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Verabschiedungsgesten und Kontaminationsdiagnosen: Abwehr und Reformulierung transzendentaler Subjektivität in der gegenwärtigen Sozialtheorie

  • Hans Bernhard Schmid
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Part of the Phaenomenologica book series (PHAE, volume 158)

Zusammenfassung

Wie für die gegenwärtige Sozialtheorie überhaupt ist es bezeichnend für jene beiden Positionen, die das Feld der sozialtheoretischen Debatte im deutschen Sprachraum in den letzten dreissig Jahren polarisiert haben, daß sie mit der Theoriefigur des transzendentalen Subjekts nichts mehr zu schaffen haben wollen. Ja die Vehemenz der Verabschiedungserklärungen gegenüber dem, was der Systemtheorie und der kommunikationstheoretisch gewendeten Kritischen Theorie als „Subjektphilosophie“ erscheint, weist darauf hin, daß diese beiden Theoriegroßunternehmen ihr Selbstverständnis wesentlich im Abstoß von der Subjektphilosophie gewinnen. Dieser Abschied von der Subjektphilosophie ist ein wichtiges Bestimmungsstück der jeweiligen Paradigmen- bzw. Epochengrenzen, die in diesen beiden Theorien so zentral sind — des „Abschieds von Alteuropa“ in der Systemtheorie, des „Paradigmenwechsels“ in der Kritischen Theorie. Ohne Übertreibung kann man deshalb sagen, daß die Verabschiedungsgesten, von denen die Selbstdarstellung dieser beiden Theorien lebt, das transzendentale Subjekt meinen. In diesem Sinne gehen diese Ansätze mit der eingangs genannten Pauschaldiagnose konform, daß „die“ gegenwärtige Sozialtheorie ihre Identität im gemeinsamen Grundmotiv des Abstoßes von der Subjektphilosophie finde. Habermas läßt keine Gelegenheit aus, selbst an theoriestatisch tragender Stelle das „Ende der Subjektphilosophie“ 156 zu verkünden.157 Und Luhmann proklamiert — nicht weniger dezidiert und nicht weniger lautstark — den „Tod des Subjekts“ als Voraussetzung der Systemtheorie.158

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Literatur

  1. 156.
    Vgl. etwa Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns (im folgenden zit. als ThdkH). Bd. 1, Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Frankfurt am Main 1985, S. 532.Google Scholar
  2. 157.
    Zum Zweck diese Gegnerschaft möglichst deutlich zu markieren, flaggt Habermas sich gelegentlich gar als Foucaultianer aus (vgl. Habermas’ Übernahme der Kritik Michel Foucaults an der sich in Oppositionsbegriffe notwendig aufspreizenden Subjektphilosophie, „der man wohl kaum anders als mit einem Wechsel des Paradigmas selbst dürfte begegnen können“ (Habermas, Jürgen: Rückkehr zur Metaphysik — Eine Tendenz in der deutschen Philosophie. In: Merkur 39 (1985), S. 898–905, hier S. 903) — wobei andererseits gerade Foucault unter dem Titel „Subjektphilosophie“ der Habermasschen Kritik unterzogen wird (vgl. dazu PhDM).Google Scholar
  3. 158.
    So etwa in Luhmann, Niklas: Observing Re—entries (im folgenden zit. als OR). In: Preyer/Peter/Ulfig (Hg.) 1996, S. 290–301, insbes. S. 297.Google Scholar
  4. 159.
    Vgl. Ebeling, Hans: Neue Subjektivität. Die Selbstbehauptung der Vernunft, Würzburg 1990, S. 84.Google Scholar
  5. 160.
    Vgl. etwa PhDM/426ff; Habermas, Jürgen: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und demokratischen Rechtsstaats (im folgenden zit. als FuG), Frankfurt am Main 1992, S. 67.Google Scholar
  6. 161.
