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Von Vergessenen Texten

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Zusammenfassung

Wunschphantasien eines Schuhmachers aus Franken, Mitglied des Bundes der Gerechten und des Bundes der Kommunisten, im Jahre 1849. Doch nichts ‚kommt zu Fall‘. Statt dessen kommt es für die Arbeiter in Deutschland ganz anders.

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Literatur

  1. 1.
    Heinrich Bauer: Auf, Proletarier, Arbeitsleute, in: Morgenruf, 1974, 368.Google Scholar
  2. 2.
    ’Aus der Lebensbeschreibung einer Armen’, in: Emmerich, 1974, Bd. 1, 169 f.Google Scholar
  3. 3.
    Max Kegel: An die Internationale, in: Kegel, 1974, 21.Google Scholar
  4. 4.
    Franz Mehring: Die Wende des Jahrhunderts (1899), in: Mehring, 1972, Bd. 14, 316–319Google Scholar
  5. 8.
    Mehring schreibt in Anspielung auf die Kalenderkorrektur im Jahre 1899: Kaiser und Papst haben es so verfügt! Sie sind Herren auch über den Kalender. Auch über den Kalender oder richtiger noch über den Kalender […]. Jedoch in dieser Kalenderfrage fügen wir uns gem ihrem Willen und begrüßen das zwanzigste Jahrhundert lieber zu früh als zu spät. Es wird ein Jahrhundert der Erfüllung sein, wie das neunzehnte Jahrhundert ein Jahrhundert der Hoffnung war. […] Überreich war dies Jahrhundert an Fortschritten auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit, an Fortschritten, die selbst die kühnsten Geister nicht einmal ahnten, als es zuerst aus der Zeiten Schoße heraufgraute, aber sie alle überragt, wie die Krone des Baumes seinen Stamm und seine Wurzeln, der proletarische Emanzipationskampf als die nicht mehr mythische, sondern tatsächliche und wahrhaftige Erlösung des Menschengeschlechts.“ (Ibid. 316f).Google Scholar
  6. 9.
    Vgl. Guzzoni, 1981. u. Derrida, 1979.Google Scholar
  7. 10.
    K. Marx/F. Engels: Die Heilige Familie, in: MEW Bd. 2, 38.Google Scholar
  8. 11.
    Dieser Schluß wird nach 1917 zum gewichtigsten Argument Lenins gegen die Proletkultbewegung in der Sowjetunion.Google Scholar
  9. 14.
    Vgl. Pruss-Kaddatz, 1982.Google Scholar
  10. 15.
    Das unterscheidet die Arbeiterliteratur des 19. Jahrhunderts von der vor dem ersten Weltkrieg entstehenden ‘Arbeiterdichtung’, die bis in die siebziger Jahre das Bild des entsprechenden Forschungszweiges in der Literaturwissenschaft stark bestimmt hat. Vgl. noch J. Strelka: Aspekte der Arbeiterdichtung, in: Arbeiterdichtung, 1973, 14ff. ‘Arbeiterdichtung’ bemüht sich um eine im traditionellen Sinn poetische Verarbeitung der industriellen Arbeitswelt. Obwohl sie die Organisationen der Arbeiterbewegung in ihre Publikationen einbezieht, versteht sie sich doch primär als Bestandteil des sich ausdifferenzierenden Literatursystems der Moderne. ‘Arbeiter’ meint hier ein spezifisches Originalitätssignum, das als Mittel der Verknappung bei diskursiven Verteilungskämpfen fungiert.Google Scholar
  11. 16.
    Vgl. Engelsing, 1973; Engelsing: Die Perioden der Lesergeschichte in der Neuzeit, in: Engel-sing, 1973a, 155–179; Gessinger, 1980; Birker, 1973; Peter Eisenberg: Arbeiterbildung und Alphabetisierung im 19. Jahrhundert, in: Stüdemann/Rector, 1983, 35–51. Eisenberg vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Grad der Schriftlichkeit und Möglichkeiten politischer Emanzipation: “(E)in symbolisch fixierter Inhalt teilt sich um so mehr mit und erhält sich um so zuverlässiger, je mehr eigene mentale und kognitive (nicht zu reden von der emotiven) Aktivität mit seiner Aneignung verbunden ist. Die Behandlung der Alphabetisierung als eine Aufgabe im Bereich der Elementarbildung schließt die Masse der Arbeiterschaft praktisch von diesem Weg der politischen Bewußtwerdung aus. Die Struktur der Bildungsbemühungen, wie wir sie in der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts vorfinden, scheint mir ein Teil der Erklärung dafür abzugeben, warum die politische Bewußtseinsbildung so langsam vorangekommen ist.” (Ibid. 51) Eisenbergs Kritik nimmt implizit eine Vernachlässigung des komplexen literarischen Schreibens und Lesens durch die organisierte Arbeiterbewegung an.Google Scholar
  12. 17.
