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Psychologische Analyse des Wertbegriffs

  • Richard Müller-Freienfels

Zusammenfassung

Ich schicke der Untersuchung der ästhetischen Wertung eine Untersuchung über den Wertbegriff überhaupt voraus, die der Gesamthaltung unserer Methode nach, nur empirisch, psychologisierend zu Werke gehen kann. Wir gehen also nicht von einem apriorischen Wertbegriffe, sondern von der Tatsache aus, daß, wo Menschen gelebt haben, auch Wertbegriffe gebildet, Werturteile gefällt sind. Es kann jedenfalls nicht die Möglichkeit abgestritten werden, diese Wertungen zu sammeln, zu analysieren und auf induktivem Wege daraus einen Allgemeinbegriff des Wertes abzuleiten, falls sich genügend Unterlagen für eine solche Induktion bieten. Der Einwand der Logisten, es müsse einer solchen sammelnden und analysierenden Untersuchung eine deduktive Definition des Wertbegriffs vorausgehen, teilen wir nicht. Voraus geht nur die allgemeine, empirische Feststellung, daß überall unter Menschen gewertet wird; ein dieser Wertung etwa zugrunde liegendes Gemeinsames darf bei der ungeheuren Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit der Werturteile keineswegs a priori angenommen werden, sondern ist Aufgabe der Untersuchung. Wir beginnen nicht mit einem festumrissenen Begriff des Wertes, sondern nur mit der Feststellung, daß überall zwischen gut und böse, schön und häßlich, richtig und falsch, nützlich und: schädlich unterschieden wird. Diese Unterscheidungen finden wir im Leben und in der Geschichte allenthalben vor und sehen, daß sie zusammenfassend als Bewertungen bezeichnet werden. Wir nehmen nun, angesichts der ungeheuren Verschiedenheit der Werturteile (nicht nur zwischen den oben bezeichneten Gattungen, sondern auch innerhalb der einzelnen Wertgattungen) keineswegs an, daß ihnen ein apriorischer Begriff oder eine metaphysische Norm zugrunde liegen müsse, sondern wir untersuchen, ob sich trotz der außerordentlichen Verschiedenheiten Gemeinsamkeiten erkennen lassen, die es gestatten, eine Einheitlichkeit des Wertbegriffs zu statuieren.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1923

Authors and Affiliations

  • Richard Müller-Freienfels

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