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Egozentrik und Transzendentaler Solipsismus

  • Bernhard Waldenfels
Part of the Phaenomenologica book series (PHAE, volume 41)

Zusammenfassung

Wenn ich mich philosophisch mit meinen Mitmenschen befasse, so denke ich an sie und spreche ich mit ihnen nur beiläufig, primär denke ich über sie nach und spreche ich über sie. Doch es kommt alles darauf an, wie ich es tue; denn sofern die Andern nicht ursprünglich bloßes Worüber meines Nachdenkens und Besprechens sind, läuft die Vergegenständlichung Gefahr, das Gemeinte zu verfälschen. Der Abstand zum natürlichen Lebensvollzug ist der philosophischen Reflexion zwar inhärent und macht ihre eigene Daseinsweise aus im Gegensatz zu allem direkten Einwirken auf das Leben und Hineinwirken in die Welt. Daher kann ihr nicht daran liegen, diesen Abstand aufzuheben, aber sie muß ihn mitbedenken, wenn es ihr gelingen soll, das Leben, die „sozusagen noch stumme Erfahrung… zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen“.1 Für eine Theorie der Intersubjektivität bedeutet das die Warnung, das theoretische Erfaßtsein der Mitsubjekte und der Gemeinschaftlichkeit nicht zu verwechseln mit deren ursprünglichem Auftreten und deren ursprünglicher Verbundenheit mit dem eigenen Ich. Husserls Forderung nach einer Rückbeziehung der Phänomenologie auf sich selbst2 gilt uns als ständiges methodisches Inzitament.

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Literatur

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    Ausführliche Darstellungen von Husserls Theorie der Intersubjektivi tät: A. Diemer, Edmund Husserl. Versuch einer systematischen Darstellung seiner Phänomenologie, Meisenheim 1956, S. 269–373; A. Schutz, „Das Problem der Intersubjektivität bei Husserl”, in: Phil. Rundschau V, 1957, S. 81–107 (zusammen mit Diskussionsbeiträgen ebenfalls in: Husserl. Cahiers de Royaumont, Philosophie No. III, Paris 1959, S. 334–79, im folgenden zitiert als: Royaumont; ferner in: Collected Papers III, Den Haag 1966, Phaenomenologica 22, S. 51–91); H. Zeltner,,,Ich und die Andern. Husserls Beitrag zur Grundlegung der Sozialphilosophie”, in: Zeitschr. für phil. Forschung XIII, 1959, S. 288–315; R. Toulemont, L’essence de la société selon Husserl, Paris 1962; Theunissen, a.a.O.S. 15–155; auf weitere Studien wird passenden Orts verwiesen.Google Scholar
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Copyright information

© Martinus Nijhoff, The Hague, Netherlands 1971

Authors and Affiliations

  • Bernhard Waldenfels

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