Zusammenfassung

Seit vielen Jahren gelten die sogenannten Chaos-Reports der Standish Group als Gradmesser für die noch immer nicht als überwunden geltende Softwarekrise. Gut vier Jahrzehnte nachdem 1968 auf einer NATO-Konferenz im bayerischen Garmisch das Software Engineering, also das ingenieurmäßige Entwickeln von Software, als „Heilmittel“ dafür vorgeschlagen wurde, werden nach Standish noch immer nur rund 30 % aller Software-Entwicklungsprojekte innerhalb der vorgesehenen Zeit- und Budgetvorgaben und mit dem zuvor definierten Funktionsumfang abgeschlossen. Etwa weitere 30 % werden ohne nutzbares Ergebnis vorzeitig abgebrochen und etwa die verbleibenden 40 % aller Projekte liefern zwar ein brauchbares System, überschreiten aber bis zur Auslieferung Budget- oder Zeitvorgaben oder beides. Dies noch immer allein als die Auswirkungen von mangelhaften Fähigkeiten in der Softwareentwicklung zu betrachten, widerspricht aber offensichtlich einer Menge eindrucksvoller Beispiele für das Können heutiger Softwareingenieure, die uns im täglichen Leben begegnen: Betriebssysteme wie Windows oder Linux wachsen im weltweiten Zusammenspiel von hunderten oder gar tausenden von Entwicklern, neue Software für Mobiltelefone oder Webapplikationen entsteht in extrem kurzen Zeiträumen, und unzählige eingebettete Softwaresysteme in PKWs, Flugzeugen bis hin zu Haushaltsgeräten funktionieren im Allgemeinen trotz mancher Kinderkrankheiten erstaunlich zuverlässig. Das klingt nun nicht mehr nach der großen Krise der Softwareentwicklung.

Copyright information

© Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2011

Authors and Affiliations

  • Oliver Hummel
    • 1
  1. 1.Institut für Informatik und WirtschaftsinformatikUniversiät MannheimMannheim

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