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Schopenhauer und Helmholtz

Bemerkungen zu einer alten Kontroverse zwischen Philosophic und Naturwissenschaft
  • Herbert Hörz
Chapter
Part of the Boston Studies in the Philosophy of Science book series (BSPS, volume 165)

Zusammenfassung

Die Kontroverse zwischen Schopenhauer und Helmholtz umfaBt drei Problemfelder:
  1. 1.

    Die pessimistische, menschenverachtende und Verfolgungen vermu-tende Haltung von Schopenhauer fuhrte zu personlichen Angriffen gegen Helmholtz. Dieser forderte dazu auf, die neuen Erkenntnisse der Naturwissenschaft in die Philosophic aufzunehmen, um deren Stagnation zu iiberwinden, Schopenhauer beharrte auf der Autonomic der Philosophic und warf den Naturforschern vor, deren Einsichten zu negieren.

     
  2. 2.

    Als Bestatigung dafur diente Schopenhauer die Auffassung von Helmholtz zu seinen Arbeiten iiber das Sehen und die Farben. Die fur die Philosophic wichtige heuristische Funktion, durch ihr Weiterfragen und ihre Problemsicht Ansatze zur Losung von Problemen zu geben, wurde von Schopenhauer aus einem Streit um die mogliche Prioritat von Einsichten in die Erkenntnistheorie zu einem Vorwurf des Plagiats durch Helmholtz verscharft.

     
  3. 3.

    Schopenhauer betrachtete sich als Schuler Goethes und verteidigte dessen Positionen, wahrend Helmholtz sich in der Tradition von Newton befand, der von Goethe scharf angegriffen wurde. Das fuhrte zum Streit um Goethes Farbenlehre, der m.E. tiefer ausgelotet werden muB, als es mit der allgemeinen Einschatzung moglich ist, Newton habe mit den Lichtwellen die objektiven Grundlagen der Farben untersucht, wahrend Goethe die subjektiven Farbempfindungen betrachtete.

     

