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Zur jungkonservativen und nationalsozialistisch orientierten Technikauffassung und ihre Konvergenz mit Spenglerschen Elementen der Technikkritik

  • Thomas Kluge
Chapter
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 71)

Zusammenfassung

Im folgenden wird es um die Darlegung der Kontinuität von Elementen zwischen kulturkonservativer Technikkritik, wie sie insbesondere durch Spengler vorgetragen wurde, und der nationalsozialistischen Propaganda vor 1933 gehen.

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Literatur

  1. (1).
    Vgl. G. Hortleder, Das Gesellschaftsbild des Ingenieurs, a.a.O., S. 123ff. und U. Troitzsch, Technikgeschichte in der Forschung und in der Sachbuchliteratur während des Faschismus, in: Mehrtens/ Richter (Hrsg.), Naturwissenschaften, Technik und NS-Ideologie, Frankfurt 1980, S. 217f.Google Scholar
  2. (2).
    Vgl. dazu: K.H. Ludwig, Technik und Ingenieure im III. Reich, König-stein/Ts. 1979, S. 44f.Google Scholar
  3. (1).
    Heft 1 der NS-Bibliothek, Das Programm der NSDAP, 1. Auflage, München 1927.Google Scholar
  4. (2).
    Vgl. dazu in diesem Kapitel meine Anmerkung zum ‘mittelständischen Sozialismus’ (S.130 , Anm. 1)Google Scholar
  5. (3).
    G. Feder, Das Programm der NSDAP, a.a.O., S. 19.Google Scholar
  6. (1).
    Vgl. die von G. Feder herausgegebene und von P. Schwerber verfaßte Schrift, Nationalsozialismus und Technik, in: NS-Bibliothek, Heft 21, München 1930, S. 55: Es gelte, ein “... Technikministerium zu gründen, um die Technik für die politische Macht freizusetzen...”Google Scholar
  7. (2).
    Vgl. zu diesem Aspekt das von Feder 1932 vorgelegte Arbeitsbeschaffungsprogramm, wiederabgedruckt in: ders., Kampf gegen die Hochfinanz, München 1933, S. 349ff.Google Scholar
  8. (3).
    F. Lawaczeck, Technik und Wirtschaft im III. Reich- Ein Arbeitsbe-schafftungsprogramm, NS-Bibliothek Nr. 38, München 1932.Google Scholar
  9. (4).
    K. Wagner, Großraum-Technik, Berlin, Leipzig 1944, im folgenden zitiert als K. Wagner, Großraumtechnik.Google Scholar
  10. (1).
    G. Feder, Kampf gegen die Hochfinanz, a.a.O., S. 339.Google Scholar
  11. (1).
    G. Feder, Kampf gegen die Hochfinanz, a.a.O., S. 339.Google Scholar
  12. (2).
    ebd., S. 339. Feder überträgt sein Beispiel auf alle Bereiche der großindustriel-len Produktion, vor allem auf die, die als sogenannte “Durchbruchstechnologien” galten, wie die Elektrotechnik, Gasversorgung etc. Eine gewisse Ausnahme läßt er nur für den Bereich der “Wärmeversorgung” der Bevölkerung — im Hinblick auf Lawaczecks Thesen — gelten.Google Scholar
  13. (3).
    Diese ganz in der Tradition der völkischen Ideologie stehende Forderung hatte angesichts der Krise einen breiten Niederschlag gefunden; nicht nur in der Soziologie wurde von der “Auflandung” (W. Sombart) gesprochen, auch der Kreis der “Jungkonservativen”, gruppiert um das einflußreiche Organ “Die Tat”, hat sich diesem Problemkreis gewidmet (vgl. die nachfolgenden Ausführungen zu Fried).Google Scholar
  14. (1).
