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Hesiod und Pindar

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Zusammenfassung

Wer einmal die Grenze überschritten hat, weiß sich der eigentümlichen Erfahrung zu erinnern, daß ihm die Leute im fremden Lande einander zum Verwechseln ähnlich vorkommen; es gehört schon langer Aufenthalt und Übung im Beobachten dazu, um sich von dem ersten Eindruck zu befreien und individuelle Umrisse aus der allgemeinen Gleichmäßigkeit bestimmt und scharf herauszunehmen. Die große Menge des gebildeten Publikums verhält sich zu den antiken Literaturen nicht anders, um so weniger, als sie sich für diese Art der Betrachtung auf eine lange Gewohnheit, um nicht zu sagen auf eine imposante Tradition berufen kann. „Die Alten“, so sagte man früher; seit der Renaissance des Hellenentums, seit Winckelmann und W. v. Humboldt ist man gewohnt „die Griechen“ zu nennen, wenn das klassizistische Ideal gepredigt werden soll. Und nicht allein der moderne Klassizismus hat, unbekümmert um die individuellen Unterschiede, solche Gesamttypen geschaffen, sie sind viel älter. Als im römi schen Kaiserreich die laue Dämmerung des Weltfriedens die müden Völker gleichmäßig umfing, sah die nur genießende, nicht mehr zeugende Sehnsucht kulturgesättigter Geschlechter die Gestalten der Vorzeit in einem gleichen Lichtglanz, der alle Schatten und damit alle scharfen Linien verschluckte. Die Wunderwerke der klassischen Periode galten für mühelos erzeugte Produkte bevorzugter Wesen, denen des homerischen Götterschmieds Hephaestos vergleichbar; das Gefühl dafür war erstorben, daß Menschen, sterbliche, leidende und strebende, kämpfende und irrende Menschen sie geschaffen hatten.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1919

Authors and Affiliations

  1. 1.FreiburgDeutschland

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