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Literarische Produktion als Verdeckung von Arbeit II (Schiller)

  • Holger Rudloff

Zusammenfassung

Kant hatte in der KdU das Verdecken handwerklicher Bezüge der Kunstproduktion als Notwendigkeit der Wirkung systematisch begründet. In der Auseinandersetzung mit der Problematik konnte bereits darauf aufmerksam gemacht werden, daß mit der Arbeit eine ganze Reihe normativer Bezugspunkte verdeckt werden. In der Subjektivität des Künstlers scheinen sie als autonome Vermögen versammelt zu sein. Diese sich absolut setzende Subjektivität des Dichtungsvermögens ist in den theoretischen Schriften Schillers wiederholt problematisiert worden. Wenn man davon ausgehen kann, daß Schillers Reflexion exemplarisch die Kategorien künstlerischer Originalität der idealistischen Ästhetik abhandelt1, dann läßt sich anhand einer Auseinandersetzung mit diesen Kategorien eine erweiterte Kritik genialen Produzierens vornehmen. Erst wenn das vielseitige Argumentationsgeflecht der Bedingungen künstlerischer Werksetzung als Schein durchschaubar ist, lassen sich die jeweils postulierten genialen Momente mit möglichen verallgemeinerungsfähigen Implikationen vergleichen.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. hier die dezidierte Untersuchung von Th. Neumann, die Schillers Selbstverständnis künstlerischer Subjektivität in drei Perioden der Entwicklung einteilt. Demzufolge reflektiert Schiller das Problem zunächst publikumsorientiert, in der Folge am Stoff und am Vernunftbegriff. (Th. Neumann, Der Künstler in der bürgerlichen Gesellschaft. Entwurf einer Kunstsoziologie am Beispiel der Künstlerästhetik Friedrich Schillers. Stuttgart 1968 ). Neumanns Periodisierung, die sich am historischen Entwicklungsprozeß Schillers Theorie abarbeitet, liefert die Folie unserer Frage nach Kriterien genialer Werksetzung.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Friedrich Schiller, Vollständiges Verzeichnis der Randbemerkungen in seinem Handexemplar der Kritik der Urteilskraft. In: J. Kulenkampff (Hg.), Materialien zu Kants ‘Kritik der Urteilskraft’. Frankfurt 1974, S. 126–144.Google Scholar
  3. 3.
    Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. In: Ders., Sämtliche Werke, 5. Bd., hg. v. G. Fricke u. H. G. Göpfert. 4. Aufl. München 1967,S. 570–669; Zitat: S. 657. - Nach dieser Ausgabe wird in der Folge im Text zitiert (N.N. Brief, S. N.N.).Google Scholar
  4. 4.
    Friedrich Schiller, Sämtliche Werke, Bd. 5. A. a. O., S. 1139.Google Scholar
  5. 5.
  6. 6.
  7. 7.
    Ebd., S. 1138 (Hervorhebung, H.R.).Google Scholar
  8. 8.
  9. 9.
    “(…) es wird mir gar schwer, über den Begriff des Genies mit mir einig zu werden…” (ebd.).Google Scholar
  10. 10.
    Bei Karl Philipp Moritz findet sich eine fast wörtliche Entsprechung: “Die herrschende Idee des Nützlichen hat nach und nach das Edle und das Schöne verdrängt - man betrachtet selbst die große erhabene Natur nur noch mit kameralistischen Augen und findet ihren Anblick nur interessant, insofern man den Ertrag ihrer Produkte überrechnet.” (Ders., Das Edelste in der Natur. In: Werke in 2 Bänden, 1. Bd. Berlin u. Weimar 1976, S. 231–237; Zitat: S. 236).Google Scholar
  11. 11.