    Auf der Ebene der Kritik der politischen Ökonomie lassen sich jene Kritik-Topoi dieser als “mittelständischer Sozialismus” bezeichneten Ideologie auch einer genetischen Erklärung zuführen. Die ideologische Annahme von einem “nur über den Zins verfügenden Juden” resultiert aus der ideologischen Fixierung an die Sphäre der einfachen Warenzirkulation, indem das Geld seiner Kapitalfunktion enthoben wird und es nur noch auf ein Tauschmittel der Zirkulation der Waren beschränkt wird. So erscheint der Profit als ein ungerechter Aufschlag über den Wert der Waren (hinaus); vom Standpunkt des unmittelbaren Produzenten aus als ungerechneter Abzug (vom Lohn), wie der Zins als Wucher. Diesem, nur von der Warenzirkulation her be-stinmten Kritikstandpunkt blieb die Marxsche Entdeckung des Wertes verschlossen, daß vorgeschossenes Kapital einen Profit abwirft, wenn der “produktive Kapitalist Ware zum Wert verkaufen kann”. (Das Kapital Bd. III, a.a.O., S. 358). Der Arbeiter soll dann wieder zum Klein-Produzenten der Waren werden und dies nur als arisches Privileg, wobei (nur) seine Produkte (nicht seine Arbeitskraft) in den Austausch treten und “der Jude” als überflüssiger Parasit, als Wucherkapitalist, erscheint. Die dieser Ideologie zugrunde liegende Auftrennung der Geldfunktion in Zinskapital und schaffendes Kapital läßt dann jene Unterscheidung von raffendem und schaffendem Kapital entstehen: die “ökonomische Ba-sisinterpretation” des nationalsozialistischen Antisemitismus. Diese nationalsozialistische Ideologie des“gerechten Äquivalententausches” bleibt insgesamt auf die Ebene der Austauschakte fixiert, in der gerade nicht die Entstehung des Mehrwertes sichtbar wird (vgl. K. Marx, ebd. oder z.B.: Das Kapital Bd. I, a.a.O., S. 208). Diese Sichtweise verstellt also den Blick für den in der Produktion stattfindenden Austausch von Kapital und Arbeit und den in der Produktion realisierten Mehrwert. Die nationalsozialistische Ideologie, welche die Lohnarbeit zu einem arischen Privileg erhob, zu einer rassischen Angelegenheit stilisierte, erklärte hierdurch die Lohnarbeit zu einer biologischen Pflicht, was gerade für den deklassierten Mittelstand im Resultat hieß, daß er durch die dann vom Nationalsozialismus betriebene weitere Entfaltung der kapitalistischen Produktion dieser “einverleibt” wurde. Vgl. zu der hier angesprochenen Problemstellung die sehr sorgfältige Diplom-Arbeit v. U. Jähner: Rassenantisemitismus als politische Ideologie, Frankfurt o.J., unv. Manuskript.Google Scholar
  15. (1).
    G. Feder, Kampf gegen die Hochfinanz, a.a.O., S. 342.Google Scholar
  16. (2).
    Vgl.: H. Bravermann, Die Arbeit im modernen Prcduktionsprozeß, Frankfurt — New York 1980Google Scholar
  17. (2a).
    J. Böning, Technik und Rationalisierung in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik, in: Technikgeschichte, U. Troitzsch u. G. Wohlauf (Hrsg.), Frankfurt 1980, S.390ff.Google Scholar
  18. (1).
    Hierbei gilt es auch zu bedenken, daß Sozialdemokraten und Gewerkschaften Rationalisierungen zur “langfristigen Arbeitsplatzsicherung” nicht im Wege standen.Google Scholar
  19. (2).
    Vgl. zu diesem Problem die zeitgenössische Kritik durch W. Reich, insbesondere die Einleitung, ‘Massenpsychologie des Faschismus’, Amsterdam o.J.Google Scholar
  20. (1).