    R. Rosenberg: Die Literatur der deutschen Arbeiterbewegung als Forschungsgegenstand der Literaturwissenschaft, in: Literatur und proletarische Kultur, 1983, 61f. Rosenberg stellt in seinem anregenden Problemaufriß zutreffend fest, daß für die Masse der Industriearbeiter nur das Lied von größerer Bedeutung ist. Ich werde auf das Lied und die ‘Sänger des Proletariats’ im VI. Kapitel ausführlich eingehen.Google Scholar
  13. 18.
    Siehe Kittler, 1987, 115ff.Google Scholar
  14. 19.
    Rosenberg, 1983, 62.Google Scholar
  15. 20.
    Kittler, 1982, 181ff.Google Scholar
  16. 21.
    Vgl. die noch vorsichtige Bestandsaufnahme von Isolde Dietrich: Überlegungen zur Rolle der Literatur in der Lebensweise großstädtischer Industriearbeiter in Deutschland um 1900, in: Literatur und proletarische Kultur, 1983, 294–309, die auch die “Kultur des Mündlichen” einbezieht. D. benennt in einem Fragekatalog die Desiderate bisheriger Forschung: “Wie führen die verschiedenen Gruppen der Arbeiterklasse die Erzähltraditionen der vorindustriellen Werktätigen weiter? In welchem Maße wurden gedruckte und gelesene Texte mündlich verbreitet? Welche Rolle spielten Festreden und Prologe? Welche Lieder und Gassenhauer waren unter Arbeitern verbreitet? Welche Sprichwörter, Witze und Kneipensprüche sind proletarisch? Wie haben Fabrikordnungen, technische Literatur, Fachbücher und Arbeitsanweisungen das Verhältnis zum Gedruckten geprägt, wie haben sie als soziale Orientierungsmittel gewirkt? Wie nahmen Arbeiter die nun auch an sie gerichtete Werbung, die Inserate und Gebrauchsanweisungen auf? Welche sprachliche und ästhetische Bildung vermittelten Schulbücher, Predigten, Ratgeber und Kalender? Welche Lieder und Gedichte wurden durch die Schule und Militär eingepaukt? Welches Weltbild vermittelte die sozialdemokratisch geförderte Bildungs-und Aufklärungsliteratur verschiedener Art? Haben Arbeiter Briefe geschrieben? Wo kamen Arbeiter in Berührung mit literatursprachlich verfaßten Texten?” (300f) Auf einige Fragen soll von uns, soweit es die Quellenlage erlaubt, eine Antwort versucht werden. Für die sozialdemokratischen Organisationen liegt eine umfangreiche historische Forschungsarbeit vor: Hoffmann, 1975.Google Scholar
  17. 30.
    Die Forschung zur Arbeiterliteratur des 19. Jahrhunderts ist mit Ausnahme weniger germanistischer Spezialarbeiten von den in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts kulminierenden Debatten über sozialistische Literatur und kulturelles Erbe determiniert (vgl. die immer noch lesenswerte Arbeit von Helga Gallas, 1971). Die fundierteste und produktivste Forscherin auf dem Gebiet der Arbeiterliteratur in der DDR, Ursula Münchow (1973, 1981, 1988), hat mit ihren zahlreichen Editionen und Darstellungen unausgesprochen gegen die unter dem Einfluß von Georg Lukâcs erfolgte ästhetische Abwertung der frühen Arbeiterliteratur praktisch Stellung bezogen. Sie greift zu ihrer Legitimierung jedoch nicht auf die avantgardistische Tradition der nach Funktionszusammenhängen fragenden ‘Materialästhetik’, sondern auf die von Lukâcs favorisierte Werk-Ästhetik zurück. Diese Option schärft zwar den Blick für den einzelnen Text, gerät jedoch rasch zu einem Leistungsmessen sozialistischer Literatur am Maßstab der Wirklichkeitsverarbeitung, der historischen Wahrheit und Menschenbildgestaltung. Arbeiterliteratur des 19. Jahrhunderts wird unter diesen Aspekten als embryonale Form eines in den dreißiger Jahren kodifizierten sozialistischen Realismus re-interpretiert.Google Scholar
  18. W.
    ährend U. Münchow durchaus die Institutionalisierung der Arbeiterliteratur analysiert und Diskontinuitäten benennt, verklärt Strelka (1973, 14–24) die Entwicklung geistes-und motivgeschichtlich zum Drama der Wahrheits-und Wortsuche von Arbeitern. Die von ihm genannten sechs Phasen von den “Vorreitern” bis zu den “Erfüllern” evozieren die Vorstellung einer individualisierbaren, kohärenten Genese, wo Disparitäten, Brüche und Dispersionen zu beobachten sind.Google Scholar
  19. 31.
    Vgl. Stieg/Witte, 1973; siehe auch die kritische Zusammenfassung bei Vaßen, 1980, 139.Google Scholar
  20. 32.
    Siehe dazu den bekannten und einflußreichen Aufsatz von Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Benjamin, 1968, 7–63 und im Blick auf die Kulturpolitik der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert insbesondere Benjamin: Eduard Fuchs, der Sammler und Historiker, ibid. 95–156.Google Scholar