    Auch der frühe Marx greift zur Illustration des hier kritisierten Gesellschaftszustands auf die Beschreibung der Sinne zurück. Seine Formulierung läßt Schillers Intention in einem eindeutigen Licht erscheinen: “An die Stelle aller physischen und geistigen Sinne ist daher die einfache Entfremdung a//erdieser Sinne, der Sinn des Habens getreten.” (Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte. A. a. 0., S. 540).Google Scholar
  12. 12.
    Das Zitat verdient aus mindestens zwei Gründen besondere Beachtung. Zum einen deutet es an, warum die Lebensphilosophie und die in ihrem Bann stehende Pädagogik meint,sich auf Schiller berufen zu können. Zum anderen lassen sich hier die Grenzen der Erkenntnis in Schillers System kritisch andeuten. – Zum ersten Punkt: Schiller identifiziert das Zergliedern von Eindrücken mit Abstraktheit und Kaltherzigkeit. Die Seele könne aber nur “als ein Ganzes”gerührt werden. Die erkenntnistheoretische Konsequenz scheint darin zu liegen, daß nur die Ganzheit des Erlebnisses authentisches Bewußtsein auszeichnet. Allein inneres Erleben könne die durch (wissenschaftliche) Arbeitsteilung erzwungene Zerfaserung der Wirklichkeit synthetisieren. Es wird weiter unten zu zeigen sein, daß Diltheys Insistenz auf der Ganzheit innerer Erfahrung und ihrer Überlegenheit gegenüber dem Zergliedern das erneut fortschreibt. Hier geht es dann auch um die Auswirkungen der Übertragung des Ganzheitsbegriffs auf rezepitons- und produktionsdidaktische Fragestellungen. (Vgl. Kap. 6). – Zum zweiten Punkt: Schiller begründet die zitierte Engherzigkeit des Geschäftsmanns damit, “weil”seine Einbildungskraft in den “einförmigen Kreis seines Berufs eingeschlossen”ist und sich “zu fremder Vorstellungsart nicht erweitern kann”. Die Kritik geht offenbar davon aus, daßsich das “enge Herz”mit einem Zuwachs an “fremder Vorstellungsart”weitet. Nehmen wir im Vorgriff auf die oben folgenden Ausführungen an, die Kaufmannsseele sei durch Schillers Konzept ästhetischer Erziehung versöhnt und geläutert. Er befände sich dann aber in der Lage des Shen Te, Brechts “Gutem Menschen von Sezuan”, der zwischen dem ökonomischen Zwang der Verhältnisse und der in der Tat “fremde (n) Vorstellungsart”des Sittlich-Humanen hin- und hergerissen wird. Es ist leicht ersichtlich, daß er auf der Ebene der individuellen Moral abhandelt, was nur durch eine materialistische Analyse begreifbar werden kann.Google Scholar
  13. 13.
    F. Tomberg, Mimesis der Praxis…, a. a. O., S. 28.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. hier Friedrich Schiller, Über naive und sentimentalische Dichtung. In: Sämtliche Werke, Bd. 5. A. a. O., S. 694–780. (Nach dieser Ausgabe wird in der Folge im Text zitiert: UnsD, S. N.N.).Google Scholar
  15. 15.
    H. Freier, Asthetik und Autonomie. Ein Beitrag zur idealistischen Entfremdungskritik. In: B. Lutz (Hg.), Deutsches Bürgertum und literarische Intelligenz 1750–1800. A. a. O., S. 329–383; Zitat: S. 370.Google Scholar
  16. 16.
    Zur Auseinandersetzung zwischen G. A. Bürger und Schiller vgl. Th. Neumann, Der Künstler…, a. a. O., S. 47 ff.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. hier exemplarisch: G. Sautermeister, Idyllik und Dramatik im Werk Friedrich Schillers. Zum geschichtlichen Ort seiner klassischen Dramen. Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1971; R. Gnmminger, Die ästhetische Versöhnung. Ideologiekritische Aspekte zum Autonomiebegriff am Beispiel Schillers. In: W. Müller-Seidel (Hg.), Historizität in Sprach-und Literaturwissenschaft. Vorträge und Berichte der Stuttgarter Germanistentagung 1972. München 1974, S. 579–597; J. Schulte-Sasse, Autonomie als Wert. Zur historischen und rezeptionsästhetischen Kritik eines ideologisierten Begriffes. In: G. Grimm (Hg., Literatur und Leser. Theorien und Modelle zur Rezeption literarischer Werke. Stuttgart 1975, S. 101–118.Google Scholar
  18. 18.