    Wie weit die “Agrarideologie” als ein mystifiziertes Krisenbewußtsein Eingang gefunden hat in das allgemeine Denken über Gesellschaft kann noch anhand ganz anderer Bereiche aufgezeigt werden, z.B. dem sehr weiten der Unterhaltungsliteratur; diese populäre Literatur erreichte z.T. sehr hohe Auflagen. Neben der völkischen Tradition reichte die technikablehnende Agrarideologie bis in die Kreise der sog. “Arbeiterliteratur ”. Vgl. Autoren wie M. Barthel, Heinrich Lersch, Gerrit Engelke u.a., die politisch der Sozialdemokratie nahestanden, die der “See-lenlosigkeit” des industriellen Produktionsprozesses ein idealisiertes “Gegenbild handwerklicher bäuerlicher Provenienz” gegenüberstellten (vgl. Chr. Rülcker, Proletarische Dichtung ohne Klassenbewußtsein. Zu Anspruch und Struktur sozialdemokratischer Arbeiterliteratur, in: W. Rothe (Hrsg.) Deutsche Literatur in der Weimarer Zeit, Stuttgart 1974, S. 429ff.). H.W. Niemann hat in seinem Aufsatz, Die Beurteilung und Darstellung der modernen Technik in deutschen Romanen des 19. und 2O. Jahrhunderts in: Technikgeschichte Bd. 46, 1979,S.314 ., belegt, wie in der Unterhaltungsliteratur auch jenseits der zuvor angesprochenen Strömungen eine “...deutliche Kontinuität eines euphorischen Technikkultes mit nationalistischen Vorzeichen vom Kaiserreich zur Weimarer Republik festgestellt werden (muß)... so waren die 20er Jahre andererseits die Zeit großer Popularität der kulturpessimistischen Propheten wie O. Spengler..., die die damalige gebildete Welt nachhaltig beeinfluß-(ten)”. Neben der auch hier wiederzufindenden allgemeinen These des Widerspruches von Technikeuphorie und -ablehnung wird meiner Ansicht nach dem Zusammenhang von Technik und Rassismus zu wenig Beachtung geschenkt. Technik taucht in den Populärdarstellungen von der Kaiserzeit bis hin zur Weimarer Republik nicht nur als Kompensationsmedium für nationale Selbstbehauptung (besonders in Romanen nach dem I. Weltkrieg) bzw. für Klassenauseinandersetzungen (das Bild vom Arbeiter und Soldaten in der “Werkgemeinschaft” sind durchgängige Topoi, wie Niemann belegt) auf, sondern auch als das Medium zur Befreiung der germanischen (arischen) Rasse. Einer der seinerzeit verbreitetsten Romane einer Technik-Utopie: “Der Tunnel” von Bernd Kellermann (1911) mag dies verdeutlichen (er hatte 1913 bereits eine Auflage von weit über 100.000) . M. Schwonke (in: Vom Staatsroman zur Science Fiction. Eine Untersuchung über Geschichte und Funktion der naturwissenschaftlich-technischen Utopie, Stuttgart 1957, S. 66), der diesen Roman fälschlicherweise als ein Zeugnis der Gegnerschaft zur Technik wertet, übersieht (wie auch G. Hortleder, Das Gesellschaftsbild des Ingenieurs, a.a.O., S. 90ff.), daß in dem Roman die entscheidene Wende zur Durchsetzung des großtechnischen Projektes die Lösung aus der “Umklammerung” der jüdischen Finanzabhängigkeit darstellt. So nimmt es auch nicht Wunder, daß der erste große Film, den die Nazis nach der Machtergreifung starteten, jenen Kellermann-Roman aufgriff.Google Scholar
  21. (1).
    Die Zeitschrift erschien damals in einer Auflagenhöhe von mehr als 30.000 Exemplaren. Vgl. dazu: K. Fritzsche, Politische Romantik und Gegenrevolution, Das Beispiel des Tat-Kreises, Frankfurt 1976,S.55.Google Scholar
  22. (2).
    Vgl. hierzu: A. Sohn-Fethel, Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus, Frankfurt 1973, S. 86ff.Google Scholar
  23. (1).