    Im Gegensatz zu Habermas’ Bemühen, von der Systemtheorie nicht nur zu lernen, sondern sie — was eine interpretativ und argumentativ auftretende Auseinandersetzung notwendig macht — kritisch in seine Theorie einzuarbeiten, gibt Luhmann gelegentlich selbst an, von Habermas eigentlich nichts gelernt zu haben; dementsprechend führt Luhmann, bis auf einzelne Aufsätze und gelegentliche Hinweise, auch keine eigentliche Debatte mit Habermas.Google Scholar
  7. 162.
    Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft (im folgenden zit. als GdG). Frankfurt am Main 1997, S. 1031.Google Scholar
  8. 163.
    Vgl. unter vielen weiteren Belegstellen etwa Luhmann, Niklas: Tautologie und Paradoxie in der Selbstbeschreibung der modernen Gesellschaft (im folgenden zit. als TP). In: Zeitschrift für Soziologie 16 (1987), S. 161–174, insbes. S. 170f.; SoA 6/170; 182; ders.: Die neuzeitlichen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie (im folgenden zit. als NWPh). Wien 1995, S. 49. Daß das „Reservat einer richtigen Position“, das sich Haber mas zuschreibe, subjektphilosophischer Provenienz sei, diagnostiziert Luhmann auch in ders.: Archimedes und wir (im folgenden zit. als Auw). Interviews hrsg. von Dirk Baecker und Georg Stanizek, Berlin 1987, S. 161 (vgl. auch ebd./30). Das Weiterspinnen des intersubjektivitätstheoretischen Stranges der Subjektphilosophie (und das ist, wie zu zeigen sein wird, für Luhmann quasi die „schlechte“ Subjektphilosophie) kreidet Luhmann Habermas an in Luhmann, Niklas: Gesellschaftsstruktur und Semantik. Beiträge zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft (im folgenden zit. als GS), Bd. 4, Frankfurt am Main 1995, S. 95.Google Scholar
  9. 164.
    Landgrebe, Ludwig: Der Streit um die philosophischen Grundlagen der Gesellschaftstheorie. Opladen 1975, S. 12.CrossRefGoogle Scholar
  10. 165.
    So die ironische Bezeichnung von Hübener, Wolfgang: Perfektion und Negation. In: Weinrich, Harald (Hg.): Positionen der Negativität. München 1975 (Poetik und Hermeneutik Bd. VI), S. 470–475, hier S. 475.Google Scholar
  11. 166.
    So läßt sich der Vorwurf auf den Punkt bringen, den Bubner, Rüdiger: Ist eine transzendentale Begründung der Gesellschaft möglich? In: A Henrich (Hg.) 1983, S. 489–505, hier S. 499, gegen Luhmann vorbringt.Google Scholar
  12. 167.
    Habermas, Jürgen: Zur Logik der Sozialwissenschaften (im folgenden zit. als LSW). Frankfurt am Main 1985, S. 51.Google Scholar
  13. 168.
    Habermas, Jürgen: Nachmetaphysisches Denken. Philosophische Aufsätze (im folgenden zit. als NMD), Frankfurt am Main 1989, S. 55.Google Scholar
  14. 169.
    Vgl. etwa Nagl 1988. Kritisch gegenüber Habermas’ Anspruch, die Subjektphilosophie verabschieden zu können (und mit seinem „Paradigmenwechsel“ auch tatsächlich verabschiedet zu haben) äußert sich auch etwa Rasmussen, David M.: Reading Habermas. Oxford 1991, S. 111.Google Scholar
  15. 170.
    Vgl. Henrich, Dieter: Kritik der Verständigungsverhältnisse. Laudatio für Jürgen Habermas, in: Habermas, Jürgen/ders.: Zwei Reden. Aus Anlaß des Hegel—Preises, Frankfurt am Main 1974, S. 9–22, hier S. 18.Google Scholar
  16. 171.