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Notes

  1. 2.
    Armin Tschermag-Seysenegg: ‘Goethes Farbenlehre in ihrer Bedeutung für die physiologische Optik der Gegenwart’, in: Forschungen undFortschritte 8 (1932) Goethe-Heft, S. 13.Google Scholar
  2. 3.
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  3. 4.
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  4. 5.
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  5. 6.
    Archiv der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Nachlafiβ Helmholtz. Brief vonLudwig an Helmholtz vom 26. 4. 1854. Die Publikation der Briefe von Müller, Ludwig, Brücke und Fechner an Helmholtz, die im Berliner Akademiearchiv vorhanden sind, ist unter dem Titel Herbert Hörz, Physiologie und Kultur in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Briefe an Hermann von Helmholtz, Marburg: Basilisken-Presse 1994 erfolgt. Diese Briefe werden weiterhin nur mit Namen und Datum genannt.Google Scholar
  6. 7.
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  7. 8.
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  8. 9.
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  9. 10.
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  12. 13.
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  14. 15.
    Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Hrsg. Wolfgang Frhr. von Löhneysen, Band III, Leipzig: Insel-Verlag, 1979, S. 193.Google Scholar
  15. 16.
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  16. 17.
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  17. 18.
    Hermann von Helmholtz: ‘Das Denken in der Medizin’, in: Hermann von Helmholtz; Philosophische Vorträge und Aufsätze. Eingeleitet und mit erkläen Anmerkungen herausgegeben von Herbert Hönd und fried Wollgast, Berlin: Akademie-Verlag, 1971, 238.Google Scholar
  18. 19.
    Hermann von Helmholtz: ‘Das Denken in der Medizin’, in: Hermann von Helmholtz; Philosophische Vorträge und Aufsätze. Eingeleitet und mit erkläen Anmerkungen herausgegeben von Herbert Hönd und fried Wollgast, Berlin: Akademie-Verlag, 1971, S. 236.Google Scholar
  19. 20.
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  21. 22.
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    Johann Carl Friedrich Zölner: Uber die Natur der Cometen, Leipzig, 1871: In Commission bei L. Staackmann. Später nimmt Zollner mehrmals Stellung zur Kritik von Helmholtz. Dabei fühlt er sich mißverstanden. Vgl. die Beilage zur zweiten Auflage: Zur Abwehr. S. 357ff.Google Scholar
  23. 24.
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  24. 25.
    Friedrich Conrat: Hermann von Helmholtz’ Psychologische Anschauungen, S. 145.Google Scholar
  25. 26.
    Hermann von Helmholtz: Vorträge und Reden. Zweiter Band, S. 414.Google Scholar
  26. 27.
    Leo Koenigsberger: Hermann von Helmholtz. Band I, S. 278.Google Scholar
  27. 28.
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  28. 29.
    Leo Koenigsberger: Hermann von Helmholtz. Band I, S. 291.Google Scholar
  29. 30.
    Leo Koenigsberger: Hermann von Helmholtz. Band I, S. 293.Google Scholar
  30. 31.
    Österreichische Nationalbibliothek-Handschriftensammlung, Autogr. 304/42–1.Google Scholar
  31. 32.
    Anna von Helmholtz: Ein Lebensbild in Briefen. Hrsg. Ellen von Siemens-Helmholtz, Berlin 1929: Verlag für Kulturpolitik. Band I, 1929, S. 289.Google Scholar
  32. 33.
    Ebenda, Band II, S. 75.Google Scholar
  33. 34.
    Brief von Ludwig an Helmholtz vom 14. 10. 1856. Google Scholar
  34. 35.
    Hermann von Helmholtz: Vorträge und Reden, Zweiter Band, S. 414.Google Scholar
  35. 36.
    Brief von Ludwig an Helmholtz vom 23. 6. 1872. Google Scholar
  36. 37.
    Brief von Ludwig an Helmholtz vom 14. 7. 1872. Google Scholar
  37. 38.
    Arthur Schopenhauer: Sämtliche Werke, Hrsg. Wolfgang Frhr. von Löhneysen, Band I, S. 387f.Google Scholar
  38. 39.
    Ebenda, Band III, S. 334f.Google Scholar
  39. 40.
    Arthur Schopenhauer: Von ihm. Üihn. Ein Wort der Verteidigung von Ernst Otto Lindner und Memorabilien, Briete und Nachlasstiicke von Julius Frauenstädt, S. 673.Google Scholar
  40. 41.
    Brief von Brücke an Helmholtz vom 23. 10. 1853. Google Scholar
  41. 42.
    Brief von Ludwig an Helmholtz vom 26. 5. 1853. Google Scholar
  42. 43.
    Lips Tullian war ein beriichigter Raubmörder. 1675 geboren, war er bis 1702 Wachtmeister in kaiserlichen Diensten. Nach einem Duell floh er nach Prag und geriet in eine Diebesbande. Mehrmals verhaftet, floh er immer wieder aus dem Gewahrsam und wurde 1711 zu lebenslanger Festungshaft verurteilt. 1714 zettelte er eine Gefängnisrevolte an und wurde 1715 in Dresden hingerichtet.Google Scholar
  43. 44.
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  47. 48.
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  49. 50.
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  50. 51.
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    I. P. Pawlow: ‘Naturwissenschaft und Gehirn’, in: Sämtliche Werke, Band III, Berlin: Akademie-Verlag, 1953, S. 83.Google Scholar
  52. 53.
    Goethe: Die Schriften zur Naturwissenschaft. Erste Abteilung: Texte, Band 3, Beiträge zur Optik und Anfdnge der Farbenlehre. 1790-1808, Herausgegeben von Rupprecht Matthaei. Weimar: Hermann Bohlaus Nachfolger, 1951.Google Scholar
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    Goethe: Die Schriften zur Naturwissenschaft. Zweite Abteilung: Ergdnzungen und Erlduterungen. Band 6, Zur Farbenlehre. Historischer Teil, Bearbeitet von Dorothea Kuhn und Karl Lothar Wolf, Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1959. Einleitung. S. IX.Google Scholar
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    Goethe Briefe in drei Bänden, Zweiter Band, S. 377f.Google Scholar
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  59. 60.
    Goethes Briefe in drei Bänden, Zweiter Band, S. 388.Google Scholar
  60. 61.
    Arthur Schopenhauer: Von ihm, Über ihn. Ein Wort der Verteidigung von Ernst Otto Lindner und Memorabilien, Briefe und Nachlasstiicke von Julius Frauenstäddt, S. 222.Google Scholar
  61. 62.
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  62. 63.
    Brief von Brücke an Helmholtz vom 23. 10. 1853. Google Scholar
  63. 64.
    Brief von Brücke an Helmholtz vom 22. 12. 185 Google Scholar
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    Hermann von Helmholtz: ‘Über Goethes naturwissenschaftliche Arbeiten’, in: Hermann von Helmholtz: Philosophische Vortrdge und Aufsädtze, S. 40.Google Scholar
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    Ebenda, S. 432.Google Scholar
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Copyright information

© Kluwer Academic Publishers 1995

Authors and Affiliations

  • Herbert Hörz

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