    “Die mechanische und industrielle Revolution ist abgeschlossen. Der technische Ausbau und die technische Ausrüstung der Wirtschaft ist beendet. Grundlegende Erfindungen sind nicht mehr zu erwarten.” F. Fried zitiert nach K. Fritzsche, Politische Romantik, a.a.O., S. 94.Google Scholar
  24. (2).
    F. Fried, Autarkie, Jena 1932, S. 43ff, vgl. auch S.130, Anm. 1.Google Scholar
  25. (3).
    Vgl. die Konvergenz mit Spenglers Auffassung des Dienstgedankens; Spengler sprach von einer “inneren Freiheit des Dienens”.Google Scholar
  26. (1).
    Vgl. F. Fried, Autarkie, a.a.O., S. 43.Google Scholar
  27. (2).
    ebd., S. 42 u. 45.Google Scholar
  28. (1).
    Die Transformation ökonomisch bedingter Krisenängste in die Wertbezüge einer politischen Psychologie scheint mir ein qualitativer Unterschied zu sein zu der Feststellung Fritzsches, der die “Volksgemeinschaftsideologie Frieds” analysiert als Stimulierung irrationaler Gefühle, “weil eine rationale Alternative gefehlt habe” (Vgl. K. Fritzsehe, Politische Romantik, a.a.O., S. 154, 157). Die Schwäche dieser Argumentation liegt nicht in der Feststellung, daß eine rationale Alternative gefehlt habe (das ist wohl anzunehmen), sondern in der Unterstellung “irrationaler Gefühle”. Leider erweisen sich Gefühle oftmals darin stärker als ihr Gegenteil, daß sie auch durchaus Zwecken dienen können und sei es dem der “Entlastung” in die falsche Zielrichtung. Diese scheint mir innerhalb der Ökologiedebatte dort gegeben zu sein, wo mit einem Konzept der “Ökonomie der Schrumpfung” z.B. die Ablösung des Kapitals durch eine “spirituelle Wende” zum autarken Agrarstaat vorgeschlagen wird. Vgl. hierzu: C. Jäger, Das Konzept der Wirtschaftsschrumpfung, in Alemantschen, Heft 1, 1980 ohne Ort, S.131ff und R. Bahro, Wahnsinn mit Methode, Berlin 1982.Google Scholar
  29. (1).
    F. Lawaczeck, Technik und Wirtschaft im III. Reich, Ein Arbeitsbe-schaffungsprogranm, München 1932, NS-Bibliothek. (Im folgenden als F. Lawaczeck, Technik ... abgekürzt.)Google Scholar
  30. (2).
    “Die Aufgaben, die technisch dem Techniker obliegen, sind folglich andere. Er hat nicht so wie früher Erfinder zu sein und Entwicklungsarbeit zu leisten, sondern aus dem Gegebenen das für jeweilige Zwecke richtigste auszusuchen”. F. Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S.45 u. 42.Google Scholar
  31. (1).
    F. Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S. 55.Google Scholar
  32. (1).
    Diese beruhen zum großen Teil in der Übernahme von Forschungsergebnissen, die von A. Riedler an der TH Berlin — in Verbindung mit der AEG — erarbeitet wurden. Riedler ist überdies bekannt geworden als Verfasser der E. Rathenau-Biographie und als erfolgreicher Verfechter der Promotionsgleichstellung für Ingenieure und als “Stratege” der staatsinterventionistischen Planwirtschaftspolitik während des I. Weltkrieges. Lawaczeck hatte sich in der Fachwelt einen Namen mit der Planung und dem Bau von Klein-Turbinen gemacht.Google Scholar
  33. (2).
    F. Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S. 55.Google Scholar
  34. (1).
    All diese Kritikmomente werden während des Nationalsozialismus nochmals von Alexander Friedrich in: Die unsichtbare Armee. Das Buch der Energie, Berlin 1942, eingehend dargestellt. Auch bei diesem Buch wird die “konkrete Kritik einer Technologie” eingebunden in einen antisemitischen Rassismus (insbesondere der Teil zur aktienrechtlichen Verfassung der Energieversorgungsunternehmen der Weimarer Zeit). Auf der technikkritischen Ebene besteht weitgehende Übereinstimmung mit Lawaczeck, so daß ein gesondertes Eingehen auf Friedrich sich erübrigt.Google Scholar
  35. (2).
