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Der Krisenbegriff im wissenschaftlichen Diskurs

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Auszug

Der Begriff „Krise“ wird in Theorie und Praxis sehr heterogen verwendet. Abgeleitet vom altgriechischen Wort „krisis“ (Wendepunkt, Entscheidung), wies eine Krise auf einen entscheidenden Punkt einer Handlung im antiken Drama bzw. auf eine Zuspitzung bei einer Krankheit hin.29 Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Krisenbegriff zunächst auf gesellschaftliche, später auch auf ökonomische Spannungen und Störungen, wie z.B. plötzliche Katastrophen durch Missernten, übertragen.30 Der klassische ökonomische Krisenbegriff entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert in engem Zusammenhang mit dem Aufkommen von Nationalökonomie und Volkswirtschaftslehre.31

References

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    Vgl. Clasen (1992a), S. 67, sowie Gemoll (1965), S. 453, und Krummenacher (1981), S. 30.Google Scholar
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    Clasen betrachtet Störungen lediglich als sachbezogene Dysfunktionalitäten, die zwar isoliert betrachtet nicht existenzgefährdend sind, aber kumulierend und sich gegenseitig verstärkend Krisen induzieren können. Vgl. Clasen (1992a), S. 75.Google Scholar
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    Vgl. analog auch die Unterscheidung zwischen „Sanierungsfähigkeit“ und „Sanierungswürdigkeit“. Vgl. dazu Andersch/ Schneider (2006), S. 312 ff. oder Boss (2005), S. 21, sowie die dort zitierte Literatur: „Sanierungswürdig ist ein Unternehmen dann, wenn die subjektive Interessenlage der am Prozess Beteiligten den Turnaround als gerechtfertigt erscheinen lässt und somit der Liquidationswert unter dem künftig erzielbaren Ertragswert liegt bzw. ein ausgewogenes Chancen-Nutzen-Verhältnis erreicht wird. Die Sanierungsfähigkeit liegt vor, falls durch das Ergreifen adäquater Maßnahmen die wirtschaftliche Situation des Unternehmens auf profitabler Basis mit hoher Wahrscheinlichkeit gesichert werden kann.“ (Boss [2005], S. 21.) Eventuell bietet sich eine Ergänzung dieser Systematik um eine dritte Dimension an. Die Sanierungswilligkeit kann insbesondere bei öffentlichen Unternehmen oft als nur oberflächlich beschrieben werden. Sowohl bei Mitarbeitern als auch auf Seiten des Staates als Eigentümer lassen die fehlenden regulierenden Kräfte des Marktes die notwendige Bereitschaft zur Bewältigung einer Krise häufig vermissen. Zudem kann eine Unterscheidung hinsichtlich der Granulations stufe eines Sanierungsobjekts durchaus sinnvoll sein. Die Weiterführung eines Geschäftsbereichs eines Konzerns, dessen Sanierungswürdigkeit fraglich ist, hat andere industriepolitische Implikationen als das Festhalten an ganzen Branchen oder Industriezweigen einer Nation in derselben Sanierungssituation. Diese Unterscheidung soll nicht Gegenstand der Untersuchungen dieser Arbeit sein, bietet sich allerdings für die weiterführende Forschung durchaus an. Interessante Ansätze zur Sanierungswürdigkeit im Rahmen moderner Industriepolitik liefert z.B. Hepperle (2004).Google Scholar

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