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Die Wand aus der Villa der Julia Felix

  • H. G. Beyen

Zusammenfassung

Keiner einzigen Kunstrichtung ist es beschieden, in allen ihren Äußerungen vollkommen logisch zu sein. Die zwei Tendenzen: immer mehr malerische Elemente in einen Prospekt hineinzuarbeiten und die Wand rund um einen Mittelpunkt zu komponieren, wachsen sich schließlich zu dem Bedürfnis nach einer alten „natürlichen“ das will sagen: nichtillusionistischen Form aus, und diese ist das in sich abgeschlossene Bild, und zwar als Mittelstück. Natürlich muß dieses Mittelstück dann eine architektonische Umrahmung haben, die mit dem Charakter der ganzen Dekoration zusammen-paßt. So wird der monumentale Naiskos eingeschaltet. Das kleinere Tafelbild, das schon in den jüngeren Formen der zweiten Stufe nicht allzu beliebt war (Abb. II in Villa Item ist altertümlich), wird, nach dem verfügbaren Material zu urteilen, gerade während der dritten Stufe weniger gern verwendet. Auf Abb. 82 und 83 aus der Fanniusvilla ist das Tafelbild zu einem winzigen Detail zusammengeschrumpft. Aber auch der Naiskos scheint erst gegen Ende der letztgenannten Periode (Ic) eingeführt worden zu sein. Das einzige bisher bekannte Beispiel einer Aedicula mit einem Bild (in dem das Bild Abb. 100 freilich noch viel von einem Prospekt hat) ist Abb. 100 (Mau Wm. Taf. 76), eine Dekoration, die sich zwanglos an die Dekorationen in der Fanniusvilla und der Casa del Laberinto anschließen läßt. Das im Museo Nazionale erhaltene Stück stammt von einer Seitenwand eines kleinen Raums in der sogenannten Villa der Julia Felix (nicht aus der des Diomedes, wie man bis vor kurzem angab), eines in den ersten Ausgrabungszeiten aufgedeckten und dann wieder zugeschütteten Hauses, über dessen Baugeschichte leider noch nichts bekannt ist, was uns zu einer Datierung nützen könnte 1).

