoretischer Passung anzuwenden. Eine Alternative zum Verzicht auf das Kodierparadigma stellt die Neuformulierung eines eigenen Kodiermodells dar. In „Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil“ (2010, insbes. S. 197–207) nutzt Diaz-Bone die Verfahrensvorschläge der GTM, um das fehlende Instrumentarium für eine gleichermaßen diskurs- wie distinktionsanalytische Untersuchung zu schaffen. Auch er verzichtet auf den Gebrauch des Kodierparadigmas, mit folgender Begründung: „Sobald die Vernetzung der Grounded Theory zum Symbolischen Interaktionismus und Pragmatismus zum Tragen kommt, sperrt sich ihre Kodierstrategie für einen diskursanalytischen Einsatz.“ (Diaz-Bone 2010, S. 199) An die Stelle des Strauss’schen Kodierparadigmas setzt er ein eigenes Modell, dass für seine Untersuchungsziele angepasst ist (Diaz-Bone 2010, S. 200–201). Dieses Modell enthält Begriffe und Objekte wie „Künstler“, „Qualität“ oder „Werk“ und ist folglich stärker als das ursprüngliche Kodierparadigma an die konkrete Untersuchungsfrage, den Gegenstand sowie die verwendete Theoriegrundlage angepasst.

3.2 Konzeptbildung durch Memo-writing

Ein weiterer wichtiger Aspekt der GTM, ist die Betonung der Bedeutung des Schreibens für den Forschungsprozess. Dem Schreiben von Memos kommen dabei mehrere Funktionen zu: Memos werden u. a. genutzt, um den Forschungsprozess zu dokumentieren, die Ebene der Deskription zu verlassen und eine Erhöhung des Abstraktionsniveaus zu erreichen, Eigenschaften und Merkmale von Konzepten auszuarbeiten, den Theoriegenerierungsprozess zu unterstützen (vgl. Bex Lempert 2007) – und im Sinne „reflexiver Memos“ –, das Verhältnis von Forschenden-Forschungsthema-Forschungsprozess zu explizieren (vgl. Breuer et al. 2011, S. 440). Diese Aufzählung macht deutlich, dass dem Schreiben in der GTM eine hohe Relevanz zugesprochen wird, wobei hier – ähnlich Howard S. Beckers Überlegungen in „Writing for Social Scientists“ (2007) – Schreiben als praktischer Prozess verstanden wird, der zentral für die entstehende Theorie ist (s. auch Mey und Ruppel 2016). Die Anfänge von Memos und Theorien nehmen sich im Vergleich zu den publizierten Ergebnissen von Forschung häufig bescheiden aus und haben vorläufigen, provisorischen Charakter – was auch im folgenden Beispiel deutlich wird. Berli untersucht in seiner Studie „Grenzenlos guter Geschmack“ (2014) im Anschluss an kultursoziologische Diskussionen um das Phänomen der sogenannten „Omnivorizität“6 den Musikgeschmack von (hochqualifizierten) Erwachsenen. Es folgt aus dieser Untersuchung ein kurzes Beispiel für ein frühes Memo, in dem eine neue Idee hinsichtlich Regelmäßigkeiten in Interviews mit MusikhörerInnen festgehalten wurde:

In den Interviews zeichnen sich vorläufig zwei Gruppen von Gütekriterien ab, die von den Interviewten genutzt werden, um Musik zu bewerten. Da wären zum einen Kriterien wie Klang oder Texte und zum anderen politische Einstellung, Style etc. Auf den ersten Blick scheint sich eine Familie objektbezogene Kriterien und eine Familie interpretenbezogener Kriterien abzuzeichnen. Weitere denkbare Kriterien könnten sich auf die Rezeptionssituation, auf die Differenz Aufführung oder ‚Konserve‘ etc. beziehen.

Im Fortlauf der Untersuchung wurden aus den hier benannten „Gütekriterien“ vier Typen von Qualitätskriterien, die zur Legitimierung von musikalischen Geschmacksurteilen herangezogen werden und zwar in Bezug auf (a) musikimmanente Qualitätskriterien (wie Klang oder Geschwindigkeit), (b) die erwartete Funktion von Musik (z. B. Erinnerung hervorrufen); (c) musikexmanente Qualitätskriterien (bspw. Authentizität) und (d) habitualisierte Hörstrategien (wie Konzertbesuche) (vgl. Berli 2014, S. 165–210). Jeder dieser vier Gruppen weist mehrere Untertypen auf, wobei nicht nur die Anzahl der Qualitätskriterien enorm zugenommen, sondern sich auch ihr Ort im konzeptionellen Rahmen der Arbeit verändert hat. So werden Wertzuschreibungen in Bezug auf Musik (oder auch andere kulturelle Güter) in ihrem Zusammenwirken mit dem „Spiel der Klassifikationen“ und alltäglichen symbolischen Abgrenzungen zu einer „Theorie des unterscheidenden Hörens“ verdichtet. Solche im Zuge der Forschungsarbeit angefertigten Memos dokumentieren diesen Prozess der kontinuierlichen Veränderung des konzeptionellen Gerüsts einer Untersuchung und erlauben – zunächst ohne Publikum – konzeptuelle Überlegungen zu erproben und sukzessive zu entwickeln. Geradezu notorisch ist die Aufforderung der GTM mit Beginn des Forschungsprozesses auch in das kontinuierliche Verfassen von (theoretischen) Memos einzusteigen (Glaser und Strauss 1967, S. 105–113; Strauss 1987, S. 109–129). Die Prozesse des Schreibens, Überarbeitens und Sortierens von Memos, für die es wiederum eine Reihe von Faustregeln gibt (bspw. Strauss 1987, S. 127–128), sind wertvolle und notwendige Schritte für die Entwicklung eines konzeptuellen Rahmens bzw. einer grounded theory (s. a. Mey und Mruck 2009, S. 113–114).