    Marcuse kritisiert in seinem 1937 verfaßten Essay “Über den affirmativen Charakter der Kultur” (in: Ders., Kultur und Gesellschaft 1. 7. Aufl. Frankfurt/M. 1968, S. 56–101) die affirmative Kultur als ideologische Sphäre der Entsagung realen Glücksversprechens. Jahrzehnte später begreift er den ästhetischen Schein hingegen als Versprechen. Als Antwort auf die Einebnung der Differenz von Kunst und Leben durch die Kulturindustrie und die Protestbewegungen der 60er Jahre insistiert er auf den utopischen und kritischen Potentialen der ästhetischen Form. (Vgl. Den., Kunst und Revolution. In: Konterrevolution und Revolte. Frankfurt/M. 1973, S. 95–148).Google Scholar
  19. 19.
    Friedrich Schiller, Kallias oder über die Schönheit. In: Sämtliche Werke, Bd. 5. A. a. O., S. 394–433. (Nach dieser Ausgabe wird in der Folge im Text zitiert: Kallias, S. N.N.).Google Scholar
  20. 20.
    Die Terminologie “Aufdecken/Zudecken” wird an dieser Stelle absichtlich in einen Zusammenhang mit der idealistischen Ästhetik Schillers gebracht. Sie hat eine Entsprechung bei Georg Lukács, der - unter ausgegeben materialistischem Vorzeichen - auf sie verweist. Der Schriftsteller müsse, Lukács zufolge, eine darzustellende Idee analytisch erfassen, sie aber um der Wirkung willen, sinnlich wieder zudecken.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. dazu ausführlicher weiter unten Kap. 7.1.Google Scholar
  22. 22.
    Jauß, H. R., Literaturgeschichte als Provokation. Frankfurt/M. 1970, S. 177.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. bes. ebd., S. 153.Google Scholar
  24. 24.
    Zum Stellenwert der Rezeptionsästhetik als repräsentativer “Literaturwissenschaft heute” vgl. den gleichnamigen Artikel von P. Bürger. In: Stichworte zur ‘Geistigen Situation der Zeit’, 2. Bd., hg. v. J. Habermas. Frankfurt/M. 1979, S. 781–795.Google Scholar
  25. 25.
    Ungeachtet dessen vollzieht sich durch das avantgardistische Kunstwerk und durch materialistische Theorie die Auflösung des ästhetischen Scheins als natürliche Gegebenheit der Werke. Vgl. dazu weiter unten Kap. 5.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. G. W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes. A. a. O., S. 113 ff.Google Scholar
  27. 27.
    Ebd., S. 113.Google Scholar
  28. 28.
    Ebd., S. 115.Google Scholar
  29. 29.
  30. 30.
    Vgl. dazu grunds. die Bestimmungen des literarischen Marktes im vorherigen Kapitel.Google Scholar
  31. 31.
    Friedrich Schiller, Über die notwendigen Grenzen beim Gebrauch schöner Formen. In Sämtliche Werke, Bd. 5. A. a. O., S. 670–693; Zitat: S. 681. In der Folge im Text zitiert: Notwend. Grenzen, S. N.N.Google Scholar
  32. 32.
    Denis Diderot, Artikel: Genie (Literatur und Philosophie). In: Den., Enzyklopädie. A. a. O., S. 175–182; Zitat: S. 182.Google Scholar
  33. 33.
