Advertisement

Spinoza pp 109-133 | Cite as

Der jüdische Charakter der Lehre Spinozas

  • Joseph Klausner

Zusammenfassung

Nicht über das Verhältnis Spinozas als Mensch und als Philosoph zum Judentum und zu den Juden will ich hier reden. Seit dem Auftreten des Juden Jakob Freudenthal und des Christen Dunin-Borkowski wurde es ganz klar, dass «es ein Vorurteil sei, Spinoza für einen Heiligen zu halten»1 und dass man in den Jahren 1600–1700 «ungefähr hundert Persönlichkeiten» finden kann «die Spinoza an sittlicher Grösse teils ebenbürtig sind, teils ihn überragen»2. Der Bannfluch der Rabbinen und Gemeindeältesten von Amsterdam war, sicherlich, keine lobenswerte Tat von unserem heutigen Gesichtspunkt; er war aber auch keine schreckliche Tat. Selbst die «Kollegianten», mit denen Spinoza freundschaftlich verkehrte und die vielleicht unter allen christlichen Sekten die religiös Freisinnigsten waren, dachten zu jener Zeit, «der Bannfluch wäre das Kleinod der Kirche»3; Spinoza hat jedoch keinen besonders grossen Mut dadurch bewiesen, dass er sich nicht den Rabbinen und Gemeindevorstehern Israels unterwarf, da er von ihnen nicht so sehr abhängig war und da er in Wahrheit das synagogale Judentum verlassen hatte (wenn man es so nennen darf), noch bevor er geächtet wurde. Seither aber hat ihm das Judentum nichts zuleid getan4. Und man muss es immer wieder betonen, dass bei seiner damaligen Lage unter den Christen, gänzlich losgelöst von allen Juden und stark beeinflusst von den von allen übernatürlichen Glaubensvorstellungen freien sittlichen Anschauungen der freigesinnten christlichen Sekten im damaligen Holland, eine seelische Schönheit nicht bloss darin zu erblicken sei, dass er nicht seinen Glauben gewechselt hat (sein Zeitgenosse La Peyere hat es getan), sondern auch in seiner energischen Entgegnung auf den Bekehrungsversuch Albert Burghs: jede Religion predigt Gerechtigkeit und Liebe; und wenn die Ausbreitung und der Erfolg des Christentums für dessen Wahrheit Zeugnis ablegen, so bezeugt die Wahrheit des Judentums dessen unwandelbare Beharrlichkeit im Verlaufe von Jahrtausenden trotz der Verfolgungen der Heiden und Christen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Science+Business Media Dordrecht 1962

Authors and Affiliations

  • Joseph Klausner
    • 1
  1. 1.JerusalemIsrael

Personalised recommendations