3.3 Fallvergleich und theoretical sampling

Das wohl bekannteste Essential sind die Samplingstrategien der GTM. Glaser und Strauss votieren für ein iteratives Vorgehen, bei dem sich Datenerhebung und -auswertung ständig abwechseln und für die Studien genau zu überlegen ist, welches der nächste Fall sein soll, mit welcher Absicht dieser erhoben und ausgewertet wird (s. Glaser und Strauss 1967, S. 47–55). Entscheidend für die Samplingstrategie ist also die theoretische Relevanz der bearbeiteten Fälle. Hierüber werden dann etwa Minimal- oder Maximalkontraste gebildet, mit denen der konzeptuelle Gehalt weiter ausgearbeitet wird. Für GTM-Studien ist das Vorgehen gemäß dem theoretical sampling unabdingbar (und ist erst abgeschlossen, wenn keine weiteren Erkenntnisse durch weiter hinzuzuziehende Daten erwartbar sind, also eine „theoretische Sättigung“ eingetreten ist). Mittlerweile findet sich diese Idee allgemein aufgegriffen in Vorschlägen zum „purposive sampling“, wobei hierzu dann auch „top down“- neben „bottom up“-Strategien bzw. mixed-Ansätze gerechnet werden (vgl. Gobo 2004; Schreier 2010).

König hat in ihrer Studie „Kleider schaffen Ordnung“ (2007) Jugendliche in Einzelinterviews und Gruppendiskussionen zu ihren vestimentären Praktiken befragt. Im laufenden Forschungsprozess wurde eine Kombination von Samplingstrategien angewendet, dabei wurde sowohl nach vorab festgelegten Kriterien (wie sozialer Status und Alter) ausgewählt als auch aufgrund ihres sich entwickelnden gegenstandsbezogenen Wissens weitere Interviewees nach Kriterien wie Kleidungsstil gesucht (vgl. König 2007, S. 56–57). Die entwickelte Theorie in „Kleider schaffen Ordnung“ wird fallübergreifend, d. h. kontrastiv entwickelt. Zum Fallverständnis der GTM gehört es, dass im Forschungsprozess unterschiedlich nah „herangezoomt“ wird. Der Anspruch des theoretical samplings, theoretisch relevante Fälle auszuwählen, impliziert, dass die „Untersuchungseinheit“ im fortlaufenden Forschungsprozess keineswegs konstant gehalten werden muss.7 So untersucht beispielsweise König mit ihrer Kombination von Einzel- und Gruppeninterviews (2007, S. 52–55) jugendliche Erfahrungen mit und Selbst-Präsentationen durch Kleidung mit unterschiedlichen „Brennweiten“.

Neben der Auswahl von Interviewees finden eine ganze Reihe weiterer Selektionsprozesse statt, die allerdings auf der Ebene der Ergebnisdarstellung teilweise nur schwer zu vermitteln sind, dies betrifft insbesondere alle Selektionsprozesse im Zuge der Interpretation von Daten wie auch in der Darstellung von Ergebnissen. Umso wichtiger ist es, diese mit Blick auf die Erkenntnisproduktion zu reflektieren (vgl. Mruck und Mey 2007, S. 524–529).

3.4 „All is data“

Bereits aus den Überlegungen des theoretical Sampling folgt die von Glaser und Strauss (1967) erstmals aufgestellte Maxime „All is Data“. Denn im Zuge des iterativen Prozess kann es für die Bearbeitung der Forschungsfrage angezeigt sein, das Datenformat zu variieren, also nach einigen Interviews sich für einen Feldaufenthalt und ein ethnografisches Vorgehen zu entscheiden (bzw. vice versa), eine Gruppendiskussion zu führen oder vorliegende Dokumente heranzuziehen. Deutlich wird daran, dass die GTM-Analyse für jedwedes textuelle Datenformat anwendbar ist (und – auch wenn qualitative Daten bevorzugt werden – auch quantitative Daten Eingang finden können, s. Glaser und Strauss 1967, S. 185–220).