    Vgl. nur etwa die Auslassungen zu Habermas in Henrich, Dieter: Die Anfänge der Theorie des Subjekts (1789). In: Honneth, Axel et al. (Hg.): Zwischenbetrachtungen: Im Prozeß der Aufklärung, Frankfurt am Main 1989, S. 106–170.Google Scholar
  17. 172.
    Frank, Manfred: Die Unhintergehbarkeit von Individualität. Reflexionen über Subjekt, Person und Individuum aus Anlaß ihrer ‘postmodernen’ Toterklärung, Frankfurt am Main 1986, vgl. etwa S. 12; ders. 1991, S. 454ff.Google Scholar
  18. 173.
    Vgl. auch etwa Herman Krings Einschätzung in Ölmüller, Willi (Hg.): Materialien zur Normendiskussion. Bd. 2: Normenbegründung, Normendurchsetzung, Paderborn 1978, insbes. S. 223.Google Scholar
  19. 174.
    So phänomenologischerseits Seebohm, Thomas M.: Apodiktizität. Recht und Grenze, in: Funke, Gerhard (Hg.): Husserl—Symposion Mainz 27.6./4.7. 1988 (Abhandlungen der geistes— und sozialwissenschaftlichen Klasse der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz), Stuttgart 1989, S. 65–99, hier S. 70.Google Scholar
  20. 175.
    Hans Ebeling sieht in Habermas’ Theorie nicht weniger als die (zwar „partielle“; Ebeling 1990/11), aber in Komplementarität zur Heideggerschen Erbschaft des „romantischen“ Subjekts die „rationale Gestalt“ (ebd./35) der Subjektphilosophie nicht nur beerbende, sondern geradezu vollendende Theorie (ebd./44).Google Scholar
  21. 176.
    Zu Habermas’ Vorwurf an Apel, mit seiner Letztbegründungsfigur subjektphilosophisches Denken zu reaktivieren, vgl. MBS/106; ders.: Erläuterungen zur Diskursethik (im folgenden zit. als ED). Frankfurt am Main 1991, S. 192f.Google Scholar
  22. 177.
    Kuhlmann, Wolfgang: Kant und die Transzendentalpragmatik. Würzburg 1992, S. 147ff.Google Scholar
  23. 178.
    Berlich, Alfred: Elenktik des Diskurses. Karl—Otto Apels Ansatz einer transzendentalpragmatischen Letztbegründung, in: Kuhlmann/Böhler (Hg.) 1982, S. 251–287, hier S. 254.Google Scholar
  24. 179.
    Vgl. etwa Krüger, Hans—Peter: Perspektivenwechsel. Autopoiese, Moderne und Postmoderne im kommunikationsorientierten Vergleich, Berlin 1993, S. 69ff.; vgl. auch die Interpretationsthese von Zimmermann, Klaus: Die Abschaffung des Subjekts in den Schranken der Subjektphilosophie. In: Das Argument 31 (1989), S. 855–870.Google Scholar
  25. 180.
    So Rendtorff, Trutz: Kommentar zu dem Vortrag von Niklas Luhmann: „Intersubjektivität oder Kommunikation?“. In: Archivio di Filosofia 54 (1986), S. 65–75, hier S. 67.Google Scholar
  26. 181.
    So Düsing, Klaus: Selbstbewußtseinsmodelle. Moderne Kritiken und systematische Entwürfe zur konkreten Subjektivität, München 1997, der damit das Fehlen des subjektphilosophischen Erbes in der Systemtheorie beklagt.Google Scholar
  27. 182.
    Scholz, Frithart: Freiheit als Indifferenz. Alteuropäische Probleme mit der Systemtheorie Niklas Luhmanns, Frankfurt am Main 1982.Google Scholar
  28. 183.