    Hier kann heuristisch einsichtig werden, wie geniales Schaffen und geniales Verstehen verbunden werden. Die Autonomie des Werkes korrelliert mit der Autonomie der Kritik. Am deutlichsten ist das wohl anhand Friedrich Schlegels Konzept der Kritik ersichtlich, das künstlerische Produktion und deren Beurteilung in der Kritik als nur verschiedene Äußerungsarbeiten eines und desselben Vermögens faßt. Über das geniale Produzieren, resp. geniale Verstehen erkennen sich Künstler und Kritiker gegenseitig als Gleichberechtigte an. Daß sie sich damit von der Masse der bloß Anerkennenden - und nicht Anerkannten - absetzen, macht die Überlieferung der genialen Verstehenslehre deutlich. Besonders Dilthey - und die an ihm orientierten literaturpädagogischen Strömungen - haben von der Jahrhundertwende an bis zur Gegenwart mit einer genialen Verstehenslehre den Ausschluß der großen Mehrheit der Bevölkerung vom Verstehen literarischer Texte zu legitimieren versucht. Vgl. dazu unten Kap. 6 u. 7.Google Scholar
  34. 34.
    Kojève, A., Hegel. Eine Vergegenwärtigung seines Denkens. Kommentar zur “Phänomenologie des Geistes”, hg. v. I. Fetscher. Frankfurt/M. 1975, S. 64.Google Scholar
  35. 35.
    Es wäre einer eigenen Untersuchung wert, die Herrenideologie der “Freiheit des Dämon” bis ins 20. Jh. zu Stefan Zweig oder Thomas Mann zu verfolgen.Google Scholar
  36. 36.
    Nicht weiter untersucht werden kann hier die Vermutung, daß Schiller die arbeitsteiligen Verhältnisse der materiellen Produktion zu Fundamentalgesetzen des Menschen verdinglicht.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. auch 25. Brief, S. 652: “(…) in den Sinnen erfolgt ein augenblicklicher Friede, die Zeit selbst, das ewig Wandelnde, steht still, indem das Bewußtseins zerstreute Strahlen sich sammeln (…)”.Google Scholar
  38. 38.
    H. G. Gadamer, Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. 4. Aufl. Tübingen 1975, S. 100.Google Scholar
  39. 39.
  40. 40.
    Herbert Marcuses Diagnose, daß der Schein des Schönen die Versöhnung mit dem wirklichen Leid leistet, läßt sich exemplarisch in der äthetischen Theorie von Karl Philip Moritz ablesen. Die Probleme der äußeren Welt werden im geschützten Reich der Innerlichkeit aufgelöst, und es entsteht der “tröstende Gedanke, daß es keinen Stand in der Welt gibt, der dem Menschen die Macht rauben könnte, die wahren Vorzüge seines Geistes zu empfinden, über die Verhältnisse der Dinge und ihren Zusammenhang Betrachtungen anzustellen und sich mit einem einzigen Schwunge seiner Denkkraft über alles das hinwegzusetzen, was ihn hienieden einengt, quält und drückt” (Karl Philip Moritz, Das Edelste in der Natur. In: Werke, Bd. 1. A. a. O., S. 237).Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. dazu unten Kap. 5.4.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. dazu oben Kap. 1.2.Google Scholar
  43. 43.
    Gadamer, Wahrheit und Methode. A. a. O., S. 103 (Hervorhebung, H. R.).Google Scholar
  44. 44.
    Ebd., S. 105.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. hier die Ausführungen zum Verhältnis freier Schriftsteller/fiktiver Leser von H. J. Haferkorn, Zur Entstehung der bürgerlich-literarischen Intelligenz…, a. a. O., S. 164 ff.Google Scholar
  46. 46.