    Nach Lawaczeck existieren eigentlich keine Arbeiter, sie sind in Zünften organisierte “Hilfsproduzenten des Nährstandes”.Google Scholar
  36. (1).
    F. Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S. 24.Google Scholar
  37. (2).
    Die ebenfalls 1932 (München) von dem Ingenieur P. Schwerter verfaßte Agitationsschrift, Nationalsozialismus und Technik (von Feder für die NS-Bibliothek herausgegeben) enthält mehrfach die Klarstellung (im Sinne der Parteileitung um Hitler), daß jegliche Eigentumsänderungen und Sozialisierungsforderungen abzulehnen seien, was als Abgrenzung zum linken Flügel der NSDAP (Strasser und Röhm) zu verstehen ist. Lawaczeck übernimmt diese Position der Unveränderlichkeit des Privateigentums.Google Scholar
  38. (1).
    An dieser Stelle sei darauf verwiesen, daß Lawaczeck die Feder-schen Thesen vom schaffenden und raffenden Kapital ebenfalls überninimt; an die Zirkulationssphäre fixiert, existiert Geld nur — wie gehabt — als Tauschmittel ; der Gedanke des Geldes als Kapital, als Ware in der Zinsform bleibt ihm verschlossen. Wie bereits aufgezeigt, muß in dieser Immanenz der Zins die Rolle des Lohnabzuges einnehmen; “Kaufkraft kann nur durch Arbeit erzeugt werden, sie ist nichts anderes als durch Arbeit verdientes Anrecht auf den Uberschuß der Landwirtschaft. Zinsen vermindern die Kaufkraft des Arbeiters, weil sie seinen Lohn kürzen.” F. Lawaczeck, Technik...,a.a.O., S. 24 Vgl. auch Anm.1, S.130.Google Scholar
  39. (2).
    Um nur einen Topos jener einfachen Tauschgesellschaft vorzustellen, sei folgender kurz demonstriert. Lawaczeck geht von der Vorstellung aus, daß der Nährstand und die Elektroindustrie ausreichten, die “Urbedürfnisse” abzudecken (Nahrung, Wohnung, Kleidung), was für ihn die Bedeutung annimmt, daß man eigentlich nur eine Nahrungsindustrie brauche; die anderen Industrien (Werkzeuge, Stoffe etc.) seien lediglich übermäßig gewachsen, und diese ihre Verselbständigung müsse wieder aufs natürliche Maß gesetzt werden. So einfach ist das für den Ingenieur. Vgl. seine Ausführungen in Technik und Wirtschaft im III. Reich, a.a.O., S. 41ff.Google Scholar
  40. (1).
    F. Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S. 78. Lawaczeck rekurriert bei diesen Thesen wohl insgesamt auf technische Entwicklungsmöglichkeiten, wie sie der Begründer der theoretischen Kinematik, Franz Reuleaux, im Jahre 1875 entworfen hatte. Vgl. F. Reuleaux, Theoretische Kinematik. Grundzüge einer Theorie des Maschinenwesens, Braunschweig 1875 und 1900, Bd. 2,(S. 633) sowie: Die Maschine in der Arbeiterfrage, Minden 1885, S. 19ff. Ihm schwebten “Kleinmeisterwerke” vor, die die Phase einer durch die Dampfmaschine bedingten industriellen Zusammenballung ablösen sollen. Die “wahren Kraftmaschinen des Volkes” hingegen: “...Kleine Kraftmaschinen, vor allem Gaskraftmaschinen, die kleinen Wassersäulenmaschinen, Heißluft-maschinen und, im Stadium eines vielversprechenden Versuchs, die Petroleumsgasmaschinen...”, sollten die Dampfmaschinen sukzessive ersetzen, ebenso werde sich dann die Arbeiterfrage von selbst lösen... Auch bei Ernst Kapp lassen sich diese Gedanken wiederfinden. Vgl. E. Kapp, Grundlinien einer Philosophie der Technik. Zur Entstehungsgeschichte der Kultur aus neuen Gesichtspunkten, Braunschweig 1877. Aber selbst die spätere Erfindung und Produktion des Elektromotors, der die Reuleauxschen sowie die von Kapp geforderten Bedingungen geradezu ideal erfüllt, haben die Konzentrationsbewegung des Kapitals eher zu seinen Gunsten beeinflußt.Google Scholar
  41. (2).