Die Studien „Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil“ (Diaz-Bone 2010), „Die Welt der Gothics“ (Schmidt und Neumann-Braun 2004), „Kleider schaffen Ordnung“ (König 2007) „Grenzenlos guter Geschmack“ (Berli 2014) und „Inszenierung von Jugend/lichkeit“ (Dietrich und Mey 2015) verdeutlichen einen Teil der Bandbreite unterschiedlicher Datentypen, die im Rahmen der GTM bearbeitet werden können. Hier finden schriftlich vorliegende Daten (Rezensionen aus dem Musikjournalismus bzw. komplette Fanzines) ebenso selbstverständlich Verwendung wie verschiedene Varianten verbaler Daten (Einzel- wie Gruppeninterviews) und Beobachtungsdaten. Diaz-Bone arbeitet in seiner Studie mit einem Textkorpus, der unterschiedliche Textformate aus zwei Musikmagazinen (Metal Hammer und Raveline) umfasst (Diaz-Bone 2010, S. 236–237). Das gewählte Datenformat korrespondiert mit dem Ziel der Untersuchung diskursiver Kulturproduktion. König greift in ihrer Untersuchung sowohl auf Gruppendiskussionen wie auch auf leitfadengestützte Interviews zurück. In beiden Fällen wie auch in Berlis Studie wird der Datenkorpus sukzessive mit Fortschreiten der Analyse erweitert.

Für die Hinzunahme weiterer Datenformate im Zuge des Forschungsprozesses liefert Berlis Untersuchung „Grenzenlos guter Geschmack“ (2014) ein Beispiel. Zunächst als reine Interviewstudie konzipiert, wurden erste Beobachtungsprotolle im Musikhandel und auf Plattenbörsen angefertigt. Diese Feldaufenthalte waren zum Teil „gescheiterte“ Versuche, Interviewees für eine Mitwirkung zu gewinnen. Jedoch wurde auf der Basis dieser Protokolle entschieden, zusätzliche Beobachtungen im privaten Raum der Interviewten mit in die Untersuchung aufzunehmen. Auf diese Weise konnte die Materialität des Musikgeschmacks stärker als mit einem rein interviewbasierten Vorgehen in die konzeptuellen Überlegungen mit einbezogen werden.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des „visual turns“ – und darüber hinausgehend angesichts des „material turn“ – findet auch in GTM-Studien eine Ausdehnung auf nicht-textuelle Daten statt. Allerdings weist die GTM für die Analyse dieser Daten (Bilder, Zeichnungen, Fotos, Videos) verglichen mit der Textanalyse bislang erst in Ansätzen dafür Auswertungsroutinen auf Konecki (2011); Mey und Dietrich (2016). In dem Forschungsprojekt „Inszenierung von Jugend/lichkeit“ werden insbesondere in Jugendszenen von den Akteuren selbst produzierte Fanzines herangezogen, um darin die intra-/intergenerationalen Szene-Positionierungen und Selbstkonstruktionen zu untersuchen. Hierbei werden neben den Inhalten auch die Cover (also Text-Bild-Collagen) – und vereinzelt, sofern über das theoretical sampling nahegelegt und aufgrund von „Verweisen“ aus den Fanzines heraus – zudem Platten/CD-Cover und Objekte, wie Patches, Sticker als Szene-relevante Utensilien berücksichtigt. Bei den Kodierungen wird die Analysearbeit mit Blick auf die Bildlichkeit/Materialität organisiert, insbesondere durch eine strukturierte Inventarisierung der Bildinhalte und eine Untersuchung der Bildkomposition, um den Bildaufbau und seine analytisch relevanten Bestandteile herauszuarbeiten. Dazu werden in die GTM-Analyse Elemente der ikonografischen Analyse (vgl. Bohnsack 2009) integriert. Eine besondere Herausforderung eines solchen Vorgehens liegt in der Integration der entlang unterschiedlicher Datenformate gewonnenen Kategorien.

4 Zum Verhältnis von theoretischem Vorwissen und Theoriegenerierung

Das Verhältnis zwischen (theoretischem) Vorwissen und dem Anspruch Theorie zu generieren, ist eine der zentralen Herausforderungen der GTM. Vor dem Hintergrund der vergangenen methodologischen Diskussionen (bspw. Kelle 2005; Strübing 2014, S. 52–55) wird deutlich, dass Erkenntnis keineswegs „rein“ induktivistisch, mittels aus den Daten emergierenden Konzepten zu haben ist. Das lange Zeit mit der GTM verbundene „tabula rasa“ trägt nicht einmal als Metapher. Vielmehr kommt theoretischem Vorwissen und theoretischen Rahmungen an vielen Stellen im Forschungsprozess eine wichtige Rolle zu. Hierfür steht die in der GTM geforderte theoretische Sensibilität (Strauss und Corbin 1990, S. 41–47), wobei zu unterscheiden ist, ob es sich hierbei um theoretisches Vorwissen im Sinne wissenschaftlicher (Prä-)Konzepte oder um (berufs-)biografische Prägungen der Forschenden handelt. Damit ist verbunden, die Forschenden-Subjektivität mit Blick auf die Ergebnisdarstellung und Theorien-Konstruktion zu reflektieren, wie es für die GTM zunehmend zentral geworden ist und als integraler Bestandteil insbesondere bei der von Charmaz als „konstruktivistisch“ oder von Breuer als „reflexiv“ bezeichneten GTM-Varianten verstanden wird (vgl. auch Breuer et al. 2011; Mruck und Mey 2007).