    Shaftesbury, A Letter Concerning Enthusiasm. A. a. O., S. 314.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. hier grundsätzlich: M. Naumann Gesellschaft - Literatur - Lesen. Literaturrezeption in theoretischer Sicht. A. a. O., S. 53 ff., S. 83 ff.; Escarpit, R., Das Buch und der Leser. Köln und Opladen 1961, S, 104 ff.Google Scholar
  48. 48.
    Diese Kehrseite der Autonomieästhetik hat Christa Bürger an der ästhetischen Position Wilhelm von Humboldts herausgearbeitet. Anhand einer Analyse der Begrifflichkeit Humboldts zeigt sie auf, daß allein der Produzent über Wirklichkeit und Absicht der Gemütsstimmung verfügt. Dadurch komme der “geheime Widerspruch der klassischen Asthetik” zum Vorschein:“die verheißene Befreiung von den Zwängen der Realität meint nicht die Autonomie des Rezipienten, den sie vielmehr zum Objekt der schöpferischen Tätigkeit des Kunstproduzierenden macht”. (Dies., Der Ursprung der bürgerlichen Institution Kunst. A. a. O., S. 138).Google Scholar
  49. 49.
    Gerade aufgrund ihres autonomen Status und des elitären Selbstbewußtseins der Künstler können die Werke diesen Ideengehalt freisetzen. - Die falsche Aufhebung der Trennung von Kunst und Lebenspraxis, von literarischer Herrschaft und Knechtschaft, führt hingegen Adorno kritisch vor. Auch er greift auf das Verhältnis Künstler/Magd zurück. Unabhängig vom oben entwickelten Exkurs auf Kleists Schrift, entwickelt er die Metapher einer “amor intellectualis zum Küchenpersonal” (ders., Minima Moralia. 18. - 23. Tausend Frankfurt/M. 1971, S. 26 ff.). Sie thematisiert pointiert dem mit der Auflösung der Autonomieästhetik zur Kulturindustrie verbundenen Niveauverlust kultureller Objektivationen. Das Selbstbewußtsein des bürgerlichen Schriftstellers reicht hier nicht mehr aus, sich “an einer Vorstellung von der richtigen Gesellschaft und deren Bürgern” zu bilden (ebd., S. 27). Es paßt sich dem herrschenden Publikumsgeschmack durch “plumpe Vertraulichkeit” (ebd.) an und negiert die Distanz, die die mögliche kritische Anregung durch den Rezipienten in Aussicht stellen könnte. Distanz und Autonomie sind ihrerseits wesentliche Voraussetzungen, der negativen Wirklichkeit ein ästhetisches Ideal entgegenzuhalten. Sie eröffnet jene Möglichkeit der emanzipatorischen Arbeit und Bildung, die die Unselbständigkeit des Bewußtseins überwindet. Geht diese Distanz verloren, d.h. ebnet der Produzent das Niveau seiner Werke auf das des “Küchenpersonals” ein, so verflüchtigt sich auch die Vorstellung einer Oberwindung des Knechtschafts-Verhältnisses.Google Scholar
  50. 50.
    Kleist, Uber die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. In: dtv-Gesamtausgabe, Bd. 5, hg. von H. Sembdner. München 1964, S. 53–58; Zitat: S. 54.Google Scholar
  51. 51.
  52. 52.
    Vgl. oben Kap. 1.Google Scholar
  53. 53.
    Diese Position wird erst direkt von Georg Lukâcs ausgesprochen. Das kann hier allerdings nicht näher untersucht werden. Dennoch verweisen wir auf diesen Zusammenhang. Er deutet nämlich an, wie sich die Vorstellungen der idealistischen Asthetik in den Köpfen jener festgesetzt haben, die behaupten, sie überwunden zu haben.Google Scholar
  54. 54.
    Vgl. hier noch einmal Schulte-Sasse, Autonomie als Wert. A. a. O.Google Scholar
  55. 55.
    Vgl. J. Schulte-Sasse, Literarische Wertung. A. a. O., S. 65 f.Google Scholar
  56. 56.