    F. Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S. 11.Google Scholar
  42. (3).
    ebd., S. 25. Vgl. Anm. 1 , S. 130.Google Scholar
  43. (4).
    Bei diesen Überlegungen beziehe ich mich auf Kritikpunkte von M. Walz, wie er sie gegen Lawaczecks Konzept der “Wasserstoffwirtschaft” formulierte. Vgl. M. Walz, “Wasserstoffwirtschaft”, die technische Utopie für mittelständische “Sozialisten”., in: Ästhetik und Kommunikation, Heft 36, Berlin 1979, S. 119.Google Scholar
  44. (1).
    F. Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S. 44.Google Scholar
  45. (1).
    Lawaczeck, Technik..., a.a.O., S. 90f.Google Scholar
  46. (1).
    Vgl. das “Energiewirtschaftsgesetz” von 1935, das das Reichsgesetz, betreffend Sozialisierung der Energiewirtschaft, ablöste, in: K.H. Ludwig, Technik, a.a.O., S. 178ff.Google Scholar
  47. (2).
    Brief v. 23.4.1937 in: Das Schwarze Korps, 3.Jg., 1937, 17. Folge v. 29.4.1937,Google Scholar
  48. (3).
    Vgl. M. Walz, in: Ästhetik und Kormunikation, a.a.O., (zur genaueren Literaturangabe siehe Fußnote 4, S.145) S. 122.Google Scholar
  49. (4).
    Vgl. K. Wagner, Großraum-Technik, a.a.O., S. 137.Google Scholar
  50. (5).
    deren Ausbau nach 1943 hauptsächlich durch KZ-Häftlinge erfolgte; diese standen unter der Kontrolle der SS, die hierbei den Tod durch Arbeit offen einkalkulierte. Vgl. K.H. Ludwig, Technik und Ingenieure im III. Reich, a.a.O., S. 486.Google Scholar
  51. (1).
    Vgl. auch die im III. Reich erfolgte Treibstoffsynthese durch Hydrierverfahren wie die Energieressourcen-Ausbeute in eroberten Gebieten.Google Scholar
  52. (2).
    So werden gegenwärtig auch durch das BMFT nicht nur als moralisches Aushängeschild gegenüber der ökologischen Opposition Sonnen- und Windenergie in die Forschungsförderung einbezogen (z.B. Windkraftprojekt “Growian”).Google Scholar
  53. (3).
    Vgl. oben die Anmerkung zu Riedler , der in Zusammenhang mit der AEG die wesentlichen Vorarbeiten zu Lawaczecks Konzeption der Wasserstoffwirtschaft leistete.Google Scholar
  54. (1).
    R. Dahlberg, Die Ablösung der fossilen Brennstoffe durch Wasserstoff, in: Berliner Hefte Nr. 16, Berlin 1981, S. 11ff.Google Scholar
  55. (2).
    Vgl. hierzu: O. Ullrich, Anmerkung zur Dahlberg-Studie, in: Berliner Hefte Nr. 16, a.a.O., Tod der Prognose — Es lebe das Szenario, S.45ff.Google Scholar
  56. (3).
    Zur Erklärung des Begriffes Exergie: “Energie hat eine Wertigkeit, die in Exergie gemessen wird... Die Energieform von handwarmem Wasser kann man kaum in andere Energieformen wie Licht oder Bewegung umformen. Sie wird darum niederwertig oder niederexergetisch genannt... ” O.Ullrich, Tod der Prognose... Berliner Hefte Nr. 16, a.a.O., S. 49.Google Scholar
  57. (4).
    ebd., S. 57.Google Scholar
  58. (1).
