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Zusammenfassung

Dem Stil der Barockdichtung gibt der Gegensatz zwischen Verzicht und Weltlust die ihm eigentümliche Spannung. Er ist nicht ein Stil der logischen Entwicklung sondern ein Stil der Dynamik: in Stoß und Rückstoß sucht Kraft ihren Weg. Stärke bäumt sich auf und erleidet lastenden Druck, so daß sie nur unter ungeheurer Anstrengung sich aufrecken kann, wie die gedrehte Säule, die statt gradauf zum Himmel zu steigen, in mühsamenWindungen, immer wieder zur Erde niedergezogen, aufstreben muß. So kommt, bei aller lodernden Leidenschaft, etwas Verkrampftes und Unfreies in die Kunstform des Barock. Zu hart stehen die beiden Mächte, diesseits und jenseits, einander gegenüber. Keine hat Verständnis für die andere. Reine ist gewillt, eine Ausgleichung zu Schaffen, indem sie dem Wesen der andern in sich Eingang gewährt. Jede behauptet, in endlosem Rampfe mit der andern, immer wieder, nur in gesteigerter Kraftanstrengung, ihre Stellung. Der Barockstil ist so eine Sprache stets neu sich ballender Wuchtigkeiten, die in der letzten Phase zur phrasenhaften Rhetorik prunkender Bilderreihen entartet.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1926

Authors and Affiliations

  • Emil Ermatinger
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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