    Das radikal Besondere des Geniebegriffs bezeichnet damit auch einen allgemeinen gesellschaftlichen Zustand.Google Scholar
  57. 57.
    H. H. Holz, Fetisch Formen. In: Ders., Vom Kunstwerk zur Ware. Neuwied und Köln 1972, S. 124–139; Zitat: S. 134 f.Google Scholar
  58. 58.
    Vgl. G. W. F. Hegel, Jenaer Realphilosophie. In: Frühe politische Systeme. Berlin 1974, S. 201–290, S. 223 ff.Google Scholar
  59. 59.
    J. Schulte-Sasse, Literarische Wertung. A. a. O., S. 64.Google Scholar
  60. 60.
    Ebd., S. 65 f.Google Scholar
  61. 61.
    Die im Kampf um Anerkennung egalisierende Kraft der Liebe wird hier in ihr gerades Gegenteil verkehrt. Sie gibt die Fassade ab, um den notwendigen Anteil von Sinnlichkeit im Rezeptionsprozeß metaphysisch zu verklären. So sei nur der Berufene fähig, die entsprechende Liebe zur Dichtung aufzubrinen. Stellvertretend für ganze Generationen von Germanisten schlußfolgert Emil Staiger: “Nicht jeder Beliebige kann Literaturhistoriker sein. Begabung wird erfordert, außer der wissenschaftlichen Fähigkeit ein reiches und empfängliches Herz, ein Gemüt mit vielen Saiten, das auf die verschiedensten Töne anspricht” (E. Staiger, Die Kunst der Interpretation. München 1971, S. 10). Paradoxerweise rückt diese Argumentation gerade an jenen Pol, von dem sie traditionell sich am vehementesten abzusetzen bemüht ist: dem Handwerk. Es ist kein Handwerksmeister vorstellbar, der nicht neben der erforderlichen Fertigkeit auch die Liebe zum Handwerk geltend macht. Die Prinzipien “Liebe” und “Herz” haben im Bereich handwerklicher Produktion ihren kollektiven und demokratischenCharakter behalten, den sie im Bereich der Literatur eingebüßt haben. Während z.B. Lessing die ursprünglich zugestandene Gleichheit aller mit den ‘Eigenschaften des Herzens“ begründet, fungiert für den Germanisten Emil Staiger das ”Herz“ als ein Prinzip, Hierarchisierung menschlicher Erkenntnis zubegründen.Google Scholar
  62. 62.
    H. Freier, Asthetik und Autonomie. A. a. O., S. 371.Google Scholar
  63. 63.
    Ebd. - Vgl. auch die Wiederaufnahme dieser These bei P. Bürger, Vermittlung - Rezeption - Funktion. A. a. O., S. 179 f.Google Scholar
  64. 64.
    R. Grimminger, Ideologiekritische Aspekte zum Autonomiebegriff. A. a. O., S. 596.Google Scholar
  65. 65.
    W. Brezinka, Erziehungsbegriffe. In: L. Roth (Hg.), Handlexikon zur Erziehungswissenschaft, Bd. 1. Reinbek 1980, S. 128–133; Zitat: S. 129.Google Scholar
  66. 66.
    P. Bürger, Vermittlung - Rezeption - Funktion. A. a. O., S. 182. - Vgl. hier auch die Problematisierung dieses Sachverhalts anhand der aktuellen literaturdidaktischen Diskussion bei J. Förster, Asthetische Erziehung im Literatur-und Kunstunterricht. In: Informationen zur Deutschdidaktik, H. 2/1984, S. 42–47.Google Scholar
  67. 67.
    Vgl. dazu unten Kap. 7.Google Scholar
  68. 68.