    Im folgenden wird der Schwerpunkt gerade nicht auf jene Theoriemotive gelegt, die Luhmann in expliziter, wenn auch zumeist mit Skepsis angetretener Erbfolge der transzendentalen Phänomenologie entwickelt (phänomenologischerseits hat etwa Landgrebe schon von „beirrenden Parallelen“ der systemtheoretischen und transzendentalphänomenologischen Kategorien gesprochen; vgl. Landgrebe 1975/15). Zu diesen zählen etwa der systemtheoretische Sinnbegriff, den Luhmann nicht in expliziter Anlehnung an Husserl entwikkelt, ohne die transzendentalphänomenologische Sinnkonzeption schließlich doch als „gemessen an den Ansprüchen der Systemtheorie (...) unbefriedigend“ zu disqualifizieren (Luhmann, Niklas: Die Wissenschaft der Gesellschaft (im folgenden zit. als WissdG). Frankfurt am Main 1994, S. 110); der systemtheoretische Technikbegriff, den Luhmann diagnostisch mit Husserl einig, aber unter gegenteiliger Wertung entwickelt (vgl. dazu etwa Luhmann, Niklas: Macht. Stuttgart 1988, S. 70ff.), oder, für die systemtheorieeigene Konzeption weniger zentral, Luhmanns Kritik des Husserlschen Lebensweltkonzeptes, welche die Husserl angekreidete „Metaphernkonfusion“ allerdings eher reformuliert als zum Verschwinden bringt, sodaß sich hier in Umkehr des sinntheoretischen Rezeptionsverhältnisses das Bild einer durch interne Verbundenheit konterkarierten kritischen Distanznahme präsentiert (vgl. Luhmann, Niklas: Die Lebenswelt — nach Rücksprache mit Phänomenologen (im folgenden zit. als LWRPh). In: Archiv für Rechts— und Sozialphilosophie 72 (1986), S. 176–194; dazu Schmid, Hans Bernhard: „Europa“ und die „Weltgesellschaft“ — zur systemtheoretischen Kritik der transzendentalen Phänomenologie. In: Soziale Systeme 3(1997), Festausgabe Niklas Luhmann zum 70. Geburtstag, S. 271–288, insbes. S. 282; ders.: „Lebenswelt“ zwischen Universalismus und Relativismus. In: Schweizerische Zeitschrift für Soziologie 22 (1996), S. 161–181). Die tiefe Verbundenheit von Systemtheorie und transzendentaler Phänomenologie bringt Luhmann verschiedentlich zum Ausdruck. So führt schon in Luhmanns Antrittsvorlesung die transzendentale Phänomenologie die Reihe der der Systemtheorie „nahestehenden Bemühungen“ an (SoA 1/77). Noch weiter geht Luhmann in ders.: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie (im folgenden zit. als SoSy), Frankfurt am Main 1991, S. 153, wo er das Projekt der Theorie autopoietischer Systeme als Versuch der Kombination von transzendentaler Phänomenologie und Parsonsscher Systemtheorie exponiert; das „unbedingte Theorieinteresse“ und das Interesse an „Reflexivität“ von der transzendentalen Phänomenologie übernehmen zu wollen erklärt Luhmann in NWPh. Sekundärliterarisch ist die Passage zwischen transzendentaler Phänomenologie und Systemtheorie bis auf die eigenwilligen Arbeiten Lothar Eleys und einen Pionierakt Ludwig Landgrebes (1975) noch kaum erschlossen (vgl. u. a. Eley 1972; Auszüge daraus finden sich unter dem Titel „Komplexität als Erscheinung“ wiederabgedruckt in Maciejewski, Franz (Hg.): Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie. Beiträge zur Habermas—Luhmann— Diskussion (Theorie—Diskussion Supplement 2), Frankfurt am Main 1974, S. 130–153. Ders.: Pragmatik und Praxis. Transzendentalphänomenologische