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Die Minijob-Reform im deutschen Mittelstand: Eine empirische Analyse mit den Daten der Studie “MIND 04”

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Jahrbuch zur Mittelstandsforschung 1/2006
  • 481 Accesses

Auszug

Die Frage, wie man in Deutschland bessere Arbeitsanreize für Personen mit geringem Einkommen setzten kann, steht bereits seit längerem im Zentrum der politischen Debatte. Um ineffiziente Strukturen am Arbeitsmarkt aufzubrechen, wurden deshalb vor einigen Jahren die Vorschläge der Harz-Kommission zum Abbau der Arbeitslosigkeit umgesetzt. Im Zuge dieser Reform wurden auch die sogenannten geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse (aktuell in Form der Mini- und Midijobs) neu geregelt:1 Zum 1. April 2003 wurden Arbeitseinkommen unterhalb bestimmter Schwellen von Steuern und Sozialabgaben der Arbeitnehmer befreit. Für sogenannte Minijobs wurde durch die Neuregelung die abgabenfreie Verdienstmöglichkeit auf 400 € (vorher 325 €) ausgeweitet.1 Gleichzeitig entfiel die Begrenzung der Arbeitszeit auf maximal 15 Arbeitsstunden pro Woche. Für sogenannte Midijobs wurde im Niedriglohnbereich eine Gleitzone (400/800 € im Monat) eingerichtet, in der Arbeitnehmer nur einen ermäßigten Sozialversicherungsbeitrag zahlen müssen.3 Im Oktober 2003 wies die Statistik der Minijobzentrale bereits 930.000 zusätzliche geringfügige Beschäftigungsverhältnisse aus, was vielfach als Beleg für den Erfolg dieser Reform interpretiert wird. Derzeit liegt der Gesamtbestand der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse bei ca. 6,7 Mio., was im Vergleich zum Zeitpunkt unmittelbar vor der Reform einem Zuwachs von 1,7 Mio. neuen Stellen entspricht (BRAND 2005; BMAS 2006).

Die weiteren Bestandteile der Reform haben sich auf die Leiharbeit (einschließlich Personalserviceagenturen) und die neue Selbstständigkeit (Ich-AGs) bezogen.

Vor 1999 galt ein Arbeitnehmer als geringfügig beschäftigt und war abgabenfrei, wenn seine monatlichen Einkünfte 630 DM (Westdeutschland) bzw. 530 DM (Ostdeutschland) nicht überstiegen und seine wöchentliche Arbeitszeit weniger als 15 Stunden betrug. Mit der Reform von 1999 wurde die Sozialversicherungspflicht auf die geringfügig Beschäftigten ausgedehnt. Die Neuregelung vom 1. April 2003 kann im Wesentlichen als Rücknahme der Reform des Jahres 1999 interpretiert werden.

Streng genommen wurden mit der 2003er Reform vier unterschiedliche Minijobs bzw. geringfügige Beschäftigungsformen geschaffen: (Ia)ll einige Minijobs, (2) Minijobs in Privathaushalten, (3) Nebenerwerbstätigkeit als Minijob, (4) Midijobs als Beschäftigung in der Gleikone. Diese vier Beschäftigungsformen werden hinsichtlich ihrer Abgabenlast zum Teil unterschiedlich behandelt. So zahlt der Arbeitgeber für haushaltsnahe Dienstleistungen bis 400 Euro beispielsweise eine reduzierte pauschale Abgabe von 12% statt 25%. Außerdem ist zu beachten, dass für Personen mit einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhlltnis nur der erste Minijob abgabenfrei ist. Ein zweiter Nebenjob wird dagegen mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet (vgl. BRAND 2005, S. 16ff.).

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Werner, A. (2006). Die Minijob-Reform im deutschen Mittelstand: Eine empirische Analyse mit den Daten der Studie “MIND 04”. In: Kayser, G. (eds) Jahrbuch zur Mittelstandsforschung 1/2006. Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-8350-9425-3_3

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