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Das Bildgedächtnis und seine Funktionsweise

  • Alain Lieury

Zussammenfassung

Wie bereits verschiedene Autoren der Antike bemerkten, gibt es eine andere wichtige Form der Gedächtnisrepräsentanz, nämlich geistige Bilder oder das bildhafte Gedächtnis. Doch entgegen dem Anschein sind diese Bilder keine „Fotos“ der Realität, sondern vielmehr virtuelle, großenteils „konstruierte“ Bilder. So hat man in dem Test mit dem farbig geschriebenen Sprichwort den Eindruck, den Satz vor dem geistigen Auge farbig zu sehen, doch fragt man sich nach der Farbe jedes Buchstabens, merkt man, dass dies eine Täuschung ist. Daher rühren beispielsweise die Irrtümer von Augenzeugen. Nichtsdestotrotz existieren die Bilder von Gegenständen, Tieren und Pflanzen sehr wohl, aber in virtueller Form. Wir können uns also ganz leicht ein Schiff vorstellen, doch das ist kein bestimmtes Schiff, sondern eine Abstraktion aus Dutzenden oder Hunderten Schiffen, die wir in der Realität, auf Zeichnungen, Fotos oder in Filmen gesehen haben. Manche Forscher schätzen die Zahl der Bilder in unserer virtuellen Bildergalerie auf 30’000 bis 50’000.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013

Authors and Affiliations

  • Alain Lieury
    • 1
  1. 1.Université Rennes 2France

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