Voraussetzungen der sozialwissenschaftlichen Systemtheorie, in: Riedel, Manfred (Hg.): Rehabilitierung der Praktischen Philosophie. Bd. I: Geschichte, Probleme, Aufgaben, Freiburg 1972, S. 395–414). Daß Eley sich durch die entschlossene Inblicknahme seiner eigenen, „konstruktiven“ Variante der Phänomenologie die Sicht auf Luhmanns eigenen Dialog mit der Phänomenologie wie auch auf den interitätstheoretischen Abstoß Luhmanns von der Phänomenologie eher verstellt, wird noch in Eleys Kommentar zu Luhmanns Referat „Intersubjektivität oder Kommunikation als unterschiedliche Ausgangspunkte soziologischer Theoriebildung“ im Archivio di Filosofia LIV (1986), S. 61–63, sowie Eleys dortigem eigenen Beitrag „Soziale Systeme und deren Logik. Kritische Anmerkungen zu Luhmanns Begriff von Sinn und Selbstreferenz in seiner Arbeit ‘Soziale Systeme’“ (ebd. S. 77–105) deutlich. Eine Art gelungener Überbietung der transzendentalphänomenologischen SinnkonZ eption dadurch, daß sie die Stärken der transzendentalphänomenologischen mit der intersubjektiven Sinnkonzeption der phänomenologischen Soziologie verbinde, diagnostiziert der Systemtheorie van Reijen, Willem: Die Funktion des Sinnbegriffes in der Phänomenologie und in der Systemtheorie von N. Luhmann. In: Kant—Studien 70 (1979), S. 312–323. Ebenfalls (und entgegen Luhmanns eigener Empfehlung) als über die phänomenologische Soziologie vermittelt sehen das Verhältnis von Systemtheorie und transzendentaler Phänomenologie auch Bednarz, John: Complexity and Intersubjectivity. In: Human Studies 7 (1984), S. 55— 69; Srubar, Ilja: Vom Milieu zur Autopoiesis. Zum Beitrag der Phänomenologie zur soziologischen Theoriebildung, in: Jamme, Christoph/Pöggeler, Otto (Hg.): Phänomenologie im Widerstreit. Zum 50. Todestag Edmund Husserls, Frankfurt am Main 1989, S. 307–331. Bislang am entschlossensten auf ihren (als solchen allerdings nicht aufgerollten) „phänomenologischen Hintergrund“ hin durchleuchtet Luhmanns Systemtheorie Ellrich, Lutz: Die Konstitution des Sozialen. Phänomenologische Motive in N. Luhmanns Systemtheorie, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 46 (1992), S. 24–43. Leider unbrauchbar ist die Dissertation von Droß, Heiner: Zwischenmenschliche Beziehungen und Phänomenologie. Überlegungen zur zwischenmenschlichen Vernetzung und Gruppenbildung im Spannungsfeld von Husserlscher Transzendentalphilosophie, Tiefenpsychologie und Systemtheorie, Würzburg 1989. Trotz des gegenseitigen Interesses, auf welches man aus der Vielzahl von Verweisungen schließen kann, zeichnen sich zwischen den Theoriesträngen der Phänomenologie und der Systemtheorie bislang kaum wechselseitige Lektürebemühungen ab. Von systemtheoretischer Seite scheint die (zum Thema Husserl auch schon von Luhmann selbst beschworene, vgl. NWPh) Fachgrenze zur Philosophie die Sicht auf die Phänomenologie zu erschweren, zumal man sich — dem Verdikt Luhmanns folgend — nicht des durch die phänomenologische Soziologie gebotenen Zugangs bedienen mag; phänomenologischerseits verbaut man sich, soweit ich sehe, einen Dialog mit der Systemtheorie durch den doch recht stereotyp wiederholten Vorwurf, die Systemtheorie habe keinen Begriff der „Leiblichkeit“.Google Scholar
  29. 184.