    O. Ullrich, Tod der Prognose.... Berliner Hefte Nr. 16, a.a.O.,S.57.Google Scholar
  59. (1).
    Vgl. Fußnote 1 , S. 125.Google Scholar
  60. (2).
    So wurde z.B. noch vor dem Überfall auf Polen der Westwallbau auf Drängen Hitlers fertiggestellt/ was zum vorzeitigen Abbruch des Autobahnbaues führte; die Wohnungsbaupolitik, das VW-Projekt und andere Projekte der frühen Ära des 4-Jahres-Planes wurden allesamt der Erweiterung der Kriegsproduktion zugeführt.Google Scholar
  61. (3).
    K.H. Ludwig weist im einzelnen nach (S.421ff.) , daß zwar die intensive Phase der Aufrüstung einen technologischen Vorsprung bei Ausbruch des Krieges erzeugt hatte, der aber hinsichtlich des Rückgrates der “Blitzkriegsstrategie”, der Panzerwaffe, im Verhältnis zur Sowjetunion und den Alliierten bereits kurze Zeit nach dem Einfall nicht mehr gegeben war. Ludwig hat dies alles sehr detailliert belegt; worauf es mir im wesentlichen ankommt, ist der Aspekt, daß bei Offensichtlichwerden eines technischen Mangels innerhalb eines technisch wohlorganisierten Systems (Goebbels gründete 1941 den Arbeitsstab für Rüstungspropaganda, Speer eine Sonderpropaganda Rüstung) Ideologeme technisch begründeter Überlegenheit verbreitet werden.Google Scholar
  62. (1).
    Gegründet wurde die “Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung” bereits am 16.5.35 mit dem Ziel: “eine(r) planvolle(n) Zusammenfassung und Ausrichtung aller wissenschaftlichen Kräfte für die Raumforschung”, zit.n. J. Umlauf, Wesen und Organisation der Landesplanung, Essen 1958, S. 87. Mit dieser Institution wurden auch technische Fragen besetzter Gebiete auf wissenschaftlicher Ebene koordiniert; die Monatsschriften der Reichsarbeitsgemeinschaft: “Raumforschung und Raumordnung” mit jewei-ligen Schwerpunktthemen bei K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 9.Google Scholar
  63. (2).
    Wagner hatte sich bereits zuvor dieser Problemstellung gewidment. Vgl. die Aufs.: Großraumtechnik, in: Deutsche Technik, Jahrgang 1942, S.129 und Neuausrichtung deutscher Technik in Europa, in: NS-Monats-hefte, Jahrgang 1941, Folge 132.Google Scholar
  64. (1).
    K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 58.Google Scholar
  65. (2).
    ebd., S. 9.Google Scholar
  66. (3).
  67. (1).
    K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 8.Google Scholar
  68. (2).
    ebd., S. 13.Google Scholar
  69. (3).
    Vgl. zu dieser Diskussion das Literaturverzeichnis bei F. Dessauer, Der Streit um die Technik, Frankfurt 1958, das Titel zu diesem Themen-komplex bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nachweist.Google Scholar
  70. (4).
    K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 13f.Google Scholar
  71. (1).
    K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 14.Google Scholar
  72. (2).
    ebd., S. 102.Google Scholar
  73. (3).
    So kritisiert Wagner die Gefährdung des ‘deutschen Waldes’ durch Grundwasserabsenkung, die durch “naturentfremdeten Wasserstraßenbau” verursacht werde. Vgl. K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 142ff.Google Scholar
  74. (1).
    K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 103.Google Scholar
  75. (1).
    So reicht es wohl nicht aus, diese Kampagne nur als “Ästhetisierung der Politik” zu fassen, ohne auf den dahinter liegenden Tatbestand der Versubjektivierung äußerer Natur zu sprechen zu konnen.Google Scholar
  76. (2).
