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Erziehung und Sozialisation in der Zunft des frühen 19. Jahrhunderts

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Part of the Schriftenreihe für Delinquenzpädagogik und Rechtserziehung book series (SDR)

Zusammenfassung

Auch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gingen “Handwerksrecht und Gewohnheit” für den arbeitsrechtlichen Bereich von der Funktion des “Ganzen Hauses”1 aus. Anders als der Geselle stand der Lehrling unter der Munt2, der Hausgewalt des Meisters als seinem “zweiten Vater”3. Im Gegensatz zu den Gesellen fehlte dem Lehrling der Rückhalt der Gesellenverbindung und die den Gesellen immer gegebene Möglichkeit, den Meister zu wechseln.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zum “Ganzen Haus” Otto Brunner, Das “ganze Haus in der alteuropäischen “Ökonomik”, in: ders., Neue Wege der Sozialgeschichte, Göttingen 1956, S. 39 ff; Diethelm Klippel, Der Lohnarbeitsvertrag in Naturrecht und Rechtsphilosophie des 18. und 19. Jahrhunderts, in: Ars Innovando que Aequitatem Sectandi, Freundesgabe für Alfred Sollner zum 60. Geburtstag, Gießener rechtswissenschaftliche Abhandlungen 6, Gießen 1990, S. 161–184, S. 163 ff.Google Scholar
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