Bezugnahmen auf vorgängige Theorien finden sich in den von uns dargestellten Untersuchungen in vielfältiger Weise: Diaz-Bone arbeitet in seiner Studie „Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil“ (2010) mit einem elaborierten theoretischen Gerüst, dass wesentlich sowohl durch die Foucaultʼsche Diskursanalyse wie auch die Bourdieuʼsche Distinktionsanalyse beeinflusst ist. König macht in ihrer Untersuchung „Kleider schaffen Ordnung“ (2007) in theoretischer Hinsicht sowohl Anleihen bei interaktionistischen Ansätzen wie auch bei der ungleichheitsanalytischen Kultursoziologie Bourdieus. Berlis Untersuchung „Grenzenlos guter Geschmack“ (2014) nimmt ihren Ausgang bei einer theoretischen Diskussion über die Grenzen der Bourdieuʼschen Distinktionsanalytik wie sie durch zeitgenössische Untersuchungen angeregt werden. Bei Dietrich und Meys „Inszenierung von Jugend/lichkeit“ (2015) gehen Überlegungen zu „Szenen“ als „juvenile Vergemeinschaftungspraxis“ (Hitzler und Niederbacher 2010) ein und werden mit Generationskonzeptionen (u. a. der Ambivalenz nach Lüscher 2005) verknüpft. All diese Referenzen stellen jeweils einen wesentlichen theoretischen Rahmen für die einzelnen Studien dar, sind aber nicht im Sinne von „grand theories“ misszuverstehen. Denn mit der Grundlegung der Grounded-Theory-Methodologie durch Glaser und Strauss wurde nicht nur das hypothetico-deduktive Modell kritisiert, sondern auch eine rigorose Absage an die rein illustrative Verwendung qualitativer Daten wie auch empirieferne Großtheorien erteilt. Die in den 1960er-Jahren geführte Debatte um Großtheorien resultierte vor allem aus Einwänden gegen Parsons‘ voluntaristische Handlungstheorie und seinen Strukturfunktionalismus, die aus Perspektive der Kritiker/innen eine „grand theory“ par excellence darstellte. Robert K. Merton bezeichnete Großtheorien als generalistisch und naturwissenschaftsorientiert und plädierte demgegenüber für die empirisch gehaltvolleren „middle range theories“ (vgl. Merton 1998, S. 3–8; s. a. Mackert und Steinbiker 2013). Aus der Perspektive des Symbolischen Interaktionismus wurde insbesondere die Vernachlässigung des interaktionsbezogenen Aushandlungscharakters von Werten und Normen sowie die damit verbunden starre Gesellschaftsvorstellung hinterfragt, die auch ein ebenso starres „cultural system“ implizierte (vgl. dazu überblicksartig Joas und Knöbl 2004, S. 72–142 und 183–219). Die vielstimmige Kritik an Großtheorien à la Parsons lässt sich treffend als „Aufstand des Konkreten“ charakterisieren (Keller 2012, S. 9–19) und mündet in die Formierung des interpretativen Paradigmas.

Eine elaborierte Relationierung von Theorie und Empirie scheint aktueller denn je angesichts eines neuen postqualitativen Theorismus, dessen Forschungspraxis Reiner Keller (2014) folgendermaßen charakterisiert: „was die Theorie nicht vor-sieht, gerät nicht mehr in den Blick. Forschen wird dann wieder ein Zeitvertreib zur Veranschaulichung des theoretischen Vokabulars“ (Keller 2014, Abs. 29). Wenn die GTM in dem von uns skizzierten Sinne Eingang in kultursoziologische Studien findet, bei der auf der einen Seite die theoretischen Rahmungen expliziert und reflektiert werden und auf der anderen Seite die Daten eingehend analysiert und konzeptualisiert werden, ist es möglich, in kultursoziologischen Studien eben eine solche elaborierte Relationierung von Theorie und Empirie zu gewährleisten.

