Advertisement

Ein erster Zugang: ‚Grundbegriffe‘ der Cultural Studies

  • Andreas Hepp
Chapter
  • 94 Downloads

Zusammenfassung

Zu Beginn eines Kapitel, das sich mit ‚Grundbegriffen‘ der Cultural Studies befasst, erscheint es mir angebracht, auf einen Aufsatz von Stuart Hall zu verweisen, nämlich Cultural Studies: Zwei Paradigmen (S. Hall 1980e; S. Hall 1981; dt. S. Hall 1999a). Aufgrund der Interdisziplinarität der Cultural Studies, ihrer Ausdifferenzierung und unterschiedlichen Entstehungskontexte ist es nämlich nicht möglich, einfach auf eine oder zwei grundlegende Publikationen zu verweisen, in denen die ‚Grundbegriffe‘ dieses Ansatzes dargelegt würden. Die in den Cultural Studies zentralen Begriffe und Konzepte entstammen höchst unterschiedlichen Traditionen. Dennoch handelt es sich hier nicht um ein eklektizistisches Konglomerat, und genau dies verdeutlicht Stuart Hall, wenn er von zwei „‚Hautparadigmen‘ der Cultural Studies“ (S. Hall 1999a: 128) spricht, nämlich dem Kulturalismus und dem Strukturalismus bzw. der Semiotik. Der Kulturalismus ist jene Tradition, in der die Publikationen The Uses of Literacy von Richard Hoggart, Raymond Williams’ Culture and Society und E.P. Thompsons The Making of the English Working Class stehen bzw. die diese in der in den Cultural Studies relevanten Form begründet haben (siehe dazu Kap. 3.1). Der Kern des Kulturalismus lässt sich vielleicht damit charakterisieren, dass in ihm Kultur als eng verknüpft mit sämtlichen gesellschaftlichen Praktiken begriffen wird, wobei diese als eine gemeinsame Form menschlichen Tätigseins verstanden werden (vgl. S. Hall 1999a: 122). Die Semiotik bzw. der Strukturalismus und die sich anschließende Rezeption des Poststrukturalismus fand insbesondere über Claude Lévi-Strauss und Roland Barthes Eingang in die Cultural Studies. Hierdurch wurde das auf Ferdinand de Saussure zurückgehende linguistische Paradigma zu einem zentralen Fundament kulturtheoretisch orientierter Medienanalyse. Die Hauptstärke des (Post-)Strukturalismus ist für die Cultural Studies darin zu sehen, dass er es ermöglicht, „über die Beziehungen innerhalb einer Struktur nachzudenken, [...] ohne sie auf bloße Beziehungen zwischen Personen zu reduzieren“ (S. Hall 1999a: 129; Herv. i. O.).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Weiterführende Literatur

  1. Fiske, John/Hartley, John (1989): Reading Television. London/New York: Routledge.Google Scholar
  2. Hodge, Robert/Kress, Gunther (1988): Social Semiotics. Cambridge: Polity Press.Google Scholar
  3. Hall, Stuart (1977): Über die Arbeit des Centre for Contemporary Cultural Studies (Birmingham). Ein Gespräch mit H. Gustav Klaus. In: Gulliver, Deutsch-Englische Jahrbücher 2. 54–67.Google Scholar
  4. Göttlich, Udo (1996): Kritik der Medien. Reflexionsstufen kritisch-materialistischer Medientheorien. Opladen: Westdeutscher.Google Scholar
  5. Klaus, H. Gustav (1993): Grundprinzipien des kulturellen Materialismus. Eine Skizze. In: Apitzsch ( 1993 ): 81–98.Google Scholar
  6. Williams, Raymond (1977a): Innovationen. Über den Prozeßcharakter von Literatur und Kultur. Frankfurt a.M.: Syndikat.Google Scholar
  7. Williams, Raymond (1977b): Marxism and Literature. Oxford: Oxford University.Google Scholar
  8. Williams, Raymond (1981): Culture. Glasgow: Fontana.Google Scholar
  9. Hall, Stuart (1989): Ausgewählte Schriften: Ideologie, Kultur, Medien, neue Rechte, Rassismus. Hamburg: Argument.Google Scholar
  10. Hall, Stuart (1994a): Rassismus und kulturelle Identität. Ausgewählte Schriften 2. Hamburg: Argument.Google Scholar
  11. Krotz, Friedrich (1999): Gesellschaftliches Subjekt und kommunikative Identität: Zum Menschenbild der Cultural Studies. In: Hepp et al. ( 1999 ): 119–128.Google Scholar
  12. Morley, David/Chen, Kuan-Hsing (Hrsg.) (1996): Stuart Hall. Critical Dialogues in Cultural Studies. London/New York: Routledge.Google Scholar
  13. Ang, Ien/Hermes, Joke (1996): Gender and/in Media Consumption. In: Ang ( 1996 ): 109–129.Google Scholar
  14. Angerer, Marie-Luise/Dorer, Johanna (Hrsg.) (1994): Gender und Medien — Theoretische Ansätze, Empirische Befunde und Praxis der Massenkommunikation: Ein Textbuch zur Einführung. Wien: Braunmüller.Google Scholar
  15. Angerer, Marie-Luise/Dorer, Johanna (1996): Gendered Genres and Gendered Audiences. Genealogie der feministischen Rezeptions-und Fernsehforschung. In: Marci-Boehncke et al. ( 1996 ): 61–78.Google Scholar
  16. Fiske, John (1989b): Reading the Popular. Boston/London/Sydney/Wellington: Unwin Hyman.Google Scholar
  17. Fiske, John (1999a): Populäre Texte, Sprache und Alltagskultur. In: Hepp et al. ( 1999 ): 67–86.Google Scholar
  18. Hepp, Andreas (1998): Fernsehaneignung und Alltagsgespräche. Fernsehnut- zung aus der Perspektive der Cultural Studies. Opladen: Westdeutscher.Google Scholar
  19. Müller, Eggo (1993a): ‘Pleasure and Resistance’. John Fiskes Beitrag zur Populärkulturtheorie. In: montage/av 2.1.52–66.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Andreas Hepp
    • 1
  1. 1.Karlsruhe & TrierDeutschland

Personalised recommendations