    Diese beiden Linien existieren aber keineswegs immer als Synthese.So kann man die Hypothese wagen, daß die nationalsozialistisch ausgerichteten Architekten sich eher als “gestalterisch” sehend — in der völkischen Tradition standen — und die Bauingenieure mehr auf Seiten der neuen Sachlichkeit. So wurden auf Anleitung von Architekten einige Autobahnbrücken, die aus Stahl und Beton konstruiert waren, durch “Werkmannsarbeit von Steinmetzen” verschönt, wogegen Ingenieure sich für sachlich wirkende Stahlbetonausführungen ohne überflüssigen Zierrat aus sprachen. Vgl. K.H.Ludwig, Technik und Ingenieure im III. Reich, a.a.O., S. 340f.Google Scholar
  77. (1).
    K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 344.Google Scholar
  78. (2).
    Neben dem Aspekt der “Landschaftsbelebung” wurden die Autobahnen des “Führers” propagandistisch als “geniale Festigung der deutschen Raumund Volksgemeinschaft” vorgestellt, wobei auffällig ist, wie weitgehend diese Versubjektivierung (Raum als Subjekt!) vorherrschte. So heißt es in einer nationalsozialistischen Propagandaschrift zur Kommentierung eines Autobahn-Bildes : “Wie kein anderes Volk in Europa müssen wir den Raum zu meistern suchen, ehe er uns meistert.” In: “Schulungsbrief”, hrsg.v.Reichsorganisationsleiter der NSDAP Berlin, Febr. 1938, V.Jg. 2. Folge, S. 6.Google Scholar
  79. (3).
    Die Ernennung erfolgte durch Todt. Ludwig berichtet, daß es um Humustransplantationen, um Biotope in Naturschutzgebieten ging. Bei ihm findet sich auch die Episode, daß Hitler ein Autobahnprojekt in der Nähe Bayreuths wegen “Landschaftsverschandelung” stoppen ließ — was nicht zuletzt die Einführung des “Landschaftsanwalts” zur Folge hatte.Google Scholar
  80. (1).
    K.H.Ludwig, Technik, a.a.O., S. 344.Google Scholar
  81. (2).
    Fundstelle s. Fußnote 3 .Google Scholar
  82. (3).
    Brief an Prof .Busse (Freiburg v. 21.10.1940) ,kurz vor Todts Amtsübernahme des Rüstungsministeriums .Aus: Technik und Gesellschaft, hrsg. v. H. Sachsse, Bd.3/München 1976,S.84f. Wir wissen von Spengler um die Bedeutung der Landschaft als Wesenselement der Rassebildung; ansonsten sei darauf verwiesen, daß sie sozusagen als “Ferment” völkischer Ideologie fungiert. Vgl. hierzu auch G.Mossés Ausführungen zu J. Lang-behn u.P.de Lagarde, ders.in:Ein Volk, ein Reich, ein Führer, Königstein/ Ts. 1979.Google Scholar
  83. (1).
    Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 16.Google Scholar
  84. (2).
    Vgl. O. Spengler, UdA, Bd.2, S. 630, “Wir haben nicht die Freiheit, dieses oder jenes zu erreichen, aber die, das Notwendige zu tun oder Nichts.” Die “Entscheidung durch die Tat” ist auch bei Spengler ein rassebedingtes Phänomen. Die hier zutage tretende “Alles oder Nichts ”-Formel hat H. Ahrendt als Spezifikum faschistischen Geistes analysiert. In: Ursprünge und Elemente totaler Herrschaft, Frankfurt 1958.Google Scholar
  85. (3).
    Wie weitgehend sich Wagner an Spengler orientiert, zeigt sich auch in der Übernahme der Diktion, wenn Wagner sich zum Prozeß der technischen Entwicklung wie folgt äußert: “Der alternde Faust wird Ingenieur und erfüllt so die Goethesche Forderung des Tages.” K. Wagner, Großraumtechnik, a.a.O., S. 18f.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1985

Authors and Affiliations

  • Thomas Kluge

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