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Referenzen

  1. 1.
    M. n. 8594; Estratto délia Guida 921; Elia, Pitture e Mosaici, 376; H. 2 m, Br. 2.80 m.—Ausgrabungsbericht bei Fiorelli, Pompeianarum antiquitatum historia I, 1, S. 98 f.: 13. Okt. 1759. Dort ist auch ein entsprechendes Bruchstück an der anderen Seite beschrieben. Aus der Entsprechung kann man ersehen, daß es sich hier um die Seitenwände des Zimmers handelt. (Über ein drittes Fragment s. oben S. 258, unten S. 269, mit Anm. 1). Auch dem Mosaik ist eine kurze Beschreibung gewidmet. Vgl. a.a.O., I, 2, S. 140. Die Wand ist in den Pitture d’Ercolano nicht publiziert; Ornati di Pompei II, Taf. 20; Mau, Wm., Taf. 76, S. 178); die Herkunft wird im Atlas, Verzeichnis der Tafeln Anm. 1 angegeben; Petersen, Ara Pacis, S. 160, Abb. 52; Mau, R. M. 17, 1902, S. 192; 18, 1903, S. 258; Petersen, R. M. 18, 1903, S. 123; Curtius, S. 110 ff., Abb. 74-76, S. 118; das Fischstilleben: Beyen, Stilleben, S. 6, Taf. 1). —Wie Mau bei der Herkunftangabe bemerkt hat, stammt die Dekoration nicht aus dem Teil der Villa, dessen Ausgrabung am 2. Mai 1757 abgeschlossen wurde und von dem Weber einen Plan gezeichnet hat (s. Fiorelli, a.a.O., I, 1, S. 12 ff.; Chambalu, Die wiederverschüttete Besitzung der Iulia Felix beim Amphitheater in Pompeji, Festschr. 43. Philologen vers. Köln 1895, wo weitere Literatur angegeben ist; Rez. Mau, R. M. 10, 1895, S. 225 ff.). Sie fehlt denn auch in Chambalu’s Liste der in dem ebengenannten Teile gefundenen Malereien (a.a.O., S. 19, Anm. 1). Der Fundort muß weiter westlich liegen. Er wird in den Aus-grabungsberichten jedoch nicht als Villa der Iulia Felix, sondern nur als Masseria di Irace bezeichnet (Fiorelli, a.a.O., I, 1, S. 51 ff., 137), die an die Masseria di Cuomo grenzte und deren Lage bei Fiorelli a.a.O., I, 1, S. 137 beschrieben wird.Google Scholar
  2. 1.
    Damit stimmt Fiorelli a.a.O., S. 99, 27. Okt. 1759 überein: ein Bild von 4½ zu 2½ Palmen Größe.Google Scholar
  3. 2.
    Sogliano 197; Not. d. Sc. 1876, S. 15; Dilthey, Epigramm. graec. Pomp. repert. trias. Turin 1876, S. 10; Ann. d. I., 1876, S. 305; Mon. d. I. X. Taf. 36, 1; Archivio storico per 1e Provincie Nap. II, S. 60; R. P. G. R. 100, 2. Vgl. das Epigramm: Anth. Pal. VI, 11-16.Google Scholar
  4. 3.
    Sogliano 381; Mon. d. I. X, Taf. 35; R. P. G. R. 101. 5.Google Scholar
  5. 1.
    Jäger weihten ihre Beute nicht nur den Schirmgottheiten der Jagd wie Diana und Pan, sondern auch dem Apollo (ein Bronzehäschen im British Museum Guide to Greek and Roman Life 2, S. 49, Abb. 38 (nr. 124) und der Aphrodite (a.a.O., S. 49 f. Brit. Mus. Cat. of Sculpture I, 118).Google Scholar
  6. 2.
    Der Aphrodite geweihte Teiche und Seeen: Röscher, Lexicon der Myth. s.v. Aphrodite, Sp. 393.Google Scholar
  7. 3.
    Auch die Verbindung von Artemis mit Dionysos kommt vor (Curtius, S. 366 f.).Google Scholar
  8. 4.
    Über die Verbindung von Wasserkünsten mit der Bühne ausführlicher bei Erörterung über den Ursprung.Google Scholar
  9. 5.
    Hörmann, Die inneren Propyläen von Eleusis, Denkm. ant. Arch. I, Taf. 24, 26. Sowohl die Nord-wie die Südfassade im ersten, aber auch im 2. Zustande sind zu vergleichen.Google Scholar
  10. 6.
    Nicht immer sind Eckpfeiler vorhanden.Google Scholar
  11. 7.
    Not. d. Sc. 1911, S. 154 (dort „aula“ genannt).Google Scholar
  12. 1.
    Diese Nischenform noch im Kandelaberstil: Casa del Centenario (Curtius, S. 192, Abb. 117). Übrigens fehlen hier die seitlichen Durchblicke.—Die beschriebene Komposition findet man während der zweiten Phase z.B. im Zimmer C des Bades in der Casa del Criptoportico (Not. d. Sc. 1933, S. 267), wo den Platz des Bildes eine Tür einnimmt, an der Seitenwand des Tablinums der Casa di Livia (Abb. III, S. 183) und vielleicht in einem Zimmer in VI, 13, 13 (Mau, Wm., S. 178, 240, verwandt mit einem Zimmer in V, 1, 14 (Abb. 123).Google Scholar
  13. 2.