5 Fazit

Die Geschichte der GTM kann als eine Erfolgsgeschichte dargestellt werden. Seit ihrem Bestehen wird sie beständig weiterentwickelt und hat auch im deutschsprachigen Raum weite Verbreitung gefunden. Einzelne methodologische Entwicklungen wie das theoretical sampling sind derart folgenreich, dass sie auch weit über die GTM hinaus Verwendung finden (vgl. Abschn. 3.3). Allerdings gibt es gegenwärtig trotz der weiten Verbreitung der GTM in ihren mannigfaltigen Varianten nur wenige genuin kultursoziologisch ausgerichtete Arbeiten, die sich diesem Forschungsstil verpflichtet sehen. Dem muss jedoch nicht zwangsläufig so sein. Eine Nicht-Passung von kultursoziologischem Interesse und theoretischen Vorannahmen der GTM kann aus unserer Perspektive nicht als Erklärung herangezogen werden für die geringe Zahl an GTM-orientierten Arbeiten. Denn zum einen decken die aktuell parallel verfolgten Varianten der GTM ein breites sozialtheoretisches wie methodologisches Spektrum ab (vgl. Abschn. 2.2). Und zum anderen belegen die von uns beispielhaft herangezogenen Studien, wie breit die Einsatzmöglichkeiten der GTM für kultursoziologische Fragestellungen sind. Eine andere mögliche Erklärung für die wechselseitige Zurückhaltung zwischen Kultursoziologie und GTM könnte das spannungsreiche Verhältnis von theoretischem Vorwissen und dem Anspruch der Theoriegenerierung sein. Das in sich anspruchsvolle Selbstverständnis der Kultursoziologie – zwischen spezieller und allgemeiner Soziologie – trifft hier auf einen Forschungsstil, der mit einem folgenschweren induktivistischen Missverständnis belastet war. Methodologisch wie auch in den genannten Beispielen ist der Diskussionsstand einen Schritt weiter als überholte Induktivismusvorwürfe vermuten lassen. Die Kunst besteht darin – in diesem Punkt treffen sich das generelle Prinzip der Offenheit (Hoffmann-Riem 1980) in der qualitativen Sozialforschung und die GTM – ein Maß an theoretischer Sensibilität zu entwickeln und zu elaborieren, das gleichzeitig offen genug ist für neue Erkenntnisse im Forschungsprozess.

Die vorgestellten Studien dokumentieren, dass sich im Kontext kultursoziologischer Forschung der Forschungsstil der GTM den spezifischen Fragestellungen und Erfordernissen des Gegenstands anpassen lässt. Diese Verbindung von Offenheit und Regelgeleitetheit macht ihren Charme aus – um an dieser Stelle Strauss zu zitieren: „Study them, use them, but modify them in accordance with the requirements of your own research. Methods after all, are developed and changed in response to changing work contexts“ (Strauss 1987, S. 8). Der potenzielle Mehrwert von kultursoziologischen Untersuchungen, die sich durch die GTM anregen lassen, ist aus unserer Sicht für beide Seiten gegeben. Dies gilt einerseits, da aktuelle kultursoziologische Problemstellungen angetan sind, das methodische und methodologische Repertoire der GTM herauszufordern. Insbesondere wird sie die GTM vermehrt um die Analyse von Artefakten und visuellen Daten (bzw. generell nicht textförmiges Material) kümmern müssen. Andererseits ermöglicht eine Orientierung an der GTM kultursoziologische Forschung jenseits von Großtheorien und illustrativen Datengebrauch. Hier ergänzen sich aktuelle Themenkonjunkturen und Problemstellungen innerhalb der Kultursoziologie bestens mit den Entwicklungspotenzialen der GTM.

Fußnoten

  1. 1.

    Das grundlegende – 1967 erschienene, erste und einzige gemeinsame methodologische Buch von Anselm Strauss und Barney Glaser „The Discovery of Grounded Theory“ überflügelt laut Iddo Tavory und Stefan Timmermans (2014, S. 10, Fn. 2) etablierte Klassiker der Sozialwissenschaften wie Max Webers „Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ oder auch Émile Durkheims „Elementare Formen des religiösen Lebens“. Dass eine häufige Zitation allerdings nichts darüber aussagt, in welcher Art und Weise auf ein wissenschaftliches Werk Bezug genommen (oder ob nur wie im Falle der GTM auf das Label rekurriert) wird (vgl. Suddaby 2006), versteht sich von selbst.

  2. 2.

    Die gegenwärtige Bandbreite der (deutschsprachigen) kultursoziologischen Landschaft lässt sich anhand des Sammelbands „Kultursoziologie. Paradigmen – Methoden – Fragestellungen“ illustrieren, der von Monika Wohlrab-Sahr 2010 herausgegeben wurde. Hier versammeln sich Beiträge, die sich der Wissenssoziologie, Systemtheorie, Praxistheorie oder auch erklärenden Soziologie zurechnen (lassen). Einblicke in die Entwicklung der deutschen Kultursoziologie gibt u. a. das Sammelwerk „Kultur-Soziologie“ (Moebius und Albrecht 2014). Für einen englischsprachigen Überblick bieten sich das „Handbook of Cultural Sociology“ (Hall et al. 2010) wie auch das „Oxford Handbook of Cultural Sociology“ (Alexander et al. 2012) an.

  3. 3.

    Anzumerken ist hierbei, dass sich dies insbesondere auf die 1996 erschienene Übersetzung der Erstauflage von 1990 beschränkt. Demgegenüber wird die zweite – z. T. geänderte, nur im englischen verfügbare – Auflage von 1998 in geringerem Maße und noch weniger die nach dem Tod von Strauss durch Corbin verantwortete 2008 grundsätzlich neu ausgerichtete, nun mehr aktuell vierte Auflage (Corbin und Strauss 2015) rezipiert.

  4. 4.

    Exemplarisch stehen hierfür die biografieanalytischen Arbeiten von Schütze (1989; Riemann und Schütze 1991), in denen an das Konzept der Verlaufskurve von Glaser und Strauss (1968) angeschlossen wird.

