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Literarische Strategien

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Zusammenfassung

Der historische Quellenwert der Arbeiterliteratur des 19. Jahrhunderts steht außer Zweifel. In der neueren Sozialgeschichtsschreibung wird sie als Mentalitätskondensat der Arbeiterbewegung entdeckt und zur Vervollständigung des historischen Gesamtbildes herangezogen. Wir wollen im Unterschied zu einer sozialhistorischen Betrachtungsweise, die strukturelle Ähnlichkeiten und Homologien verschiedener gesellschaftlicher Ebenen untersucht, weiterhin nach der literarischen Eigenart und möglichen Singularität der Texte fragen. Bisher haben wir die dispositiven (Kapitel II) und diskursiven (Kapitel III und IV) Bedingungen beschrieben, die der Arbeiterliteratur einen bestimmten Ort und eine spezifische Funktion zuweisen. Mit anderen Worten haben wir das Auftauchen der Rede der Arbeiter über sich selbst aus dem Arbeiteralltag und ihre Literarisierung nachgezeichnet. Nun geht es darum, das literarische Material selbst im Blick auf interne Regelmäßigkeiten zu ordnen, um zeigen zu können, ob die Arbeiterliteratur trotz ihrer peripheren Funktion ein konstituierendes Element der historischen Blockbildung1 der Arbeiter ist.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. Gramsci, 1980, 222f u. erläuternd Link/Link-Heer, 1980, 250ff.Google Scholar
  2. 2.
    Zu Pathos und Satire vgl. Heft Nr. 8 der Zeitschrift ‘kultuRRevolution’ (1985), insbesondere S. 4ff. Die dort vorgenommene Gegenüberstellung von Pathos und Ironie greift auf Bachtins kulturtypologischen Ansatz zurück, ohne den Schematismus des Dialogismus übernehmen zu wollen. Ironie’ erscheint mir zur Charakterisierung der Arbeiterliteratur zu anspruchsvoll. Der Begriff ’Sentimentalismus’ ist einer Charakterisierung sozialdemokratischer Parteischriftsteller durch Friedrich Engels in einem Brief an Karl Kautsky vom 19. Juli 1884 entnommen (in: MEW Bd. 36, 176 ). Die drei Termini sind vorläufig und korrekturbedürftig. Sie sollen zunächst dazu beitragen, Texte und Diskurse zu typologisieren.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Scholz, 1980.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Gerhard, 1985, 30ff.Google Scholar
  5. 5.
    Erste Überlegungen zum Pathos in der Arbeiterliteratur habe ich 1985 zur Diskussion gestellt. Siehe Bogdal, 1985, 45–48.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Gerhard, 1985.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. die Hypothesen der Herausgeber des Heftes ‘Pathos und Ironie’, kultuRRevolution 8 (1985), 6ff.Google Scholar
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    So weiß die Festschrift des Dortmunder Volkschors zu berichten: “Unsere Konzerte waren überfüllt; mit Rauchverbot und ohne Gläserklappern wurde ein aufmerksames und dankbares Publikum erzogen”. (zit. n. Hellkuhl, 1983,66).Google Scholar
  25. 25.
    Das ist von aufmerksamen Zeitgenossen nicht nur in Deutschland beobachtet worden. So heißt es in einem englischen Roman aus dem Jahre 1891: Sie […] wissen wohl gut genug, daß nichts einen Arbeiter oder eine Arbeiterin dazu bringt, Geschichten zu lesen, die ihre eigene Welt behandeln. Sie sind die verranntesten Idealisten der Schöpfung, besonders die Frauen. […] [D]ie arbeitenden Klassen aber verabscheuen alles, was ihr tägliches Leben darstellt.“(George Gissing: Zeilengeld (1891), Nördlingen 1986, 408.).Google Scholar
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  30. 30.
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    In den Debatten taucht immer wieder die Vorstellung auf, daß das Familienoberhaupt die Unterhaltungszeitschrift vor-lesen soll: entweder mit dem schwärzenden Stift oder mit Auslassungen beim abendlichen Vortrag.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Gerhard, 1985, 32. In unserem Fall verkehrt sich die Struktur des Pathetischen. Der familialistische Diskurs spricht die politische Perspektive aus.Google Scholar
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    Friedrich Engels: Brief an Minna Kautsky vom 26.11.1885, in: MEW Bd. 36, 394,. Vgl. den Artikel von C. S. [= Conrad Schmidt]: Literatur und Sozialdemokratie, in: Die Neue Zeit, 17. Jg. (1892), 6, wo ähnlich argumentiert wird.Google Scholar
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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

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