    Zimmer der Casa degli Epigrammi (Abb. 106); Zimmer B am Bad in der Casa del Criptoportico, Rückwand des Tablinums im Haus der Livia (Abb. 107; Curtius, S. 91, Abb. 63).Google Scholar
  14. 1.
    Fiorelli, Pompeianarum antiquitatum historia I, 1, S. 100: 17. Nov. 1759. Die dort genannten Darstellungen „mit Figuren“ befanden sich so gut wie sicher in Aediculen oder Nischen.Google Scholar
  15. 2.
    Speltz (Das farbige Ornament Taf. 36, 2) bildet auch unter den Bogen der erwähnten Wand in der Casa del Laberinto ganz kleine Enten ab (Mau erwähnt sie nicht); es fehlen jedoch die Wasserpflanzen.Google Scholar
  16. 3.
    Pfuhl, M. U. Z., Abb. 698. Vgl. die Verwendung des perspektivische Würfel vortäuschenden Rhombenornaments, das aus den Mosaiken des 1. Stils wohlbekannt ist, schon am Wandsockel von Abb. 7 (Phase Ia). Dieses Rhombenmuster ist aber ein abstrakt geometrisches und obendrein perspektivisches Ornament und hatte daher alle Aussicht, früh eingeführt zu werden. Wir wiesen bereits oben S. 48 nach, daß es auch auf der Vorderfläche eines hellenistischen etruskischen Sarkophages vorkommt. In der Wanddekoration 1. Stils ist es mir jedoch unbekannt. Einigermaßen verwandt ist nur das Sockelornament in den Fauces der Casa del Fauno (Mau, Wm., Taf. 1e restauriert).—Auch das Motiv der schwimmenden Enten kommt, soweit bekannt, auf Sockeln 1. Stils nicht vor, wohl aber ganz bildmäßig unten an den großen Darstellungen mit Figuren auf unteritalischen Vasen (vgl. die Nildarstellung am Sockel der Nilstatue im Vatikan). Möglicherweise kannte der 1. Stil doch und dann wahrscheinlich außerhalb von Italien, vor allem in Alexandria, Wasserszenen, die ganz bildmäßig auf dem Sockel angebracht waren; im bildarmen älteren 2. Stil gab es das sicher nicht (s. auch S. 273, Anm. 4).Google Scholar
  17. 1.
    S. vorige Anm.Google Scholar
  18. 2.
    Maiuri, Casa del Menandro, S. 152 zu Abb. 67, die allerdings dieses Detail gerade nicht zeigt.Google Scholar
  19. 3.
    Not. d. Sc. 1911, S. 154.Google Scholar
  20. 4.
    Über die Entstehung des Sockelfrieses im 3. Stil: Ippel, Dritter Stil, S. 8 ff. Allerdings wäre eine gewisse Einschränkung seiner Hypothese erwünscht (hierüber in Band III). In der Villa der Iulia Felix (Phase Ic), in der Casa del Menandro (Phase IIa) und in der Casa di Obellio Firmo (Phase 116) finden sich nur Enten und Wasserpflanzen. Die vollständigen Nildarstellungen, wie man sie auf den Rändern am Alexandermosaik und an Mosaiken 2. Stils bereits sehen kann (manchmal mit Pygmäen), u. a, in der Casa del Menandro: Maiuri, Casa del Menandro, Taf. 7, kommen in der Wandmalerei erst später auf. Ein erster Anfang läßt sich auf einer Wand späten 2. Stils in dem nachträglich an die Südwand der Krypto-portikus angebauten Caldarium der Casa del Criptoportico bemerken (Maiuri, Not. d. Scav. 1933, S. 269 mit S. 258, Abb. 2), das ebenso wie das Warmwasserbad der Casa del Menandro ausgeführt war und in dem, wie es scheint, ein Krokodil zwischen den Enten auftaucht. Eine vollständige Nillandschaft mit Pygmäen unten an einer Dekoration 4 Stils im „Bagno privato“ von Viii, 2, 17 (Niccolini, Nuovi Scavi, Taf. 11; D. I. Neg. 31. 2835). Von der Landschaft ist dort kaum noch etwas zu sehen, das Wenige bestätigt jedoch in der Hauptsache die Abb. bei Niccolini.Google Scholar
  21. 5.
    Die Entstehung der Prostas vor der Wand hat Petersen, R. M. 18, 1903, S. 113 ff. beschrieben (s. unten im Text).Google Scholar
  22. 1.
    Die Rekonstruktion der republikanischen Scaenae Frons in Pompeji im Aufriß ist sehr unsicher. Daß die Sockel vorsprangen, besagt noch nicht, daß die Säulen oben bereits direkt durch Gebälke verbunden waren.Google Scholar
  23. 1.
    Ippel, Dritter Stil, S. 16.Google Scholar
  24. 2.
    Pfuhl, M. u. Z., § 990.Google Scholar
  25. 3.
    Vgl. z. B. die Landschaften im kleinen Triklinium der Fanniusvilla (Abb. 86a und 6), die kleine Fi-gürchen enthalten.Google Scholar