  5. 5.

    Diese Einschätzung erstaunt zunächst angesichts der vehementen Kritik, die Bourdieu wiederholt an Pragmatismus und Symbolischen Interaktionismus geäußert hatte – schließlich sind sowohl Methodologie als auch Methodik der Grounded Theory tief in beiden Traditionen verwurzelt. Vergleicht man das Forschungsprogramm Pierre Bourdieus mit der GTM in der Tradition von Anselm Strauss, fallen dennoch zwei Aspekte auf, die Schultheis’ Beobachtung bestätigen könnten: (a) Obwohl Bourdieu im Vergleich zu Strauss in stark differierenden theoretischen Traditionen und Diskussionen geschult und sozialisiert ist, fällt der Erfahrung der Forschung „im Feld“ eine wichtige Rolle zu. (b) Eine weitere Gemeinsamkeit lässt sich in der Beziehung von empirischer Forschung und Theorieentwicklung bzw. -formulierung feststellen.

  6. 6.

    Um das Stichwort der Omnivorizität hat sich vor allem international seit den 1990er-Jahren eine Diskussion entwickelt. Dabei wird eine zeitdiagnostische These verhandelt, die zuerst von Richard A. Peterson (1992) formuliert wurde und die Ablösung eines exklusiven durch einen inklusiven Elitengeschmack behauptet (dazu ausführlich Berli 2014, S. 52–70).

  7. 7.

    Damit ist letztlich auch verbunden, dass sich die Erhebungsverfahren im Forschungsprozess verändern (können). Das betrifft sowohl das „Feintuning“ beispielsweise von Interviews, für welche die Fragenkomplexe angepasst werden, als auch die Kombination unterschiedlicher Datenformate im Forschungsprozess.

