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Lebensführung als legitimes Mittel zur Herstellung der symbolischen Ordnung in akademischen Berufen

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Auszug

Diese Untersuchung zur Chancengleichheit in akademischen Berufen hat sich der Frage nach der Lebensführung38 von Akademikern und Akademikerinnen besonders gewidmet. Insbesondere wurde die gesellschaftlich akzeptierte Arbeitsteilung von Frauen und Männern als Leistungsindikator beziehungsweise als Maßstab für Qualifikation in den jeweiligen Profession behandelt. Besonders wichtig ist die Frage der familialen Arbeitsteilung, die in der Diskussion über die Eignung von Akademikerinnen für Chemie und Ingenieurwissenschaften immer wieder als zentrales Argumentationsmuster angeführt wird. Damit stellt sich auch die Frage, welche Bedeutung die private Lebenssituation für die Karriereentwicklung hat. Gäbe es beispielsweise eine mehrheitlich geteilte Meinung zur Unvereinbarkeit von professioneller Arbeit und Familie, dann wären entsprechende Konsequenzen bezüglich der Lebensführung zu erwarten. Empirisch nachweisbar wäre dies durch eine geringe Zahl von Personen mit Familie unter den besonders erfolgreichen Personen. Die Mehrheit der fachlich motivierten Ingenieure und Chemiker bzw. Ingenieurinnen und Chemikerinnen würde dann sicherlich ohne Familie leben, weniger berufsorientierte Personen könnten entsprechend häufiger von dieser, in der Profession üblichen Lebensführung, abweichen. Dies ist jedoch nicht zu beobachten, ganz im Gegenteil: Männer mit Familie sind im Beruf besonders erfolgreich.

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Literatur

  1. 39.
    Diese Anerkennungsproblematik, begrenzt auf das Feld der Wissenschaft, untersucht Engler, die der Frage nachgeht, wie wissenschaftliche Persönlichkeiten in Zuschreibungs-und Anerkennungsprozessen entstehen (Engler 2001). Eine wissenschaftliche Leistung wird als solche nur wahrgenommen, wenn sie von der „scientific community“ anerkannt wird. Ohne Anerkennung bestehen geringere Karrierechancen. Auch Beaufaÿs verwendet Englers Anerkennungsmodell und beschreibt die Zuschreibungsprozesse, in denen Nachwuchswissenschaftler als geeignete Akteure hervorgebracht werden, am Beispiel der Fächer Biochemie und Geschichte. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die „soziale Praxis“ (Bourdieu), die Unterstützung durch Mentoren und die Arbeitsbedingungen in der Arbeitsgruppe und im Fach Karrieren von Nachwuchswissenschaftlerinnen beinträchtigen können. In vielen Arbeitsbereichen gelingen fast ausschließlich Karrieren von Männern, in wenigen sowohl die von Männern als auch von Frauen. In diesen wenigen Fällen wird die Vielfalt der Lebensformen von Frauen akzeptiert und nicht problematisiert, obwohl sie von der in der Wissenschaft üblichen Lebensform abweicht (Beaufaÿs 2003).Google Scholar

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© Deutscher Universitäts-Verlag und VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

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