    Nicht nur Luhmann, auch Habermas erwähnt die transzendentale Phänomenologie Husserls schon in seiner Antrittsvorlesung (Habermas, Jürgen: Erkenntnis und Interesse. In: ders.: Technik und Wissenschaft als ‘Ideologie’ (im folgenden zit. als TWI). Frankfurt am Main 1968, S. 146–168), wobei es hier weder unmittelbar um die Theoriefigur des transzendentalen Subjektes noch um die Intersubjektivitätsproblematik geht, sondern um die Husserlsche Attitüde des distanzierten Theoretikers, die Habermas als Vertreter emanzipatorischer Erkenntnisinteressen nicht kritisiert, ohne ihr zu diagnostizieren, zu ihrer Zeit einen aufklärerischen Effekt gehabt zu haben. Literatur zum Verhältnis von transzendentaler Phänomenologie und kommunikationstheoretisch gewendeter Kritischer Theorie scheint es bislang recht wenig zu geben, und mit Ausnahme von Zahavi (1996) fast gar nichts zum in der vorliegenden Untersuchung in Frage Stehenden. Die Auseinandersetzung hat sich bislang weitgehend auf die Lebenswelt— Problematik beschränkt. Vgl. dazu Evans, J. Claude: Husserl und Habermas. In: Dallmayr, Winfried (Hg.): Materialien zu Habermas’ „Erkenntnis und Interesse“. Frankfurt am Main 1974, S. 268–294; Harvey, Charles: Husserl’s Complex Concept of the Self and the Possibility of Social Criticism. In: Dallery/Scott/Roberts (Hg.) 1990, S. 47–56; Ponsetto, Antonio: Emancipazione e mondo della vita. L’influsso della fenomenologia husserliana nel pensiero di Habermas. In: Fenomenologia e Società VII (1984), S. 90–119; Misgeld, Dieter: Ultimate Self—Responsibility. In: Human Studies 3 (1980), S. 255–278; Matthiesen, Ulf: Das Dickicht der Lebenswelt und die Theorie des kommunikativen Handelns. München 1983; vgl. auch die entsprechenden Abschnitte in Ulfig 1997. Ferdinand Fellmann vergleicht die späte Phänomenologie Husserls und das frühere Werk von Habermas qua „gelebte Philosophie“ unter „geistespolitischen“ Aspekten (Fellmann 1983).Google Scholar
  30. 185.
    Vgl. unter anderen Belegstellen etwa LSW/401; ThdG/177; ThdkH I/166; ThdkH II/197; NMD/50; PhDM/178; 200.Google Scholar
  31. 186.
    Habermas, Jürgen: Vorlesungen zu einer sprachtheoretischen Grundlegung der Soziologie (1970/71). In: ders.: Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns (im folgenden zit. als VThkH). Frankfurt am Main 1989, S. 11–126, insbes. S. 50ff.; vgl. als interpretativ anspruchsvollere Auseinandersetzung mit Husserl und speziell der Intersubjektivitätstheorie später auch TuK/34–48, insbes. S. 37.Google Scholar
  32. 187.
    Vgl. Luhmann, Niklas: Instead of a Preface (im folgenden zit. als IP). In: ders.: Social Systems. Translated by John Bednarz Jr. with Dirk Baecker, Stanford 1995, S. xxxvii—xliv, hier S. xli.Google Scholar
  33. 188.
    Luhmann, Niklas: Legitimation durch Verfahren. Frankfurt am Main 1989 (erste Aufl. 1969), S. 83.Google Scholar
  34. 189.
    Vgl. etwa SoA 1/83; SoA 2/65; 97 (Anm. 30); SoA 3, insbes. S. 219; SoSy/120; 129 (Anm. 63); 202; 293; Luhmann, Niklas: Erkenntnis als Konstruktion (im folgenden zit. als EK). Bern 1988, S. 9f.; WissdG/113; 501; SoA 6/158; 169–188; GS 4/162; IP/xli; OR/296; NWPh/54; GdG/875.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Hans Bernhard Schmid
    • 1
  1. 1.New School for Social ResearchUSA

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