  26. 4.
    Die Frage, wann die kleinen Staffagefiguren in der Landschaft auftreten, ist von großer Wichtigkeit. Das Relief in Tlos (S. 169) hat kleine, heftig bewegte Gestalten. Die kleinen Figuren im Nilmosaik in Praeneste besagen wenig, weil sie wahrscheinlich erst aus derselben Zeit wie die Wand sind, die wir eben jetzt besprechen.Google Scholar
  27. 1.
    Dieser Durchblick hat auch seine eigene Linearperspektive, doch ist dies an sich noch kein Beweis daß er nicht als eine Einheit mit dem Übrigen gedacht sein kann.Google Scholar
  28. 2.
    Schlagschatten auch in der Villa Item (Abb. 15b). Aus der Fanniusvilla sind sie mir nicht bekannt. Auf dem Sockel auch noch in der Casa di Livia (Abb. 111) und in der Farnesina.Google Scholar
  29. 3.
    Spinazzola, Arti, Taf. 94; Rizzo, Pittura, Taf. 16. Maiuri, Not. d. Sc. 1933, S. 263 ff.Google Scholar
  30. 1.
    Thiersch, Grabanlagen, Taf. 1, 2 rechts und links. Es ist jedoch nicht sicher, daß der Maler dort blauen Himmel meinte, da in der Ausmalung der Bettnische (Taf. 2, Mitte und Taf. 3) der blaue Grund sichtlich als Mauer mit Nägeln gedacht ist, an denen die Girlanden aufgehängt sind. Blauer Himmel ist dagegen sicher um das Velum herum gemeint, das auf der Decke der Bettnische gemalt ist (Taf. 3).Google Scholar
  31. 2.
    S. 61 f. (Phase I). Die dort genannten Beispiele gehören aber z.T. zur jüngeren Phase.Google Scholar
  32. 3.
    Für die perspektivische Säulenreihe im Vordergrund S. 182.Google Scholar
  33. 4.
    Die nach vorn vorkommende Säulengruppe (manchmal Säule mit Pfeiler) kann ebensogut dicht neben das Mittelbild wie näher an die Seitenränder gestellt werden. Wir kennen dies Motiv bereits aus der Villa Item (Abb. 17 und 18: Säule und Pilaster, zwei Säulen) und aus der Fanniusvilla (Abb. 22: Säule und Pfeiler). In diesem Falle sind die Stützen völlig sichtbar. So sind sie es auch im Zimmer C im Bad des Hauses mit der Kryptoportikus (Phase IIa: drei Säulen und Pfeiler), und in einem Zimmer hinter dem Peristyl der Casa di Obellio Firmo (Beginn von Phase IIb: Säule und Pfeiler; S. 114, Anm. 2).—Stützen und Gebälk stehen rittlings über der Scherwand: im Tablinum der Casa di Livia (Abb. 111), in den Seitenfeldern der Längswand der „Aula Isiaca“ auf dem Palatin (S. 267) hier Herme anstelle von Säule: beide Phase II b). Im frühen 3. Stil: Viii, 2, 2 (Casa di Gallo).—Im späten zweiten Stil wird die Zyzygie oft durch eine einzelne, dicht an die Wand gestellte Stütze ersetzt (die ganze Wand ist wieder reliefmäßig): in der eben genannten Dekoration auf dem Palatin (die Säulen beiderseits der Aedicula; die in den Ecken springen noch etwas weiter vor; in der Farnesina (Mon. d. I. XII, Taf. 19 links, sowohl die Pilaster an den Seiten wie die mehr nach der Mitte zu stehenden Säulen auf Sockelvorsprüngen sind zu vergleichen: beide Dekorationen aus Phase II b).—Aus letzterer Form (der einzelnen Stütze) entwickelt sich gegen Ende des 2. Stils der Kandelaber, der die Seitenteile in zwei Abschnitte teilt. Ende 2. Stils: Farnesina (Abb. 123c), Pompeji V, 1, 14, (Abb. 123) 3. Stil: Casa del Principe di Montenegro (Rizzo, Taf. 19). Die dicht neben der Aedicula oder Mittelnische stehenden Kandelaber (Casa del Centenario; Curtius, S. 192, Abb. 117) hängen enger mit den Säulen der Bildaedicula zusammen (vgl. Farnesina: Mon. d. I. XII, Taf. 19 links) stehen jedoch noch in indirektem Zusammenhang mit der vorspringenden Säulengruppe.Google Scholar
  34. 1.
    Die in diesen Durchblicken die Begrenzung der Scherwand und der Bogengalerie bildende Linie verläuft, obgleich sie nach hinten zurückweicht, fast horizontal. Darin schließt sie sich an den oberen Abschluß der Scherwand ganz rechts auf Abb. 94 an.Google Scholar

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© Springer Science+Business Media Dordrecht 1938

Authors and Affiliations

  • H. G. Beyen

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