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Wissenschaftliche Lebensphilosophie als Grundcharakter der Phänomenologie

  • Nam-In Lee
Chapter
Part of the Analecta Husserliana book series (ANHU, volume 47)

Zusammenfassung

In der Vorlesung über „Natur und Geist“, die Husserl im Jahre 1927, also ein Jahr vor seiner Emeritierung abgehalten hat, findet sich eine merkwürdige Bestimmung der von ihm begründeten und jahrelang entwickelten Phänomenologie: „Der Grundcharakter der Phänomenologie ist wissenschaftliche Lebensphilosophie“. (F I 32, 10)1 Wenn man an die Husserlsche Bestimmung der „Philosophie als strenge Wissenschaft“ im Logos-Aufsatz von 1911 denkt, kann man diese Bestimmung Husserls erstaunlich finden. In diesem Aufsatz sieht Husserl es gerade als ein wichtiges Ziel der Phänomenologie als eine strenge Wissenschaft an, die damalige philosophische Kultur, welche vor allem durch die lebensphilosophische Richtung stark beeinflußt und daher vom Zug des historischen Relativismus geprägt worden war, zu bekämpfen. Dort verurteilt er die Lebensphilosophie z.B. des Diltheysehen Stils schlechthin als eine Art „Weltanschauungsphilosophie“, welche nach ihm als „ein Kind des historischen Skeptizismus“2 gerade eine Bedrohung der Idee einer Philosophie als eine strenge Wissenschaft bedeuten soll.

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Notes

  1. 2.
    E. Husserl, “Philosophie als strenge Wissenschaft,” in Logos 1 (1911), S. 328.Google Scholar
  2. 7.
    K. Held, “Nachwort des Übersetzers,” in L. Robberechts, Edmund Husserl. Eine Einführung in seine Phänomenologie. Mit einem Nachwort von Klaus Held (Hamburg: 1967), S. 151.Google Scholar
  3. 8.
    E. Fink hat schon Anfang der fünfziger Jahre im Zusammenhang mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs der Konstitution darauf hingewiesen, daß “bei Husserl [. . .] der Sinn der ’transcendentalen Konstitution’ zwischen Sinnbildung und Kreation” schwankte. (E. Fink, “Die intentionale Analyse und das Problem des spekulativen Denkens,” in Nähe und Distanz (Freiburg/München: 1976), S. 152.Google Scholar
  4. 10.
    U. Melle hat in seinem Aufsatz “Objektivierende und nicht-objektivierende Akte,” Husserl-Ausgabe und Husserl-Forschung (Dordrecht/Boston/London: 1990), S. 35–49, den Problemzusammenhang zwischen dem objektivierenden und dem nicht-objek - tivierenden Akte einer eingehenden Analyse unterzogen.CrossRefGoogle Scholar
  5. 12.
    In der Anmerkung bemerkt Husserl: “Es ist hier also von Fundierung im strengen Sinne unserer Untersuchung III die Rede, wie wir denn den Terminus überall nur in dieser Strenge gebrauchen.” (XIX/4, 418) Zur Problematik der Fundierung in der Phänomenlogie Husserls vgl. B. Smith, “Ontologische Aspekte der Husserlschen Phänomenologie,” in Husserl Studies 3 (1986), S. 115–130.CrossRefGoogle Scholar
  6. 17.
    L. Landgrebe, “Die Phänomenologie als transzendentale Theorie der Geschichte”, in Phänomenologische Forschungen 3 (1976), S. 17.Google Scholar
  7. 18.
    Ein typisches Beispiel für diese Form schlechter Spekulation finden wir beispielsweise bei J. Thyssen, “Das Problem der transzendentalen Subjekitvität und die idealistischen Theorien,” in Kant-Studien 50 (1958/59), S. 18–36. Er versucht in diesem Aufsatz den Begriff der transzendentalen Subjektivität bei Husserl zu bestimmen, indem er einen Vergleich desselben mit demjenigen bei Rickert anstellt. Dadurch gelangt er zu einer völlig unhaltbaren These von der transzendentalen Subjektivität bei Husserl.Google Scholar
  8. 23.
    H. Hohl, Lebenswelt und Geschichte. Grundzüge der Spätphilosophie Husserls (Freiburg/München: 1962), S. 47.Google Scholar
  9. 24.
    E. Fink, “Die intentionale Analyse und das Problem des spekulativen Denkens,” in Nähe und Distanz. Phänomenologische Vorträge und Aufsätze (Freiburg/München: 1976), S. 152.Google Scholar

Copyright information

© Springer Science+Business Media Dordrecht 1995

Authors and Affiliations

  • Nam-In Lee
    • 1
  1. 1.SeoulSouth Korea

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