Literatur

  1. Alexander, Jeffrey C., Ronald Jacobs, und Philip Smith, Hrsg. 2012. The Oxford handbook of cultural sociology. Oxford: Oxford University Press.Google Scholar
  2. Becker, Howard S. 2007. Writing for social scientists. How to start and finish your thesis, book, or article. Chicago: University of Chicago Press.CrossRefGoogle Scholar
  3. Berg, Charles, und Marianne Milmeister. 2008. Im Dialog mit den Daten das eigene Erzählen der Geschichte finden. Über die Kodierverfahren der Grounded-Theory-Methodologie. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 9(2), Art. 13. http://nbnresolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802138. Zugegriffen am 05.12.2016.
  4. Berli, Oliver. 2014. Grenzenlos guter Geschmack. Die feinen Unterschiede des Musikhörens. Bielefeld: transcript.Google Scholar
  5. Bex Lempert, Lora. 2007. Asking questions of the data: Memo writing in the grounded theory tradition. In The Sage handbook of grounded theory, Hrsg. Anthony Bryant und Kathy Charmaz, 245–264. London: Sage.CrossRefGoogle Scholar
  6. Bohnsack, Ralf. 2009. Qualitative Bild- und Videointerpretation. Die dokumentarische Methode. Opladen: Budrich.Google Scholar
  7. Breuer, Franz (unter Mitarbeit von B. Dieris und A. Lettau). 2010. Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  8. Breuer, Franz, Günter Mey, und Katja Mruck. 2011. Subjektivität und Selbst-/Reflexivität in der Grounded-Theory-Methodologie. In Grounded theory reader, Hrsg. Günter Mey und Katja Mruck, 2., aktualisierte und erweiterte Aufl., 427–448. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  9. Bryant, Anthony. 2003. A Constructive/ist Response to Glaser. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 4(1), Art. 15. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0301155. Zugegriffen am 05.12.2016.
  10. Bryant, Anthony, und Kathy Charmaz, Hrsg. 2007. The Sage handbook of grounded theory. London: Sage.Google Scholar
  11. Charmaz, Kathy. 2014. Constructing grounded theory. A practical guide through qualitative analysis. London: Sage.Google Scholar
  12. Clarke, Adele E. 2005. Situational analysis: Grounded theory after the postmodern turn. London: Sage.CrossRefGoogle Scholar
  13. Corbin, Juliet M., und Anselm L. Strauss. 2015. Basics of qualitative research: Techniques and procedures for developing grounded theory, 4. Aufl. Thousand Oaks: Sage.Google Scholar
  14. Diaz-Bone, Rainer. 2010. Zur Methodologisierung der Foucaultschen Diskursanalyse. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 7(1), Art. 6. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs060168. Zugegriffen am 05.12.2016.
  15. Diaz-Bone, Rainer. 2010. Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil. Eine diskurstheoretische Erweiterung der bourdieuschen Distinktionstheorie, 2., erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  16. Diaz-Bone, Rainer. 2012. Review essay: Situationsanalyse – Strauss meets Foucault? Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 14(1), Art. 11. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1301115. Zugegriffen am 05.12.2016.
  17. Dietrich, Marc, und Günter Mey. 2015. Die Szene als hybrides „Posterchild“. Alters-/entwicklungs-, generations- und genderbezogene Konstruktionen im Ox #29-Punkzine. In Zugänge, Herausforderungen & Perspektiven der Analyse von Fanzines. Exemplarische Analyse zu OX #29. JuBri-Workingpaper 1/2015, Hrsg. Almut Sülzle, 30–51. http://jubri.jugendkulturen.de/files/jub/pdf/WP_1_Jugend.pdf. Zugegriffen am 05.12.2016.
  18. Equit, Claudia, und Christoph Hohage, Hrsg. 2016. Handbuch Grounded Theory. Weinheim: Beltz Juventa.Google Scholar
  19. Glaser, Barney G. 1965. The constant comparative method of qualitative analysis. Social Problems 12:436–445.CrossRefGoogle Scholar
  20. Glaser, Barney G. 1978. Theoretical sensitivity: Advances in the methodology of grounded theory. Mill Valley: Sociology Press.Google Scholar
  21. Glaser, Barney G. 1992. Basics of grounded theory analysis: Emergence vs. forcing. Mill Valley: Sociology Press.Google Scholar
  22. Glaser, Barney G. 1998. Doing grounded theory. Issues and discussions. Mill Valley: Sociology Press.Google Scholar
  23. Glaser, Barney G. (with the assistance of Judith Holton). 2004. Remodeling grounded theory. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 5(2), Art. 4. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs040245. Zugegriffen am 05.12.2016.
  24. Glaser, Barney G., und Anselm L. Strauss. 1965. Awareness of dying. Chicago: Aldine.Google Scholar
  25. Glaser, Barney G., und Anselm L. Strauss. 1967. The discovery of grounded theory: Strategies for qualitative research. Chicago: Aldine.Google Scholar
  26. Glaser, Barney G., und Anselm L. Strauss. 1968. Time for dying. Chicago: Aldine.Google Scholar
  27. Gobo, Giampietro. 2004. Sampling, representativeness and generalizability. In Qualitative research practice, Hrsg. Clive Seale, Giampietro Gobo, Jaber F. Gubrium und David Silverman, 405–426. London: Sage.CrossRefGoogle Scholar
  28. Göttlich, Udo, Clemens Albrecht, und Winfried Gebhardt, Hrsg. 2010. Populäre Kultur als repräsentative Kultur. Die Herausforderung der Cultural Studies. Köln: Herbert von Halem.Google Scholar
  29. Hall, John R., Laura Grindstaff, und Ming-Cheng Lo, Hrsg. 2010. Handbook of cultural sociology. London: Routledge.Google Scholar
  30. Hildenbrand, Bruno. 2004. Gemeinsames Ziel, verschiedene Wege: Grounded Theory und Objektive Hermeneutik im Vergleich. Sozialer Sinn 5(2):177–194.Google Scholar
  31. Hitzler, Ronald, und Arne Niederbacher. 2010. Leben in Szenen. Formen juveniler Vergemeinschaftung heute. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  32. Hoffmann-Riem, Christa. 1980. Die Sozialforschung einer interpretativen Soziologie. Der Datengewinn. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 32:339–372.Google Scholar
  33. Joas, Hans, und Wolfgang Knöbl. 2004. Sozialtheorie: Zwanzig einführende Vorlesungen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  34. Kelle, Udo. 2005. „Emergence“ vs. „forcing“ of empirical data? A crucial problem of „grounded theory“ reconsidered. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 6(2), Art. 27. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0502275. Zugegriffen am 05.12.2016.