  21. 33.
    Vgl. die kritische Bilanz von Negt/Kluge, 1972.Google Scholar
  22. 34.
    Vgl. Benjamin, 1968, 112.Google Scholar
  23. 35.
    So die Zusammenfassung von G. Plumpe: Kunstform und Produktionspraxis im Blick auf Lu Märten, in: Bogdal/ Plumpe/Lindner, 1975, 204.Google Scholar
  24. 36.
    So greift die neben Münchow, 1981, wichtigste Gesamtdarstellung von Trommler, 1976, auf die Soziologie der Intelligenz und der Institution (der Partei) zurück, um die Bedeutung der Arbeiterliteratur zu ermessen. Vergleichbar, doch um einen ideologiekritischen Aspekt erweitert, In einer auch für den Literaturhistoriker anregenden Arbeit hat Hayden White geht die Geschichte der deutschen Literatur, 1975, 945–956 im Kapitel “Die Weiterführung revolutionärer Traditionen und das Vordringen reformistischer Tendenzen in der sozialistischen Literatur” vor. Eine umfassende Auseinandersetzung mit der Sozialgeschichtsschreibung findet sich bei Hohendahl, 1985, der allerdings zu einer ideologietheoretischen Position neigt, die den Eigenwert des Textes vernachlässigt.Google Scholar
  25. 37.
    White, 1986, 108.Google Scholar
  26. 38.
    Ibid. 109f.Google Scholar
  27. 39.
    Deshalb legen wir unseren Untersuchungen einen weiten Literaturbegriff zugrunde, ohne die einzelnen Schrift-Dokumente nivellieren zu wollen. Im Gegenteil wird hier - so weit ich überblicke zum ersten Mal - der Versuch unternommen, die Karriere der ‘Literarizität’ innerhalb der Kommunikationsformen der Arbeiterbewegung nachzuzeichnen.Google Scholar
  28. 43.
    Louis Althusser: Ieologie und ideologische Staatsapparate, in: Althusser, 1973, 147.Google Scholar
  29. 44.
    Althussers Theorie der Ideologie legt auf den funktionalen Aspekt den Hauptakzent. Vergleichbar verfahrt Hohendahl, 1985. Eine literaturwissenschaftliche Analyse kann sich mit der Aufdeckung funktionaler Zusammenhänge nicht begnügen, sollte sie aber auch nicht vernachlässigen. Zur Kritik am “Mechanizismus” vgl. White, 1986, 87.Google Scholar
  30. 45.
    Vgl. Gumbrecht/Link-Heer, 1985.Google Scholar
  31. 48.
    Im Kontext des Badener Aufstands entstand das eingangs zitierte Lied Heinrich Bauers. Vgl. dazu Schütz, 1977, 267ff.Google Scholar
  32. 49.
    Vgl. Schütz, 1979, 194.Google Scholar
  33. 50.
    Dazu ausführlich im II. Kapitel.Google Scholar
  34. 51.
    Vgl. Schütz, 1979, 176f.Google Scholar
  35. 52.
    Vgl. Derrida, 1976.Google Scholar
  36. 53.
    Vgl. Foucault, 1977.Google Scholar
  37. 54.
    Jürgen Link (1983) hat (alternativ) den Begriff “Interdiskurs” vorgeschlagen, um die Gesamtheit der Elemente als Basis eines “ideologischen Systems” erfassen zu können.Google Scholar
  38. 61.
    Vgl. Brüggemann, 1983, der sehr anschaulich die Angst vor einem ‘Wilden Westen’ im industrialisierten Ruhrgebiet beschreibt.Google Scholar
  39. 62.
    Vgl. die Fallstudie von Zwahr, 1981.Google Scholar
  40. 67.
    F. Harkort: “Bienenkorbbrief’ (1849), in: W. Köllmann, 1982, 41.Google Scholar
  41. 68.
    Vgl. den “Tugendkatalog” bei Scholz, 1980, 138–141.Google Scholar
  42. 69.
    Kämpchen, 1984, 124.Google Scholar
  43. 70.
    Bebel, 1964, 414f und 424. Lepenies hat im Blick auf eine Bemerkung Alfred Webers auf dem 2. Deutschen Soziologentag 1912 darauf aufmerksam gemacht, daß Kultur in Deutschland durchgängig als Oppositionsbegriff zu Alltag verwendet worden ist (Lepenies, 1979, 135).Google Scholar
  44. 73.
    Die Diskussionen beginnen nach der Legalisierung der Sozialdemokratie innerhalb und außerhalb der Parteiöffentlichkeit in der intellektuellen Atmosphäre Berlins. Siehe Kapitel III.Google Scholar
  45. 74.
    Vgl. Emig, 1980.Google Scholar
  46. 76.
    Zur Integrationsleistung literarischer Diskurse siehe Link, 1988, 48.Google Scholar
  47. 77.
    Louis Althusser: Über den jungen Marx (Fragen der Theorie), in: Althusser, 1977, 25.Google Scholar
  48. 83.
    Hegel, 1970, Bd. 15, 332.Google Scholar
  49. 84.
    Vgl. die kritischen Anmerkungen von Kocka, 1982.Google Scholar
  50. 85.
    Siehe Kapitel V.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

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