    Ausgehend von der ästhetischen Theorie Schillers zeichnet D. Kerbs diesen Sachverhalt bis in die Gegenwart hinein auf. Den., Die ästhetische Erziehung und das “niedere Volk”. In: Zeitschrift für Pädagogik 5/1978, S. 729–751. Vgl. hier auch H. Helmen, Reform oder Scheinreform des Deutschunterrichts. In: DU 3/1974, S. 5–26; Ch. Bürger, Die Dichotomie von “höherer” und volkstümlicher“ Bildung. In: R Schäfer (Hg.), Germanistik und Deutschunterricht. Zur Einheit von Fachwissenschaft und Fachdidaktik. München 1979, S. 74–102.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. hier J. Eckhardt, Der Lehrplan des Deutschunterrichts. Lernbereichskonstruktion und Lernzielbestimmung unter gesellschaftlich-historischem Aspekt. Weinheim und Basel 1979.Google Scholar
  70. 70.
    Vgl. dazu ausführlicher: H. Rudloff, Literaturunterricht in der Diskussion. Köln 1979.Google Scholar
  71. 71.
    H. Brackert, Literarischer Kanon und Kanon-Revision. In: H. Christ Reform des Literaturunterrichts. Eine Zwischenbilanz. Frankfurt/M. 1974, S. 134–164; Zitat: S. 143 f.Google Scholar
  72. 72.
    R. Grimminger, Ideologiekritische Aspekte zum Autonomiebegriff…, a. a. O., S. 597.Google Scholar
  73. 73.
    Mit der bezeichnenden Etikette “Anwendungswissenschaft” versehen, sollen die didaktischen Bezüge zu handwerklichem Tun negativ betont werden. Der massive Widerstand der Philosophischen Fakultäten, ehemalige Pädagogische Hochschulen in die Universität zu integrieren, liefert ein aktuelles Beispiel dieser elitären Abgrenzung. Lieber will man weiter unter sich bleiben und in den Erziehungswissenschaftlichen Fakultäten poiesis-Strategen sehen.Google Scholar
  74. 74.
    Bis in unsere Gegenwart hinein ist Kindheit eine zukunftsgerichtete Idee gegen entfremdete Wirklichkeit und Stagnation geblieben. So interpretiert der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Erik H. Erikson das Streben nach Generativität und Erziehung der nachfolgenden Generation als Gegensatz zu selbstabsorbierender Entfremdung. E. H. Erikson, Identität und Lebenszyklus. 4. Aufl. Frankfurt/M. 1977, S. 117 f.Google Scholar
  75. 75.
    E. Bloch, Das Prinzip Hoffnung, 3. Bd. Frankfurt/M. 1968, S. 1628.Google Scholar
  76. 76.
    Vgl. M. J. Langeveld, Studien zur Anthropologie des Kindes. 2. Aufl. Tübingen 1964, S. 11 ff.; R. Dirt, Das Kind das unbekannte Wesen. Geschichte, Soziologie, Pädagogik. Hamburg 1964; Ph. Aries, Geschichte der Kindheit. München 1977.Google Scholar
  77. 77.
    D. Hoffmann-Axthelm, Theorie der künstlerischen Arbeit. Frankfurt/M. 1974, S. 55.Google Scholar
  78. 78.
    Vgl. die oben angegebene Literatur zum literarischen Markt im 18. Jahrhundert.Google Scholar
  79. 79.
    Heinrich von K eist, Uber das Marionettentheater. In: dtv-Gesamtausgabe, Bd. 5. A. a. O., S. 71–78; Zitat: S. 75.Google Scholar
  80. 80.
    Zum Verhältnis Utopie und Entfremdung bei Schiller und Kleist vgl. die ausführliche Darstellung der Forschungsergebnisse bei U. Vohland, Bürgerliche Emanzipation in Heinrich von Kleists Dramen und theoretischen Schriften. Bern/Frankfurt 1976, S. 126 ff.Google Scholar
  81. 81.
    Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater. A. a. O., S. 71.Google Scholar
  82. 82.
    A. Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 2. Bd. In: Zürcher Ausgabe in 10 Bänden, Bd. IV. Zürich 1977, S. 466.Google Scholar
  83. 83.