  35. Keller, Reiner. 2012. Das interpretative Paradigma. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.CrossRefGoogle Scholar
  36. Keller, Reiner. 2014. Zukünfte der qualitativen Sozialforschung. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 15(1), Art. 16. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1401165. Zugegriffen am 05.12.2016.
  37. Konecki, Krzysztof. 2011. Visual grounded theory: A methodological outline and examples from empirical work. Revija za sociologiju 41(2):131–160.CrossRefGoogle Scholar
  38. König, Alexandra. 2007. Kleider schaffen Ordnung. Regeln und Mythen jugendlicher Selbst-Präsentation. Konstanz: UVK.Google Scholar
  39. Lüscher, Kurt. 2005. Ambivalenz. Eine Annäherung an das Problem der Generationen. In Generationen. Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs, Hrsg. Ulrike Jureit und Michael Wildt, 53–78. Hamburg: Hamburger Edition.Google Scholar
  40. Mackert, Jügen, und Jürgen Steinbiker. 2013. Zur Aktualität von Robert K. Merton. Wiebaden: Springer VS.CrossRefGoogle Scholar
  41. Merton, Robert K. 1998. Soziologische Theorie und soziale Struktur. Berlin/New York: Walter de Gruyter.Google Scholar
  42. Mey, Günter, und Marc Dietrich. 2016. Vom Text zum Bild - Überlegungen zu einer visuellen Grounded-Theory-Methodologie. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 17(2), Art. 2, nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs160225. Zugegriffen am 05.12.2016.
  43. Mey, Günter, und Katja Mruck, Hrsg. 2007. Grounded theory reader. Historical social research, Supplement, 19. Köln: ZHSF.Google Scholar
  44. Mey, Günter, und Katja Mruck. 2009. Methodologie und Methodik der Grounded Theory. In Forschungsmethoden der Psychologie. Zwischen naturwissenschaftlichem Experiment und sozialwissenschaftlicher Hermeneutik. Psychologie als Natur- und Kulturwissenschaft. Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit, Hrsg. W. Kempf und M. Kiefer, Bd. 3, 100–152. Berlin: Regener.Google Scholar
  45. Mey, Günter, und Katja Mruck. 2011a. Grounded-Theory-Methodologie. Entwicklung, Stand, Perspektiven. In Grounded theory reader, Hrsg. Günter Mey und Katja Mruck, 2., überarb. u. erweiterte Aufl., 11–48. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  46. Mey, Günter, und Katja Mruck, Hrsg. 2011b. Grounded theory reader, 2., aktualisierte und erweiterte Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  47. Mey, Günter, und Paul Sebastian Ruppel. 2016. Grounded Theory und Narrativität. In Handbuch Grounded Theory, Hrsg. Claudia Equit und Christoph Hohage, 273–289. Weinheim: Beltz Juventa.Google Scholar
  48. Moebius, Stephan, und Clemens Albrecht, Hrsg. 2014. Kultur-Soziologie. Klassische Texte der neueren deutschen Kultursoziologie. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  49. Morse, Janice, Phyllis Stern, Juliet M. Corbin, Barbara Bowers, Katja Charmaz, und Adele E. Clarke. 2008. Developing grounded theory: The second generation. Walnut Creek: Left Coast Press.Google Scholar
  50. Mruck, Katja, und Günter Mey. 2007. Grounded theory and reflexivity. In The Sage handbook of grounded theory, Hrsg. Anthony Bryant und Kathy Charmaz, 487–510. London: Sage.Google Scholar
  51. Peterson, Richard A. 1992. Understanding audience segmentation. From elite and mass to omnivore and univore. Poetics 21:243–258.CrossRefGoogle Scholar
  52. Riemann, Gerhard, und Fritz Schütze. 1991. „Trajectory“ as a basic theoretical concept for analyzing suffering and disorderly social processes. In Social organization and social process: Essays in honor of Anselm Strauss, Hrsg. David R. Maines, 333–357. New York: de Gruyter. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-7214. Zugegriffen am 05.12.2016.
  53. Ruppel, Paul Sebastian, und Günter Mey. 2015. Grounded theory methodology – Narrativity revisited. Integrative Psychological & Behavioral Science 49(2): 174–186.CrossRefGoogle Scholar
  54. Schmidt, Axel, und Klaus Neumann-Braun. 2004. Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  55. Schreier, Margrit. 2010. Fallauswahl. In Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie, Hrsg. Günter Mey und Katja Mruck, 238–251. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.CrossRefGoogle Scholar
  56. Schultheis, Franz. 2007. Bourdieus Wege in die Soziologie. Genese und Dynamik einer reflexiven Sozialwissenschaft. Konstanz: UVK.Google Scholar
  57. Schütze, Fritz. 1989. Kollektive Verlaufskurve oder kollektiver Wandlungsprozeß. Dimensionen des Vergleichs von Kriegserfahrungen amerikanischer und deutscher Soldaten im zweiten Weltkrieg. BIOS. Zeitschrift für Biografieforschung und Oral History 19(1): 31–109.Google Scholar
  58. Strauss, Anselm L. 1978. A social worlds perspective. Studies in Symbolic Interaction 1:119–128.Google Scholar
  59. Strauss, Anselm L. 1987. Qualitative analysis for social scientists. Cambridge: Cambridge University Press.CrossRefGoogle Scholar
  60. Strauss, Anselm L., und Juliet M. Corbin. 1990. Basics of qualitative research: Techniques and procedures for developing grounded theory. London: Sage.Google Scholar
  61. Strübing, Jörg. 2014. Grounded Theory. Zur sozialtheoretischen und epistemologischen Fundierung eines pragmatistischen Forschungsstils, 3. Aufl. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  62. Suddaby, Roy. 2006. From the editors: What grounded theory is not. Academy of Management Journal 49(4): 633–642.CrossRefGoogle Scholar
  63. Tavory, Iddo, und Stefan Timmermans. 2014. Abductive analysis. Theorizing qualitative research. Chicago/London: University of Chicago Press.CrossRefGoogle Scholar
  64. Tenbruck, Friedrich. 1979. Die Aufgaben der Kultursoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 31:399–421.Google Scholar
  65. Wohlrab-Sahr, Monika, Hrsg. 2010. Kultursoziologie. Paradigmen – Methoden – Fragestellungen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Angewandte HumanwissenschaftenHochschule Magdeburg-StendalHansestadt StendalDeutschland
  2. 2.Institut für Qualitative ForschungInternationale Akademie BerlinBerlinDeutschland
  3. 3.Humanwissenschaftliche FakultätUniversität zu KölnKölnDeutschland

Personalised recommendations