Reflexionen über den Satz Hegels „Das Wahre ist das Ganze“

  • Bruno Liebrucks

Zusammenfassung

Er steht in der Vorrede zur „Phänomenologie des Geistes“. Der Zusammenhang zeigt, dass das Ganze nicht als ein den Teilen übergeordnetes Wesen aufgefasst werden darf, ja nicht einmal als ein solches, „das Teile hat“. Vielmehr ist es „das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen“. 2 Und zwar „nur“, wie ausdrücklich gesagt wird. In diesem Abschnitt wird das Ganze bereits als den Wesenskategorien der Logik zugehörig gedacht. Jedenfalls legt der eben angeführte Satz das nahe. Ihm scheint jedoch der folgende zu widersprechen, der vom Absoluten spricht, das erst am Ende das ist, was es ist. Was ist das Absolute? Die Logik musste ja erst geschrieben werden. Es ist „Wirkliches, Subjekt, oder Sichselbstwerden.“ 3 Das Absolute sei wesentlich Resultat, heisst es darauf. Das Absolute ist also das, was es ist, erst am Ende. Was aber ist dann das Ganze ? Das Ganze ist nicht nur Resultat, sondern auch der Gang zum Resultat. So kann die Kategorie des Ganzen im zweiten Teile der Logik auftauchen, wo doch „das Wahre“ noch nicht ist. Aber das Wahre ist nicht nur der dritte Teil der Logik oder gar die Idee am Ende. Wenn von ihr gesagt wird, dass sie allein „die Wahrheit“ ist, so doch nur deshalb, weil sie zum Schlusse sich zeigt, schon beim „Sein“ gewesen zu sein. So ist auch das Ganze nicht als Resultat zu fassen, sondern als der Gang zum Resultat und das Resultat. Die genaue Entsprechung zur Logik mag dabei offen bleiben. Das Absolute tritt ja auch im zweiten Teil auf als Unmittelbarkeit der Wirklichkeit.

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Copyright information

© Martinus Nijhoff, The Hague, Netherlands 1972

Authors and Affiliations

  • Bruno Liebrucks

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