    Ebd., S. 467.Google Scholar
  84. 84.
    Ebd., S. 468.Google Scholar
  85. 85.
    Ebd., S. 469.Google Scholar
  86. 86.
  87. 87.
    Ebd., S. 460.Google Scholar
  88. 88.
    J. Ritter, Artikel: Genie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. A. a. O., S. 304.Google Scholar
  89. 89.
    A. Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1. Bd. A. a. O., S. 242.Google Scholar
  90. 90.
    A. Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 2. Bd.. A. a. O., S. 449.Google Scholar
  91. 91.
    Vgl. ebd., S. 469 ff.Google Scholar
  92. 92.
    Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra. In: Den., Werke in 3 Bänden, 2. Bd., hg. v. K. Schlechta. München 1966, S. 275–561; Zitat: S. 294.Google Scholar
  93. 93.
    L. Kohlberg, Zur kognitiven Entwicklung des Kindes. Frankfurt/M. 1974. -Zum Stellenwert von Kohlbergs Ansatz für den Literaturunterricht vgl. grunds. J. Kreft, Grundprobleme der Literaturdidaktik. Heidelberg 1977, S. 91 ff.Google Scholar
  94. 94.
    L. Kohlberg, Zur kognitiven Entwicklung…, a. a. O., S. 60 f.Google Scholar
  95. 95.
    Vgl. J. Habermas, Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus. Frankfurt/M. 1976, S. 61–91.Google Scholar
  96. 96.
    Ebd., S. 85. - Vgl. hier ausführlicher: J. Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Bd. 2. Frankfurt/M. 1981, S. 260 ff.Google Scholar
  97. 97.
    Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra. A. a. O., S. 277.Google Scholar
  98. 98.
    Ebd., S. 425 - Nietzsche begreift also Natur und kindliche Natürlichkeit als rettenden Gegenpol zur “großen Kloake” der Zivilisation. Es sei bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß eine derartige Zivilisationskritik in den reformpädagogischen Gedanken der Jahrhundertwende wiederzufinden sind. (Vgl. dazu weiter unten Kap. 6.2).Google Scholar
  99. 99.
    Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft. In: Ders., Werke in 3 Bänden, 2. Bd. A. a. O., S. 7–274; Zitat: S. 197. An dieser Stelle wird klar, daß der Vergleich Nietzsches mit Kohlberg nur so lange haltbar ist, wie es um die universelle Reflexion des Einsamen geht. Bei Kohlberg richtet sich die postkonventionelle Stufe auf eine Gewissensethik, die sich zwar auch selbst die Gesetze gibt, aber keinen Anspruch auf Absonderung vom Sozialen verfolgt.Google Scholar
  100. 100.
    S. Freud, Der Dichter und das Phantasieren. In: Ders., Studienausgabe, Bd. X, Bildende Kunst und Literatur. 5. Aufl. Frankfurt/M. 1969, S. 169–179; Zitat: S. 171.Google Scholar
  101. 101.
    Vgl. hier grunds. O. Negt/A. Kluge, Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Offentlichkeit. Frankfurt/M. 1972, S. 66 ff.; D. Richter/J. Merkel, Märchen, Phantasie und soziales Lernen. Berlin 1974, S. 5–34.Google Scholar
  102. 102.
    Vgl. hier die zahlreichen Beispiele bei H. Hillmann, Alltagsphantasie und dichterische Phantasie. Versuch einer Produktionsästhetik. Kronberg 1977.Google Scholar
  103. 103.
    Zur Rolle der Phantasie als “Rohstoff” für ästhetische Produktion vgl. Negt/Kluge, Öffentlichkeit und Erfahrung. A. a. O., S. 71 ff.Google Scholar
  104. 104.
    Vgl. dazu die Ausführungen im folgenden Kapitel.Google Scholar
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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Holger Rudloff

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